I.

Die Amme hatte die Schuld. -- Was half es, dass, als der erste Verdacht

entstand, Frau Konsul Friedemann ihr ernstlich zuredete, solches Laster

zu unterdrücken? Was half es, dass sie ihr ausser dem nahrhaften Bier

ein Glas Rotwein täglich verabreichte? Es stellte sich plötzlich heraus,

dass dieses Mädchen sich herbeiliess, auch noch den Spiritus zu trinken,

der für den Kochapparat verwendet werden sollte, und ehe Ersatz für sie

eingetroffen war, ehe man sie hatte fortschicken können, war das Unglück

geschehen. Als die Mutter und ihre drei halbwüchsigen Töchter eines

Tages von einem Ausgange zurückkehrten, lag der kleine, etwa einen Monat

alte Johannes, vom Wickeltische gestürzt, mit einem entsetzlich leisen

Wimmern am Boden, während die Amme stumpfsinnig daneben stand.

Der Arzt, der mit einer behutsamen Festigkeit die Glieder des gekrümmten

und zuckenden kleinen Wesens prüfte, machte ein sehr, sehr ernstes

Gesicht, die drei Töchter standen schluchzend in einem Winkel, und Frau

Friedemann in ihrer Herzensangst betete laut.

Die arme Frau hatte es noch vor der Geburt des Kindes erleben müssen,

dass ihr Gatte, der niederländische Konsul, von einer ebenso plötzlichen

wie heftigen Krankheit dahingerafft wurde, und sie war noch zu

gebrochen, um überhaupt der Hoffnung fähig zu sein, der kleine Johannes

möchte ihr erhalten bleiben. Allein nach zwei Tagen erklärte ihr der

Arzt mit einem ermutigenden Händedruck, eine unmittelbare Gefahr sei

schlechterdings nicht mehr vorhanden, die leichte Gehirnaffektion, vor

allem, sei gänzlich gehoben, was man schon an dem Blicke sehen könne,

der durchaus nicht mehr den stieren Ausdruck zeige wie anfangs ...

Freilich müsse man abwarten, wie im übrigen sich die Sache entwickeln

werde -- und das Beste hoffen, wie gesagt, das Beste hoffen ...

Der kleine Herr Friedemann: Novellen · 第 13 / 47 题