früher erkannt als ich, wie gut Steinach am Wald zur Heimat taugt.«
Es kamen viele an diesem Tag, um dem jungen Lehrer die Hand zu
schütteln, nur Schwetzers Fritze kam nicht. Wo blieb nur der? Fräulein
Regine ging ihn suchen, sie fand ihn nicht, die Kinder suchten ihn, er
war nirgends zu sehen. Endlich schaute Frau Besenmüller nach, und die
fand ihn in ihrem eigenen Holzstall.
»Gleich kommste rauf,« rief sie ärgerlich.
»Nä!« Fritze blieb auf seinem Holzstoß sitzen.
Frau Besenmüller zürnte: »Was soll denn der Herr Lehrer denken?
Geschwinde komm!«
»Nä!« Der Bube rührte sich nicht, und Frau Besenmüller mußte
unverrichteter Dinge wieder abziehen. Sie klagte oben über des Buben
Trotz, da stand Heinrich Fries auf und sagte: »Ich werde ihn holen.«
Er ging, obgleich es ihm noch arg schwer wurde, die Treppen zu steigen.
Auf einen Stock gestützt, hinkte er über den Hof und kam zu Fritz in
den Holzstall. »Fritz,« sagte er, »wenn du nicht zu mir kommst, muß
ich dich suchen, denn ich habe dir viel zu danken. Du warst meiner
Mutter ein rechter kleiner Freund, ein guter Trost in schwerer Zeit.«
Der Bube schluchzte wild auf und umklammerte seinen geliebten Lehrer,
und der redete mit ihm, lange, lange. Und sie schlossen beide
Freundschaft in dieser Stunde, Freundschaft für das Leben.
Frau Besenmüller lief unterdessen draußen scheltend auf und ab. »Im
Holzstall, um so ’nes Buben willen, nä, was zuviel ist, das ist zuviel.«
»Lydia,« mahnte ihr Mann endlich, »geh du da fort. Wenn einer was
auf dem Herzen hat, dann kann er auch im Holzstall reden. Und der
Fritze, um den lohnt’s schon. Den Besten hat sich der Herr Lehrer da
ausgesucht, das is mal wahr.«
»Wenn er sich nur die Beste aussuchte,« murrte Frau Besenmüller.
Und das tat der junge Lehrer wirklich. Als auf dem Schafskopf die
Heckenrosen blühten, gab es Hochzeit in Steinach. Eine stille nur,
denn für Feste war es keine Zeit. Aber Glück und Freude blühen auch in
Kriegszeiten, und Pfarrers Regine war eine glückliche und eine frohe
Braut.
»Der junge Herr Lehrer heiratet Pfarrers Regine!« Wenn die Spatzen
von Steinach hätten singen können, dies hätten sie gesungen, so oft
hörten sie es, von Mädeln und Buben, von Alten und Jungen. Am lautesten
freute sich Frau Besenmüller und am meisten doch darüber, daß Vater
Hiller in Steinach bleiben wollte. Er mochte nicht mehr zurückkehren in
die Stadt, die ihm fremd geworden war. In dem großen Schulhaus gab es
leere Zimmer, da wollte er wohnen, und Frau Fries und Frau Besenmüller
versprachen ihm alle Pflege.
Eine bittere Enttäuschung war es den Kindern, daß nach der Hochzeit ihr
junger Lehrer wieder fortging. Erst gesund werden, dann arbeiten, hieß
es, und mit dem Gesundwerden dauerte es noch an, so schnell lernt einer
nicht mit zwei Gliedern weniger fortzukommen.
Wieder reiften auf der Apfelstraße die Äpfel, und wieder mal hielt
Besenmüller auf der verkehrten Straße Wache, da kamen Heinrich und
Regine nach Steinach zurück. Draußen tobte noch der Krieg, aber
Steinach lag im Frieden. »Vor zwei Jahren kam ich her, ein gesunder
Mann mit einem mißmutigen Herzen, jetzt kehre ich zurück, ein Krüppel
mit frohem Herzen,« sagte der junge Mann heiter. Sie hatten sich nicht
angemeldet, sie wollten alle daheim überraschen. Wie sie aber so unter
den ersten Bäumen hingingen, rauschte es in den Zweigen, und ein
jauchzendes Gebrüll erhob sich: »Hurra, hurra, se sin da!«
Purzel, purzel kam es von den Bäumen herab, es hopste aus den Gräben
heraus, und jauchzend umdrängten die Kinder ihren Lehrer. »Hurra,
hurra!«
Bis zur Pflaumenstraße hin tönte das Geschrei, dort lauschte
Besenmüller. »Nu haben se wieder etwas angestiftet. Nä, nä, Schelme sin
se doch, was wahr ist, das ist wahr!«
[Illustration]
Lustige Erzählungen von Josephine Siebe:
Oberheudorfer Buben- und Mädelgeschichten
[Illustration]
Mit vier farbig. Vollbildern und zahlreichen Textillustrationen
Unter der Fülle von Jugendschriften verdient dieses Buch ganz besondere
Beachtung. Was an den Erzählungen so sehr gefällt, das ist die Frische,
Lebendigkeit und Anschaulichkeit der Darstellung und der köstliche
Humor, der uns fast in allen begegnet. Sie wollen unsere Jugend
erfreuen, und sie werden sie erfreuen. Wer also Kindern eine besondere
Freude bereiten will, der schenke ihnen dieses Buch.
(Casseler Allg. Ztg.)
Lustige Fahrten ins Blaue hinein
Heitere Erzählungen f. d. Jugend Mit sechs farbigen Vollbildern
Alle Achtung vor diesem famosen Buche! Wenige Schriftstellerinnen
wissen so zu erzählen wie Josephine Siebe. Ein Sonnenglanz liegt über
allen kleinen und großen Begebenheiten, der Schelm Humor setzt überall
helle Lichter auf. In einzelnen Stücken, wie »Das Feuermännchen« und
in dem besonders wertvollen »Die Reise ins Graue«, erhebt sich die
Erzählerin zur Dichterin. Möge sie der Kinderwelt noch recht oft solche
urwüchsige und herzerfreuende Geschichten erzählen, sie sind dazu
angetan, unsern Lieblingen fröhliche Gesichter und Herzen zu machen.
Josephine Siebe hat’s von Gott, die rechte Heiterkeit nämlich, die sich
fein unterscheidet von der lärmenden Lustigkeit.
(Alton. Nachr.)
Neue Kindergeschichten aus Oberheudorf
[Illustration]
Mit vier farbig. Vollbildern und zahlreichen Textillustrationen
Die fünfzehn Geschichten haben es vorzugsweise auf das Fröhliche, die
Komik, das drollig Vergnügliche abgesehen. Unsere Jugend muß sich
wohlfühlen unter diesen Dorfkindern, die sich so herzensfroh ihres
Daseins freuen, und die so lebenswahr vorgeführt werden in ihrer
Harmlosigkeit und Natürlichkeit, in ihren unschuldigen Freuden und
Vergnügungen, aber auch in ihren kleinen und großen Leiden und Sorgen.
Es ist eine recht humorvolle Lektüre.
(Die Gartenlaube)
Die Oberheudorfer in der Stadt
[Illustration]
Reich illustriert
Alle, die die Oberheudorfer Kinder aus den früheren Erzählungen
von Josephine Siebe kennengelernt haben, werden sich freuen, ihnen
hier wieder zu begegnen, freuen auch, daß es dieselben prächtigen,
frischen Buben und Mädel sind, die in ihrem kleinen Dorf so viel echte
Herzensbildung gewonnen, daß sie manch hochgebildeten Städter beschämen
und ihm im Guten vorangehen können. Bei ihren Besuchen des alten
Kameraden, der in der Stadt das Gymnasium besucht, erleben sie manches,
bleiben aber immer in drolligster Art Herren der Lage.
(Schwäbischer Merkur)
Dudeleins Garten und Schippels Kinder
Ein heiteres Kinderbuch mit vier farbigen Vollbildern
Die beliebte Verfasserin führt hier eine Anzahl Kinder eines
Mietshauses vor, deren Versammlungsort »das Himmelreich«, die Mauer
eines an den Hof stoßenden Parkes ist. Wie die Sehnsucht der Kleinen
nach den Schönheiten dieses prachtvollen Gartens gestillt wird, und
wie eine einsame, alte Frau durch diese Kinder wieder Freude am Leben
findet, das wird den jungen Lesern viel Vergnügen bereiten.
(Reclams Universum)
Im Hasenwunderland
[Illustration]
Ein fröhliches Kinderbuch mit zwölf farbigen Vollbildern und vielen
Textillustrationen
»Im Hasenwunderland« gehört zu den Büchern, die den Kleinen lieb werden
müssen, zumal zu der glücklichen Idee, Meister Lampe zum Helden einer
wunderbaren Geschichte zu wählen, eine ganz ausgezeichnete illustrative
Ausstattung von Joseph Mauder hinzutritt, ausgezeichnet, weil echt
kindlich empfunden, wie übrigens auch die ganze Erzählung, die
schlicht und einfach die Abenteuer aus der Welt der Familie Hase nebst
Anverwandten vorträgt. Wir können dieses ganz vorzügliche Kinderbuch
nicht warm genug empfehlen.
(Neue Zürcher Zeitung)
Verlag von Levy & Müller in Stuttgart
Lustige Erzählungen für die Jugend
Rose, Linde und Silberner Stern
[Illustration]
Erzählung für die Jugend von Josephine Siebe
Reich illustriert
Mit viel Aufwand von Lustigkeit und Humor, dem ein schöner, tiefer
Ernst nicht mangelt, erzählt hier Josephine Siebe von dem Leben und
Treiben einer Kinderschar aus der Rose, der Linde und dem Silbernen
Stern, drei befreundeten Häusern einer Kleinstadt, und weiß die
drolligen Vorgänge mit so viel Spannung und guter Laune zu schildern,
daß die kleinen Leser das Buch hochbefriedigt aus der Hand legen
werden. Unter den Siebeschen Büchern steht diese Erzählung ohne Zweifel
mit an erster Stelle.
Das Mondscheinprinzeßchen
Eine heitere Kindergeschichte von Thea von Harbou
Mit vier bunten Vollbildern
Taufrisch, voll warmer Lebensfreude und harmlosen Übermuts ist die
Erzählung von der verzogenen, grämlichen Mondscheinprinzeß Johanna, die
in das Forsthaus und in die derben Fäuste der Hubertusrangen gerät,
die ihr den eigensinnigen Kopf zurechtsetzen und die steifen, matten
Glieder durchkneten, bis sie straff und gelenkig werden. An der Hand
der liebreichen Hausmutter entdeckt Mondscheinprinzeßchen ihr Herz und
erfährt, daß man nicht immer an sich selbst denken, sondern andern
Liebes erweisen soll. Ohne Zweifel wird diese Erzählung den Kleinen
viel Freude bereiten.
(General-Anzeiger für Hamburg)
Frohe Jugend
[Illustration]
Hundertein schöne Kindergeschichten von Helene Stökl u. Frau Juliane
Mit zahlreichen Illustrationen
Und ein gar liebes, den ganz Kleinen gewidmetes Buch heißt »Frohe
Jugend«. Es sollte in den Kinderstuben recht heimisch werden. Die
kurzen, ganz reizend erzählten Geschichtchen aus den verschiedensten
Gebieten, aber alle von einem warmen, poetischen Unterton getragen,
sind wie wenige geeignet, Phantasie und Gemüt des kleinen Volkes zu
beschenken. Vortrefflich eignen sie sich zum Vorlesen und Nacherzählen.
(Leipziger Ill. Zeitung)
Kasperle auf Reisen
[Illustration]
Eine lustige Geschichte von Josephine Siebe
Mit vier farbigen Vollbildern
Einen ganz eigenartigen Stoff hat sich die bewährte
Jugendschriftstellerin diesmal erkoren. Der Puppenschnitzer Friedolin
findet beim Stöbern in einem alten Schrank ein aus langem Zauberschlaf
erwachendes Kasperle, das bereits seinen Vorfahren als Modell gedient
hat. Die Wanderlust treibt Kasperle indes im Frühjahr aus dem Waldhaus
in die weite Welt hinaus, wo der schnurrige Schelm die merkwürdigsten
Abenteuer erlebt und sich in dem Schloßtöchterlein Rosemarie und dem
Geißbuben Michele treue Freunde erwirbt, bis er schließlich nach
allerlei lustigen Erlebnissen wieder ins Waldhaus heimfindet.
(Breslauer Zeitung)
Die Sternbuben in der Großstadt
Eine heitere Geschichte von Josephine Siebe
Mit vier Vollbildern
Die beiden Buben der Wirtin vom »Silbernen Stern« in Breitenwert werden
von ihrer Pate zum Besuch nach Leipzig eingeladen und erleben auf der
Fahrt und in der Großstadt die drolligsten Abenteuer. Ihre Erlebnisse
sind mit überwältigender Komik geschildert.
(Reclams Universum)
Kasperle auf Burg Himmelhoch
[Illustration]
Lustige Geschichte v. Josephine Siebe
Mit farbigem Decken- u. Vollbild und zahlreichen Scherenschnitten
Der Untertitel verspricht nicht zu viel: es ist wirklich eine lustige
Geschichte, und vor allem weiß die Verfasserin so zu erzählen, wie man
Kindern erzählen muß. Jede Mutter, die aus diesem Buch ihren Kleinen
vorliest, wird ihre helle Freude daran haben, wie die Kinder mit
gespanntem Blick an ihren Lippen hängen und immer wieder in fröhliches
Gelächter ausbrechen, wenn der potzlustige kleine Spaßmacher wieder
einen neuen Unfug ausgeheckt hat und sich in jeder Lebenslage zu helfen
weiß. Die vielen Scherenschnitte, ganz im Ton der lustigen Geschichte
gehalten, bedeuten eine wertvolle Bereicherung des Buches.
(Revaler Bote)
Verlag von Levy & Müller in Stuttgart
Unsre illustrierte, billige Jugendschriftenreihe:
Lieblingsbücher der Jugend
Bisher erschienen:
Bd. 1: Im Schlaraffenland
und andere Märchen von Ludwig Bechstein
Bd. 2: Die wilden Schwäne
und andere Märchen von H. Chr. Andersen
Bd. 3: Das Riesenspielzeug
und andere deutsche Sagen von Grimm, Bechstein u. a.
Bd. 4: Mein liebes Fabelbuch
Mit Fabeln v. Aesop, Lessing, Gellert
Bd. 5: Lustige Geschichten
fürs kleine Volk. Beiträge von Stökl, Hebel, Schwab
Bd. 6: Abenteuergeschichten
aus fernen Ländern von Sealsfield, Cooper, Wörishöffer
u. Zwilgmeyer
Bd. 7: Der Knabe des Tell
Erzählung für Jugend und Volk von Jeremias Gotthelf
Bd. 8: Das Drachenried
Schweizer Sagen und Heldengeschichten I von M. Lienert
Bd. 9: Das tapfere Schneiderlein
und andere deutsche Sagen aus Österreich
Bd. 10: Die sieben Schwaben
und der Spiegelschwab von L. Aurbacher
Bd. 11: Der gehörnte Siegfried
u. der arme Heinrich von G. Schwab
Bd. 12: Die Schildbürger
von Gustav Schwab
Jeder Band mit buntem Einlagebild und vielen
Textillustrationen
[Illustration]
Unter der bewährten Leitung Dr. Otto Brandstädters liegen die von
verschiedenen Schriftstellern bearbeiteten schmucken Bändchen der
»Lieblingsbücher der Jugend« vor, deren Inhalt in Märchen und
Erzählungen, Sagen und Heldengeschichten gesunde Kost, Unterhaltung und
Anregung bringt für Jugend und Volk.
(Schwäbischer Merkur)
Verlag von Levy & Müller in Stuttgart
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die ganzseitigen
Abbildungen wurden auf die referenzierte Seite verschoben.