2. Technik.

Kleine Figuren, ganz besonders aber Vieh, vermögen oft eine an sich

vielleicht wenig ansprechende landschaftliche Darstellung sehr

anziehend zu machen, vorausgesetzt, daß sie der Stimmung des Bildes

angemessen sind und andrerseits mit Geschmack angebracht werden. In

sehr romantischen Darstellungen, wie wilden Gebirgslandschaften und

in Stimmungsbildern läßt man übrigens Staffage am besten ganz weg,

außer allenfalls in Form eines zur Darstellung passenden Vogels oder

sonstigen Thieres. In Studien nach der Natur sind Figuren ebenfalls

nicht am Platze, da sie hier die Aufmerksamkeit des Beschauers von

der Hauptsache ablenken. Unentbehrlich werden lebende Wesen aber

in Darstellungen ländlicher Situationen. Viehgruppen aller Art,

heimkehrende Arbeiter, Schäfer mit Hunden, Fuhrwerke etc. etc. sind

alle geeignet, hier treffliche Verwendung zu finden; sie müssen stets

aber so angebracht sein, daß die Darstellung in der That durch sie

wesentlich gehoben erscheint. Mit der Staffage lebender Wesen werden

übrigens noch andere Zwecke verfolgt, als der, Leben in die Darstellung

zu bringen. Da alle Farben in der Natur mehr oder weniger gebrochene

Töne zeigen, so ist das Anbringen von etwas brillanter absoluter

Farbe in einer Landschaft nicht selten von hohem Werth, da hierdurch

große Kraft erreicht wird, und die gewünschte Farbe läßt sich dann

leicht an der Kleidung eines in die Darstellung passenden menschlichen

Wesens oder auch eines Thieres anbringen. Daß auch auf diese Weise ein

gewisser Ton durch Anbringung einer Kontrastfarbe sehr gehoben werden

kann, dürfte der Leser wohl schon selbst erkannt haben. Eine weitere

Anwendung einer Figur ist diejenige zur Vermittelung des Maaßstabes,

um den Beschauer in den Stand zu setzen, sich über die wirklichen

Größenverhältnisse, besonders diejenigen größerer Objecte, ein

richtiges Urtheil bilden zu können. Diese Art der Verwendung erfordert

jedoch, daß man die Figur so anbringt, daß die Absicht möglichst

verborgen bleibt. Endlich kann man sich auch der Anbringung von

Figuren bedienen, um eine weniger schöne oder leere Stelle des Bildes

zu verdecken, was sehr zu empfehlen ist. Im Allgemeinen rathe ich aber

dem Landschafter, mit Staffage sehr sparsam umzugehen, wenn nicht

damit zu geizen, da ich häufig auf Ausstellungen Landschaftsbilder zu

sehen Gelegenheit hatte, welche durch Staffage mit Menschenfiguren

mehr verloren als gewonnen hatten, was zum großen Theile die an deren

Toilette prangenden, schreienden Farben verschuldeten. Wo und wie nun

menschliche Figuren vortheilhaft anzubringen sind, muß lediglich der

Einsicht und dem Geschmack des Darstellers überlassen bleiben. Diese

Einsicht und diesen Geschmack zu bilden gibt es ein sehr gutes Mittel,

nämlich das aufmerksame Studium der Werke alter sowohl wie neuerer

Künstler. Der Lernende suche sich hierbei darüber Rechenschaft zu

geben, warum diese Figuren gerade so und nicht anders gruppirt sind,

warum jene Figur an jenem Platze angebracht ist, wie das Bild ohne

Figuren wirken würde und dergleichen mehr. Die Figuren müssen aber

stets mit kraftvoller Farbe eingesetzt werden, damit sie zur Geltung

kommen. Was das Zeichnen betrifft, so hüte man sich vor falschen

Verhältnissen, besonders in den Gliedmaßen. Auf Spaziergängen skizzire

man gelegentlich die Arbeiter in Wald und Feld in den verschiedensten

Stellungen und Beschäftigungen, die Viehheerden, Fuhrwerke etc.

etc. Man erhält so manche gut zu verwendende Skizze. Wo die Figuren

ausgespart werden können, spare man aus; im gegentheiligen Falle

zeichnet man solche nach Beendigung des Bildes mit dickem ~Chinese

White~, welches nach dem Trocknen vorsichtig das entsprechende Colorit

erhält. Da dieses Weiß stark deckt, so kann man es auch unter die Töne

mischen und ohne weiße Unterlage die Figuren einsetzen, was jedoch in

den meisten Fällen weniger zu empfehlen sein wird.

Zum Schlusse noch einige Worte über Vieh, welches so häufig in

äußerst gefälliger Weise Verwendung finden kann, und nicht selten

dem Bilde vorzugsweise die Wirkung sichert, da Gruppen desselben oft

den Hauptreiz ländlicher Darstellungen bilden. Sehr willkommen ist

dem Landschafter namentlich Rindvieh, sowohl in Bezug auf Form wie

auf Farbe, weßhalb es in Gemälden, wo es gut angebracht werden kann,

selten vermißt wird. Da es zwischen beiden Enden der Farbenskala alle

Uebergänge durch Gelb, Roth und Braun aufweist, bietet es günstige

Gelegenheit sowohl zur Anwendung leuchtender Farben, wie auch zur

Erreichung von Kontrasten. Auch Pferde leisten gute Dienste und ein

Schimmel kann z. B. sehr vortheilhaft als Hauptlicht eines Bildes

Verwendung finden. In zweiter Linie kommen dann Schafe und Hunde,

welche weniger durch Farbe, als durch Formen zu wirken geeignet sind.

Schwarze Farben hüte man sich zu kalt zu geben.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 129 / 150 题