sehr streng über diesen Gegenstand aus. (Burnet I. 662.) Eine
interessante Stelle ähnlichen Inhalts findet sich auch in einer
Depesche von Barillon, aber ich habe die Nachweisung verlegt.
Einer der katholischen Geistlichen, die an dieser Polemik Theil
nahmen, ein Jesuit, Namens Andreas Pulton, den Oliver in seiner
Geschichte des Ordens für einen Mann von ausgezeichneter
Befähigung erklärt, gesteht seine Mängel selbst offen ein: »Da
A. P. achtzehn Jahre außerhalb seines Vaterlandes zugebracht hat,
so macht er auf Vollkommenheit in der englischen Ausdrucksweise
und Rechtschreibung noch keinen Anspruch.« Seine Orthographie ist
in der That erbärmlich; in einem seiner Briefe schreibt er
+wright+ für +write+ und +woed+ für +would+. Er forderte Tenison
auf, lateinisch mit ihm zu diputiren, damit sie mit gleichen
Waffen kämpften. In einer zeitgenössischen Satire, betitelt +»The
Advice«+ finden sich folgende zwei Zeilen:
Laßt Pulton in Busby's Schule die Ruthe geben,
Damit er sich im Druck nicht mehr zum Narren macht.
Ein andrer römischer Katholik, Namens Wilhelm Clench, schrieb eine
Abhandlung über die Suprematie des Papstes und widmete sie der
Königin in italienischer Sprache. Folgende Probe seines Styls mag
genügen: +»O del sagro marito fortunata consorte! O dolce
alleviamento d'affari alti! O grata ristoro di pensieri noiosi,
nil cui pello latteo, lucente specchio d'illibata matronal
pudicizia, nil cui seno odorato, como in porto d'amor, si ritira
il Giacomo! O beata regia coppia! O felice incerto tra
l'invincibil iconi e le candide aquile!«+
Clench's Englisch ist nicht besser wie sein Toskanisch. Zum
Beispiel: +»Peter signifies an inexpugnable rock, able to evacuate
all the plots of hell's divan, and naufragate all the lurid
designs of empoisoned heretics.«+ Eine andre katholische Schrift,
betitelt: +The Church of England truly represented+, beginnt damit
uns zu sagen, »daß das Irrlicht der Reformation, das durch viele
Plünderungen und Räubereien zu einem Kometen angewachsen,
gereinigt von dem Schmutze, den es zwischen den Alpenseen
angenommen habe, in England eingeführt worden sei.«]
[Anmerkung 120: Barillon, 19.(29.) Juli 1686.]
[_Zustand Schottlands._] Mittlerweile waren in anderen Theilen des
Reichs Ereignisse von ernster Wichtigkeit eingetreten. Die Lage der
bischöflichen Protestanten Schottlands war von der ihrer englischen
Glaubensbrüder weit verschieden. Im Süden der Insel war die
Staatsreligion auch die Volksreligion und besaß eine von der
Unterstützung der Regierung völlig unabhängige Kraft. Die aufrichtigen
Conformisten waren viel zahlreicher als die Papisten und die
protestantischen Dissenters zusammengenommen. Die Landeskirche
Schottlands war die Kirche einer kleinen Minorität. Die Bevölkerung des
Niederlandes hielt zum größten Theil fest an der presbyterianischen
Kirchenverfassung. Die große Masse der schottischen Protestanten
verabscheute das Prälatenthum als eine schriftwidrige und zugleich
ausländische Einrichtung. Die Schüler Knox' betrachteten es als ein
Überbleibsel von den Gräueln des großen Babylon. Es erinnerte ein auf
das Andenken Wallace's und Bruce's stolzes Volk schmerzlich daran, daß
Schottland, seitdem seinen Herrschern ein schöneres Erbtheil zugefallen,
nur noch dem Namen nach unabhängig sei. Auch stand die bischöfliche
Verfassung in den Augen des Volks mit allen den Übeln, welche eine
fünfundzwanzigjährige schlechte und grausame Verwaltung heraufbeschworen
hatte, in der engsten Verbindung. Dennoch erhielt sich diese Verfassung,
wenn auch auf einer schmalen Grundlage und unter furchtbaren Stürmen,
noch immer aufrecht; sie schwankte zwar zuweilen, wurde aber durch die
weltliche Obrigkeit gestützt und verließ sich bei eintretender ernster
Gefahr auf die Macht Englands. Die Archive des schottischen Parlaments
wimmeln von Gesetzen, welche Denen mit Strafe drohen, die in irgend
einer Richtung die vorgezeichnete Grenze überschritten. Nach einem zu
Knox' Zeiten erlassenen Gesetze, das ganz seinen Geist athmete, war es
ein schweres Vergehen, die Messe zu hören und im zweiten
Wiederholungsfalle war es ein Kapitalverbrechen.[121] Eine neuerdings
auf Andringen Jakob's erlassene Verordnung setzte die Todesstrafe auf
das Predigen in irgend einem presbyterianischen Conventikel und sogar
auf den bloßen Versuch eines solchen unter freiem Himmel abgehaltenen
Conventikels.[122] Das heilige Abendmahl war zwar nicht, wie in England,
zu einem bürgerlichen Prüfstein herabgewürdigt worden; aber es konnte
Niemand ein Amt bekleiden, im Parlament sitzen, oder nur an der Wahl
eines Mitgliedes theilnehmen, ohne an Eidesstatt eine Erklärung zu
unterschreiben, welche in den stärksten Ausdrücken die Grundsätze der
Papisten wie der Covenanters verdammte.[123]
[Anmerkung 121: Parlamentsacten vom 24. Aug. 1560 u. 15. Dec.
1567.]
[Anmerkung 122: Desgl. vom 8. Mai 1685.]
[Anmerkung 123: Desgl. vom 31. Aug. 1681.]
[_Queensberry._] Im schottischen Geheimen Rathe gab es zwei Parteien,
welche Denen entsprachen, die in Whitehall einander kämpfend
gegenüberstanden. Wilhelm Douglas, Herzog von Queensberry, war
Lordschatzmeister und wurde seit einigen Jahren als erster Minister
betrachtet. Er war durch Verwandtschaft, durch Ähnlichkeit der Meinungen
und durch Ähnlichkeit des Characters mit dem Schatzmeister Englands eng
verbunden. Beide waren Tories; Beide hatten ein heißblütiges Temperament
und starke Vorurtheile; Beide waren bereit, ihren Gebieter bei jedem
Angriff auf die bürgerlichen Freiheiten seines Volks zu unterstützen;
Beide waren aufrichtige Anhänger der Staatskirche. Queensberry hatte dem
Hofe in Zeiten angekündigt, daß er sich an keiner Neuerung betheiligen
könne, die etwa in Betreff dieser Kirche beabsichtigt werden dürfte.
Dagegen befanden sich unter seinen Collegen einige ebenso grundsatzlose
Männer als Sunderland. Der Geheime Rath von Edinburg war in der That ein
Vierteljahrhundert lang eine Pflanzschule aller öffentlichen und
Privatlaster und einige von den Staatsmännern, deren Character dort
gebildet war, besaßen eine Hartherzigkeit und einen Starrsinn, von denen
Westminster selbst in jener schlimmen Zeit kaum ähnliche Beispiele
aufweisen konnte.
[_Abfall Perth's und Melfort's._] Der Kanzler, Jakob Drummond, Earl von
Perth, und sein Bruder, der Staatssekretär Johann Lord Melfort, suchten
Queensberry zu verdrängen. Der Kanzler hatte bereits ein unbestreitbares
Recht auf die königliche Gunst. Er hatte eine kleine stählerne
Daumenschraube eingeführt, welche so fürchterliche Schmerzen
verursachte, daß sie schon Männern, bei denen Seiner Majestät
Lieblingsinstrument, der spanische Stiefel, vergebens angewendet worden
war, Geständnisse abgepreßt hatte.[124] Aber es war wohl bekannt, daß
selbst die Grausamkeit kein so sicherer Weg zu Jakob's Herzen war als
Abfall vom Glauben. Zu diesem nahmen daher Perth und Melfort mit einer
frechen Gemeinheit, der kein englischer Staatsmann gleichzukommen hoffen
durfte, ihre Zuflucht. Sie erklärten, daß die in der Cassette Karl's II.
gefundenen Papiere sie Beide zum wahren Glauben bekehrt hätten und sie
begannen zu beichten und die Messe zu hören.[125] Wie wenig die
Überzeugung mit Perth's Religionswechsel zu thun hatte, bewies er
deutlich, indem er wenige Wochen später in directem Widerspruch mit den
Vorschriften der Kirche, in deren Schooß er eben erst übergetreten war,
seine leibliche Cousine zur Gattin nahm, ohne eine Dispensation
abzuwarten. Als der gute Papst dies erfuhr, sagte er mit wohlbegründeter
Verachtung und Entrüstung, dies sei eine sonderbare Bekehrung.[126]
Jakob aber war leichter zufrieden zu stellen. Die beiden Renegaten
stellten sich ihm in Whitehall vor und empfingen so warme Versicherungen
seiner Gunst, daß sie es wagten, directe Beschuldigungen gegen den
Schatzmeister zu erheben. Die Grundlosigkeit dieser Beschuldigungen war
jedoch so in die Augen springend, daß Jakob sich genöthigt sah, den
verklagten Minister freizusprechen, und Viele waren der Meinung, daß der
Kanzler durch seinen boshaften Eifer, seinen Nebenbuhler zu stürzen,
sich selbst gestürzt habe. Einige Andere urtheilten richtiger. Halifax,
gegen den Perth einige Besorgniß äußerte, antwortete spöttisch lächelnd,
es habe keine Gefahr. »Sei guten Muths, Mylord,« setzte er hinzu; »Dein
Glaube hat Dir geholfen.« Die Prophezeiung bestätigte sich, Perth und
Melfort kehrten als die wahren Oberhäupter der Regierung ihres
Vaterlandes nach Edinburg zurück.[127] Noch ein andres Mitglied des
schottischen Geheimen Rathes, Alexander Stuart, Earl von Murray,
Nachkomme und Erbe des Regenten, schwor ebenfalls den Glauben ab, dessen
erster Vorkämpfer sein erlauchter Ahnherr gewesen war, und erklärte sich
zum Mitgliede der römischen Kirche. So ergeben Queensberry von jeher der
Sache der Hoheitsrechte gewesen war, gegen Nebenbuhler, welche bereit
waren, die Gunst des Hofes um solchen Preis zu verkaufen, konnte er sich
nicht behaupten. Er mußte eine Reihe von Kränkungen und Demüthigungen
ertragen, ähnlich denen, welche um die nämliche Zeit seinem Freunde
Rochester das Leben zu verbittern begannen.
[Anmerkung 124: +Burnet, I. 584.+]
[Anmerkung 125: +Ibid. I. 652, 653.+]
[Anmerkung 126: +Ibid. I. 678.+]
[Anmerkung 127: +Burnet, I. 653.+]
[_Begünstigung der katholischen Religion in Schottland._] Es erschienen
königliche Erlasse, welche die Papisten ermächtigten, Ämter zu
bekleiden, ohne den Testeid zu leisten, und die Geistlichkeit erhielt
strengen Befehl, sich in ihren Predigten aller Reflexionen über den
römisch-katholischen Glauben zu enthalten. Der Kanzler nahm es auf sich,
zu den wenigen Buchdruckern und Buchhändlern, die sich damals in
Edinburg befanden, die Diener des Geheimen Raths mit dem Befehle zu
senden, kein Werk ohne seine Genehmigung zu veröffentlichen. Man wußte
sehr wohl, daß dieser Befehl bezweckte, die Verbreitung protestantischer
Schriften zu verhindern. Ein achtbarer Buchhändler sagte den Boten, daß
er in seinem Laden ein Buch habe, das sich in sehr harten Worten über
den Papismus äußere, und fragte, ob er es verkaufen dürfe. Sie
verlangten es zu sehen, und er zeigte ihnen eine Bibel.[128] Eine ganze
Schiffsladung Heiligenbilder, Rosenkränze, Kreuze und Rauchfässer
langten unter der Adresse des Lord Perth in Leith an. Die Einfuhr
solcher Artikel war seit geraumer Zeit verboten gewesen; jetzt aber
ließen die Zollbeamten diese Zierrathen und Geschirre des Aberglaubens
passiren.[129]
[Anmerkung 128: Fountainhall, 28. Jan. 1685/86.]
[Anmerkung 129: +Ibid. 11. Jan. 1685/86.+]
[_Aufstände in Edinburg._] Bald darauf erfuhr man, daß im Hause des
Kanzlers eine papistische Kapelle eingerichtet worden war und daß
regelmäßig Messe darin gelesen wurde. Der Pöbel stand auf und griff das
Gebäude an, in welchem der Götzendienst gefeiert ward. Die eisernen
Fenstergitter wurden herausgerissen und Lady Perth nebst einigen
Freundinnen wurden mit Koth beworfen. Einer der Ruhestörer wurde
ergriffen und der Geheime Rath befahl, ihn auspeitschen zu lassen. Seine
Kameraden aber befreiten ihn und prügelten den Henker. Die Stadt war die
ganze Nacht in Aufruhr. Die Studenten der Universität mischten sich
unter den Haufen und reizten ihn zum Tumult auf. Eifrige Bürger tranken
auf die Gesundheit der studirenden Jugend und auf den Untergang der
Papisten und ermuthigten einander zum Widerstand gegen die Truppen.
Diese standen bereits unter den Waffen. Unter ihnen zeichnete sich
besonders aus das Dragonerregiment Claverhouse's, der Schrecken und
Abscheu von ganz Schottland. Sie wurden mit einem Steinhagel empfangen,
der einen Offizier verwundete. Alsbald erfolgte der Befehl zum Feuern,
und es fielen mehrere Bürger. Der Aufruhr war ernst; aber die von
Rachsucht und Ehrgeiz entflammten Gebrüder Drummond schilderten ihn
maßlos übertrieben. Queensberry bemerkte, daß ihre Berichte einen Jeden,
der nicht Augenzeuge gewesen war, zu dem Glauben bringen mußten, es habe
in Edinburg ein eben so furchtbarer Aufstand wie der des Masaniello
gewüthet. Sie dagegen beschuldigten ihn nicht nur, daß er das Verbrechen
der Aufrührer zu gering anschlage, sondern sogar, daß er es gefördert
habe, und boten Alles auf, um einen Beweis für seine Schuld zu erlangen.
Einem der verhafteten Rädelsführer wurde seine Begnadigung angeboten,
wenn er gestehen wolle, daß Queensberry ihn aufgehetzt habe; aber die
nämliche religiöse Begeisterung, welche den unglücklichen Gefangenen zu
verbrecherischer Gewaltthat getrieben, hielt ihn ab, sein Leben durch
eine Verleumdung zu erkaufen. Er und mehrere seiner Mitschuldigen wurden
gehängt. Ein Soldat, der während des Kampfes ausgerufen haben sollte, er
möchte sein Schwert lieber einem Papisten durch den Leib stoßen, wurde
erschossen. So war die Ruhe in Edinburg wieder hergestellt, aber die
Verurtheilten wurden als Märtyrer betrachtet und der papistische Kanzler
wurde der Gegenstand eines tödtlichen Hasses, der in nicht langer Zeit
reichliche Befriedigung finden sollte.[130]
[Anmerkung 130: Fountainhall, 31. Jan. u. 1. Feb. 1685/86;
+Burnet, I. 678+; Prozesse David Mowbray's und Alexander Keith's
in der +Collection of State Trials+; Bonrepaux, 11.(21.) Feb.]
[_Zorn des Königs._] Der König war höchlich entrüstet. Er erhielt die
Nachricht von dem Aufstande in dem Augenblicke, als es der Königin mit
Hülfe der Jesuiten eben gelungen war, über Lady Dorchester und ihre
protestantischen Verbündeten zu triumphiren. Er sagte, die Unzufriedenen
sollten erfahren, daß die Auflehnung gegen seinen Willen keine andre
Wirkung habe, als ihn noch entschlossener zu machen.[131] Er sandte an
den schottischen Geheimen Rath den Befehl, die Schuldigen mit der
äußersten Strenge zu bestrafen und mit der Anwendung des spanischen
Stiefels nicht sparsam zu sein.[132] Er stellte sich als ob er von der
Unschuld des Schatzmeisters vollkommen überzeugt sei und schrieb einen
sehr freundlichen Brief an ihn; aber die freundlichen Worte waren von
unfreundlichen Handlungen begleitet. Die Verwaltung des schottischen
Schatzamts wurde trotz der ernsten Gegenvorstellungen Rochester's, der
das Schicksal seines Verwandten wahrscheinlich für einen Vorläufer
seines eignen hielt, einer Commission übertragen.[133] Allerdings wurde
Queensberry zum ersten Commissar und zum Präsidenten des Geheimen Raths
ernannt, aber sein Fall blieb trotz dieses lindernden Balsams immer ein
Fall. Auch wurde er seines Postens als Commandant des Schlosses von
Edinburg enthoben und sein Nachfolger in diesem Vertrauensposten war der
Herzog von Gordon, ein römischer Katholik.[134]
[Anmerkung 131: Ludwig an Barillon, 18.(28.) Febr. 1686.]
[Anmerkung 132: Fountainhall, 16. Feb.; +Wodrow, III. X. 3.+ »Wir
verlangen,« geruhten Seine Majestät zu schreiben, »daß Sie kein
gesetzliches Verhörmittel, wie Folter und andere, sparen.«]
[Anmerkung 133: Bonrepaux, 18.(28.) Feb. 1686.]
[Anmerkung 134: Fountainhall, 11. März 1686; Adda, 1.(11.) März.]
[_Seine Pläne in Betreff Schottlands._] Jetzt kam ein Schreiben aus
London, welches dem schottischen Geheimen Rathe die Absichten des Königs
klar vor Augen legte. Es war sein Wille, daß alle römischen Katholiken
von der Wirkung der Gesetze, welche wegen Nichtconformität Strafen und
Ausschließungen verhängten, befreit sein und daß dagegen die
Verfolgungen gegen die Covenanters ohne Milderung fortgesetzt werden
sollten.[135] Dieser Plan stieß im Geheimen Rathe auf kräftigen
Widerstand. Einige Mitglieder wollten von einer Lockerung der
bestehenden Gesetze nichts wissen. Andere waren zwar einer solchen
Lockerung nicht abgeneigt, aber sie sahen doch ein, daß es unerhört sein
würde, römische Katholiken zu den höchsten Ehrenämtern zuzulassen und
dabei das Gesetz aufrecht zu erhalten, welches den Besuch
presbyterianischer Conventikel mit dem Tode bestrafte. Die Antwort des
Raths lautete daher nicht so unterwürfig als gewöhnlich. Der König gab
in seiner Rückäußerung seinen pflichtvergessenen Räthen einen scharfen
Verweis und entbot drei von ihnen, den Herzog von Hamilton, Sir Georg
Lockhardt und General Drummond, zu sich nach Westminster.
[Anmerkung 135: Dieser Brief ist vom 4. März 1686.]
[_Eine Deputation schottischer Geheimräthe begiebt sich nach London._]
Hamilton's Talente und Kenntnisse waren zwar keineswegs so bedeutend,
daß sie einem Unbekannten genügt haben würden, um sich zu einer hohen
Stellung emporzuschwingen, erschienen aber immerhin bei einem Manne, der
erster Peer von Schottland war, sehr achtungswerth. Lockhardt hatte
lange für einen der ersten Juristen, Logiker und Redner gegolten, die
sein Vaterland hervorgebracht, und genoß dabei das Ansehen, welches
große Besitzungen verleihen, denn er hatte ein so bedeutendes Vermögen,
wie es damals nur sehr wenige schottische Edelleute besaßen.[136] Er war
unlängst zum Präsidenten des Sessionsgerichtshofes[137] ernannt worden.
Drummond, ein jüngerer Bruder Perth's und Melfort's, war Commandant der
in Schottland stehenden Truppen. Er war ein leichtfertiger und weltlich
gesinnter Mann, aber ein gewisses Ehrgefühl, das seinen beiden Brüdern
fehlte, hielt ihn vom öffentlichen Glaubensabfall zurück. Er lebte und
starb -- wie einer seiner Landsleute sich sehr bezeichnend ausdrückt --
als ein schlechter Christ, aber als guter Protestant.[138]
Jakob gefiel die ehrerbietige Sprache der drei Räthe, als sie zuerst vor
ihm erschienen. Er äußerte sich gegen Barillon sehr günstig über sie und
rühmte besonders Lockhardt als den talentvollsten und beredtesten aller
lebenden Schotten. Doch bald zeigten sie sich minder gefügig, als man
von ihnen erwartet hatte, und es hieß bei Hofe, daß sie durch die
Gesellschaft, mit der sie in London verkehrt hatten, verdorben worden
seien. Hamilton ging viel mit eifrigen Anhängern der Staatskirche um,
und es stand zu befürchten, daß Lockhardt in Folge seiner Verwandtschaft
mit der Familie Wharton in noch schlimmere Gesellschaft gerathen sei. Es
war in der That wohl natürlich, daß die ernste und beharrliche, aber
dabei Maß haltende Unzufriedenheit, welche England durchdrang, auf
Staatsmänner, welche eben aus einem Lande kamen, wo die Opposition in
andrer Form als in der des Aufruhrs seit langer Zeit fast unbekannt und
wo Alles entweder gesetzlose Wuth oder kriechende Unterwürfigkeit war,
einen tiefen Eindruck machte und daß sie ermuthigt werden mußten, es mit
dem verfassungsmäßigen Widerstande gegen den königlichen Willen zu
versuchen. Zwar erklärten sie sich bereit, den römischen Katholiken
große Erleichterungen zu gewähren, aber nur unter zwei Bedingungen:
erstens daß eine ähnliche Nachsicht auch auf die calvinistischen
Sectirer ausgedehnt werde, und zweitens daß sich der König durch ein
feierliches Versprechen verpflichte, nichts zum Nachtheile der
protestantischen Religion zu unternehmen.
[Anmerkung 136: Barillon, 19.(29.) April 1686; +Burnet, I. 370.+]
[Anmerkung 137: +Court of session+, der höchste schottische
Civilgerichtshof, dem englischen +Court of Chancery+ und +Court of
Common Pleas+ entsprechend. D. Übers.]
[Anmerkung 138: Die Worte finden sich in einem Briefe von
Johnstone an Waristoun.]
[_Ihre Unterhandlungen mit dem Könige._] Beide Bedingungen waren
durchaus nicht nach Jakob's Sinne. Nach einem mehrtägigen Streite
verstand er sich indessen mit Widerstreben dazu, den Presbyterianern
einige Duldung zu gewährleisten; die volle Freiheit aber, die er für
Mitglieder seiner Kirche beanspruchte, wollte er ihnen unter keinen
Umständen bewilligen.[139] Auf die zweite Bedingung, welche die
schottischen Räthe stellten, weigerte er sich entschieden einzugehen. Er
sagte, die protestantische Religion sei eine falsche und er könne
durchaus nicht versprechen, daß er seine Macht nicht zum Nachtheile
einer falschen Religion anwenden werde. Die Unterhandlungen über diesen
Punkt dauerten lange und führten zu keinem für irgend eine der beiden
Parteien befriedigenden Ergebnisse.[140]
[Anmerkung 139: Einige Worte von Barillon verdienen angeführt zu
werden. Sie würden allein schon genügen, um eine Frage zu
entscheiden, zu deren Verwirrung Unwissenheit und Parteigeist viel
beigetragen haben. +»Cette liberté accordée aux nonconformistes a
faite une grande difficulté, et a été débattue pendant plusieurs
jours. Le Roy d'Angleterre avoit fort envie que les Catholiques
eussent seuls la liberté de l'exercice de leur réligion.«+
19.(29.) April 1686.]
[Anmerkung 140: Barillon, 19.(29.) April; Citters, 13.(23.),
20.(30.) April u. 9.(19.) Mai.]
[_Zusammentritt der schottischen Stände._] Inzwischen rückte die zum
Zusammentritt der schottischen Stände festgesetzte Zeit heran, und die
drei Räthe mußten daher London verlassen, um ihren parlamentarischen
Pflichten in Edinburg nachzukommen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr
Queensberry eine neue Kränkung. In der letzten Session hatte er als
Lordobercommissar fungirt und als solcher die Majestät des abwesenden
Königs vertreten. Diese Würde, die höchste, nach der ein schottischer
Edelmann streben konnte, wurde jetzt dem Renegaten Murray übertragen.
[_Sie zeigen sich widerspenstig._] Am 29. April eröffnete das Parlament
in Edinburg seine Sitzungen. Es wurde ein Schreiben des Königs verlesen,
worin er die Stände ermahnte, seinen römisch-katholischen Unterthanen
Erleichterungen zu verschaffen, und ihnen dafür freien Handel mit
England und eine Amnestie für politische Vergehen anbot. Es wurde ein
Ausschuß ernannt, um die Antwort zu entwerfen. Dieser Ausschuß, obgleich
von Murray selbst ernannt und aus Geheimen Räthen und Höflingen
zusammengesetzt, entwarf eine Erwiederung, die zwar voll Versicherungen
der Pflichttreue und Ehrerbietung war, aber bei alledem unverkennbar den
Entschluß verrieth, dem Verlangen des Königs nicht zu entsprechen. Die
Stände, hieß es darin, würden, so weit als ihr Gewissen es ihnen
gestatte, den Wünschen Seiner Majestät in Betreff seiner
römisch-katholischen Unterthanen entgegenkommen. Diese Ausdrücke
befriedigten den Kanzler durchaus nicht, aber er mußte sich damit
begnügen und es kostete ihm sogar einige Mühe, das Parlament zur Annahme
derselben zu überreden. Einige eifrige Protestanten erhoben Einwürfe
gegen die Erwähnung des römisch-katholischen Glaubens. Es gebe gar keine
solche Religion, meinten sie, sondern es gebe nur einen
götzendienerischen Abfall, den die Gesetze mit dem Stricke bestraften
und dem christliche Männer keinen beschönigenden Namen geben dürften.
Einen solchen Afterglauben Katholicismus nennen, hieße die ganze Frage,
welche zwischen Rom und der reformirten Kirche schwebe, aufgeben. Das
Anerbieten des freien Handelsverkehrs mit England wurde als eine
schimpfliche Beleidigung angesehen. »Unsere Väter,« sagte einer der
Redner, »verkauften ihren König für sündliches Gold und die Schmach
jenes abscheulichen Handels ist noch nicht verwischt. Man soll nicht von
uns sagen, daß wir unsren Gott verschachert haben!« Sir Johann Lauder
von Fountainhall, einer der Senatoren des Justizcollegiums, schlug die
Worte vor: »die Personen, welche gewöhnlich römische Katholiken genannt
werden.« -- »Wollen Sie Seiner Majestät einen Spottnamen geben?« rief
der Kanzler. Die vom Ausschuß entworfene Antwort wurde angenommen, aber
eine bedeutende und achtbare Minorität stimmte gegen die vorgeschlagenen
Worte als zu höfisch.[141] Es wurde bemerkt, daß die Abgeordneten der
Städte fast einhellig gegen die Regierung waren. Bisher waren, diese
Mitglieder im Parlament von geringer Bedeutung gewesen und nur als der
Schweif mächtiger Edelleute betrachtet worden. Jetzt zeigten sie zum
ersten Male eine Unabhängigkeit, eine Entschiedenheit und einen
Gemeingeist, welche den Hof beunruhigten.[142]
Die Antwort mißfiel Jakob dermaßen, daß er den Abdruck derselben in der
Gazette nicht gestattete. Er sollte bald erfahren, daß ein Gesetz, wie
er es angenommen zu sehen wünschte, nicht einmal vorgeschlagen werden
würde. Die Artikel-Lords, denen es oblag, die Gesetze zu entwerfen, über
welche die Stände nachher zu berathen hatten, waren thatsächlich von ihm
selbst ernannt, aber sogar sie zeigten sich widerspenstig. Als sie sich
versammelten, traten die kürzlich von London zurückgekommenen drei Räthe
an die Spitze der Opposition gegen den königlichen Willen. Hamilton
erklärte geradezu, er könne nicht thun, was verlangt werde; er sei ein
treuer und loyaler Unterthan, aber das Gewissen ziehe eine Grenze.
»Gewissen?« rief der Kanzler; »Gewissen ist ein unbestimmtes Wort, das
Alles und auch Nichts bedeutet.« -- »Wenn das Gewissen,« fiel Lockhardt
ein, der als Abgeordneter der großen Grafschaft Lanark im Parlamente
saß, »ein leeres Wort ist, so wollen wir es mit einem andren Ausdruck
vertauschen, der hoffentlich etwas bedeutet. Lassen Sie uns dafür sagen;
Die Grundgesetze Schottlands.« Diese Worte veranlaßten eine heftige
Debatte. General Drummond, welcher Perthshire vertrat, erklärte sich mit
Hamilton und Lockhardt einverstanden, und die meisten der anwesenden
Bischöfe traten auf die nämliche Seite.[143]
Es war klar, daß Jakob selbst im Artikel-Ausschuß über keine Majorität
zu gebieten hatte. Die Nachricht verdroß und reizte ihn. Er führte eine
heftige und drohende Sprache und bestrafte einige seiner widerspenstigen
Diener in der Hoffnung, daß die übrigen es sich würden zur Warnung
dienen lassen. Mehrere Mitglieder des Raths wurden entlassen und
mehreren wurden Gehalte entzogen, welche einen großen Theil ihres
Einkommens bildeten. Das ausgezeichnetste Opfer war Sir Mackenzie von
Rosehaugh. Er hatte lange das Amt des Lordadvokaten bekleidet und an den
Verfolgungen der Covenanters einen solchen Antheil genommen, daß er noch
heutigen Tages in den Augen des ernsten und gottesfürchtigen
schottischen Landvolks eine Stelle einnimmt, welche von der nicht
beneidenswerthen Höhe Claverhouse's nicht weit entfernt ist. Mackenzie's
juristische Kenntnisse waren nicht die glänzendsten, aber als Gelehrter,
als Schöngeist und als Redner stand er bei seinen Landsleuten in hohem
Ansehen, und sein Ruf hatte sich in die Londoner Kaffeehäuser und in
die Oxforder Kreuzgänge verbreitet. Die noch vorhandenen gerichtlichen
Vorträge von ihm beweisen, daß er ein talentvoller Mann war; nur
werden sie durch etwas beeinträchtigt, was er wahrscheinlich für
ciceronischen Schwung hielt, durch Interjectionen, welche mehr Kunst
als Leidenschaft verrathen, und durch weitschweifige Umschreibungen,
in denen sich Epipheta über Epipheta zu einem ermüdenden Klimax
aufeinanderhäufen. Jetzt hatte er sich zum ersten Male bedenklich
gezeigt und wurde deshalb trotz seiner Ansprüche auf den Dank der
Regierung seines Amtes entsetzt. Er zog sich aufs Land zurück und ging
bald darauf nach London, um sich zu rechtfertigen, wurde aber vom Könige
nicht vorgelassen[144]. Während der König es auf diese Weise versuchte,
die Artikel-Lords durch Einschüchterung zum Gehorsam zu zwingen,
ermuthigte sie die öffentliche Meinung zur Beharrlichkeit. Die äußersten
Anstrengungen des Kanzlers konnten es nicht verhindern, daß das
Nationalgefühl sich auf der Kanzel und durch die Presse äußerte. Eine
Abhandlung, die in so kühnem und scharfem Tone gehalten war, daß kein
Buchdrucker den Druck derselben zu übernehmen wagte, wurde im Manuscript
weitverbreitet. Die auf der entgegengesetzten Seite erscheinenden
Schriften hatten bei weitem geringere Wirkung, obgleich sie auf
Staatskosten verbreitet wurden und obgleich den schottischen
Vertheidigern der Regierung ein sehr einflußreicher englischer
Bundesgenosse zur Seite stand: Lestrange, der nach Edinburg geschickt
worden war und Gemächer in Holyrood House bewohnte.[145]
Nach einer dreiwöchentlichen Debatte kamen die Lords der Artikel endlich
zu einem Entschlusse. Sie schlugen vor, daß es den römischen Katholiken
erlaubt sein sollte, ihren Gottesdienst in Privathäusern abzuhalten;
aber es zeigte sich bald, daß selbst diese Maßregel, soweit sie auch
hinter den Forderungen und Erwartungen des Königs zurückblieb, von den
Ständen entweder gar nicht oder doch nur mit starken Beschränkungen und
Modificationen angenommen werden würde.
Während der Dauer dieses Kampfes herrschte in London eine ängstliche
Spannung. Jeder Bericht, jede Zeile von Edinburg wurde begierig gelesen.
Einmal ging das Gerücht, Hamilton habe nachgegeben und die Regierung
werde jeden Punkt durchsetzen. Dann kam wieder die Nachricht, daß die
Opposition sich aufs neue gesammelt habe und hartnäckiger sei als je. In
dem kritischesten Augenblicke erhielt das Postamt den Befehl, alle
Briefbeutel aus Schottland nach Whitehall zu senden, und eine ganze
Woche lang wurde nicht ein einziger Privatbrief, der von jenseit des
Tweed kam, in London ausgegeben. In unsrer Zeit würde eine solche
Unterbrechung des schriftlichen Verkehrs die ganze Insel in Verwirrung
bringen; damals aber war der Handel und die Correspondenz zwischen
England und Schottland so gering, daß die Nachtheile wahrscheinlich viel
unbedeutender waren als die, welche gegenwärtig durch eine kurze
Verzögerung in der Ankunft der indischen Post entstehen. Während so die
gewöhnlichen Wege, auf denen man Nachrichten erhalten konnte,
verschlossen waren, beobachtete die Menge in den Galerien von Whitehall
mit gespannter Aufmerksamkeit die Mienen des Königs und seiner Minister,
und man bemerkte mit großer Befriedigung, daß nach jedem aus dem Norden
kommenden Expressen die Feinde des protestantischen Glaubens immer
finsterer aussahen.
[Anmerkung 141: Fountainhall, 6. Mai 1686.]
[Anmerkung 142: +Ibid.+ 15. Juni 1686.]
[Anmerkung 143: Citters, 11.(21.) Mai 1686. Citters versicherte
die Generalstaaten, daß er seine Mittheilungen aus bester Quelle
habe. Ich will einen Theil davon hier anführen. Es ist zugleich
ein ergötzliches Pröbchen von dem buntscheckigen Style der
damaligen holländischen Diplomaten.
+»Des konigs missive, boven en behalven den Hoog Commissaris
aensprake, aen het parlement afgesonden, gelyck dat altoos
gebruyckelyck is, waerby Syne Majesteyt nu in genere versocht
hieft de mitigatie der rigoureuse ofte sanglante wetten van het
Ryck jegens het Pausdom, in het Generale Comitée des Articles
(soo men hat daer naemt) na ordre gestelt en gelesen synde, in 't
voteren, den Hertog van Hamilton onder anderen klaer nyt seyde dat
hy daertoe niet soude verstaen, dat hy anders genegen was den
Konig in allen voorval getrouw te dienen volgens het dictamen
syner conscientie: 't gene reden gaf aen de Lord Cancelier de
Grave Perts te seggen dat het woort conscientie niets en beduyde,
en alleen een individuum vagum was, waerop der Chevalier Lockhardt
dan verder gingh; wil man nit verstaen de betyckenis van het
woordt conscientie, soo sal ik in fortioribus seggen dat wy meynen
volgens de fondamentale welten van het ryck.«+
In dem +»Hind Let Loose«+ kommt eine interessante Stelle vor, der
ich ohne jene Depesche von Citters keinen Glauben geschenkt haben
würde. »Sie können das Wort Gewissen nicht einmal aussprechen
hören.« Jemand, der die Ansicht des Geheimen Raths über diesen
Punkt genau kannte, sagte zu einem Herrn, der vor demselben
erscheinen wollte: »Sprecht um des Himmels willen vor den Lords
nicht vom Gewissen, denn sie können dieses Wort nicht hören.«]
[Anmerkung 144: Fountainhall, 17. Mai 1686.]
[Anmerkung 145: +Wodrow, III. X. 3.+]
[_Sie werden vertagt._] Endlich kam zur allgemeinen Freude die
Nachricht, daß der Kampf zu Ende sei, daß die Regierung mit ihren
Maßregeln nicht habe durchdringen können und daß der Lordobercommissar
das Parlament vertagt habe.[146]
[Anmerkung 146: Citters, 28. Mai (7. Juni), 1.(11.) u. 4.(14.)
Juni 1686; Fountainhall, 15. Juni; +Luttrell's Diary, June 2.
16.+]
[_Willkürherrschaft in Schottland._] Wäre Jakob nicht gegen alle
Warnungen taub gewesen, so würden diese Ereignisse genügt haben, ihn zu
warnen. Wenige Monate früher hatte das fügsamste aller englischen
Parlamente sich geweigert, seinem Willen zu gehorchen. Aber das
willfährigste englische Parlament konnte im Vergleich mit jedem
schottischen Parlamente aus irgend einer Zeit eine unabhängige und
muthige Versammlung genannt werden, und der knechtische Sinn der
schottischen Parlamente war stets in höchster Potenz bei den Lords der
Artikel zu finden. Doch selbst die Artikel-Lords zeigten sich
widerspenstig. Es war klar, daß alle diejenigen Klassen, alle diejenigen
Institutionen, welche bis dahin für die kräftigsten Stützen der
monarchischen Gewalt gegolten hatten, als Elemente der Opposition
betrachtet werden mußten, wenn der König auf seiner wahnsinnigen Politik
beharrte. Aber alle diese Warnungszeichen gingen spurlos an ihm vorüber;
auf jede Beschwerde hatte er nur die eine Antwort: er werde niemals
nachgeben, denn Zugeständnisse hätten seinen Vater ins Verderben
gestürzt, und sein unbeugsamer Starrsinn wurde von der französischen
Gesandtschaft und der jesuitischen Cabale laut gepriesen.
Er erklärte jetzt, daß er schon zu genädig gewesen sei, indem er sich
herabgelassen habe, die Zustimmung der schottischen Stände zu seinen
Wünschen zu verlangen. Sein Hoheitsrecht werde ihn nicht nur in den
Stand setzen, Diejenigen zu beschützen, denen er gewogen sei, sondern
auch Die zu bestrafen, die sich gegen ihn aufgelehnt hätten. Er war fest
überzeugt, daß seine Dispensationsgewalt von keinem schottischen
Gerichtshofe in Zweifel gezogen werden würde. Es gab damals eine
schottische Suprematsacte, welche dem Souverain eine Gewalt über die
Kirche verlieh, welche selbst Heinrich VIII. befriedigt haben würde. In
Folge dessen wurden Papisten in Menge zu Ämtern und Ehrenstellen
zugelassen. Der Bischof von Dunkeld, der als Lord des Parlaments der
Regierung opponirt hatte, wurde willkürlich von seinem Sitze vertrieben
und ein Nachfolger für ihn ernannt. Queensberry wurde aller seiner Ämter
entsetzt und ihm befohlen, daß er so lange in Edinburg bleiben müsse,
bis die Rechnungen des Schatzamts aus der Zeit seiner Verwaltung geprüft
und richtig befunden worden seien.[147] Da die Abgeordneten der Städte
als der unlenkbarste Theil des Parlaments erkannt worden waren, beschloß
man, in jedem Wahlorte des ganzen Landes eine völlige Umgestaltung
vorzunehmen. Eine ähnliche Veränderung war erst kürzlich in England
durch richterliche Erkenntnisse bewirkt worden; in Schottland aber wurde
ein bloßer Befehl des Fürsten für genügend erachtet. Alle Wahlen der
Magistratsbeamten und der Stadträthe wurden untersagt und der König
maßte sich das Recht an, die wichtigsten Municipalbehörden selbst zu
ernennen.[148] In einem formellen Schreiben an den Geheimen Rath
kündigte er seine Absicht an, in seinem Holyroodpalaste eine
römisch-katholische Kapelle einzurichten, und er gab Befehl, daß die
Richter angewiesen werden sollten, alle gegen die Papisten gerichteten
Gesetze, bei Strafe seines allerhöchsten Mißfallens, für null und
nichtig zu erklären. Indessen beruhigte er die protestantischen
Episcopalen durch die Zusicherung, daß er zwar entschlossen sei, die
römisch-katholische Kirche gegen sie in Schutz zu nehmen, sich aber
ebenso auch vorgenommen habe, sie gegen jeden Übergriff seitens der
Fanatiker zu beschützen. Perth schlug eine in den kriechendsten
Ausdrücken abgefaßte Antwort auf diese Mittheilung vor. Der Geheime Rath
enthielt jetzt viele Papisten; die noch darin sitzenden protestantischen
Mitglieder waren durch des Königs Hartnäckigkeit und Strenge
eingeschüchtert worden, und nur ein schwaches Murren ließ sich dann und
wann noch vernehmen. Hamilton ließ sich einige Andeutungen gegen die
Dispensationsgewalt entschlüpfen, die er aber schleunigst wieder
wegerklärte. Lockhardt sagte, er wolle eher seinen Kopf verlieren, als
einen Brief wie der vom Kanzler entworfene unterschreiben, aber er sagte
dies wohlweislich so leise, daß es nur von Freunden gehört wurde.
Perth's Worte wurden mit unbedeutenden Abänderungen angenommen und den
königlichen Befehlen Folge geleistet; aber eine dumpfe Unzufriedenheit
verbreitete sich unter jener Minorität der schottischen Nation, mit
deren Hülfe die Regierung bisher die Majorität niedergehalten
hatte.[149]
[Anmerkung 147: Fountainhall, 12. Juni 1686]
[Anmerkung 148: +Ibid.+ 16. Sept. 1686.]
[Anmerkung 149: Fountainhall, 16. Sept.; +Wodrow, III. X. 3.+]
[_Irland._] Wenn der Geschichtsschreiber dieser unruhigen Regierung den
Blick nach Irland wendet, wird seine Aufgabe ganz besonders schwierig
und kitzlig. Er schreitet -- um mich des schönen Bildes zu bedienen, das
ein römischer Dichter in ähnlichem Falle gebraucht hat -- auf einer
dünnen Schicht Asche dahin, unter der die Lava noch glüht. Das
siebzehnte Jahrhundert hat in jenem unglücklichen Lande dem neunzehnten
ein verhängnißvolles Erbtheil schlimmer Leidenschaften hinterlassen. Das
Unrecht, das die sächsischen Vertheidiger von Londonderry und die
celtischen Vertheidiger von Limerick einander angethan, hat keiner der
beiden genannten Stämme dem andren jemals aufrichtig verziehen. Bis auf
den heutigen Tag sind die vielen edlen Eigenschaften, welche die Kinder
der Sieger auszeichnen, mit einem mehr als spartanischen Trotze
vermischt, während bei den Kindern der Besiegten nur zu oft ein als
Furcht und Haß zusammengesetztes Zelotengefühl zu erkennen ist. Keiner
der beiden feindlichen Stämme kann von jedem Tadel freigesprochen
werden; der Hauptvorwurf aber trifft den kurzsichtigen und starrköpfigen
Fürsten, der in einer Lage, wo er sie hätte versöhnen können, seine
ganze Macht aufbot, ihren gegenseitigen Haß noch mehr zu schüren, bis er
sie endlich zu einem Kampf auf Leben und Tod zwang.
[_Zustand des irischen Rechts in Glaubenssachen._] Die Mißstände, unter
denen die Mitglieder seiner Kirche in Irland litten, waren von denen,
welche er in England und Schottland abzustellen versuchte, weit
verschieden. Das irische Gesetzbuch, welches später durch eine ebenso
barbarische Unduldsamkeit wie die der grauesten Vorzeit befleckt wurde,
enthielt damals kaum eine einzige Bestimmung und nicht eine einzige
bindende Bestimmung, welche über die Papisten als solche irgend eine
Strafe verhängt hätte. Auf unsrer Seite des St. Georgskanals drohte
jedem Priester, der einen Neubekehrten in den Schooß der römischen
Kirche aufnahm, die Strafe, gehängt, geschleift und geviertheilt zu
werden. Jenseit des Kanals war er keiner solchen Gefahr ausgesetzt. Ein
Jesuit, der in Dover landete, setzte sein Leben aufs Spiel; in Dublin
ging er vollkommen sicher einher. Bei uns konnte Niemand ein Amt
bekleiden, oder sich nur als Advokat oder als Schullehrer seinen
Unterhalt erwerben, wenn er nicht zuvor den Suprematseid leistete; in
Irland war kein öffentlicher Beamter verbunden, diesen Eid zu leisten,
wenn derselbe nicht ausdrücklich von ihm verlangt wurde.[150] Es war
daher Niemand, den die Regierung anstellen wollte, dieses Grundes wegen
von irgend einem Amte ausgeschlossen. Die Abendmahlsprobe und die
Erklärung gegen die Transsubstantiation waren unbekannt und das
Parlament keiner Religionssecte verschlossen.
[Anmerkung 150: Die Bestimmungen der irischen Suprematsacte, 2.
Elis. Kap. 1. sind im wesentlichen dieselben wie die der
englischen Suprematsacte, 1. Elis. Kap. 1., aber die englische
wurde bald für mangelhaft befunden und der Mangel durch eine
bindendere Acte, 5. Elis. Kap. 1. ersetzt. Ein solches
Ergänzungsgesetz wurde in Irland nicht erlassen. Daß die im Texte
erwähnte Auslegung auch auf die irische Suprematsacte angewendet
wurde, erfahren wir vom Erzbischof King: +State of Ireland, chap.
II. sec. 9.+ Er nennt diese Auslegung jesuitisch, ich kann sie
nicht in diesem Lichte sehen.]
[_Feindseligkeit der Stämme._] Es könnte demnach scheinen, daß sich der
irische Katholik in einer Lage befunden hätte, um die ihn seine
englischen und schottischen Brüder wohl beneiden durften. In der
Wirklichkeit aber war seine Lage trauriger und erbitternder als die
ihrige, denn wurde er auch nicht als Katholik verfolgt, so wurde er doch
als Irländer bedrückt. In seinem Vaterlande trennte dieselbe
Scheidelinie, welche die Confessionen trennte, auch die Stämme, und er
gehörte dem überwundenen, unterjochten und mit Füßen getretenen Stamme
an. Auf dem nämlichen Boden wohnten zwei Bevölkerungen, örtlich mit
einander vermischt, aber moralisch und politisch gesondert. Der
Glaubensunterschied war keineswegs der einzige und vielleicht nicht
einmal der Hauptunterschied, der zwischen ihnen stattfand. Sie waren
verschiedenen Stämmen entsprossen, sie sprachen verschiedene Sprachen,
sie hatten verschiedene Nationalcharactere, die einander so ganz
entgegengesetzt waren, als nur irgend zwei Nationalcharactere in Europa,
und endlich standen sie auch auf weit verschiedenen Stufen der Bildung.
Zwischen zwei solchen Bevölkerungen konnte unmöglich eine große
Sympathie herrschen, und Jahrhunderte von Drangsal und Unbill hatten
sogar eine starke Antipathie erzeugt. Das Verhältniß der Minderheit zu
der Mehrheit glich dem, in welchem das Heer Wilhelm's des Eroberers zu
den sächsischen Bauern, oder die Mannschaft des Cortez zu den Indianern
von Mexiko stand.
Der Name Iren wurde damals ausschließlich den Celten und denjenigen
Familien gegeben, welche, obgleich nicht celtischen Ursprungs, doch im
Laufe der Zeiten celtische Sitten und Gebräuche angenommen hatten. Diese
Leute, an Zahl wahrscheinlich etwas unter eine Million Seelen stark,
waren mit wenigen Ausnahmen Anhänger der römischen Kirche. Unter ihnen
wohnten etwa zweihunderttausend Ansiedler, die auf ihr sächsisches Blut
und auf ihren protestantischen Glauben stolz waren.[151]
[Anmerkung 151: +Political Anatomy of Ireland.+]
[_Das eingeborne Landvolk._] Das große numerische Übergewicht wurde auf
der andren Seite durch eine große Überlegenheit an Intelligenz,
Thatkraft und Organisation mehr als aufgewogen. Die englischen Ansiedler
scheinen in Kenntnissen, Energie und Ausdauer eher über als unter dem
Durchschnittsmaße der Bevölkerung des Mutterlandes gestanden zu haben.
Das eingeborne Landvolk dagegen befand sich fast in einem Zustande von
Wildheit. Sie arbeiteten nicht eher, als bis sie den Stachel des Hungers
fühlten, und waren mit geringeren Bequemlichkeiten zufrieden, als man
sie in glücklicheren Ländern den Hausthieren gewährt. Schon war die
Kartoffel, ein Knollengewächs, das fast ohne Kunst, Betriebsamkeit und
Kapital erbaut werden kann, die Hauptnahrung des gemeinen Volks
geworden.[152] Von einem so genährten Volke waren Fleiß und Sorge für
die Zukunft nicht zu erwarten. Schon wenige Meilen von Dublin sah der
Reisende auf dem fruchtbarsten und üppigsten Boden der Welt mit
wahrhaftem Ekel die erbärmlichen Höhlen, aus denen ihm schmutzige und
halbnackte Barbaren wild anstarrten.[153]
[Anmerkung 152: +Political Anatomy of Ireland, 1672+; +Irish
Hudibras, 1689+; +John Dunton's Account of Ireland, 1699.+]
[Anmerkung 153: Clarendon an Rochester vom 4. Mai 1686.]
[_Der eingeborne Adel._] Der eingeborne Adel besaß noch in nicht
gewöhnlichem Maße seinen Geburtsstolz, hatte aber den Einfluß verloren,
den Reichthum und Macht verleihen. Seine Ländereien hatte Cromwell unter
seine Anhänger vertheilt. Es war zwar ein Theil des von ihm in Beschlag
genommenen großen Gebiets nach der Wiedereinsetzung des Hauses Stuart
den früheren Eigenthümern zurückgegeben worden, aber den bei weitem
größten Theil hatten noch immer englische Emigranten unter Garantie
einer Parlamentsacte im Besitz. Diese Acte war ein Vierteljahrhundert in
Kraft gewesen und während dieser Zeit hatten unzählige Verpfändungen,
Verträge, Verkäufe und Verpachtungen stattgefunden. Die alte irische
Gentry war über die ganze Welt zerstreut. An allen Höfen und in allen
Armeen des Continents wimmelte es von Abkömmlingen milesischer
Häuptlinge. Die beraubten Eigenthümer, welche in der Heimath
zurückgeblieben waren, brüteten finster über ihren Verlust, sehnten sich
nach dem ihnen entrissenen Reichthum und Ansehen und nährten wilde
Hoffnungen auf eine neue Umwälzung. Eine dieser Klasse angehörende
Person wurde von ihren Landsleuten als ein Gentleman geschildert, der
reich sein würde, wenn es nach Recht und Gerechtigkeit ginge, der ein
schönes Gut hätte, wenn er es nur bekommen könnte.[154] Er ergriff
selten einen friedlichen Beruf, denn er betrachtete den Handel als eine
entehrendere Erwerbsquelle als den Raub. Zuweilen wurde er ein
Freibeuter; zuweilen fristete er auch sein Leben dem Gesetze zum Trotz
durch das, was man +coshering+ nannte, das heißt, indem er sich von den
ehemaligen Pächtern seiner Familie füttern ließ, welche bei allem Elend
ihrer eigenen Lage doch dem Manne, den sie noch immer als ihren
rechtmäßigen Grundherrn betrachteten, einen Theil ihres kümmerlichen
Erwerbs nicht abschlagen konnten.[155] Der eingeborne Gentleman, der so
glücklich gewesen war, etwas von seinem Grundbesitze zu behalten oder
zurückzubekommen, lebte nur zu oft wie der Häuptling eines
Indianerstammes und entschädigte sich für die Demüthigungen, die er von
dem herrschenden Stamme ertragen mußte, dadurch, daß er seine Vasallen
despotisch behandelte, sich einen rohen Harem hielt und sich täglich
durch geistige Getränke um Verstand und Vernunft brachte.[156] Eine
politische Bedeutung hatte er nicht. Zwar war er durch kein Gesetz vom
Hause der Gemeinen ausgeschlossen, aber er hatte fast eben so wenig
Aussicht, einen Sitz in demselben zu erhalten, als ein Farbiger, in den
Senat der Vereinigten Staaten gewählt zu werden. Es war in der That seit
der Restauration nur ein einziger Papist in das irische Parlament
gewählt worden. Die ganze gesetzgebende und ausübende Gewalt war in den
Händen der Ansiedler, und das Übergewicht des herrschenden Stammes wurde
durch ein stehendes Heer von siebentausend Mann aufrecht erhalten, auf
dessen Eifer für das sogenannte Interesse Englands man zuversichtlich
rechnen konnte.[157]
Eine genaue Untersuchung würde ergeben haben, daß weder das Irenthum,
noch das Engländerthum einen völlig homogenen Körper bildete. Der
Unterschied zwischen den Iren celtischen Geblüts und den von den
Begleitern Strongbow's und De Burgh's abstammenden war noch nicht ganz
verwischt; die Fitz erlaubten sich zuweilen mit Geringschätzung von den
O und Mac zu sprechen, und die O und Mac vergalten diese Geringschätzung
zuweilen mit Haß. Unter der vorhergehenden Generation weigerte sich
einer der mächtigsten der O'Neill, einem römisch-katholischen Gentleman
alt-normännischer Abkunft ein Zeichen von Achtung zu geben. »Sie sagen,
die Familie sei schon seit vierhundert Jahren hier. Das bleibt sich
gleich, ich hasse den Bauerklotz, als ob er erst gestern hierhergekommen
wäre.«[158] Es scheint jedoch, daß solche Gesinnungen selten waren und
daß die Fehde, welche lange zwischen den eingeborenen Celten und den
entarteten Engländern gewüthet hatte, von der heftigeren Fehde, welche
beide Racen von den neuen protestantischen Ansiedlern trennte, in den
Hintergrund gedrängt worden war.
[Anmerkung 154: Bischof Malony's Brief an Bischof Tyrrel vom 8.
März 1689.]
[Anmerkung 155: +Statute 10 & 11 Charles I. chap. 16+; +King's
State of the Protestants of Ireland, chap. II. sec. 8.+]
[Anmerkung 156: +King, chap. II. sec. 8.+ Miß Edgeworth's »König
Corny« gehört einer späteren und viel civilisirteren Generation
an; aber wer dieses treffliche Charactergemälde studirt hat, wird
sich ungefähr denken können, was für ein Mann König Corny's
Großvater gewesen sein mußte.]
[Anmerkung 157: +King, chap. III. sec. 2.+]
[Anmerkung 158: +Sheridan MS.+; Vorrede zum ersten Bande der
+Hibernia Anglicana, 1690+; +Secret Consults of the Romish Party
in Ireland, 1689.+]
[_Zustand der englischen Kolonie._] Auch die Kolonie hatte ihre inneren,
theils nationalen, theils religiösen Zwistigkeiten. Die Mehrzahl waren
Engländer, aber eine starke Minorität war aus dem Süden Schottlands. Die
eine Hälfte der Ansiedler gehörte der Staatskirche an, die andre Hälfte
waren Dissenters. In Irland aber waren Schotte und Southron (Südländer)
durch ihren gemeinsamen sächsischen Ursprung, und Anglikaner und
Presbyterianer durch ihren gemeinsamen Protestantismus eng mit einander
verbunden. Alle Kolonisten hatten eine gemeinsame Sprache und ein
gemeinsames pekuniäres Interesse. Sie waren umgeben von gemeinsamen
Feinden und konnten sich nur durch gemeinsame Vorkehrungen und
Anstrengungen gegen die Angriffe derselben sichern. Daher waren denn
auch die wenigen in Irland gegen protestantische Nonconformisten
erlassenen Strafgesetze ein todter Buchstabe.[159] Die Bigotterie des
starrsten Anglikaners widerstand dem Einflusse der Versetzung über den
Georgskanal nicht. Sobald der Kavalier in Irland ankam und sich
überzeugte, daß er ohne den herzlichen und muthigen Beistand seiner
puritanischen Nachbarn mit seiner ganzen Familie der Gefahr ausgesetzt
war, von papistischen Räubern ermordet zu werben, so schwand sein Haß
gegen den Puritanismus unwillkürlich mehr und mehr und erlosch endlich
ganz. Ausgezeichnete Männer beider Parteien machten die Bemerkung, daß
ein Protestant, der in Irland ein Hochtory genannt wurde, in England als
ein gemäßigter Whig betrachtet worden wäre.[160]
Die protestantischen Nonconformisten ihrerseits ertrugen mit mehr
Geduld, als man hätte erwarten sollen, den Anblick der absurdesten
kirchlichen Verfassung, welche die Welt je gesehen. Vier Erzbischöfe und
achtzehn Bischöfe führten die Aufsicht über eine Anzahl von Anglikanern,
welche ungefähr den fünften Theil der Gemeindemitglieder des Londoner
Kirchspiels betrug. Ein großer Theil der Pfarrgeistlichen waren
Pluralisten[161] und wohnten entfernt von ihren Gemeinden. Einige von
ihnen bezogen von ihren Pfründen ein Einkommen von nahe an tausend Pfund
jährlich, ohne daß sie jemals eine geistliche Function verrichteten.
Dennoch war diese verkehrte Institution den in Irland angesiedelten
Puritanern bei weitem nicht so verhaßt, als den englischen Sectirern die
englische Landeskirche. Denn in Irland waren die religiösen Spaltungen
den nationalen untergeordnet, und obgleich der Presbyterianer als
Theolog die Hierarchie der Staatskirche verwerfen mußte, so sah er doch
wieder mit einer Art von Wohlgefallen auf diese Hierarchie, wenn er sie
als eine glänzende und prunkende Trophäe des Sieges betrachtete, den der
große Stamm, dem er entsprossen war, errungen hatte.[162]
So hatten die Leiden des irischen Katholiken mit denen des englischen
Katholiken kaum etwas gemein. Der Katholik von Lancashire oder von
Staffordshire brauchte nur Protestant zu werden, um sogleich seinen
Nachbarn in jeder Beziehung gleich zu stehen; wenn aber die Katholiken
von Munster oder Connaught auch Protestanten geworden wären, so würden
sie deshalb doch ein unterworfenes Volk geblieben sein. Alle Übel,
welche der römische Katholik in England zu ertragen hatte, entsprangen
aus harten Gesetzen und hätten durch eine liberalere Gesetzgebung
beseitigt werden können; die Ungleichheit zwischen den beiden
Bevölkerungen Irlands aber war weder durch eine Gesetzgebung entstanden,
noch konnte sie durch eine solche gehoben werden. Die Herrschaft, welche
eine dieser beiden Bevölkerungen über die andre ausübte, war die
Herrschaft des Wohlstandes über die Armuth, der Bildung über die
Unwissenheit, des civilisirten über den nicht civilisirten Menschen.
[Anmerkung 159: »Wenn auch nicht durch das Gesetz, so doch durch
beiderseitiges Einverständniß bestand völlige Gewissensfreiheit.«
+King, chap. III. sec. 1.+]
[Anmerkung 160: In einem Briefe an Jakob, der unter Bischof
Tyrrel's Papieren gefunden wurde und der das Datum des 14. Aug.
1686 trägt, kommen einige bemerkenswerthe Äußerungen vor. »Es
giebt wenig oder gar keine Protestanten in diesem Lande, die nicht
mit den Whigs gegen den gemeinsamen Feind verbunden wären.« Dann
wieder: »Diejenigen, welche hier (in England) für Tories galten,
nahmen jenseit des Wassers öffentlich Partei für die Sache der
Whigs.« Das Nämliche sagte Swift einige Jahre später zum König
Wilhelm: »Ich erinnere mich, bei meinem letzten Besuche in England
dem Könige gesagt zu haben, daß die strengsten Tories bei uns ganz
leidliche Whigs sein würden.« Brief über den Abendmahlseid.]
[Anmerkung 161: Geistliche, welche mehrere weit von einander
entfernte Pfründen inne haben, die sie zum Theil oder auch
sämmtlich verwalten lassen. D. Übers.]
[Anmerkung 162: Den Reichthum und die Nachlässigkeit der
anglikanischen Geistlichen Irlands erwähnt der Lordlieutenant
Clarendon, einer der unverwerflichen Zeugen, in den stärksten
Ausdrücken.]
[_Verfahren, welches Jakob hätte beobachten sollen._] Jakob selbst
schien beim Beginn seiner Regierung diese Wahrheiten vollkommen erkannt
zu haben. Die Verwirrungen in Irland, sagte er, entspringen nicht aus
der Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten, sondern aus der
Spaltung zwischen Irländern und Engländern.[163] Die Folgerungen, die er
aus diesem ganz richtigen Vordersatze hätte ziehen können, lagen nahe
genug; zum Unglück für ihn und für Irland entgingen sie ihm.
Wenn nur der nationale Haß hätte gemildert werden können, so unterliegt
es kaum einem Zweifel, daß auch die religiöse Erbitterung, welche nicht
wie in England durch harte Strafgesetze und durch strenge Testacte wach
erhalten wurde, von selbst erloschen sein würde. Die Dämpfung eines
nationalen Hasses wie der, welcher die beiden Irland bewohnenden
Volksstämme gegen einander beseelte, konnte allerdings nicht das Werk
einiger Jahre sein. Indessen war es ein Werk, zu dem ein weiser und
guter Fürst viel hätte beitragen können, und Jakob würde es mit
Vortheilen unternommen haben, wie sie keinem seiner Vorgänger oder
seiner Nachfolger zur Seite standen. Als Engländer und zugleich Katholik
gehörte er halb der herrschenden, halb der unterworfenen Kaste an und
war daher ganz besonders zu einem Vermittler zwischen beiden geeignet.
Es ist auch nicht schwer, den Weg zu bezeichnen, den er hätte
einschlagen sollen. Er hätte die Unverletzbarkeit der bestehenden
Vertheilung des Grundbesitzes beschließen und diesen Beschluß in einer
Weise ankündigen sollen, welche die Besorgnisse der neuen Eigenthümer
beruhigte und die etwaigen kühnen Hoffnungen der alten Eigenthümer
niederschlug. Ob bei dem großen Besitzwechsel Ungerechtigkeiten
vorgekommen wären oder nicht, war unwesentlich; dieser Besitzwechsel,
mochte er nun gerecht oder ungerecht gewesen sein, hatte vor so langer
Zeit stattgefunden, daß ein Umstoß desselben die Grundlagen der
Gesellschaft erschüttert haben würde. Es muß für alle Rechte eine
Verjährungsfrist geben. Nach fünfunddreißig Jahren factischen Besitzes,
nach fünfundzwanzig Jahren eines durch das Gesetz feierlich verbürgten
Besitzes, nach zahllosen Verpachtungen und Pachtveränderungen,
Verpfändungen und Vermächtnissen war es zu spät, nach Mängeln in den
Rechtstiteln zu suchen. Es hätte deshalb immer etwas geschehen können,
um die verwundeten Gefühle der irischen Gentry zu heilen und ihrem
gesunkenen Wohlstande wieder aufzuhelfen. Die Ansiedler lebten in sehr
guten Verhältnissen. Sie hatten ihre Besitzungen durch Bauten,
Anpflanzungen und Einzäunungen bedeutend verbessert; die Grundrente
hatte sich im Laufe weniger Jahre verdoppelt, der Handel blühte und die
Staatseinkünfte, die sich jährlich auf ungefähr dreihunderttausend Pfund
beliefen, deckten nicht nur reichlich alle Verwaltungskosten, sondern
ergaben auch noch einen Überschuß, der nach England geschickt wurde. Es
unterlag keinem Zweifel, daß das nächste in Dublin zusammenkommende
Parlament, obgleich es fast ausschließlich das englische Interesse
vertrat, in Anerkennung des königlichen Versprechens, dieses Interesse
in allen seinen gesetzlichen Rechten zu wahren, bereit sein würde, dem
Könige eine sehr bedeutende Summe zu bewilligen, um damit solche
eingeborene Familien, welche rechtswidrig beraubt worden waren,
wenigstens theilweis zu entschädigen. Auf diese Weise schlichtete in
unsrer Zeit die französische Regierung die Streitigkeiten, welche durch
die ausgedehnteste Güterconfiscation, die jemals in Europa
stattgefunden, hervorgerufen worden waren. So würde auch Jakob, wenn er
sich durch seine loyalsten protestantischen Rathgeber hätte leiten
lassen, eines der Hauptübel, welche auf Irland lasteten, wenigstens
bedeutend gemildert haben.[164]
Nachdem er dies gethan, hätte er darauf hinarbeiten müssen, die
feindlichen Stämme durch unparteiische Beschützung ihrer Rechte und
durch Zügelung der Übergriffe Beider mit einander auszusöhnen. Er hätte
den Eingebornen, der sich dem zügellosen Übermuthe der Barbarei hingab,
mit gleicher Strenge bestrafen sollen, wie den Ansiedler, der das
Übergewicht der Civilisation mißbrauchte. So weit die rechtmäßige
Autorität der Krone reichte -- und sie reichte in Irland weit -- hätte
Niemand, den seine Rechtschaffenheit und Geschicklichkeit für ein Amt
befähigten, wegen seiner Herkunft oder seines Glaubens für irgend eine
öffentliche Anstellung untauglich gehalten werden sollen. Ein
römisch-katholischer König mit einem zu seiner freien Verfügung
stehenden reichen Staatseinkommen, hatte sich wahrscheinlich ohne große
Schwierigkeit der Mitwirkung der katholischen Prälaten und Priester bei
dem großen Versöhnungswerke versichert halten können. Vieles hätte
allerdings noch immer dem heilenden Einflusse der Zeit überlassen
bleiben müssen. Die Eingebornen hatten immer noch von den Ansiedlern
Betriebsamkeit, Sorge für die Zukunft, die Künste des Lebens und die
englische Sprache zu lernen gehabt. Es konnte keine Gleichheit
stattfinden zwischen Menschen, die in Häusern, und Menschen, die in
Ställen wohnten, zwischen Menschen, die sich von Brod, und Menschen, die
sich von Kartoffeln nährten, zwischen Menschen, welche die edle Sprache
großer Philosophen und Dichter sprachen, und Menschen, die sich in
verkehrtem Stolze rühmten, daß sie ihren Mund nicht zu einem
Kauderwelsch verzerren könnten, in welchem die »Fortschritte der
Wissenschaft« und das »Verlorne Paradies« geschrieben waren.[165] Man
kann indessen mit gutem Grunde annehmen, daß, wenn die eben geschilderte
versöhnende Politik von der Regierung beharrlich verfolgt worden wäre,
alle Schranken nach und nach gefallen und daß von der Feindseligkeit,
welche der Fluch Irlands gewesen ist, nicht mehr Spuren zurückgeblieben
sein würden, als von der gleich erbitterten Feindschaft, welche einst in
England zwischen den Sachsen und den Normannen wüthete.
[Anmerkung 163: Clarendon erinnert den König hieran in einem vom
14. März 1685/86 datirten Briefe und setzt hinzu: »Dies ist
unstreitig eine ganz richtige Ansicht.«]
[Anmerkung 164: Clarendon empfahl dringend dieses Verfahren und
war der Meinung, daß das irische Parlament das Seinige dazu
beitragen würde. Siehe seinen Brief an Ormond vom 28. Aug. 1686.]
[Anmerkung 165: Es war ein O'Neill von hohem Ansehen, welcher
einst sagte, daß es sich nicht für ihn zieme, den Mund zu
verzerren, um englisch zu plappern. -- Vorrede zur +Hibernia
Anglicana+.]
[_Seine Fehlgriffe._] Leider wurde Jakob nicht ein Vermittler, sondern
im Gegentheil der heftigste und rücksichtsloseste Parteigänger. Anstatt
den gegenseitigen Haß der beiden Bevölkerungen zu besänftigen,
entflammte er ihn zu einer bisher nie gekannten Gluth. Er beschloß, ihre
Stellung zu einander umzukehren und die protestantischen Ansiedler unter
die Füße der papistischen Celten zu werfen. Ein Mitglied der
Staatskirche sein und englisches Blut in den Adern haben, machte in
seinen Augen unfähig zur Bekleidung bürgerlicher wie militairischer
Ämter. Er sann auf den Plan, die Hälfte des ganzen Grund und Bodens der
Insel wieder zu confisciren und neu zu vertheilen, und diese Idee gab er
so deutlich zu verstehen, daß die eine Partei bald von einer Angst
ergriffen wurde, die er nachher umsonst zu beschwichtigen, die andre von
Hoffnungen erfüllt wurde, die er nachher vergebens niederzuschlagen sich
bemühte. Dies war aber erst der kleinste Theil seiner Schuld und seiner
Verkehrtheit. Er faßte den wohlüberlegten Entschluß, nicht allein die
Ureinwohner Irlands in den ungetheilten Besitz ihres Landes zu setzen,
sondern sich ihrer auch als Werkzeuge zur Aufrichtung einer
Willkürherrschaft in England zu bedienen. Der Erfolg war so, wie er ihn
hätte voraussehen können. Die Kolonisten widersetzten sich mit der
hartnäckigen Kühnheit ihres Stammes, und das Mutterland betrachtete ihre
Sache mit Recht als ihre eigene. Es erfolgte nun ein verzweifelter Kampf
um einen furchtbaren Einsatz. Alles was einer Nation theuer ist, stand
auf beiden Seiten auf dem Spiele, und wir können weder die Irländer noch
die Engländer tadeln, daß sie in dieser äußersten Gefahr dem Gesetze der
Selbsterhaltung folgten. Der Kampf war fürchterlich, aber kurz; der
schwächere Theil unterlag. Sein Schicksal war hart; indessen war die
Grausamkeit, mit der er behandelt wurde, wenn auch nicht zu
rechtfertigen, doch zu entschuldigen, denn es traf ihn zwar Alles, was
die Tyrannei ihm nur zufügen konnte, aber nicht mehr, als er selbst dem
Gegner zugefügt haben würde, wenn er ihn überwunden hätte. Die Folge des
unsinnigen Versuchs, England mit Hülfe von Irland zu unterjochen, war
die, daß die Irländer die Holzhauer und Wasserträger der Engländer
wurden. Die alten Grundeigenthümer verloren bei dem Versuche, das
Verlorene wieder zu erobern, auch noch den größten Theil dessen, was
ihnen geblieben war. Das vorübergehende Übergewicht des Papismus rief
eine solche Reihe von barbarischen Gesetzen gegen den Papismus hervor,
daß dadurch das irische Gesetzbuch in der ganzen Christenheit
sprichwörtlich verrufen wurde. Dies waren die herben Früchte von Jakob's
Politik.
Wir haben bereits gesehen, daß einer seiner ersten Schritte, nachdem er
König geworden, die Zurückberufung Ormond's aus Irland war. Ormond war
das Oberhaupt des englischen Interesses in diesem Lande, er war ein
eifriger Anhänger des protestantischen Glaubens und seine Macht
überstieg bei weitem die eines gewöhnlichen Lordlieutenants, erstens
deshalb, weil er der vornehmste und reichste Ansiedler, und zweitens
weil er nicht nur das Haupt der Civilverwaltung, sondern auch der
Befehlshaber der Truppen war. Der König war damals nicht geneigt, die
Regierung ausschließlich irischen Händen zu überlassen; man hatte ihn in
der That äußern hören, ein eingeborner Vicekönig würde bald ein
unabhängiger Herrscher werden.[166] Für den Augenblick beschloß er
daher, die Macht, welche Ormond besessen hatte, zu theilen, die
Civilverwaltung einem englischen und protestantischen Lordlieutenant und
das Commando der Armee einem irischen und römisch-katholischen General
zu übertragen. Der Lordlieutenant war Clarendon, der General war
Tyrconnel.
Tyrconnel stammte, wie wir schon gesagt haben, aus einer der entarteten
Familien der alten Colonie, welche gewöhnlich mit der ursprünglichen
Bevölkerung Irlands zusammengeworfen wurde. Zuweilen sprach er zwar in
einem Anfalle von Prahlsucht mit normännischem Übermuthe von den
celtischen Barbaren; in Wirklichkeit aber hatten die Eingebornen alle
seine Sympathieen.[167] Die protestantischen Ansiedler haßte er, und sie
erwiederten seinen Haß. Clarendon's Neigungen waren ganz andrer Art,
aber er war nach Character, aus Interesse und aus Prinzip ein
willfähriger Höfling. Sein Muth war gering, seine Vermögensumstände
nicht glänzend, und die politischen Lehren, welche die anglikanische
Kirche damals nur zu eifrig gepredigt, hatten sich seinem Geiste tief
eingeprägt. Seine Fähigkeiten waren jedoch nicht zu verachten und unter
einem guten Könige würde er wahrscheinlich ein vortrefflicher Vicekönig
gewesen sein.
[Anmerkung 166: Sheridan-Handschr. unter den Stuart-Papieren. Ich
muß hier die Gefälligkeit anerkennen, mit der mich Mr. Glover in
meinen Nachforschungen nach diesem werthvollen Manuscripte
unterstützt hat. Aus den Instructionen, welche Jakob 1692 für
seinen Sohn aufsetzte, geht hervor, daß er bis zuletzt der Meinung
war, Irland könne nicht ohne Gefahr einem irischen Lordlieutenant
anvertraut werden.]
[Anmerkung 167: Sheridan-Handschr.]
[_Clarendon's Ankunft in Irland als Lordlieutenant._] Es vergingen etwa
drei Vierteljahre zwischen der Zurückberufung Ormond's und der Ankunft
Clarendon's in Dublin. In der Zwischenzeit wurde der König durch ein
Collegium von Lordrichtern repräsentirt; die militairische Verwaltung
aber war in Tyrconnel's Händen. Die Absichten des Hofes begannen sich
allmälig schon zu enthüllen. Es kam von Whitehall ein königlicher Befehl
zur Entwaffnung des Volks. Diesen Befehl vollzog Tyrconnel, soweit er
die Engländer betraf, mit aller Strenge. Obgleich das Land durch
Räuberbanden unsicher gemacht wurde, bekam ein protestantischer
Gentleman kaum die Erlaubniß, ein Paar Pistolen behalten zu dürfen. Dem
eingebornen Landvolke dagegen wurden die Waffen gelassen.[168] Die
Freude der Colonisten war daher groß, als endlich im December 1685
Tyrconnel nach London berufen und Clarendon noch Dublin abgesandt wurde.
Doch es zeigte sich bald, daß der wahre Sitz der Regierung nicht Dublin,
sondern London war. Jede Post, die über den St. Georgskanal kam, brachte
Nachrichten von dem unbegrenzten Einflusse, den Tyrconnel auf die
irischen Angelegenheiten ausübte. Es hieß, er solle Marquis, ja sogar
Herzog werden, er solle den Oberbefehl über die Truppen erhalten und
beauftragt werden, die Armee und die Gerichtshöfe neu zu
organisiren.[169]
[Anmerkung 168: Clarendon an Rochester, 19. Jan. 1685/86; +Secret
Consults of the Romish Party in Ireland, 1690.+]
[Anmerkung 169: Clarendon an Rochester, 27. Febr. 1685/86.]
[_Seine Kränkungen._] Clarendon fühlte sich tief gekränkt, als er sah,
daß er nur ein untergeordnetes Mitglied der Verwaltung war, deren
Oberhaupt zu sein er erwartet hatte. Er beschwerte sich darüber, daß
Alles was er thue von seinen Verleumdern entstellt und daß die
wichtigsten Beschlüsse in Bezug auf das von ihm verwaltete Land Wochen
lang bevor man dem Lordstatthalter nur eine Andeutung davon gegeben
habe, in Westminster gefaßt, öffentlich bekannt gemacht, in den
Kaffeehäusern besprochen und in hunderten von Privatbriefen mitgetheilt
würden. Sein persönliches Ansehen, sagte er, komme dabei wenig in
Betracht, aber es sei keine Kleinigkeit, wenn der Vertreter der Majestät
des Thrones zum Gegenstande der Verachtung des Volks gemacht werde.[170]
[Anmerkung 170: Clarendon an Rochester und Sunderland, 2. März
1685/86, und an Rochester, 14. März.]
[_Schrecken unter den Colonisten._] Ein panischer Schrecken verbreitete
sich wie ein Lauffeuer unter den englischen Ansiedlern, als sie sahen,
daß der Vicekönig, ihr Landsmann und protestantischer Glaubensbruder,
nicht im Stande war, ihnen den Schutz zu gewähren, den sie von ihm
erwartet hatten. Sie lernten durch eigene bittere Erfahrung, was es
heißt, eine unterjochte Kaste zu sein. Die Eingebornen überhäuften sie
mit Anklagen auf Hochverrath und Aufruhr. Der eine Protestant hatte mit
Monmouth correspondirt, der andre hatte vor vier oder fünf Jahren
einmal, als die Ausschließungsbill berathen wurde, sich unehrerbietig
über den König geäußert, und das Zeugniß ehrloser Menschen war zur
Erhärtung jeder derartigen Beschuldigung stets bei der Hand. Der
Lordlieutenant sprach die Befürchtung aus, daß, wenn dieses Treiben
nicht aufhöre, in Dublin bald eine ganz ähnliche Schreckensherrschaft
bestehen werde, wie er sie in London erlebt habe, als Jedermanns Kopf
und Ehre in der Gewalt eines Oates und Bedloe waren.[171]
Bald darauf wurde Clarendon durch eine kurze und bündige Depesche von
Sunderland in Kenntniß gesetzt, daß eine unverzüglich vorzunehmende
vollständige Umänderung in der Civil- und Militairverwaltung Irlands
beschlossen worden sei und daß eine große Anzahl römischer Katholiken
sofort im Staatsdienste angestellt werden sollten. Seine Majestät, wurde
höchst ungnädig hinzugesetzt, habe sich in dieser Angelegenheit mit
Männern besprochen, welche competentere Rathgeber seien, als sein
unerfahrener Lordlieutenant es füglich sein könne.[172]
Schon bevor dieses Schreiben dem Vicekönig zukam, war die darin
enthaltene Nachricht auf verschiedenen Wegen nach Irland gelangt. Der
Schrecken der Ansiedler war unbeschreiblich. In Folge der bedeutenden
Übermacht der eingebornen Bevölkerung mußte ihre Lage in der That sehr
traurig werden, wenn jene mit der ganzen Staatsgewalt gegen sie
bewaffnet wurde, und nichts Geringeres drohte ihnen. Die englischen
Bewohner Dublins gingen mit niedergeschlagenem Blicke auf den Straßen
aneinander vorüber; die Börsengeschäfte geriethen ins Stocken, die
Grundeigenthümer beeilten sich, ihre Besitzungen um jeden Preis zu
verkaufen und den Erlös nach England zu schicken; die Kaufleute begannen
ihre Außenstände einzuziehen und Anstalten zur Liquidation ihrer
Geschäfte zu treffen. Der Schrecken äußerte bald seine Wirkung auf die
Staatseinkünfte.[173] Clarendon bemühte sich, den geängstigten
Ansiedlern ein Vertrauen einzuflößen, von dem er selbst weit entfernt
war. Er versicherte sie, daß ihr Eigenthum nicht angetastet werden
solle, und daß er bestimmt wisse, der König sei fest entschlossen, die
Ansiedelungsacte, welche ihre Rechte auf den Grund und Boden
gewährleistete, aufrecht zu erhalten, seine Briefe nach England aber
lauteten ganz anders. Er wagte es sogar, mit dem Könige zu rechten, und
ohne die Absicht Seiner Majestät, Katholiken anzustellen, geradezu zu
tadeln, sprach er doch die entschiedene Ansicht aus, daß die
anzustellenden Katholiken wenigstens Engländer sein müßten.[174]
Jakob's Antwort war in einem trocknen und kalten Tone gehalten. Er
erklärte, daß es nicht seine Absicht sei, die englischen Ansiedler ihres
Grundeigenthums zu berauben, daß er aber einen großen Theil derselben
als seine Feinde betrachte und daß, wenn er so bedeutenden Grundbesitz
in den Händen seiner Freunde lasse, es um so nöthiger sei, die Civil-
und Militairverwaltung in die Hände von Freunden zu legen.[175]
Demgemäß wurden mehrere römische Katholiken als Mitglieder des Geheimen
Raths vereidigt und den Corporationen Befehl gegeben, die Katholiken zu
städtischen Ämtern zuzulassen.[176] Viele Offiziere von der Armee wurden
willkürlich ihrer Posten und dadurch ihres Brodes beraubt. Umsonst
verwendete sich der Lordlieutenant für einige von ihnen, die er als gute
Soldaten und loyale Unterthanen kannte. Es befanden sich alte Kavaliere
darunter, welche tapfer für die Monarchie gefochten und noch die Narben
ehrenvoller Wunden an sich trugen. Ihre Stellen wurden mit Männern
besetzt, die keine andre Empfehlung hatten, als ihre Religion. Man
sagte, daß einige von den neuen Hauptleuten und Lieutenants Kuhhirten,
andere Bedienten, noch andere berüchtigte Räuber gewesen seien. Mehrere
waren so sehr an die Holzschuhe gewöhnt, daß sie in ihren militairischen
Reiterstiefeln gar possierlich einherstolperten und watschelten. Nicht
wenige von den verabschiedeten Offizieren traten in holländische Dienste
und hatten vier Jahre später das Vergnügen, ihre Nachfolger in
schimpflicher Flucht vor sich her durch die Fluthen des Boyne zu
treiben.[177]
Clarendon's Verlegenheit und Angst wurde noch vermehrt durch
Nachrichten, die er auf Privatwegen erhielt. Ohne seine Zustimmung und
ohne sein Vorwissen wurde Anstalt getroffen, die ganze celtische
Bevölkerung des Landes, dessen Statthalter er dem Namen nach war, zu
bewaffnen und einzuüben. Tyrconnel leitete von London aus die Operation
und die Prälaten seiner Kirche waren seine Agenten. Jeder Priester war
angewiesen, ein genaues Verzeichniß aller seiner waffenfähigen
männlichen Pfarrkinder anzufertigen und seinem Bischofe zu
übersenden.[178]
Schon hatte sich das Gerücht verbreitet, Tyrconnel werde bald mit
außerordentlichen und selbstständigen Vollmachten ausgerüstet nach
Dublin zurückkehren, und dieses Gerücht gewann täglich an Bestand. Der
Lordlieutenant, den keine Demüthigung dazu bewegen konnte, den Pomp und
die Einkünfte seiner Stelle aufzugeben, erklärte, daß er sich freudig
dem königlichen Willen fügen und sich in allen Dingen als ein treuer und
gehorsamer Unterthan erweisen werde. Er sagte, er habe nie in seinem
Leben mit Tyrconnel Streit gehabt und er hoffe zuversichtlich, daß er
sich auch in Zukunft nicht mit ihm veruneinigen werde.[179] Clarendon
schien ganz vergessen zu haben, daß einmal ein Complot gegen den Ruf
seiner unschuldigen Schwester im Gange gewesen war und daß Tyrconnel an
diesem Complot sehr starken Antheil gehabt hatte. Eine solche
Beleidigung gehört gewiß nicht zu denen, welche Männer von Ehrgefühl am
leichtesten verzeihen. Aber an dem verderbten Hofe, an welchem die Hyde
so lange ihr Glück gemacht hatten, wurden derartige Beleidigungen gern
vergeben und vergessen, nicht aus Großmuth oder Nächstenliebe, sondern
aus reiner Characterlosigkeit und Mangel an Sittlichkeitsgefühl.
[Anmerkung 171: Clarendon an Sunderland, 26. Febr. 1685/86.]
[Anmerkung 172: Sunderland an Clarendon, 11. März 1685/86.]
[Anmerkung 173: Clarendon an Rochester, 14. März; 1685/86.]
[Anmerkung 174: Clarendon an Jakob, 4. März 1685/86.]
[Anmerkung 175: Jakob an Clarendon, 6. April 1686.]
[Anmerkung 176: Sunderland an Clarendon, 22. Mai 1686; Clarendon
an Ormond, 30 Mai; Clarendon an Sunderland, 6 u. 11. Juli.]
[Anmerkung 177: Clarendon an Rochester und Sunderland, 1. Juni
1686; an Rochester, 12. Juni; +King's State of the Protestants of
Ireland, chap. II. sec. 6, 7+; +Apology for the Protestants of
Ireland, 1689.+]
[Anmerkung 178: Clarendon an Rochester, 15. Mai 1686.]
[Anmerkung 179: Clarendon an Rochester, 11. Mai 1686.]
[_Tyrconnel's Ankunft in Dublin als General._] Im Juni 1686 kam
Tyrconnel an. Seine Vollmacht autorisirte ihn nur zur Übernahme des
militairischen Kommandos, aber er brachte königliche Instructionen mit,
welche alle Zweige der Verwaltung berührten, und er nahm ohne Weiteres
die wirkliche Regierung der Insel in seine Hand. Am Tage nach seiner
Ankunft erklärte er gerade zu, daß eine große Anzahl Katholiken als
Offiziere angestellt und daß ihnen durch Entlassung von mehr
Protestanten Platz gemacht werden müsse. Er betrieb die Reorganisation
der Armee mit rastlosem Eifer. Dies war auch in der That die einzige
Oberbefehlshaberfunction, der er gewachsen war, denn er besaß wohl Muth
in Händeln und Zweikämpfen, aber vom eigentlichen Militairdienste
verstand er nichts. Sogleich bei der ersten Musterung, die er hielt,
sahen Alle, die sich in seiner Nähe befanden, deutlich, daß er nicht
wußte, wie man ein Regiment aufmarschiren ließ.[180]
[Anmerkung 180: Clarendon an Rochester, 11. Mai 1686.]
[_Seine Parteilichkeit und Willkür._] Engländer auszumerzen und Irländer
an deren Stelle zu setzen, dies war nach seiner Ansicht der Anfang und
das Ende aller Militairverwaltung. Er hatte die Frechheit, sogar den
Hauptmann der Leibgarde des Lordlieutenants zu verabschieden, was
Clarendon erst erfuhr, als er einen ihm völlig unbekannten Katholiken
neben seinem Staatswagen reiten sah.[181] Die Veränderung beschränkte
sich nicht allein auf die Offiziere, auch die Reihen der Soldaten wurden
völlig aufgelöst und neu zusammengesetzt. Aus einem einzigen Regimente
wurden vier- bis fünfhundert Soldaten hauptsächlich aus dem Grunde
verabschiedet, weil sie das erforderliche Maß nicht hatten. Aber das
ungeübteste Auge sah auf den ersten Blick, daß die Leute größer und
besser gebaut waren, als ihre Nachfolger, deren wildes und unsauberes
Aussehen den Beschauer anekelte.[182] Die neuen Offiziere erhielten
Befehl, keinen Mann protestantischen Glaubens in die Armee aufzunehmen;
anstatt daß die Werbecommandos nach altem Brauche auf die Messen und
Märkte zogen, um Freiwillige herbeizutrommeln, suchten sie jetzt die
Orte auf, wohin die römischen Katholiken zu Andachtszwecken
wallfahrteten. Binnen wenigen Wochen hatte der General mehr als
zweitausend Eingeborene in die Reihen des Heeres aufgenommen, und seine
Umgebungen versicherten mit Bestimmtheit, daß zu Weihnachten nicht ein
einziger Mann englischer Abkunft mehr in der ganzen Armee zu finden sein
werde.[183]
Bei allen Fragen, welche im Geheimen Rathe zur Verhandlung kamen, zeigte
Tyrconnel die nämliche Willkür und Parteilichkeit. Johann Keating,
Oberrichter der Common Pleas, ein Mann, der sich durch Tüchtigkeit,
Rechtschaffenheit und Loyalität auszeichnete, stellte mit großer Milde
vor, daß der General billigerweise für seine Kirche nicht mehr verlangen
könne, als vollkommene Gleichstellung. Es sei gewiß nur des Königs
Wille, sagte er, daß kein des öffentlichen Vertrauens würdiger Mann
deshalb ausgeschlossen werden solle, weil er ein römischer Katholik sei,
und daß kein des Vertrauens Unwürdiger deshalb angestellt werden solle,
weil er ein Protestant sei. Tyrconnel begann alsbald zu fluchen und zu
schwören. »Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll«, rief er aus; »ich
möchte alle Katholiken herein haben.«[184] Die verständigeren Irländer
seines eigenen Glaubens waren entrüstet über seine rücksichtslose
Heftigkeit und wagten es, ihm Vorstellungen zu machen; aber er gebot
ihnen mit Verwünschungen Schweigen.[185] Seine Brutalität war so groß,
daß Viele ihn für wahnsinnig hielten. Sie war indessen noch nicht so
auffallend, als die schamlose Zungenfertigkeit, mit der er Lügen
aussprach. Schon lange zuvor hatte er sich den Spottnamen des »Lügners
Dick Talbot« zugezogen und selbst in Whitehall wurde jede abgeschmackte
Lüge eine von Dick Talbot's Wahrheiten genannt. Jetzt bewies er täglich,
daß er diesen nicht beneidenswerthen Ruf wohl verdiente. Das Lügen war
bei ihm in der That fast eine Krankheit. Nachdem er den Befehl zur
Entlassung englischer Offiziere gegeben, war er im Stande, sie in sein
Kabinet zu rufen, sie seines Vertrauens und seiner Freundschaft zu
versichern und den Himmel anzurufen, daß er ihn vernichten und
zerschmettern möge, wenn er nicht aufs Beste für ihr Wohl sorgen sollte.
Oft erfuhren Diejenigen, denen er auf solche Weise seine Gunst
zugeschworen hatte, noch vor dem Abende, daß sie entlassen waren.[186]
[Anmerkung 181: +Secret Consults of the Romish Party in Ireland.+]
[Anmerkung 182: Clarendon an Rochester, 26. Juni und 4. Juli 1686;
+Apology for the Protestants of Irland, 1689.+]
[Anmerkung 183: Clarendon an Rochester, 4. u. 22. Juli 1686; an
Sunderland, 6. Juli; an den König, 14. Aug.]
[Anmerkung 184: Clarendon an Rochester, 19. Juni 1686.]
[Anmerkung 185: Clarendon an Rochester, 22. Juni 1686.]
[Anmerkung 186: Sheridan-Handschr.; +King's State of the
Protestants of Ireland, III. 3. 8.+ Ein schlagendes Beispiel von
Tyrconnel's schamloser Lügenhaftigkeit findet sich in dem Briefe
Clarendon's an Rochester vom 22. Juli 1686.]
[_Er sucht die Ansiedlungsacte aufzuheben._] Bei seiner Ankunft
versicherte er, obgleich er auf die Ansiedlungsacte entsetzlich fluchte
und das englische Interesse ein abscheuliches, ein schuftiges, ein
verfluchtes Ding nannte, dennoch überzeugt zu sein, daß die Vertheilung
des Grundeigenthums nach so langen Jahren nicht mehr abgeändert werden
könne.[187] Als er jedoch einige Wochen in Dublin war, zog er andere
Saiten auf. Er begann am Rathstische heftige Reden zu halten über die
Nothwendigkeit, das Land den früheren Eigenthümern zurückzugeben. Bis
jetzt hatte er jedoch noch nicht die Zustimmung seines Gebieters zu
diesem unheilvollen Plane erlangt. Das Nationalgefühl hatte in Jakob's
Gemüth noch einen schwachen Kampf gegen den Aberglauben zu bestehen. Er
war ein Engländer und ein englischer König und er konnte nicht ohne
einige schlimme Ahnungen in die Zerstörung der größten Colonie willigen,
die England jemals angelegt hatte. Die englischen Katholiken, die er zu
Rathe zu ziehen pflegte, waren fast einhellig für die Aufrechthaltung
der Ansiedlungsacte. Nicht nur der rechtschaffene und gemäßigte Powis,
sondern selbst der ausschweifende und starrsinnige Dover gaben
verständigen und patriotischen Rath.
[Anmerkung 187: Clarendon an Rochester, 8. Juni 1686.]
[_Er kehrt nach England zurück._] Tyrconnel durfte kaum hoffen, von
ferne den Eindruck zu neutralisiren, den solche Rathschläge nothwendig
auf den König machen mußten. Er beschloß daher, die Sache seiner Kaste
persönlich zu verfechten, und kehrte deshalb Ende August nach England
zurück.
Der Lordlieutenant fürchtete seine Abwesenheit eben so sehr als seine
Anwesenheit. Es war allerdings peinlich, Tag für Tag die gerunzelte
Stirn eines Feindes vor Augen zu haben; nicht minder quälend aber war
das Bewußtsein, daß ein Feind täglich dem Könige Verleumdungen und bösen
Rath zuflüsterte. Clarendon ward durch mannichfache Kränkungen zu Boden
gedrückt. Er machte eine Rundreise durch das Land und mußte sehen, daß
die irische Bevölkerung ihn allenthalben mit Verachtung behandelte. Die
katholischen Priester ermahnten ihre Gemeinden, ihm keine
Ehrenbezeigungen zu erweisen; die eingeborne Gentry blieb zu Hause,
anstatt ihm entgegenzukommen und ihre Achtung zu bezeigen, und das
eingeborne Landvolk sang überall ersische Lieder zum Lobe Tyrconnels,
der, wie sie nicht zweifelten, bald wieder erscheinen werde, um die
Demüthigung ihrer Unterdrücker zu vervollständigen.[188]
[Anmerkung 188: Clarendon an Rochester, 23. Sept. und 2. Oct.
1686; +Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690.+]
[_Der König ist unzufrieden mit Clarendon._] Der Vicekönig war von
seiner unerfreulichen Reise kaum wieder in Dublin angekommen, so erhielt
er Briefe, die ihm ankündigten, daß er sich das ernste Mißfallen des
Königs zugezogen habe. Seine Majestät, hieß es in den Briefen, erwarte
von seinen Dienern, daß sie seinen Befehlen nicht blos nachkämen,
sondern daß sie denselben aus voller Seele und mit heiterer Miene
gehorchten. Der Lordlieutenant habe sich zwar nicht geweigert, bei der
Reform des Heeres und der Civilverwaltung mitzuwirken, aber seine
Mitwirkung sei gezwungen und lässig gewesen, seine Blicke hätten seine
Gedanken verrathen und Jedermann habe gesehen, daß er die Politik
mißbillige, zu deren Ausführung er verwendet werde.[189] In großer Angst
schrieb er einen Brief, um sich zu vertheidigen; allein es wurde ihm
kalt darauf erwiedert, daß seine Vertheidigung ungenügend sei. Er
erklärte nun in den demüthigsten Ausdrücken, daß er es nicht versuchen
wolle, sich zu rechtfertigen, daß er mit jedem Urtheile des Königs, wie
es auch ausfallen möge, zufrieden sein werde, daß er sich in den Staub
werfe und um Verzeihung bitte, daß er der aufrichtigste aller reuigen
Sünder sei, daß er es als seinen höchsten Ruhm betrachte, für seinen
Herrn und König zu sterben, daß es ihm aber unmöglich sei, unter der
Ungnade seines Fürsten zu leben. Dies war auch keineswegs bloße
eigennützige Heuchelei, sondern, wenigstens zum Theil, unverstellter
Sklavensinn und feige Angst, denn in vertraulichen Briefen, welche nicht
für das Auge des Königs bestimmt waren, jammerte er gegen seine Familie
ganz in dem nämlichen Tone. Er sei unglücklich, er sei wie vernichtet,
der Zorn des Königs sei ihm unerträglich, und wenn dieser Zorn sich
nicht beschwichtigen lasse, habe das Leben keinen Werth mehr für
ihn.[190] Die Angst des armen Mannes nahm noch zu, als er erfuhr, daß
man in Whitehall beschlossen habe, ihn zurückzurufen und seinen
Nebenbuhler und Verleumder Tyrconnel zu seinem Nachfolger zu
ernennen.[191] Dann schien sich der Horizont wieder auf einen Augenblick
aufzuhellen, der König war in besserer Laune und Clarendon schmeichelte
sich einige Tage mit der Hoffnung, daß die Fürsprache seines Bruders den
erwünschten Erfolg gehabt habe, und daß die Krisis vorüber sei.[192]
[Anmerkung 189: Clarendon an Rochester, 6. Oct. 1686.]
[Anmerkung 190: Clarendon an den König und an Rochester, 23. Oct.
1686.]
[Anmerkung 191: Clarendon an Rochester, 29. u. 30. Oct, 1686.]
[Anmerkung 192: Clarendon an Rochester, 27. Nov. 1686.]
[_Angriff der jesuitischen Cabale gegen Rochester._] In Wirklichkeit
aber hatte die Krisis erst begonnen. Während Clarendon sich an Rochester
zu lehnen versuchte, war dieser selbst schon nicht mehr im Stande, sich
noch länger zu halten. Wie in Irland der ältere Bruder, obgleich er
seine Ehrengarde, seinen Staatsdegen und den Titel Excellenz behielt,
thatsächlich durch den Befehlshaber der Armee verdrängt war, so sank in
England der jüngere Bruder, obgleich er seinen weißen Stab behielt und
kraft seines hohen Amtes den Vorrang vor dem höchsten Erbadel hatte,
rasch zu einem bloßen Finanzsekretär herab. Das Parlament wurde abermals
im Widerspruch mit den wohlbekannten Wünschen des Schatzmeisters auf
einen entfernten Termin prorogirt. Man benachrichtigte ihn nicht einmal
davon, daß eine neue Prorogation stattfinden solle, sondern überließ es
ihm, die Neuigkeit aus der Gazette zu erfahren. Die wirkliche Leitung
der Regierungsangelegenheiten war in die Hände der Cabale übergegangen,
welche Freitags bei Sunderland speiste. Das Kabinet versammelte sich
nur, um die von auswärtigen Höfen eingegangenen Depeschen vorlesen zu
hören, und diese Depeschen enthielten nichts, was man nicht schon an der
Börse gewußt hätte, denn alle englischen Gesandten hatten Befehl
erhalten, in ihre officiellen Schreiben nur das gewöhnliche
Vorzimmergeklatsch aufzunehmen, wichtige Geheimnisse aber für
Privatmittheilungen aufzusparen, welche an Jakob selbst, oder an
Sunderland oder an Petre gerichtet werden mußten.[193] Die siegende
Partei war indessen noch immer nicht zufrieden. Diejenigen, denen der
König das meiste Vertrauen schenkte, versicherten ihn, daß die
Hartnäckigkeit, mit der die Nation sich seinen Plänen widersetze,
lediglich Rochester zur Last falle. Wie könne das Volk glauben, daß sein
Fürst unerschütterlich fest entschlossen sei, auf dem eingeschlagenen
Wege fortzuschreiten, wenn es zu seiner Rechten einen Mann erblicke, der
anscheinend in Macht und Vertrauen der Erste unter seinen Räthen sei und
doch anerkanntermaßen diesen Weg entschieden mißbillige? Jedem Schritte,
der zu dem Zwecke gethan worden sei, die anglikanische Kirche
herabzusetzen und die römische Kirche zu erheben, habe sich der
Schatzmeister widersetzt. Allerdings habe er, wenn er die Nutzlosigkeit
seines Widerstandes eingesehen, sich mit Unmuth gefügt und zuweilen
sogar bei der Ausführung der Pläne, gegen die er am eifrigsten gekämpft,
hülfreiche Hand geleistet; allerdings habe er sich, obgleich ihm die
kirchliche Commission zuwider gewesen sei, dazu verstanden, eine Stelle
in derselben anzunehmen; allerdings habe er, nachdem er erklärt, daß er
in dem Benehmen des Bischofs von London nichts Tadelnswerthes finden
könne, mit Verdruß und Widerstreben für seine Absetzung gestimmt. Aber
dies sei nicht genug. Ein Fürst, der ein so wichtiges und schwieriges
Unternehmen durchzuführen habe, wie das von Jakob begonnene sei, habe
das Recht, von seinem ersten Minister nicht blos eine unwillige und
mürrische Zustimmung, sondern eine eifrige und kräftige Mitwirkung zu
erwarten. Während dem König täglich solcher Rath von Denen ertheilt
wurde, in die er das meiste Vertrauen setzte, erhielt er zu gleicher
Zeit durch die Pennypost eine Menge anonyme Briefe, welche von
Verleumdungen gegen den Lordschatzmeister strotzten. -- Dieses
Angriffssystem war von Tyrconnel erfunden und stand in vollkommenem
Einklange mit jedem Theile seines ehrlosen Wandels.[194]
Der König war unschlüssig. Er scheint wirklich zu seinem Schwager eine
aufrichtige persönliche Zuneigung, die Folge naher Verwandtschaft,
langjährigen vertraulichen Umgangs und vieler gegenseitiger
Gefälligkeiten, gehegt zu haben, und es ließ sich daher mit
Wahrscheinlichkeit annehmen, daß Rochester, so lange er sich, wenn auch
zögernd und murrend, dem königlichen Willen fügte, dem Namen nach
Premierminister bleiben werde. Sunderland gab daher mit raffinirter
Schlauheit seinem Gebieter zu verstehen, daß es zweckmäßig sein dürfte,
von Rochester den einzigen Beweis von Gehorsam zu verlangen, den er --
dies war so gut als gewiß -- niemals geben würde. Gegenwärtig -- so
lautete die Sprache des listigen Staatssekretärs -- sei es unmöglich,
mit dem ersten Diener des Königs über den Gegenstand zu sprechen, der
Seiner Majestät am meisten am Herzen liege. Es sei traurig, sich sagen
zu müssen, daß in einer so wichtigen Krisis religiöse Vorurtheile die
Regierung einer so werthvollen Stütze beraubten. Vielleicht würden sich
diese Vorurtheile nicht als unüberwindlich erweisen. Dann deutete der
Verführer an, daß seines Wissens Rochester unlängst einige Bedenken über
die zwischen den Protestanten und Katholiken obschwebenden Streitpunkte
geäußert habe.[195]
[Anmerkung 193: Barillon, 13.(23.) Sept. 1686; +Clarke's Life of
James the Second, II. 99.+]
[Anmerkung 194: Sheridan-Handschr.]
[Anmerkung 195: +Clarke's Life of James the Second, II. 100.+]
[_Jakob's Versuche, Rochester zu bekehren._] Dies war genug. Der König
griff den Wink begierig auf und begann sich mit der Hoffnung zu
schmeicheln, daß er vielleicht nicht nur der unangenehmen Nothwendigkeit
überhoben werden würde, einen Freund von sich zu entfernen, sondern sich
sogar einen geschickten Gehilfen zur Ausführung des unternommenen großen
Werkes sichern könnte. Nebenbei erhob ihn auch der Gedanke an das
Verdienst und den Ruhm, einen Mitmenschen vom Verderben zu retten. Er
scheint in der That um diese Zeit einen ganz besonders heftigen Anfall
von religiösem Eifer gehabt zu haben, und dies ist um so auffallender,
da er eben erst nach einer kurzen Pause der Selbstbeherrschung in
Ausschweifungen zurückverfallen war, welche alle christlichen Theologen
als sündhaft verwerfen und die bei einem schon bejahrten Manne, der eine
liebenswürdige junge Gattin hat, selbst von weltlich gesinnten Menschen
unschicklich genannt werden. Lady Dorchester war von Dublin
zurückgekommen und war wieder die Maitresse des Königs. Eine politische
Bedeutung hatte ihre Rückkehr nicht. Die Erfahrung hatte sie von der
Nutzlosigkeit des Versuchs überzeugt, ihren Geliebten von dem Verderben
zu retten, in das er sich kopfüber stürzte. Sie überließ daher seine
politische Leitung den Jesuiten und diese gestatteten ihr dagegen, daß
sie dem Könige Geld ablockte. Übrigens war sie nur eine von mehreren
leichtfertigen Frauen, welche damals mit seiner geliebten Kirche die
Herrschaft über ihn theilten.[196] Er schien beschlossen zu haben, die
Vernachlässigung seines eignen Seelenheils durch Sorge für die Seelen
Anderer einigermaßen wieder gut zu machen. Daher ging er mit wirklichem
guten Willen, aber mit dem guten Willen eines harten, strengen und
gebieterischen Characters an das Werk seinen Schwager zu bekehren. Jede
dem Schatzmeister gewährte Audienz wurde mit Abhandlungen über die
Autorität der Kirche und über den Bilderdienst ausgefüllt. Rochester
hatte sich vorgenommen, seinem Glauben nicht untreu zu werden; aber er
trug kein Bedenken, sich zu seiner Selbstvertheidigung eben so
schimpflicher Kunstgriffe zu bedienen, als sie gegen ihn angewendet
wurden. Er bemühte sich wie ein Mann zu sprechen, der noch nicht mit
sich im Klaren ist, sagte daß er nichts mehr wünsche, als eines Besseren
belehrt zu werden, wenn er sich irren sollte, las papistische Bücher und
hörte papistische Theologen bereitwillig an. Er hatte verschiedene
Unterredungen mit Leyburn, dem apostolischen Vikar, mit Godden, dem
Kaplan und Almosenier der Königin Wittwe und mit Bonaventura Giffard,
einem in den Schulen von Douay für die Polemik gebildeten Theologen. Es
wurde verabredet, daß eine förmliche Disputation zwischen diesen
Gelehrten und einigen protestantischen Geistlichen stattfinden solle.
Der König forderte Rochester auf, beliebige Theologen der Staatskirche
zu wählen, nur mit zwei Ausnahmen: Diese waren Tillotson und
Stillingfleet. Tillotson, der populärste Prediger der damaligen Zeit und
von Character der harmloseste Mensch, hatte mit einigen Whigführern in
vertrautem Umgange gestanden, und Stillingfleet, der als ein vollendeter
Meister in allen Waffen der Polemik bekannt war, hatte sich durch
Herausgabe einer Entgegnung auf die in der Cassette Karl's II.
gefundenen Papiere noch mißliebiger gemacht. Rochester wählte die beiden
königlichen Kaplane, welche gerade den Dienst hatten. Der eine von ihnen
war Simon Patrick, dessen Bibelerklärungen noch jetzt in keiner
theologischen Bibliothek fehlen dürfen; der andre war Jane, ein heftiger
Tory, einer von den Verfassern des Beschlusses, durch welchen die
Universität Oxford die schlimmsten Thorheiten Filmer's feierlich in sich
aufgenommen hatte. Die Disputation fand am dreizehnten November in
Whitehall statt. Rochester, der es nicht bekannt werden lassen wollte,
daß er eingewilligt habe, die Argumente der papistischen Priester auch
nur anzuhören, bedang sich Geheimhaltung aus. Es sollte kein Zuhörer
weiter anwesend sein als der König. Der Gegenstand der Disputation
war die wirkliche Anwesenheit Christi beim Abendmahle. Die
römisch-katholischen Theologen übernahmen die Last der Beweisführung.
Patrick und Jane sprachen wenig; auch hatten sie gar nicht nöthig viel
zu sagen, denn der Earl unternahm es selbst die Lehre seiner Kirche zu
vertheidigen und er wurde seiner Gewohnheit nach bald warm, verlor seine
Ruhe und fragte mit großer Heftigkeit, ob man etwa hoffe, daß er auf so
unhaltbare Gründe hin, seinen Glauben wechseln werde. Dann fiel ihm aber
ein, was er riskirte; er fing wieder an sich zu verstellen, jagte den
Disputanten Schmeicheleien über ihre Gewandtheit und Gelehrsamkeit und
verlangte Zeit, um das Gesagte zu überlegen.[197]
So beschränkt Jakob auch war, mußte er doch merken, daß dies eine bloße
Komödie war. Er sagte Barillon, Rochester's Sprache sei nicht die eines
Mannes, der den aufrichtigen Willen habe, zur Wahrheit zu gelangen.
Indessen konnte sich der König doch noch nicht entschließen, seinem
Schwager die einfache Alternative zu stellen: Übertritt oder Entlassung;
drei Tage nach der Conferenz aber machte Barillon dem Schatzmeister
einen Besuch und rückte nach vielen Umschweifen und wiederholten
Versicherungen der freundschaftlichsten Theilnahme mit der unangenehmen
Wahrheit heraus. »Meinen Sie damit«, sagte Rochester, den die unklaren
und umständlichen Phrasen, in denen das Ansinnen an ihn gestellt wurde,
irre machten, »daß ich meine Stelle verliere, wenn ich nicht Katholik
werde?« -- »Davon spreche ich nicht«, erwiederte der vorsichtige
Diplomat; »ich komme nur als Freund zu Ihnen, um die Hoffnung
auszusprechen, daß Sie darauf bedacht sein werden, Ihre Stelle zu
behalten.« -- »Aber jedenfalls«, sagte Rochester, »ist der einfache und
klare Sinn von dem Allen, daß ich entweder Katholik werden oder abtreten
muß.« Er richtete noch mehrere Fragen an Barillon, um dahinter zu
kommen, ob die Eröffnung ihm auf höheren Befehl gemacht worden war,
konnte aber nur unbestimmte und geheimnißvolle Antworten erlangen.
Endlich erklärte er Barillon mit einer affectirten Zuversicht, die er
weit entfernt war zu fühlen, er müsse sich durch leeres oder böswilliges
Gerede haben täuschen lassen. »Ich sage Ihnen«, setzte er hinzu, »daß
der König mich nicht entlassen und daß ich eben so wenig freiwillig
abtreten werde. Ich kenne ihn und er kennt mich; ich fürchte Niemanden.«
Der Franzos antwortete hierauf, er sei außerordentlich erfreut, dies zu
hören, und der einzige Beweggrund seiner Einmischung in die Sache sei
die aufrichtige Besorgniß um das Wohl und das Ansehen seines
vortrefflichen Freundes des Schatzmeisters. So trennten sich die beiden
Staatsmänner, und jeder schmeichelte sich, den andren dupirt zu
haben.[198]
Inzwischen hatte sich trotz der dringend anempfohlenen Geheimhaltung
dennoch in ganz London die Nachricht verbreitet, der Lordschatzmeister
habe eingewilligt, sich in den papistischen Glaubenslehren unterrichten
zu lassen. Man hatte Patrick und Jane durch die verborgene Thür, welche
in Chiffinch's Gemächer führte, in den Palast gehen sehen und einige
römisch-katholische Höflinge hatten aus Indiscretion oder mit Absicht
Alles was sie wußten und noch mehr als das erzählt. Die anglikanischen
Tories sahen mit ängstlicher Spannung ausführlicheren Nachrichten
entgegen. Schon der Gedanke war ihnen schmerzlich, daß ihr Oberhaupt
sich nur gestellt haben könnte, als sei er in seiner Überzeugung
schwankend geworden; daß er sich aber bis zum Renegaten erniedrigen
werde, konnten sie nicht glauben. Gepeinigt von seinen heftigen
Leidenschaften und seinen niedrigen Begierden, geängstigt durch den
Tadel des Publikums und durch Barillon's Andeutungen, voll Furcht sein
Ansehen und seinen Posten zu verlieren, eilte der unglückliche Minister
wieder in das königliche Kabinet. Er war entschlossen, seine Stelle
durch jede Schlechtigkeit zu behaupten, eine einzige ausgenommen. Er
wollte vorgeben, er sei in seiner religiösen Überzeugung wankend
geworden und sei ein halber Konvertit, er wollte seine kräftige
Unterstützung der Politik, der er bisher opponirt hatte, versprechen;
würde er aber aufs Äußerste getrieben, so wollte er sich weigern, seinen
Glauben zu wechseln. Er sagte daher zuerst dem Könige, daß die
Angelegenheit, für welche Seine Majestät sich so lebhaft interessire,
keineswegs ruhe, daß Jane und Giffard eben damit beschäftigt seien, über
die zwischen den beiden Kirchen streitigen Punkte Bücher zu Rathe zu
ziehen, und daß nach Beendigung dieser Nachforschung eine zweite
Conferenz wünschenswerth sein werde. Dann beklagte er sich bitter
darüber, daß die ganze Stadt bereits wisse, was doch sorgfältig hätte
verschwiegen werden sollen, und daß einige Personen, die in Folge ihrer
Stellung gut unterrichtet sein könnten, sonderbare Dinge in Bezug auf
die Absichten des Königs erzählten. »Man flüstert einander zu,« sagte
er, »daß, wenn ich nicht thäte, was Eure Majestät von mir verlangt, ich
nicht länger in meiner gegenwärtigen Stellung bleiben dürfte.« Der König
erwiederte mit einigen freundschaftlichen Gemeinplätzen, daß man den
Leuten nicht wehren könne zu reden, daß man aber solch' leeres Geschwätz
nicht beachten dürfe. Diese hohlen Phrasen waren nicht geeignet, das
ängstliche Gemüth des Ministers zu beruhigen. Er gerieth in eine heftige
Aufregung und begann seine Stelle zu vertheidigen, als ob sein Leben
davon abgehangen hätte. »Eure Majestät sieht, daß ich Alles, was in
meiner Macht steht, thue, Ihnen zu gehorchen. Ich will in der That Alles
thun, was ich kann, um Ihnen in Allem gehorsam zu sein, ich will Ihnen
dienen, ganz nach Ihrem Sinne. Ja,« rief er in einem verzweifelten
Ausbruche von niedriger Feigheit, »ich will mich sogar bemühen, zu
glauben, was Sie wünschen. Aber nur das sagen Sie mir nicht, daß ich
Alles verlieren muß, wenn ich mich bei dem Versuche, meine Ansicht zu
ändern, überzeuge, daß mir dies unmöglich ist. Denn ich muß Eurer
Majestät offen sagen, daß hierbei noch andere Rücksichten obwalten.« --
»So, so. Sie müssen also?« versetzte der König mit einem Fluche, denn
ein einziges freimüthiges und männliches Wort, das inmitten dieser
kriechenden Demuthversicherungen entschlüpft war, reichte hin, um seinen
Zorn zu reizen. »Ich hoffe, Sire,« entgegnete der arme Rochester, »daß
ich Sie nicht beleidigt habe. Eure Majestät würde sicherlich keine gute
Meinung von mir haben, wenn ich nicht so gesprochen hätte.« Der König
beherrschte sich, versicherte daß er sich nicht beleidigt fühle und
rieth dem Schatzmeister, unbekümmert um müßiges Gerede wieder mit Jane
und Giffard zu conferiren.[199]
[Anmerkung 196: Barillon, 13.(23.) Sept. 1686; Bonrepaux, 4. Juni
1687.]
[Anmerkung 197: Barillon, 2.(12.) Dec. 1686; +Burnet I. 684+;
+Clarke's Life of James the Second, II. 100+; +Dodd's Church
History+. Ich habe es versucht aus diesen einander
widersprechenden Materialien eine möglichst richtige Erzählung zu
entwerfen. Aus Rochester's eigenen Papieren scheint mir klar
hervorzugehen, daß er bei dieser Gelegenheit keineswegs so
starrsinnig war, als er von Burnet und dem Biographen Jakob's
dargestellt wird.]
[Anmerkung 198: Aus +Rochester's Minutes, d. d. 3. Dec. 1686.+]
[Anmerkung 199: Aus +Rochester's Minutes, d. d. 4. Dec. 1686.+]
[_Rochester's Entlassung._] Von dieser Unterredung an verstrichen noch
vierzehn Tage, ehe der entscheidende Schlag fiel. Diese vierzehn Tage
brachte Rochester mit Intriguiren und Flehen hin. Er bemühte sich, die
Katholiken, welche bei Hofe den meisten Einfluß hatten, zu seinen
Gunsten zu stimmen. Seinem Glauben, sagte er, könne er nicht untreu
werden; sonst aber wolle er Alles thun, was sie nur verlangen könnten.
Wenn er nur seine Stelle behielte, würden sie bald sehen, daß er ihnen
als Protestant mehr nützen könne, denn als Mitglied ihrer Kirche.[200]
Seine Gemahlin, welche damals krank darniederlag, hatte angeblich
bereits die tief gekränkte Königin um die Ehre eines Besuchs bitten
lassen und das Mitleid Ihrer Majestät zu erwecken versucht.[201] Aber
die Hyde erniedrigten sich umsonst. Dem Petre waren sie ganz besonders
ein Dorn im Auge und er arbeitete daraufhin, sie zu stürzen.[202] Am
Abend des 17. December wurde der Earl in das königliche Kabinet
beschieden. Jakob war ungewöhnlich ergriffen und weinte sogar. Diese
Scene mußte allerdings Erinnerungen in ihm wecken, die wohl im Stande
sind, auch das härteste Gemüth zu erweichen. Er sprach sein Bedauern
aus, daß seine Regentenpflichten ihm nicht gestatteten, seinen
persönlichen Neigungen zu folgen; es sei durchaus nöthig, daß die
Männer, denen die Oberleitung seiner Angelegenheiten übertragen sei,
seine Ansichten und Gesinnungen theilten. Er räumte ein, daß er große
persönliche Verpflichtungen gegen Rochester habe und daß die Art und
Weise, wie die Finanzen in neuerer Zeit verwaltet worden seien, ganz
seinen Beifall gehabt habe; das Amt eines Lordschatzmeisters aber sei
von so hoher Wichtigkeit, daß es überhaupt nicht einem Einzelnen
übertragen werden sollte und von einem katholischen Könige nicht mit
Sicherheit einem eifrigen Anhänger der anglikanischen Kirche anvertraut
werden könne. »Denken Sie noch besser darüber nach, Mylord,« fuhr er
fort; »lesen Sie wiederholt die Papiere aus meines Bruders Cassette; ich
will Ihnen etwas mehr Zeit zur Überlegung gönnen, wenn Sie es wünschen.«
Rochester sah, daß Alles vorbei war und daß er nichts Besseres thun
konnte, als aus seinem Schiffbruche soviel Geld und soviel Ansehen als
möglich zu retten. Beides gelang ihm. Er erhielt aus dem Ertrage des
Postamts einen Jahrgehalt von viertausend Pfund auf doppelte Lebenszeit.
Aus den Besitzungen von Hochverräthern hatte er sich große Summen zu
erwerben gewußt und insbesondere Grey's Verschreibung auf vierzigtausend
Pfund eingesteckt, sowie auch den ganzen Antheil der Krone an Grey's
ausgedehnten Gütern erhalten.[203] Noch nie war ein Minister unter so
günstigen Bedingungen aus dem Amte geschieden. Auf den Beifall der
wahren Freunde der Staatskirche hatte er allerdings sehr geringen
Anspruch. Um seine Stelle zu retten, hatte er in dem Tribunale gesessen,
das zu dem Zwecke, sie zu verfolgen, gesetzwidrig errichtet worden war;
um seine Stelle zu retten, hatte er ehrloserweise für die Absetzung
eines ihrer ausgezeichnetsten Diener gestimmt, hatte sich gestellt, als
zweifle er an ihrer Rechtgläubigkeit, hatte mit anscheinendem Interesse
Lehrer angehört, die sie schismatisch und ketzerisch nannten, und hatte
sich erboten, ihren Todfeinden bei deren Plänen gegen dieselbe kräftigen
Beistand zu leisten. Der höchste Ruhm, auf den er Anspruch machen
konnte, war der, daß er vor dem Übermaß von Gewissenlosigkeit und
Gemeinheit zurückgeschreckt war, um schnöden Gewinns willen öffentlich
den Glauben abzuschwören, in welchem er erzogen war, den er für den
wahren hielt und dessen er sich so lange gerühmt hatte. Dennoch wurde er
von der großen Masse der Anglikaner gepriesen, als ob er der muthigste
und makelloseste aller Märtyrer gewesen wäre. Das Alte und das Neue
Testament, die Martyrologien von Eusebius und von Fox wurden
durchstöbert, um Parallelen für seine heldenmüthige Frömmigkeit zu
finden. Er war ein Daniel in der Löwengrube, ein Sadrach im feurigen
Ofen, ein Petrus im Kerker des Herodes, ein Paulus vor den Schranken
Nero's, ein Ignatius im Amphitheater, ein Latimer auf dem
Scheiterhaufen. Unter den vielen Thatsachen, welche beweisen, daß der
Maßstab der Ehre und Tugend unter den Staatsmännern jener Zeit ein sehr
niedriger war, ist die durch Rochester's Standhaftigkeit erregte
Bewunderung vielleicht die entscheidendste.
[Anmerkung 200: Barillon, 20.(30.) Dec. 1686.]
[Anmerkung 201: +Burnet, I. 684.+]
[Anmerkung 202: Bonrepaux, 25. Mai (4. Juni) 1687.]
[Anmerkung 203: +Rochester's Minutes, Dec. 19. 1686+; Barillon,
30. Dec. (9. Jan.) 1686/87; +Burnet, I. 685+; +Clarke's Life of
James the Second, II. 102+; +Treasury Warrant Book, Dec. 29.
1686.+]
[_Entlassung Clarendon's._] In seinem Sturze riß er auch Clarendon mit
zu Boden. Am 7. Januar 1687 verkündete die Gazette der Bevölkerung von
London, daß das Schatzamt einer Commission zur Verwaltung übertragen
sei.
[_Tyrconnel Lordstellvertreter._] Am 8. Januar kam in Dublin eine
Depesche an, welche formell anzeigte, daß Tyrconnel in einem Monate die
Regierung von Irland übernehmen werde. Nicht ohne große Schwierigkeiten
hatte dieser Mann die zahlreichen Hindernisse bewältigen können, die
seinem Ehrgeize im Wege standen. Es war wohl bekannt, daß die
Vernichtung der englischen Colonie in England das Ziel war, nach dem
sein Sinn strebte. Er hatte deshalb einige Bedenken des Königs zu
zerstreuen und den Widerstand nicht nur aller protestantischen
Mitglieder der Regierung sowie der gemäßigten und achtbaren Häupter des
Katholicismus, sondern selbst mehrerer Mitglieder der jesuitischen
Cabale zu besiegen.[204] Sunderland erschrak vor dem Gedanken an eine
religiöse, politische und sociale Revolution in Irland. Der Königin war
Tyrconnel persönlich zuwider. Powis wurde daher als der für das
Vicekönigthum am besten geeignete Mann betrachtet. Er war von erlauchter
Abkunft und ein aufrichtiger Katholik, galt aber bei alledem auch in den
Augen der aufrichtigsten Protestanten allgemein für einen braven Mann
und einen guten Engländer. Doch aller Widerstand zerschellte an
Tyrconnel's Energie und List. Er schmeichelte, tobte und bestach
unermüdlich. Petre's Beistand gewann er durch Schmeichelei; Sunderland
wurde durch Versprechungen und zugleich durch Drohungen mürbe gemacht.
Für seine Unterstützung wurde ein hoher Preis geboten, bestehend in
einer Leibrente von fünftausend Pfund auf die Staatseinkünfte Irlands,
ablösbar durch einmalige Bezahlung einer Summe von fünfzigtausend Pfund.
Würde dieses Anerbieten zurückgewiesen, so drohte Tyrconnel, es dem
Könige zu verrathen, daß der Lordpräsident einmal beim Freitagsdiner
Seine Majestät als einen Schwachkopf geschildert habe, der entweder
durch ein Weib oder durch einen Priester geleitet werden müsse.
Sunderland erklärte sich in Todesangst bereit, Tyrconnel das
militairische Obercommando, einen kolossalen Gehalt, kurz alles Mögliche
zu verschaffen, nur nicht das Vicekönigthum; aber jeder Vergleich wurde
verworfen, und er mußte nachgeben. Maria von Modena selbst blieb nicht
frei von dem Verdachte, daß sie sich habe bestechen lassen. Es existirte
in London eine berühmte Perlenschnur, die auf zehntausend Pfund
geschätzt wurde. Sie hatte dem Prinzen Ruprecht gehört, und dieser hatte
sie der Margarethe Hughes hinterlassen, einer Courtisane, die in den
letzten Jahren seines Lebens eine unbegrenzte Herrschaft über ihn
ausgeübt. Tyrconnel rühmte sich laut, daß er mit dieser Perlenschnur die
Unterstützung der Königin erkauft habe. Manche betrachteten jedoch diese
Geschichte als eine von Dick Talbot's Wahrheiten und hielten sie für
eben so unbegründet wie die Verleumdungen, welche er sechsundzwanzig
Jahre früher erfunden hatte, um den guten Ruf der Anna Hyde zu
untergraben. Den römisch-katholischen Höflingen gegenüber pflegte er von
der Unsicherheit ihrer Ämter, Titel und Einkünfte zu sprechen. Der König
könne morgen sterben und sie seien dann einer feindlichen Regierung und
einem feindlichen Pöbel preisgegeben; könnte man aber in Irland den
alten Glauben zur Herrschaft bringen und in jenem Lande das
protestantische Interesse vernichten, so hätten sie doch im schlimmsten
Falle ein Asyl, wohin sie sich zurückziehen und von wo aus sie mit
Vortheil entweder unterhandeln oder sich vertheidigen könnten. Ein
papistischer Priester wurde durch das Versprechen der Mitra von
Waterford gewonnen, um in St. James gegen die Ansiedelungsacte zu
predigen, und seine Predigt war nicht ohne Wirkung, wenn sie auch von
dem englischen Theile der Zuhörer mit Unwillen angehört würde. Der
Kampf, den in Jakob's Brust der Patriotismus eine Weile gegen die
Bigotterie zu bestehen gehabt hatte, war vorüber. »In Irland ist ein
Werk zu verrichten,« sagte er, »dem kein Engländer gewachsen ist.«[205]
Alle Hindernisse waren endlich beseitigt und im Februar 1687 begann
Tyrconnel mit der Macht und den Einkünften eines Lordlieutenants, aber
mit dem bescheideneren Titel eines Lordstellvertreters sein Geburtsland
zu regieren.
[Anmerkung 204: Bischof Malony sagt in einem Briefe an Bischof
Tyrrel: »Nie wird ein Katholik oder ein Engländer an Ihre
Wiedereinsetzung denken oder einen Schritt dazu thun oder
gestatten, daß der König einen Schritt dazu thut, sondern er wird
Sie in Ihrer bisherigen Lage und unter dem Joche Ihrer Feinde
lassen; ebensowenig wird ein Engländer, gleichviel ob Katholik
oder nicht, welchem Stande und Range er auch angehören möchte,
Anstand nehmen, dem geringsten eigenen Interesse in England ganz
Irland aufzuopfern, und lieber ganz Irland von Engländern irgend
welcher Religion, als von Irländern bewohnt sehen.«]
[Anmerkung 205: Den besten Aufschluß über diese Vorgänge geben die
Sheridan-Handschr.]
[_Besorgnisse der englischen Ansiedler in Irland._] Seine Ankunft
verbreitete Schrecken unter der ganzen englischen Bevölkerung. Ein
großer Theil der angesehensten Bewohner von Dublin, Gentlemen, Kaufleute
und Gewerbtreibende, begleiteten Clarendon über den St. Georgskanal oder
folgten ihm sehr bald nach. Es sollen binnen wenigen Tagen
fünfzehnhundert Familien ausgewandert sein. Der Schrecken war auch nicht
unbegründet. Das Werk, die Colonisten unter die Füße der Eingebornen zu
werfen, wurde eifrig betrieben. In kurzer Zeit war fast jeder
Geheimrath, Richter, Sheriff, Mayor, Alderman und Friedensrichter ein
Celte und Katholik. Bald schien Alles zu einer allgemeinen Wahl und zur
Zusammensetzung eines Unterhauses reif zu sein, das zur Aufhebung der
Ansiedlungsacte geneigt war.[206] Die, welche kurz zuvor die Herren der
Insel gewesen waren, klagten jetzt laut in ihrer Herzensangst, daß sie
zur Beute und zum Gespött ihrer Leibeigenen und ihres Gesindes geworden
wären, daß ungestraft Häuser angezündet und Vieh gestohlen würde, daß
die neuen Soldaten plündernd, schimpfend, schändend und verstümmelnd im
Lande umherstreiften und die Protestanten mit Betttüchern prellten oder
bei den Haaren aufknüpften und durchpeitschten, daß man sich vergebens
auf das Gesetz berufe, daß irische Richter, Sheriffs, Geschworne und
Zeugen sich alle verbunden hätten, um die irischen Verbrecher zu
schützen und daß selbst ohne eine Parlamentsacte der gesammte Grund und
Boden bald in andere Hände übergehen werde, indem bei jeder unter
Tyrconnel's Verwaltung erhobenen Ausweisungsklage für die Eingebornen
und gegen den Engländer entschieden worden sei.[207]
Während Clarendon's Aufenthalt in Dublin war das Geheimsiegel in den
Händen einer Commission gewesen. Seine Freunde hofften, daß er es bei
seiner Zurückkunft nach London wieder erhalten werde. Aber der König und
die jesuitische Cabale hatten sich vorgenommen, daß die Ungnade der Hyde
vollständig sein sollte. Lord Arundell von Wardour, ein Katholik,
erhielt das Geheimsiegel, Bellasyse, auch ein Katholik, wurde erster
Lord des Schatzes, und Dover, gleichfalls Katholik, erhielt einen Sitz
im Schatzamt. Die Ernennung eines zu Grunde gerichteten Spielers zu
einem solchen Posten würde allein schon hingereicht haben, um das
Publikum aufzubringen. Der ausschweifende Etherege, welcher damals als
englischer Gesandter in Regensburg lebte, konnte sich nicht enthalten,
mit einem höhnischen Lächeln die Hoffnung auszusprechen, daß sein alter
Zechbruder Dover das Geld des Königs fester halten werde als sein
eignes. Damit die Finanzen durch unfähige und unerfahrene Papisten nicht
zerrüttet werden möchten, wurde der dienstwillige, umsichtige und
verschwiegene Godolphin zum Schatzcommissar ernannt, blieb aber nach wie
vor Kammerherr der Königin.[208]
[Anmerkung 206: Sheridan-Handschr.; +Oldmixon's Memoirs of
Ireland+; +King's State of the Protestants of Ireland+, +chap. 3+;
+Apology for the Protestants of Ireland, 1689.+]
[Anmerkung 207: +Secret Consults of the Romish Party in Ireland+,
1690.]
[Anmerkung 208: +London Gazette+, +Jan. 6.+ und +March 14.+
1686/87; +Evelyn's Diary+, +March 10.+ Etherege's Brief an Dover
befindet sich im Britischen Museum.]
[_Eindruck des Sturzes der Hyde._] Die Entlassung der beiden Brüder
bildet eine wichtige Epoche in Jakob's Regierung. Von diesem Augenblicke
an war es klar, daß er in Wirklichkeit nicht Gewissensfreiheit für seine
eigenen Glaubensgenossen, sondern die Freiheit zur Verfolgung
Andersgläubiger wollte. Während er vorgab, die Religionseide zu
verabscheuen, hatte er selbst einen eingeführt. Er hatte gesagt, es sei
hart, es sei abscheulich, fähige und loyale Männer blos deshalb, weil
sie Katholiken seien, vom Staatsdienste auszuschließen, und jetzt
verabschiedete er selbst einen Schatzmeister, dessen Befähigung und
Loyalität er anerkannte, lediglich deshalb, weil er Protestant war. Man
sprach laut davon, daß eine allgemeine Proscription bevorstehe, und daß
jeder Staatsdiener sich werde darauf gefaßt machen müssen, entweder sein
Seelenheil zu verwirken, oder seine Stelle zu verlieren.[209] Wer konnte
in der That hoffen, da stehen zu bleiben, wo die Hyde gefallen waten?
Sie waren die Schwäger des Königs, die Oheime und natürlichen Vormunde
seiner Kinder, von früher Jugend auf seine Freunde, seine treuen
Anhänger in Unglück und Gefahr und seine gehorsamen Diener, seit er auf
dem Throne saß. Ihr einziges Verbrechen war ihre Religion und wegen
dieses Verbrechens waren sie entlassen worden. Man sah sich in großer
Angst nach Hülfe um und bald richteten sich Aller Blicke auf einen Mann,
den eine seltene Vereinigung von persönlichen Eigenschaften und
zufälligen Umständen zum Befreier bezeichnete.
[Anmerkung 209: +»Pare che gli animi sono inaspriti della voce che
corre per il popolo, d'esser cacciato il detto ministro per non
essere Cattolico perciò tirarsi al esterminio de' Protestanti.«+
-- Adda, 31. Dec. (10. Jan.) 1687.]
Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.
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