Aber Weib und Kinder vergiften ist ja ein unerhörtes Verbrechen in unserm
Lande?
Das konnte man nicht beweisen: er lud sie einmal zum Essen, da mischte er
untern Salat giftige Kräuter, und weil er selbst mit davon aß, sagte das
sterbende Weib selbst, Hanns habe es mit Vorsatz nicht gethan; aber ich sah
wohl ein, daß er auf seine Seite die guten -- jenseits aber die giftigen
Kräuter theilte -- und es war um Haus und Hof zu thun.
Der Mann ist kein Deutscher?
Er ist ein entlaufener Fremdling, der sich da ansetzte; anfangs sich durch
Fleis und Eifer hübsch bereicherte; aber sein Geiz konnte dem redlichen
Thoms nichts vergönnen. Thomsen jagt er betteln, der arme Tropf kam endlich
zu der Frau im Walde, und schickt dem teuflischen Bruder alles, was er sich
verdient und abspart. Sein Bruder, den das Gewissen wie der Satan geiselt,
wird denn immer ganz toll, wenn er vom Thomsen etwas annehmen soll.
Das ist eine garstige Rache vom Thoms.
Ey behüte Gott! Er thuts mit dem besten Willen. Seit vielen Jahren war er
bei seinem Bruder hier im Dorfe nicht: er mußte einmal erfahren, daß dieser
nun elend und krank sey, daher schickt er ihm, was er schicken kann. Er
sagte immer: Auch dem, der mich unglücklich gemacht hat, muß ich Gutes
thun!
Das ist ein edler Mann!
Ein braver Mann! rief Sebald und Salassin, und bedauerten, daß er nur so
einsilbig geantwortet habe.
Aber guter Mann, kannst du mir nicht sagen, wer die Frau in dem Walde ist?
Ihr Mann war ein reicher Kriegsmann -- reich -- o je reich, der hatte der
Dukaten so viele als Steine in unserm Dorfe sind. Er wurde im Krieg
erschossen, die Frau lebt nun in der Einsamkeit und weint sich zu todt.
Hatte sie nicht auch einmal einen Sohn?
Ja! Der ist auch im Krieg ums Leben gekommen. Er hat ein Schätzgen, ein
liebes gar schönes Kind, und brav war sie -- brav und gut, sanft wie ein
Lamm, sie that allen Leuten Gutes; ich kannte sie recht gut, denn sie ist
aus unserer Nachbarschaft eines vermöglichen Predigers Tochter gewesen. Der
Sohn des alten Kriegsmannes hatte sie denn so außerordentlich lieb -- und
sie ihn auch -- so lieb und werth wie ich meinen kleinen Philip, mein
Enkelchen lieb und werth habe. Er wollte sie ehlichen; sein Vater sagte, du
bist ein Bube, hast noch kein Verdienst, sieh dich erst in der Welt um, und
wollte ihn erschiessen wofern er das Mädchen noch einmal sähe. Darauf kam
der Krieg mit den Normännern aus -- ach Herr ist es denn wahr, daß die
Sprudelköpfe schon wieder anfangen und unser gute Vater Kaiser seine
Soldaten zum Kriege mustert?
Seyd getröst lieben Leute, es ist so gefährlich noch nicht -- Nun da kam
also der Krieg aus -- wie war es weiter!
Nun ja -- da kam also der Krieg mit den Normännern aus, der Sohn zog in der
Rasch mit in die Schlacht, und wollte lieber sterben als ohne seiner
Herzallerliebsten Leben. Ach! er fand ihn nur gar zu bald, den bittern Tod.
Der Vater wurde erschossen, und der Sohn zusammengehauen, denn er war gar
zu muthig, und der erste der voraus ritt. Die Nachricht kam denn in die
Ohren des Liebchens, die sich kränkete und keine Lebensfreude mehr hatte.
Sie wurde krank und starb bald darauf. Wir haben alle herzlich geweint --
es wäre ein so gutes Paar Leutchen gewesen -- die alte Frau im Walde hat
nun ihnen ein Grabmal gebaut. Ich komme alle Jahre einmal dahin, und bete
für die Seligen. Da ist alles so traurig in der Einsamkeit, und die
schwarzen Grabsäulen machen einem das Herz so wehmüthig -- seyd ihr auch da
gewesen? Herren?
Ja! lieber Mann! Und gab eben der alte Thomas an seinen Bruder etwas mit,
der uns denn so weidlich erschreckte. Habt ihr viele Armen im Dorfe?