Daß diese lustige Geschichte unerschöpfliche Heiterkeit erregte, war sehr

begreiflich, und auch ich konnte der schelmischen Eugenie keinen Moment

zürnen, so sehr sie mich auch mitgenommen hatte. Verwundert war ich nur,

woher sie so manche kleinen Züge kannte, die sie selbst doch nicht mit

erlebt hatte, besonders diese Schlußscene; aber sie war ja ein pfiffiger

kleiner Schalk gewesen, so lange ich sie kannte, und der blieb sie ihr

Lebenlang, obwohl sie jetzt eine ganz vortreffliche Gattin und Mutter

geworden. Und das beste Herz schaute immer hinter dem Schelmgesicht

hervor, das sollte ich auch an diesem unvergeßlichen Tage erfahren.

Ihre Schalkhaftigkeit hatte sogar die würdige Tante Ulrike bewogen, mir

gemeinsam mit ihr ein ebenso kostbares als neckisches Hochzeitgeschenk zu

machen, welches Eugenie mir mit einem höchst launigen Gedichte überreichte.

Das Geschenk der Tante bestand in einem »Backfischchen«, wie sie sagte,

einem wunderschönen elastischen Armband in Gestalt eines goldenen Fisches,

der sich in den Schwanz beißt und dessen Augen von zwei köstlichen

Diamanten gebildet wurden. Eugenie brachte mir ebenfalls mein Ebenbild,

wie sie behauptete, nämlich ein »Gänseblümchen«. Es war dies eine kostbare

Broche, allerdings in Gestalt einer großen Gänseblume, deren Blumenkrone

jedoch von lauter kleinen Brillanten gebildet wurde, welche auf goldenen

Blättern ruhte.

Diesem ebenso geschmackvollen als kostbaren Geschenk fügte der kleine

Schelm noch eine zierliche Handarbeit hinzu und zwar -- ein Paar eben solch

hellblauseidener Pantöffelchen, als sie selbst einst bei ihrer Ankunft in

Tante's Hause an die Füße gezogen, und welche mir so vielerlei Stoff zur

Verwunderung und Aerger gegeben hatten. Außer diesen und zahllosen anderen

Geschenken, mit denen wir von allen Seiten erfreut wurden, erwähne ich nur

noch eines geschmackvollen Kissens, auf welches meine sanfte Marie einen

Strauß blauer Vergißmeinnicht gestickt hatte, und das als Unterlage diente

zu dem blühenden Myrthenkranze, den sie mir überreichte.

Wie schön die Stunden waren, an denen dieses grüne Reis am folgenden Tage

meine Stirn schmückte, das zu beschreiben bin ich nicht im Stande. Mein

Herz war so voll Dank und Rührung über all' das namenlose Glück, das Gott

mir bereitet, über all die Liebe, die mein Leben verschönte, daß ich für

die Außendinge und die äußeren Festlichkeiten dieses Tages wenig Sinn und

Gedanken übrig hatte. Es war, das könnt ihr glauben, eine rechte, echte,

große Landhochzeit, und was das heißen will, welche Verschwendung an

Blumenkränzen und Lichtern in Haus und Kirche, welche zahllosen beputzten

Dorfbewohner, welch' Glockengeläut und welcher Jubel, welche Fülle von

Kuchen und Getränken und Festessen, und endlich welch' fröhlicher Tanz

unter unseren Linden von Alt und Jung aus dem ganzen Dorfe; -- daß dies

alles zu einer echten Landhochzeit gehört, das weiß nur derjenige ganz zu

würdigen, der es einmal selbst mit erlebt hat.

Die frohe Kunde, daß unserem Hochzeitsfeste bald ein zweites folgen werde,

und zwar vom Pastor Baumhard und meiner besten Marie, erregte endlosen

Jubel; denn Bräutigam sowohl als Braut wurden von Allen, die sie kannten,

so allgemein verehrt und geliebt, wie wenig Menschen. Dieser schöne Bund

verherrlichte unser Fest noch um vieles, und nur schöne, harmonische

Klänge waren es, die in den Herzen aller derer nachtönten, welche demselben

beigewohnt.

Unter den Segenswünschen all' meiner Lieben schied ich, das Herz voll von

Wehmuth und Freude, noch an demselben Tage an der Seite meines Gatten von

dem geliebten Vaterhause, um einer anderen Heimath entgegen zu gehen.

In Braunschweig, wo Eugeniens Vater Minister geworden, hatte Theodor die

Stelle eines Regierungsrathes erhalten, und hier nun, in der Nähe meiner

verehrten Tante Ulrike, welche jetzt im Hause des Schwagers lebte, erblühte

mir das schönste Lebensglück, das einer Frau werden kann.

Und so nehme ich denn von euch Abschied, meine lieben Freundinnen, die ihr

mir freundlich folgtet durch die ernsten und frohen Tage meiner Jugend.

Möchte doch einer jeden von euch ein Glück werden, wie der gütige Gott es

mir schenkte; möchtet auch ihr einst froh und dankbar wie ich zurückblicken

können auf jene Zeit eurer Jugend, als auch ihr noch zu den Backfischchen

zähltet.

Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig.

[ Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. In dieser Transkription

werden _gesperrt_ gesetzte Schrift sowie Textanteile in =Antiqua-Schrift=

hervorgehoben (jedoch nicht "Dr." und römische Zahlen).

Eine ganzseitige Illustration am Buchanfang wurde hinter die Titelseite

verschoben.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich

uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "erwiderte" --

"erwiederte", "Goethe" -- "Göthe", "Schnurbart" -- "Schnurrbart",

"sechszehn" -- "sechzehn",

mit folgenden Ausnahmen,

Seite 18:

"." geändert in ","

(»Ohne Ueberschuh in solchem Wetter, Mädchen?«)

Seite 25:

"Wenig" geändert in "wenig"

(ich dich noch ein wenig zurecht stutzen werde)

Seite 57:

"durchzubrechen" geändert in "durchbrechen"

(schien den Damm seiner Schüchternheit zu durchbrechen)

Seite 58:

"ein" geändert in "eine"

(indem sie demselben eine leichte Verbeugung machte)

Seite 67:

"uud" geändert in "und"

(und sah ihr forschend in die Augen)

Seite 86:

"." eingefügt

(es war mir noch nie eingefallen.«)

Seite 88:

"«" eingefügt

(vierzehn Jahre und sieben Wochen?«)

Seite 107:

"verspach" geändert in "versprach"

(Das ergötzte sie sehr und sie versprach es.)

Seite 108:

"," geändert in "."

(kann sie niemals kommen. Du bist zehnmal besser daran)

Seite 134:

"überstig" geändert in "überstieg"

(Das überstieg denn doch endlich die Langmuth)

Seite 140:

"das" geändert in "daß"

(Nun erst sah ich, daß ein rothes Tuch)

Seite 145:

"nnd" geändert in "und"

(Eugenie war jetzt Feuer und Flamme)

Seite 149:

"«" eingefügt

(»Eine Vorstellung zu wohlthätigem Zwecke«,)

Seite 163:

"ägerlich" geändert in "ärgerlich"

(nie wurde er verstimmt oder ärgerlich)

Seite 163:

"Krig" geändert in "Krieg"

(was Gefühlsäußerungen ähnlich sah, den Krieg erklärt hatte)

Seite 196:

"wir" geändert in "mir"

(besonders das schöne Elsterthal gefiel mir ausnehmend)

Seite 203:

"dich" geändert in "dicht"

(Seite an Seite, dicht an einander gereiht)

Seite 205:

"malerischen" geändert in "malerisch"

(so verweile ich doch nur in jenen malerisch gelegenen Flecken)

Seite 206:

"welch" geändert in "welche"

(welche hiervon Vortheil ziehen)

Seite 208:

"war" geändert in "was"

(ihnen alles zu geben, was ich bei mir trug)

Seite 218:

"zu" geändert in "zur"

(kam aber nur eben zur rechten Zeit)]

Backfischchen's Leiden und Freuden: Eine Erzählung für junge Mädchen · 第 17 / 17 段