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Eva ging auf dem Hofe hin und her, die schmalen Hände auf dem Rücken,
und betrachtete mit großen, stillen, aufmerksamen Augen die Arbeit der
Werkleute. Sie blieb heute, sie blieb morgen, sie traf keine Anstalten
zu gehen. Sie bemühte sich, Wenzel nicht im Wege zu sein, ihm nicht
lästig zu fallen, und doch war sie fast immer in seiner Nähe. Sie hörte
Michaels Stimme in Wenzels Stimme. In seinem Gang erkannte sie Michaels
Gang. Aus Wenzels Gesicht blickte, nur für sie erkennbar, Michaels
Gesicht.
Eines Tages sagte sie: „Es gefällt mir hier auf Schwarzlake, Herr
Schellenberg. Haben Sie Arbeit für mich, so möchte ich gern bleiben.“
„Bleiben Sie, Eva,“ erwiderte Wenzel. „Es gibt hier viel Arbeit, auch
für Sie.“
Still und schweigsam saß Wenzel in der Nacht auf der Treppe, den Hofhund
zur Seite, und blickte in die Dunkelheit hinaus.
Immer mußte er an Michael denken und an sein Testament, das Eva
abgeschrieben hatte und das er auswendig konnte.
„Vielleicht,“ dachte er, „war Michael mehr als ein Träumer, vielleicht
war er ein Seher. Vielleicht sind seine Gesichte morgen Wahrheit, und
die billigen Wahrheiten der Zweifler sind vielleicht morgen zuschanden.“
Schon graute es im Osten, und über die schwarzen Weiher stieg sanft die
Morgenröte eines neuen Tages empor.