Vorwiegend gleich nach dem Fieberabfall in akuten Krankheiten, wie
Pneumonie, Influenza, akutem Gelenkrheumatismus, Erysipel usw., nach dem
Puerperium und nach Operationen, ferner nach schweren Blutungen aus
Uterus, Magen usw., endlich auch nach heftigen Gemütsbewegungen und dann
wohl besonders auf der Grundlage vorhergehender körperlicher Erschöpfung
oder längerer Aufregungen kommt es zuweilen ganz plötzlich, binnen
wenigen Stunden oder Tagen, zu einem Zustande von =tiefer Benommenheit
mit motorischer Erregung, Ideenflucht, Verwirrtheit und lebhaften
Täuschungen in allen Sinnesgebieten=. Die Kranken wissen nicht mehr, wo
sie sind, verkennen ihre gesamte Umgebung, werden durch Illusionen und
Halluzinationen auf das schwerste beängstigt, drängen blind aus dem Bett
und zum Zimmer hinaus, hängen sich an die Personen der Umgebung,
entkleiden sich, zerreißen ihre Sachen, sprechen beständig laut oder
auch flüsternd, machen geheimnisvolle Gebärden, leisten allen
Aufforderungen Widerstand und sind zu keiner Auskunft zu bewegen. Die
Nahrungsaufnahme wird oft völlig verweigert, und die Kräfte leiden um so
mehr, da meist auch der Schlaf fehlt oder nur für ganz kurze Zeit
eintritt. In der höchsten Erschöpfung kommt es dann oft zu benommenem
Darniederliegen wie in den letzten Stadien eines Typhus. Die Haut ist
kühl, der Puls klein, die Temperatur gewöhnlich normal oder subnormal,
nur bei Komplikationen erhöht. Wenn nicht durch Entkräftung oder
Hirnlähmung der Tod eintritt -- man hat solche Fälle auch als besondere
Krankheit aufgefaßt und =Delirium acutum= genannt --, kann nach wenigen
Tagen oder Wochen die Genesung eintreten. Oft klärt sich das Bewußtsein
sehr schnell, z. B. nach einem längeren Schlaf; die Erinnerung für die
Krankheit ist gewöhnlich nur ganz summarisch, Einzelheiten werden wie
Traumerlebnisse weiterhin vorgebracht. Natürlich dauert es immer noch
längere Zeit, bis die Schwäche, Reizbarkeit und Erschöpfbarkeit
verschwinden. Die Ernährung hebt sich gewöhnlich unter reichlichem
Appetit schnell und stark.
_Diagnose._ Die traumartige Benommenheit mit Ideenflucht, Verwirrtheit
und Halluzinationen findet sich in ähnlicher Weise noch in epileptischen
Dämmerzuständen, im Delirium tremens und in gewissen Aufregungszuständen
der Dementia paralytica. Die Unterscheidung gelingt, wenn nicht die
Anamnese aufklärt, erst bei längerer Beobachtung. Nahe Beziehungen
bestehen zur =akuten Verwirrtheit=, die man als ein verlängertes
Kollapsdelirium bezeichnen kann (KRAEPELIN).
Die _Behandlung_ ist entscheidend für den Ausgang; es gilt, den Kranken
vor Beschädigung zu bewahren und seine Kräfte zu erhalten und womöglich
zu heben. Bei der Schwere der Erkrankung wäre es in jedem Falle
wünschenswert, die Hilfsmittel einer modernen Irrenanstalt
heranzuziehen, aber in der Praxis ist das leider nur in einem Bruchteil
der Fälle durchzuführen. Das beste Hilfsmittel ist hier wie dort das
=Dauerbad= (vgl. S. 57). Es beruhigt, führt am ehesten Schlaf herbei und
ermöglicht oft die Ernährung. Bei großer Schwäche wird man mit
Koffeineinspritzungen, Kampfer und anderen Reizmitteln freigebig sein,
auch subkutane Kochsalzeingießungen u. dgl. heranziehen. KRAEPELIN
empfiehlt Alkohol in kräftigen Gaben, auch als Zusatz bei der nicht
selten unentbehrlichen Sondenfütterung.