3. Szene

(Das Fräulein. Franziska)

Franziska

(erbittert). Kann ich noch reden? O schön! o schön!

Fräulein

Spotte nur; ich verdiene es. (Nach einem kleinen Nachdenken und

gelassener.) Spotte nicht, Franziska; ich verdiene es nicht.

Franziska

Vortrefflich! Da haben Sie etwas Allerliebstes getan, einen

Spitzbuben wieder auf die Beine geholfen.

Fräulein

Es war einem Unglücklichen zugedacht.

Franziska

Und was das beste dabei ist: der Kerl hält Sie für seinesgleichen.--Oh,

ich muß ihm nach und ihm das Geld wieder abnehmen. (Will fort.)

Fräulein

Franziska, laß den Kaffee nicht vollends kalt werden, schenk ein.

Franziska

Er muß es Ihnen wiedergeben; Sie haben spielen. Zehn Pistolen! Sie

hörten ja, Fräulein, daß es ein Bettler war! (Das Fräulein schenkt

indes selbst ein.) Wer wird einem Bettler so viel geben? Und ihm noch

dazu die Erniedrigung, es erbettelt zu haben, zu ersparen suchen? Den

Mildtätigen, der den Bettler aus Großmut verkennen will, verkennt der

Bettler wieder. Nun mögen Sie es haben, Fräulein, wenn er Ihre Gabe,

ich weiß nicht wofür, ansieht.--(Und reicht der Franziska eine Tasse.)

Wollen Sie mir das Blut noch mehr in Wallung bringen? Ich mag nicht

trinken. (Das Fräulein setzt sie wieder weg.) "Parbleu, Ihro Gnad,

man kenn sik hier nit auf den Verdienst." (In dem Tone des Franzosen.)

Freilich nicht, wenn man die Spitzbuben so ungehangen herumlaufen läßt.

Fräulein

(kalt und nachdenkend, indem sie trinkt). Mädchen, du verstehst dich

so trefflich auf die guten Menschen: aber, wenn willst du die

schlechten ertragen lernen?--Und sie sind doch auch Menschen.--Und

öfters bei weitem so schlechte Menschen nicht, als sie scheinen.--Man

muß ihre gute Seite nur aufsuchen.--Ich bilde mir ein, dieser Franzose

ist nichts als eitel. Aus bloßer Eitelkeit macht er sich zum falschen

Spieler; er will mir nicht verbunden scheinen, er will sich den Dank

ersparen. Vielleicht, daß er nun hingeht, seine kleine Schulden

bezahlt, von dem Reste, soweit er reicht, still und sparsam lebt und

an das Spiel nicht denkt. Wenn das ist, liebe Franziska, so laß ihn

Rekruten holen, wenn er will.--(Gibt ihr die Tasse.) Da, setz weg!--

Aber, sage mir, sollte Tellheim nicht schon da sein?

Franziska

Nein, gnädiges Fräulein, ich kann beides nicht, weder an einem

schlechten Menschen die gute, noch an einem guten Menschen die böse

Seite aufsuchen.

Fräulein

Er kömmt doch ganz gewiß?--

Franziska

Er sollte wegbleiben!--Sie bemerken an ihm, dem besten Manne, ein

wenig Stolz, und darum wollen Sie ihn so grausam necken?

Fräulein

Kömmst du da wieder hin?--Schweig, das will ich nun einmal so. Wo du

mir diese Lust verdirbst; wo du nicht alles sagst und tust, wie wir es

abgeredet haben!--Ich will dich schon allein mit ihm lassen, und dann--

Jetzt kömmt er wohl.

Minna von Barnhelm · 第 41 / 63 题