VEREINIGUNG INTERNATIONALER VERLAGSANSTALTEN G. m. b. H.
BERLIN SW. 61 -- LEIPZIG
1922
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten.
Prolog.
Schwarze Baumstämme ragen trostlos aus dem schmutziggrauen Schnee auf. Von
den belebten Straßen klingeln gedämpft die Schlittenschellen herüber.
Das Herdfeuer in der Küche der alten Frau Bernstein wirft blasse
Lichtarabesken auf die schmierigen Wände, spielt auf dem Glas einer
verblaßten Photographie, die einen Mann in Arrestantentracht darstellt,
und läßt den Samowar aufblitzen wie Gold. Die großen Scheite knistern
geheimnisvoll, der Samowar summt und treibt feine bläuliche Dampfwolken in
die Höhe.
Die alte Jüdin sitzt vor dem Herd, neben ihr hockt auf dem Boden ein
vierjähriges Knäblein, der kleine Moische. Die knochigen, abgearbeiteten
Hände der Großmutter fahren liebkosend über das dichte schwarze Haar,
und die müde alte Stimme erzählt, wohl zum hundertsten Mal, des kleinen
Jungen Lieblingsgeschichte.
»Da die Fremden, Gott möge sie strafen, unseren herrlichen Tempel
zerstört hatten, gab es unter den Frommen großes Weinen und Wehklagen,
besonders ein gottliebender Jüngling namens Simon vermochte keinen Trost
zu finden. Tag und Nacht strich er um die Stätte, wo der Tempel des Herrn
gestanden, und weinte wie eine Mutter, die den einzigen Sohn verloren hat.
Der Schmerz riß Furchen in seine Wangen und ließ sein Gebein verdorren,
so daß er dahinschritt wie ein Greis, obgleich er noch jung an Jahren war.
Seine Stimme ward heiser vom vielen Weinen, und er sprach mit niemand ein
Wort, nicht mit Vater, noch Mutter, nicht mit Bruder, noch Schwester.
Nur zum Ewigen schrie er auf aus der Nacht seiner Trauer und küßte den
heiligen Boden, wo der Tempel gestanden hatte.
Nicht Trank, noch Speise wollte er genießen, und als drei Monde vergangen
waren, war er so schwach geworden, daß er nicht mehr heimzugehen
vermochte. Und er lag auf dem Hügel und rief nach dem Tod.
Da erbarmte sich seiner der Herr und sandte ihm des Nachts ein Gesicht.
Auf die Stelle, wo der Tempel gestanden hatte, fiel aus den Himmeln helles
Licht, und Simon sah eine ungeheure Schar, die nahte und trug Steine in
den Händen, Steine und Mauerkellen und Äxte und Hämmer. Und siehe, sie
legten Stein an Stein, und meißelten und hämmerten, und andere trugen
Gold herbei und Edelsteine und machten sich damit zu schaffen. Da begriff
Simon, daß der heilige Tempel wieder aufgebaut würde, und sein Herz
jauchzte und sprang vor Freude. Doch verwunderte ihn eines gar sehr; nicht
alle, die an dem heiligen Tempel bauten, waren Juden; es gab auch Fremde
unter ihnen, deren Sprache er nicht verstand.
Lange sah Simon den Bauleuten zu; bisweilen aber kam einer und zog einen
Stein aus dem Bau, gerade dort, wo er am nötigsten war, und dann hatten
die anderen viel Arbeit, das Unheil wieder gut zu machen. Manche stürzten
erschöpft zu Boden, etliche wurden von Balken tödlich getroffen,
oder gerieten in Kampf mit jenen, die heimtückisch den Bau zu hindern
trachteten, und erlagen unter deren Schlägen. Doch kamen immer neue hinzu,
und der Tempel wuchs auf, herrlich gebaut, schimmernd und gleißend im
überirdischen Licht, bis daß er endlich in vollendeter Herrlichkeit in
den Himmel ragte. Und aus den Wolken schlug eine Stimme an Simons Ohr:
»Trauere nicht mehr, und laß den Quell deiner Tränen versiegen. Siehe,
mein Tempel wird aufragen von neuem am Tage des Heils und der Erlösung;
jeder, der vom Weibe geboren, ist bestimmt, an ihm zu bauen, und jede
befreiende Handlung, jede Tat der Liebe ist ein Stein, aus dem das Haus
meiner Herrlichkeit erbaut wird. Und alle, die sich einfinden, am Tempel zu
bauen, werden Brüder sein, und es wird nicht mehr geben Fremdlinge unter
ihnen, denn sie werden sein ein Volk. Der vollendete Tempel aber wird
aufragen wie ein Licht am Himmel, und seine Strahlen werden die ganze Welt
erleuchten.«
Und Simon sah, wie sich das Licht, das vom Tempel ausging, gleich Wellen
verbreitete, über die Hügel und die zerstörte Stadt floß und seinen
Lauf gegen das Meer nahm.
Als das Gesicht ihm entschwand, war sein Herz leicht geworden wie eine
Feder, und all seine Kraft war wiedergekehrt.
Er verließ den Hügel und berichtete daheim sein Gesicht, und ehe er
starb, erzählte er es seinem Sohne, und dieser erzählte es auf dem
Totenbett wieder seinem Sohne, und so ward die Prophezeiung bewahrt bis an
den heutigen Tag.«
Die alte Stimme verstummt, träge und schläfrig knistern die verkohlenden
Scheite, die Nacht steht vor dem Fenster wie eine schwarze Mauer; in der
Ferne winselt leise ein Hund.
Erstes Kapitel.
Blaßblauer Himmel spiegelt sich in den Pfützen. Auf dem großen Fluß
treiben Eisstücke gleich funkelnden Glasscherben dahin. Birken werfen
violette Schatten auf den rasch schmelzenden Schnee. Schwerer Duft der
fruchtbaren Erde steigt sonnengewärmt empor. Stille Verheißung, Friede,
hoffnungsfreudige Liebe überfluten mild die wintergefolterte Erde.
In den engen, dunklen Gassen des Judenviertels merkte man wenig von der
Vorfrühlingspracht. Der schmelzende Schnee bedeutete Kot und Gestank;
begrabener Schmutz wurde frei, dampfte im Sonnenschein, warf übelriechende
Dunstwolken gegen die baufälligen Häuser. Auf den Gesichtern lag schwer
die Sorge, erschreckte Augen blickten scheu die Straßen entlang, eine
unbestimmte Angst schien hastende Füße in die Häuser zu treiben,
ängstliche Mütter hielten die Kinder daheim und seufzten erleichtert auf,
wenn der Mann abends heil die Stube betrat. Unausgesprochen, heimlich
von bebenden Herzen geflüstert, lastete ein Wort auf der Stadt, rot wie
Flammen und Blut, schwärzer als Winternacht. Unausgesprochen durchbrüllte
es in greller Angst die Straßen, winselte in allen Ecken: Pogrom!
Wer hat es ausgesprochen? Welcher zitternden Lippe hat es sich entrungen,
welch grimmer Zorn, welche boshafte Schadenfreude hat damit gedroht? Keiner
weiß es; wie ein Ungeheuer hat es sich plötzlich erhoben, wächst an,
streckt tausend Arme aus, wartet zusammengekauert auf den Augenblick des
Sprungs.
»Wenn doch Ostern vorbei wäre,« flüsterten blasse Frauen und
zählten furchtsam die Tage. Mittwoch, Donnerstag waren vorbei, noch
zwei gefährliche Tage, Karfreitag, Karsamstag kamen heran. Wenn die
Rechtgläubigen nicht mehr fasten mußten, wenn Eier und Schinken ihre
Bäuche füllten, entspannten sich die Nerven; der Satte wurde sanft und
träge. Noch ein Tag war zu fürchten.
Und dann, am Karsamstag-Abend brach der Sturm los. Erst war es ein böser
Bubenstreich; Knaben kamen aus einem anderen Stadtviertel gezogen, warfen
bei einem Krämer die Fenster ein: »Verfluchter Jud! Gottesmörder!« --
Dies war nur erst das Signal. Schwarze Massen strömten jählings in die
engen Gassen, mit Knüppeln und Revolvern bewaffnet, brüllend, tobend,
alles überrennend. Sie drangen in die Häuser ein, Klagerufe, wilde
Schreie stiegen auf. Stockhiebe sausten durch die Luft; weinende Kinder
rannten wie toll durch die Gassen. Rohe Hände griffen nach schwarzen
Frauenhaaren, Weiberkörper fielen, johlende Männer stürzten sich über
sie. Der erste Tote, ein alter Mann, schien den Zorn der Angreifer bis zur
Raserei zu steigern. »Erschlagt sie, die Hunde! Die grindigen Juden!«
Tausend Stimmen vereinigten sich zu einem einzigen Schrei, tausend Hände
zu einer mordgierigen Hand, tausend Seelen zu einem einzigen Haß. Die
schwarze Flut stieg an, es gab kein Entrinnen. Wer sich zur Wehr setzte
-- mit der bloßen Hand, die Opfer besaßen keine Waffen --, wurde
niedergeschlagen, wer um Gnade flehte, erlitt dasselbe Los. Verbissener
Grimm, berechtigter Haß waren von kundiger Hand gegen Unschuldige gelenkt
worden, um Schuldige zu schützen. Jahrhunderte alte Knechtung nahm Rache
am Unterdrückten statt am Unterdrücker. Dunkel verwirrte Geister waren
Werkzeug in unmenschlichen Händen.
Die Kosaken kamen wie immer zu spät. Ihre Pferde jagten über Leichen
dahin, die Nagaika fiel auf Sterbende nieder. Die schwarze Flut wich
zurück, verschwand; sie hatte ihre Arbeit getan. Tote mit zerschmettertem
Schädel lagen zwischen den Trümmern ihres Heims, Verwundete stöhnten
in Straßenecken; durch offene Türhöhlen gähnten schwarz verwüstete
Stuben; halb wahnsinnige Menschen suchten in Schutt und Scherben nach den
Ihren. Es begann zu dämmern. Aus schwarzer Angststille rang sich Weinen
los, ungeheueres, verzweifeltes Weinen, und plötzlich begannen alle
Glocken der Stadt zu läuten; Ostern; Christ ist erstanden!
Neugierige kamen, mitleidig die einen, voll böser Freude die anderen,
alle nervengepeitscht, das Grauen genießend. Auch Nadja kam, in ihrem
schönsten Sonntagsstaat, mit geschminkten Wangen, geschwärzten Augen.
Sie schritt behutsam dahin, hob den Rock, trippelte mit ihren neuen Schuhen
über Blut und Kot. Die Kosakenoffiziere kannten sie, nickten ihr lachend
zu, wenn sie sich durch die Reihen drängte. Sie lächelte ein starres,
etwas verächtliches Lächeln, schauderte bisweilen beim Anblick einer
Leiche und strebte dennoch von unheiliger Neugier getrieben weiter.
Auf einer Türschwelle lag eine alte Frau mit eingeschlagenem Schädel,
neben ihr hockte brüllend ein kleiner Knabe. Nadja blieb stehen. Das Kind
erblickte sie und lief auf sie zu, packte sie beim Rock, barg den Kopf
an ihren Knien. Unwillkürlich neigte sich Nadja zu ihm, streichelte den
kleinen, schwarzen Kopf. »Warum weinst Du, mein Täubchen?«
Abgehackt, von Schluchzen zerrissen, kam die Antwort:
»Sie haben ... die Großmutter ... erschlagen.«
»Wo ist Dein Vater?«
»Weit fort, im kalten Land, hinter Mauern.«
»Und Deine Mutter?«
»Tot.«
»Du hast niemanden auf der Welt?«
»Nur die Großmutter.«
Nadja warf einen scheuen Blick auf die tote Frau, dann betrachtete sie das
Kind. Ganz allein auf der Welt war es, ein armes, kleines Geschöpf, diesen
blutgierigen Bestien ausgeliefert. Ihre Neugierde und ihr Ekel verwandelten
sich allmählich in dumpfen Zorn, sie wußte nicht recht gegen wen. Das
Kind hielt noch immer ihren Rock in den kleinen Händen fest. »Nimm mich
mit«, bat es, »ich habe Angst, und Du bist gut.«
Nadja starrte abermals auf die tote Frau, und plötzlich stiegen ihr
Tränen in die Augen. »Was soll ich mit Dir anfangen, Herzchen, Täubchen?
Ich kann keinen kleinen Jungen brauchen.«
»Nimm mich mit, ich habe Angst.«
Ein Kosakenoffizier trat auf die beiden zu.
»Jagen Sie doch den Judenbengel fort, Nadja Fedorowna.«
Etwas im Ton der harten, spöttischen Stimme reizte die Frau.
»Weshalb?«
»Was hat unsere schöne Nadja mit schmutzigen Judenkindern zu schaffen?«
»Nimm mich mit,« bettelte leise, erschreckt die Kinderstimme.
»Kann ich das Kind zu mir nehmen, Gregor Stepanowitsch?« Nadja wußte
selbst kaum, was sie zu dieser Frage trieb; war es der kalte Spott in des
Mannes Gesicht, war es die bebende Angst, die ihre Knie umklammerte?
»Selbstverständlich, aber ... Ich verstehe nicht ...«
»Sie verstehen gar vieles nicht.« Weshalb fühlte sie, die rechtgläubige
Russin, sich plötzlich eins mit diesem Kind eines verachteten Volkes?
Weshalb sah sie in dem Manne vor sich den Feind, den hochmütigen, frechen
Unterdrücker? Längst vergessene Bilder wirbelten in tollem Tanz durch
ihr Gehirn; ein enger, übelriechender Kellerraum, ein kleines Mädchen mit
langem, verrauftem Haar, ein blonder Knabe, der ihm Äpfel schenkte, eine
kalte Winternacht, der blonde Knabe in Studentenuniform gefesselt zwischen
Kosaken.
»Leb' wohl, kleine Nadja!« Die Kosaken reißen ihn fort, die Kosaken ...
»Sie verstehen gar vieles nicht,« wiederholte sie schroff und griff nach
der Hand des Kindes. »Komm, mein Täubchen, ich will Dich mitnehmen.«
Das Kind an der Hand, bahnt sie sich ihren Weg; hochmütig, herausfordernd.
Der kleine Knabe hat zu weinen aufgehört, er hält ihre Hand fest, starrt
scheu und dennoch vertrauensvoll zu ihr auf. An einer Straßenecke wartet
Nadjas Droschke; des Kindes Augen leuchten, es ist noch nie in einer
Droschke gefahren. Unbeholfen klettert es auf den Schoß der Frau und
schlingt die Arme um ihren Hals.
»Wie heißt Du eigentlich?« fragt Nadja.
»Moische.«
Sie schüttelt sich. »Das geht nicht, alle würden mich auslachen. Von nun
ab heißt Du Ivan, verstehst Du?«
Das Kind nickt erschrocken.
Die Nacht sinkt auf die Stadt nieder. Im Judenviertel schleichen
verängstigte Gestalten aus Schlupfwinkeln und tragen ihre Toten fort.
Halblautes unterdrücktes Jammern murmelt durch die Straßen. In der Ferne
läuten die Osterglocken.
Zweites Kapitel.
»Christ ist erstanden!« Der dicke Kaufmann aus Nischni Nowgorod küßt
Nadja auf die Stirn, und sie entgegnet gläubig: »Er ist wahrhaft
erstanden« und fügt hinzu: »Was haben Sie mir mitgebracht, Michail
Michailowitsch?«
Er lacht und zieht ungelenk den schweren Pelz aus. »Herrliche Dinge, mein
Täubchen, einen Ring mit einer schwarzen Perle und eine alte Uhr. Der
Händler sagt, sie habe dem ersten Kaiser der Franzosen gehört.« Er
wirft sich in einen bequemen Lehnstuhl, keucht und betrachtet Nadja mit
vergnügtem Grinsen.
Nadja dehnt sich auf der Chaiselongue, bläst blaue Rauchwolken in die
Luft, spielt mit einer Perlenkette, die ihren Hals schmückt. Sie lächelt
ein wenig verlegen. »Michail ...«
»Ja, Teuerste?«
»Es hat bei uns ein Pogrom gegeben.«
»So ...«
»Ich glaube, es sind an die dreihundert Juden erschlagen worden.«
»Schadet nichts, es gibt ihrer immer noch zu viel.«
Nadja wirft einen hastigen Blick nach dem schweren seidenen Fenstervorhang,
hinter dem sich etwas regt.
»Kleine Kinder haben dabei alle ihre Angehörigen verloren.«
»Man muß sich in Gottes Willen fügen.«
Nadjas schlanke Finger trommeln ungeduldig auf der Tischplatte.
»Ganz kleine Kinder, Michail Michailowitsch.«
Der dicke Kaufmann rückt unruhig auf seinem Sessel hin und her. Nadja
betrachtet ihn von der Seite.
»Dauern Sie die kleinen Kinder nicht?«
Ein merkwürdiger Ausdruck huscht über des dicken Kaufmanns Gesicht, eine
Art erschrockener Grimm, doch entgegnet er gleichmütig: »Alle Menschen
verlieren früher oder später ihre Eltern.«
Nadja setzt sich mit einem plötzlichen Ruck auf.
»Wissen Sie, Michail Michailowitsch, was Gregor Stepanowitsch neulich
über Sie gesagt hat?«
»Was denn?«
»Sie seien gar kein Russe, seien ein getaufter Jude!«
Des dicken Kaufmanns Gesicht erglüht plötzlich dunkelrot, er schnauft vor
Wut, wendet die Augen von Nadja ab: »Der verfluchte Hund! So zu lügen!
Ich, ein Jude! Es ist ...«
Nadja lacht laut auf, ein listiger Zug legt sich um ihren kleinen Mund.
»Komm heraus, Ivan!« ruft sie unvermittelt.
Der Vorhang wird zurückgeschlagen, das Kind tritt ins Zimmer, nicht mehr
der kleine Moische, schmutzig, ungepflegt, mit zerrissenen Kleidern, nein,
Ivan, in schwarzem Sammetanzug mit großem Spitzenkragen, gekämmtem Haar,
sauberem Gesicht. Die großen schwarzen Augen blicken zwar noch immer
schreckhaft, doch eilt das Kind voll Vertrauen zu Nadja hin.
»Was ist das?« Michail Michailowitsch starrt verblüfft auf den kleinen
Eindringling.
»Das ist ein Judenkind.« Nadja betont jedes Wort, »dem sie die einzig
lebende Anverwandte erschlagen haben. Ich habe es zu mir genommen. Sind Sie
mir böse, Michail?«
Fragend, bereit beim geringsten Widerspruch in Zorn auszubrechen, blickt
sie den dicken Kaufmann an. Der aber scheint seine ganze Umgebung vergessen
zu haben. Starr hängen seine Augen an dem blassen Kindergesicht, bohren
sich in die zarten Züge, die trotz ihrer Unreife bereits die Rasse
verraten. Seine fetten, mit Diamantringen geschmückten Hände zittern, er
schluckt hörbar.
»Nun?« Nadjas Stimme klingt ungeduldig.
Der dicke Kaufmann zieht sein Taschentuch hervor und schneuzt sich heftig.
Dann murmelt er halb zu sich: »Ein Judenkind! Eine Waise!« Und plötzlich
mit verbissenem Zorn: »Möge Gott sie strafen!«