W. d. 1 März 1804

=Goethe=

* * * * *

An der freundlich baldigen Erfüllung meines bescheiden geäußerten

Wunsches, durft ich wohl ein fortgesetztes früheres Wohlwollen dankbar

gewahr werden.

Das folgereiche Gelingen eines jeden Unternehmens, dem Sie Ihre

Thätigkeit widmen möchten, war mir niemals zweifelhaft und so bin ich

auch Ihren Bemühungen in der indischen Literatur mit Antheil, wenn auch

nur von ferne gefolgt, und freue mich zu sehen wie auch hier Kritik und

Technik dem belebenden Genius willfährig die Hand reichen.

Kann ich zwar der indischen Kunst, insofern sie plastisch ist, nicht

günstig seyn, da sie die Einbildungskraft, anstatt sie zu sammeln und zu

regeln, zerstreut und verwirrt; so gehör ich doch gewiß zu den

redlichsten und beständigsten Verehrern jener Dichtkunst, die aus den

abstrußesten Regionen des Geistes durch alle Stufen des innern und

äußern Sinnes uns auf die bewundernswürdigste Weise hindurch führt.

Ueber allem und jedem Zwiespalt eine glückliche Vermittelung zu finden,

möcht ich gar zu gern unter den Merkwürdigkeiten Bonns auch Ihrer

gesammelten Bildschätze mich erfreuen und unter Ihrer Leitung in einer

so erfreulich charakteristischen Region mich mit allem Hohen und Tiefen

so wie mit allem Äußern und Innern in vollkommenem Einklang fühlen.

gehorsamst

JW v =Goethe=.

Weimar

den 15 _Decbr._

1824

Als Nachschrift füge den Wunsch hinzu, daß Gesundheit und alles Günstige

das große Unternehmen =Ramajana= herauszugeben befördern möge. Wie ich

mir denn die Freyheit nehme für Großherzogl. Weimarische Bibliothek auf

ein Exemplar der vier Lieferungen hiermit zu unterzeichnen.

Briefe Schillers und Goethes an A. W. Schlegel Aus den Jahren 1795 bis 1801, und 1797 bis 1824, nebst einem Briefe Schlegels an Schiller · 第 21 / 22 题