III.

Motiv aus einer Gebirgslandschaft: Im Mittelgrund eine grasige Höhe,

mit kahlen Felsblöcken; oben niedriger, tieftöniger Baumwuchs.

Farben: Felsen: ~Light Red~, ~Rose Madder~ und ~Cobalt~. Grüner Ton:

~Yellow Ochre~ und ~Indigo~ -- ~Brown Pink~ und ~Cobalt~. -- Baumwuchs:

~Brown Pink~, ~Indigo~ und ~Burnt Sienna~.

Man mischt einen entsprechenden Ton von ~Yellow Ochre~ und ~Indigo~,

setzt solchen an der Kuppe der Höhe ein und ändert ihn hier und da

leicht ab. Der Pinsel kann ziemlich voll sein, da es in diesem Falle

gut wirkt, wenn die Ränder an den Felsen etwas scharf absetzen. Ist

dieser Auftrag trocken, so übergeht man mit demselben Ton, welchem man,

um ihn transparenter zu machen, etwas ~Brown Pink~ zusetzen kann, die

beschatteten Theile der Höhe. Dies muß geschickt ausgeführt werden,

d. h. mit sicherer Hand, um den Unterton nicht zu stören, weßhalb

man, so lange die Stellen noch naß sind, nicht nochmals darüber malen

darf, da sonst die nothwendige Klarheit des Tons Noth leiden würde.

Je mehr man sich mit diesem Ton dem Vordergrund nähert, desto weniger

~Yellow Ochre~ nimmt man und setzt dagegen mehr ~Brown Pink~ zu. Ist

dies trocken, so gibt man mit einer dicken, gallertartigen Mischung von

~Brown Pink~ und ~Indigo~, in tupfweiser Manier die Bäume, wobei man

bei deren Silhouette zugleich eine halbkreisartige Bewegung macht und

jedesmal den Pinsel vom Papier entfernt. Die kahlen Felsen werden jetzt

mit obigen Farben in wechselndem Verhältnisse angelegt, wobei ~Light

Red~ in den warmen Tönen vorherrschen muß, während für den Schatten

~Cobalt~ im Ueberschuß sein kann. Die Schatten der Felsen werden mit

denselben Farben gegeben. Hierauf setzt man die Drucker an den Grenzen

des Grases an den Felsen mit dicker Farbe, aus ~Yellow Ochre~ und

~Indigo~, ein. Man nimmt nur wenig Farbe, um sie kräftiger einsetzen

zu können und schleppt ein wenig über die freien Grasflächen. ~Brown

Pink~ und ~Cobalt~ dient für einige Büsche im Gras. Es erübrigt noch,

den Bäumen die dunkelsten Schatten mit ~Brown Pink~, ~Indigo~ und ein

wenig ~Burnt Sienna~ zu geben, was mit entschiedener Pinselführung

zu bewerkstelligen ist und kann zum Schlusse hier und da noch etwas

ziemlich trockene Farbe von ~Brown Pink~ und ~Gamboge~ über einzelne

Graspartien geschleppt werden, aber nicht im Uebermaß, was sehr störend

wirken würde.

Aus diesen wenigen Beispielen möge der Lernende entnehmen, daß recht

wirksame Motive mit verhältnißmäßig wenigen Mitteln skizzirt werden

können. Diese Beispiele könnten in’s Unendliche vermehrt werden, ohne

deßhalb erschöpfend zu sein, weßhalb ich, da der Lernende über die zur

Anwendung kommenden Töne sehr vollständig ausgerüstet ist, abbreche,

umsomehr als es an Motiven nirgends fehlt. Doch will ich nachstehend

noch ein Beispiel geben, wie die Studie eines Baumstammes in nächster

Nähe auszuführen ist, oder vielmehr ausgeführt werden kann.

+Motiv+: Waldrand, im Vordergrund Rasen mit bemoosten Steinblöcken und

einer alten Eiche, deren Stamm dem Beschauer sehr nahe gerückt ist, so

daß von den Aesten nichts zu sehen ist, etwas weiter zurück eine alte

verkrüppelte Eiche ohne Laub. Mittelgrund: Junger Wald in frischem Grün.

Einfache Motive wie dieses können dennoch so dargestellt werden, daß

ihnen Schönheit und Interesse nicht abgesprochen werden kann, ohne daß

deßhalb der Beschauer Anbeter der „~paysage intime~“ zu sein braucht.

Um dies aber bei einem so anspruchslosen Motiv erreichen zu können,

bedarf es einiger Anstrengung, wie nicht minder genauer Kenntniß der

Natur. Gute Zeichnung, schöne Linienführung, naturwahres Colorit

und Breite in Licht und Schatten sind wesentliche Bedingnisse, um

solche Motive interessant zu machen. Bei der Zeichnung sind außer den

Umrissen, auch die verschiedenen Details der Rinde, sowie die Knorren

und Hohlräume etc. etc. genau zu beachten.

Farben: Luft: ~Cobalt~ und ~Rose Madder~. Zwischenräume der Rinde

und erste Schatten: ~Cobalt~, ~Chrimson Lake~ und ~Burnt Sienna~.

Rinde: 1. Ton: ~Oxyde of Chromium~ und ~Blue Black~; 2. Ton: ~Brown

Pink~, ~Oxyde of Chromium~ und ~Blue Black~; Orangetöne: ~Vermilion~,

~Yellow Ochre~ und ~Chinese White~; Scharlachtöne: ~Rose Madder~

und ~Vermilion~; Grüne Töne: ~Brown Pink~, ~Gamboge~ und ~Oxyde of

Chromium~. Reines Grün: ~Emerald Green~ und ~Gamboge~; Purpurtöne:

~Cobalt~ und ~Rose Madder~; Reflexe in den Schatten: ~Chrimson Lake~

und ~Neutral Orange~, -- ~Neutral Orange~ und ~Yellow Ochre~; Laubwerk:

~Gamboge~, ~Brown Pink~ und wenig ~Burnt Sienna~; Felsblöcke: ~Cobalt~,

~Rose Madder~ und ~Blue Black~; Tiefe rothe Drucker im Vordergrund:

~Rose Madder~ und ~Burnt Sienna~.

Vorausgesetzt die Luft sei beendet und trocken, wird das Papier

befeuchtet und abgetrocknet. Man mischt nun einen mattpurpurnen Ton

von ~Cobalt~, ~Chrimson Lake~ und ~Burnt Sienna~ und übergeht hiermit

die Bleistiftstriche, welche auf dem vorderen Baum die Theilungen der

Rinde andeuten, aber etwas dick. Man halte den Pinsel gut gefüllt und

arbeite mit der Spitze desselben und mit festen, sicheren Strichen.

Ist dies trocken, so übergehe man jedes +einzelne+ Rindenstück mit

obigem ersten Ton, lasse aber der vielen glänzenden Lichter wegen,

überall einen schmalen weißen Rand und führe stets den Pinsel in der

+Richtung der Form+. Mit demselben Ton, und Zusatz, von etwas ~Cobalt~

und ~Rose Madder~, übergeht man den hinteren, abgestorbenen Stamm.

Hierauf legt man über die Schatten des ersten Stammes einen breiten

Schattenton von ~Burnt Sienna~, ~Chrimson Lake~ und ~Cobalt~, ohne

Rücksicht auf die Reflexe und verstärkt dann die Rindenfarbe mit

dem ersten Ton, aber ohne die Lichter zu berühren und mit ziemlich

gelatinöser oder fast trockener Farbe. Für einige graue Stellen mische

man ~Cobalt~ und ~Rose Madder~ zu. Nunmehr verstärke man die Theilungen

der Rinde mit derselben Farbe wie vorher, aber ziemlich dick und

dunkel. Für die knorrigen Stellen und die Hohlräume unter der Rinde

benutzt man dieselbe Farbe, aber mit ~Burnt Sienna~ im Ueberschuß.

Man halte den Pinsel vertikal und markire kühn und entschieden. Die

Schatten am Felsblock und in den Vertiefungen des Bodens, sowie die

des verkrüppelten Baumes, welche recht kräftig sind, gebe man mit

demselben Ton. Die dunkel bemoosten Stellen des letzteren gebe man

mit ~Brown Pink~, ~Oxyde of Chromium~ und ~Blue Black~, ebenso dessen

Aeste; die heller bemoosten Theile mit ~Emerald Green~ und ~Gamboge~,

wobei man allenthalben einige kleine Lichter läßt, auch hier und da

etwas ~Oxyde of Chromium~ zusetzt. Die Moose am vorderen Stamm gibt

man mit derselben Farbe, aber dicker und dunkler und die gelberen Töne

mit ~Gamboge~, ~Brown Pink~ und wenig ~Burnt Sienna~. Den Felsblock

colorire man leicht und hell mit der oben angegebenen Combination. Man

setzt nunmehr die wärmeren Orange- und Scharlachtöne ein, und zwar rein

und auf die hellen Lichter, lasse aber immer noch einige derselben

unberührt.

Mit der für das Laubwerk angegebenen Farbe übergeht man nunmehr

den Wald und zwar in etwas kräftigem Ton. Während dieser trocknet,

verstärkt man die Moose an dem Felsblock mit ~Gamboge~, ~Emerald

Green~ und ~Oxyde of Chromium~ und zwar durch Tupfen und gibt die

rothen Stellen im Vordergrund mit ~Rose Madder~ und etwas ~Burnt

Sienna~. Die Buchenstämme des Waldes gibt man mit ~Brown Pink~, ~Oxyde

of Chromium~ und ~Blue Black~. Hier und da verbessert man mit dem

~Oxyde of Chromium~ das Grün des Laubes und mit Zusatz von ~Brown Pink~

gibt man das Unterholz. Nunmehr gebe man in den Schatten des Stammes

einige Reflexe mit dicker Mischung von ~Neutral Orange~ und ~Yellow

Ochre~; nimmt der Schattenton diese Farbe nicht an, so befeuchte man

die betreffende Stelle etwas und reibe leicht mit einem seidenen Tuch,

worauf man den Ton aufträgt. Mit derselben Farbe übergeht man noch hier

und da eine Stelle, um die kalten Töne zu mindern. Man vertieft nun

die verschiedenen Theile der Rinde mit ~Brown Pink~, ~Rose Madder~ und

etwas ~Cobalt~ und zwar mehrmals, läßt aber immer dazwischen trocknen.

Durch dieses Häufen von Farbe auf Farbe erlangt man große Kraft und

Transparenz. Mit etwas ~Cobalt~ und ~Oxyde of Chromium~ übergeht man

die blaugrünen Töne der Rinde, doch wende man diesen Ton nicht zu oft

an, da er schwer macht; auch die wärmeren Töne verbessert man, und

wendet gelegentlich auch ~Rose Madder~ unvermischt an. Man übergeht

dann nochmals den hinteren Baum mit ~Brown Pink~, ~Burnt Sienna~ und

etwas ~French Blue~, verbessert dessen Rinde mit spitzem Pinsel und

einzelnen Strichen. Ueberflüssige Lichter fülle man aus und legt

nochmals überall verbessernde Hand an. Die Moose tüpfle man aus mit

~Oxyde of Chromium~, und dazwischen mit ~Gamboge~ und ~Emerald Green~;

die tiefen Stellen mit ~Brown Pink~. Zum Schlusse nimmt man einen

kleinen, flachen Pinsel und übergeht die zahlreichen Lichter an den

Kanten der Rinde mit scharfen, kurzen Strichen mit dickem ~Chinese

White~, doch nicht zu freigebig, um fleckiges Aussehen zu vermeiden.

Diese Beschreibung ist vielleicht etwas zu ausführlich gewesen. Es galt

mir aber zu zeigen, in welcher Weise ein ausgeführteres Werk behandelt

werden muß, um strengen Anforderungen zu genügen.

~D.~ +Wasser+ nebst Staffage.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 109 / 150 题