Sie standen lange draußen auf der Diele still; die Mutter hatte sich

in der Ecke verkrochen, wo das Milchbort stand, Öyvind hatte seinen

Lieblingsplatz eingenommen, indem er sich nämlich mit dem Rücken gegen

den großen Tisch lehnte und das Gesicht der Tür zuwandte, der Vater

saß neben ihm. Endlich wurde angeklopft, und herein trat der

Schulmeister und nahm den Hut ab, dann kam Ole, der ebenfalls die

Mütze abnahm, worauf er sich nach der Tür umkehrte, um sie zu

schließen. Alle seine Bewegungen waren langsam, er war offenbar

verlegen. Thore erhob sich und bat sie, Platz zu nehmen; sie setzten

sich nebeneinander auf die Bank vor das Fenster, Thore setzte sich

auch wieder.

Aber so, wie ich es nun erzähle, trug sich die Werbung zu.

Der Schulmeister: »Wir haben doch noch schönes Wetter diesen Herbst

bekommen.« -- Thore: »Das hat sich nun so gewandt.« -- »Der Wind wird

sich wohl noch lange halten, da er nach der Richtung hin umgeschlagen

ist.« -- »Seid ihr da oben mit der Ernte fertig?« -- »Noch nicht; Ole

Nordistuen hier, den du vielleicht kennst, möchte gern deine Hilfe

haben, Öyvind, falls sonst nichts im Wege ist.« -- Öyvind: »Wenn er

sie verlangt, will ich tun, was ich vermag.« -- »Ja, so auf den

Augenblick meinte er es eigentlich nicht. Er findet, daß es nicht

recht vorwärtsgeht mit dem Hofe, und er glaubt, daß es an der

richtigen Methode und der nötigen Aufsicht fehlt.« -- Öyvind: »Ich bin

nur so wenig zu Hause.« -- Der Schulmeister sieht Ole an. Dieser

fühlt, daß er jetzt ins Feuer rücken muß, räuspert sich ein paarmal

und beginnt dann kurz und bündig: »Es war -- es ist -- ja, meine

Absicht war, daß du ein festes -- ja, daß du da oben bei uns wie zu

Hause sein sollst -- daß du da sein sollst, wenn du nicht auswärts

bist.« -- »Vielen Dank für das Anerbieten, aber ich möchte gern da

wohnen bleiben, wo ich wohne.« -- Ole sieht den Schulmeister an, und

dieser sagt: »Ole scheint heute nicht den rechten Ausdruck finden zu

können. Die Sache ist die, daß er schon früher einmal hier gewesen

ist, und die Erinnerung daran verwirrt ihn, so daß er die Worte nicht

recht finden kann.« -- Ole rasch: »So ist es, ja; es war ein dummer

Streich von mir, aber ich hatte mich so lange mit dem Mädchen

herumgezankt, bis mir schließlich die Geduld riß. Laßt es aber

vergessen und vergeben sein. Der Wind schlägt das Korn nieder, nicht

aber ein kalter Lufthauch. Der Regenbach löst keine großen Steine;

Schnee im Mai bleibt nicht lange liegen; es ist nicht der Donner, der

die Menschen erschlägt.« -- Sie lachen alle vier; der Schulmeister

sagt: »Ole meint, du sollst nicht länger daran denken, und du auch

nicht, Thore.« -- Ole sieht sie an und weiß nicht, ob er fortfahren

darf. Da sagt Thore: »Der Dornbusch greift mit vielen Zähnen zu, aber

er reißt keine Wunden. In mir haftet kein Dorn mehr.« -- Ole: »Ich

kannte den Burschen damals nicht. Jetzt sehe ich, daß es wächst, wenn

er sät; der Herbst entspricht dem Frühling, in seinen Fingerspitzen

sitzt Geld, und ich möchte ihn gern fest haben.«

Öyvind sieht den Vater und dieser die Mutter an, die ihrerseits wieder

zu dem Schulmeister hinüberblickt, und dann sehen alle ihn an. -- »Ole

meint, er habe einen großen Hof.« -- Ole unterbricht ihn: »Einen

großen Hof, aber schlecht bewirtschaftet; ich kann nicht mehr, ich

bin alt, und die Beine wollen nicht mehr so wie der Kopf. Aber es

verlohnte sich schon, da oben alle Kraft dranzusetzen.« -- »Es ist der

größte Hof im Kirchspiel, und zwar weitaus,« fällt der Schulmeister

ein. -- »Der größte Hof im Kirchspiel, das ist ja gerade das Unglück,

denn große Schuhe verliert man; es ist ganz schön, wenn das Gewehr gut

ist, aber man muß es heben können!« Und indem er sich schnell zu

Öyvind wendet: »Du könntest vielleicht mit zugreifen, du?« -- »Ich

sollte also Verwalter auf dem Hofe sein?« -- »Freilich, ja; du sollst

den Hof ja haben.« -- »Soll ich den Hof _haben_!« -- »Freilich, ja;

dann wirst du ihn wohl verwalten.« -- »Aber --« -- Ole sieht den

Schulmeister verwundert an. -- »Öyvind fragt noch, ob er Marit auch

haben soll?« -- Ole schnell: »Marit mit in den Kauf, Marit mit in den

Kauf!« -- Da lachte Öyvind hell auf und sprang hoch in die Höhe, und

alle drei stimmen in sein Lachen ein. Öyvind rieb sich die Hände, lief

in der Stube auf und nieder und wiederholte einmal über das andre:

»Marit mit in den Kauf! Marit mit in den Kauf!« -- Thore lachte, daß

es laut schluchzte; die Mutter sah den Sohn von ihrer Ecke aus

unverwandt an, bis ihr die Tränen in die Augen traten.

Ole sehr gespannt: »Wie denkst du über den Hof?« -- »Vorzüglicher

Boden!« -- »Vorzüglicher Boden, nicht wahr?« -- »Unvergleichliche

Weiden!« -- »Unvergleichliche Weiden! Wird es wohl gehn?« -- »Es soll

der beste Hof im ganzen Bezirk werden!« -- »Der beste Hof im ganzen

Bezirk! Glaubst du das, meinst du das?« -- »So wahr ich hier stehe.«

-- »Ja, habe ich das nicht gesagt?« -- Sie sprachen beide gleich

schnell und paßten zueinander wie zwei Wagenräder. -- »Aber Geld,

siehst du, Geld, ich habe kein Geld!« -- »Ohne Geld geht es langsam,

aber es wird schon gehn!« -- »Es geht! Freilich wird es gehn! Aber

hätten wir Geld, ginge es schneller, meinst du?« -- »Ungleich

schneller!« -- »Ungleich schneller? Hätten wir doch Geld! Nun ja, wer

nicht mehr alle Zähne hat, kann auch kauen; wer mit Ochsen fährt,

kommt auch ans Ziel.«

Die Mutter stand da und blinkte Thore zu, der sie kurz, aber häufig

von der Seite angesehen hatte, während er sich mit dem Oberkörper hin

und her wiegte und mit seinen Händen über die Knie hinabstrich; der

Schulmeister zwinkerte ihm zu, Thore öffnete den Mund, räusperte sich

ein wenig und nahm einen Anlauf, aber Ole und Öyvind sprachen

unaufhörlich durcheinander, lachten und lärmten, so daß kein andrer zu

Worte kommen konnte.

»Ihr müßt einen Augenblick schweigen, Thore hat auch etwas zu sagen,«

fiel ihnen der Schulmeister in die Rede; sie halten inne und sehen

Thore an. Endlich beginnt dieser ganz leise: »Auf dieser Stelle ist es

immer so gewesen, daß wir eine Mühle gehabt haben; in der letzten Zeit

war es so, daß wir sogar zwei gehabt haben. Diese Mühlen haben immer,

jahraus, jahrein, einen kleinen Groschen eingebracht; aber weder mein

Vater noch ich haben von dem Gelde gebraucht, ausgenommen damals, als

Öyvind fort war. Der Schulmeister hat das Geld verwaltet, und er sagt,

es hätte da, wo es untergebracht ist, gute Zinsen getragen. Aber nun

wird es wohl das beste sein, wenn Öyvind es für Nordistuen bekommt.«

-- Die Mutter stand hinten in ihrer Ecke und machte sich ganz klein,

aber sie betrachtete Thore mit strahlender Freude, der sehr ernsthaft

dasaß und beinahe dumm aussah. Ole Nordistuen saß ihm mit weit

geöffnetem Munde gegenüber. Öyvind war der erste, der sich von seiner

Überraschung erholte. »Ist es nicht, als ob das Glück mich verfolgte!«

schrie er, ging durch das Zimmer auf den Vater zu und klopfte ihm auf

die Schulter, daß es klatschte. -- »Du, Vater!« sagte er, rieb sich

die Hände und ging weiter.

»Wieviel Geld mag es wohl sein?« fragte endlich Ole den Schulmeister,

aber leise. -- »Es ist gar nicht so wenig.« -- »Einige Hundert?« --

»Ein wenig mehr.« -- »Ein wenig mehr? Öyvind, ein wenig mehr! Gott

bewahr mich, was für ein Hof soll das werden!« Er erhob sich und

lachte laut.

»Ich muß dich zu Marit hinaufbegleiten,« sagt Öyvind; »wir nehmen den

Wagen, der draußen steht, dann geht es schnell.« -- »Ja, schnell,

schnell! Willst du auch immer alles schnell haben?« -- »Ja, schnell

und wie toll!« -- »Schnell und wie toll! Akkurat so wie ich in meiner

Jugend, akkurat so!« -- »Hier ist die Mütze und der Stock, jetzt jage

ich dich fort!« -- »Du jagst mich fort? Ha ha! Aber du kommst mit,

nicht wahr, du kommst mit? Kommt ihr andern auch mit! Heute abend

müssen wir beisammensitzen, solange Glut in der Kohle ist; kommt mit!«

-- Sie versprachen es, Öyvind half ihm auf den Wagen hinauf, und sie

fuhren davon, nach Nordistuen. Da oben war der große Hund nicht der

einzige, der sich wunderte, als Ole Nordistuen mit Öyvind Pladsen auf

den Hof gefahren kam. Während Öyvind ihm vom Wagen herunterhalf und

Gesinde und Tagelöhner sie angafften, kam Marit auf die Diele heraus,

um zu sehen, weshalb der Hund so anhaltend bellte, blieb aber wie

festgewurzelt stehn, wurde glühendrot und lief wieder hinein. Der alte

Ole rief indessen so entsetzlich nach ihr, sobald sie in die Stube

gekommen waren, daß sie wieder zum Vorschein kommen mußte. -- »Geh hin

und putz dich, Mädchen, hier steht der, der den Hof haben soll!«

»Ist das wahr?« ruft sie, ohne es selber zu wissen, so laut, daß es

schallt. -- »Ja, es ist wahr!« antwortet Öyvind und klatscht in die

Hände. Da dreht sie sich auf dem Absatz herum, wirft das, was sie in

der Hand hat, hin und läuft hinaus; Öyvind ihr nach.

Bald kommen der Schulmeister, Thore und seine Frau; der Alte hatte

Licht angezündet und ein weißes Tischtuch über den Tisch breiten

lassen. Wein und Bier wurde gereicht, und er selber ging unablässig

umher, hob die Beine noch höher als gewöhnlich, aber doch beständig

den rechten Fuß etwas höher als den linken.

Ehe diese kleine Erzählung aus ist, muß noch berichtet werden, daß

Öyvind und Marit fünf Wochen später in der Kirche des Sprengels

getraut wurden. Der Schulmeister leitete selbst an diesem Tage den

Gesang, da sein Hilfsküster krank war. Seine Stimme klang jetzt ein

wenig dünn, denn er war alt; Öyvind aber meinte, es tue gut, ihn zu

hören. Und als er Marit die Hand gegeben und sie an den Altar geführt

hatte, nickte ihm der Schulmeister vom Chore herab zu, gerade so, wie

Öyvind es gesehen hatte, als er bei jenem Tanzfest so traurig dasaß;

er nickte wieder, während ihm die Tränen in die Augen traten.

Jene Tränen bei dem Tanze waren der Ursprung von diesen gewesen, und

zwischen ihnen lag sein Glaube und seine Arbeit.

Hier endet die Geschichte von dem fröhlichen Burschen.

[ Im folgenden sind die Änderungen am Originaltext aufgeführt.

Unter der Beschreibung der Änderung steht jeweils zuerst die

Textstelle im Original, dann die geänderte Textstelle.

»es« geändert zu »er«:

Abend kam, tat es das. Er ging auf die Stubentür zu und lauschte; da

Abend kam, tat er das. Er ging auf die Stubentür zu und lauschte; da

»Knudstocher« geändert zu »Knudstochter«:

Jetzt hab ich für diesmal nichts mehr zu schreiben und deswegen lebe

wohl!

Marit Knudstocher.

Jetzt hab ich für diesmal nichts mehr zu schreiben und deswegen lebe

wohl!

Marit Knudstochter.

Doppeltes »sich« gelöscht:

festlichen Stimmung. Sie setzten sich sich hin, um zu essen, aber es

festlichen Stimmung. Sie setzten sich hin, um zu essen, aber es

»daß« geändert zu »das«:

nicht möglich, langsamer zu sprechen. All das Neue, daß er auf

nicht möglich, langsamer zu sprechen. All das Neue, das er auf

»Jungen« geändert zu »Jahren«:

dabei einen gewaltigen Sprung im Tone. Er war in seinen jungen Jungen

dabei einen gewaltigen Sprung im Tone. Er war in seinen jungen Jahren

Fehlendes »ist« ergänzt:

da unten gearbeitet, meine Vorfahren wie ich, aber es nichts davon

da unten gearbeitet, meine Vorfahren wie ich, aber es ist nichts davon

»Er« geändert zu »Es«:

aber es wird schon gehn!« -- »Er geht! Freilich wird es gehn! Aber

aber es wird schon gehn!« -- »Es geht! Freilich wird es gehn! Aber

]

End of Project Gutenberg's Ein fröhlicher Bursch, by Björnstjerne Björnson

Ein fröhlicher Bursch: Eine Erzählung · 第 7 / 7 段