an
A. W. Schlegel.
Aus den Jahren 1795 bis 1801.
_Jena_ den 12. _Jun._ 95.
Sie haben durch den schönen Beitrag, den Sie in Ihrem _Dante_ zu den
Horen gegeben, ein zu entschiedenes Verdienst um den glücklichen
Fortgang dieses Journals, als dass ich Ihnen nicht den verbindlichsten
Dank dafür sagen sollte. Ich thue dieß um so lieber, da es mich zugleich
veranlaßt, Ihre schriftliche Bekanntschaft zu machen, und Ihnen die
Versicherung meiner freundschaftlichen Achtung zu geben.
Ich habe schon Ihren HEn Bruder in Dresden ersuchen lassen, Ihnen zu
sagen, daß Sie uns durch Ihren ferneren Antheil an den Horen
außerordentlich verbinden würden. Senden Sie uns was Sie nur irgend zum
Druck bestimmt haben. Es wird dem Journal immer zur Zierde gereichen,
und mit dem Verleger sollen Sie gewiss auch zufrieden seyn. Ich lege
hier ein _Avertissement_ bey, welches Sie mit dem Plan und den Grenzen
des Journals bekannt machen wird.
Noch eine zweyte Bitte hätte ich an Sie, welche darinn besteht, einen
MusenAlmanach welchen ich nächste _Michaelis_ Messe herausgebe, mit
einigen Beyträgen zu beschenken. Sie werden in keiner schlechten
Gesellschaft darin auftreten. Göthe, Herder, Engel, Matthisson u. s. f.
werden Antheil daran nehmen. Ich müßte Sie aber bitten mir binnen dem
heutigen _Datum_ und dem 1 _August_ Ihre Beyträge zu senden, die
_directe_ an mich nach _Jena_ laufen können.
Von Herdern, der Ihren Aufsatz über _Dante_ sehr schäzt und bewundert
habe ich Ihnen viel schönes zu sagen.
Kommen Sie bald wieder in Ihr Vaterland, und leben Sie den Musen ein
Leben, das Sie im Dienst derselben so schön eröfnet haben.
=Schiller.=
* * * * *
_Jena_ den 14. _Sept_ 95.
Ich habe es lange anstehen lassen, Ihnen, mein vortreflicher Freund, für
Ihren schönen Beytrag zu dem Almanach Dank zu sagen. Aber ich wollte
Ihnen nicht eher schreiben, als biß ich über das Schicksal des Almanachs
selbst mehr im reinen seyn würde, welches durch eine sonderbare
Verknüpfung von Umständen eine Zeit lang ganz zweifelhaft gewesen ist.
Sie haben vielleicht schon gehört, daß der Geschäftsträger von
_Michaelis_ 1000 rthl. von demselben zu Auszahlungen bestimmt auf der
Post unterschlagen, so wie alle Briefe =an= _Michaelis_ von hier aus,
und =von= demselben zurückgehalten hat. Da sich die Ursache dieses
unbegreiflichen Stillschweigens unmöglich vermuthen liess, so veranlaßte
solches ein großes Mistrauen gegen _Michaelis_, welches sich auch mir
mittheilte, und mich nöthigte, die Uebergabe des _Mscrpts_ an denselben
biß zu weiterer Aufklärung der Sache zu verschieben. Diese ist nun
erfolgt, und der Almanach wie ich höre schon unter der Presse.
Ihr Beytrag, der Ihr Gepräge ganz unverkennbar trägt, war mir sehr
willkommen, so wie es alles seyn wird was Sie mir senden. Erfreuen Sie
mich bald mit einem neuen Beytrage zu den Horen. Es wäre mir besonders
lieb, den letzten 3 Stücken soviel Mannichfaltigkeit als nur immer
möglich ist, zu geben. Könnten Sie nicht Musse und Bücher finden, um uns
zuweilen einen kleinen Aufsatz von historischem Innhalt zu verschaffen.
Daran sind wir vorzüglich arm, sobald etwas vorzügliches erwartet wird.
Was die Herausgabe Ihres ganzen _Dante_ anbetrifft, so sollen Sie darinn
durch die Gesetze unsers Journals auf keine Weise geniert seyn. Diese
gelten in ihrer ganzen Strenge nur von solchen Aufsätzen, die für sich
ein Ganzes ausmachen, und wo freylich ein neuer Abdruck ein Nachdruck
seyn würde. Ist aber die Schrift nur theilweise in den Horen eingerückt
und die größere Parthie zurückgeblieben, so sind anderthalb Jahre ein
hinlänglicher Zwischenraum.
Das VII. Horenstück habe ich nach Dresden für Sie gesendet. Das VIII
folgt hier.
Im IXten das in 14 Tagen erscheint, werden Sie viel Poesie antreffen.
Der Almanach hat mich aus meinen _metaphy_sischen _Di_stractionen mit
neuem Vergnügen zu derselben zurück geführt.
Leben Sie recht wohl, und erscheinen Sie mir bald in einem schönen
Gedicht oder in einer lieblichen Erzählung. Ganz der