Behalt die Tränen meiner Qual!
Wieviel davon schon Gras gewachsen,
Das weiß dein Speck- und Rosental.
Ich will dir gern mein Leid vergeben,
Nur gib dem kleinen Lorchen Ruh,
Denn weil die Sterne widerstreben,
So sag' ich ihm nur Freundschaft zu.
Du aber, seliges Gefilde,
Sei hunderttausendmal gegrüßt.
Nun seh' ich, wie gerecht und milde
Des Himmels weise Führung ist:
Nunmehr erfahr' ich dessen Freude,
Der dort den Rauch von Ithaka
Nach glücklich überstandnem Leide,
Wie ich mein Striegau, wiedersah.
Du weis- und ewiges Erbarmen,
Das überschwenglich ist und tut,
Vergnüge mich in Lenchens Armen
Und schenk' uns nur ein kleines Gut;
Erhalt mir Weisheit, Kunst und Dichten,
Und laß mich, wenn mein Körper fällt,
Kein blind und giftig Urteil richten:
So neid' ich keinen auf der Welt.
Rückkehr nach Schweidnitz, wo Leonore nicht mehr wohnt
Du ehmals liebster Ort der treuen Leonore,
Wie zärtlich rührt mich nicht der Anblick deiner Tore,
Wodurch ich damals oft an ihrer Hand spaziert!
Dort merk' ich schon den Raum, worauf wir uns versprochen,
Dort blickt der Altan vor, auf dem wir sechzig Wochen
Die Wächter hinter's Licht geführt.
Seid tausendmal gegrüßt, ihr Felder, Sträuch' und Bäume,
Ihr kennt wohl diesen noch, von dem ihr soviel Reime,
So manches Lied gehört, so manchen Kuß gesehn;
Besinnt euch auf die Lust der heitern Sommernächte!
Was meint ihr, wenn mein Wunsch nur eine wieder brächte?
Das wird wohl nimmermehr geschehn!
Wo find' ich aber nun mein Allerliebstes wieder,
Verrät mir gar kein Gras das Lager ihrer Glieder?
Ich spüre keinen Schritt, die Sommerstub' ist leer,
Wie traurig scheinst du mir, du nicht mehr schöner Garten!
Du hast ja zween gehabt, was soll ich einsam warten,
Ach! stell' auch beide wieder her!
Du schickst mich in die Stadt; die treff' ich desto schlimmer:
Der Wirt, das Volk ist neu, ein Gast entweiht das Zimmer,
Worein sonst nichts als wir und unsre Liebe kam:
Mein Gott, wie ändert sich soviel in wenig Jahren!
Was wird nicht noch geschehn? O, sollt' ich dies erfahren!
Wie war mir, daß ich Abschied nahm!
Ich geh' den Tempel aus, ich suche durch die Gassen,
Ich such' auch, wo sie sich wohl niemals finden lassen,
Ich ruf' ihr um den Wall, der Wall hat schlecht Gehör:
Steig', Schweidnitz, steig' und sei ein Phönix in den Flammen,
Bau' Marmor, Erz und Gold und Schloß und Turm zusammen,
Mir bist du doch nicht Schweidnitz mehr!
An sein Lenchen
Nach so viel Angst und Neid und mancher trüben Nacht
Ersah ich wiederum des Glückes Morgenröte.
Auf, Musen! auf, und sucht die lang entriss'ne Flöte,
Die uns in Schweidnitz einst den Abend kurz gemacht!
Ihr habt mit mir geweint, ihr sollt auch mit mir singen
Und Lenchens Gegenwart mit Treu und Lust umringen.
Ach, Kind! Ach, liebstes Kind! Ach, könnt' es möglich sein,
Dies mein getreues Herz im Blute zu erblicken,
Sein Jauchzen müßte dich noch halb so scharf entzücken,
So viel hier Tropfen gehn, so viel auch Wünsche schrein,
Dir mit geschickter Hand und tausend Freudenzähren
Die Wollust über dir nachdrücklich zu erklären.
Ich hatte mich nunmehr des Glückes längst verziehn,
Noch einmal auf der Welt mein Lenchen zu umfangen,
Ich ward in fremder Luft von Freunden hintergangen
Und mußte, bloß und arm, bald hier, bald dorthin fliehn;
Die Trübsal machte mich durch Läng' und Größe mürbe,
So daß ich öfters sprach: Ach, gäbe Gott, ich stürbe!
Es wär' auch bald geschehn: Die Kräfte fielen hin,
Das Fieber griff mich an und warf mich auf das Bette,
Da wünscht' ich, daß ich nur dein Abschiedsmäulchen hätte,
Doch sprach ich: Da ich schon darzu versehen bin,
So laß doch nur, mein Gott, nebst viel- und wahrem Segen
Das Alter, so mir fehlt, zu Lenchens Jahren legen!
Gott hat mich noch so lieb und will dir, wertes Herz,
Das Leben durch mein Grab noch nicht so elend machen.
Verbanne deinen Gram, fang an, aufs neu zu lachen,
Verkläre Blick und Mund mit Freundlichkeit und Scherz,
Damit mir, wenn ich dich in nächstem Tage spreche,
Dein Unmut alle Lust nicht wider Willen schwäche.
Dies ist der vierte Herbst, seitdem ich dich entbehrt;
Was hab' ich in der Zeit vor Ungemach erlitten!
Was hat man nicht auf mich vor Kreuze zugeschnitten!
Welch' Arbeit hat mir nicht der Glieder Mark verzehrt!
Was hat man mir vor Schimpf statt Wohltat zugemessen!
G'nug! Da ich Lenchen seh, sei alles gern vergessen!
Ach aber, was für Furcht verringert mir die Lust?
Ach, kräh' ich auch zu früh? Ach, werd' ich auch betrogen?
Wer weiß, ist nicht dein Schwur mit Zeit und Wind verflogen?
Wer weiß, steht Günther noch in jener Schwanenbrust?
Vielleicht war meine Not und langes Außenbleiben
So mächtig, Lenchens Herz in andre Brunst zu treiben.
Dies glaub' ich doch wohl nicht. Nein, falscher Argwohn, fleuch;
Sie ist mir zu genau mit Wort und Fleisch verbunden,
Ich habe sie geprüft und allzeit rein befunden,
Und darum hoff' ich auch ein irdisch Himmelreich,
Wenn endlich Gott und Zeit die Sehnsucht stillen wollen
Und unsre Glieder sich in Myrten paaren sollen.
Man lacht uns beiderseits, geliebtster Engel, aus,
Warum ich armes Kind dich armes Kind erwähle?
Man meint, wo Liebe nicht die göldnen Ringe zähle,
Da komme nach und nach der Mangel in das Haus.
Doch laß dich, treues Herz, den blinden Wahn nicht irren,
Gott kann den Rechnungsschluß der Spötter leicht verwirren.
Ich hab' es oft gesagt und sag' es noch einmal:
Ich wollte, bliebe mir kein besser Glück auf Erden,
Bei Salz und Brot mit dir in Hütten selig werden
Und halt' ein großes Gut im Lieben nur vor Qual;
Mein Fleiß wird endlich auch nach so viel nassen Tagen
Mit Ruhm und Anmut blühn und reife Früchte tragen.
Gedenke nur zurück und sieh die Schwester an,
So wie ich's prophezeit, so ist es auch ergangen.
Was hilft ihr aller Prast von Kleidern, Perl- und Spangen,
Wenn kein geruhig Herz davon genießen kann?
Ihr Kuß ist lauter Gift, ihr Ehbett eine Hölle,
Und wo ihr Mann nur weicht, füllt Schimpf und Groll die Stelle.
Nur bitt' ich, trau' nächst Gott sonst keiner Seel als mir!
Du bist mein Schatz und Ruhm, dich will ich auch beschützen.
Laß fahren, was nicht bleibt, laß Tadler Pfeile schnitzen,
Kein Blutsfreund ist so nah, er schadet mir und dir;
Gott räche mit Geduld und Ablaß ihre Sünden,
Wir werden unsern Herd ohn' ihren Vorschub finden.
Ach, breite zum voraus Hand, Lippen, Brust und Arm,
Ich komm und zittre schon vor Unruh' und Verlangen,
Dich, längst erwähltes Herz, von neuem zu umfangen,
Und werde durch ein Bild schon in Gedanken warm.
Ach, Himmel, mache bald, damit sie mich entzücke;
Vor zählt' ich Jahr und Tag, jetzt Stund' und Augenblicke.
Schwur der Treue
An Leonore
Eher tot als ungetreu!
Dieser Leichentext soll zeugen,
Daß ich, wenn die Wetter steigen,
Gleichwohl Leonorens sei!
Eher tot als ungetreu!
Soll ich dich, mein Kind, nicht heben,
Halt' ich alle Lust im Leben
Vor des Himmels Tyrannei.
Eher tot als ungetreu!
Was gewinnt man auf der Erden?
Hoffnung, Kummer und Beschwerden
Und zuletzt nur späte Reu!
Eher tot als ungetreu!
Irrtum, Sehnsucht und Gedanken
Reißen durch der Jugend Schranken
Unsre Freude bald vorbei.
Eher tot als ungetreu!
Treue Liebe läßt die Plagen
Böser Zeiten noch ertragen
Und erquickt in Sklaverei.
Eher tot als ungetreu!
Du mein Schatz und ich dein Glücke,
So verlachen wir die Stricke
Der vergällten Heuchelei.
Eher tot als ungetreu!
Neid und Pöbel kann nicht fassen,
Wenn wir ihm die Güter lassen,
Wie so wohl uns beiden sei.
Eher tot als ungetreu!
Tröste dich mit diesem Spruche,
Näh' ihn auf dem Leichentuche
Neben unser Konterfei!
Eher tot als ungetreu!
Glaube das, du treue Seele,
In der finstern Grabeshöhle,
Schläft mir auch dein Schatten bei!
Gedenken
An Leonore
Gedenk' an mich und sei zufrieden
Mit dem, was Glück und Zeit beschert.
Wir werden noch einmal geschieden
Und scheinen solcher Prüfung wert.
Die wahre Treu erinnert dich:
Halt' an, halt' aus und denk' an mich!
Gedenke der vergangnen Tage,
Wie manches Kreuz, wie manche List,
Wie manche Lust, wie manche Plage
Bereits damit vergangen ist.
Gedenk' an Altan, Hof und Herd,
Wobei sich dir mein Herz erklärt.
Gedenk' an unser Abschiednehmen,
Insonders an die letzte Nacht,
In der wir mit Gebet und Grämen,
Die kurzen Stunden hingebracht.
Gedenk' auch an den treuen Schwur,
Der dort aus deinen Lippen fuhr.
Gedenk' an mich an jedem Morgen,
Und wenn die Sonne täglich weicht,
Gedenk' an mich bei Fleiß und Sorgen;
Mein Bildnis macht sie süß und leicht.
Verletzt dich auch der Mißgunst Stich,
Der beste Trost: Gedenk' an mich.
Gedenk' auch an die frohen Zeiten,
Die noch in Wunsch und Zukunft sind.
Die Vorsicht wird uns glücklich leiten,
Bis Lieb' und Treu den Kranz gewinnt.
Ein Augenblick vergnügter Eh'
Bezahlt ein Jahr voll Angst und Weh.
Gedenk' auch an mein heutig Küssen,
Es gibt der Hoffnung frische Kraft,
Es wird dein Warten trösten müssen,
Es nährt die alte Leidenschaft!
Doch denk' auch endlich, liebst du mich,
Allzeit und überall an dich!
Die immer grünende Hoffnung
An Leonore
Stürmt, reißt und rast, ihr Unglückswinde,
Zeigt eure ganze Tyrannei!
Verdreht, zerschlitzt so Zweig als Rinde
Und brecht den Hoffnungsbaum entzwei!
Dies Hagelwetter
Trifft Stamm und Blätter,
Die Wurzel bleibt,
Bis Sturm und Regen
Ihr Wüten legen,
Da sie von neuem grünt und Äste treibt.
Mein Herz gibt keinem Diamanten,
Mein Geist den Eichen wenig nach;
Wenn Erd' und Himmel mich verbannten,
So trotz' ich doch mein Ungemach.
Schlagt, bittre Feinde,
Weicht, falsche Freunde!
Mein Heldenmut
Ist nicht zu dämpfen,
Drum will ich kämpfen
Und sehn, was die Geduld vor Wunder tut.
Die Liebe schenkt aus göldnen Schalen
Mir einen Wein zur Tapferkeit,
Sie spricht, mir guten Sold zu zahlen,
Und schickt mich in den Unglücksstreit.
Hier will ich kriegen,
Hier will ich siegen:
Ein grünes Feld
Dient meinem Schilde
Zum Wappenbilde,
Bei dem ein Palmenbaum zwei Anker hält.
_Beständig_ soll die Losung bleiben,
Beständig lieb' ich dich, mein Kind,
Bis dermaleinst die Dichter schreiben,
Daß du und ich nicht sterblich sind.
Das Wort beständig
Macht alles bändig,
Was Elend heißt.
Das stärkste Fieber
Geht bald vorüber,
Wenn man nur mit Geduld den Frost verbeißt.
Nur zweifle nicht an meiner Treue,
Die als ein ewig helles Licht,
Wenn ich des Lebens mich verzeihe,
Die Finsternis der Gräber bricht.
Kein hartes Glücke,
Ja, kein Geschicke
Trennt mich von dir:
Du stirbst die Meine,
Ich bin der Deine:
Drum wirf' den Argwohn weg und glaube mir!
An Leonoren bei dem andern Abschiede
Du daurest mich, du allerliebstes Kind!
Du fühlst mein Weh, ich leide deine Schmerzen,
Da Glück und Zeit solange grausam sind
Und mit dem Flehn getreuer Seelen scherzen;
Du leidest viel, doch gib der Treu' Gehör:
Ich leide mehr.
Ich leide mehr, als jemand kann und glaubt,
Ich muß von dir, der Riß macht schwere Plagen;
Ich seh' den Trost, den dir mein Abschied raubt,
So wird mein Herz auch zweifach wund geschlagen,
Du liebest mich sowohl getreu als klug,
Das ist genug.
Das ist genug, die Unruh' zu verstehn,
Die Lorchen kränkt und mich in ihr verzehret;
Ach, sollt' ich bald davor zu Grabe gehn,
Ich würde wohl so heftig nicht beschweret,
Wer weiß, was kommt? Vielleicht beschließt der Tod
Die lange Not.
Die lange Not ist dennoch nicht so stark,
Uns, werter Schatz, dem Geiste nach zu trennen.
Erwart' ich mir statt deiner Schoß den Sarg,
So soll mir doch der Neid den Nachruhm gönnen,
Daß leicht kein Mensch so rein als ich geliebt,
Obgleich betrübt.
Obgleich betrübt, jedennoch unverzagt!
Der Himmel zürnt, wer will mit diesem zanken?
Wohin mich auch mein hart Verhängnis jagt,
Da bleibest du ein Trostbild der Gedanken.
Wirst du mir nicht: so hass' ich Lieb' und Eh';
Nun, Kind, ich geh'.
Nun, Kind, ich geh'. Geh auch und nimm den Kuß,
Wir martern nur einander durch dies Letzen;
Ich zwinge mich, den ungewissen Fuß,
Den du verweilst, Gott weiß wohin! zu setzen;
Das Unglück stürmt, die Lästrer stimmen ein,
Ergib dich drein!
Ergib dich drein! Es blitz' auch nah und fern,
Ein schneller Wind kann leicht das Wetter ändern;
Mein Vaterland versagt mir Glück und Stern;
Dies blüht vielleicht in unbekannten Ländern.
Mein Fleiß ist froh, nur dich noch zu erhöhn,
Viel auszustehn.
Viel auszustehn und gleichwohl froh zu sein
Vermag kein Geist, den Lieb und Ruhm nicht stärken;
Kind, gute Nacht! Mein Anblick mehrt die Pein,
Ich kann die Angst an Farb' und Sprache merken.
Sieh mich noch an und lebe wohl und sprich:
Du daurest mich.
Als er sie nach 4 Jahren wieder das erstemal empfing
An Leonore
Die Regung ist zu scharf, ich muß dich stumm umfangen,
Ein Blick, ein Druck, ein Kuß vertritt der Zunge Pflicht;
Ihr Jahre, die ihr spät und unter Not vergangen,
Verzeiht mir jeden Fluch, ich klag' euch weiter nicht,
Ach, macht das Wiedersehn dergleichen süßes Leben,
So laß dir doch, mein Kind, noch öfters Abschied geben.
Schreiben an seine Leonore
Ach Kind, ach liebstes Kind, was war das vor Vergnügen!
Der Himmel geb' uns doch dergleichen Nächte viel
Und laß uns so vertraut bis an das letzte Ziel,
Mit Brust und Geist vermählt, in Eintrachtsbanden liegen.
Denn außer jener Welt und ohne diese Lust
Ist doch wohl der Natur kein größrer Schatz bewußt.
Wir spielen ungestört mit Redlichkeit und Küssen,
Wir haben gleichen Sinn, wir wünschen einerlei,
Sind Sklaven süßer Macht, und niemand lebt so frei,
Wir schwatzen, daß uns auch die Worte mangeln müssen,
Wir schenken uns an uns und nähmen, könnt' es sein,
Als Seelen wahrer Treu' nur _einen_ Körper ein.
Uns darf kein Modebrief ein Ehverlöbnis stiften,
Kein Kuppler und kein Geld verbinden unsre Glut!
Dein Malschatz ist mein Herz, dein Herz mein Heiratsgut
Und unser beider Ruhm die Dichtkunst meiner Schriften,
In welchen Lieb und Scherz so lange Lob gewinnt,
Als Kunst und Wissenschaft in Deutschland fruchtbar sind.
Wir haben unsern Bund die Zeit bewähren lassen;
Vor dich ist in der Welt kein bess'rer Mann als ich,
Ich find' auch auf der Welt kein treuer Weib als dich:
Wir müßten sonder uns das beste Leben hassen.
Da, wo ich dich nicht seh, da ist mir alles leer,
Und wenn es auch der Schwarm des größten Hofes wär'.
Versuchte mich Eugen, und böte mir der Kaiser
Vor dich, du frommes Kind, Gold, Thron und Purpur an,
So spräch ich, wie ich dir mit Wahrheit schwören kann:
Ich ehre, großer Held, die vielen Siegesreiser,
Ich weiß auch, großer Karl, was Macht und Kronen sind;
Behaltet, was ihr habt, und laßt mir nur mein Kind.
Gesegnet sei der Tag, gesegnet sei die Kammer,
Der unsern Bund gesehn, die unsern Kuß gehört!
Wer jenen durch Verdruß und die mit Fluch entehrt,
Dem mach' ein böses Weib den Ehstand voller Jammer.
Gesegnet sei auch gar der Kummer und der Neid,
Der wegen deiner Gunst mir manchen Stoß verleiht.
O könnt' ich doch, mein Kind, in allen Sprachen dichten
(So wünsch' ich dann und wann, wie einst Petrarchens Mund)
So tät' ich deinen Wert den meisten Ländern kund,
So ließ' ich jedes Volk von unsrer Liebe richten:
Die Klügsten würden sehn, wie zärtlich meine Treu',
Wie redlich meine Brust, wie rein dein Herze sei.
Ich tu', soviel ich kann, dein Denkmal auszubreiten,
Um bei der späten Welt durch deinen Ruhm zu blühn.
Wie mancher wird noch Trost aus meinen Liedern ziehn,
Wie manchen wird mein Vers zur süßen Regung leiten:
So merk' ich, wenn mein Mund der Alten Arbeit liest,
Daß unsre Liebe schon vor dem gewesen ist.
Was hat wohl unser Wunsch mehr auf der Welt zu suchen,
Und welches Glück ist noch wohl unsers Neides wert?
Wenn mir des Himmels Huld dich vollends ganz gewährt,
So wüte Feind und Groll, so mag der Spötter fluchen;
Drei Dinge sind mein Trost: Gott, Wissenschaft und du,
Bei diesen seh ich stets den Stürmen ruhig zu.
Als sie zur Hochzeit ihres Bruders reiste
An Leonoren
Gedenk' an mich und meine Liebe,
Du mit Gewalt entriss'nes Kind,
Und glaube, daß die reinen Triebe
Dir jetzt und allzeit dienstbar sind,
Und daß ich ewig auf der Erde
Sonst nichts als dich verehren werde.
Gedenk' an mich in allem Leiden
Und tröste dich mit meiner Treu!
Die Luft mag jetzt empfindlich schneiden,
Die Wetter gehn doch all vorbei,
Und nach dem ungeheuren Knallen
Wird auch ein fruchtbar Regen fallen.
Gedenk' an mich in deinem Glücke,
Und wenn es dir nach Wunsche geht,
So setze nie den Freund zurücke,
Der bloß um dich in Sorgen steht!
Auch mir kann bei dem besten Leben
Nichts mehr als du Entzückung geben.
Gedenk' an mich in deinem Sterben,
Der Himmel halte dies noch auf;
Doch sollen wir uns nicht erwerben,
Und zürnt der Sterne böser Lauf,
So soll mir auch das Sterbekissen
Die Hinfahrt durch dein Bild versüßen.
Gedenk' an mich und meine Tränen,
Die dir so oft das Herz gerührt
Und die dich durch mein kräftig Sehnen
Zum ersten auf die Bahn geführt,
Wo Kuß und Liebe treuer Herzen
Des Lebens Ungemach verschmerzen.
Gedenk' auch endlich an die Stunde,
Die mir das Herz vor Wehmut brach,
Als ich, wie du, mit schwachem Munde
Die letzten Abschiedsworte sprach;
Gedenk' an mich und meine Plagen!
Mehr will und kann ich jetzt nicht sagen.
An seine Leonore
Hier hast du nun den dritten Schwur,
Wodurch ich Himmel und Natur
Zu Zeugen unsers Bundes setze:
Bleib treu, getrost und achte nicht,
Wenn manche Lästerzunge sticht,
Der falschen Freunde Mordgeschwätze.
Das Glücke hält uns freilich auf,
Doch laß ihm nur den faulen Lauf!
Es sucht fein langsam auszurasen.
So stark der Nord sich hören läßt,
So zärtlich wird auch bald der West
In unsre Liebesflaggen blasen.
Die Weltlust zeigt mir nichts mehr an,
Worein ich mich verlieben kann,
Als dein Gesicht und meine Bahre;
Bekomm' ich nun das erste nicht,
So lass' ich freudig Tag und Licht
Auch mitten um die besten Jahre.
Ich fühl' am besten innerlich
So manchen tiefen Herzensstich
Und bin schon ziemlich umgetrieben;
Doch will mir Gott genädig sein,
So läßt er mich nach aller Pein
Dich einmal noch und sicher lieben.
Vertrau der Vorsicht, liebster Schatz,
Sie wird uns einen Ruheplatz,
Es sei auch, wo es will, bereiten;
Alsdann belachen wir mit Lust
Aus froh- und eintrachtsvoller Brust
Die Torheit unsrer bösen Zeiten.
Besinne dich, was Schweidnitz wies:
Von innen zwar ein Paradies,
Von außen Unruh, Zank und Plagen,
Und kommt dir Roschkwitz in den Sinn,
So denk' auch dort nach Borau hin,
Wo mich dein Abschied wund geschlagen.
Sobald des Bruders Hochzeitsfest
Dich bei der Tafel lachen läßt,
So trink mein Wohlsein in Gedanken;
Und wenn dir der Verlobten Kuß
Zu stiller Reizung dienen muß,
So wisse: Günther kann nicht wanken.
Es hat mich innerlich ergetzt,
Daß Lorchen meine Lieder schätzt
Und dann und wann noch Verse fodert.
Dein Name soll auch ganz allein
Die Zierat meiner Reime sein,
In welchen unsre Liebe lodert.
Mein Engel, nimm es selbst aus dir,
Wie schwer, wie scharf und ängstlich mir
Dein drittes Abschiedsküssen falle;
Jedoch Geduld, Vernunft und Zeit
Krönt endlich die Beständigkeit
Und schenkt uns Zucker auf die Galle.
Nun gute Nacht, du treues Kind!
Es wird noch mancher saurer Wind
Mir kräftig in das Antlitz streichen;
Doch darum mache dir nicht Schmerz,
Dein Angedenken stärkt mein Herz
Und bleibt mein festes Hoffnungszeichen.
An Eleonore
Ach Kind, verschone mich in dir
Und laß mich unbetrübt von hier!
Was quälst du mich mit so viel Tränen?
Es sind die Kräfte meiner Brust.
Ach, hast du denn bei so viel Sehnen
Noch gar zu meiner Ohnmacht Lust?
Ich bin wohl so genug geplagt,
Verfolgt, verleumdet und verjagt,
Und du willst noch die Angst verstärken?
Was Günther fühlt, das weiß sein Herz,
Ich laß es kaum die Hälfte merken,
Sonst macht' ich dir noch schärfern Schmerz.
Du bist ja meiner Treu gewiß,
Dies ist ein Band vor diesen Riß,
An dem die Hoffnung auch schon heilet.
Ach, mildre doch nur den Verdruß,
Dieweil die Zeit, so jetzo teilet,
Uns endlich wieder binden muß.
Gesetzt, du würdest ungetreu,
Wovor doch Glück und Himmel sei,
Ich könnte dich unmöglich hassen:
Mir wär' es zwar die ärgste Pein,
Hat sie dich, dächt' ich doch, verlassen,
Will ich um desto treuer sein.
Ich weiß, man tadelt mich darum;
Der schilt mich weibisch, jener dumm.
Die Großmut adelt mein Gemüte,
Und daß ich zärtlich lieben kann,
Das nehm' ich von des Schöpfers Güte
Wohl vor die größte Wohltat an.
Sei arm, verlassen und veracht,
Verliere, was gefällig macht,
Laß Zahn und Farb' und Jugend schwinden,
Du bleibst in meinen Augen schön
Und sollst sie allemal entzünden,
Solange sie noch offen stehn.
Ein Augenblick der süßen Zeit,
In welchem mich dein Scherz erfreut,
Gilt mehr als alle Freudenfeste,
Wo Dresden, jetzt die halbe Welt,
Das Herz der hohen Hochzeitgäste
Mit tausend Wollust unterhält.
Der Frühling ist nun nicht mehr weit.
Spazier' in grüner Einsamkeit
In euren schönen Erlengängen
Und denk' in allem Ungemach,
So Schmerz dich, Neid und Freunde drängen,
Den oft gegebnen Lehren nach.
Dort soll der jungen Vögel Schrei'n
Die Botschaft meiner Sehnsucht sein,
Und scherzt der West mit Kleid und Wangen,
So wiss' und glaube sicherlich:
Er meldet dir mein heiß Verlangen
Und küßt dich tausendmal vor mich.
Scheiden
Ich nehm' in Brust und Armen
Den schweren Abschiedskuß;
Der Himmel hat Erbarmen,
Indem er trennen muß.
Ich küss', ich wein' und liebe,
Mein treues Lorchen spricht,
Sie habe gleiche Triebe:
Wie aber? Weint sie nicht?
Leonorens Antwort
Du suchest ja dein Glücke,
Das hier wohl nicht mehr blüht,
Ich hasse das Geschicke,
Das uns von sammen zieht,
Ach, säh'st du meine Schmerzen,
Ich schweige, wertes Licht!
Ich liebe dich von Herzen,
Und darum wein ich nicht!
Aria
An Leonoren
Die Trennung dient zu größrer Freude,
Drum tu doch nicht so sehr um mich!
So weit ich auch von hinnen scheide,
So nah' behalt' und küss' ich dich,
Weil Licht und Nacht in tausend Bildern
Dem Herzen dein Gedächtnis schildern.
Nur liegt mir etwas in Gedanken
Und martert mich so stumm als scharf:
Man kennt des Frauenzimmers Wanken;
Ich weiß nicht, ob ich hoffen darf,
Und ob wohl künftig dein Gemüte
Sich auch mit gleicher Sorgfalt hüte.
Der Zweifel darf dich nicht betrüben,
Er ist ein Zeichen zarter Treu;
Bisher erkenn' ich zwar dein Lieben
Und weiß, wie rein die Flamme sei;
Wer bürgt mir aber vor das Glücke,
Daß keine Zeit das Ziel verrücke?
Ich kann dir keinen Wächter stellen,
Es wäre denn dein eigner Geist;
Doch weil die Macht von manchen Fällen
Die Klügsten aus dem Zirkel reißt,
So laß dir, willst du mein verbleiben,
Die Regeln in das Herze schreiben:
Die Liebe reicht auch in die Ferne,
Und das heißt recht beständig sein.
Verehre die geneigten Sterne,
Und zürnt ihr abgenommner Schein,
So mußt du mehr durch Flehn als Fluchen
Den Himmel zu versöhnen suchen.
Erwäge stündlich in der Stille
Den Anfang der Zusammenkunft,
Bedenke nur, dein eigner Wille
Beschwur das Bündnis mit Vernunft;
Vergiß auch nicht, was mein Verlangen,
Nur dich zu sehn, oft angefangen.
Vermeide die Gelegenheiten,
Wo viel Gesellschaft spielt und küßt.
Der Scherz kann öfters viel bedeuten,
Man weiß, wie stark die Reizung ist;
Und mußt du dich der Welt bequemen,
So laß dich andrer Putz beschämen.
Besuche fleißig alle Gänge,
Wodurch ich dich bisher geführt,
Vornehmlich, wo der Birken Menge
Das Ufer und die Wiesen ziert,
Und dorten, wo dein sachtes Küssen
Mich oft im Grünen wecken müssen.
Du weißt und kannst auch überlegen,
Wie kräftig mich der Mond ergetzt,
So daß ich seines Schimmers wegen
Die Nacht dem Tage vorgesetzt;
Besinne dich in solchen Schatten,
Wie viel wir sichre Zuflucht hatten.
Steh freudig auf, geh froh zu Bette,
Doch sieh vorher mein Bildnis an
Und nimm den Ring, die Liebeskette;
Denn obgleich keines reden kann,
So wirst du doch bei ihrem Spielen
Viel Wachstum sanfter Neigung fühlen.
Dein Absehn mußt du wohl verhehlen,
Sprich jeden, der mir Gutes gönnt,
Und laß dir stets von mir erzählen
Und liebe das, was mich nur kennt;
Durchblättre mein Vers' und Lieder
Und sing' und leg' und lies sie wieder!
Geh täglich in des Herren Tempel,
Die Andacht kommt der Liebe bei;
Das Altertum hat viel Exempel
Verliebter Lust und seltner Treu.
Bemüh dich drum und lies und merke,
Wie zärtlich dich ihr Beispiel stärke.
Laß weder Post noch Boten säumen
Und miß Papier und Silben nicht,
Erzähle mir aus allen Träumen,
Ihr Schatten gibt den Klugen Licht;
Und ist dir aller Zeug benommen,
So schreib mir stets ums Wiederkommen!
Leg' alles, was ich schriftlich sende,
Ohn' Argwohn auf dein Vorteil aus;
Betrachte wohl den Zug der Hände,
Und suche vor das L. heraus,
Ja, halt' ein jegliches Gerüchte
Von meiner Untreu' vor Gedichte.
Es braucht kein häufiges Geschwätze,
Denn liebst du recht, so liebst du klug;
Ich geb' und halt' auch die Gesetze.
Kind! gute Nacht! Du hast genug.
Soll etwas mir dein Bild entführen,
So muß ich vor mein Herz verlieren.
Trennungslied