Ich schritt gegen das Parlament hin. Schon schrien Menschen, die überhaupt
nichts sehen konnten, »Hoch Lueger!« oder »Hurrah!«. Die meisten brüllten
mechanisch mit, nur ein ehemaliger Fußballspieler leistete sich die Nuance:
»Hip-Hip-Hurra!« Der greise Monarch, rechts und links unaufhörlich grüßend,
fuhr trotz der herrschenden kühlen Brise im offenen Wagen. Kodaks hielten
den unvergeßlichen Anblick fest: das Gefährt, in dem der Kral von Danubien
neben unserem glorreichen Verbündeten, dem Affenkönig Hanuman, saß. Die
schwerbehaarte Rechte des Gastes, der keine Handschuhe nötig hatte,
salutierend an den Tschako gelegt, ließ auf eine zottige Brust schließen,
im Flug hatte er sich die Herzen der Wienerinnen erobert, im Flug mich
davon überzeugt, daß mein alter Lieblingsausdruck für Husarenjacken und
Offiziersblusen: »Affenjanker«, sehr prägnant, zutreffend, hier jedenfalls
der einzig richtige war.
Wieso ich den nächsten Augenblick überleben konnte, weiß ich nicht. Mein
Herz zerklopfte mich. Als Hanuman das tief symbolisch und mit Recht vor dem
Parlament verharrende Standbild der Hauseule und Landespatronin
Oesterreichs: der Pallawatsch-Athene passierte, hob die Göttin zum Zeichen
des Grußes ihre Lanze. Dem Affengott zu Ehren? Oder war dies eine
vaterländische Verherrlichung des illustren Gastes? Undurchsichtige
Machinationen!
Ein Schrei! Auf, unter den Wagen der Majestäten stürzte sich eine Uniform,
der Charge nach ein Feldmarschallwebel. Oder war es ein Generalunterst? Die
roten Generalsstreifen der Exzellenz lagen blutbereit am Boden unter den im
jähsten Augenblick noch zurückgerissenen Rossen. Der Wackere, Tapfere hatte
sich unter die Hofequipage geworfen, auf daß Hanuman sähe, wie sehr sich
auch in Europa Getreue zu opfern wissen. Ich dachte: Jaggernaut in Wien.
Seltene Geste. Rührend.
Während ein paar Germanoslowaken dem einem schweren Orden nicht entgehenden
Veteranen emporhalfen, zerbrach sich schon das auf eine Extraausgabe
gefaßte Publikum den Kopf mit Vermutungen, welcher der Paladine des
Donaulandes so beherzt gewesen. G. d. J. Hawlatatsch von Hatschentreu?
Strzoch von Aarenbrei? Baron Zsiga Márczibànyi? Elemer Saprdek von
Eichenleu? Marschall Rückwärts? Man wußte es nicht.
Als sich der Hofwagen mit den Fürstlichkeiten und deren auf eine so harte
Probe gestellten Nerven wieder in Bewegung setzen wollte -- neuer
Zwischenfall. Plötzlich sauste nihilistisch ein rundlicher, schwarzgrüner
Gegenstand von der Größe eines Maschanzkerapfels in die Hofequipage, auf
den Affenkönig zu. Der Kral von Danubien hatte nur eine kleine
Handbewegung, nicht der Furcht, sondern der Entrüstung; aber der kleine
Knabe mit der Glaskugel weit draußen in Lerchenfeld, im Verlieren begriffen
die Regeln des Marmorkugerlspieles ändernd, er rief vernehmlich: »Gitsch
bum gilt nicht!« Hanuman jedoch betrachtete lächelnd die ihm in den Schoß
gefallene kandierte Walnuß -- denn so brav entpuppte sich der geschleuderte
Gegenstand. Durch die Triumphpforte gings in die Hofburg. Ob hierauf
Hanuman dort blieb und der danubische Kral nach Schönbrunn fuhr oder
umgekehrt der Hanuman dem Affenhaus einen Besuch machte, frage man die
Pallawatsch-Athene.