3. Plan und Anlage der Zeichnung.

Da es bei der eigenthümlichen Textur des Holzes wünschenswerth

erscheint, gleich möglichst correct zu zeichnen, indem öfteres

Verbessern und Wischen der Reinheit später anzuwendender +heller+

Farbentöne leicht Eintrag thut, oder da, wo die Naturfarbe des Holzes

beibehalten werden soll, ebenfalls besser vermieden wird, so überlege

man, ehe man mit Uebertragung der Zeichnung beginnt, erst reiflich

den ganzen Plan, überzeuge sich auch, ob die Kanten der Holzplatten

rechtwinklig sind, da wo dies, wie es nicht selten vorkommt, nicht

der Fall ist, bei dem Messen das Mißverhältniß auf die bestmöglichste

Weise, gewöhnlich bei den äußersten Einfassungslinien, ausgeglichen

werden muß. Von besonderer Wichtigkeit ist da, wo es sich, wie bei

Mappen, Albumdecken etc., um größere Dimensionen handelt, die Beachtung

der Größenverhältnisse. Ist man an die Größe der Holzfläche nicht

gebunden, so thut man am besten, wenn man sich zu einer für den

Gegenstand passenden, bereits vorliegenden, ornamentalen Darstellung

entschließt und nach deren Größenverhältnissen die benöthigten Platten

anfertigen läßt. Im gegentheiligen Falle aber und wenn man keine für

die genaue Größe absolut passende Zeichnung zur Verwendung hat, ist

man genöthigt, auf einem Blatt Papier, welches genau von der Größe

der Holzplatte ist, eine Skizze zu entwerfen, um darnach arbeiten zu

können. Wünscht man in solchem Falle Motive zu verwenden, welche in der

Zeichnung vorliegen, aber nicht die nöthige Größe besitzen, so kann

man sich in den meisten Fällen damit helfen, daß man die betreffende

Fläche, z. B. wenn es sich um die Umrahmung handelt, durch besondere

Eckverzierungen oder sonstige symmetrische Motive verkleinert, in

welchen Fällen das obenerwähnte flache Maaßlineal gute Dienste leisten

kann. Bei symmetrischen Motiven ist es selbstverständlich genügend, nur

so viel zu zeichnen als man braucht, was häufig sich auf ein Viertel

beschränken wird.

Wer kein sehr geübter Zeichner ist, dem rathe ich für die ersten

derartigen Arbeiten vorzugsweise lineare Ornamente zu benützen, oder

überhaupt solche, welche sich lediglich mittelst Lineal, Reißfeder und

Zirkel herstellen lassen. Es ist dies keine so arge Beschränkung, als

es auf den ersten Blick erscheinen mag, indem sich durch geschmackvolle

Anordnung einiger wenigen linearen Motive und unter etwaiger Beihülfe

einiger Ueberschneidungen schon recht wirksame Muster bilden lassen

und sich außerdem für viele kleinere Gegenstände überhaupt +nur+

derartige Motive eignen, welche dann bei entsprechender Farbengebung

eingelegte Arbeiten täuschend nachahmen. Die geschmackvolle Wahl

der Farben kommt hierbei nicht weniger in Betracht und mit wenigen

contrastirenden Tönen, die Holzfarbe inbegriffen, welche sich jedoch

nur in schmalen Linien etc. oder vielmehr nicht in größerer räumlicher

Ausbreitung zeigen darf, erreicht man in der Regel größere Wirkung

als mit Ueberladung. Motive dieser Art finden sich in allen genannten

Musterbüchern, und können solche mit Geschick und Geschmack leicht

vielfältig variirt werden so in ~Racinet~, Taf. 1. 5. 10. 29. 36. 37.

45. 46 etc. und ~Owen Jones~, Taf. 7 bis 11, 13. 15. 25. 35. 39. 43.

45. 59. 64, 65, wobei wie bereits bemerkt, die Töne mehr den Holzfarben

anzupassen sind.

Abgesehen von den anzuwendenden Motiven ist bei Anlage derartiger

Arbeiten besonderes Augenmerk auf die Gliederung der Fläche und die

geschmackvolle Ausfüllung des Raumes zu richten. Im Allgemeinen

dürfte es sich empfehlen, eine rahmenartige mehr oder weniger reich

gegliederte Einfassung anzubringen, welche einen größeren Raum

umschließt, der in seiner Mitte ein Wappen, eine Cartouche, ein

Monogramm etc. etc., oder kleinere figürliche symbolische Darstellungen

enthält. Der Grund dieses inneren Raumes wirkt nicht selten als

tiefschwarze Fläche äußerst günstig. Anderweitige Theilungen der

Fläche, Zwei-, Drei-, Vier-Theilung etc. etc. sind selbstverständlich

nicht ausgeschlossen. Geschmackvolle Muster derartiger Gliederungen

findet man in Zahn’s Musterbuch.

Außer diesen kleineren figürlichen Darstellungen, wie symbolische

Zeichen aller Art, Wappen, Monogramme etc. etc. etc., welche

Beziehungen auf Empfänger oder Geber vermitteln, lassen sich

auch kleine Photographien von antiken Büsten und Statuen (z. B.

in Medaillons), welche man +unaufgezogen+ bestellt, sorgfältig

ausschneidet und mit weißem Leim auf die betreffende, noch rohe Stelle

klebt, vortheilhaft anbringen. Auf schwarzem Grunde nehmen sich solche

ganz besonders gut aus.

Für geübte Zeichner läßt sich selbstverständlich keine Grenze ziehen

und werden solche deßwegen die linearen Ornamente doch nicht

verschmähen, wenn sie vielleicht auch häufiger die reichen Renaissance-

und andere vielgestaltige Ornamente, wie sie obengenannte Werke

bieten, benutzen werden. Da nun Ornamente, welche sich in derselben

Größe verwenden lassen, einfach durchgepaust werden, so könnte es

wohl einem wenig geübten Zeichner beikommen, auch einmal eine reiche

Renaissance- oder eine maurische Decoration auf Holz zu übertragen,

allein ich bemerke, daß hier der besondere Umstand zu berücksichtigen

ist, daß das Holz nicht selten -- aus welchem Grunde weiß ich nicht

-- die Pause überhaupt +ungern+ und stellenweise sogar nur sehr

schwer und höchst undeutlich und lückenhaft annimmt, so daß mitunter

nur die Hauptanhaltspunkte haften und man dann gezwungen ist, fast

ohne Pause zu zeichnen, wenigstens stellenweise. Nun erfordern aber

alle ornamentalen Malereien eine äußerst sorgfältige Zeichnung und

schwierige Motive in mangelhafter Zeichnung würden unter dem Pinsel

jedenfalls nicht eben schöner werden, und die vielleicht sehr mühevolle

Arbeit würde schließlich eine unansehnliche und vollständig werthlose

sein. Der Anfänger wird übrigens schon nach seinen ersten Arbeiten den

hohen Werth selbst ganz einfacher Motive vollständig erkennen.

Zum Pausen bedient man sich am besten des pulverisirten Graphits, mit

welchem man das Pauspapier auf der untern Seite bestreicht. Bei großen

Motiven, welche auf schwarzen oder sehr dunklen Grund kommen, kann man

sich auch des Blaupapiers bedienen.

Welche Decorationsmotive man nun auch verwende, so ist

selbstverständlich darauf zu halten, daß man nicht Ornamente

verschiedener Stile zusammenbringe. Besonders sei man bei Anbringung

von Wappen in dieser Beziehung vorsichtig (auch bei Zahlen und

Monogrammen), da es sich äußerst ungünstig macht, wenn man, wie es

leider nicht selten vorkommt, Wappen im Stile des zwölften Jahrhunderts

in Renaissance-Decorationen oder umgekehrt Wappen im Barockstil in

Gesellschaft gothischer Ornamente gewahr wird. Was speziell noch die

Renaissance-Decoration betrifft, so empfiehlt es sich bei Einfassungen

in diesem Stile für jede der vier Seiten ein anderes Motiv zu wählen,

so wie überhaupt nie dasselbe Motiv mehrfach bei einer Arbeit zu

verwenden, da steter Wechsel des Ornaments für diesen heiteren Stil

charakteristisch ist.

Was die oben erwähnte Verwendung von Photographien betrifft, so

eignen sich hiezu besonders antike Büsten und Statuen, auch kleine

Landschaften, welche Erinnerungen an einen Aufenthalt oder eine

Reise vermitteln sollen und zwar im Visitenkartenformat und machen

solche, wenn wie oben behandelt, einen reizenden Effekt. Bei der

Anlage des schwarzen Grundes ist aber besonders darauf zu achten,

daß man das Schwarz bis dicht an die Grenze des Papieres, -- aber

ja nichts darüber hinaus -- bringt, da Lücken wie Flecken an diesen

Stellen höchst unerfreulich wirken. Um die Anwendung von Photographien

für diesen Zweck, über welche mir noch nichts Gedrucktes vor die

Augen gekommen ist, zu illustriren, will ich bemerken, daß ich vor

einiger Zeit eine Zeitungsmappe, welche ich für einen Arzt malte,

in folgender Weise ausführte. Nach einigen die ganze Holzplatte

umfassenden linearen schmalen, aber in Breite etwas wechselnden

Einfassungen von abwechselnd hellgelben und tiefschwarzen Tönen

wurde die Platte durch zwei Mäanderrahmen in Naturfarbe des Holzes

mit tiefrothbrauner Farbe in zwei Theile gespalten. Der innere

naturfarbige Grund jeder Seite enthielt ein Oval in pompejanischem

Roth mit schmalen naturfarbigen Rändern, deren eines auf schwarzem

Grunde die Statue des Aesculap, das andere die der Hygea umschloß.

In den Ecken des naturfarbigen Mittelgrundes waren bräunlichgelbe

Palmetten, mit tieferen Tönen schattirt, angebracht und außerdem links

und rechts ein kleines Medaillon eingesetzt, welches auf schwarzem

Grunde einen bräunlichen, von bläulicher Schlange umwundenen Stab

zeigte. Das Motiv hatte ich dem Revers einer alten griechischen Münze

entnommen. Im Mittelpunkt der Platte waren die Mäander durch eine rothe

rautenförmige Umrahmung unterbrochen, innerhalb welcher auf schwarzem

Grund eine ebenfalls dem Revers einer griechischen Münze entnommenes

Motiv, eine antike Vase in rothgelber Farbe zwischen zwei windenden

blaugrauen Schlangen, Verwendung gefunden hatte. -- Antike Münzen

liefern sehr brauchbare figürliche Motive. Derselbe Gegenstand in

ähnlicher Behandlung, aber für einen Offizier bestimmt, könnte statt

der Statuen der Heilgötter die Büsten des Ajax und der Pallas zeigen

und statt der auf die ärztliche Kunst Bezug habenden Attribute, würde

man antike Waffenstücke, Eule und Scorpion als Beiwerk anzubringen

haben. Die Farbenwirkung war in obiger Arbeit beiläufig bemerkt, eine

sehr gelungene. Dabei brauche ich wohl nicht zu bemerken, daß für

Fälle, wo ein colorirtes Vorbild nicht vorliegt, man sich vorher eine

Farbenskizze macht, was namentlich bei reicheren Motiven und größeren

Arbeiten unerläßlich ist.

Indessen sei man vorsichtig mit Photographien, und verwende sie nur

hier und da einmal, da ihre Anwendung doch eigentlich hier nicht ganz

gerechtfertigt ist.

Ist man nun über Wahl der Ornamente und Gliederung mit sich einig,

so beginnt man die gefertigte Skizze oder Vorlage auf die Holzplatte

zu übertragen. Kommen nur lineare Ornamente ohne Verschlingung zur

Verwendung, so zeichnet man besser nichts durch, sondern man arbeitet

aus freier Hand, mißt Alles +genau+ ab, bedient sich bei allen geraden

Linien des Lineals und bei allen Kreislinien oder Theilen derselben

des Zirkels, so daß die Grundlagen der Arbeit sicher stehen. In vielen

Fällen ist es sehr wichtig, genau die Mitte der Tafel oder von Theilen

derselben festzustellen, was am einfachsten durch Ziehen zweier

Diagonalen geschieht. Alle Linien gebe man bestimmt, achte aber darauf,

weder ein zu hartes, kratzendes, noch ein zu weiches, schmierendes

Bleistift zu benutzen. Leichter, aber sicherer Auftrag mit Stiften

mittlerer Härtegrade ist am dienlichsten, besonders wenn man nicht viel

zu wischen braucht. Reiche geschwungene Gliederungen und Ornamente,

welche nicht mit Lineal und Zirkel behandelt werden können, zeichnet

man natürlich mittelst Pauspapier durch.

Mit der sorgfältigen Fertigstellung des Ornamentalen in Bleistift auf

dem Holze ist der erste Theil der Arbeit und in vielen Fällen der

weitaus schwierigste beendet, indem das Colorit, abgesehen von sehr

complicirten Motiven eigentlich mehr eine angenehme Unterhaltung als

eine Arbeit zu nennen ist. Bevor man jedoch zum Colorit übergeht,

ist alles Gezeichnete mit Contouren zu versehen, eine sehr wichtige

Prozedur.

Wie in der ornamentalen Malerei überhaupt durch die Trennung der Farben

mittelst Schwarz, Gold etc. eine weit bessere Wirkung erzielt wird,

als wenn sich die Farben berühren, so werden in der Holzmalerei die

Contouren zur unerläßlichen Erforderniß, selbst bei den schmalsten

Einfassungen, da sie es sind, welche vorzugsweise den Charakter der

eingelegten Arbeit bedingen, welcher hier in den meisten Fällen

angestrebt wird. Es empfiehlt sich dieselben stets schwarz zu halten

und empfehle ich zu deren Herstellung chinesische Tusche zu verwenden,

weil dieselbe bei späterem Uebergehen mit hellfarbigen Tönen weniger

schmutzt als andere schwarze Farben.

Die Anwendung von Contouren rechtfertigt sich aber auch aus anderen

Gründen. Die unmittelbare Berührung zweier Farben mittlerer Helligkeit

macht sich im Allgemeinen nicht sehr günstig. Sind beide wenig

verschieden, so heben sie sich nur sehr wenig von einander ab; besteht

aber ein größerer Unterschied, so erzeugen sie, aus einiger Entfernung

gesehen, auf ihrer Grenze eine störend und schwächend einwirkende

Mischfarbe. -- Sollen die Contouren auch auf größere Entfernung gesehen

werden, was manchmal in der Absicht liegen kann, so müssen solche in

entsprechender Stärke ausgeführt werden. Solche starke Contouren

erlauben auch Farben neben einander anzubringen, deren unmittelbare

Berührung Anlaß zu Bedenken geben würde, indem sie in solchen Fällen

den Grenzcontrast aufheben und dessen etwaige Nachtheile beseitigen.

Sehr schätzbar wirken in der Holzmalerei die Contouren ferner an

+Figürlichem aller Art+, wo sie +nie+ wegzulassen sind, indem sie

hier das subjektive Element heben und die dargestellten Gegenstände

entnaturalisiren.

Um den Leser zu einer bewußten Beurtheilung dekorativer Ornamentmotive

überhaupt zu leiten, glaube ich das Wesen der Contouren, welches sich

theilweise auf schon früher Besprochenes stützt, etwas eingehender

erörtern zu sollen.

Als Umrahmungen verschiedenfarbiger Flächen bilden die Contouren

ein wesentliches Moment in der decorativen Malerei, da sie hier als

selbstständiges Element auftreten, obwohl sie ursprünglich wohl nur

technischen Rücksichten entsprungen sind. Sie zeigten sehr bald so

mannigfache Vortheile, daß man sie auch nach dem Hinfälligwerden

vorerwähnter Rücksichten beizubehalten für gut fand.

In erster Linie haben die Contouren stets den Zweck das Flächenornament

schärfer vom Grunde abzuheben, besonders wenn das farbige Ornament auf

neutralem oder in der Farbe ähnlichem Grunde steht. Sie trennen hier

die einzelnen Flächen sehr scharf und verhindern das Entstehen der

Mischfarben an den Berührungsstellen. Man wählt für dieselben in diesem

Falle entweder eine hellere Farbe als die helle oder eine dunklere als

die dunkle Farbe.

Besonders erwünscht sind Contouren da, wo +feine+ Ornamente in dunkler

Farbe auf hellem Grunde stehen, weil abgesehen vom Entstehen von

Trugbildern und dem Verschwinden der Ränder die schmalen Theile weniger

dünn oder gar aufgelöst erscheinen.

Sind Grund oder Ornamente farbig, so können die Contouren, so lange

ihnen keine andere als die oben erwähnte Aufgabe zufällt, in einer

Schattirung einer der beiden Farben gehalten werden, oder auch in Weiß

oder Schwarz als den Endpunkten der Nüancen.

Sind aber Grund oder Ornamente schwarz, oder stehen die Ornamente

hell auf sehr dunklem Grund, in welchem Falle letzterer jedoch nicht

allzugeringe Dimensionen zeigen darf, so können die Contouren (wenn

auch nicht bei Holzmalerei) wegbleiben, wie es in den Wandmalereien von

Pompeji der Fall ist.

Wesentlich nothwendig sind Contouren da, wo zwei gesättigte Farben

von verschiedenem Ton sich berühren, z. B. zwischen Roth und Blau, da

hier abgesehen von den Grenzcontrasten, die Grenzlinien verwaschen

erscheinen würden. In diesen Farben gehaltene Ornamente machen ohne

Contouren einen unruhigen Eindruck, welcher durch eingesetzte dunkle

Ränder sofort verschwindet. Hierbei tritt stets die Erscheinung auf,

daß dunkle Contouren die +dunkle+ Farbe +dunkler+, helle aber die

hellere Farbe heller machen, so daß sie hier die Unterschiede der

Farben entschieden vergrößern. Diese Wirkung läßt sich sowohl durch

entsprechendes Colorit ausgleichen, oder aber auch dadurch vermeiden,

daß man die Contouren mehrfach umrändert und wählt man hierzu am

besten Gold oder Silber mit Schwarz oder Weiß.

Eine derartige Behandlung des Ornaments versteht sich vorzugsweise

auf die ältere, geometrisch angelegte Ornamentik, während seit der

Renaissance die geometrischen Muster mit satten Farben und leuchtenden

Contouren durch Laubgewinde mit Blumen und Früchten, Rankenwerk, Vasen,

Masken, phantastische Thiere untermischt mit Kindergestalten, Büsten,

mythologischen Wesen etc. etc. ersetzt worden sind, deren Farbengebung

sich mehr an die heutige Malerei anschließt.

Im Allgemeinen ist in der dekorativen Kunst bezüglich der Contouren

festzuhalten, daß Ornamente auf Goldgrund oder goldene Ornamente auf

farbigem Grund +schwarze+ Contouren beanspruchen, daß dunkle Ornamente

auf hellem Grunde ebenfalls von schwarzen oder wenigstens dunkeln

Contouren umgeben sein müssen, daß endlich farbige Ornamente oft

vortheilhaft mittelst weißer, schwarzer oder goldner Umränderungen

vom Grunde abgehoben werden. Weiße, hellfarbige und goldene Contouren

beabsichtigen indessen nicht selten als selbstständige Elemente

aufzutreten, was bei schwarzen nur äußerst selten vorkommen dürfte.

Man präparirt also einen ziemlich dickflüssigen +tiefschwarzen+ Ton

aus Tusche und zieht mit einer guten, nicht zu scharfen, mit dieser

Farbe gefüllten Ziehfeder erst alle geraden Linien sehr sorgfältig und

mit nicht zu schweren Strichen gleichmäßig nach, worauf die Kreise

oder deren Theile etc. etc. folgen. Hierbei ist jedoch insofern große

Vorsicht nöthig, als besonders auf größeren Platten die Textur des

Holzes in Bezug auf die Härte an manchen Stellen starkem Wechsel

unterworfen ist und man von einer harten Fläche plötzlich auf eine

verhältnißmäßig weiche geräth, weßhalb die Ziehfeder immer nur

leicht zu führen ist, besonders auch auf dem weicheren Lindenholz.

Stellenweise kommt es auch vor, besonders bei schlecht präparirtem

Holze, daß das Holz die Farbe ungern annimmt, und um diesen Mißstand

zu beseitigen, empfiehlt es sich, allen aufzutragenden Farbentönen

ein wenig Ochsengalle, welche im Handel in kleinen Fläschchen zu ℳ.

1. vorkommt, beizumischen, worauf das Holz in der Regel angenehm zu

bearbeiten ist. Bei größeren Quantitäten von Farbe sind wenige Tropfen

genügend. Bei dieser Arbeit vermeide man Flecken und Spritzer. Erstere

kann man, wo es thunlich ist, sofort mittelst Schwamm und reinem

Wasser wegwischen, während man letztere besser trocken werden läßt

und dann ausradirt, was auch für etwaige zu lang gerathene Linien

gilt. Wo überhaupt etwas Farbe wegzunehmen ist, wendet man am besten

das Radirmesser an und zwar am zweckmäßigsten in der +Längsrichtung+

der Holzfasern, da das Radiren in der Richtung der Quere sich weniger

gut und sauber ausführen läßt. Besser ist es aber, sich überhaupt

nicht hierauf zu verlassen, sondern reinlich zu arbeiten. Die

Längslinien etc. etc. werden aber auch an schwarzen oder sonstigen sehr

tieffarbigen Einfassungen und zwar deßhalb mit Schwarz ausgezogen,

weil das Coloriren der von ihnen umschlossenen Räume weit leichter

und sicherer von Statten geht, die Kanten viel schärfer absetzen

und weil hierdurch der Charakter eingelegter Arbeit ganz wesentlich

bedingt wird. Ganz abgesehen von letzterem Umstand wird man einen

nach diesem Verfahren behandelten Mäanderfries, von einem, wenn auch

auf das sorgfältigste, aber aus freier Hand behandelten dennoch sofort

und zwar weitaus zum Vortheil des ersteren unterscheiden können. Ist

alles was mittelst der Ziehfeder zu contouriren war, gearbeitet, so

folgt dieselbe Behandlung des Figürlichen, der Arabesken etc. etc.,

wozu man sich einer Zeichenfeder von Stahl bedient, deren man jetzt

die verschiedensten Sorten, weiche und harte besitzt, und deren man

sich einige von verschiedenen Härtegraden vorräthig hält. Man arbeite

vorsichtig, mit nicht zu viel und nicht zu wenig Tusche.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 135 / 150 题