Eugen Diederichs Verlag in Jena

=Charles de Coster, Flämische Legenden.= Deutsch von Marie Lamping und

Friedrich v. Oppeln-Bronikowski. br. M. 3.--, geb. M. 4.--

_Inhalt_: Die Brüder vom guten Vollmondsgesicht / Bianca, Clara und

Candida / Herr Halewyn / Smetse, der Schmied / Ser Huygs / Die Masken

_St. Galler Blätter_: Costers Legenden werden ja wohl deutschen Lesern

schnell Gottfried Kellers Sieben Legenden in Erinnerung rufen und

Züge der Verwandtschaft zwischen dem Schweizer und dem Belgier sind

in der Tat nicht zu verkennen: das kätzchenschnurrende Poetenbehagen

am freien Gespinst, das Element lächelnder Schalkheit, das

Durchschimmernlassen der Kritik aus dem Wesen neuer Welt. Aber Coster

ist es in stärkerem Maße um säuberlichste Nachbildung alten Geistes

und alter Form zu tun gewesen, weniger gedämpft ist sein Ton und sind

seine Farben, wirklichkeitsherb schaut das Mittelalter aus diesen

eigenartigen Schöpfungen nachbildender Phantasie heraus und bunter

sind seine Elemente, weniger zu etwas Geschlossenem zusammengetönt,

derber das Volkshafte darin. In allen Teilen ist der starke Poet am

Werke: voller Beweglichkeit und Mannigfaltigkeit des Gefühls, bald

ernst, ja das Grausige heranziehend, bald schwankhaft und ulkig, von

Erfindung überquellend und packend durch die Wucht des Einfachen in

diesem in die Stimmung ferner Vergangenheit getauchten, kunstvoll

in ihr festgehaltenen Berichten. Wie Erholung empfindet man nach

moderner Subtilität des Psychologischen diese Geschichten voll bunten,

fröhlichen und düstern Geschehens.

_Wiesbadener Zeitung_: Neun Jahre vor seinem gewaltigen „Tyll

Ulenspiegel“, der nun durch die Welt geht, schrieb der Dichter 1858

seine ~Légendes Flamandes~, ein bedeutungsvolles Präludium des größeren

Lebenswerkes. Auch hier die altertümliche, Rabelais nachempfundene

Sprache mit ihrer ungelenken Treuherzigkeit, ihrem prachtvollen

Daseinsbehagen, die glücklicherweise nicht mit wissenschaftlicher

Konsequenz durchgeführt wird, sondern sich ganz den Dingen selbst

anpaßt, auch hier an einzelnen Stellen hervorbrechend der wilde Haß

gegen die spanischen Gewalthaber, die in grotesk phantastischer

Form, mit grausamer Rachelust gepaart, sich äußert. Es sind Märchen

voll seltsamer Mischung mystischer und realistischer Elemente, ganz

Vorahnung jener Motive, die die Gegenwart liebt, aber ganz naiv und

unmittelbar erfaßt, nicht das Produkt literarischer Konvention, wie so

vieles heute, vieles ohne Einheitlichkeit, ausgesponnen gleich einem

bald beklemmenden, bald beglückenden Traum, aber alles unmittelbar

Gegenwart. Wunderschön ist das Buch übersetzt und mit feiner

Künstlerschaft ausgestattet.

Tyll Ulenspiegel und Lamm Goedzak: Legende von ihren heroischen, lustigen und ruhmreichen Abenteuern im Lande Flandern und andern Orts · 第 45 / 46 题