IV.

Judas Makkabäus.

+Sieg.+

Sieh’, in dem heiligen Grau’n des leis’aufdämmernden Morgens

Hebt sich mit tieferschütterndem Laut’ empor zu den Berghöh’n

Zions, Siegesgesang; Danklieder erschallen Jehova --

Ihm, dem Retter aus Jammer und Noth, dem Spender des Sieges,

Aus der unzähligen Schar, die, Palmenzweig’ in der Rechten

Tragend, den winkenden Höh’n im festlichen Zuge genaht ist.

Seliger Augenblick, wo es Israel wieder vergönnt war

Seinen erhabenen Tempel zu schau’n; zu verehren des Weltalls

Herrn an dem heiligen Ort, den er sich selber erkoren,

Und, befreit aus Feindes Gewalt, ihm zu dienen in Freiheit!

Doch wer ist’s, der all’ den Tausenden, schaltend, voranzieht?

Blühende Kraft, und Muth verkündet sein Gang; um den Nacken

Spielt ihm das bräunliche Haar, und die blitzenden Augen, im

Schlachtfeld

Sonst so furchtbar zu schau’n, umhüllt ihm jetzo der Thränen

Milderer Glanz, da er heut, nach kühnerrungenen Siegen,

Hier zu erneuerndem Dienste des Herrn sein jubelndes Volk führt.

Juda, der Makkabäer genannt, Mathathias Erzeugter,

Ist’s. In dem eisernen Felde besiegt, sank jüngst vor Bethoron,

Seinem gewaltigen Arm’ Antiochos muthiger Feldherr,

Seron. Aber der Fürst, der seinem Volk der Erlauchte

Hieß, entbrannte darob vor Zorn, und sandte der Krieger

Hunderttausend heran, die Lysias führt’ in die Feldschlacht:

Denn nach Persien zog Antiochos, daß er den Völkern

Dort entrisse ihr Silber und Gold, mit schrecklicher Willkühr.

Schon erlag unzähliges Volk dem Krieger Jehova’s,

Und Antiochos rief, da er solches vernommen, voll Wuth auf:

„Fluch auf mein Haupt, so ich nicht entsetzliche Rach’ an den Frevlern

Uebe durch Waffengewalt! In den Staub mit Jerusalems Mauern!

Würget den Greis und den Säugling zugleich mit der heulenden Mutter

So, daß Judäa ein Grab, und den Völkern der Erde zum Spott sey!“

Aber er kehrete selbst, verjagt von Persepolis Mauern,

G’en Ecbatana[1] heim, nachdem er mit räub’rischen Händen

Aus den Tempeln den Schatz und die gold’nen Gefäße hinwegnahm.

Als er nun, zur Rach’ entflammt, dem Lenker des Wagens

Eile geboth, da traf Jehova’s furchtbare Hand ihn

Mitten im öden Gefild’: er sank, von Schmerzen gefoltert,

Von dem Wagen herab, und lag, aufjammernd, im Staub dort.

Er, der stolzen Gemüths, ausstrecken wollte die Finger

Nach dem Mond’, und herab ihn zieh’n bei den goldenen Hörnern;

Der den Fluthen des Meers und dem lauterbrausenden Sturmwind

Fesseln sann, und den Felsenberg auf die schwebende Wagschal’

Legen wollte, verging nun hier vor Angst und Verzweiflung,

Die sein Innres zerriß (und mit Recht: denn Tausender Herzen

Hatt’ er zerrissen zuvor) und hauchte, verlassen, den Geist aus.

Lysias stand vor Emaum jetzt, entgegen den Scharen

Juda, des tapferen Horts von Israel, der in den Schlachtreih’n

Zeh’nmal tausend Streitende nur gegen Lysias hundert-

Tausende führt. Doch Juda sprach zu den Seinigen also:

„Bebt den Unzähligen nicht! Ihr denkt es, wie einst an dem Schilfmeer

Sein erlesenes Volk der Herr vor Pharao’s Scharen

Rettete. Laßt uns zu ihm erheben die Stimme! Des Bundes,

Den er mit Abraham schloß, und mit Isaak und Jakob erneute,

Wird Jehova, der Herr, gedenken, und schlagen die Gegner

Hier mit erhabener Macht, daß all’ auf Erden erkennen:

Er ist Israels rettender Hort auf immer und ewig.“

Und sie riefen zu Gott mit erbarmenflehender Hand auf.

Hinter dem fernen Gebirg versank die glühende Sonne

Leis’ im rosigen Duft’; in der Dämmerung schwanden die Fluren

Formlos hin, und die Nacht umhüllte den schweigenden Erdkreis.

Jetzo begann zu Gorgias so der oberste Feldherr:

„Hast du die Frechen geseh’n? Wie, solchen verächtlichen Kriegern,

Die nicht der Helm, nicht der Panzer bewehrt, und die nur die Lanzen

Schwingen im Kampf’, erlagen zuvor gewaltige Feldherrn

Selbst mit unendlicher Macht? Vielleicht, daß im tollen Vertrauen

Sie sich ergaben dem Schlaf’, und sorglos letzten im Lager,

Nicht des heimischen Ruhms, nicht der eigenen Ehre gedenkend?

Doch nicht also gescheh’ es mit mir: ich will sie zerschmettern.

Eile sogleich mit zwanzigtausend Erwählten im Thalweg

G’en Bethsura hinab, und stürze dich dort von dem Hügel,

Gleich dem regengeschwollenen Bach’, auf die Frevler herunter,

Daß sie, auftaumelnd vom Schlaf’, in dem all’verwirrenden Nachtgrau’n

Nicht mehr kämpfen, nicht flieh’n, und wehrlos fallen den Würgern.

Aber ich komme vom Lager heran, und verbreite des Sieges

Schrecknisse noch in der Nacht bis Jerusalems Mauern hinüber.“

Also der Stolz’ im Gemüth; doch anders die ewige Vorsicht!

Juda sah, mit den Seinen ausruhend im Feld, zu den Sternen,

Flehenden Blickes, empor: da kam urplötzlich ein Krieger,

Herrlich zu schau’n! in silbernstrahlender Rüstung ihm näher,

Both ihm die Recht’, und sprach: „Du sinnest im muthigen Herzen

Nächtlichen Ueberfall dem Feind’? Erhebe dich, siege!“

Sagt’ es, und eilt’ ihm voran. Doch Juda erkannte Jehova’s

Bothen mit Angst und mit Freude zugleich (nur ihm, dem Erbarmer,

War es bekannt, was er erst sann im Gemüth’) und er folgte

Schnell an der Spitze des Heer’s. Dem feindlichen Lager vorüber

Ging ihr Zug: sie erblickten nur leere Gezelt’ an den Wällen,

Die in gesonderten Reih’n, endlos, hinunter sich dehnten:

Denn schon rückte zuvor mit unzähligen Kriegern der Feldherr,

Lysias, stolz von ihm aus, und eilte die nächtliche Bahn fort.

Doch dem Ziele genaht, both jenem der strahlende Jüngling

Wieder die Recht’, und rief: „Nun schleudre den Brand in das Lager:

Dann erhebe dein Feldgeschrei, und erwürge die Gegner!“

Juda empörte zur Flamme die Gluth, und schleuderte, jauchzend:

„Groß ist Jehova der Herr!“ den Brand in die flatternden Zeltreih’n.

Siehe, da warf sich der nächtliche Wind von den nahen Gebirgen,

Brausend, herab, und breitete schnell die verzehrende Flamme

Ueber das Lager umher, daß hoch in das finstere Nachtgrau’n,

Flackernd die Rothe sich hob, und das Land erfüllte mit Schauder!

Juda rief zu dem Volk von Israel, drohenden Blick’s, so:

„Hört, daß Keiner aus euch ausstrecke die Rechte, des Feindes

Lager zu plündern, bedacht! Nur Eines -- sein schnelles Verderben,

Sucht in dem Kampf: nicht mißt ihr hinfort auch die Beute zum

Siegslohn!“

Sagt’ es, und ging, dem Feind’ in den Rücken zu fallen, entschlossen,

Eilend zurück’; ihm flog der Himmlische, flammenden Blick’s, vor.

Ha, schon wüthet der schreckliche Kampf; schon würgt in des Feindes

Reihen das Schwert: denn Judas tapfere Krieger entrissen

Selbes, in freudiger Hast, den Gefallenen. Angst und Entsetzen

Faßt das unzählige Heer, und betäubt vor allen, den Feldherrn

Lysias, der erst jüngst sich erhob, Jerusalems Mauern

Niederzuschmettern, und d’rauf zu verhandeln das Volk an den

Fremdling:

Denn von den Inseln des Meer’s und den üppigen Küsten der Hellas,

Nahte der Kaufmann schon, von Antiochos selber entbothen,

Fortzuschleppen für Gold und Silber des Landes Bewohner,

Daß sie, zerstreut umher, den Götzenverehrern sich einten.

Aber nicht lebte der Wüth’rich mehr, und der Führer des Heeres,

Den er gesandt, floh jetzt, aufstöhnend vor grimmigem Herzleid,

Fort aus des Todes Gefild, das sein’ Erschlag’nen bedeckten.

Juda sah nach dem himmlischen Freund’, ihm mit Thränen zu danken,

Hastig sich um; doch sieh’, er schwand aus den Augen des Helden,

Siegverheißenden Blick’s. Nur Gorgias droht’ in dem Feld noch.

Dämmernd schwebte der Morgen herauf: da kam auf den Berghöh’n

Dieser herbei mit dem Heer’, und sah, von Staunen gefesselt,

Liegen im Todesgefild die Tausende; rauchen des Lagers

Trümmer umher, und den Feind sein harren in dräuender Stellung.

Dennoch dünkt’ es ihn Schande, zu flieh’n: er hoffte, den Frechen

Niederzuwerfen, und kam in beflügelter Eile herüber.

Judas Erkorene sah’n vor sich die unendliche Mehrzahl:

Auch die blinkenden Harnisch’ und Helm’, und die schrecklichen Waffen

Schrecklicher noch in des Reiters Hand, der näher sein Streitroß

Tummelte, schon, und blickten jetzt nach dem Führer mit Angst hin.

Aber er hob die Hände sogleich zu dem Helfer im Himmel,

Flehend, empor, und rief dann laut vor den zagenden Männern:

„Ruhm sey dir, o Retter von Israel, der du den Riesen

Schlugst durch Davids Schwert, des Jünglings, und Jonathans Händen,

Dem sein Waffenträger gefolgt, das Lager Philisthims

Preis gabst! Laß Verwirrung und Angst in den Scharen der Gegner

Herrschen, und sie in der Macht unzähliger Krieger und Rosse

Finden ihr Jammergeschick -- unrühmlich mögen sie fallen:

Auf daß dir lobsinge dein Volk, und dich ehre durch Opfer,

Weil du errettet es hast von den Banden schmählicher Knechtschaft!“

Dann erhob er sein Lagergeschrei. Die Kriegesdrometen

Schmetterten; neugestärkt drang ihm die tapfere Schar nach,

Schwang die Waffen, und hieb mit gewaltiger Kraft in den Feind ein.

Wie der Schnitter im Saatenfeld die goldenen Aehren,

Sausend, zu Boden streckt mit der blinkenden Sense: so streckte

Juda, vor allen verderbend im Kampf, die feindlichen Haufen

Nieder. Doch wem folgt in dem Feld sein staunender Blick nach?

Eilt ein Verräther aus seinem Volk zu dem Feinde hinüber?

Schmerz ergreift ihm die Brust: Eleazar, Soura’s Erzeugter,

Ist’s, der jetzo allein, schnell bergend das Schwert in den Leibrock,

Durch des Feindes gesonderte Reih’n, im eilenden Lauf dringt.

Aber nicht sann er Verrath an den Seinen, der treffliche Jüngling:

Denn er sann nur ihr Heil und verderbende Rach’ an den Gegnern.

Er gewahrte zuvor, von dem felsigen Hügel, im Rückhalt

Noch Elephanten in dräuender Zahl, und einen vor allen

Herrlichgeschmückt mit dem goldenen Zaum’ und der Decke von Purpur,

Rings an dem Saum’ umher mit goldenen Quasten behangen.

Alsbald dacht’ er im Geist: der blutgierathmende Feldherr

Sey’s, den dieser im Thurm’ auf dem wölbenden Rücken heranträgt.

„Wie,“ so lispelt’ er jetzt, „Eleazar, der edele Greis, starb

Jüngst für Gott und das Vaterland in schrecklichen Qualen?

Ha, mir wurde sein Nahme zu Theil, den dankbar die Nachwelt

Unter die rühmlichsten zählt, und mich drängte sein Muth nicht zur

That hin?

Bald soll jenes gewaltige Thier, von Purpur und Goldschmuck

Glänzend, rasch durchbohrt von meinem geschwungenen Eisen,

Gleich dem stürzenden Felsengebirg, gestreckt in den Sandstaub

Liegen, und, mich zermalmend zuvor, den feindlichen Feldherrn

Tödten: auf daß sein Volk, verwirrt, an der Rettung verzweifle,

Und erliegt in dem Kampf Jehova’s tapferen Streitern!“

Sagt’ es, und eilte dahin. Nicht hemmt’ ihn der Feind -- in dem

Irrwahn:

Feig’ entriss’ er sich jetzt dem Gewürg’, und eile zum Rückhalt.

Doch schon stand er unter dem Bauch des riesigen Thieres,

Schwang sein Schwert, und durchstieß ihm die tödliche Stelle des

Magens,

Mit nachstürmender Hand und lautaufjauchzender Stimme.

Stöhnend sank es, und starb; der Boden erzitterte weithin;

Staub flog auf, und Gekrach des zerschmetterten Thurmes ertönte,

Da er in Trümmern bedeckte das Feld mit dreißig der Leichen.

Aber die edelste lag, zermalmt schon unter des Unthiers

Schrecklicher Last, und der Feind, dem Souras Erzeugter Verderben

Sann, trieb schon sein schnaubendes Roß zurück’ aus dem

Schlachtfeld:[2]

Denn nicht prahlete Gorgias mehr; der flüchtenden Krieger

Lautes Geschrei, und der Ross’ unbändiges Toben, erfüllte

Seinen Busen mit Angst: er floh, und die bebenden Scharen

Folgten ihm. Ha, nicht wagt’ er, zurück’ auf das blutige Schlachtfeld

Mehr zu wenden den Blick, wo er Tausende, sterbend, zurückließ,

Tausende schon entseelte das Schwert, und stets noch im Rücken

Seines geworfenen Heeres ersaust’! Er kehrt’ in die Heimath,

Schmachbedeckt, allein; sein Heer zerstob in den Ländern.

Aber der Sieger wandte sich nun, und sammelt’ im Lager

Reichlichen Schatz an Gold, an Silber, und Edelgeschmeid’ ein.

Juda sah’s mit Freud’ in der Brust; dann rief er den Brüdern,

Die in dem Schlachtfeld ihm, an der Seit’, als Tapfere, kämpften,

Simon, Jochanan, und Jonathan: „Zu Boden geschmettert

Liegt der Feind: nun laßt uns schnell mit den trefflichen Scharen

Eilen nach Zions Höh’n, und das Heiligthum reinen, und bauen,

Wie das Gesetz des Herrn es heischt, mit würdiger Sorgfalt.“

Jene gehorchten dem Wort’, und zogen mit eilenden Schritten

G’en Jerusalem. Als sie jetzt auf den ragenden Höhen

Zions, verödet den Tempel des Herrn, entweihet den Altar,

Auch die Thore verbrannt, und vor diesen im räumigen Vorhof

Gras und Disteln ersah’n, und im Schatten des üppigen Dornstrauchs

Wandelten: da zerrissen sie all’ an der Brust sich die Kleider,

Bebend vor innigem Schmerz; bestreuten mit Asche die Scheitel,

Lagen im Staub’, und weineten laut zu Jehova, dem Herrn, auf.

Doch die Posaun’ erscholl auf Judas Wink von den Höhen

Zions, wie vor dem Jubeljahr’,[3] und in freudiger Sehnsucht

Strömte die Menge heran. Er wählt’ untad’lige Priester

Vor dem Herrn zum Dienste des Heiligthums. Siehe, da reinten

Sie’s von der grau’nerregenden Spur der Götzenverehrung;

Trugen den Opferaltar hinaus, und erbauten den neuen:

Nach dem Gesetz zwölf unbehauene Steine sich wählend!

Bald war Alles und Jedes erneut in dem Tempel Jehova’s:

Denn sie schafften die Lad’, und den goldenen Leuchter, und

Schautisch --

Auch den Rauchaltar mit emsiger Liebe zur Stelle.

Schon erhob sich der Rauch mit lieblichem Dufte vom Altar;

Schon erhellte das Licht des siebenarmigen Leuchters

Wieder die wölbenden Hallen umher; die Brote des Opfers

Lagen, geschichtet zur Schau, auf dem goldnen Tische, zur Rechten;

Auch der wogende Vorhang schied das Heiligthum wieder,

Wie zuvor, und es drehten sich, hell, auf den Angeln die Thüren.

Groß war Israels Wonn’ an dem Tag’, und unendlich sein Jubel.

Jetzo kamen sie all’ im Dämmerlichte des Morgens

Nach dem heiligen Berge herauf. Dem Getöne der Harfen,

Cymbelklang’, und dem Schall der eh’rnen Posaune vereinte

Sich des unzähligen Volk’s Dankruf zu Jehova, dem Retter

Von Tyrannen-Gewalt, und der Schmach entsetzlicher Knechtschaft:

Denn nun sollten die Priester des Herrn einweihen den Tempel

Nach dem Gesetz’, an den Hörnern des Brandaltares von Opfern

Sprengend das Blut, und das Volk acht Tage, von einem zum andern,

Feiern die Tempelweih’ in brausenden Jubelgesängen.

Also geschah’s. An jedem erhob sich das Volk nach des Berges

Heiligthum; lag auf dem Antlitz dort, und dankte Jehova

Laut in dem Lied: „Denn gütig ist Er, und seiner Erbarmung

Ist kein Ziel!“[4] im Freudengetöne der Cymbel und Harfen.

Als nun so der Tempel erneut, und gefeiert das Fest war,

Da stand Judas auf, und begann vor den horchenden Scharen:

„Jegliches sieh’st du nun, Volk Israel, dir von Jehova,

Deinem Erbarmer, gewährt, was Moses, der göttliche Seher,

Sang in dem Lied: „der Eine verjagte die tausend’, und zehnmal-

Tausende floh’n vor Zween!“[5] Nun schmücke mit goldenen Kränzen

Seines geheiligten Tempels Thor’, und erbeuteten Schilden

Seine Zinnen umher: er gab den herrlichsten Sieg dir.

Zwar erhebt sich von neuem der Feind: ein Kämpfen und Streiten

Ist auf Erden das Los des Sterblichen. Tief in dem Herzen

Ahn’ ich es schon: auch ich erliege dereinst in der Freiheit

Heiligem Kampf; doch sorge nicht: dich errettet Jehova’s

Arm aus jeglicher Noth, wenn du dem beschworenen Bund treu,

Wandelst nach seinem Gesetz’, und nicht Götzen dienest im Unsinn.

Ha, dich werden im Feld Mathathias Erzeugte, die Brüder:

Simon, Jochanan, und Jonathan dann, mit gewaltiger Rechten

Führen zum Sieg! Zum Freundschaftsbund erkiesen der Völker

Mächtigste dich.[6] Du wirst nur eigenen Herrschern gehorchen:

Denn nicht solle von Juda’s Stamm der Zepter genommen

Werden hinfort, bis Er[7] -- der langverheißene Führer,

Kommt; neu gründet sein Reich, und sein Volk errettet von

Knechtschaft,

Von Verderben, und Tod. Im Segen erblühe sein Reich dir!“

Sagt’ es, und ging. Mit tieferschütterter Seele zerstreute

Dann sich das Volk, und pries den Allerbarmer, Jehova,

Der ihm aus Feindesgewalt durch seinen erlesenen Diener,

Juda, die Freiheit gab; sein Heiligthum wieder auf Zions

Höhen erhob, und ihm Segen verhieß noch in spätester Zukunft.

O, gekommen ist Er, der langverheißene Führer

Seines, voll Huld, aus allen Geschlechtern und Stämmen auf Erden

Ringsumher erlesenen Volk’s, und selber geleitet

Er das unzählige nun, beglückt, zu dem schöneren Tempel --

Seiner Kirch’ allhier, die, aus lebenden Steinen erbauet,

Sich g’en Himmel erhebt! Fortwüthen gewaltige Gegner

Wider die heilige; doch, umsonst. Auf den Felsen gegründet

Ward sie von ihm, und die Pforten der Höll’, aussendend die Scharen

Ihrer Bekämpfer, obsiegen ihr nicht. In des Himmels Triumphlied

Wandelt die _siegende_ hin; die _läuternde_ ruht in der Hoffnung

Mildem Strahl’, und die kämpfend’ umfaßt mit gewaltigen Armen

(Stark in dem Herrn allein) die unzähligen Völker hienieden.[8]

Also umschlingt ein Kranz die verbundenen _Drei_, und es schallet

Anbethung, Lob, und Preis, für immer fort in der _Einen_,

Ihm, dem Erretter von Sünd’ und Tod -- dem ewigen Mittler,

Der uns im Mutterschooß der heiligen Kirche den _Sieg_ beut!

Perlen der heiligen Vorzeit Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (3/3) · 第 14 / 38 题