2. Selbstvergiftungspsychosen.

Der sichere Nachweis der geistigen Störungen als Folgen

einer Autointoxikation ist bisher nur für gewisse Leber- und

Nierenerkrankungen und für den Diabetes erbracht. Cholämie, Urämie und

die diabetische Blutvergiftung durch Oxybuttersäure bewirken im

allgemeinen Zustände, die den Infektionspsychosen nahestehen: stark

benommene Verwirrtheit, zuweilen bis zu ausgesprochenem Koma, daneben

gewöhnlich nicht sehr reichliche Sinnestäuschungen, oft auch

Verfolgungsideen. Zuweilen, namentlich bei Diabetes, erinnert das Bild

mehr an eine einfache Melancholie oder aber an Dementia paralytica, doch

fehlt der für diese Krankheit bezeichnende fortschreitende Verlauf. Die

urämischen Delirien werden oft von epileptiformen Krämpfen begleitet.

Über die vom Darm ausgehenden =Autointoxikationen= ist nichts Sicheres

bekannt, soviel auch darüber schon vermutet worden ist. Vgl. darüber

auch die Bemerkungen auf S. 10 u. 17.

Die =Behandlung= richtet sich wesentlich auf das Grundleiden und hat in

psychiatrischer Hinsicht vorzugsweise von Dauerbädern Gebrauch zu

machen. Die Fürsorge für genügende Entleerung des Darms und der Versuch

einer Darmantisepsis durch Kalomel, Salol, Benzonaphthol u. dgl. sind

jedenfalls zu beachten.

Kompendium der Psychiatrie für Studierende und Ärzte · 第 34 / 133 题