Der Fremde stand ohne weiteres auf, dem Rufe Folge zu leiste

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Herrn

Mahlhuber's Reiseabenteuer.

Erzählung

von

Friedrich Gerstäcker

Leipzig:

F. A. Brockhaus.

1857.

Der Verfasser behält sich das Recht der Uebersetzung

ins Englische und Französische vor.

Inhaltsverzeichniß.

Seite

1. Der Commerzienrath 1

2. Die Vorbereitungen zur Reise 7

3. Erstes Abenteuer 12

4. Das Posthaus und die Mamsell 25

5. Das grüne Zimmer 32

6. Die verhängißvollen Schuhe 47

7. Die Nichte 64

8. Der Ueberfall 71

9. Die Gesellschaft im Hirsch 82

10. Der Schlafkamerad 90

11. Die Geschichte von dem Scheusal 103

12. Sind Sie Herr Mahlhuber? 116

13. Die Flucht 124

14. Wieder unterwegs 128

15. Die Heimkehr 137

1.

+Der Commerzienrath.+

In einem gemüthlichen Städtchen Baierns -- und alle Städte und Städtchen

Deutschlands sollten eigentlich den Gesetzen nach gemüthlich sein --

lebte still und zurückgezogen der Held unserer Geschichte.

Herr Hieronymus Mahlhuber war ein anspruchloser Mann, der sich schon

seit länger als funfzehn Jahren mit dem Titel eines Commerzienraths und

im Besitze eines Ludwigskreuzes nach Gidelsbach zurückgezogen hatte und

hier mit einer alten Haushälterin still und ruhig seine Tage verlebte.

Was er einmal früher gethan, den Titel wie den Orden zu bekommen, hat

man nie erfahren. Manche, und besonders die äußerste Linke in Gidelsbach

(der Müller und der Bader), wollten behaupten, er hätte Beides bekommen,

weil er nichts gethan, aber da sich das nicht denken ließ, so fand es

auch keinen Eingang bei dem denkenden Theile der Bürgerschaft. Die

Einwohner von Gidelsbach sahen den kleinen wohlbeleibten ältlichen Herrn

sogar mit einer soviel größern Ehrfurcht und Achtung an, weil eben über

seinen Verdiensten ein gewisses geheimnißvolles Dunkel lag, und zu

diesen gehörte jedenfalls und unbestritten, daß er nur selten davon

sprach.

Von etwas sprach er aber, das übrigens auch ein besonderes Interesse

für ihn haben mochte, da es ihm am nächsten stand, und das war seine

Leber, die er, ob gegründet oder ungegründet, in den Verdacht gebracht

hatte, daß sie drei Zoll zu groß sei und in ihrer Anschwellung darauf

hinarbeite ihm den Magen abzustoßen.

Die beiden Aerzte im Städtchen waren darüber, wie sich das auch nicht

anders erwarten ließ, durchaus entgegengesetzter Meinung, wodurch der

eine, der eine derartige Krankheit vollkommen ableugnete und das Leiden

zuerst als eine Indigestion und nachher für alberne Einbildung erklärte,

einen sehr guten Kunden verlor, und der andere, der durch Klopfen und

Horchen an Brusthöhle, Rippen, Schultern und allen andern Körpertheilen

des Commerzienraths allerdings einige jedenfalls zu berücksichtigende

und bedenkliche Symptome einer möglichen rothen oder gelben Hypertrophie

oder einer speckartigen Entartung der Leber gefunden haben wollte, ihn

gewann.

Herr Commerzienrath Mahlhuber war sehr besorgt um sein Leben im

Allgemeinen wie um seine Leber im Besondern, und das muß ihn

entschuldigen, wenn er mit dieser angeblichen unnatürlichen Vergrößerung

derselben auch eine früher gehabte, leicht und glücklich operirte

Balggeschwulst oben auf dem Kopfe in Verbindung brachte. Er hatte

eine natürliche Scheu vor allen derartigen Dingen, und die sonst ganz

unschuldige Geschwulst war ihm als das Entsetzlichste erschienen, was

sich an dem menschlichen Körper nur überhaupt bilden konnte, da es, in

unmittelbarer Nähe mit dem Gehirn, in seinen Folgen unberechenbar sein

mußte.

Bei weiter gar keiner Beschäftigung als eben nur der, sein ihm äußerst

kostbares Leben zu erhalten, malte er sich die Entwickelung solcher

Leiden mit den lebendigsten Farben aus, und war endlich zu dem Resultat

gekommen, daß eine Vereinigung der Balggeschwulst-Nerven mit der Leber

keineswegs zu den Unmöglichkeiten gehöre, ja daß oben sogar auf dem

Kopfe, trotz der vollkommen geheilten Narbe, ein ähnlicher Schaden

wieder ausbrechen und krebsartige Folgen mit sich führen könne.

Doctor Mittelweile that sein Möglichstes, ihm derartige Ideen auszureden

und ihm zu beweisen, daß er ebenso leicht einen Krebs an der äußersten

Nasenspitze wie an der vernarbten und vollkommen geheilten und von ihm

selbst operirten Geschwulst erwarten dürfe; Doctor Märzhammer aber, sein

früherer Arzt, machte sich ein Vergnügen daraus unter der Hand, wo er

wußte, daß es dem Commerzienrath zu Ohren kommen mußte, zu verbreiten,

»die Naht könnte im Innern noch einmal eitern«.

Doctor Mittelweile, der vergebens gegen solchen Unsinn ankämpfte und

täglich die alten Geschichten und Klagen mit dem vollkommen gesunden

Manne durchzuarbeiten hatte, wußte endlich keinen andern Rath als ihn

auf Reisen zu schicken, weniger in ein bestimmtes Bad zu gehen, als nur

einmal einen Monat in der Welt umherzufahren. Sein Patient brauchte

Zerstreuung, und die konnte er in dem mit der Welt in fast gar keiner

Verbindung stehenden Gidelsbach nimmermehr finden. Er war hier versauert

und eingetrocknet und mußte hinaus an die frische Luft. Auch für die

Leber prophezeite er ihm dabei die segensreichsten Folgen, da nichts ein

unnatürliches Wachsen der Leber, wie man das ja auch an den Gänsen sehe,

so befördere, wie Unthätigkeit und gehemmte Bewegung.

Doctor Mittelweile hatte nun aber mit einer andern Schwierigkeit

zu kämpfen, mit dem vor allem die Ruhe liebenden Temperament des

Patienten. »Nur keine Aufregung! -- nur keine Uebereilung!« wurden seine

Wahlsprüche, und wenn er irgendetwas auf der Welt, außer Demokraten,

haßte, so waren es Abenteuer, zu denen er selbst die unschuldigsten

Fälle rechnete, sobald sie ihn nur aus dem gewöhnlichen Gleise seines

stillen behaglichen Lebens hinausbrachten. Mußte er da nicht eine Reise

als eine Kette von Abenteuern betrachten, und hätte er sich je selber

freiwillig dazu entschließen können? -- Nimmermehr.

Es gab nur Einen Gegenstand -- wie Doctor Mittelweile recht gut wußte --

in der weiten Gotteswelt, der ihn endlich wirklich zu einem solchen

verzweifelten Entschlusse treiben konnte, und der war -- eben die Leber.

Hinter diese steckte sich der Doctor, und die Symptome wurden denn auch

bald so bedenklicher Art, daß der Commerzienrath in seinem »baumfesten«

Entschlusse, wie er ihn nannte, wirklich wankend gemacht wurde und die

Möglichkeit zuzugeben anfing, daß er doch am Ende reisen könne.

»Es gibt nur zwei Wege für Sie«, hatte der Doctor, dem die Geschichte

nachgerade anfing langweilig zu werden, am Ende einer langen Rede einmal

zu ihm gesagt. »Sie müssen sich in einen Wagen setzen, oder Sie werden

in einen gesetzt, oder vielmehr gelegt nach unsern jetzigen christlichen

Begriffen. Außerdem weiß ich noch nicht einmal ob das allein für Sie

hinreichend sein wird, denn das dumme Zeug, was Sie sich von der

"umwundenen Naht" haben in den Kopf setzen lassen (und ich kann mir

recht gut denken woher es kommt), wird auch die Reise nicht ganz mit der

Wurzel ausrotten, dazu gehört schon eine Radicalcur.«

»Noch etwas Schlimmeres als eine Reise?«

»Schlimmeres? -- ja und nein, wie Sie wollen.«

»Und das wäre?«

»Sie müssen heirathen.«

»Heirathen?« rief der Commerzienrath, mit einem Satze aus seinem

Lehnstuhl hinausspringend und einen scheuen Blick nach der Thür werfend.

Wenn Dorothee das Wort gehört hätte!

»Heirathen«, bestätigte aber der Doctor, der selbst zum ersten male

an einen solchen Ausweg gedacht und nun that, als ob er sich das Für

und Wider schon monatelang mit allen Gründen und Hindernissen überlegt

und die Eröffnung nicht länger auf dem Herzen hätte behalten können.

»Heirathen«, wiederholte er noch einmal, und nahm eine langsame

bedächtige Prise. »Und je eher Sie sich dazu entschließen, desto besser

für Sie. Viel Zeit haben sie überhaupt nicht mehr damit.«

»Unsinn!« sagte der Commerzienrath, der sich von dem ersten Schreck

erholt hatte, und wieder in seinen Stuhl sank, »heirathen? Fragen Sie

einmal meine Dorothee, was die dazu sagen würde.«

»Dorothee?« rief der Doctor unwillig und verächtlich mit dem Kopfe

schüttelnd, »Dorothee! -- Was geht uns Ihre Dorothee an, wenn es sich um

Ihre lebenslängliche Behaglichkeit und Gesundheit handelt?«

»Behaglichkeit? -- Ja das kann ich mir denken«, sagte der

Commerzienrath. »Daß ich die Hölle im Hause hätte? -- Nein, Doctor,

meine Leber will ich Ihnen anvertrauen, aber meinen Hausfrieden nicht.

Wenn es denn nun einmal nicht anders sein kann, so will ich reisen --

meinetwegen; ich gehe so und so zugrunde; aber wie? -- wohin? -- womit?

-- wie weit?«

»Sie müssen vor allen Dingen fahren«, sagte der Doctor rasch, und klug

genug, sein zweites Mittel für den Augenblick nicht mit Gewalt erpressen

zu wollen. »Zeit bricht Rosen, und wenn Sie sich hier morgen früh auf

die Post setzen, können Sie übermorgen mit dem Sechs-Uhr-Zuge die Wahl

zwischen den Weltgegenden haben, die Sie besuchen wollen.«

»Eisenbahnen!« seufzte der Commerzienrath. »Ich kenne kein

unbehaglicheres Gefühl auf der Welt, eine Operation ausgenommen, als

sich auf eine Eisenbahn zu setzen. Die unerwarteten Fälle, die da

vorkommen: Zusammenrennen der Locomotiven, Platzen der Kessel,

Einschneien der Züge --«

»Wir sind ja mitten im Sommer.«

»Nun ja, aber alle derartigen Aufregungen, die junge leichtsinnige

Menschenbilder Abenteuer nennen, sind mir in innerster Seele verhaßt,

und wenn Sie sich dadurch eine Heilung meiner Krankheit versprechen,

haben Sie vorbeigeschossen. Ich fürchte diese werden meinen Zustand

eher, wenn das überhaupt möglich ist, verschlimmern.«

»Lieber Commerzienrath«, beruhigte ihn der Doctor, »Sie haben in unserer

Zeit auf einer Eisenbahn nicht mehr Abenteuer zu fürchten wie oben auf

dem Kanzleigericht; es geht Alles seine trockene, eingefahrene,

pedantische Bahn. Wenn Sie den Zug nicht versäumen, brauchen Sie nicht

zu glauben, daß Ihnen irgendetwas Außergewöhnliches passirt.«

»Also morgen!« stöhnte der Commerzienrath, und

»Gott sei Dank!« sagte Doctor Mittelweile mit einem tiefen Seufzer, als

er die Treppe hinabstieg; »haben wir ihn doch erst einmal so weit.«

2.

+Die Vorbereitungen zur Reise.+

Der Tag war ein geschäftsreicher im Mahlhuber'schen Hause, denn es galt

einen Menschen zur Reise herzurichten, der die Welt, wie diese von ihm

nichts wußte, fast ganz vergessen hatte und von seinen Bequemlichkeiten,

die er alle hinter sich lassen sollte, so unzertrennlich zu sein schien,

daß sie ihm ebenso viele nothwendige und fast unerlaßliche Bedürfnisse

geworden waren.

Frau Dorothee, die sechsundfunfzigjährige Haushälterin, wollte sich

aber fast noch weniger hineinfinden als ihr Herr; sie schimpfte auf den

Doctor, der, wenn er Ferien haben wollte, selber verreisen und nicht

ihren armen Herrn »in Wind und Wetter« hinausschicken sollte, und

weigerte sich im Anfange hartnäckig, auch nur einen Finger zu rühren,

ihn »in sein Unglück« selber mit hineinstoßen zu helfen. Erst als sie

sah, daß all ihr Protestiren erfolglos blieb, erklärte sie plötzlich:

»in dem Falle sei es ihre Pflicht« selber mitzufahren, den armen Herrn

nicht ohne eine zuverlässige Stütze den Weltstürmen preiszugeben, und

als auch das nicht angenommen wurde, wollte sie wenigstens einen

Bedienten durchsetzen, den sie als unausweichbare Bedingung ihrer

Einwilligung zu einem so tollkühnen, ungerechtfertigten Unternehmen

stellte.

Dieser Bediente war ein Vetter von ihr, den sie auch ohne weiteres

bestellte, um gleich beim Packen hülfreiche Hand zu leisten. Aber

selbst der Vetter fand keine Gnade vor des Commerzienraths Augen. Herr

Mahlhuber war nun einmal fest entschlossen allein zu reisen, und --

hatte dabei auch seine ganz besondern Gründe. Sollte er sich einen

Menschen aufhängen, der nachher jede Bewegung, die er da draußen

gemacht, jede Ungeschicklichkeit in den fremden Sitten (und er war klug

genug solche zu fürchten) genau und ausführlich mit nach Gidelsbach

zurückbrachte und den Leuten in der Schenke Stoff zum Lachen und

Maulaufreißen gab? Nein, er wollte sich still in einen Postwagen setzen

und fahren, wohin? blieb sich gleich, ja, wenn es unbemerkt geschehen

konnte, vielleicht eine zeitlang herüber und hinüber, von Station zu

Station, um nur nicht zu weit fortzukommen; doch das fand sich Alles

später und er konnte darüber schalten und walten wie es ihm gut dünkte

-- wenn er nur allein war.

Auch incognito wollte er reisen. -- Mahlhuber! Der Name ging schon, es

gab verschiedene Mahlhuber, in Gidelsbach sowol wie in der Umgegend,

aber den Commerzienrath mußte er verheimlichen. Schlechtweg Mahlhuber,

mit dem Ludwigskreuz jedoch, denn das durfte er nicht aus dem Knopfloch

lassen, es hätte das als eine Misachtung angesehen werden können; aber

er trug es am Frack und den Oberrock darüberhin, sodaß es wenigstens

nicht unnöthig auffiel.

Eine Schwierigkeit zeigte sich aber doch noch. Der Commerzienrath hatte

Dorothee's wie ihres Vetters Begleitung parirt, wie überhaupt in der

ganzen Verhandlung eine sonst nicht so stark an ihm hervortretende

Willensfestigkeit gezeigt; Eins aber trug die wackere und um ihren Herrn

wirklich besorgte Wirthschafterin noch auf dem Herzen, auf dem sie

bestand und gegen das Herr Mahlhuber vergebens ankämpfte. Dieser sollte

nämlich, seiner größern Sicherheit wegen, ein paar alte Pistolen, die

bisjetzt friedlich, jeden Sonnabend sauber abgescheuert, über seinem

Bette gehangen hatten, mit auf die Reise nehmen, etwaigen Gefahren

und Abenteuern, die gar nicht ausbleiben könnten, zu begegnen, und all

sein Sträuben dagegen und Aergerlichwerden half ihm nichts. Vergebens

erklärte er Dorothee, daß er keinen Fuß vor die Thür setzen würde,

sobald er die geringste Ahnung von einem in jetziger Art zu reisen ganz

unmöglichen Abenteuer habe, und Räuber gäbe es nicht mehr, dank der

wohlthuenden Menge von Gendarmen und Polizeidienern überall, wohin ein

ruhiger Staatsbürger seine Bahn lenken möge; wozu also sich mit einer

höchst unbequemen Waffe schleppen, die, wenn nicht geladen, vollkommen

nutzlos und beschwerlich, wenn aber geladen, sogar für den Träger selber

gefährlich werden könnte? Dorothee gab nicht nach; sie hatte erst

kürzlich eine furchtbare Geschichte gelesen, daß ein Reisender durch

einen rechtzeitigen Pistolenschuß sein eigenes Leben wie das seiner

Reisegefährtin, eines jungen unschuldigen Mädchens, gerettet habe, und

versicherte sich Alles gefallen lassen zu wollen, wenn der Herr

Commerzienrath nur eben in der einen Sache nachgeben würde.

Beide kamen zuletzt zu einem Compromiß, wonach sich der Commerzienrath

Mahlhuber erbot und verpflichtete, ein Pistol -- das andere sollte

unangefochten an der Wand hängen bleiben -- ungeladen in die Tasche zu

stecken und mitzunehmen. Er wollte es erst in den Koffer thun, und

Dorothee wollte es geladen haben; zuletzt vereinigten sie sich zu der

angegebenen Art, und die Sache schien abgemacht.

Wenn aber der Commerzienrath die Sache solcherart für erledigt hielt,

hatte Dorothee doch eine andere Ansicht davon und nicht umsonst ihren

Vetter bei der Hand, den geliebten Herrn, selbst gegen seinen Willen,

mit jeder nöthigen Vorsicht zu schützen und zu bewahren. Balthasar

bekam, mit zwei und einem halben Silbergroschen eine ordentliche Ladung

Pulver und Blei zu besorgen, das Pistol überliefert und kehrte nach

einer Viertelstunde etwa völlig befriedigt damit zurück.

»Und hast du es wirklich ordentlich geladen, daß es auch losgeht, wenn

das schlechte Gesindel den Wagen anhalten sollte?« sagte Dorothee und

besah mistrauisch den Lauf der kleinen blankpolirten Waffe.

»S'ist eine kleine Handvoll Pulver d'rin«, versicherte der Bursche, »und

eine kleine Untertasse voll Schroot -- wer das auf den Pelz kriegt, kann

sich gratuliren.«

»Aber da oben ging immer noch etwas hinein«, sagte die Alte, mistrauisch

den kurzen, nicht ganz gefüllten Lauf betrachtend, halb und halb mit dem

Verdacht, daß der Vetter die zwei und einen halben Silbergroschen nicht

ganz verwandt haben könnte für die Ladung.

»Wenn's zu weit nach vorn käme, sähe er's«, sagte der Vetter, und

Dorothee begriff daß er Recht hätte. Das Pistol, ein altes Familienstück

und noch mit Feuerschloß, wurde dann vorsichtig wieder an seine Stelle

neben den Regenschirm, den Stock und das Sitzkissen gelegt, und die

würdige Frau fühlte sich jetzt wohl und beruhigt in dem Gedanken, Alles

gethan zu haben, was in ihren Kräften stand, sich später keine Vorwürfe

und Gewissensbisse machen zu dürfen.

Da übrigens der Herr Commerzienrath nur höchstens 14 Tage auszubleiben

gedachte, hielt man auch drei Koffer mit Hutschachtel und Reisesack

für völlig genügend, alle die nothwendigsten Gegenstände wenigstens

mitzuführen, die nun einmal unbedingt zu Leben und anständiger Kleidung

gehörten. Um 10 Uhr Abends, bis zu welcher Zeit er jedesmal zu Bette

ging, mochte er sich befinden wo er wollte, war Alles beendet, am

nächsten Morgen 11 Uhr mit der königlichen Eilpost für so und soviel

Thaler Fahrgebühren und etwa das Dreifache an Ueberfracht nach

Burgkundstadt befördert zu werden, von wo er sich entschlossen hatte die

Eisenbahn zu benutzen, um nach München zu gelangen.

Nun war die Post dazu bestimmt, sich am nächsten Morgen dem ersten Zuge

nach der Hauptstadt des Landes anzuschließen, aber Herr Mahlhuber hätte

dann die Nacht durch fahren müssen, etwas was ihm nicht im Traume

einfiel; er wollte seine Gesundheit nicht muthwillig zum Fenster

hinauswerfen. So sich genau erkundigend, welche Station der Postwagen

etwa um 9 Uhr Abends erreichen würde, dort ein gehöriges Abendbrot zu

bekommen und zu übernachten, nahm er bis dorthin Passage, und als der

Eilwagen von -- kommend, zehn Minuten vor elf etwa unter dem

schmetternden »Ei du lieber Augustin« des Postillons durch Gidelsbach

rasselte, die Pferde zu wechseln und etwaigen Passagieren Gelegenheit

zu geben eine Tasse sehr dünne Bouillon zu trinken, ging Herr

Commerzienrath Mahlhuber, von seinem ganzen Gesinde wie der nächsten

Nachbarschaft und einigen Neugierigen begleitet, auf die Post, wo er

schon seinen Schein gelöst, sein Gepäck abgeliefert hatte, und setzte

sich auf seine Nummer, die linke Ecke des Rücksitzes, Nr. 2, neben eine

etwas stattliche und wohleingepackte Dame mit grünseidenem Hute und

schwarzem Schleier. Gleich darauf nahm noch ein anderer, trotz des

warmen Wetters in einen großen wollenen Shawl eingepackter Herr den

dritten Platz in der rückwärtsfahrenden Ecke ein, den übrigen Theil

mit Nr. 4 und 6 für die diversen Hutschachteln, Kästchen, Bündel und

Necessaires der Dame freilassend, die hier Alles aufgehäuft und in

Besitz genommen hatte.

3.

+Erstes Abenteuer.+

Der Abschied war genommen, der Commerzienrath hatte sich aber schon

vorher ernstlich von Dorothee sowol wie von seinen ihn begleitenden

Bekannten den Titel verbeten, und Herr Mahlhuber, wie er jetzt

schlechtweg hieß, war eben noch einmal im Wagen aufgestanden, sein

Rücken- oder Sitzkissen anders zu ordnen, als die Peitsche des

Postillons mit kräftigem Schwunge die eingespannten Pferde traf

und diese so rasch und plötzlich anzogen, daß sich der darauf ganz

Unvorbereitete mit einem Schwung und Wurf auf den Schoos des Fremden

setzte.

»Bitte tausend mal um Entschuldigung!« rief er, so rasch ihm das

möglich war wiederaufschnellend den eigenen Sitz einzunehmen und eine

verbindliche Verbeugung gegen den Fremden machend, die beinahe für die

Dame verderblich geworden wäre -- »ich dachte gar nicht, daß wir so

schnell abfahren würden; es kann kaum 11 Uhr sein.«

Der Fremde erwiderte kein Wort; er hatte erst die Brauen finster

zusammengezogen, aber ein Blick auf den Mann selber mochte ihm wol

sagen, mit wem er es hier eigentlich zu thun habe. So sein Gesicht nun

wieder in die frühern ruhigen Falten legend, sah er still und ernst

gerade auf die ihm gegenüberbefindliche Nr. 2, als ob der Herr

Commerzienrath gar nicht in der Welt gewesen wäre.

»Setzen Sie sich nur um Gotteswillen erst einmal hin«, sagte die Dame,

die indessen die Hand schützend vorgehalten hatte und jeden Augenblick

einen ähnlichen Ueberfall wie auf den Fremden erwartet zu haben schien,

»meine Nerven sind so schon so aufgeregt und angegriffen.«

Herr Mahlhuber drehte sich rasch nach der schönen Sprecherin um, und

diesmal brachte ihn das Straßenpflaster mit einem plötzlichen Ruck

gerade und glücklicherweise in seinen eigenen Sitz; das furchtbare

Rasseln und Schütteln des Wagens unterbrach oder verhinderte dabei

vielmehr auch jede nur mögliche Unterhaltung. Es ließ sich kein

Wort verstehen und die Passagiere drückten sich schweigend in ihre

verschiedenen Ecken und sahen die niedern Häuser von Gidelsbach, der

Commerzienrath mit einem eigenen Gefühle stiller Wehmuth, die andern

Beiden vollkommen gleichgültig, an sich vorübergleiten.

»Ach dürfte ich Sie wol bitten, das Fenster dort an Ihrer Seite

aufzuziehen«, brach die Dame endlich das Stillschweigen, als sie die

letzten Häuser von Gidelsbach hinter sich gelassen und die Luft frei und

frisch über die blühenden Saatfelder herüberstrich, »ich leide so sehr

an Zähnen und fürchte, daß mir der Luftzug schaden könnte.«

Der Fremde gegenüber rührte und regte sich nicht, und der Commerzienrath

sah erst die Dame und dann sein +vis-à-vis+ etwas bestürzt an; er hatte

die stille Hoffnung gehegt die Erlaubniß zu bekommen, eine gidelsbacher

Cigarre anzuzünden, und wenn das Fenster, die wundervolle warme Luft

draußen gar nicht in Betracht gezogen, geschlossen wurde, war daran

nicht mehr zu denken.

»Wollen Sie nicht so gut sein und das Fenster da bei sich zumachen«,

sagte die Dame wieder, ohne ihm lange Zeit zum Ueberlegen zu gestatten,

mit etwas lauterer Stimme, als ob sie fürchte, daß er am Ende schwer

höre, »ich kann die Luft nicht vertragen.«

»Aber, Madame, bei diesem wundervollen Wetter«, wagte der Commerzienrath

eine oberflächliche Bemerkung, die ihm jedoch nichts half, denn die

Dame, von etwas resolutem Charakter und wahrscheinlich schon mehrfach

auf Reisen gewesen, stand einfach auf, bog sich über ihren etwas scheu

zurückweichenden Nachbar hinweg, stützte sich mit der linken Hand gegen

den Fensterrahmen und zog die Scheibe selber in die Höhe. Es war Herrn

Mahlhuber dabei fast so als ob sie etwas vor sich hingemurmelt hätte,

was gerade nicht wie ein Segen klang, er konnte es aber nicht genau

verstehen und war auch wirklich durch die entschiedene Bewegung viel zu

sehr überrascht, recht darauf zu achten.

Jede möglich gewesene Unterhaltung schien dadurch wieder ins Stocken

zu gerathen, und während der Mann ihm gegenüber -- muthmaßlicherweise

ein Engländer -- stumm zu sein schien, zog die Dame aus einem großen,

inwendig mit grünem Wachstaffet gefütterten Kober eine Anzahl

Victualien, gestrichene Semmeln, Wurst, Käse und gebratenes Huhn, heraus

und begann ihre Mittagsmahlzeit, auf der nächsten Station wahrscheinlich

die Table d'Hôte, wozu der Conducteur gewöhnlich zehn Minuten Zeit

gestattete, zu ersparen.

Der Commerzienrath fügte sich in sein Schicksal, rückte sich zurecht,

lehnte den Kopf hinten an, entschuldigte sich bei seinem +vis-à-vis+,

von dem er wieder keine Antwort bekam, wenn ihn vielleicht seine Füße

geniren sollten, faltete die Hände im Schoos, schloß die Augen und

versuchte einzuschlafen, was er auch glücklich in demselben Augenblick

zustande brachte, als der Postillon blies, der Wagen anhielt, der

Conducteur den Schlag aufmachte und hereinrief, daß hier Mittag gemacht

würde und die Passagiere »gefälligst aussteigen möchten«.

Der Fremde stand ohne weiteres auf, dem Rufe Folge zu leisten -- es

konnte doch am Ende kein Engländer sein, denn er schien das Deutsche

vollkommen gut verstanden zu haben -- trat dem Commerzienrath auf die

Hühneraugen ohne sich zu entschuldigen -- es war doch am Ende einer,

-- und verließ den Wagen, sein Mittagsmahl einzunehmen, während sich die

Dame, als der Commerzienrath noch unentschlossen stand, was zu thun, den

Wagenschlag wieder zumachen ließ, der gefürchteten Zahnschmerzen wegen.

Bis er sich besonnen hatte vergingen mehre Minuten, und wie er zuletzt

doch noch einmal öffnen ließ und hineinging, behielt er dort eben noch

Zeit seine Table d'Hôte mit einem halben Thaler zu bezahlen und zu

finden, daß die Suppe zu heiß zum Essen sei, als der Postillon auch

schon wieder zum Aufbruch blies und der Conducteur mit einem »Es ist die

höchste Zeit, meine Herren« die Thür aufriß.

»Nach Tisch«, wie es Herr Mahlhuber jetzt nannte, war er gewohnt sein

Schläfchen zu halten, und wenn er auch um das Essen selber gekommen,

erschien ihm das nicht als genügender Grund sich auch um den Schlaf zu

bringen. So alle seine frühern Vorbereitungen wiederholend, gelang es

ihm diesmal wirklich seine Wagenecke zu behaupten, und erst die Sonne,

die schräg durch das Wagenfenster herein und ihm gerade auf die Augen

schien, weckte ihn wieder aus seinem süßen Schlummer, dem er sich wol

zwei volle Stunden lang hingegeben.

»Ach dürfte ich Sie wol bitten das Fenster da in die Höhe zu ziehen?«

waren die ersten Laute, die an sein noch traumtönendes Ohr schlugen, als

er erwachte, und als er etwas erstaunt um sich schaute -- denn er hatte

bis dahin steif und fest geglaubt, er liege zu Hause auf dem Sopha, und

wunderte sich, welches Fenster Dorothee in die Höhe gezogen haben wollte

--, stieß ihn seine schöne Nachbarin leise an und setzte flüsternd

hinzu: »Der Herr da drüben muß taub sein oder kein Deutsch verstehen,

denn nicht allein, daß er sich weder rührt noch regt, wenn ich ihn um

etwas bitte, nein er zieht auch das Fenster jedesmal ebenso schnell

wieder herunter, wie ich es in die Höhe bekommen kann -- er nimmt nicht

die mindeste Rücksicht auf meine Nerven.«

»Der Barbar!« sagte der Commerzienrath, während er seufzend ihre Bitte

erfüllte, er durfte sich doch nicht in eine Kategorie mit einem solchen

Menschen stellen lassen. Durch diesen kurzen Wortwechsel waren aber auch

die Schranken gefallen, die sich bis dahin einer Conversation hemmend in

den Weg gestellt zu haben schienen. Herr Mahlhuber schielte nach seiner

Nachbarin hinüber, die den Schleier jetzt in die Höhe gelegt, und wenn

auch nicht mehr ganz junge, doch regelmäßige, fast hübsche Züge hatte,

und sagte mit einem etwas bedenklichen Kopfschütteln (der andere

Passagier schlief gerade oder hielt wenigstens die Augen geschlossen,

und er konnte eine solche Bemerkung vielleicht wagen): »Ja, das Reisen

ist mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden.«

»Ih nun, das weiß ich gerade nicht«, erwiderte die schöne Nachbarin,

ihr Tuch wieder von der Backe nehmend, sobald das Fenster befestigt war,

»ich freue mich immer d'rauf, wenn ich einmal wieder hinauskomme; nur

der Postwagen kommt Einem so langweilig vor, weil man die Eisenbahn

jetzt gewohnt ist.«

»Ja!« sagte Herr Mahlhuber. Er war noch nie auf einer Eisenbahn

gefahren.

»Mir ist Reisen ein Vergnügen«, sagte die Dame.

Herr Mahlhuber stöhnte, denn das erinnerte ihn an den traurigen und

ernsten Grund, der ihn aus seiner Heimat vertrieben, und er erwiderte

leise und kopfschüttelnd:

»Ach ich wollte ich könnte das auch von mir behaupten, aber eine Sache

hört auf ein Vergnügen zu sein, sobald sie uns einmal vom Arzte

anbefohlen wird.«

»Sind Sie krank?« fragte die Dame theilnehmend.

»Krank?« wiederholte Mahlhuber und athmete leicht auf, denn das Gespräch

betrat ein Gebiet, auf dem er sich zu Hause fühlte, »krank? -- ja und

nein; krank kann man eigentlich nicht sagen, -- haben Sie schon von

großen Lebern gehört?«

»Großen Lebern? Gewiß -- die strasburger sollen die besten sein, aber

meine Schwägerin hat eine solche Fertigkeit darin erlangt, daß man sie

gar nicht mehr von strasburgern unterscheiden kann.«

»Nein, die meine ich nicht«, sagte der Commerzienrath verlegen und

blickte mistrauisch nach dem Fremden hinüber, der zwar die Augen noch

immer geschlossen hielt, aber um dessen Mundwinkel er doch glaubte ein

leichtes boshaftes Zucken zu bemerken, »ich selber leide daran -- meine

Leber ist drei Zoll zu groß.«

»Drei Zoll? Segne meine Seele!« sagte die Frau, »aber woher wissen Sie

das so genau?«

»Ah, die Wissenschaft hat darin jetzt bedeutende Fortschritte gemacht«,

fuhr der Commerzienrath rasch fort, »eine solche speckige Entartung der

Leber soll in unsern Zeiten auch gar nicht selten vorkommen und durch

das Anstoßen derselben an Rippen, Zwerchfell und Magen kann man ziemlich

genau berechnen, welchen Umfang sie erreicht.«

Die Dame rückte etwas ängstlich auf ihrem Sitz, und der Commerzienrath

fuhr fort:

»In Verbindung mit diesem Leiden steht nun, obgleich mein Arzt das immer

noch bestreiten will, eine nicht unbedeutende Operation, der ich mich

vor einiger Zeit zu unterwerfen hatte.«

»Eine Operation? -- aber ich bitte Sie --«

»Nun es war gerade nicht lebensgefährlich«, setzte der Erzählende rasch

hinzu, da er zu fürchten glaubte, daß seine schöne Zuhörerin deshalb

vielleicht Besorgnisse zeigte, »aber jeder Schnitt in den menschlichen

Körper ist gewissermaßen von einer Gefahr begleitet, da man nie wissen

kann, welche Folgen daraus entstehen, welche edeln Gefäße verletzt

werden.«

»Ach hören Sie -- wenn es Ihnen recht wäre --«

»Es war nur eine Balggeschwulst auf dem behaarten Theile des Kopfes«,

setzte der kleine Mann hinzu, nahm die Reisemütze ab und bog den Kopf

gegen die Dame hinunter, »eine Balggeschwulst etwa von der Größe eines

Taubeneis, sehen Sie hier -- leicht beweglich unter den Fingern und

eigentlich ohne besondere Schmerzen. Das Eigenthümliche war aber, daß

sie doch, wenn man lange daran drückte, wehthat; die Geschwulst blieb

sich dabei ganz gleich, ob die Zunge belegt war oder nicht, wenn ich

aber eine Weile gedrückt hatte, lief mir sonderbarerweise das Wasser

im Munde zusammen und ich bekam dann einen höchst pikanten fauligen

Geschmack.«

»Aber ich bitte Sie um Gottes Willen, hören Sie auf!« rief jetzt die

Dame entsetzt, »ich werde ohnmächtig, wenn Sie noch zwei Minuten mit

solchen furchtbaren Sachen fortfahren. Was gehen mich denn Ihre

Geschwülste an?«

»Aber sie ist ja operirt«, rief der Commerzienrath, der zu glauben

schien, daß sie ihn noch nicht recht verstanden habe, »und eben das

Zunähen da --«

»Ich schreie um Hülfe, wenn Sie nicht aufhören«, unterbrach ihn die Dame

und wurde wirklich todtenbleich dabei. »Herr, ich habe Ihnen ja schon

gesagt, daß ich die ekelhaften Beschreibungen nicht mitanhören kann.

Behalten Sie Ihre Lebern und Geschwülste für sich oder ich setze mich

hinaus zum Conducteur auf den Bock. -- Jesus Maria, meine Nerven!«

»Darf ich Ihnen vielleicht ein wenig Eau de Cologne anbieten?« sagte der

Commerzienrath schüchtern, der solche Einwendungen gegen seine Leiden

gar nicht vermuthet hatte, indem er in die Tasche griff nach seinem

kleinen Flacon zu suchen, »das thut Ihnen vielleicht gut.«

»Ich danke Ihnen, ja«, sagte die Dame und streckte die Hand aus das

Dargebotene in Empfang zu nehmen; Herr Mahlhuber hatte es aber selber

noch nicht, und die rechte Rocktasche stak ihm so voll von verschiedenen

Gegenständen: eingewickelte Semmeln, Brillenfutteral, Schnupftabacksdose

und dann das verwünschte Pistol, das er heute Abend fest beschloß unten

in seinen Koffer zu legen, er konnte das kleine Fläschchen gar nicht

finden und begann, da die Dame den Arm noch ausgestreckt hielt, die

verschiedenen Gegenstände immer ängstlicher auszukramen und neben sich

hinzulegen.

»Ich begreife gar nicht«, murmelte er dabei vor sich hin, »wo die --

Dorothee -- das kleine Fläschchen anders könnte hingesteckt haben als in

-- als in diese Rocktasche. Da, das hier ist eine eingewickelte Semmel

-- das hier«, er nahm das Pistol aus der Tasche und legte es neben sich

hin, »das hier ist --«

»Um Gotteswillen, was wollen Sie mit dem Schießgewehr?« schrie die Dame

jetzt so laut, daß der Fremde ihnen gegenüber erwachte oder doch die

Augen öffnete und einen flüchtigen Blick hinüberwarf, dann aber wieder

in seine frühere Stellung zurückfiel, »es ist doch nicht geladen?«

»Bewahre«, lächelte der Commerzienrath, der das Fläschchen endlich

gefunden und ihr gereicht hatte, etwas verlegen und suchte, um sie

selber zu überzeugen, durch den Lauf des verdächtigen Pistols zu blasen;

aber vergebens blies er die Backen auf und wurde ganz roth im Gesicht.

»Es ist verstopft«, sagte er dann, entweder zu seiner oder des Pistols

Entschuldigung.

»Halten Sie das schreckliche Ding nur nicht gegen mich«, rief die Dame,

nichts weniger als beruhigt durch den verunglückten Versuch; »wenn es

losginge....«

»Ich will Ihnen beweisen, daß es keine Gefahr hat«, sagte der

Commerzienrath entschlossen, dem muthlosen schwachen Wesen gegenüber,

und den Hahn aufspannend zielte er auf die ihm gegenüberstehende

Hutschachtel seiner schönen Reisegefährtin.

»Um Gotteswillen, was wollen Sie thun?« rief die Dame, jetzt wirklich

erschreckt; aber sie hatte keine Zeit etwas Weiteres zu fragen, denn

ein furchtbarer Schlag, der ihnen Allen das Trommelfell zu zersprengen

drohte, schmetterte mit einem vor ihnen hinzuckenden Blitze durch den

engen Raum des Wagens und im nächsten Augenblick schon füllte dichter

undurchdringlicher Pulverdampf das Coupé vollkommen an. Die Dame stieß

dabei natürlich einen gellenden Schrei aus und fiel in Ohnmacht. Die

Pferde rissen in ihr Geschirr und wollten durchgehen, und Postillon und

Conducteur brauchten wenigstens zehn Minuten Zeit sie zu beruhigen und

wieder in ordentlichen Gang zu bringen.

Nur der Fremde, der für den Augenblick in dem entsetzlichen Pulverqualm

vollständig verschwunden war, sagte kein Wort und saß um so unheimlicher

und drohender in dem undurchdringlichen Qualm. -- Heiliger Gott, wenn er

ihn getroffen und todtgeschossen hätte! Der Commerzienrath wagte nicht

die Hand auszustrecken, den furchtbaren Verdacht bestätigt zu finden

oder zu zerstreuen.

Der Wagen hielt endlich. »Ho, brrr, Gott verdamm' mich, ob ihr stehen

wollt, kopfscheue Bestien -- ho, brrr, so mein Thierchen, so ooo --

gutes Thier, so Schimmel«, tönten die Beruhigungslaute von draußen zu

ihnen herein, der Conducteur sprang aus dem Cabriolet und riß den Schlag

auf.

»Heiliges Kreuzdonnerwetter, was ist hier vorgegangen?« schrie er,

zurückprallend, als ihm der weiße warme Schwefelqualm entgegenschlug,

der die willkommene Bahn ins Freie fand, »was ist geplatzt?«

Die Dame lag in Ohnmacht und der Commerzienrath konnte nicht antworten,

denn sein ängstlicher Blick suchte durch den weichenden Nebel die

lautlos dasitzende Gestalt des Fremden. Nur erst sicher wollte er sein,

daß dort kein Unglück geschehen wäre, wenn er auch natürlich nicht

begriff wie eine Ladung und eine so furchtbare Ladung in die für ganz

harmlos gehaltene Waffe hineingerathen sein konnte. Wie sich der Nebel

verzog, wurde auch das Gesicht des Fremden in der andern Ecke sichtbar,

aber so unheimlich verzerrt, roth und drohend, während die Augen unter

den halb zusammengekniffenen Brauen wild und lauernd vorblitzten, daß

der Commerzienrath ihn schon am Arme fassen und ins Leben

zurückschütteln wollte, als der Conducteur die Stille wieder unterbrach.

»Wer ist todt?« rief er und keineswegs blos im Scherz, denn das

unheimliche Schweigen im Wagen kam ihm selber verdächtig vor.

»Himmelsacerment, wenn sich Jemand eine Kugel durch den Schädel schießen

will, brauchte er sich doch dazu nicht auf der königlich bairischen

Eilpost einschreiben zu lassen, daß Einem die Pferde noch am Ende

durchgehen und außerdem Unheil anrichten? -- Das ist nun der Zweite.

Nun?« setzte er dann erstaunt hinzu, als er die drei Passagiere nach und

nach durch den Qualm erkennen konnte und alle noch am Leben fand, wenn

er auch des Commerzienraths +vis-à-vis+ noch immer etwas mistrauisch

betrachtete -- daß die Dame in Ohnmacht lag, verstand sich von selbst.

»Was zum Teufel haben Sie denn dahier angerichtet -- ach Schwerenoth«,

rief er plötzlich, als sein Blick auf das neben ihm stehende Gepäck

fiel, »gerade in die Hutschachtel geschossen.«

»In die Hutschachtel?« rief die Dame entsetzt, jetzt plötzlich und ohne

weitere Hülfe aus ihrer Ohnmacht emporfahrend, und der Fremde drüben

wurde immer röther im Gesicht. »Heilige Mutter Gottes, mein Hut!«

»Wer hat denn aber hier im Wagen geschossen?« rief der Conducteur

jetzt mit strengerer Amtsmiene, während die Dame entsetzt über ihre

Hutschachtel herfiel, den erlittenen Schaden zu besichtigen, »ich werde

Sie im nächsten Postamte anzeigen. Sie da, was thun Sie mit einem

geladenen Pistol in der königlichen Post?«

»Postamt anzeigen?« rief der Commerzienrath in tödtlichem Schreck, »und

des vermaledeiten Pistols wegen, gegen das ich mich aus Leibeskräften

gesträubt?«

»Sie dürfen hier im Wagen gar kein Pistol haben«, sagte der Schaffner

streng.

»Ich wollte ich hätte es nie gesehen«, rief der Commerzienrath in

ausbrechendem Grauen; »da«, fügte er dann hinzu und schleuderte die

Waffe, gar nicht an das aufgezogene Fenster denkend, mitten durch die

Scheibe hinaus auf die Straße, daß die Scherben im Wagen herumflogen und

auf die harte Chaussée draußen niederklirrten.

»Jesus Maria«, rief die Dame, »mein Hut!«

»Herr, die Scheibe kostet 1 Gulden 25 Kreuzer!« rief der Schaffner.

Die Frau zog in diesem Augenblick den zu Atomen geschossenen,

wunderschön verzierten und früher einmal mit Bändern und Blumen

geschmückten Strohhut aus dem durchschossenen Futteral; die ganze

gewaltige Ladung war schräg hindurchgegangen und hatte ihn vollständig

vernichtet, daß die Stücken darumhingen, und jetzt zum ersten male

wurde auch der andere Passagier in der Wagenecke laut, der plötzlich

herausplatzte, als ob ihm irgendein inneres Gefäß gesprungen sei, in

demselben Moment aber auch fast einhielt und nun so heftig zu nießen

und zu husten anfing, daß er ganz blau im Gesicht wurde und der

Commerzienrath wirklich für einen Augenblick sein eigenes Elend vergaß,

nach dem Manne hinüberzuschauen.

»Und hier das ganze Polster ist zerschossen!« rief jetzt der Postbeamte,

der die Hutschachtel fortgerissen hatte, nach dem zugefügten Schaden zu

sehen, »Herr, Sie werden eine Heidenrechnung bekommen.«

»Mein Hut, du lieber Gott, mein Hut!« jammerte dabei die Dame, »was

setz' ich jetzt auf, was setz' ich auf?«

»Ich will ja gern Alles bezahlen«, stöhnte der Commerzienrath in

völliger Verzweiflung, »wenn Sie mir nur sagen wollen was es kostet.«

»Schockschwerenoth«, rief der Schaffner plötzlich nach seiner Uhr

sehend, »jetzt haben wir hier schon sieben und eine halbe Minute

getändelt und ich komme zu spät auf die Station -- nehmen Sie Ihren Rock

dahinein, Madamchen -- werfen Sie den Bettel auf die Straße, er ist doch

nicht mehr zu brauchen; so«, sagte er dann, die Thür zuschlagend und

seinen alten Platz wiedereinnehmend, »fahr zu, Schwager!«

»Da unten liegt das Schießeisen noch«, sagte dieser, mit einem

schmunzelnden Seitenblick und dem linken Daumen über die Achsel deutend,

»sollen wir's liegen lassen?«

»Was geht dich der Quark an? fahr zu!« lautete die barsche Antwort

des verantwortlichen Postführers, die Peitsche fuhr aus und auf das

Handpferd nieder, und dahinrasselte das Geschirr wieder in scharfem

Trab, das Versäumte nachzuholen.

Der Commerzienrath hatte indessen einen schweren Stand im Wagen, die

erzürnte und unglückliche Dame zu beruhigen, die wunderbarerweise an dem

Hute zu hängen schien, als ob es ein Stück ihrer selbst gewesen wäre.

Sie weinte und zankte und betrug sich etwa wie ein unartiges Kind, dem

man irgendein Spielzeug zerbrochen, und das sich nun weder will trösten

noch beruhigen lassen. Zuletzt und kurz vorher ehe sie die nächste

Station erreichten, verstand sie sich endlich dazu, den höchstmöglichen

Satz für Hut und Schachtel anzunehmen, was ihr der Commerzienrath, froh,

so gut wegzukommen, gleich an Ort und Stelle auszahlte, aber auch dann

noch keinen Frieden hatte, denn, damit in Ordnung, fielen ihr plötzlich

wieder ihre bis dahin ganz außer Acht gelassenen Zahnschmerzen ein,

gegen die das zerbrochene Fenster nicht mehr geschlossen werden konnte,

und es zeigte sich jetzt, daß das unglückselige Pistol nach allen Seiten

hin Zerstörung und Verwirrung angerichtet hatte.

Der andere Passagier dagegen saß so ruhig und regungslos wie immer

in dieser Confusion und sagte kein Wort; er mußte jedenfalls stumm,

vielleicht gar taubstumm sein, oder wenigstens keine Silbe von ihrer

Sprache verstehen.

Aber dem Commerzienrath gingen andere Dinge im Kopfe herum, als sich

um den geheimnißvollen Fremden zu kümmern. Glücklicherweise kannte ihn

Niemand, denn mit der Post war er früher nie in Berührung gekommen und

eingetragen nur unter dem anspruchlosen Namen Mahlhuber. Die paar

Thaler, die es ihm gekostet hatte, betrachtete er als Lehrgeld für

spätere Zeit, und pries sich immer noch glücklich so billig

davongekommen zu sein. Auf der nächsten Station bezahlte er auch die

Scheibe mit 1 Gulden 25 Kreuzer und Polster und sonstige Beschädigung

des königlichen Postwagens mit 3 Gulden 30 Kreuzer, dem er natürlich

ein nicht unbedeutendes Geschenk für Conducteur und Postillon beifügte,

dieser Schweigen zu erkaufen. Er dankte auch seinem Gott, als er endlich

Gelegenheit bekam, auf seinem schon früher bestimmten Anhalteplatz

einige Minuten vor 9 Uhr Abends aussteigen zu dürfen, der Gesellschaft,

in der er sich nicht mehr getraut hatte ein Wort zu sagen, wie der

unangenehmen Erinnerung enthoben zu sein. Was für ein Glück, daß er

Dorothee's Vetter nicht mitgenommen hatte.

An Ort und Stelle angelangt und nachdem der Schaffner sein Gepäck aus

der Schoßkelle genommen, um das sich vor dem Postgebäude Niemand weiter

zu kümmern schien, nahm er Reisesack und Schirm, Stock und Sitzkissen

aus dem Wagen, drehte sich dann noch einmal um und sagte, mit einer

verbindlichen Verbeugung nach dem Innern des Wagens zu, die von der Dame

mit einem leise gemurmelten »Gott sei Dank« begleitet wurde:

»Angenehme Reise, meine Herrschaften.«

»Gute Nacht, Herr Commerzienrath«, sagte der Fremde, der bis dahin

noch keine Silbe gesprochen, und der also Betitelte stand, seine

Reiseutensilien in beiden Händen, wirklich mit halbgeöffnetem Munde

vor lauter Ueberraschung da; aber der Schaffner warf in dem Augenblick

den Schlag wieder zu, die Pferde waren vorgespannt und fortging's mit

schmetterndem Horngetön durch die stillen Straßen des kleinen Fleckens

über das rauhe Pflaster hin, was die Thiere laufen konnten.

4.

+Das Posthaus und die Mamsell.+

Der Commerzienrath Mahlhuber stand noch, wie wir ihn im vorigen Capitel

verlassen, viele Minuten lang wirklich sprachlos vor Erstaunen und

Ueberraschung da, bis er selbst das Rollen der Räder nicht mehr hören

konnte.

»Gute Nacht, Herr Commerzienrath«, hatte der Mensch gesagt, der die

ganze Fahrt hindurch keine Silbe gesprochen, und den er einmal für einen

Engländer und dann für taubstumm gehalten, bis er zu der Ueberzeugung

kam, daß es doch am Ende ein Engländer sein könne. »Gute Nacht, Herr

Commerzienrath«; woher, um des Himmels willen, wußte der Mann seinen

Namen?

»Nu -- was soll denn hier mit den Sachen werden?« fragte in diesem

Augenblick eine Stimme hinter ihm, und als er sich umdrehte, stand eine

Art Zwitterding von Postillon und Hausknecht, oben in Uniform und unten

in Unterhosen und Pantoffeln, mit einer Nachtmütze auf dem Kopfe und

einer Stallaterne in der Hand, neben ihm, und deutete auf die neben ihm

aufgeschichteten Koffer und Hutschachtel. »Es kommt heute Abend keine

Post mehr.«

»So? -- das thut mir leid«, sagte Herr Mahlhuber ganz in Gedanken, »oder

es macht eigentlich nichts«, setzte er dann sich besinnend hinzu, »denn

ich werde hier übernachten«.

»Hier -- in der Post?« fragte der Mann und leuchtete ihm erstaunt ins

Gesicht.

»Nun, wird hier nicht gleich ein Wirthshaus gehalten?« fragte der

Reisende, etwas unangenehm überrascht, »man hat es mir doch gesagt.«

»Wirthshaus? -- ne, nich so recht -- die Schenke ist da drüben«, lautete

die etwas barsche Antwort.

»Hm!« sagte der Commerzienrath und sah etwas mistrauisch nach dem

niedern düstern Gebäude hinüber, in dessen unterer Stube nur Licht

brannte, »und kann man da etwas zu essen und ein gutes Bett bekommen?«

»Zu essen, ja«, sagte der Mann und leuchtete über die Koffer hin, nach

deren Zustand den Passagier selber zu beurtheilen, »gutes Bett aber ne,

wenn Sie nicht auf der Streu mit den Fuhrleuten schlafen wollen.«

»Auf der Streu schlafen?« wiederholte der an jede häusliche

Bequemlichkeit gewöhnte Mann entsetzt, »wie kann ich auf der Streu

schlafen?«

»Ja das weiß ich nich, wenn Sie's nicht wissen«, sagte der halbe

Hausknecht gleichgültig, »aber sollen die Koffer hier auf der Straße

stehen bleiben?«

»Und in der Post ist keine Möglichkeit unterzukommen?«

»Fragen kann mer noch emal«, sagte der Mann, seine Laterne niedersetzend

und seine Hosen etwas in die Höhe ziehend, »manchmal nimmt die Mamsell

Gäste ein, manchmal nich -- wie's 'r gerade paßt.« Und ohne eine Antwort

abzuwarten schlenderte er langsam, den Commerzienrath bei den Koffern

und der Laterne zurücklassend, in die Post hinein, die schmale steinerne

Treppe hinauf. Die »Mamsell«, wie er die gleich darauf in der Thür

erscheinende Dame genannt, schien aber seiner Beredtsamkeit nicht haben

widerstehen zu können, denn ihre gastliche Stimme rief gleich darauf von

der Treppe aus ein eben nicht ermunterndes, aber doch auf weitere

Erklärungen sich einlassendes »Wer ist denn da?«

Die Gefahr, die Nacht, wegen der er die Postfahrt unterbrochen, auf

einer Streu zubringen zu müssen, machte den Commerzienrath beredt;

er ging näher zur Thür, stellte sich der Dame (unter dem Lichte der

Stallaterne, die er zu dem Zwecke hoch in die Höhe hielt) als einen

Reisenden vor, der seiner Gesundheit wegen nicht mit der Post

weitergefahren wäre und das Aergste befürchten müßte, wenn er nicht die

Nacht in einem warmen Bette zubringen könne, und war sogar schon im

Begriff auf seine Leber und vielleicht auch auf die mit ihr in

Verbindung stehende Balggeschwulst einzugehen, als die Mamsell, die

rasch den gesetzten achtbaren Bürger oder vielleicht gar Staatsbeamten

in ihm erkannte, ihr tröstliches und schon viel freundlicheres »Treten

Sie näher!« ihm hinüberrief und den theilweisen Postbeamten beorderte,

des Herrn Sachen in die »grüne Stube« hinaufzutragen.

»Grüne Stube!« Schon das Wort klang behaglich, und mit einem leise

gemurmelten »Gott sei Dank« griff Herr Mahlhuber seine Sachen auf

und folgte dem mit einem Koffer und der Stallaterne vorausgehenden

dienstbaren Individuum die Treppe hinauf in das Haus.

Die nächste Stunde verging dem Reisenden übrigens in dem unbehaglichen

Gefühle, keinen Platz zu haben wo man zu Hause ist. Es war ihm Alles

fremd und unwohnlich in der fremden Stube; die hölzernen Stühle, der

wunderbare Geruch, die niedere räucherige Decke, die schrecklichen

Bilder an den Wänden, Caricaturen von Heiligen und Märtyrern und ein

Napoleon dazwischen, der auf der Spitze eines Gletschers galoppirt,

während an der gegenüberstehenden Wand schlechte Lithographien von

Landesvätern und Landesmüttern hingen. Unheimlich auch sah der alte

Wandschrank aus, wo neben einer alten wiener Stutzuhr mit alabasternen

Säulen ein grünangestrichener Gypsmops stand, der früher einmal einen

beweglichen Kopf gehabt und mit ängstlich verdrehtem Halse jetzt in die

Stube unter sich hinunterstarrte, während auf der andern Seite eine

weithalsige, oben eingebrochene Glascaraffe einen Büschel Schilfblüte

mit einigen roth- und gelbgefärbten Strohblumen hielt.

Herrn Mahlhubers Reiseabenteuer · 第 1 / 10 段