Katharina: Wart'! [Louka bleibt stehen.] Er wird diesen Weg nehmen
müssen,,, [Sie weist auf das Stallhoftor.] Sage Nicola, er soll ihm
seine Tasche hierher nachbringen. Vergiß das ja nicht!
Louka [erstaunt]: Seine Tasche?
Katharina: Ja, hierher, so schnell wie möglich. [Heftig]: Beeile
dich!
[Louka läuft in das Haus hinein.]
Katharina [reißt ihre Schürze ab und wirft sie hinter einen Busch,
dann nimmt sie den Präsentierteller und benützt ihn als Spiegel. Das
Resultat ist, daß sie das Tuch, das sie um den Kopf gebunden trägt,
der Schürze nachfolgen läßt. Dann bringt sie ihr Haar in Ordnung und
zieht ihr Kleid zurecht, um empfangsfähig auszusehen]: Nein, nein,
ist das ein Narr, in einem solchen Augenblick hereinzuplatzen!
Louka [erscheint an der Tür und meldet]: "Herr Hauptmann Bluntschli!"
[sie steht an der obersten Stufe, um ihn durchzulassen, bevor sie
wieder zurücktritt. Es ist tatsächlich der Held des nächtlichen
Abenteuers in Rainas Zimmer, jetzt aber sauber und schön abgebürstet,
in eleganter Uniform und außer Gefahr; jedoch immerhin zweifellos
derselbe Mann. Sobald Louka den Rücken gekehrt hat, wendet sich
Katharina heftig und dringend und in beschwörendem Ton an ihn.]
Katharina: Hauptmann Bluntschli, ich freue mich außerordentlich, Sie
wiederzusehen, aber Sie müssen dieses Haus sofort verlassen! [Er
blickt sie groß an]: Mein Mann ist eben mit meinem zukünftigen
Schwiegersohn zurückgekehrt. Noch wissen sie nichts; aber wenn sie
etwas erführen, die Folgen wären fürchterlich! Sie sind Ausländer,
Sie können unsere nationalen Gehässigkeiten nicht nachfühlen, aber
wir hassen die Serben noch immer. So ist beispielsweise bei meinem
Manne das einzige Resultat des Friedens, daß er sich wie ein Löwe
fühlt, dem man seine sichere Beute entrissen hat. Wenn er unser
Geheimnis erführe, er würde mir nie verzeihen, und sogar das Leben
meiner Tochter wäre in Gefahr. Wollen Sie, wie es sich für einen
Ehrenmann und Soldaten, der Sie sind, geziemt, dieses Haus sofort
verlassen, bevor mein Mann Sie hier finden kann?
Bluntschli [enttäuscht, aber gefaßt]: Augenblicklich, gnädige Frau!
Ich bin nur gekommen, um Ihnen zu danken und Ihnen den Rock
zurückzustellen, den Sie mir so freundlich geliehen haben. Wenn Sie
mir nur gestatten wollten, ihn aus meiner Reisetasche zu nehmen und
beim Hinausgehen Ihrem Diener einzuhändigen, so brauchte ich Sie
nicht länger zu belästigen. [Er macht kehrt, um in das Haus
zurückzugehen.]
Katharina [ihn am Arm fassend]: Oh, Sie dürfen nicht daran denken,
auf dem selben Weg zu gehen, wie Sie gekommen sind. [Ihn nach dem
Gitter der Stallungen führend]: Das ist der kürzeste Weg ins Freie.
Vielen Dank--es freut mich unendlich, daß ich Ihnen dienen konnte--,
leben Sie wohl!
Bluntschli: Aber meine Tasche?
Katharina: Sie wird Ihnen nachgeschickt werden, lassen Sie mir Ihre
Adresse da.
Bluntschli: Gut, dann erlauben Sie. [Er zieht seine
Visitenkartentasche, nimmt eine Karte heraus und will seine Adresse
aufschreiben, während Katharina vor Ungeduld vergeht. Als er ihr
eben die Karte einhändigt, kommt Petkoff ohne Hut aus dem Hause
gelaufen, in gastfreundlicher Aufregung. Sergius folgt ihm.]
Petkoff [die Treppe herunterlaufend]: Mein lieber Hauptmann
Bluntschli!