Die Hexe
Eine Erzählung
von
Wilhelm Weigand
Im Insel-Verlag zu Leipzig
An einem schönen Maimorgen des Jahres 1751 fuhr eine festliche
Gesellschaft in einem Dutzend alter Staatskutschen aus dem Falkentor
der Reichsstadt Frankenthal auf das Appental los. Es galt, der
Grundsteinlegung des Schlosses Monrepos anzuwohnen, das der
Fürstbischof Adam Friedrich von Helmstätt nach den Plänen Johann
Balthasar Neumanns für seinen Neffen, den jungen Fürsten Lothar Franz
von Weiningen, der sich just auf seiner Kavalierstour durch Europa
befand, an der Stelle eines alten Jagdhauses errichten ließ. Am
Vorabend des bedeutsamen Ereignisses war der Domherr Withold von Hutten
als Vertreter seines Herrn, der in Würzburg an der Gicht darniederlag,
mit einem würdigen Gefolge von Weltgeistlichen und bischöflichen
Beamten in Frankenthal angelangt, um die Ehrengäste auf dem Bauplatze
zu begrüßen und nach der Grundsteinlegung unter einem offenen Zelte
zu bewirten. Auf der Herreise war er in dem Wallfahrtsorte Walldürn
mit einem Sohne des kurmainzischen Oberamtmanns zu Bischofsheim, dem
jungen Freiherrn Emmerich Rüdt von Collenberg, zusammengetroffen, der
in einer Familienangelegenheit an den Hof nach Mainz ging und die
berühmte Reichsstadt nur auf der Durchreise zu berühren gedachte. Doch
das Unglück wollte es, daß der vorausfahrende Kutscher des Freiherrn,
ein gewalttätiger Bursche, in der engen Torgasse gegen einen Prellstein
fuhr und die Achse seines Reisewagens brach. Der junge Herr gab dem
Tölpel einen Fußtritt; aber er mußte sich, trotz aller Eile, wohl
oder übel entschließen, bis zur Ausbesserung des Schadens in der
Stadt zu verweilen, und der Domherr zeigte sich hocherfreut, unter
den zahlreichen Gästen einen Bekannten zu wissen, dessen Späße ihm
die Fahrt kurzweilig gemacht hatten. Der junge Fant machte kein Hehl
aus seinem Wesen: er war für den Hofdienst in Mainz bestimmt; er war
in Venedig und in Paris gewesen, und was er von dem Leben der guten
Gesellschaft an diesen Lustorten der höhern Welt zu erzählen wußte,
ließ die kleinen Äuglein des beleibten geistlichen Herrn bei der
Erinnerung an dieses festliche Treiben immer wieder erglänzen. --
In der ersten Festkutsche fuhr der Domherr mit dem Bürgermeister Adam
Lienlein und zwei geistlichen Herren, dem katholischen Dekan Lotter und
dem evangelischen Propst Veit Schlegelmilch, einher; in einer zweiten
folgte die Bürgermeisterin mit den Gattinnen dreier Ratsherren; die
dritte Kutsche war vollbepackt mit Jugend und Schönheit: unter den
vier geputzten Mädchen, die da lachend und kichernd in den Morgen
hineinfuhren, saß ein blondes elfenhaftes Wesen, die Tochter des
verstorbenen Oberförsters von Weiningen, Babette Glock, aufrecht wie
eine junge Königin auf dem Rücksitz und wechselte schelmische Blicke
mit dem Junker Emmerich Rüdt, der in französischem Reitrock neben der
bemalten Kutsche einherritt und unter seinem Federhut mit den Augen
eines glücklichen Siegers auf die zwitschernde Weiblichkeit in dem
Wagen herabsah. Je lustiger aber das Lachen der Mädchen klang, desto
finsterer blickten die jungen Herren drein, die in einem wackeligen
Gefährt hinter dem dritten Wagen einherrasselten: da saß, außer zwei
Ratsherrnsöhnen, der einzige Sohn des Bürgermeisters, Kaspar Lienlein,
der im Frühjahr von der Akademie zu Mainz nach Hause gekommen war,
neben dem neuen Stadtschreiber oder Kanzler Friedrich Lerch, den
der große Rat just am Tag zuvor erst gewählt hatte und der nun der
Bestätigung seiner Wahl nicht ohne Bangen entgegensah: denn es war,
von alters her, der Brauch in Frankenthal, daß auf einen katholischen
Stadtschreiber ein evangelischer folgte, und Friedrich Lerch war, wie
sein Vorgänger, im katholischen Glauben geboren und erzogen und zudem
kein Frankenthaler Kind. Der lustige Junker Emmerich, der hoch zu Roß
neben den jungen Demoiselles einherritt, war den jungen Frankenthaler
Herren ein Dorn im Auge: sie betrachteten den Sohn des kurfürstlichen
Amtmanns als Eindringling in ein Reich, wo die Frankenthaler von jeher
keinen Nebenbuhler zu dulden geneigt waren, und sannen mit gerunzelten
Stirnen darüber nach, welchen Possen sie dem verfluchten Windhund, der
nach Ambra und Moschus duftete, vor seiner Abreise spielen könnten. --
Als die Kutschen an dem Bauplatz vorfuhren, begann zunächst ein
würdiges Komplimentieren und Begrüßen, wobei sich der Junker
Collenberg wie ein frisch ausgeschlüpfter Schmetterling unter den
Gästen umherbewegte. Er küßte alten und jungen Damen die Fingerspitzen
mit einer Grazie, vor deren Leichtigkeit die jungen Frankenthaler
Herren vor Neid erblaßten, und sein dünner Zierdegen stach wie ein
Blitz in die Luft, wenn er sich auf eine Frauenhand niederbeugte,
um seine gespitzten Lippen draufzudrücken. Da der Meister Neumann
studierenshalber in Paris weilte und zurzeit dort krank zu Bette lag,
geleitete sein Gehilfe, ein in schwarze Seide gekleideter Italiener,
die Herrschaften beim Klange eines Festmarsches zu den Fundamenten,
wo der Stadtpfarrer die Weihe vornahm, worauf der Domherr von Hutten
den Bau dem Schutz der jungfräulichen Himmelsmutter, der Patronin
Frankens, anempfahl und im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit
den ersten Hammerschlag tat. Die Bürgermeisterin Lienlein, als die
erste Frau des festlichen Kreises, versenkte sodann ein versiegeltes
Dokument und eine gehäufte Schale voller silberner und goldener
Münzen in den Stein, worauf ihn die anwesenden Mädchen mit den ersten
Rosen des Jahres bewarfen. Während von den Ehrengästen jeder sein
Hammerschläglein tat, bliesen vier Hornisten, die abseits auf einer
Wiese standen, einen Choral und stimmten sodann einen Marsch an, als
die Gesellschaft in feierlicher Stimmung nach dem Zelte aufbrach, wo
eine schweigende Dienerschaft in der bischöflichen Haustracht um die
geschmückte Festtafel bereitstand. Der Domherr von Hutten gedachte,
seinen jungen Reisefreund bei Tisch in seine Nähe zu ziehen; aber
der Fant zog es vor, sich an das andere Ende, zu den jungen Mädchen,
zu setzen, von wo sofort, als die Diener süßen Wein in spitzen
Gläsern reichten, helles und dunkles Lachen wie ein vielstimmiges
Glockengeläute über die festlich schimmernde Tafel hereinbrach.
Das elfenhafte Fräulein Babette Glock saß anfangs schweigend und wie
von innerem Glücke glühend unter ihren Freundinnen da. Sie hielt ihre
Augenlider gesenkt; aber wenn sie ihre großen blauen Augen aufschlug,
ging ein Leuchten über ihr Gesicht und blieb als Lächeln stehen, wenn
ihre Blicke zu dem Kanzler Friedrich Lerch hinüberschweiften, auf
dessen ernstem Gesicht der Abglanz seiner künftigen Amtswürde lag.
Der Junker Emmerich aber führte das große Wort; er behauptete, die
zierlichsten Füße der Welt habe er in Frankenthal zu Gesicht bekommen,
und als endlich, gegen Ende der Festmahlzeit, einige besonders edle
alte Weine aus dem ehrwürdigen Juliusspitalkeller in die Römer flossen,
erklomm die Lustigkeit des jungen Freiherrn, der sich unter den
lachenden Frauen mehr und mehr als Hahn im Korbe fühlte, die höchste
Staffel. Beim ersten Anstoßen mit dem schweren Tranke neigte er sich zu
seiner Nachbarin und raunte ihr eine leise Mitteilung ins Ohr. Babette
Glock hielt den Blick gesenkt, während ihr Nachbar sein Geheimnis
preisgab, und nahm die Miene eines erstaunten Kindes an, als sie mit
sanftester Stimme entgegnete: „Ich kann es fast nicht glauben, daß der
Herr nur dieser Sache wegen nach Mainz geht!“
Der Junker lachte und tat erstaunt: „Hat die Demoiselle von der Sache
läuten hören? Ich mache die Gesellschaft zum Richter meines Herrn
Vaters. Der ist ein Mann von Geschmack: er weiß, daß man auch zum Beten
eine würdige Umgebung braucht. Was tut er also? Er läßt einen alten
baufälligen Altar, den sogenannten Schleieraltar, abbrechen und an
den freigewordenen Pfeiler, mitten in der Pfarrkirche, eine richtige
Gebetsloge bauen, -- ~du meilleur goût, je puis l’assurer~, -- mit
Spiegeln, gepolsterten Gebetstühlen und einer bequemen Rückenlehne,
-- den Vorhang nicht zu vergessen. Es soll ja vorkommen, daß die
Predigten einer hochwürdigen Geistlichkeit, besonders an gewöhnlichen
Sonntagen, hie und da einschläfernd wirken, und da wäre es, ~parbleu~,
eine böse Sache, wenn fromme alte Jungfern plötzlich sähen, daß der
würdige Mund des kurfürstlichen Amtmanns sich während der Messe oder
der Vesper zu etwas anderem öffnete als zu einem Vaterunser oder
einem Ave-Maria. Der Vorhang, der solche mißliche Blicke abhalten
soll, ist aus schwerem violettem Samt, und die rosigen kleinen Engel,
die ihn oben zusammenraffen und festhalten, von der Hand eines
Meisters: ich habe, ~parole d’honneur~, selbst in Venedig oder in
Paris, wo ähnliche Liebesengel allerdings andere Vorhänge vor anderen
Gebetstellen in Ordnung halten, keine besseren gesehen. Ich bin also
nicht nur als Sohn, sondern auch als Kenner gezwungen, meinem Herrn
Vater vollständig recht zu geben. Der hochwürdigste Herr Stadtpfarrer
Ferdinand Bingemer, ~un cafard~, ist allerdings anderer Meinung: er hat
beim erzbischöflichen Kommissariat in Mainz Beschwerde gegen unsere
Familiengebetsloge eingelegt und meinen Vater auch noch durch ein paar
Domherren, die uns, ich weiß nicht warum, nicht riechen können, wegen
anderem mehr weltlicher Art anschwärzen lassen. Und diese Sache soll
ich in Ordnung bringen, was ich auch zu tun gedenke --“
Schüchtern wie ein Kapellenglöcklein bemerkte Babette: „Aber es
heißt, es sei bei dem Niederreißen des Altars eine kostbare Reliquie
verschwunden.“
„Ah, Mademoiselle meint den sogenannten Schleier der Mutter Gottes? Es
bestand ja allerdings der Glaube, daß der Schleier der jungfräulichen
Mutter Gottes auf dem Altar aufbewahrt wurde, der unserer Gebetsloge
weichen mußte. Aber, ~mesdames~, niemand wird mich persuadieren, daß
die Jungfrau Maria einen solchen Schleier getragen hat: denn ich habe
ihn mit meinen eigenen Augen gesehen und weiß, was ein Schleier ist,
oder sein soll. Das Testament, in welchem sie, wie man sagt, den
Schleier unserer Pfarrkirche vermacht haben soll, hat noch kein Mensch
zu Gesicht bekommen, obwohl die Stadt Messina ja, wie ich auf meiner
Tour in Italien an verschiedenen Orten hörte, ein paar Briefe von
ihrer himmlischen Hand besitzen will. Dieser angebliche Marienschleier
war nämlich aus einem grauen, unscheinbaren Zeug, und ich muß sagen:
wenn ich die Mutter Gottes gewesen wäre, ich hätte einen ganz andern
Schleier getragen, aus venezianischen oder Brüsseler Spitzen, ~qui sont
si délicieuses à chiffonner~. Der verschwundene Schleier war wirklich,
wie mir die Damen glauben dürfen, zu simpel für die künftige Königin
des Himmels, und es ist nicht schade darum.“
Jetzt mischte sich der rothaarige Sohn des Bürgermeisters, dessen
tückische Augen vor Ingrimm funkelten, in das Gespräch: „Der Herr
sollte nicht über heilige Dinge spotten,“ zischte er mit bebender
Stimme.
Der Junker Emmerich öffnete vor Erstaunen seinen Mund und wandte
sich an die Mädchen: „O la la! Ist der Herr am Ende Bürgermeister?
Man wird bald nicht mehr lachen dürfen. Ich hoffe jedoch, seiner
kurfürstlichen Durchlaucht eine angenehme Stunde zu bereiten, indem
ich ihr die Geschichte von dem Schleier erzähle. ~Son Altesse aime à
rire, comme tous les vrais grandseigneurs.~ Übrigens“ -- so fuhr er,
nach einem kräftigen Schluck Steinwein, zu dem Sohne des Bürgermeisters
gewandt, fort -- „haben wir uns nicht schon in Venedig gesehen? Als
ich die Gondel zur Abfahrt nach Padua bestieg -- ich wohnte mit meinem
Hofmeister in der ~Stella d’oro~ --, wurde gerade ein Reisender
verprügelt, der Ihnen aufs Haar glich. Solche Schläge habe ich noch nie
mit angesehen und, ~ma foi~, auch noch nie erhalten. Der Herr darf mir
glauben: es ist auch eine Kunst, Schläge mit Grazie einzustecken! Der
Tanz eines Knüppels erinnert mich immer an gewisse Bauerntänze, die
einer Gavotte gleichsehen wie ein Bär dem Hermelin. Sie waren es also
wirklich nicht, der seine Prügel mit solcher Würde einsackte? Das tut
mir leid -- ~pardon~, ich wollte sagen, ich bedaure ~infiniment~, daß
Sie Venedig noch nicht kennen. Eine einzige Stadt, in der man seine
blauen Wunder erleben kann! Dort wäre meinem Herrn Vater die Geschichte
mit dem Gebetstuhl nicht passiert; aber ich säße auch nicht hier in
diesem aimablen Kreise, ~où la grâce règne en maîtresse~.“
Die Mädchen lachten errötend, und der Sohn des Bürgermeisters wurde rot
wie ein abgekanzelter Schuljunge.
Am obersten Tischende, wo die Ehrengäste beisammensaßen und die Gläser
tiefer klangen, hatte das Gespräch einen anderen Weg betreten: die
Herren sprachen von den Hexenbränden, die, nach langer Zwischenzeit,
hie und da wieder in fränkischen Landen aufflammten, und nickten
nachdenklich mit den weinroten Köpfen: vor zwei Jahren war die
Superiorin Maria Renata Singer in Würzburg verbrannt worden; ein Jahr
darauf fingen die Gerolzhofer, die nicht hinter der Bischofsstadt
zurückbleiben wollten, eine junge Hexe, die Frau eines Ofenmachers, um
sie dem gleichen Schicksal zu überantworten, und nun hieß es, da und
dort sei man einem heimlichen Hexlein auf die Spur geraten und werde,
wie früher, wüste Dinge erleben.
„Sie glauben wohl auch nicht an Hexen, Herr Baron?“ fragte der Sohn
des Bürgermeisters, der einen Brocken des Hexengesprächs aufgeschnappt
hatte, den angeheiterten Junker mit scharfer und hämischer Stimme.
Dieser lachte: „O doch! Ich habe in Paris Hexen kennen gelernt,
die auch dem hartgesottensten Philosophen den Glauben an das Hexen
beizubringen vermochten; aber dort denkt kein Mensch an Hexenbrand,
sondern die Männer, die Männer, mein Herr, verbrennen im Feuer einer
Liebe, deren Wirkung ich beinah leider auch am eigenen Leib erfahren
hätte. An andere Hexen, von denen es heißt, daß sie Schloßenwetter
machen und andere Zaubereien verüben können, glaube ich nie und nimmer.“
Kaspar Lienlein fuhr fort, indem er den Junker herausfordernd mit den
Blicken maß: „Die Ofenmacherin in Gerolzhofen hat ihre Hexereien selber
eingestanden, Herr Baron! Sie ist selbst zum Hexenrichter gekommen und
hat sich der Hexerei bezichtigt: sie habe vor sechs Jahren Gott und
allen Heiligen abgeschworen; sie sei ganz arm und ohne Brot gewesen,
da sei der Böse zu ihr gekommen in einem schönen grünen Kleid. Er
habe sich Federkiel genannt und habe ihr versprochen, wenn sie sein
Eigentum sein wolle, wolle er ihr Geld geben. Er habe ihr auch einen
Vierbätzner gegeben, wofür sie sich Brot gekauft habe; dann habe sie
einen Fastentanz auf dem Galgensteig mitgemacht, wo auch die Pfarrmagd
Margret und eine Beckin aus Grünsfeld mitgetanzt hätten. Der grüne
Pfeifer sei mitten in der Linde gesessen und habe den Burlebanz
gepfiffen. Den Wein hat man in ledernen Flaschen gebracht, und dazu
haben sie gebratene Vöglein, wie Spatzen und Finken, doch ohne Salz,
gegessen. Die Ofenmacherin hat von dem Grünen eine Hexensalbe in
einem hölzernen Büchslein erhalten. Das Ammenfräulein hatte solche
verfertigt. Dazu hat sie ein uneheliches Pfaffenkind aus dem Kirchhof
ausgegraben, in ein Tuch gewickelt und zu Haus gesotten. Mit der Salbe
hat sie zu Weihnachten ein Kieselwetter gemacht, indem sie in des
Teufels Namen Kornähren, Weinaugen, Birnen- und Apfelknospen in den
Main geworfen hat.“
Bei jeder dieser Feststellungen, die der Bürgermeisterssohn mit Ingrimm
hervorstieß, fuhr er auch mit dem Finger nach vorn, als ob er seinen
Gegner aufspießen wolle. Babette aber begleitete den Rhythmus dieser
Erregung mit einem goldenen Kuchenmesserchen, indem sie es ganz leicht
auf dem damastnen Tischtuch tanzen ließ. --
Der Junker von Collenberg aber spitzte seinen vollen Mund und fragte
mit dem Ernste eines Schalks: „Der Herr hat einen Tanz erwähnt, der mir
neu ist. Ich kenne Gavotten, Sarabanden und -- Allemandes, die auch
ihre Vorzüge haben; aber der Burlebanz ist mir unbekannt. Ich entnehme
übrigens Ihrer geschätzten Mitteilung, daß unsere hiesigen Hexen Musik
und Tanz lieben. Das macht der Stadt, ~où le sexe est si aimable~, alle
Ehre. Wissen Sie vielleicht, Herr Hexenrichter, auf welchem Instrument
der Grüne diesen famosen -- wie sagten Sie? -- Burlebanz geblasen oder
gepfiffen hat?“
„Ein Hörnchen war’s!“
„Nein, ein Flötchen!“ rief Babette lachend. Sie hatte ein wenig zu viel
von dem schweren Steinwein genippt und wiederholte nun, halb singend,
im Übermut: „Ein Flötchen war’s! Ein Flötchen! Ein kleines goldenes
Flötchen --“
Der Junker Emmerich fragte lachend: „Woher wissen Sie denn das?“
Babette warf dem Kanzler Lerch, der mürrisch in sein volles Glas
stierte, einen flüchtigen Blick zu und lachte: „Woher ich das weiß? O,
vielleicht bin ich auch schon bei einem Hexentänzchen gewesen --“
Der Stadtschreiber Lerch runzelte die Stirn und sah mit gestrenger
Miene zu der Übermütigen herüber, die indessen keinen Blick mehr für
ihn übrig zu haben schien, sondern dem Junker mit lachenden Wangen
zuzwinkerte. Dieser aber erhob sich und zog die Fingerspitzen Babettens
an seinen Mund: „Wenn das so ist, möchte ich die Demoiselle bitten, mit
mir zu einem Hexentänzchen anzutreten.“
Die andern jungen Leute standen ebenfalls vom Tische auf; denn ein
Wink des Domherrn von Hutten bezeigte, daß die Tafel aufgehoben sei.
Nur die älteren Festgäste waren noch nicht gesonnen, so bald schon
von den trefflichen Prälatenweinen Abschied zu nehmen; sie blieben
schwatzend und trinkend an der gedeckten Tafel sitzen, und auch die
vier Musikanten, die in den Pausen dem Wein kräftig zusprachen, blieben
auf ihren Stühlen hocken und bliesen von Zeit zu Zeit ihre alten Weisen
weiter. Die Mädchen aber flogen auf verschiedensten Wegen auseinander,
und bald tauchte da und dort ein helles Gewand unter den alten Buchen
des Waldhangs auf, den nah und fern helles Gelächter mit seinem Hall
erfüllte. Der junge Herr von Collenberg trat einen Augenblick zu dem
Domherrn von Hutten, um ihm für das schöne Fest zu danken, das er einem
glücklichen Reisezufall verdankte. Als er sich aber umwandte, um nach
seiner Nachbarin zu spähen, war Babette verschwunden, und er wußte
nicht, welchen Weg er einschlagen sollte, um sie zu erreichen, da der
ganze grüne Maienwald von Sang und Lachen widerhallte.
Babette aber war, von einem plötzlichen Ernst erfaßt, auf einem kleinen
Wiesenpfade, neben dem ein silberklares Forellenbächlein auf grünem
Kressengrund herlief, taleinwärts gegangen. Es bedrückte sie, daß
Friedrich Lerch, für den sie doch im Grunde dieses ganze Lustspiel
an der Tafel aufgeführt, ihr während des ganzen Festes keinen lieben
Blick gegönnt hatte, und ein leiser Groll gegen den Stillen quoll
mählich in ihr empor, während sie bald langsam, bald schneller für sich
dahinging und hie und da eine Kuckucksblume oder ein Maiglöckchen aus
dem Untergebüsch des Waldhangs herausholte. Als sie nach einer Weile
langsamen Gehens unwillig umkehren wollte, stand plötzlich Kaspar
Lienlein vor ihr; der Rothaarige atmete hastig, während er stotternd
und mit flehendem Blicke fragte: „Darf ich der Jungfer Babette Geleit
geben?“
Babette entgegnete schnippisch: „Der Weg ist für alle da!“ Und sie
schlug eine schnellere Gangart an, wobei sie unverwandt auf das
schwatzende Wässerlein zur Rechten blickte, in dem die Forellen
sprangen.
Da wurde die Stimme Kaspar Lienleins weich und stockend: „Ich -- ich
würde die Jungfer auf den Händen tragen.“
Babette blieb stumm und blickte den Sohn des Bürgermeisters von der
Seite an; sie sah nur die Häßlichkeit des Menschen, der mit glühendem
Gesicht neben ihr atmete, und es empörte sie, daß er es wagte, von
Liebe zu sprechen, während ihr der andere, dessen ernste Augen nun wie
ein Vorwurf vor ihrer Seele standen, fernblieb. „Dich nehm ich nicht,“
schrie sie mit zornfunkelnden Augen, „und wenn du der Kaiser wärst, du
roter Fuchs, mit deinen Roßmucken [Sommersprossen] auf der Hand.“
Und ohne eine Antwort abzuwarten, lief sie wie ein Windspiel davon,
um zu der Gesellschaft ihrer Freundinnen zurückzukehren, deren ferner
Gesang aus den dunkelnden Tiefen des Buchenwaldes sehnsüchtig und
gedämpft zu ihr herüberklang.
Der Abgewiesene blieb wie angewurzelt an der Stelle stehen, wo ihm
Babette seine Rothaarigkeit vorgeworfen hatte; seine Lippen bewegten
sich mechanisch. „Wart, wart,“ sagte er ein über das andere Mal,
während ein paar Mädchen, lachend und schäkernd, an dem Erstarrten
vorbeihuschten und ihn im Vorbeigehen mit frisch gepflückten
Distelschossen bewarfen: denn Kaspar Lienlein galt als halber Tölpel,
vor dessen tückischer Gemütsart sich indessen die halbe Stadt fürchtete.
Babette aber lief, ehe sie an den Festplatz gelangte, wo Friedrich
Lerch mit seinem verschlossenen Amtsgesicht in der Gesellschaft der
würdigsten Ehrengäste auf und ab wandelte, dem alten Ratsherrn und
Spitalpfleger Christopher Kemmeter in die Arme. Der lange dürre Kauz
stellte sich breitbeinig über den Weg, als Babette mit glühendem
Gesichtchen daherstürmte, und spitzte seinen faltigen Mund, als
wolle er sie mit einem Kusse aufspießen. Sie mußte lachen, als sie
den Alten gewahrte, der nun sein linkes Aug zusammenkniff und mit
seinem rechten Daumen über die Achsel nach dem Festplatz deutete. Der
Spitalpfleger war ihr, wie der ganzen Gegend, von Jugend her wegen
seiner Absonderlichkeiten bekannt: er trug an Werkeltagen niemals
eine andere Tracht als das Gewand eines fränkischen Weinbauern, gelbe
hirschlederne Hosen, grobe Schnallenschuhe, einen langen Tuchrock mit
breiten Silberknöpfen und einen abgeschabten Dreispitz, auf den er,
wenn es nur ging, eine Blume, eine Nelke, eine Rose oder eine Kornrade,
zu stecken pflegte. Auf der Straße schritt er stets mit gesenktem Kopf
und vor sich hinmurmelnd einher, wobei er von Zeit zu Zeit mit seinem
Krückstock nach rechts und links ausschlug, als wolle er die Beine
seiner Feinde und Widersacher absäbeln. Er besaß die besten Weinberge
der Stadt und trieb einen schwunghaften Handel mit Südweinen aus Zypern
und Spanien, die er durch einen Mainzer Hofjuden in Venedig oder Genua
einkaufen ließ. Im Herbste, wenn die Lesewagen mit den schweren Kufen
in die Keltern fuhren, wich er nicht von der Seite seiner Winzer, die
Tag für Tag eine ausgesuchte Nahrung und einen guten Trank aus seinem
Keller erhielten, damit sie beim Lesen weniger Trauben schmausten. In
der Stadt und im Rat besaß er wenig Freunde: er galt als reich und
filzig, und seine Feinde behaupteten, alle Dinge, in die der ehemalige
Armenadvokat die Hand stecke, verfilzten sich zu einem unauflösbaren
Knäuel, von dem man am besten die Hände lasse. Babette wußte, daß
ihm Friedrich Lerch seine Ernennung zum Ratsschreiber verdankte:
Christoph Kemmeter gehörte zwar der Augsburger Konfession an; aber
er war seit Jahren mit dem protestantischen Stadtpfarrer und Propst
Veit Schlegelmilch verfeindet und tat, was er nur konnte, um seine
Glaubensgenossen und deren Seelenhirten bei jeder Gelegenheit zu
ärgern. So hatte er es auch durchgesetzt, daß der katholische Friedrich
Lerch, dessen Vater dem Fürsten von Weiningen als Kammerdirektor
gedient hatte, gegen jedes Herkommen zum Kanzler gewählt wurde. --
Als er bemerkte, daß Babettens Blicke über ihn weg nach dem Festplatz
flogen, fragte er: „Hat die Jungfer Babett gesehen, wie die Forellen
springen? Weiß Sie, was das bedeutet? Entweder kommt ein Wetter, oder
es ist ein Hecht unter die Fische geraten. Junge Hechte sind gefräßig
und haben viel Gräten!“
Babette wußte nicht, was sie zu dieser Feststellung sagen solle. Da
beschloß sie, den Stier bei den Hörnern zu packen, indem sie plötzlich
fragte: „Werden sie den neuen Stadtschreiber bestätigen?“
Der Ratsherr lachte: „Wenn die Jungfer mir ein Küßchen gibt, will ich
ihr den Beschluß des Geheimen Rats wortwörtlich sagen.“
„Das Küßchen erhält der Herr nach meiner Hochzeit,“ sagte Babette
lachend.
Der Spitalpfleger verzog den Mund: „Das ist, wie hier die Hasen
laufen, ein unsicherer Wechsel. Aber ich will Ihr glauben und mich
zufriedengeben.“
Er kannte Babette seit ihrer frühesten Kindheit, und schon an dem
Kinde war ihm, wenn er nach Weiningen kam, um dem regierenden Fürsten
seine Aufwartung zu machen und seine Freunde unter den fürstlichen
Beamten zu besuchen, die bezaubernde Anmut, aber auch eine seltsame
Eigenwilligkeit und spielerische Gemütsart des kleinen Mädchens
aufgefallen.
Als er eines Tages die Gewächshäuser in Weiningen durchschritt, um bei
dem fürstlichen Hofgärtner Tulpenzwiebeln für seinen Blumengarten zu
bestellen, gewahrte er die kleine Babette, die heftig auf den jüngsten
Sohn des Kammerdirektors, den kleinen Friedrich Lerch, einsprach: das
kleine Frauenzimmerchen, das in seiner Puppenhaftigkeit doch schon
etwas Frauliches in seinem Wesen hatte, deutete auf eine Orange, die
im Gezweig eines Topfbaumes hing, und verlangte, daß der Knabe sie
vom Aste breche. Dieser starrte wie gebannt auf die goldene Frucht,
ohne die Hand zu rühren, und sagte nur leise: „Das darf man nicht.“
Da bemerkte der Zuschauer, daß die Kleine über diese Weigerung in
die hellste Wut geriet; sie stampfte mit den Füßen, sie schlug den
Spielgenossen mit den Blumen, die sie im Händchen trug, und sprang wie
eine Wilde an dem Stamm empor, ohne die Frucht zu erreichen. Selbst
die belehrende Verweisung, die der herzutretende Zuschauer der kleinen
Wilden zuteil werden ließ, vermochte ihren Groll nicht zu stillen: sie
blieb mit zusammengekniffenem Gesichtchen stehen und lief plötzlich
wie ein Wiesel davon, um ihrer Beschämung zu entgehen. Später, auf
dem Heimweg von der Gärtnerei, bekam der Ratsherr die beiden Kinder
noch einmal zu Gesicht: Friedrich zog ein Wägelchen, in dem die kleine
Babette, mit einem Kränzlein in dem Blondhaar, saß und wie eine
kleine Göttin um sich blickte, die in einem Triumphwagen einherfährt.
Im Schimmer dieser Erinnerungen erhob der alte Kemmeter den Finger,
um Babetten zu drohen, und dann geleitete er sie zur Tafel, wo die
älteren Herren noch immer beim Weine saßen und den Worten des Domherrn
von Hutten lauschten. Dieser ließ den Schloßbau mit seinen Hallen,
Gärten, Tempelchen, Bosketts und Springbrunnen vor den Augen der
weinseligen Zuhörer erstehen und verfehlte nicht, die Vorteile, die
der Gegend aus der Bautätigkeit des Kirchenfürsten und der Anwesenheit
des durchlauchtigen jungen Fürsten Franz Lothar erwachsen würden,
ins hellste Licht zu stellen. Als besonderen Spaß tischte er die
Neuigkeit auf, daß der Fürstbischof Adam Friedrich beschlossen habe,
seinen seligen Hofnarren in Stein aushauen und das Standbild über dem
Zufahrtstore aufstellen zu lassen. Die Frankenthaler zwinkerten und
nickten beifällig mit den Köpfen: solche Späße gehörten in das Reich
der eigenen Lustbarkeiten, von deren Schwankhaftigkeit Geschlecht um
Geschlecht zehrte. Dazwischen aber überlegte der eine und der andere,
wie man die Anwesenheit des italienischen Baumeisters, der wie ein
Aal unter den Festgästen umherschlüpfte, zu eigenem Nutz und Fromm
verwenden könnte. Der eine besaß einen geräumigen Ziergarten, in dem
sich ein kleines Lusthaus mit breiten Fenstern und Muschelnischen gut
ausnehmen würde; ein anderer wohnte in einem Hause, dessen Vorderseite
der Erneuerung bedurfte, und jener träumte im Schweifen des Gesprächs
von einer gelb lackierten Kutsche, wie sie mit Bereitern und Läufern
die Welt auf glatten Herrenstraßen durchsausten. So blickten sie im
Bann des schweren Weins in eine neue Zeit, deren Grundstein dort unter
Rosen versteckt in der Erde ruhte und der wachsenden Mauern harrte. --
Der Ratsherr Kemmeter nahm am Tische Platz und hob seine Hand ans Ohr,
um nur ja kein Wort der kostbaren Rede zu verlieren. Auch Babette
blieb einen Augenblick lauschend stehen; als sie aber bemerkte, daß
der ehrfurchtsvoll lauschende Friedrich Lerch mit seiner würdigen
Amtsmiene noch immer ihren Blicken auswich, rümpfte sie das Näschen
und ging auf den Junker Collenberg zu, der sie mit einer französischen
Verbeugung begrüßte und ihr die Hand zu einem Tanze auf dem Rasen vor
dem Zelte bot. Und da die Bläser einen deutschen Tanz anstimmten,
flog sie im Nu mit dem Junker im Tanz dahin. Sie schloß die Augen,
um im Arm ihres Tänzers nur die Raserei des Schwebens zu empfinden,
und als die Bläser absetzten, huschte sie auf die Musikanten zu und
bat sie mit fliegenden Worten um die Wiederholung des Tanzes. Sie
merkte nicht, daß ihre Gespielinnen, hämisch flüsternd und tuschelnd,
die Köpfe zusammensteckten; sie sah auch nicht, daß Kaspar Lienlein
neben seiner Mutter unter der Zeltöffnung stand und jede Bewegung der
Tanzenden mit gierigem Blick verschlang. Sie verlor ihren rechten
Schuh und tanzte im weißen Strumpfe auf dem Rasen weiter; sie spürte
es nicht, daß sich ihr Busentuch löste und wie ein geblähtes Segel zu
den Füßen gestrenger Mütter hinfiel; sie fühlte im rasenden Drehen und
Schweben nur das eine: daß eine seltsame Traurigkeit in ihr aufquoll,
durch die ein bitterer Groll wie ein Wässerlein unter Steinen in ihr
emporsickerte. Und als ihr Tänzer sie ins Zelt zurückbegleitete, blieb
sie mit gesenkten Augen vor der Tafel stehen, wo die Herren noch immer
beim Weine saßen und würdige Gespräche pflogen. Sie atmete erst auf,
als dumpfes Grollen ein nahendes Gewitter verkündete und die ganze
Gesellschaft in das Zelt zusammenscheuchte. Da die Festkutschen erst
gegen Abend aus der Stadt erwartet wurden, mußten die Gäste vor dem
Unwetter in einem nahen Bauernhause Schutz suchen, und die Mädchen
kamen erst zu Beginn der Dämmerung wie durchnäßte Mäuse vor dem
Tore an, wo sie kichernd und lachend auseinanderhuschten. Der Junker
Emmerich bekam Babette nicht mehr zu Gesicht; er nahm feierlichen
Abschied von dem Domherrn von Hutten und gab seinem Kutscher Befehl,
mit dem Reisewagen in einer Stunde vorzufahren.
Als Babette das alte Haus am Lochgraben, in dem sie mit ihrer Tante
Lioba Hippler, der Witwe des städtischen Kellers [Rentmeisters] wohnte,
in der Dämmerung betrat, fand sie die alte Frau in heller Aufregung.
Die Lioba Hippler war seit zehn Jahren auf beiden Augen blind und
pflegte ihre ganze Zeit mit Spinnen zu verbringen. Sie saß dabei mit
ihrem mächtigen Spinnrad auf einem erhöhten Fenstersitz, von wo aus sie
alle Geräusche des stillen Stadtwinkels hören konnte. Jeder Ton, den
sie vernahm, ging wie ein Licht oder ein Zucken über das friedliche
Gesicht der alten Frau, die jeden Nachbarn an seinem Schritt erkannte.
Heute aber fand Babette ihre Tante in seltsamer Unruhe: „Gott sei Dank,
daß du nur da bist,“ sagte die Alte, die ihr bis an die Tür entgegenkam
und dann sofort auf ihren Fenstersitz zuging, um das geliebte Spinnrad
wieder in Bewegung zu setzen. „Ich hab mit einem Male eine solche Angst
gefühlt, wie wenn dir was passiert wär.“
Babette strich ihr zärtlich über die Backen und erzählte mit ruhigen
Worten von dem herrlichen Feste, ohne des Junkers von Collenberg mit
einem Worte zu erwähnen; dann huschte sie, leicht wie ein Hauch, die
Bodentreppe hinauf in ihr Gemach, um ein anderes Kleid anzuziehen.
Sie blieb ein Weilchen im bloßen Hemd vor ihrem Spiegel stehen,
legte ein feines Kettlein, an dem ein Herzchen mit Haaren von ihrer
verstorbenen Mutter hing, um den Hals, probierte eine Stutzhaube,
deren breite Atlasbänder bis an ihre Kniee niederwallten, und zog aus
dem schadhaften Haubenboden einen vergoldeten Draht heraus, den sie
mit versonnenem Lächeln um ihren linken Zeigefinger wickelte. Dann
warf sie einen Blick in den gefüllten Schrank, in dem das duftige
Linnenzeug ihrer Ausstattung gehäuft beisammenlag, und fuhr mit
zärtlichen Fingern über die blühweißen Tücher, die alle von ihrer
Mutter stammten. Während sie dann in dem schmalen Giebelgelasse wieder
vor dem Spiegel saß, zuckte es wieder wie ein feines Possenspiel
um ihr schmollendes Mündchen: sie probierte die Miene, mit der sie
Friedrich Lerch am Abend, wenn er käme, zu empfangen gedachte, und das
Armesünderbewußtsein, das sich, fast gegen ihren Willen, für einen
Augenblick auf ihre Züge legte, erfüllte sie jählings mit solchem
Übermut, daß sie hell auflachte und voll seliger Unrast aufstand, um in
dem schmalen Gemach, wo ihre ganze mütterliche Habe in Schränken und
Kommoden verwahrt lag, in halbem Tanzschritt auf und ab zu schreiten.
Sie zweifelte keinen Augenblick, daß der neue Stadtschreiber auch
heute, wie gewöhnlich gegen acht Uhr, kommen werde, um ein Stündchen
bei ihr und ihrer blinden Tante zu versitzen; sie hielt schon ihre
schönsten Blicke für ihn bereit und nahm sich vor, ihn auch noch dahin
zu bringen, daß er sie um Verzeihung für sein mürrisches Wesen bat, das
doch allein schuld an ihrem Spiel mit dem lustigen Junker war. Während
eine geheime Zärtlichkeit ihr Aug mit sehnsüchtigem Leuchten füllte,
beschloß sie, ihn auch noch ein Weilchen mit allerlei Anspielungen auf
den vornehmen Courmacher zu quälen, und ihm dann, zum Seelentrost, ein
Schälchen voll eingemachter Kirschen vorzusetzen, die der Schlecker
gerne aß, und ihm ihr eigenes Kinderlöffelchen dazu zu geben. Als
jedoch plötzlich über die abendlichen Dächer her das Horn eines
Postillions aufklang, der das alte Lied blies:
Komm heraus, komm heraus, du schöne, schöne Braut,
Deine guten Tage sind alle, alle aus,
O weiele weh!
da schnitt Babette eine Fratze und lief, die Melodie vor sich
hinsingend, im schönsten Sommerstaat zu ihrer Tante herab, die noch
immer vor ihrem Spinnrad saß. Es war ihr, als sie das dunkle Gemach
betrat, so wohlig zumute wie seit langem nicht, obwohl eine leise
Sehnsucht ihr Herz mit seltsamer Unruh erfüllte. Die Blinde fuhr ihr,
nach ihrer Gewohnheit, zum Gruß über das rosige Gesichtchen, und als
ihre Hände nichts Besonderes fanden, netzte sie den Finger an ihrem
welken Munde, um schweigend weiterzuspinnen. Das leise Schnurren des
Rades erfüllte den Raum mit einem Laut, der Babettes Gedanken, die mit
der sinkenden Dämmerung immer ernster wurden, wie eine leise Musik
begleitete und ihre Erwartung immer sehnsüchtiger stimmte. So saß sie,
mäuschenstill und auf nahende Schritte lauschend, auf einem niederen
Stühlchen da; und nur einmal schlich sie auf den Zehenspitzen an das
Fenster, um auf die Gasse zu spähen, aus deren Dunkel ein leises
Mädchenlachen zu ihr emporklang. Als jedoch der Abend weiter vorrückte
und Friedrich Lerch noch immer nicht kam, riß sie in jäh aufwallender
Wut ihr Batisttüchlein von den Schultern und nahm sich vor, dem
Unverschämten das nächste Mal, und wenn er auch als reuiger Sünder
käme, überhaupt keinen Blick zu gönnen. --
Doch Friedrich Lerch ließ sich weder an diesem noch an den folgenden
Tagen in dem alten Hause am Lochgraben sehen, und es war nicht Groll,
was ihn von der Geliebten fernhielt, sondern ein kummervolles Gefühl
der Scham, weil jene gegen das Bild gefrevelt hatte, das er von ihr in
seiner Seele trug. --
Babette aber verlor mit einem Male die Lust am Singen, und in
Frankenthal trugen sich, von heute auf morgen, ganz seltsame Dinge
zu: am Montag streckte die beste Milchkuh des Büchsenmachers Kaspar
Bundschuh plötzlich alle viere von sich, und die Augen, mit denen
die Verreckte vor sich hinstarrte, zeigten jedem, der etwas von der
Sache verstand, klipp und klar, daß sie den leibhaftigen Bösen vorher
gesehen hatten; am Dienstag weigerten sich die Geißen des lutherischen
Totengräbers Johannes Felgentreff, Milch zu geben, und weder
gütliches Zureden, noch das beste Grünfutter vermochte die meckernde
Gesellschaft von ihrer höllischen Halsstarrigkeit abzubringen; in der
Nacht von Mittwoch auf den Donnerstag entstand in dem Hühnerstall
des Brückenbecken Wiedehopf ein solcher Aufruhr, daß die ganze
Nachbarschaft aus dem Schlafe aufgeschreckt wurde, und als die Beckin
am Morgen das aufgeregt gackernde Hühnervolk aus dem Stalle ließ, fand
sie, daß die gelegten Eier samt und sonders hohl waren.
Am meisten Anlaß zu Gerede bot das Verhalten des Bürgermeistersohnes
Kaspar Lienlein: der saß wie von einem bösen Geist besessen stumm
und stöckisch in einem Winkel seines Zimmers, und wenn seine Mutter
mit seinen Lieblingsspeisen kam, um ihn zu trösten, sah er sie mit
bösen Augen an oder fletschte seine Zähne wie ein Hund, dem man seinen
Mittagsfraß stört. Dazu brachte jeder Tag, trotzdem der Mai noch nicht
zu Ende war, ein Unwetter nach dem andern, und alte und junge Weiber
schwelgten in dem Geraun und Gerede, daß solche Kieselwetter teuflisch
Hexenwerk seien. In ganz Kleinfranken, in Gerolzhofen, in Prozelten,
in Freudenberg und anderen Orten waren die Teufelsweiber am Werke,
und im niederen Volke zweifelte bald niemand, daß auch Frankenthal
eine Hexe beherbergte. Bald wurde auch der Name der Hexe, der Stadt
und Gegend die alltäglichen Kieselwetter verdankte, heimlich genannt,
und die Brückenbeckin erzählte jedem, der es hören wollte, daß sie
selbst in der Nacht vor dem ersten Mai ein faselnacktes Hexlein um
den Türmersturm habe fliegen sehen: es sei ganz zusammengekauert
auf einem langen Besenstiel gehockt, und sein loses Haar sei wie
ein feuriger Schweif hinter ihm dreingeflogen, als es mit ein paar
feueräugigen Eulen hinter dem Stadtwald, dem Stöckicht, verschwand.
Aber die schlimmste Verhexung war doch, wie alle munkelten, dem Sohn
des Bürgermeisters Lienlein, dem roten Kaspar, passiert, der wie
zerschlagen in der Stadt herumging und jeden mit Augen anschaute, aus
denen der leibhaftige Teufel in die Welt guckte. --
Nach acht Tagen waren alle Hexengläubigen darüber einig, daß die Stadt
in der Babette Glock ein ausbündiges Hexlein bekommen habe, und schon
fingen die kleinen Buben an, „Hexle, hex“ hinter ihr herzuschreien,
wenn sie mit ihrem Körbchen am Arm durch die Gassen ging, um eine
Freundin zu besuchen oder Gewürz beim Krämer einzukaufen.
An einem heißen Juniabend, am Tage vor Fronleichnam, ließ sich
endlich auch der Kanzler Friedrich Lerch bei der blinden Hipplerin
sehen. Babette, die gerade an einem Kuchenteig knetete, gönnte ihm
keinen Blick, als er eintrat und sich, nach einem scheuen Gruße, zu
der Blinden setzte. Diese streichelte ihm das Gesicht und verlangte
zu wissen, warum er so lange weggeblieben sei. Der Stadtschreiber
entschuldigte sein Fernbleiben mit Arbeit und der Sorge um seine
Stellung; denn seine Bestätigung war noch immer nicht erfolgt, und noch
immer sah er sich einer ungewissen Zukunft gegenüber. Als Babette einen
Augenblick hinausging, um den Teig an einen warmen Ort zu stellen,
folgte ihr Friedrich Lerch auf den Flur, wo er stehen blieb, bis sie
aus der Küche zurückkam.
„Der Herr Stadtschreiber will schon gehen?“ sagte sie schnippisch,
während sie ihre Hand an ihrer weißen Schürze abwischte.
„Die Jungfer Babett hat Verwandte in Aschaffenburg,“ entgegnete er,
indem er scheu auf die Seite blickte. „Ich würde Ihr raten, eine
Sommerreise dahin zu machen.“
Diese feierliche Haltung und der Umstand, daß er sie nicht mehr duzte,
erbitterte Babette aufs heftigste; sie höhnte: „Wenn ich das tät,
bekäme ich den Herrn Stadtschreiber nicht mehr zu sehen, und das bräch
mir das Herz.“ Sie funkelte ihn dabei mit zornigen Augen an; er aber
überlegte, ob er das wilde Wesen seinem Schicksal überlassen solle oder
nicht, und sagte dann: „Es gibt in der Stadt alte Weiber, die an Hexen
glauben.“
Sie lachte höhnisch: „So sag Er doch gleich, daß ich eine Hex bin!
Hat Er nicht gehört, daß ich erst vorgestern auf der Galgenweide
beim Hexentanz gewesen bin? Und weiß Er auch, daß der Grüne, der ein
Flötchen, nein, ein Hörnchen -- ein Hörnchen geblasen hat, Ihm ähnlich
sieht? Ja -- ja --.“
Friedrich Lerchs Gemüt wurde weich: „Jungfer Babett,“ sagte er leise,
„man soll mit dem Unglück nicht spaßen.“
Dieses gedrückte Wesen brachte Babette noch mehr auf; sie lachte: „Wenn
ich nur wüßt, wo eine Hexenschul wär, ging ich noch heut hinein. Kann
Er mir keinen Rat geben? Er ist doch in der Welt 'rumgekommen --“
Da ging Friedrich Lerch, den dieses Wesen in der Seele quälte, ohne ein
Wort weiterer Entgegnung die hölzerne Treppe hinunter: er gedachte,
eine günstigere Stunde abzuwarten, um Babette zu warnen und zu einer
Reise zu bewegen. Babette blieb jäh verstummend an der Treppe stehen:
sie wußte nicht, was sie von dieser Flucht halten sollte, und dachte
einen Augenblick daran, den Jugendgespielen zurückzurufen; aber sie
brachte es nicht über sich, ein Wort zu sagen, und der Stadtschreiber
hörte beim Beschreiten der Haustürschwelle nur ein gelles Lachen, das
ihn auf seinem Gang durch die Stadt verfolgte. --
Am nächsten Morgen aber, in aller Frühe, kamen zwei Stadtknechte, um
die Barbara Glock, die noch im Schlummer lag und just von ihrer eigenen
Hochzeit träumte, aus dem Bett zu holen und in Gewahrsam zu nehmen.
Sie schrie und heulte und stampfte mit dem Fuße, als die Knechte mit
dem Befehl des Rates in ihr Stübchen drangen und sie aus dem Bette
zerrten; allein kein Weinen und kein Bitten half, und auch die blinde
Hipplerin, über deren runzelige Backen die dicksten Tränen herabliefen,
versuchte vergeblich, ihre Nichte loszubitten. Die Gefangene wurde
mit gebundenen Händen in den Hexenturm gebracht, wo sie der städtische
Stockmeister sofort mit einer langen Eisenkette an einen Mauerring
anschloß. Sie konnte sich in kleinem Umkreis umherbewegen und sich am
Tisch, der nicht weit von der tiefen Fensternische in einer dunklen
Ecke stand, auf einen Stuhl setzen. Sonst geschah ihr vorerst nichts;
denn die Frankenthaler pflegten ihre Hexen, zum Unterschied von anderen
Städten, gut zu behandeln, solange sie noch nicht des Vergehens der
Hexerei geständig oder überführt waren.
Da saß nun die lachende Babette und hatte Zeit, über ihr Schicksal
nachzudenken. Sie ahnte, von welcher Seite der Schlag kam, der sie aus
heiterem Himmel traf; aber sie war empörter gegen den Stadtschreiber
als gegen den rothaarigen Sohn des Bürgermeisters, dem sie es doch
verdankte, daß sie gefesselt und gefangen im Hexenturme saß. Wenn
sie des Gefühls gedachte, das jener verschmäht hatte, stürzten ihr
Tränen der Wut in die Augen, und jedesmal, wenn sie sich eines lieben
Augenblicks in seiner Gesellschaft erinnerte, stampfte sie mit dem
Fuße und warf einen Blick nach der Türe, als ob er jeden Augenblick
hereintreten müßte, um seine Strafe in Empfang zu nehmen. Aber es
kam niemand, und der lange Tag erschien ihr wie eine öde Ewigkeit.
Erst gegen Abend, als es schon dämmerte, trat der Stockmeister,
ein klapperdürres Hutzelmännchen mit schielenden Triefaugen, ein
und setzte ein gebranntes Mehlsüpplein als Hexenfutter auf den
wurmstichigen Holztisch. Er zwinckerte vergnügt vor sich hin, als er
Babette mit einer Handbewegung einlud, das Schüsselchen auszulöffeln;
denn in seiner Erinnerung glänzte noch das letzte Hexenmahl, das
der Rat, altem Brauch zufolge, den Stadtknechten und dem Türmer nach
der Verbrennung zu geben verpflichtet war, als herrlichstes der
Frankenthaler Feste her: es hatte einundzwanzig Gulden gekostet,
und der Stockmeister schnalzte im Gedanken an die Leckerbissen, die
damals aufgefahren wurden, noch jetzt mit der Zunge. Babette floh in
die tiefe Fensternische zurück und starrte mit wütenden Augen auf
den verhutzelten Hexentürmer, der nah und näher an sie herantrat.
Hundertmal war sie früher an dem Hexenturm vorbeigegangen und hatte den
Stockmeister gesehen, wie er mit seiner Frau, einer kahlköpfigen Alten,
zankend und keifend auf einem hölzernen Bänklein vor der Turmtür saß;
nun erfüllte sie der Blick des schielenden Alten mit Wut und Abscheu;
sie stampfte mit dem Fuße und schrie: „Geh, geh, du Aff!“
Doch der Türmer blieb vor der Nische stehen und zwinkerte sie
liebäugelnd an: „Wo hast denn das Hexen gelernt, Mädle?“ fragte er mit
meckernder Stimme; „hätt net gedacht, daß ich auf meine alten Täg noch
mal erleb, daß man eine Hex fängt. Die Hexen werden immer rarer. Am
Himmelfahrtstag sind’s fünfunddreißig Jahr her, seit wir die letzte
auf dem Marktplatz verbrannt haben. Wenn ich dir einen Rat geben därf,
so gesteh nur gleich. Was sein muß, muß sein. Hihi, wir Frankenthaler
haben noch keine Hex verbrannt, ohne daß sie gestanden hätt. Verbietet
auch die hochnotpeinliche Gerichtsordnung, daß eine Hex ans Feuerlein
kommt, ehe sie alles bis auf das Tipfele gestanden hat, hehe. Ich weiß,
-- ich bin net dumm, -- ich weiß, du denkst: die können lang warten,
bis ich sag, was ich weiß. Aber da legen sie dir die Daumenschrauben
an: die pressen dir die Knöchle, daß du alle Engel im Himmel singen
hörst. Dann wirst du in die spanischen Stiefel geschnürt. Wenn ich dich
aus der Stube lassen dürft, könnt ich dir das gekerbte Brettle zeigen,
das sich beim Zuschrauben ans Schienbein legt. Und wenn du dann noch
nicht sagst, wann du’s letztemal mit dem Junker Federkiel getanzt hast,
kommst du auf die Leiter, die ist ärger wie’s Fegfeuer. Du wirst mit
Winden in die Höh gezogen, und an die Füß hängt man dir ein volles
Essigfäßle. -- Ich hab in meiner Jugend baumstarke Männer gesehen, wo
von der Leiter runterkommen sind und gestöhnt haben: Wir wöllen lieber
zehnmal sterben als einmal die Leiter besteigen! Und wenn du von der
Leiter 'runterkommst und immer noch dein Hexengöschle hältst, bekommst
du den gespickten Hasen zu schmecken. --“
Babette hörte nicht mehr, was der Türmer sprach; sie hielt sich
die Ohren zu und blickte durch das verstaubte Gitterfensterchen
auf den Stadtwall, wo in der sinkenden Dämmerung ein paar Dutzend
Gassenbuben standen und warteten, ob das eingetürmte Hexlein vielleicht
geneigt sei, seine Künste zu zeigen und einen Ausflug zu wagen. Die
schadenfrohe Lustigkeit der Stadtjugend erschien ihr erträglicher als
die Folteraugen des Alten, der nun mit einem Mal zu jammern begann:
„Ja, ja, die Zeiten werden immer schlechter, und die Taxordnung is kein
Hellerle wert. Weißt, Mädle, was ich fürs Ohrabschneiden bekomm? Zwei
Schilling und sechs Pfennig. Und für jeden Brand zwei Schilling zwölf
Pfennig. Fürs Auspeitschen gibt mir der Rat nur den Gotteslohn, und
wenn ich nicht am Salben was verdienen tät, könnt ich kein Schöpple
Gützberger trinken --“
Nun aber fuhr Babette mit solchen Augen auf das Männlein los, daß
dieses den Rückzug antrat und vor sich hinmeckernd die schmale
Gefängnistür mit den mächtigen Riegeln verschloß. Sie lehnte ihre Wange
an die verstaubten Scheiben und ließ ihre Tränen stillschweigend auf
ihre Hände herunterfallen, die gekreuzt in ihrem Schoße lagen. So blieb
sie die ganze Nacht hindurch sitzen, als ob alles, alles Leben aus
ihr geflohen wäre, und erst am Morgen warf sie sich auf den hölzernen
Schragen, der anstatt eines Bettes in einem Winkel des Turmgemaches
stand.
Obwohl sich die Frankenthaler sonst zu allem Zeit und Ruhe ließen,
schien es dem hochmögenden Rate doch geboten, das Verhör der Barbara
Glock schon am nächsten Morgen zu beginnen. In aller Herrgottsfrühe
durchschritt ein Ratsknecht mit der Schelle die Straßen, um den
Einwohnern die hochnotpeinliche Vernehmung anzukündigen, indem er mit
lauter Stimme zu den Fenstern der Gerichtsherren hinaufsang:
„Höret, ihr Ratsherrn, jung und alten,
Heut früh wird Halsgericht gehalten
Über eine gefangene Person,
Die große Übeltat geton!
Zu solchem Rechtstag sollt ihr kommen,
Gemeinem Wesen zu Nutz und Frommen.“