Bei der ornamentalen Malerei kommen ganz vorzugsweise Lokalfarben in
Anwendung und zwar sucht man eine glänzende Wirkung entweder durch die
Farbe an sich oder durch Contraste zu erstreben, weßhalb in dieser
Beziehung hier alles maßgebend ist, was ich früher bei Erörterung der
Farben angeführt habe. Im Allgemeinen wird man daher am besten thun,
kalte Töne neben feurige und helle neben dunkle zu bringen; man hüte
sich aber bei eigenen Compositionen in zu vielerlei Töne zu gerathen
oder in das Bunte zu verfallen, da die Anwendung größerer Reihen
verschiedener Töne schon einen sehr ausgebildeten Farbensinn erfordert.
Ich betone hier nochmals die hohe Schönheit des tiefen Schwarz.
Gelbe, rothe, braune und graue Töne wird man ebenfalls in ihren
verschiedensten Uebergängen häufig mit Vortheil anwenden, deßgleichen
auch, aber sparsamer die Naturfarbe des Holzes, während Blau oder Grün
Vorsicht erheischen. Doch macht sich ~French Blue~ mit Gold sparsam
angebracht, zuweilen sehr gut und erinnert an ~Lapis Lazuli~. Man setze
helle Töne von gleicher Farbentiefe nicht neben einander, sondern
trenne sie durch breitere oder schmälere Streifen von Schwarz; ebenso
sind dunkle gleich tiefe Töne durch helle oder auch das unbemalte Holz
zu trennen, indem andernfalls erstere sehr flaue, letztere aber eine
unruhige Wirkung äußern.
Was die figürlichen Darstellungen anlangt, welche indessen in der Regel
nur in kleinen Dimensionen und in der Farbe wenig ausgiebigen Partieen
angebracht werden können, so halte man dieselben stets in Contrast mit
der Grundfarbe und führe solche, wo es passend erscheint, fein und
miniaturartig aus.
Ich nehme hier Veranlassung auf die Behandlung von Blumen und Blättern,
welche in Form von Kränzen oder Bouquets als Füllstücke auf schwarzem
Grund häufige Verwendung finden und verdienen, etwas näher einzugehen
und namentlich vor einer zu naturalistischen Behandlung zu warnen.
Besonders stehe man von dem Schattiren derselben ab, sondern behandle
dieselben ebenfalls streng als eingelegte Arbeit und umreiße alles,
einschließlich der Staubfäden und einzelnen Schattenstellen mit
schwarzen Contouren. Dieser Behandlung entsprechend müssen alle Farben
in durchsichtigen, feinen Tönen gehalten werden, ohne daß besondere
Aehnlichkeit mit der natürlichen Farbe anzustreben ist. So z. B. gebe
man blaue Blumen durch ~Payne’s Grey~, rothe durch Krappnüancen,
~Light Red~ etc. anstatt mit ~Cobalt~ oder Zinnober, wodurch eine
dieser Technik weit angemessenere Wirkung erzielt wird. Dagegen sehe
man bei Bouquets etc. etc. auf Mannigfaltigkeit des Grün, wenn auch die
Unterschiede nicht zu auffallend zu halten sind. Besonders gut wirken
Blätter von ~Olive Green~, welches durch Zusatz von ~Indian Yellow~,
Krapp etc. etc. angenehm nüancirt werden kann. Doch ist auch helles,
sonniges Grün aller Art, zwischen welchem einzelne mit ~Burnt Sienna~
colorirte Blätter nicht fehlen dürfen, zu verwenden. Einzelne Blätter
gelber Blumen nüancire man mit ~Orange Cadmium~ und sehe besonders bei
größeren vielblättrigen Blumen auf Abwechslung im Ton, so z. B. daß die
Blumenblätter einer Rose mannigfaltige, darunter dunklere, wenn auch
nicht allzu schroff von einander geschiedene Töne zeigen. In größeren
Bouquets etc. wirkt solcher Wechsel ungemein reich, doch hüte sich der
Anfänger in’s Buntscheckige zu gerathen. Als Prachtstücke dieser Art
lassen sich ein Kranz in Zahn’s Heft ~II.~ und ein Bouquet in Heft
~III.~ behandeln. Weiße Blumen wie Dorn, Maiblumen läßt man in der
Holzfarbe und colorirt bei ersteren nur die Staubgefäße mit dunklem
oder rothbraunem Krapp. Sonst können Blumen und Früchte vortheilhaft in
etwas kräftigerer Farbe gehalten werden.
Zarte, durchsichtige Töne trage man stets sehr dünnflüssig, aber
wiederholt auf, bis der Ton die gewünschte Tiefe hat, während
tieftönige Farben etwas kräftiger, Schwarz aber immer absolut schwarz,
wie Ebenholz zu geben ist, und immer möglichst +dickflüssig+ und
+gelatinös+ aufgetragen werden muß. Dessenungeachtet genügt ein
einziger Auftrag in der Regel nicht und muß derselbe +mindestens+
einmal wiederholt werden, wenn man nicht Gefahr laufen will, nach
dem Poliren das Holz durchleuchten zu sehen. Auch dunkelbraune
und dunkelrothbraune Töne machen sich in kräftigem Auftrage nicht
selten sehr schön, wirken aber auch in dünnflüssigen Tönen oft recht
erfreulich und den verschiedensten feinen Holzarten entsprechend, was
hier und da durch eine der Maserung entsprechende Pinselführung noch
mehr ausgeprägt zu werden vermag.
Diejenigen Leser, welche bereits mit der Aquarellmalerei vertraut sind,
werden über die anzuwendenden Farben und Mischungen keiner weiteren
Anweisung bedürfen. Da indessen dieser Nachtrag nicht so sehr selten
von Lesern oder Leserinnen benutzt werden möchte, welchen das Mischen
der Farben noch Schwierigkeiten macht, so gebe ich hier ein Verzeichniß
aller derjenigen Farben und Combinationen, welche für diese Malerei
vorzugsweise geeignet erscheinen. Die in mehrfacher Hinsicht, sei es
durch zarten oder leuchtenden oder sehr reinen oder sehr tiefen Ton
sich auszeichnenden Farben und Combinationen sind gesperrt gedruckt und
die sehr tieftönigen mit! versehen.
Körnchen in der Farbe vermeide man, da sich solche beim Poliren erhöhen.
Gelb.
~Cadmium.~
~+Indian Yellow.+~
~Raw Sienna.~
~+Yellow Ochre.+~
~+Aureolin.+~
~Mars Yellow.~
Italienische Erde.
~Gamboge.~
~+Lemon Yellow.+~
~Raw Umber.~
~Indian Yellow~ und ~Yellow Ochre~.
~Gamboge~ und ~Brown Pink~.
~+Indian Yellow+~ und ~+Purple Madder+~.
~Indian Yellow~ und ~Sepia~.
Orange.
~Cadmium Orange.~
~+Burnt Sienna.+~
~+Mars Orange.+~
~Neutral Orange.~
~Laque Robert 7.~
Gebrannte italienische Erde.
~Brown Ochre.~
~Yellow Ochre~ und ~Light Red~.
~Cadmium~ und ~Rose Madder~ oder ~Indian Red~.
~Burnt Sienna~ und ~Indian Yellow~ oder ~Aureolin~ oder ~Gamboge~.
~+Rose Madder+~ und ~+Gamboge+~.
~+Indian Yellow+~ und ~+Rose Madder+~.
~Indian Yellow~ und ~Light Red~ oder ~Vermilion~.
Braun.
~Asphalt.~
~Vandyke Brown.~
~Sepia.~
Brauner Lack.
~+Burnt Umber.+~
~+Vandyke Brown+~ und ~+Gamboge+~.
~+Vandyke Brown+~ und ~+Chrimson Lake+~!
~Raw Sienna~ oder ~Yellow Ochre~.
~Raw Sienna~, ~Yellow Ochre~ und ~Vandyke Brown~.
~Burnt Umber~ und ~Indian Yellow~.
~Burnt Umber~ und ~Brown Madder~.
~+Burnt Sienna+~ und ~+Payne’s Grey+~.
~Burnt Sienna~ und ~Lamp Black~.
~+Light Red+~ und ~+Lamp Black+~.
~Indian Yellow~, ~Sepia~ und ~Lake~.
Rothbraun.
Florent. Braun!
~+Burnt Sienna+~, ~+Chrimson Lake+~ und ~+French Blue+~!
~+Brown Madder+~ und ~+Raw Sienna+~.
~Raw Sienna~, ~Rose Madder~ und ~Vandyke Brown~.
~+Sepia+~ und ~+Brown Madder+~!
~+Purple Madder+~ und ~+Indian Yellow+~!
~+Brown Pink+~ und ~+Purple Madder+~!
~+Purple Madder+~ und ~+Sepia+~!
~+Brown Pink+~, ~+French Blue+~ und ~+Lake+~!
~Vandyke Brown~ und ~Brown Madder~.
Roth.
~Purple Madder.~
~+Burnt Carmine+~!
~Rubens Madder~!
~+Brown Madder+~!
~Rose Madder.~
~Pink Madder.~
~Indian Red.~
~Light Red.~
~Red Lead.~
~Rose Madder~, ~Yellow Ochre~ und ~Cobalt~.
Rothbrauner Krapp!
Marsroth.
Von Dyk Roth.
~+Yellow Ochre+~ und ~+Rose Madder+~.
~+Light Red+~ und ~+Rose Madder+~.
~Brown Madder~ und ~Light Red~.
~Rose Madder~ und ~Aureolin~.
~Rose Madder~ und ~Vermilion~.
~Rose Madder~ und ~Brown Ochre~.
~Raw Sienna~ und ~Brown Madder~.
+Purpur+ (Violett).
~+Cobalt+~ und ~+Rose Madder+~ oder ~+Brown Madder+~.
~Purple Madder~ und ~Cobalt~.
~Indigo~ und ~Rose Madder~.
~+Brown Madder+~ und ~+Payne’s Grey+~!
~Brown Madder~ und ~Lamp Black~.
~French Blue~, ~Cobalt~ und ~Rose Madder~.
Grau.
~Neutral Tint.~
~Payne’s Grey.~
~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Yellow Ochre+~.
~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Naples Yellow+~.
~+Indigo+~ und ~+Indian Red+~.
~Cobalt~ und ~Lamp Black~.
~+Cobalt+~, ~+Rose Madder+~ und ~+Burnt Sienna+~.
~Lamp Black~, ~Light Red~ und ~Cobalt~.
~Indigo~ und ~Blue Black~.
Blau.
(Nur sparsam zu verwenden und in den meisten Fällen durch Grau zu
ersetzen.)
~+Intense Blue+~!
~+Cobalt.+~
~French Blue.~
Grün.
~+Olive Green.+~
~Terre Verte.~
~Indigo~ und ~Indian Yellow~.
~Indigo~ und ~Brown Pink~.
~Gamboge~ und ~Cobalt~.
~+Gamboge+~ und ~+Emerald Green+~.
~Gamboge~, ~Burnt Sienna~ und ~Indigo~.
~+Olive Green+~ und ~+Indigo+~!
~+Aureolin+~ und ~+Indigo+~.
~+Aureolin+~, ~+Vandyke Brown+~ und ~+Indigo+~.
~+Brown Pink+~, ~+Oxyde of Chromium+~ und ~+French Blue+~!
~Indian Yellow~ und ~Oxyde of Chromium~.
~Sepia~ und ~Indigo~. } Bronzetöne.
~Lamp Black~ und ~Emerald Green~. }
Außer ~+Olive Green+~ ist Grün ebenfalls, außer bei Bouquets etc.
sparsam und vorsichtig zu verwenden, ersteres aber in jeder Beziehung
zu empfehlen.
Als Beispiele wie Intarsien in zwei Farben stilvoll behandelt
werden können, gebe ich hier einige solcher Zusammenstellungen nach
italienischen Intarsien der Renaissance, welche als mustergiltig zu
betrachten sind.