Eines Tages, als die alte Frau fest eingeschlafen war, und die Räuber
alle fort waren, nahm der kleine Heinrich ein Licht und sagte zu sich
selbst: »Ich will auch da in die Finsternis gehen! Ja, ich will gehen.
Ich werde die Räuber bald finden!«
Er ging. Der Gang war sehr finster und sehr lang. Endlich kam er an
einen Platz, wo zwei Gänge zusammenkamen. Da er nicht wußte, welchen
Gang er nehmen sollte, nahm er den rechts, und ging wieder weiter. Aber
das Licht war klein und endlich erlosch es.
Der arme kleine Heinrich konnte zuerst nichts sehen. Er war allein, und
alles war so finster. Endlich aber sah er ein kleines mattes Licht. Er
dachte: »Ach, da sind die Räuber, ich muß ihnen schnell nachlaufen.« Er
lief schnell. Das Licht wurde immer größer, aber es war immer sehr matt.
Endlich kam Heinrich dahin, wo der Gang ins Freie führte. Das Loch war
klein, aber er kroch schnell hinaus und sah die Welt, die wunderschöne
Welt zum erstenmal.
»Ach,« sagte er erstaunt. »Hier ist eine wunderschöne Höhle, viel
schöner als die unsrige!«
Es war sehr früh Morgens. Das Kind sah Gras und Bäume zum erstenmal, und
dann sah es auch den Sonnenaufgang.
»Ach,« sagte der kleine Heinrich erstaunt. »Sehen Sie doch die große
Lampe! Und da ist viel Gras! Ich habe nie so viel Gras gemacht. Ich kann
es auch nicht so schön machen.«
Endlich sah er ein Lamm, ein kleines, neugeborenes Lamm.
»Da ist ein Lamm!« rief er erstaunt, »aber es ist viel größer als mein
Lamm. Ich will mit ihm spielen!«