Kleine Figuren, ganz besonders aber Vieh, vermögen oft eine an sich
vielleicht wenig ansprechende landschaftliche Darstellung sehr
anziehend zu machen, vorausgesetzt, daß sie der Stimmung des Bildes
angemessen sind und andrerseits mit Geschmack angebracht werden. In
sehr romantischen Darstellungen, wie wilden Gebirgslandschaften und
in Stimmungsbildern läßt man übrigens Staffage am besten ganz weg,
außer allenfalls in Form eines zur Darstellung passenden Vogels oder
sonstigen Thieres. In Studien nach der Natur sind Figuren ebenfalls
nicht am Platze, da sie hier die Aufmerksamkeit des Beschauers von
der Hauptsache ablenken. Unentbehrlich werden lebende Wesen aber
in Darstellungen ländlicher Situationen. Viehgruppen aller Art,
heimkehrende Arbeiter, Schäfer mit Hunden, Fuhrwerke etc. etc. sind
alle geeignet, hier treffliche Verwendung zu finden; sie müssen stets
aber so angebracht sein, daß die Darstellung in der That durch sie
wesentlich gehoben erscheint. Mit der Staffage lebender Wesen werden
übrigens noch andere Zwecke verfolgt, als der, Leben in die Darstellung
zu bringen. Da alle Farben in der Natur mehr oder weniger gebrochene
Töne zeigen, so ist das Anbringen von etwas brillanter absoluter
Farbe in einer Landschaft nicht selten von hohem Werth, da hierdurch
große Kraft erreicht wird, und die gewünschte Farbe läßt sich dann
leicht an der Kleidung eines in die Darstellung passenden menschlichen
Wesens oder auch eines Thieres anbringen. Daß auch auf diese Weise ein
gewisser Ton durch Anbringung einer Kontrastfarbe sehr gehoben werden
kann, dürfte der Leser wohl schon selbst erkannt haben. Eine weitere
Anwendung einer Figur ist diejenige zur Vermittelung des Maaßstabes,
um den Beschauer in den Stand zu setzen, sich über die wirklichen
Größenverhältnisse, besonders diejenigen größerer Objecte, ein
richtiges Urtheil bilden zu können. Diese Art der Verwendung erfordert
jedoch, daß man die Figur so anbringt, daß die Absicht möglichst
verborgen bleibt. Endlich kann man sich auch der Anbringung von
Figuren bedienen, um eine weniger schöne oder leere Stelle des Bildes
zu verdecken, was sehr zu empfehlen ist. Im Allgemeinen rathe ich aber
dem Landschafter, mit Staffage sehr sparsam umzugehen, wenn nicht
damit zu geizen, da ich häufig auf Ausstellungen Landschaftsbilder zu
sehen Gelegenheit hatte, welche durch Staffage mit Menschenfiguren
mehr verloren als gewonnen hatten, was zum großen Theile die an deren
Toilette prangenden, schreienden Farben verschuldeten. Wo und wie nun
menschliche Figuren vortheilhaft anzubringen sind, muß lediglich der
Einsicht und dem Geschmack des Darstellers überlassen bleiben. Diese
Einsicht und diesen Geschmack zu bilden gibt es ein sehr gutes Mittel,
nämlich das aufmerksame Studium der Werke alter sowohl wie neuerer
Künstler. Der Lernende suche sich hierbei darüber Rechenschaft zu
geben, warum diese Figuren gerade so und nicht anders gruppirt sind,
warum jene Figur an jenem Platze angebracht ist, wie das Bild ohne
Figuren wirken würde und dergleichen mehr. Die Figuren müssen aber
stets mit kraftvoller Farbe eingesetzt werden, damit sie zur Geltung
kommen. Was das Zeichnen betrifft, so hüte man sich vor falschen
Verhältnissen, besonders in den Gliedmaßen. Auf Spaziergängen skizzire
man gelegentlich die Arbeiter in Wald und Feld in den verschiedensten
Stellungen und Beschäftigungen, die Viehheerden, Fuhrwerke etc.
etc. Man erhält so manche gut zu verwendende Skizze. Wo die Figuren
ausgespart werden können, spare man aus; im gegentheiligen Falle
zeichnet man solche nach Beendigung des Bildes mit dickem ~Chinese
White~, welches nach dem Trocknen vorsichtig das entsprechende Colorit
erhält. Da dieses Weiß stark deckt, so kann man es auch unter die Töne
mischen und ohne weiße Unterlage die Figuren einsetzen, was jedoch in
den meisten Fällen weniger zu empfehlen sein wird.
Zum Schlusse noch einige Worte über Vieh, welches so häufig in
äußerst gefälliger Weise Verwendung finden kann, und nicht selten
dem Bilde vorzugsweise die Wirkung sichert, da Gruppen desselben oft
den Hauptreiz ländlicher Darstellungen bilden. Sehr willkommen ist
dem Landschafter namentlich Rindvieh, sowohl in Bezug auf Form wie
auf Farbe, weßhalb es in Gemälden, wo es gut angebracht werden kann,
selten vermißt wird. Da es zwischen beiden Enden der Farbenskala alle
Uebergänge durch Gelb, Roth und Braun aufweist, bietet es günstige
Gelegenheit sowohl zur Anwendung leuchtender Farben, wie auch zur
Erreichung von Kontrasten. Auch Pferde leisten gute Dienste und ein
Schimmel kann z. B. sehr vortheilhaft als Hauptlicht eines Bildes
Verwendung finden. In zweiter Linie kommen dann Schafe und Hunde,
welche weniger durch Farbe, als durch Formen zu wirken geeignet sind.
Schwarze Farben hüte man sich zu kalt zu geben.