Jemand in meiner Nähe rührte sich, und eine grunzende Männerstimme ließ

sich vernehmen. Dann wieder erlöste mich die barmherzige

Bewußtlosigkeit.

So bin ich tagelang zwischen Leben und Gestorbensein hin und her gezogen

worden, bis eines Morgens mein Zustand sich so weit gebessert hatte, daß

mir nicht sofort nach dem Erwachen wieder die Sinne schwanden.

Ich stellte fest, daß ich in einer armseligen Hütte lag. Um mich war

eine Familie von rotbraunen, halb nackten Menschen kaum mittelgroßer

Gestalt, die sich hilfsbereit um mich bemühten.

Von Irid war nichts zu sehen. Ich begann nach ihr zu fragen. Man schien

mich nicht zu verstehen.

Ich wurde in meiner Angst unruhig. Ich rief laut Irids Namen.

Man gebot mir, durch Zeichen, zu schweigen und ruhig zu liegen.

Die jüngere aber der beiden Frauen schien zu ahnen, was ich wolle. Sie

machte eine Bewegung mit den rundgeformten Händen vor ihrem mageren

Körper, als ob sie volle Brüste fasse, hob dann die Hand über ihren

Kopf, wie um körperliche Größe anzudeuten, zuckte wie bedauernd mit den

Achseln und wies nach draußen. Es war möglich, daß sie Irid meinte, die

also außerhalb der Hütte sei. --

Noch viele Tage war meine Kraft zu schwach und der Schmerz in Kopf und

Körper zu heftig, als daß ich vermocht hätte, irgend etwas in der

Richtung meines Wunsches zu tun.

Dann aber, nachdem ich durch das bewundernswert liebevolle Verhalten der

unbekannten, gastlichen Hüttenbewohner, die mir köstliche Früchte

brachten, Bananen, Orangen, auch gekochte Fische und eine schöne braune

Kakaosuppe, einigermaßen wieder zu Kräften gekommen war, führten mich

die beiden Männer der Familie, halb mich tragend, hinaus.

Es war eine tropische Vegetation um mich, ich blickte über ein felsiges

Flußtal, und in der Nähe rauschte stark ein Wasserfall.

Sie setzten mich auf einer Bank vor der Hütte nieder, neben welcher ein

Fischernetz zum Trocknen hing.

So saß ich in der warmen Sonne, noch nackt, wie sie mich gefunden

hatten. Zum Schutze gegen die Strahlung legten sie mir eine Decke um und

setzten einen Basthut auf meinen Kopf.

Von Irid vermochte ich nichts zu erfahren. In Zeichen gegebenen Fragen

wich man aus oder verstand sie nicht. Ich verging fast vor Qual.

Später, wieder in der Hütte, fand ich ein Stück alter Zeitung, in

spanischer Sprache geschrieben und in Porto Cabello gedruckt, welchen

Ort ich nicht kannte, ihn aber der Umstände wegen richtig im nördlichen

Südamerika wähnte.

Nach einigen weiteren Tagen war ich, trotz noch erheblicher Schmerzen,

so weit wieder hergestellt, daß ich unter Hilfeleistung der Männer

einige Schritte gehen konnte.

Als ich nun mit Hilfe spanischer Brocken, deren ich mich jetzt entsann,

dringlicher als bisher nach meinem Weibe fragte, wechselten die Männer

ernste Blicke, nahmen mich unter die Arme, führten mich in eine zwischen

der Hütte und dem Flußtale liegende kleine Orangenwaldung und wiesen auf

einen frisch aufgeworfenen Hügel von Erde und Steinen.

Die Urkraft meines starken Körpers klage ich an.

Ich klage sie der Überwindung des schweren Siechtums an, in das ich

zurückfiel.

Ich klage sie des Fortschrittes meiner Genesung an, während derer ich in

stummer Dumpfheit auf dem Grabe saß, bis das brutale Muß des Lebens, der

Zwang, meinem Leibe durch eigene Arbeit Nahrung zu verschaffen, mich zu

dem machte, als der ich dieses niederschreibe.

L. Staackmann Verlag, Leipzig

Rudolf Hans Bartsch

Heidentum

Die Geschichte eines Vereinsamten

Einbandzeichnung von Alfred Keller-Wien

40. Tausend

Geheftet M. 14.-- :: Pappband M. 20.--

Leinen M. 22.50

»Schubert und Stifter sind zugleich in dieser Naturphilosophie,

die ein göttliches Heidentum aufrichtet aus tiefster Andacht vor

allem Lebendigen. Das Ethos und seine innigbeseelte Melodie

klingt zeugend und rein aus diesem gefühlsstarken Buch an die

Seelen, die der Andacht ihre Tore öffnen.«

Das literarische Echo.

L. Staackmann Verlag, Leipzig

Robert Hohlbaum

Unsterbliche

Novellen

Umschlag und Buchschmuck von K. Alex. Wilke, Wien

5. Tausend

Geheftet M. 6.--, gebunden M. 9.--

Aus den zahlreichen glänzenden Pressestimmen:

»Ein Buch der Liebe und des Mitleidens. Die Arbeit eines

künstlerisch erlebenden Menschen über die großen Dichter unseres

Volkes.«

Reclams Universum.

»Es sind durchweg Kunstwerke von einer erstaunlichen Innigkeit

der Einfühlung in die Zeiten sowohl, als auch in die

grundverschiedensten Charaktere. Die Größe und seelische Wucht

der einzelnen Helden wird weder theatralisch aufgeputzt, noch

aber auch sentimental verbürgerlicht.«

Die Lese, Stuttgart.

L. Staackmann Verlag, Leipzig

Marx Möller

Die Spieluhr

Gedichte und Spiele (1892-1919)

Einbandzeichnung v. Kurt Möller-Fernau

Geheftet M. 7.50, gebunden M. 9.50

»Marx Möller -- selbst ein ausgezeichneter und mitreißender

Sprecher -- hat in seiner »Spieluhr« auf Grund langjähriger

Erfahrungen alles zusammengestellt, was sich aus seinen eigenen

und den von ihm übertragenen Dichtungen als besonders

wirkungsvoll auf den Leser und Hörer erwies. Das Buch umfaßt also

nicht nur Gedichte des Heimatlandes und Spiele in

mittelalterlicher deutscher Art, sondern bringt auch eine große

Auswahl aus malayischen Mythen, aus den Lagerliedern Rudyard

Kiplings, aus altjapanischen Spielen und aus schönen Legenden.

Der Geschmack des Künstlers hat dafür gesorgt, daß nur das Beste

sowohl an gemütreichen als auch humorvollen Dichtungen vertreten

ist.«

L. Staackmann Verlag, Leipzig

A. De Nora

Die Rächer

Novelle aus der Revolutionszeit

Einbandzeichnung von Professor Hugo Steiner-Prag

5. Tausend

Pappband M. 7.--

»Eines der wild-heißesten Bücher seit langer Zeit. Nur ein kurzer

Abriß aus der Zeit der Pariser Schreckensherrschaft, als der

gefräßigen Madame Guillotine täglich hunderte von Köpfen des

französischen Adels zum Opfer fielen.«

Berliner Tageblatt.

Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Weitere

Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher):

[S. 87]:

... Wo in dem kosmetischen Gewimmel mochte ...

... Wo in dem kosmischen Gewimmel mochte ...

Nebel der Andromeda Das merkwürdige Vermächtnis eines Irdischen · 第 7 / 7 段