=Goethe=
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An der freundlich baldigen Erfüllung meines bescheiden geäußerten
Wunsches, durft ich wohl ein fortgesetztes früheres Wohlwollen dankbar
gewahr werden.
Das folgereiche Gelingen eines jeden Unternehmens, dem Sie Ihre
Thätigkeit widmen möchten, war mir niemals zweifelhaft und so bin ich
auch Ihren Bemühungen in der indischen Literatur mit Antheil, wenn auch
nur von ferne gefolgt, und freue mich zu sehen wie auch hier Kritik und
Technik dem belebenden Genius willfährig die Hand reichen.
Kann ich zwar der indischen Kunst, insofern sie plastisch ist, nicht
günstig seyn, da sie die Einbildungskraft, anstatt sie zu sammeln und zu
regeln, zerstreut und verwirrt; so gehör ich doch gewiß zu den
redlichsten und beständigsten Verehrern jener Dichtkunst, die aus den
abstrußesten Regionen des Geistes durch alle Stufen des innern und
äußern Sinnes uns auf die bewundernswürdigste Weise hindurch führt.
Ueber allem und jedem Zwiespalt eine glückliche Vermittelung zu finden,
möcht ich gar zu gern unter den Merkwürdigkeiten Bonns auch Ihrer
gesammelten Bildschätze mich erfreuen und unter Ihrer Leitung in einer
so erfreulich charakteristischen Region mich mit allem Hohen und Tiefen
so wie mit allem Äußern und Innern in vollkommenem Einklang fühlen.
gehorsamst
JW v =Goethe=.
Weimar
den 15 _Decbr._
1824
Als Nachschrift füge den Wunsch hinzu, daß Gesundheit und alles Günstige
das große Unternehmen =Ramajana= herauszugeben befördern möge. Wie ich
mir denn die Freyheit nehme für Großherzogl. Weimarische Bibliothek auf
ein Exemplar der vier Lieferungen hiermit zu unterzeichnen.