Da es bei der eigenthümlichen Textur des Holzes wünschenswerth
erscheint, gleich möglichst correct zu zeichnen, indem öfteres
Verbessern und Wischen der Reinheit später anzuwendender +heller+
Farbentöne leicht Eintrag thut, oder da, wo die Naturfarbe des Holzes
beibehalten werden soll, ebenfalls besser vermieden wird, so überlege
man, ehe man mit Uebertragung der Zeichnung beginnt, erst reiflich
den ganzen Plan, überzeuge sich auch, ob die Kanten der Holzplatten
rechtwinklig sind, da wo dies, wie es nicht selten vorkommt, nicht
der Fall ist, bei dem Messen das Mißverhältniß auf die bestmöglichste
Weise, gewöhnlich bei den äußersten Einfassungslinien, ausgeglichen
werden muß. Von besonderer Wichtigkeit ist da, wo es sich, wie bei
Mappen, Albumdecken etc., um größere Dimensionen handelt, die Beachtung
der Größenverhältnisse. Ist man an die Größe der Holzfläche nicht
gebunden, so thut man am besten, wenn man sich zu einer für den
Gegenstand passenden, bereits vorliegenden, ornamentalen Darstellung
entschließt und nach deren Größenverhältnissen die benöthigten Platten
anfertigen läßt. Im gegentheiligen Falle aber und wenn man keine für
die genaue Größe absolut passende Zeichnung zur Verwendung hat, ist
man genöthigt, auf einem Blatt Papier, welches genau von der Größe
der Holzplatte ist, eine Skizze zu entwerfen, um darnach arbeiten zu
können. Wünscht man in solchem Falle Motive zu verwenden, welche in der
Zeichnung vorliegen, aber nicht die nöthige Größe besitzen, so kann
man sich in den meisten Fällen damit helfen, daß man die betreffende
Fläche, z. B. wenn es sich um die Umrahmung handelt, durch besondere
Eckverzierungen oder sonstige symmetrische Motive verkleinert, in
welchen Fällen das obenerwähnte flache Maaßlineal gute Dienste leisten
kann. Bei symmetrischen Motiven ist es selbstverständlich genügend, nur
so viel zu zeichnen als man braucht, was häufig sich auf ein Viertel
beschränken wird.
Wer kein sehr geübter Zeichner ist, dem rathe ich für die ersten
derartigen Arbeiten vorzugsweise lineare Ornamente zu benützen, oder
überhaupt solche, welche sich lediglich mittelst Lineal, Reißfeder und
Zirkel herstellen lassen. Es ist dies keine so arge Beschränkung, als
es auf den ersten Blick erscheinen mag, indem sich durch geschmackvolle
Anordnung einiger wenigen linearen Motive und unter etwaiger Beihülfe
einiger Ueberschneidungen schon recht wirksame Muster bilden lassen
und sich außerdem für viele kleinere Gegenstände überhaupt +nur+
derartige Motive eignen, welche dann bei entsprechender Farbengebung
eingelegte Arbeiten täuschend nachahmen. Die geschmackvolle Wahl
der Farben kommt hierbei nicht weniger in Betracht und mit wenigen
contrastirenden Tönen, die Holzfarbe inbegriffen, welche sich jedoch
nur in schmalen Linien etc. oder vielmehr nicht in größerer räumlicher
Ausbreitung zeigen darf, erreicht man in der Regel größere Wirkung
als mit Ueberladung. Motive dieser Art finden sich in allen genannten
Musterbüchern, und können solche mit Geschick und Geschmack leicht
vielfältig variirt werden so in ~Racinet~, Taf. 1. 5. 10. 29. 36. 37.
45. 46 etc. und ~Owen Jones~, Taf. 7 bis 11, 13. 15. 25. 35. 39. 43.
45. 59. 64, 65, wobei wie bereits bemerkt, die Töne mehr den Holzfarben
anzupassen sind.
Abgesehen von den anzuwendenden Motiven ist bei Anlage derartiger
Arbeiten besonderes Augenmerk auf die Gliederung der Fläche und die
geschmackvolle Ausfüllung des Raumes zu richten. Im Allgemeinen
dürfte es sich empfehlen, eine rahmenartige mehr oder weniger reich
gegliederte Einfassung anzubringen, welche einen größeren Raum
umschließt, der in seiner Mitte ein Wappen, eine Cartouche, ein
Monogramm etc. etc., oder kleinere figürliche symbolische Darstellungen
enthält. Der Grund dieses inneren Raumes wirkt nicht selten als
tiefschwarze Fläche äußerst günstig. Anderweitige Theilungen der
Fläche, Zwei-, Drei-, Vier-Theilung etc. etc. sind selbstverständlich
nicht ausgeschlossen. Geschmackvolle Muster derartiger Gliederungen
findet man in Zahn’s Musterbuch.
Außer diesen kleineren figürlichen Darstellungen, wie symbolische
Zeichen aller Art, Wappen, Monogramme etc. etc. etc., welche
Beziehungen auf Empfänger oder Geber vermitteln, lassen sich
auch kleine Photographien von antiken Büsten und Statuen (z. B.
in Medaillons), welche man +unaufgezogen+ bestellt, sorgfältig
ausschneidet und mit weißem Leim auf die betreffende, noch rohe Stelle
klebt, vortheilhaft anbringen. Auf schwarzem Grunde nehmen sich solche
ganz besonders gut aus.
Für geübte Zeichner läßt sich selbstverständlich keine Grenze ziehen
und werden solche deßwegen die linearen Ornamente doch nicht
verschmähen, wenn sie vielleicht auch häufiger die reichen Renaissance-
und andere vielgestaltige Ornamente, wie sie obengenannte Werke
bieten, benutzen werden. Da nun Ornamente, welche sich in derselben
Größe verwenden lassen, einfach durchgepaust werden, so könnte es
wohl einem wenig geübten Zeichner beikommen, auch einmal eine reiche
Renaissance- oder eine maurische Decoration auf Holz zu übertragen,
allein ich bemerke, daß hier der besondere Umstand zu berücksichtigen
ist, daß das Holz nicht selten -- aus welchem Grunde weiß ich nicht
-- die Pause überhaupt +ungern+ und stellenweise sogar nur sehr
schwer und höchst undeutlich und lückenhaft annimmt, so daß mitunter
nur die Hauptanhaltspunkte haften und man dann gezwungen ist, fast
ohne Pause zu zeichnen, wenigstens stellenweise. Nun erfordern aber
alle ornamentalen Malereien eine äußerst sorgfältige Zeichnung und
schwierige Motive in mangelhafter Zeichnung würden unter dem Pinsel
jedenfalls nicht eben schöner werden, und die vielleicht sehr mühevolle
Arbeit würde schließlich eine unansehnliche und vollständig werthlose
sein. Der Anfänger wird übrigens schon nach seinen ersten Arbeiten den
hohen Werth selbst ganz einfacher Motive vollständig erkennen.
Zum Pausen bedient man sich am besten des pulverisirten Graphits, mit
welchem man das Pauspapier auf der untern Seite bestreicht. Bei großen
Motiven, welche auf schwarzen oder sehr dunklen Grund kommen, kann man
sich auch des Blaupapiers bedienen.
Welche Decorationsmotive man nun auch verwende, so ist
selbstverständlich darauf zu halten, daß man nicht Ornamente
verschiedener Stile zusammenbringe. Besonders sei man bei Anbringung
von Wappen in dieser Beziehung vorsichtig (auch bei Zahlen und
Monogrammen), da es sich äußerst ungünstig macht, wenn man, wie es
leider nicht selten vorkommt, Wappen im Stile des zwölften Jahrhunderts
in Renaissance-Decorationen oder umgekehrt Wappen im Barockstil in
Gesellschaft gothischer Ornamente gewahr wird. Was speziell noch die
Renaissance-Decoration betrifft, so empfiehlt es sich bei Einfassungen
in diesem Stile für jede der vier Seiten ein anderes Motiv zu wählen,
so wie überhaupt nie dasselbe Motiv mehrfach bei einer Arbeit zu
verwenden, da steter Wechsel des Ornaments für diesen heiteren Stil
charakteristisch ist.
Was die oben erwähnte Verwendung von Photographien betrifft, so
eignen sich hiezu besonders antike Büsten und Statuen, auch kleine
Landschaften, welche Erinnerungen an einen Aufenthalt oder eine
Reise vermitteln sollen und zwar im Visitenkartenformat und machen
solche, wenn wie oben behandelt, einen reizenden Effekt. Bei der
Anlage des schwarzen Grundes ist aber besonders darauf zu achten,
daß man das Schwarz bis dicht an die Grenze des Papieres, -- aber
ja nichts darüber hinaus -- bringt, da Lücken wie Flecken an diesen
Stellen höchst unerfreulich wirken. Um die Anwendung von Photographien
für diesen Zweck, über welche mir noch nichts Gedrucktes vor die
Augen gekommen ist, zu illustriren, will ich bemerken, daß ich vor
einiger Zeit eine Zeitungsmappe, welche ich für einen Arzt malte,
in folgender Weise ausführte. Nach einigen die ganze Holzplatte
umfassenden linearen schmalen, aber in Breite etwas wechselnden
Einfassungen von abwechselnd hellgelben und tiefschwarzen Tönen
wurde die Platte durch zwei Mäanderrahmen in Naturfarbe des Holzes
mit tiefrothbrauner Farbe in zwei Theile gespalten. Der innere
naturfarbige Grund jeder Seite enthielt ein Oval in pompejanischem
Roth mit schmalen naturfarbigen Rändern, deren eines auf schwarzem
Grunde die Statue des Aesculap, das andere die der Hygea umschloß.
In den Ecken des naturfarbigen Mittelgrundes waren bräunlichgelbe
Palmetten, mit tieferen Tönen schattirt, angebracht und außerdem links
und rechts ein kleines Medaillon eingesetzt, welches auf schwarzem
Grunde einen bräunlichen, von bläulicher Schlange umwundenen Stab
zeigte. Das Motiv hatte ich dem Revers einer alten griechischen Münze
entnommen. Im Mittelpunkt der Platte waren die Mäander durch eine rothe
rautenförmige Umrahmung unterbrochen, innerhalb welcher auf schwarzem
Grund eine ebenfalls dem Revers einer griechischen Münze entnommenes
Motiv, eine antike Vase in rothgelber Farbe zwischen zwei windenden
blaugrauen Schlangen, Verwendung gefunden hatte. -- Antike Münzen
liefern sehr brauchbare figürliche Motive. Derselbe Gegenstand in
ähnlicher Behandlung, aber für einen Offizier bestimmt, könnte statt
der Statuen der Heilgötter die Büsten des Ajax und der Pallas zeigen
und statt der auf die ärztliche Kunst Bezug habenden Attribute, würde
man antike Waffenstücke, Eule und Scorpion als Beiwerk anzubringen
haben. Die Farbenwirkung war in obiger Arbeit beiläufig bemerkt, eine
sehr gelungene. Dabei brauche ich wohl nicht zu bemerken, daß für
Fälle, wo ein colorirtes Vorbild nicht vorliegt, man sich vorher eine
Farbenskizze macht, was namentlich bei reicheren Motiven und größeren
Arbeiten unerläßlich ist.
Indessen sei man vorsichtig mit Photographien, und verwende sie nur
hier und da einmal, da ihre Anwendung doch eigentlich hier nicht ganz
gerechtfertigt ist.
Ist man nun über Wahl der Ornamente und Gliederung mit sich einig,
so beginnt man die gefertigte Skizze oder Vorlage auf die Holzplatte
zu übertragen. Kommen nur lineare Ornamente ohne Verschlingung zur
Verwendung, so zeichnet man besser nichts durch, sondern man arbeitet
aus freier Hand, mißt Alles +genau+ ab, bedient sich bei allen geraden
Linien des Lineals und bei allen Kreislinien oder Theilen derselben
des Zirkels, so daß die Grundlagen der Arbeit sicher stehen. In vielen
Fällen ist es sehr wichtig, genau die Mitte der Tafel oder von Theilen
derselben festzustellen, was am einfachsten durch Ziehen zweier
Diagonalen geschieht. Alle Linien gebe man bestimmt, achte aber darauf,
weder ein zu hartes, kratzendes, noch ein zu weiches, schmierendes
Bleistift zu benutzen. Leichter, aber sicherer Auftrag mit Stiften
mittlerer Härtegrade ist am dienlichsten, besonders wenn man nicht viel
zu wischen braucht. Reiche geschwungene Gliederungen und Ornamente,
welche nicht mit Lineal und Zirkel behandelt werden können, zeichnet
man natürlich mittelst Pauspapier durch.
Mit der sorgfältigen Fertigstellung des Ornamentalen in Bleistift auf
dem Holze ist der erste Theil der Arbeit und in vielen Fällen der
weitaus schwierigste beendet, indem das Colorit, abgesehen von sehr
complicirten Motiven eigentlich mehr eine angenehme Unterhaltung als
eine Arbeit zu nennen ist. Bevor man jedoch zum Colorit übergeht,
ist alles Gezeichnete mit Contouren zu versehen, eine sehr wichtige
Prozedur.
Wie in der ornamentalen Malerei überhaupt durch die Trennung der Farben
mittelst Schwarz, Gold etc. eine weit bessere Wirkung erzielt wird,
als wenn sich die Farben berühren, so werden in der Holzmalerei die
Contouren zur unerläßlichen Erforderniß, selbst bei den schmalsten
Einfassungen, da sie es sind, welche vorzugsweise den Charakter der
eingelegten Arbeit bedingen, welcher hier in den meisten Fällen
angestrebt wird. Es empfiehlt sich dieselben stets schwarz zu halten
und empfehle ich zu deren Herstellung chinesische Tusche zu verwenden,
weil dieselbe bei späterem Uebergehen mit hellfarbigen Tönen weniger
schmutzt als andere schwarze Farben.
Die Anwendung von Contouren rechtfertigt sich aber auch aus anderen
Gründen. Die unmittelbare Berührung zweier Farben mittlerer Helligkeit
macht sich im Allgemeinen nicht sehr günstig. Sind beide wenig
verschieden, so heben sie sich nur sehr wenig von einander ab; besteht
aber ein größerer Unterschied, so erzeugen sie, aus einiger Entfernung
gesehen, auf ihrer Grenze eine störend und schwächend einwirkende
Mischfarbe. -- Sollen die Contouren auch auf größere Entfernung gesehen
werden, was manchmal in der Absicht liegen kann, so müssen solche in
entsprechender Stärke ausgeführt werden. Solche starke Contouren
erlauben auch Farben neben einander anzubringen, deren unmittelbare
Berührung Anlaß zu Bedenken geben würde, indem sie in solchen Fällen
den Grenzcontrast aufheben und dessen etwaige Nachtheile beseitigen.
Sehr schätzbar wirken in der Holzmalerei die Contouren ferner an
+Figürlichem aller Art+, wo sie +nie+ wegzulassen sind, indem sie
hier das subjektive Element heben und die dargestellten Gegenstände
entnaturalisiren.
Um den Leser zu einer bewußten Beurtheilung dekorativer Ornamentmotive
überhaupt zu leiten, glaube ich das Wesen der Contouren, welches sich
theilweise auf schon früher Besprochenes stützt, etwas eingehender
erörtern zu sollen.
Als Umrahmungen verschiedenfarbiger Flächen bilden die Contouren
ein wesentliches Moment in der decorativen Malerei, da sie hier als
selbstständiges Element auftreten, obwohl sie ursprünglich wohl nur
technischen Rücksichten entsprungen sind. Sie zeigten sehr bald so
mannigfache Vortheile, daß man sie auch nach dem Hinfälligwerden
vorerwähnter Rücksichten beizubehalten für gut fand.
In erster Linie haben die Contouren stets den Zweck das Flächenornament
schärfer vom Grunde abzuheben, besonders wenn das farbige Ornament auf
neutralem oder in der Farbe ähnlichem Grunde steht. Sie trennen hier
die einzelnen Flächen sehr scharf und verhindern das Entstehen der
Mischfarben an den Berührungsstellen. Man wählt für dieselben in diesem
Falle entweder eine hellere Farbe als die helle oder eine dunklere als
die dunkle Farbe.
Besonders erwünscht sind Contouren da, wo +feine+ Ornamente in dunkler
Farbe auf hellem Grunde stehen, weil abgesehen vom Entstehen von
Trugbildern und dem Verschwinden der Ränder die schmalen Theile weniger
dünn oder gar aufgelöst erscheinen.
Sind Grund oder Ornamente farbig, so können die Contouren, so lange
ihnen keine andere als die oben erwähnte Aufgabe zufällt, in einer
Schattirung einer der beiden Farben gehalten werden, oder auch in Weiß
oder Schwarz als den Endpunkten der Nüancen.
Sind aber Grund oder Ornamente schwarz, oder stehen die Ornamente
hell auf sehr dunklem Grund, in welchem Falle letzterer jedoch nicht
allzugeringe Dimensionen zeigen darf, so können die Contouren (wenn
auch nicht bei Holzmalerei) wegbleiben, wie es in den Wandmalereien von
Pompeji der Fall ist.
Wesentlich nothwendig sind Contouren da, wo zwei gesättigte Farben
von verschiedenem Ton sich berühren, z. B. zwischen Roth und Blau, da
hier abgesehen von den Grenzcontrasten, die Grenzlinien verwaschen
erscheinen würden. In diesen Farben gehaltene Ornamente machen ohne
Contouren einen unruhigen Eindruck, welcher durch eingesetzte dunkle
Ränder sofort verschwindet. Hierbei tritt stets die Erscheinung auf,
daß dunkle Contouren die +dunkle+ Farbe +dunkler+, helle aber die
hellere Farbe heller machen, so daß sie hier die Unterschiede der
Farben entschieden vergrößern. Diese Wirkung läßt sich sowohl durch
entsprechendes Colorit ausgleichen, oder aber auch dadurch vermeiden,
daß man die Contouren mehrfach umrändert und wählt man hierzu am
besten Gold oder Silber mit Schwarz oder Weiß.
Eine derartige Behandlung des Ornaments versteht sich vorzugsweise
auf die ältere, geometrisch angelegte Ornamentik, während seit der
Renaissance die geometrischen Muster mit satten Farben und leuchtenden
Contouren durch Laubgewinde mit Blumen und Früchten, Rankenwerk, Vasen,
Masken, phantastische Thiere untermischt mit Kindergestalten, Büsten,
mythologischen Wesen etc. etc. ersetzt worden sind, deren Farbengebung
sich mehr an die heutige Malerei anschließt.
Im Allgemeinen ist in der dekorativen Kunst bezüglich der Contouren
festzuhalten, daß Ornamente auf Goldgrund oder goldene Ornamente auf
farbigem Grund +schwarze+ Contouren beanspruchen, daß dunkle Ornamente
auf hellem Grunde ebenfalls von schwarzen oder wenigstens dunkeln
Contouren umgeben sein müssen, daß endlich farbige Ornamente oft
vortheilhaft mittelst weißer, schwarzer oder goldner Umränderungen
vom Grunde abgehoben werden. Weiße, hellfarbige und goldene Contouren
beabsichtigen indessen nicht selten als selbstständige Elemente
aufzutreten, was bei schwarzen nur äußerst selten vorkommen dürfte.
Man präparirt also einen ziemlich dickflüssigen +tiefschwarzen+ Ton
aus Tusche und zieht mit einer guten, nicht zu scharfen, mit dieser
Farbe gefüllten Ziehfeder erst alle geraden Linien sehr sorgfältig und
mit nicht zu schweren Strichen gleichmäßig nach, worauf die Kreise
oder deren Theile etc. etc. folgen. Hierbei ist jedoch insofern große
Vorsicht nöthig, als besonders auf größeren Platten die Textur des
Holzes in Bezug auf die Härte an manchen Stellen starkem Wechsel
unterworfen ist und man von einer harten Fläche plötzlich auf eine
verhältnißmäßig weiche geräth, weßhalb die Ziehfeder immer nur
leicht zu führen ist, besonders auch auf dem weicheren Lindenholz.
Stellenweise kommt es auch vor, besonders bei schlecht präparirtem
Holze, daß das Holz die Farbe ungern annimmt, und um diesen Mißstand
zu beseitigen, empfiehlt es sich, allen aufzutragenden Farbentönen
ein wenig Ochsengalle, welche im Handel in kleinen Fläschchen zu ℳ.
1. vorkommt, beizumischen, worauf das Holz in der Regel angenehm zu
bearbeiten ist. Bei größeren Quantitäten von Farbe sind wenige Tropfen
genügend. Bei dieser Arbeit vermeide man Flecken und Spritzer. Erstere
kann man, wo es thunlich ist, sofort mittelst Schwamm und reinem
Wasser wegwischen, während man letztere besser trocken werden läßt
und dann ausradirt, was auch für etwaige zu lang gerathene Linien
gilt. Wo überhaupt etwas Farbe wegzunehmen ist, wendet man am besten
das Radirmesser an und zwar am zweckmäßigsten in der +Längsrichtung+
der Holzfasern, da das Radiren in der Richtung der Quere sich weniger
gut und sauber ausführen läßt. Besser ist es aber, sich überhaupt
nicht hierauf zu verlassen, sondern reinlich zu arbeiten. Die
Längslinien etc. etc. werden aber auch an schwarzen oder sonstigen sehr
tieffarbigen Einfassungen und zwar deßhalb mit Schwarz ausgezogen,
weil das Coloriren der von ihnen umschlossenen Räume weit leichter
und sicherer von Statten geht, die Kanten viel schärfer absetzen
und weil hierdurch der Charakter eingelegter Arbeit ganz wesentlich
bedingt wird. Ganz abgesehen von letzterem Umstand wird man einen
nach diesem Verfahren behandelten Mäanderfries, von einem, wenn auch
auf das sorgfältigste, aber aus freier Hand behandelten dennoch sofort
und zwar weitaus zum Vortheil des ersteren unterscheiden können. Ist
alles was mittelst der Ziehfeder zu contouriren war, gearbeitet, so
folgt dieselbe Behandlung des Figürlichen, der Arabesken etc. etc.,
wozu man sich einer Zeichenfeder von Stahl bedient, deren man jetzt
die verschiedensten Sorten, weiche und harte besitzt, und deren man
sich einige von verschiedenen Härtegraden vorräthig hält. Man arbeite
vorsichtig, mit nicht zu viel und nicht zu wenig Tusche.