Anna Dmitrijewna, Fürst Abreskow, Viktor, welcher eintritt, seiner
Mutter die Hand küßt und den Fürsten Abreskow begrüßt.
_Viktor_: Mama, ich bin nur hergekommen, um Ihnen zu sagen, daß
Jelisaweta Andrejewna sogleich hier sein wird; und ich bitte und
beschwöre Sie nur um eines: wenn Sie immer noch gegen meine Heirat
sind ...
_Anna Dmitrijewna_ ($unterbricht ihn$): Selbstverständlich bin ich
immer noch dagegen.
_Viktor_ ($fährt mit finsterer Miene fort$) ... so bitte und beschwöre
ich Sie nur um eines: reden Sie nicht von Ihrer Abneigung, sprechen Sie
es nicht aus, daß Sie Ihre Zustimmung verweigern!
_Anna Dmitrijewna_: Ich meine, daß wir überhaupt nicht von etwas
Derartigem reden werden. Ich wenigstens werde nicht davon anfangen.
_Viktor_: Und sie noch weniger. Mein Wunsch war nur, daß Sie sie kennen
lernen möchten.
_Anna Dmitrijewna_: Ich verstehe nur eines nicht: wie kannst du deinen
Wunsch, Frau Protasowa zu Lebzeiten ihres Mannes zu heiraten, mit
deiner religiösen Überzeugung vereinigen, daß eine Ehescheidung gegen
die Lehre des Christentums ist?
_Viktor_: Mama, Sie verfahren grausam mit mir! Sind wir alle denn so
unfehlbar, daß wir von unseren Grundsätzen nie abgehen dürften, obwohl
doch das Leben ein so kompliziertes Geflecht ist? Mama, warum sind Sie
gegen mich so grausam?
_Anna Dmitrijewna_: Ich liebe dich und will dein Glück.
_Viktor_ ($zu Abreskow$): Sergei Dmitrijewitsch!
_Fürst Abreskow_: Selbstverständlich wollen Sie sein Glück; aber
uns mit unseren grauen Haaren wird es schon schwer, die Jugend zu
verstehen. Und besonders schwer ist das für eine Mutter, die sich an
den Gedanken gewöhnt hat, das Glück des Sohnes müsse ihren eigenen
Vorstellungen entsprechen. Alle Frauen sind von dieser Art.
_Anna Dmitrijewna_: Nun ja, da haben wirs! Alle sind gegen mich.
Natürlich kannst du es tun; =vous êtes majeur= ... aber du machst mich
dadurch unglücklich.
_Viktor_: Ich erkenne Sie gar nicht wieder. Das ist mehr als grausam.
_Fürst Abreskow_ ($zu Viktor$): Hör auf, Viktor. Die Mama redet immer
schlechter, als sie handelt.
_Anna Dmitrijewna_: Ich werde zu ihr sagen, was ich denke und empfinde,
und werde es zu ihr sagen, ohne sie zu kränken.
_Fürst Abreskow_: Davon bin ich überzeugt.