4. Szene

(Paul Werner (der in einer steifen Stellung, gleichsam im Dienste,

hereintritt). Das Fräulein. Franziska.)

Franziska

Nein, es ist nur sein lieber Wachtmeister.

Fräulein

Lieber Wachtmeister? Auf wen bezieht sich dieses Lieber?

Franziska

Gnädiges Fräulein, machen Sie mir den Mann nicht verwirrt.--Ihre

Dienerin, Herr Wachtmeister; was bringen Sie uns?

Werner

(geht, ohne auf die Franziska zu achten, an das Fräulein). Der Major

von Tellheim läßt an das gnädige Fräulein von Barnhelm durch mich, den

Wachtmeister Werner, seinen untertänigen Respekt vermelden und sagen,

daß er sogleich hier sein werde.

Fräulein

Wo bleibt er denn?

Werner

Ihro Gnaden werden verzeihen; wir sind noch vor dem Schlage drei aus

dem Quartier gegangen, aber da hat ihn der Kriegszahlmeister

unterwegens angeredt, und weil mit dergleichen Herren des Redens immer

kein Ende ist: so gab er mir einen Wink, dem gnädigen Fräulein den

Vorfall zu rapportieren.

Fräulein

Recht wohl, Herr Wachtmeister. Ich wünsche nur, daß der

Kriegszahlmeister dem Major etwas Angenehmes möge zu sagen haben.

Werner

Das haben dergleichen Herren den Offizieren selten.--Haben Ihro Gnaden

etwas zu befehlen? (Im Begriffe wieder zu gehen.)

Franziska

Nun, wo denn schon wieder hin, Herr Wachtmeister? Hätten wir denn

nichts miteinander zu plaudern?

Werner

(sachte zur Franziska und ernsthaft). Hier nicht, Frauenzimmerchen.

Es ist wider den Respekt, wider die Subordination.--Gnädiges Fräulein--

Fräulein

Ich danke für Seine Bemühung, Herr Wachtmeister.--Es ist mir lieb

gewesen, Ihn kennenzulernen. Franziska hat mir viel Gutes von Ihm

gesagt. (Werner macht eine steife Verbeugung und geht ab.)

Minna von Barnhelm · 第 42 / 63 题