Das berühmteste und bekannteste aller ausgestorbenen Rüsseltiere ist

das +Mammut-+ oder +Mammonttier+ (~Elephas primigenius~), dessen

riesige Zähne und Knochen zu unzähligen Sagen und zu den seltsamsten

gelehrten Disputationen Anlaß gegeben haben. Die Mammutreste wurden

bald für Gebeine irgendeines Heiligen, bald für solche von Riesen,

bald für „Figurensteine“ gehalten. Heute noch werden solche in

manchen Kirchen als Reliquien aufbewahrt, und im Jahre 1789 trugen

die Chorherren des heiligen Vinzent zu Valencia in Spanien den

Schenkelknochen eines Mammutelefanten bei Prozessionen herum, „um

durch diesen vermeintlichen Arm des Heiligen dem ausgedörrten Lande

Regen zu erflehen“. Item, wenn’s nur geholfen hat, wie Peter Hebel

zu sagen pflegte. Daß die im Jahre 1577 unweit der Stadt Luzern

ausgegrabenen Mammutknochen von einem Baseler Professor für „Gebeine

der +aufrührerischen gefallenen+ Engel“ erklärt und wie diese dann

„sorgfältig gesammelt und anständig begraben wurden“, wollen wir hier

nicht unerwähnt lassen. In der Michaeliskirche zu Hall am Kocher findet

sich, wie Jäger berichtet, ein riesiger Stoßzahn in eisernen Bändern

aufgehängt mit folgender Inschrift:

Tausend sechshundert und fünf Jahr

Den dreyzehnten Februar ich gefunden war

Bey Neubronn in dem Hallischen Land

Am Bühler Fluß zur linken Hand

Sammt großen Knochen und lang Gebein,

Sag, Lieber, was Arth ich mag seyn.

Das Mammut hat vorzugsweise den Norden bevölkert; am häufigsten muß

dasselbe in Sibirien gewesen sein, dort sind nämlich manche Schichten

von seinen Knochen ganz erfüllt.

Neumayr sagt darüber:

Es gibt wohl nichts, was dieses Verhältnis besser bezeichnen

könnte als der Umstand, daß etwa ein Drittel von allem Elfenbein,

welches in den Handel kommt, von den diluvialen Mammuten

Sibiriens herrührt; ja, selbst auf den so überaus unzugänglichen

neusibirischen Inseln, welche nördlich vom asiatischen Festland

unter etwa 75 Grad nördlicher Breite im Eismeer liegen, findet sich

das fossile Elfenbein in solcher Menge, daß lange Zeit hindurch die

Elfenbeinsammler die gefahrvolle Schlittenfahrt über das gefrorene

Meer wagten, um diese Schätze zu heben.

[Illustration: Abb. 32. Die Umgebung von Zürich in der Eiszeit.]

Eine derartige Erscheinung zu erklären, war nicht leicht, und eine

Lösung des Rätsels schien lange Zeit unmöglich. Man dachte zunächst

an eine gewaltige Überschwemmung -- Sintflut --, welche die Elefanten

aus dem südlichen Asien nach Sibirien geschwemmt haben sollte, allein

bei nur halbwegs ruhiger Überlegung mußte man die Unmöglichkeit einer

solchen Hypothese einsehen. Nun war noch ein zweiter Ausweg möglich:

Die gewaltigen Rüsseltiere konnten in Sibirien gelebt haben, dann

mußte aber das Klima ein ganz anderes, es mußte bis zum Polarkreis ein

gemäßigtes gewesen sein. Das war noch zur Braunkohlenzeit tatsächlich

der Fall, aber wir wissen nun auch, daß das Mammut zu einer Zeit in

Europa lebte, als dieses großenteils von Eismassen bedeckt war. Wie

ist aus diesem Labyrinth von Widersprüchen ein Ausweg möglich? Ein

paar glückliche Funde haben die Frage in ziemlich befriedigender Weise

gelöst. Aus dem gefrorenen Boden Sibiriens tauen nämlich gelegentlich

ganze Mammutleichen heraus, die durch das Eis in so wunderbarer Art

konserviert sind, daß das Fleisch von wilden Tieren gefressen werden

kann. Bei derartigen Funden stellte es sich nun heraus, daß der

Mammutelefant, abweichend von seinen heutigen Vettern in Afrika und

Ostindien, mit einem dichten Pelz bekleidet war, der vorn und auf dem

Rücken eine lange Mähne bildete, die wahrscheinlich bis auf die Knie

herniederhing. Es ist dies eines der schlagendsten Beispiele dafür, daß

aus dem Vorkommen einzelner Tiertypen niemals sichere Schlüsse auf das

Klima gezogen werden können, denn es ist nie ausgeschlossen, daß Tiere,

deren nächste Verwandte heute ausschließlich auf die Tropen beschränkt

sind, ehemals in einem gemäßigten oder selbst kalten Klima gelebt haben.

Das erste samt allen Weichteilen erhaltene Mammut wurde im Jahre 1799

im Lena-Eis (Sibirien) entdeckt, allein erst sieben Jahre später

vernahm der Naturforscher Adams davon, und als er an Ort und Stelle

kam, fand er nur noch das durch die Bänder zusammengehaltene Skelett,

einen Teil der Haut, ein Auge, einiges von den Eingeweiden und etwa

30 Pfund Haare, welche die Eisbären in den Boden getreten hatten;

alles übrige hatten die Raubtiere gefressen. Die kostbaren Reste

gelangten nach Petersburg und sind nun im dortigen Naturalienkabinett

aufgestellt. Seitdem sind mehrere eingefrorene, wohlkonservierte

Leichname nach vieltausendjähriger Ruhe aufgefunden worden.

Man hat die Frage aufgeworfen, wovon denn die mächtigen Tiere, die eine

Länge von 5 Meter bei 3 Meter Höhe erreichten, im kalten Klima gelebt

haben. Auch darüber gaben die Funde genaue Antwort: Die Speisereste,

die zwischen den Zähnen und im Magen gefunden wurden, bestanden nämlich

der Hauptsache nach aus Zweigen von Nadelhölzern, wie sie heute noch in

Sibirien vorkommen.

* * * * *

Wir wollen uns jetzt von dem Leser, der uns freundlich gefolgt ist,

verabschieden. Die geschilderten wunderbaren Lebewesen muten an wie die

Darstellungen aus einem Märchen, und dennoch steht das Geschilderte mit

unauslöschlichen Zeichen in den Gesteinsschichten der Erde eingegraben.

Das, was wir boten, ist freilich nur ein Ausschnitt aus jener

gewaltigen Geschichte der Entwicklung, aber es wird doch das Lesen in

der Geschichte der Erde fördern, die zu einem Gemeingut aller werden

sollte.

Namen- und Sachregister.

Seite

Abgottschlange 54

Adam und Eva 5

Aëtosaurus 21

Ajax 5

Algonkium 8

Allosaurus 53

Altmastodon 91

Alttier 84

Ameisenigel 68, 69

Anakonda 54

Andrias Scheuchzeri 16

Anthrakosaurus 13

Archäopteryx 59

Archegosaurus 13

Azeratherien 83

Bären 86

Bärlappgewächse 8

Barosaurus 37

Barramundi 15

Bartenwale 72

Basilosaurus 72

Bastardechse 22

Batzensteine 9

Bauhin 28

Belodon 19

Beuteltiere 68, 69

Boll 28

Brontornis 63

Brontosaurus 37

Brontotherium 82

Brontozoum 35

Brückeneidechse 30

Ceratodus 15

Ceratosaurus 53

Cuvier 17, 84

Dachdrache 45

Devonzeit 11

Diluvialzeit 86

Dinichthys 11

Dinornis 64

Dinosaurier 30 ff.

Dinotherium 89

Dinozeras 81

Diplodokus 41

Diprotodon 69

Dizeratops 46

Dolichosoma 13

Donnerdrache 39

Donnertier 82

Donnervogel 63

Doppelatmer 15

Drachen 6, 18 ff.

Dreihorndrache 46

Dschidda 5

Echsenstammvater 13

Edentaten 73

Eichstätt 60

Einhorndrache 46

Eiszeit 86

Elefanten 89 ff.

Entwicklungsreihen 83, 89

Eohippus 84

Eozän 83, 89

Eurypterus 10

Faultiere 73, 74

Fischdrache 25

Fische, fossile 11

Fischvögel 63

Flugdrachen 54

Flugfinger 55

Flugsaurier siehe Flugdrachen.

Geosaurus 53

Geradhorn 10

Gigantosaurier 48

Glyptodon 78

Greifsaurier siehe Urvogel.

Greßlyosaurus 32

Grypotherium 77

Gürtelmaus 78

Gürteltiere 78

Hadrosaurus 36, 64

Haifische 11

Handtier 14

Helvetier 5

Henrien 5

Hesperornis 63

Hippotherium 84

Höhlenbär 86

Höhlenhyäne 88

Höhlenlöwe 89

Huftiere, fossile 79

Ichthyornis 63

Ichthyosaurus 25

Iguana siehe Leguan.

Iguanodon 33

Insekten der Steinkohlenzeit 10

Jochzahn 72

Kaiserelefant 93

Kalamiten 8

Kambrium 8

Känguruh 69

Kloakentiere 68, 69

Kohlendrache 13

Kolumbuselefant 93

Kompsognathus 36

Königsdrache 72

Königsvogel 63

Koprolithen 27

Koryphodon 80

Kraken 6

Kreidevögel 63

Krokodile 18

Lälaps 53

Langhalsdrachen 22

Lanzettfisch 11

Lappenkrebse 10

Leguan 33

Lindwürmer 6, 31

Lithographischer Schiefer 59

Lurchfische 15

Maasechse 53

Machairodus 88

Mahlzahn 77

Mammut 93

Manteltiere 11

Mastodon 91

Mastodonsaurus 14

Mastricht 54

~Mauvaises Terres~ 80

Mazurier 5

Megalonix 77

Megalosaurus 53

Megatherium 75

Mesohippus 84

Midgardschlange 6

Miohippus 84

Moa 66

Möritherium 89

Mosasaurier 53

Mylodon 77

Nashorndrache 53

Nashörner 83

Neckardrache 19

Nikrosaurus siehe Neckardrache.

Nileidechse 54

Nothosaurus 22

Nummulit 9

Ohnhorntiere 83

Öhningen 16

Orohippus 84

Paarhufer 79, 84

Paläotherium 84

Pampasformation 73

Panzerdrache 45

Panzerfische 11

Pareiasaurus 47

Pfeilzahn 19

Pferdestamm 83

Phenakodus 83

Phororhakos 64

Plesiosaurus 23

Pliohippus 84

Pontoppidan 7

Primaten 70

Protohippus 84

Pteranodon 56

Pterodaktylus 55

Pterygotus 10

Reliquien 94

Rhamphorhynchusskelett 59

Rhinozeros 83

Riesen der Sage 5

Riesenfaultier 75

Riesengürteltier 78

Riesenhaie 12

Riesenhirsch 85

Riesenkänguruh 69

Riesenkraken 6, 10

Riesenkrebse 10

Riesenpanzertiere 78

Riesenpolypen 10

Riesensalamander 16

Riesenschlangen 54

Riesenschreckenstier 90

Riesenvögel 63

Riesenwombat 69

Rüsseltiere 89

Salamander 13, 16

Sammeltypen 59, 81, 83

Säuger, fossile 72 ff.

Schachtelhalme 8, 31

Scheuchzeri (Andrias) 16, 17

Schildwurf 78

Schlangendrachen 23

Schnabelschnauze 55

Schnabeltier 68, 69

Schreckdrachen 30

Schreckensfisch 11

Schreckenstier 89

Schreckhörner 81

Schreckvogel 64

Schwäbischer Lindwurm 32

Sintflutmensch 16

Skelidotherium 77

Sklerosaurus 48

Solnhofen 59

Stegosaurier 45

Steinkohlenformation 8

Stierdrache 46

Tange 8

Teleosaurus 21

Tendaguru 48

Theromorphen 47, 68

Teutoboch 5

Tiger 88

Tintenfische 10

Titanotherium 82

Torosaurus 46

Trilobiten 10

Trizeratops 46

Tyrannosaurus 52

Unpaarhufer 79

Ureidechse 13

Urelefant 93

Urfische 11

Urvogel 59

Varane 54

Vogeleidechsen 54

Vögel, fossile 58

Vogelfüßer 35

Vögel und Reptilien 57

Walfische 71

Wanderelefant 93

Wiederkäuer 84

Wolfsaurier 47

Wombat 69

Wyoming 80

Zahnarme 73

Zanklodon 32

Zeuglodon 72

Zimbern 5

Zitzenzahnechse 14

Zitzenzähner 91

Zweihorndrache 46

Zweihufer 84

Zwergelefanten 94

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Entwicklungstheorie

Darwins Lehre

Gemeinverständlich dargestellt von

Dr. S. Tschulok

Privatdozent für Allgemeine Biologie an der Universität Zürich.

Mit 49 Abbildungen im Text.

VIII und 312 Seiten. Preis gebunden 25 Mark.

Dieses Werk soll die seit längerer Zeit vergriffene =Darwinsche

Theorie= von =E. Aveling= ersetzen. Wir hoffen, daß die von einem

anerkannten Fachgelehrten verfaßte =Entwicklungstheorie= einem ebenso

großen Interesse begegnen wird, wie es seinerzeit bei dem Avelingschen

Buch der Fall war.

Der Verfasser schreibt einleitend zu seiner Arbeit unter anderem:

Im vorliegenden Werk ist der Versuch gemacht worden, die

Entwicklungsstheorie in einer Art und Weise darzustellen, die von

der bisher üblichen stark abweicht. Die Auffassung, die dieser neuen

Darstellung zugrunde liegt, ist vom Verfasser in der nur Fachmännern

zugänglichen wissenschaftlichen Literatur begründet worden. Die

Anforderungen, die an die Vorkenntnisse der Leser gestellt werden, sind

sehr bescheiden. Dagegen wird beim Leser der gute Wille vorausgesetzt,

etwas zu lernen.

Die populäre Literatur hat die Mission, dem Leser aus den breiten

Volksschichten die Arbeitsweise und die Ergebnisse der Wissenschaft

in einem seinem Fassungsvermögen angepaßten Stil beizubringen. Aber

die populäre Literatur soll und kann nicht zum Schlaraffenland

werden, wo einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Wer etwas

lernen will, muß den festen Willen haben, sich durch die schwierige

Materie durchzuarbeiten. Und gerade das arbeitende Volk weiß es doch

am besten, daß alles, was Bestand haben soll, durch Arbeit errungen

werden muß. Man strebe also auch nicht nach einem „mühelosen“ Erwerb

wissenschaftlicher Anschauungen, sondern suche sich die Grundbegriffe

klarzumachen, mit denen die Wissenschaft arbeitet, und die Tatsachen,

von denen sie sich zu den weltumspannenden Gedanken erhebt. Dann

erst sind die erworbenen Anschauungen aus einer richtigen und festen

Grundlage aufgebaut.

Liebknechts

Volksfremdwörterbuch

Sechzehnte Auflage.

Neu bearbeitet, berichtigt und vermehrt. Preis gebunden 30 Mark.

End of Project Gutenberg's Riesen und Drachen der Vorzeit, by Rudolf Bommeli

Riesen und Drachen der Vorzeit. Geschichte der Erde, Dritter Teil · 第 7 / 7 段