4. Colorit.

Bei der ornamentalen Malerei kommen ganz vorzugsweise Lokalfarben in

Anwendung und zwar sucht man eine glänzende Wirkung entweder durch die

Farbe an sich oder durch Contraste zu erstreben, weßhalb in dieser

Beziehung hier alles maßgebend ist, was ich früher bei Erörterung der

Farben angeführt habe. Im Allgemeinen wird man daher am besten thun,

kalte Töne neben feurige und helle neben dunkle zu bringen; man hüte

sich aber bei eigenen Compositionen in zu vielerlei Töne zu gerathen

oder in das Bunte zu verfallen, da die Anwendung größerer Reihen

verschiedener Töne schon einen sehr ausgebildeten Farbensinn erfordert.

Ich betone hier nochmals die hohe Schönheit des tiefen Schwarz.

Gelbe, rothe, braune und graue Töne wird man ebenfalls in ihren

verschiedensten Uebergängen häufig mit Vortheil anwenden, deßgleichen

auch, aber sparsamer die Naturfarbe des Holzes, während Blau oder Grün

Vorsicht erheischen. Doch macht sich ~French Blue~ mit Gold sparsam

angebracht, zuweilen sehr gut und erinnert an ~Lapis Lazuli~. Man setze

helle Töne von gleicher Farbentiefe nicht neben einander, sondern

trenne sie durch breitere oder schmälere Streifen von Schwarz; ebenso

sind dunkle gleich tiefe Töne durch helle oder auch das unbemalte Holz

zu trennen, indem andernfalls erstere sehr flaue, letztere aber eine

unruhige Wirkung äußern.

Was die figürlichen Darstellungen anlangt, welche indessen in der Regel

nur in kleinen Dimensionen und in der Farbe wenig ausgiebigen Partieen

angebracht werden können, so halte man dieselben stets in Contrast mit

der Grundfarbe und führe solche, wo es passend erscheint, fein und

miniaturartig aus.

Ich nehme hier Veranlassung auf die Behandlung von Blumen und Blättern,

welche in Form von Kränzen oder Bouquets als Füllstücke auf schwarzem

Grund häufige Verwendung finden und verdienen, etwas näher einzugehen

und namentlich vor einer zu naturalistischen Behandlung zu warnen.

Besonders stehe man von dem Schattiren derselben ab, sondern behandle

dieselben ebenfalls streng als eingelegte Arbeit und umreiße alles,

einschließlich der Staubfäden und einzelnen Schattenstellen mit

schwarzen Contouren. Dieser Behandlung entsprechend müssen alle Farben

in durchsichtigen, feinen Tönen gehalten werden, ohne daß besondere

Aehnlichkeit mit der natürlichen Farbe anzustreben ist. So z. B. gebe

man blaue Blumen durch ~Payne’s Grey~, rothe durch Krappnüancen,

~Light Red~ etc. anstatt mit ~Cobalt~ oder Zinnober, wodurch eine

dieser Technik weit angemessenere Wirkung erzielt wird. Dagegen sehe

man bei Bouquets etc. etc. auf Mannigfaltigkeit des Grün, wenn auch die

Unterschiede nicht zu auffallend zu halten sind. Besonders gut wirken

Blätter von ~Olive Green~, welches durch Zusatz von ~Indian Yellow~,

Krapp etc. etc. angenehm nüancirt werden kann. Doch ist auch helles,

sonniges Grün aller Art, zwischen welchem einzelne mit ~Burnt Sienna~

colorirte Blätter nicht fehlen dürfen, zu verwenden. Einzelne Blätter

gelber Blumen nüancire man mit ~Orange Cadmium~ und sehe besonders bei

größeren vielblättrigen Blumen auf Abwechslung im Ton, so z. B. daß die

Blumenblätter einer Rose mannigfaltige, darunter dunklere, wenn auch

nicht allzu schroff von einander geschiedene Töne zeigen. In größeren

Bouquets etc. wirkt solcher Wechsel ungemein reich, doch hüte sich der

Anfänger in’s Buntscheckige zu gerathen. Als Prachtstücke dieser Art

lassen sich ein Kranz in Zahn’s Heft ~II.~ und ein Bouquet in Heft

~III.~ behandeln. Weiße Blumen wie Dorn, Maiblumen läßt man in der

Holzfarbe und colorirt bei ersteren nur die Staubgefäße mit dunklem

oder rothbraunem Krapp. Sonst können Blumen und Früchte vortheilhaft in

etwas kräftigerer Farbe gehalten werden.

Zarte, durchsichtige Töne trage man stets sehr dünnflüssig, aber

wiederholt auf, bis der Ton die gewünschte Tiefe hat, während

tieftönige Farben etwas kräftiger, Schwarz aber immer absolut schwarz,

wie Ebenholz zu geben ist, und immer möglichst +dickflüssig+ und

+gelatinös+ aufgetragen werden muß. Dessenungeachtet genügt ein

einziger Auftrag in der Regel nicht und muß derselbe +mindestens+

einmal wiederholt werden, wenn man nicht Gefahr laufen will, nach

dem Poliren das Holz durchleuchten zu sehen. Auch dunkelbraune

und dunkelrothbraune Töne machen sich in kräftigem Auftrage nicht

selten sehr schön, wirken aber auch in dünnflüssigen Tönen oft recht

erfreulich und den verschiedensten feinen Holzarten entsprechend, was

hier und da durch eine der Maserung entsprechende Pinselführung noch

mehr ausgeprägt zu werden vermag.

Diejenigen Leser, welche bereits mit der Aquarellmalerei vertraut sind,

werden über die anzuwendenden Farben und Mischungen keiner weiteren

Anweisung bedürfen. Da indessen dieser Nachtrag nicht so sehr selten

von Lesern oder Leserinnen benutzt werden möchte, welchen das Mischen

der Farben noch Schwierigkeiten macht, so gebe ich hier ein Verzeichniß

aller derjenigen Farben und Combinationen, welche für diese Malerei

vorzugsweise geeignet erscheinen. Die in mehrfacher Hinsicht, sei es

durch zarten oder leuchtenden oder sehr reinen oder sehr tiefen Ton

sich auszeichnenden Farben und Combinationen sind gesperrt gedruckt und

die sehr tieftönigen mit! versehen.

Körnchen in der Farbe vermeide man, da sich solche beim Poliren erhöhen.

Gelb.

~Cadmium.~

~+Indian Yellow.+~

~Raw Sienna.~

~+Yellow Ochre.+~

~+Aureolin.+~

~Mars Yellow.~

Italienische Erde.

~Gamboge.~

~+Lemon Yellow.+~

~Raw Umber.~

~Indian Yellow~ und ~Yellow Ochre~.

~Gamboge~ und ~Brown Pink~.

~+Indian Yellow+~ und ~+Purple Madder+~.

~Indian Yellow~ und ~Sepia~.

Orange.

~Cadmium Orange.~

~+Burnt Sienna.+~

~+Mars Orange.+~

~Neutral Orange.~

~Laque Robert 7.~

Gebrannte italienische Erde.

~Brown Ochre.~

~Yellow Ochre~ und ~Light Red~.

~Cadmium~ und ~Rose Madder~ oder ~Indian Red~.

~Burnt Sienna~ und ~Indian Yellow~ oder ~Aureolin~ oder ~Gamboge~.

~+Rose Madder+~ und ~+Gamboge+~.

~+Indian Yellow+~ und ~+Rose Madder+~.

~Indian Yellow~ und ~Light Red~ oder ~Vermilion~.

Braun.

~Asphalt.~

~Vandyke Brown.~

~Sepia.~

Brauner Lack.

~+Burnt Umber.+~

~+Vandyke Brown+~ und ~+Gamboge+~.

~+Vandyke Brown+~ und ~+Chrimson Lake+~!

~Raw Sienna~ oder ~Yellow Ochre~.

~Raw Sienna~, ~Yellow Ochre~ und ~Vandyke Brown~.

~Burnt Umber~ und ~Indian Yellow~.

~Burnt Umber~ und ~Brown Madder~.

~+Burnt Sienna+~ und ~+Payne’s Grey+~.

~Burnt Sienna~ und ~Lamp Black~.

~+Light Red+~ und ~+Lamp Black+~.

~Indian Yellow~, ~Sepia~ und ~Lake~.

Rothbraun.

Florent. Braun!

~+Burnt Sienna+~, ~+Chrimson Lake+~ und ~+French Blue+~!

~+Brown Madder+~ und ~+Raw Sienna+~.

~Raw Sienna~, ~Rose Madder~ und ~Vandyke Brown~.

~+Sepia+~ und ~+Brown Madder+~!

~+Purple Madder+~ und ~+Indian Yellow+~!

~+Brown Pink+~ und ~+Purple Madder+~!

~+Purple Madder+~ und ~+Sepia+~!

~+Brown Pink+~, ~+French Blue+~ und ~+Lake+~!

~Vandyke Brown~ und ~Brown Madder~.

Roth.

~Purple Madder.~

~+Burnt Carmine+~!

~Rubens Madder~!

~+Brown Madder+~!

~Rose Madder.~

~Pink Madder.~

~Indian Red.~

~Light Red.~

~Red Lead.~

~Rose Madder~, ~Yellow Ochre~ und ~Cobalt~.

Rothbrauner Krapp!

Marsroth.

Von Dyk Roth.

~+Yellow Ochre+~ und ~+Rose Madder+~.

~+Light Red+~ und ~+Rose Madder+~.

~Brown Madder~ und ~Light Red~.

~Rose Madder~ und ~Aureolin~.

~Rose Madder~ und ~Vermilion~.

~Rose Madder~ und ~Brown Ochre~.

~Raw Sienna~ und ~Brown Madder~.

+Purpur+ (Violett).

~+Cobalt+~ und ~+Rose Madder+~ oder ~+Brown Madder+~.

~Purple Madder~ und ~Cobalt~.

~Indigo~ und ~Rose Madder~.

~+Brown Madder+~ und ~+Payne’s Grey+~!

~Brown Madder~ und ~Lamp Black~.

~French Blue~, ~Cobalt~ und ~Rose Madder~.

Grau.

~Neutral Tint.~

~Payne’s Grey.~

~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Yellow Ochre+~.

~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Naples Yellow+~.

~+Indigo+~ und ~+Indian Red+~.

~Cobalt~ und ~Lamp Black~.

~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Burnt Sienna+~.

~Lamp Black~, ~Light Red~ und ~Cobalt~.

~Indigo~ und ~Blue Black~.

Blau.

(Nur sparsam zu verwenden und in den meisten Fällen durch Grau zu

ersetzen.)

~+Intense Blue+~!

~+Cobalt.+~

~French Blue.~

Grün.

~+Olive Green.+~

~Terre Verte.~

~Indigo~ und ~Indian Yellow~.

~Indigo~ und ~Brown Pink~.

~Gamboge~ und ~Cobalt~.

~+Gamboge+~ und ~+Emerald Green+~.

~Gamboge~, ~Burnt Sienna~ und ~Indigo~.

~+Olive Green+~ und ~+Indigo+~!

~+Aureolin+~ und ~+Indigo+~.

~+Aureolin+~, ~+Vandyke Brown+~ und ~+Indigo+~.

~+Brown Pink+~, ~+Oxyde of Chromium+~ und ~+French Blue+~!

~Indian Yellow~ und ~Oxyde of Chromium~.

~Sepia~ und ~Indigo~. } Bronzetöne.

~Lamp Black~ und ~Emerald Green~. }

Außer ~+Olive Green+~ ist Grün ebenfalls, außer bei Bouquets etc.

sparsam und vorsichtig zu verwenden, ersteres aber in jeder Beziehung

zu empfehlen.

Als Beispiele wie Intarsien in zwei Farben stilvoll behandelt

werden können, gebe ich hier einige solcher Zusammenstellungen nach

italienischen Intarsien der Renaissance, welche als mustergiltig zu

betrachten sind.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 136 / 150 题