Die Stadt Bonn ist eine schöne Stadt, die Stadt Bonn ist auch eine alte
Stadt, und die Stadt Bonn steht am Rhein. Bonn ist jetzt eine große
Stadt, aber Bonn war einmal eine kleine, eine sehr kleine Stadt.
Bonn hat jetzt viele Einwohner (Männer, Frauen und Kinder), aber einmal
hatte die Stadt Bonn nicht so viele Einwohner.
Es waren einmal drei Männer in Bonn. Diese drei Männer waren jung, sehr
jung. Diese drei Männer waren auch träge, sehr träge.
Diese drei Männer wollten nur schlafen, sie wollten immer schlafen.
»Ach,« sagte der erste junge Mann. »Ich bin so schläfrig, ich muß
schlafen!«
»Ja,« sagte der zweite junge Mann. »Ich bin auch schläfrig, ich muß auch
schlafen!«
»Ach,« sagte der dritte junge Mann. »Ich bin auch schläfrig, ich muß
auch schlafen!«
Dann sagte der Erste: »Es ist traurig, sehr traurig, daß ich nicht immer
schlafen kann!«
»Ja wohl!« sagte der Zweite, »es ist traurig. Ich möchte (will) auch
immer schlafen und nie aufwachen!«
Und der Dritte sagte auch: »Ja wohl. Ich möchte auch immer schlafen und
nie aufwachen!«
Die Stadt Bonn war still, aber die Stadt war nicht still genug für die
drei schläfrigen Männer. Der Erste sagte: »Die Stadt ist nicht still
genug. Hier kann ich nicht schlafen!«
»Ja,« sagte der Zweite, »die Stadt ist nicht still genug. Hier kann ich
auch nicht genug schlafen!«
Und der Dritte sagte auch: »Die Stadt ist nicht still genug. Hier kann
ich nicht genug schlafen!«
Dann sagte der Erste: »Mein Vater, meine Mutter, mein Bruder und meine
Schwester wecken mich immer zu früh auf. Hier will ich nicht bleiben.
Ich will fortgehen!«
»Mein Vater, meine Mutter, mein Bruder und meine Schwester wecken mich
auch zu früh auf!« sagte der zweite junge Mann. »Hier in Bonn will ich
auch nicht bleiben. Ich will fortgehen!«
Und der dritte junge Mann sagte auch: »Meine Eltern (Vater und Mutter)
und meine Geschwister (Bruder und Schwester) wecken mich auch zu früh
auf. Hier in Bonn will ich nicht bleiben. Ich will auch fortgehen.«
»Wohin wollen wir gehen?« fragte der erste junge Mann. »Wo können wir
einen guten, stillen Platz finden, wo wir lange, lange schlafen können?«
»Ach,« sagte der Zweite, »ich kenne einen guten, stillen Platz. Ich
kenne eine Höhle. Ich kenne eine gute, stille Höhle, nicht sehr weit von
hier. Nein, die Höhle ist nicht weit von Bonn, aber da können wir ruhig
(still), so ruhig sein.«
»Das ist gut!« sagte der Dritte. »Das ist sehr gut. Wir wollen in diese
Höhle gehen, denn unsere Familien wecken uns zu früh auf, und wir
möchten einmal ruhig sein und schlafen, so lange wir wollen.«
Die drei jungen Männer gingen aus der Stadt. Sie kamen in die Höhle. Die
Höhle war groß, und so still, daß die drei Männer froh, sehr froh waren.
»Ach,« sagte der Erste. »Hier ist ein guter, stiller Platz. Hier können
wir ruhen. Hier können wir ruhig schlafen, so lange wir wollen.«
»Ja,« sagte der Zweite. »Ich bin froh, daß wir diesen Platz gefunden
haben. Hier ist alles so still. Hier können wir drei ruhig schlafen.
Hier wecken uns unsere Eltern und Geschwister nicht auf.«
»Ja,« sagte der Dritte. »Hier ist es schön still. Hier können wir lange,
lange schlafen. Hier kommen keine bösen Geschwister, um uns aus dem
Schlafe zu wecken. Ich bin froh, daß wir diesen schönen stillen Platz
gefunden haben. Sehr froh.«
Die drei Männer legten sich in der Höhle nieder. Sie wollten schlafen.
Der erste junge Mann machte die Augen zu, und in einigen Minuten war er
fest eingeschlafen.
Der zweite junge Mann legte sich auch nieder, machte die Augen zu, und
in einigen Minuten war er auch fest eingeschlafen.
Der dritte junge Mann legte sich auch nieder, machte die Augen auch zu,
und in einigen Minuten war er auch fest eingeschlafen.
So schliefen die drei jungen Männer lange, lange. So schliefen sie ein
Jahr. So schliefen sie zwei, drei, vier, fünf, sechs lange Jahre, und
alles war still, so still, daß sie ruhig schlafen konnten.
Endlich (am Ende), als das siebente Jahr kam, hörte der erste Jüngling
ein kleines Geräusch. Er machte die Augen langsam, sehr langsam auf, und
sagte auch sehr langsam: »Ich höre eine Kuh!«
Dann machte der erste Jüngling die Augen wieder zu, und schlief wieder
fest ein. Die anderen schliefen ruhig, sie wachten nicht auf.
So schliefen sie alle wieder, ein, zwei, drei, vier, fünf, sechs Jahre.
Dann kam das siebente Jahr.
Dann wachte der zweite junge Mann auch langsam auf. Er machte die Augen
auf und sagte langsam, sehr langsam: »Nein, das war keine Kuh, das war
ein Ochs.«
Dann machte er die Augen wieder zu, und in einigen Minuten war er wieder
fest eingeschlafen. Alles war still, so still, und die drei jungen
Männer schliefen ruhig.
Sie schliefen wieder, ein, zwei, drei, vier, fünf, sechs Jahre. Als das
siebente Jahr wieder kam, wachte der dritte Jüngling sehr langsam auf.
Er machte die Augen langsam auf und sagte sehr langsam: »Welche Kuh?
welcher Ochs?«
Das war alles. Dann machte er die Augen wieder zu, und in einigen
Minuten war er auch wieder fest eingeschlafen und alles war still.
Die drei jungen Männer sind noch in der Höhle, nahe bei der Stadt Bonn.
Sie schlafen noch fest. Sie schlafen noch ruhig. Einer nach dem anderen
wachen sie alle sieben Jahre auf und sagen einige Worte. Die Worte, die
sie sagen, bilden eine Unterhaltung. Und diese Unterhaltung ist nicht
interessant, weil schläfrige junge Männer nichts Interessantes sagen
können.
(2) This is one of the German Legends, which Karl Simrock, the
folk-lorist of the Rhine, has placed in his collection of poems, where
it is written in the popular dialect of the inhabitants of Bonn.
Similar stories are told of sundry localities, and these sleepers are
merely the counterpart of the Sleepers of Ephesus.