II. Die Farbentheorie.

Einen ersten Einblick in die Zusammensetzung der Farben möge folgende

kurze Skizze bieten: Man unterscheidet dreierlei Farben, +primäre+,

+sekundäre+ und +tertiäre+. Die drei +primären+ Farben sind +Gelb+,

+Roth+ und +Blau+. Sie repräsentiren natürliche, klare und prismatische

Farben und können nicht durch Combination dargestellt werden.

Die drei +sekundären+ Farben sind ebenfalls klare prismatische, aber

aus der Mischung von zwei primären entstanden.

Gelb } Gelb } Roth }

} +Orange+. } +Grün+. } +Violett+.

Roth } Blau } Blau }

Contraste: Blau Roth Gelb.

Die +tertiären+ Farben sind gebrochene, d. h. mehr oder weniger

unreine, trübe, nicht prismatische, entweder aus drei primären, oder

aus zwei sekundären hergestellte Farben.

Orange } Orange } Grün }

} +Olive+. } +Rothbraun+. } +Grau+.

Grün } Violett } Violett }

Contraste: Violett Grün Orange.

Die tertiären Farben nun, welche durch Abänderung der

Mischungsverhältnisse auf das vielfältigste nüancirt werden können,

sind es, mit welchen wir in der Landschaft fast ausschließlich zu

arbeiten haben, da jede Abweichung von der prismatischen Farbe einen

tertiären Ton liefert. Die verschiedenen Nüancen von Grau, Braun,

gebrochenem Grün, gebrochenem Roth etc. gehören alle hierher, da sie

sämmtlich aus Roth, Gelb und Blau entstanden sind.

Bei Mischung der gebrochenen tertiären Farben ist zu bemerken, daß

wenn die dritte Farbe in zu großer Menge zugesetzt wird, leicht

Schmutzfarben entstehen.

Dunkle gebrochene Farben werden in zahllosen Tönen unter dem

Collectivnamen „+Braun+“ zusammengefaßt. Es finden sich hierunter

sehr ausgeprägte charakteristische Tonreihen, für deren genauere

Bezeichnung die Sprache keinen Namen hat, welche aber nach der

vorherrschenden Grundfarbe, als Gelb-, Roth-, Grau-, Schwarz-, Grün-

etc. +Braun+ benannt werden. Da nun Gelb und Roth in Braun stets gegen

Blau vorherrschen, so kann man +Braun+ im Allgemeinen auch als Mischung

von +Orange+ mit wenig +Blau+ ansehen.

Unter +warmen+ Farben versteht man diejenigen, in welchen Roth und

Gelb vorherrschen, doch bedingt Gelb +allein+ den Charakter der Wärme

häufig nicht, wie z. B. Gelbgrün (Gelb und wenig Blau) kein warmes

Grün genannt werden kann, welches erst durch weitere Beimischung von

etwas Roth entsteht. -- Je mehr dagegen Blau in der Farbe vorherrscht,

desto mehr tritt der Charakter der Kälte vor. In gleicher Weise wirkt

Weiß und neutrales Grau. Folgende Eigenthümlichkeit der warmen Farben

verdient besondere Beachtung.

Bei wachsender Helle wird die Lichtstärke warmer Farben in

erheblicherem Grade wachsen wie die der kalten. Bei höchstem Licht,

wie z. B. in voller Sonne, verlieren jedoch die Farben dermaßen an

Sättigung, daß sie weißlich erscheinen, ohne indessen den Charakter

von Wärme oder Kälte hierbei zu verlieren. Bei abnehmender Lichtstärke

tritt dagegen das umgekehrte Verhältniß ein, indem bei den warmen

Farben der Verlust an Licht rascher zunimmt als bei den kalten, so

daß bei fortgesetztem Sinken der Heiligkeit Roth auf einem gewissen

Punkt dem kälteren Violett gleich und von da an dunkler erscheint als

letzteres.

Die oben zur ersten Orientirung vorgetragenen Sätze der Theorie der

Farbe stehen zwar mit neueren Ansichten der exacten Wissenschaft

theilweise im Widerspruch, allein diese auf älteren Ansichten

beruhende Darlegung (Field, Göthe etc.) ist bei ihrer Einfachheit

immerhin für die Praxis sehr wichtig, so daß sie, ähnlich wie in der

Botanik das System Linné’s, trotz ihrer Mängel stets beibehalten werden

wird.

In den letzten Decennien ist vieles über die Theorie der Farbe

veröffentlicht worden und lasse ich eine kurze Darstellung des

Wissenswerthesten aus diesem Gebiete folgen. Die wissenschaftlichen

Erörterungen über Farbentheorie haben eigentlich für den Maler von Fach

nur sehr geringen Werth, indem derselbe seine Bestimmung arg verfehlt

hätte, wenn er genöthigt wäre, sich die deßfallsigen Kenntnisse erst

aus Büchern anzueignen, denn wem der Farbensinn nicht angeboren ist,

der wird auch durch Studium wenig zu dessen Ausbildung beitragen.

Dabei kommt auch weiter in Betracht, daß der Landschafter, besonders

der Architekturmaler, an das natürliche Colorit der Gegenstände mehr

oder weniger gebunden ist, und hätte es aus diesem Grunde auch bei

obiger flüchtiger Orientirung sein Bewenden haben können. Da ich

aber nicht für Maler, sondern für Dilettanten schreibe, welchen es

erwünscht sein dürfte, zu einem bewußten Urtheil über farbige Werke

überhaupt gelangen zu können, so habe ich geglaubt, eine knappe

Darstellung dieses Gegenstandes hier anreihen zu sollen. Wer sich über

diese noch nicht abgeschlossenen Arbeiten eingehender zu unterrichten

wünscht, wird in den Eingangs aufgeführten einschlagenden Werken

reiches Material finden. Es bleibt nur zu bedauern, daß die Ansichten

der Schriftsteller, welche Aesthetik und Theorie der Farbe behandelt

haben, hinsichtlich des Werthes der Farbenzusammenstellungen sehr von

einander abweichen, was zum Theil durch den hierbei stark mitwirkenden

persönlichen Geschmack bedingt ist, so daß Leistungen, welche von dem

einen als außerordentlich gepriesen wurden, von anderen als Hohn auf

den guten Geschmack bezeichnet worden sind. Der Anfänger mag indessen

hieraus ersehen, daß innerhalb aller Regeln dem künstlerischen Schaffen

immer noch ein weiter Spielraum bleibt und daß selbst allgemein gültige

Grundsätze zuweilen ignorirt werden können, was indessen nur vom Genie

gelegentlich geschehen mag und hier in keiner Weise befürwortet werden

soll.

Zur übersichtlichen Orientirung über die Farbe dient der Farbenkreis,

deren einfachster von Göthe dargestellt worden ist. Er wird dargestellt

durch eine mittelst dreier Durchmesser in sechs gleiche Sektoren

getheilte Kreisfläche, auf welcher die primären und sekundären Farben

so aufgetragen sind, daß die Sektoren 1, 3 und 5 mit Gelb, Roth und

Blau, die Sektoren 2, 4 und 6 mit Orange, Violett und Grün bezeichnet

sind.

Im zwölftheiligen, von Brücke gegebenen Farbenkreise sind folgende

sechs Farbenpaare als complementäre verzeichnet:

1 Gelb Blau

2 Orange Grünblau

3 Roth Blaugrün

4 Carmoisin Spangrün

5 Purpur Grasgrün

6 Violett Grüngelb.

Einen noch ausführlicheren vierundzwanzigtheiligen Farbenkreis hat

Adams in seinem unter viel sonderbarer Schwärmerei doch auch manches

Gute und Lesenswerthe enthaltenden Buche: Die Farbenharmonie in ihrer

Anwendung auf die Damentoilette, gegeben.

Roth ~P.~ Gelb Blau

Rothorangeroth 3 Gelbgrüngelb Blauviolettblau

Rothorange 2 Gelbgrün Blauviolett

Orangerothorange 3 Grüngelbgrün Violettblauviolett

Orange 1 Grün Violett

Orangegelborange 3 Grünblaugrün Violettrothviolett

Gelborange 2 Blaugrün Rothviolett

Gelborangegelb 3 Blaugrünblau Rothviolettroth.

Eine Linie im Farbenkreise von Grün nach Roth gezogen, trennt die

warmen Töne von den kalten. Der wärmste Ton Gelborange steht auf der

Seite der warmen Farben in der Mitte zwischen Roth und Grün, der

kälteste Blauviolett auf der entgegengesetzten.

Die auf der mit 1 bezeichneten Linie stehenden Töne sind

Sekundärfarben erster Ordnung, d. h. Mischfarben von 2 Primären zu

gleichen Theilen.

Die mit 2 bezeichneten sind Sekundärfarben zweiter Ordnung, d.

h. Mischfarben aus einer Primär- und einer Sekundärfarbe erster

Ordnung, oder aus zwei Theilen der einen und einem Theile der

andern Primärfarbe.

Die Sekundärfarben dritter Ordnung (3) sind Mischfarben aus einer

Primär- oder Sekundärfarbe erster Ordnung, mit einer Sekundärfarbe

zweiter Ordnung.

Im ersten Fall besteht die Mischung aus drei Theilen der einen und

einem Theil der andern, -- im zweiten Fall aus drei Theilen der einen

und zwei Theilen der andern Primärfarbe.

So besteht z. B. Gelborangegelb aus Gelb 3 und Roth 1

Gelborange „ 2 „ „ „

Orangegelborange „ 3 „ „ 2

Orange „ 1 „ „ 1

Orangerothorange „ 2 „ „ 3

Rothorange „ 1 „ „ 2

Rothorangeroth „ 1 „ „ 3

Diese Farbenkreise mit räumlich gleichgroßen Feldern, deren von

verschiedenen Autoren noch sehr verschiedenartige, mit 36, 48 und mehr

Sektoren, mit entsprechenden abweichenden Nomenklaturen aufgestellt

worden sind, werden als +physikalische+ bezeichnet. Diesen gegenüber

stehen die +physiologischen+, auf welche die neuere Wissenschaft

größeren Werth legt. Sie zeigen von ersteren abweichende Verhältnisse,

deren eingehende Erörterung außerhalb des Rahmens dieses Buches liegt.

Die auf diese Farbenkreise sich stützenden Theorien finden nun

vorzugsweise ihre Nutzanwendung in größeren chromatischen Compositionen

besonders im polychromen Ornament, nicht weniger aber auch im

Historienbild wie bei der figürlichen Darstellung überhaupt, sowie

im Stillleben. In Landschaft und Architektur tritt sie, von Staffage

abgesehen, sehr zurück, allein Kenntniß der einschlagenden Verhältnisse

läßt oft erfreulich wirkende Modifikationen der gegebenen Töne zu.

Im Allgemeinen bemerke man, daß jede Farbe durch ihre

Complementärfarbe, ihren Contrast, gehoben wird, sowie daß

Zusammenstellungen von im Farbenkreise einander zunächst gelegenen

Farben unerfreulich wirken und zwar aus dem Grund, weil das Auge in

jeder von zwei benachbarten Farben die Complementärfarbe der andern

hervorzurufen bestrebt ist. So sieht Roth neben Orange scheinbar blauer

aus, neben Rothorange aber nicht allein blauer, sondern auch trüber;

Orange neben Gelb röther und trüber etc.

Derartige Verbindungen von Farben werden erst gut, wenn zwischen

beiden Farben im zwölftheiligen Farbenkreise wenigstens drei Töne

liegen. +Ganz unbedeutende+ Aenderungen der Farbe liefern dagegen

+sehr brauchbare+ Töne, wie wir gerade in Landschaft und Architektur

zu beobachten beständig in der Lage sind und wird auch bei dekorativen

Malereien so gerne von nahe gelegenen Tönen ausgiebiger Gebrauch

gemacht. Die Töne sind aber hier nicht als verschiedene Farben, sondern

als kleine Nüancen derselben Farbe zu betrachten. Man sehe aber bei

Anwendung so kleiner Farbenintervalle darauf, daß der +wärmere+ Ton

auch der +hellere+ sei.

In chromatischen Compositionen werden die Hauptfarben in der Regel zu

zweien als Paare oder zu dreien verbunden, wobei noch Schwarz, Weiß und

Grau und selbst lebhaftere Töne, aber in geringer räumlicher Ausdehnung

und ohne mit den Hauptfarben in schädliche Berührung zu kommen, benutzt

werden können. Jede Hauptfarbe kann außerdem in mehreren helleren und

dunkleren Tönen auftreten, sowie um ein kleines Intervall abweichen.

Was die Zusammenstellung der Farben nach Paaren betrifft, so kräftigen

die Ergänzungsfarben sich zwar gegenseitig, aber ein allgemein gültiges

Gesetz läßt sich nicht aufstellen, da deßfallsige Regeln nicht für alle

Farbenpaare gelten. -- So z. B. bildet Roth als +Karmin+ oder +Krapp+

seine besten Combinationen mit Blau und Grün. Erstere ist allgemein

als gut anerkannt, letztere nicht. Die Wirkung bessert sich, wenn man

beide Farben in einer gewissen Tiefe hält, oder aber, bei lichteren

Tönen, Roth und Grün theilweise oder ganz durch Weiß trennt. -- Roth

und Gelb ist weniger zu empfehlen, außer mit Weiß, desto mehr Roth mit

Goldgelb, wobei auch Schwarz gut wirkt. Mit Letzterem allein wirkt Roth

ernst, je nach der Nüance aber prächtig.

Zinnober bildet seine besten Verbindungen mit Blau. Mit Grün wirkt

seine Verbindung noch greller wie die von Grün mit Krapproth; auch mit

Gold wirkt er nicht so gut wie Krapp und mit Schwarz ist die Wirkung

etwas gewaltsam, und vorsichtig zu verwenden, unter Umständen aber

imposant.

In folgenden Zeilen gebe ich nunmehr eine Uebersicht über die Wirkungen

spezieller Farbencombinationen, wie solche in größeren Compositionen

zum Ausdruck kommen.

+Mennig+ wirkt gut mit hellerem Blau, schreiend mit Blaugrün, sehr

angenehm aber mit hellem Gelbgrün. Mit Gelb wirkt es nicht gerade

schlecht und mit Orange läßt es sich zu einem kleinen Intervall

verbinden. Zwischen großen und kleinen Intervallen besteht also hier

keine eigentlich schlechte Combination. Mennig wirkt schließlich

vortheilhaft mit neutralem Grau.

+Orange+ wirkt +hell+, prachtvoll mit Ultramarin. Nimmt man es aber

dunkel, also braun, so geht der vorherige prächtige, glanzvolle

Eindruck total verloren und es resultirt eine wirklich traurige

Combination, welche auch von älteren und neueren Malern mehrfach für

entsprechende Stimmungen gewählt worden ist. Mit Grün wirken seine

dunklen Töne (also Braun) ebenfalls gut. Orange kann auch mit Violett

verbunden werden, besonders wenn noch Grün, oder grünliches Gelb

hinzutritt. Schlechter ist die Verbindung mit Purpur und Carmoisin,

doch wird es auch hier in Anwendung gebracht, besonders als kleines

Intervall zu Gelb, welches mit Purpur eine brillante Verbindung liefert.

Goldgelb wirkt leidlich mit Cobalt, am besten mit Ultramarin, mit

welchem es eine der brillantesten Combinationen bildet. Prächtig wirkt

es auch mit Violett und Purpur, weniger mit Carmoisin und Krapproth.

Metallisches Gold, welches im Aquarell selbstverständlich wegfällt,

paßt zu allen gesättigten Farben; besonders wirksam sind die

Verbindungen mit Ultramarin, tiefem Roth -- dann mit Dunkelgrün und

Hellblau.

Canariengelb paßt am Besten zu Violett, besonders zu dessen dunklen

Schattirungen, sodann zu Purpur und Carmoisin, deren Verbindungen mit

Goldgelb jedoch besser sind, was in noch höherem Grade von Blau gilt.

Abscheulich sind die Combinationen mit Blaugrün.

Gelbgrün wirkt am besten mit Violett, nächst diesem mit Purpur und

Carmoisin, besonders unter Einführung von Weiß. -- Die Combinationen

mit Krapp und Zinnober sind hart aber kräftig. Mit Mennig wirkt es noch

ziemlich, nicht gut aber mit Blau.

+Grasgrün+ bildet mit Violett und Purpur-Violett gute Verbindungen,

welche allein, oder mit Weiß, mit und ohne Schwarz angewendet werden

können. Verbindungen mit tiefem Roth sind gut, was auch Gegentheiliges

über solche vorgebracht worden ist, mißlich aber solche mit Blau, welch

letzteres dann vorherrschen muß.

+Spangrün+ ist schwer zu behandeln. Es liefert mit Violett, Purpur,

Roth und Orange wirksame, aber meist etwas schreiende, mit Gelb und

Blau aber schlechte Combinationen, weßhalb es mit Weiß zu trennen ist;

durch gleichzeitige Anwendung von Gold wird sein schreiender Ton sehr

gemildert.

+Meergrün+ wirkt gut mit Mennig und Zinnober, wenn es gegen diese

in der räumlichen Ausdehnung stark überwiegt, da die Wirkung sonst

zu grell ist. Ungewöhnliches Feuer zeigen feine Verzierungen in

letzteren Tönen auf meergrünem Grunde. Auch die Verbindungen mit

Violett, Purpur und Carmoisin sind nicht schlecht und vielfach von

den Italienern, besonders von P. Veronese angewendet worden; als bloß

binäre Verbindungen sind dieselben aber nicht brauchbar, ebensowenig

wie solche mit Blau oder Gelb.

Ueber Blau, Violett, Purpur und Carmoisin bleibt nichts zu sagen übrig,

da solche bereits in den abgehandelten Farben Erwähnung gefunden haben.

Im Ganzen wirken Zusammenstellungen von zwei Farben weniger

befriedigend als solche mit dreien.

Bei Zusammenstellung von drei Farben wählt man aus dem zwölftheiligen

Farbenkreise immer je den 1., 5. und 9. Ton (im vierundzwanzigtheiligen

den 1., 9. und 17.). Es kann somit auf jede beliebige Farbe des

Farbenkreises eine Triade construirt werden, die häufigste Anwendung

finden aber folgende Zusammenstellungen:

Die wirksamste derselben bilden Roth, Blau und Gelb (oder Gold),

besonders als Gold, Ultramarin und Zinnober. Wird hier jedoch ersteres

durch Gelb ersetzt, so muß man statt des letzteren ein tieferes Roth

oder zwei verschiedene Töne wählen. Nicht minder wirksam ist die von P.

Veronese mit Vorliebe angewendete Triade: Purpur, Hellblau und Gelb.

Bei Anwendung von Gold sind die Töne tiefer zu nehmen. Auch Silbergrau

macht sich hierbei oft günstig. Karmin, Gelbgrün und Ultramarin war

ebenfalls bei den Italienern der guten Zeit beliebt.

Tiefes Roth (=Carmoisin) gibt mit Grün und Gold eine untadelhafte

Combination. Gelb anstatt Gold wirkt hier etwas beleidigend, aber gut

bei Lampenlicht.

Auch Orange, Grün (Spangrün) und Purpurviolett ist sehr brauchbar

(mittelalterliche textile Arbeiten) und zu jeder dieser

Zusammenstellungen können Schwarz, Weiß, Gold und Silber hinzutreten.

Bei Zusammenstellungen von vier Farben wählt man am Besten zwei gute,

im Farbenkreise ziemlich dicht bei einander stehende Paare, z. B.

Purpur mit Grün oder Zinnober mit Blau und sucht die schädlichen

Contraste, durch trennende Contouren oder sonstige geschickte Anordnung

aufzuheben. Doppelpaare anderer Art erhält man, wenn man zu zwei Farben

eine dritte, Gold oder Silber, Schwarz oder Weiß, so hinzutreten läßt,

daß sie im Totaleindruck mit denselben Mischfarben erzeugt, was in

maurischen Ornamenten häufig vorkommt.

Im vierundzwanzigtheiligen Farbenkreise haben die Viertöne (1, 7,

13, 19) ein etwas verwickeltes Verhältniß, indem zwei Töne keine

Consonanzen mehr bilden und weniger befriedigend als Triaden wirken.

Angenehmer, wenn auch etwas unruhig, wirken hier die Sechstöne (1, 5,

9, 13, 17, 21).

Im 24theiligen Farbenkreise lassen sich überhaupt auf ganz willkürliche

Art harmonische Combinationen bilden, wenn man +solche+ Farben wählt,

die nach Addition ihrer Mischungsverhältnisse die drei Primärfarben +zu

gleichen Theilen+ enthalten. Zu zwei ganz beliebig gewählten findet man

durch Rechnung dann leicht die dritte.

Verwickelte Verhältnisse sind übrigens möglichst zu meiden, obgleich

sich solche stets auf die obenerwähnten einfachen zurückführen lassen.

Was die Verbindungen mit +Weiß+, +Schwarz+ und +Grau+ betrifft, so

liefern +helle+ Farben, wie Hellblau, Rosa, tiefes Gelb, Hellgrün,

Orange und Gold mit +Weiß+ die günstigste Wirkung. Neben dunkeln Farben

wirkt Weiß ungünstig, schreiend aber neben Roth. Mannigfaltiger sind

die Combinationen mit +Schwarz+, in welchen die eben angegebenen hellen

Töne noch wirksam zu verwenden, besser aber durch +warme+ Farbentöne

zu ersetzen sind. Gelb erfordert neben Schwarz, um nicht zu verlieren,

die Anwesenheit einer leuchtenden Farbe. Verbindungen von Schwarz mit

dunklem Grün, Blau und Violett sind gänzlich zu meiden, da Schwarz hier

gern die betreffende Complementärfarbe annimmt, was höchst störend

wirkt. Sehr wirksam erscheint Schwarz als zwei helle Farben trennend.

Günstig und bei geschmackvoller Verwendung oft reizend wirken

Farbenverbindungen mit neutralem +Grau+ mittlerer Helle, welches hellen

Tönen gegenüber dunkel und umgekehrt erscheint. Gleich gut eignet es

sich zur Trennung oder Verbindung heller Töne und glanzvolle Wirkung

ergibt die Verbindung mit Mennig, Orange und Scharlachroth. Seine

Anwendung erfordert aber insoferne Vorsicht, als es auf +farbigem

Grund+ leicht in der Complementärfarbe desselben erscheint und z. B.

auf Carminroth intensiv grün wirkt.

Von den Paaren der Complementärfarben sind am meisten Ultramarin mit

Gelb und Cyanblau mit Orange im Gebrauch, besonders in Glasfenstern und

Seidenstoffen, nächstdem Violett und Gelb, in welchen Fällen letzteres

zwar ohne Nachtheil nach Roth hin, sehr selten aber nach der grünen

Seite hin, ohne eine unerfreuliche Wirkung zu äußern überschritten

werden kann, welche Thatsache noch einer genügenden Erklärung harrt.

Am Wenigsten im praktischen Gebrauch, wenigstens ohne Zusatz

anderer Farben sind die blaugrünen und grünen Töne mit ihren

Complementärfarben, weil hier das Schreiende am störendsten

hervortritt, was entweder durch den Gebrauch blasser Töne vermieden

wird, oder aber dadurch, daß man einen der Töne viel dunkler hält.

Was nun die schlechten Combinationen betrifft, so sind solche in

der Regel entweder zu grell und hart, oder eine Farbe schädigt die

andere. Ersterer Fall kommt auffallender Weise nicht selten bei

Complementärfarben vor, z. B. bei Spangrün und Carmoisin etc.

Es üben übrigens auch manche Farben eine grelle Wirkung nebeneinander

gebracht aus, ohne daß solche gerade Complementärfarben wären. So

machen sich Zinnober und lichtes Chromgelb neben einander greller,

als das dem ersteren complementäre Blaugrün oder das dem letzteren

complementäre Blau. Wo Gelb neben Roth tritt, empfiehlt es sich daher

ersteres hell, nicht intensiv zu halten.

Eine Combination ist in zweiter Linie mangelhaft, sobald in ihr zu

viele von den verschiedenen Farben fehlen, welche zusammen Weiß bilden.

Man könnte hieraus schließen, daß die Combination desto schlechter

sei, je näher sich zwei Farben im Farbenkreise stehen, allein diese

Folgerung läßt im Stich, da Combinationen von gleichem Abstand im

Kreise sich ganz verschieden verhalten. Thatsache scheint aber, daß

der Mangel da am stärksten auftritt, wo Roth nicht vertreten ist,

wie wir z. B. bei Ultramarin und Grün den Mangel stärker empfinden

als bei deren Complementärfarben Blaugrün und Gelb. Mangelhafte

Combinationen können nun zwar durch eine auf mechanische Weise leicht

zu ermittelnde Farbe ergänzt oder vervollständigt werden, allein die

durch Rechnung gefundene Farbe ist gerade nicht immer die passendste

und es ist daher weniger Werth darauf zu legen, daß die Verbindung

genau vervollständigt werde, als daß vielmehr die gesuchte Farbe sich

mit einer der ursprünglichen zu einem guten Intervall verbinde. Soll z.

B. die Combination von Ultramarin mit Grün verbessert werden, so können

dazu alle zwischen Goldgelb (durch Roth) und Purpurviolett liegenden

Töne genommen werden; die Vervollständigung kann auch durch zwei Farben

bewirkt werden, so daß die neuen mit den ursprünglichen mehr oder

weniger vollständige Verbindungen bilden.

Die schädlichen Contraste kommen nur bei den mangelhafteren

Verbindungen vor, so bei Mennig und Carmoisin, Blau und Violett etc.,

indem hier, wie bereits oben erwähnt, stets durch die eine Farbe ein

die andere schädigender Contrast hervorgerufen wird. Man kann der

geschädigten Farbe aber dadurch aufhelfen, daß man die Farbe, durch

welche sie beeinträchtigt wird, verdunkelt, oder im Raume beschränkt

oder aber dadurch, daß man sie mit einer günstigeren Farbe in Berührung

bringt.

Die Farben besitzen noch die Eigenschaft sich gegenseitig zu verdrängen

und sogar aufzureiben, was sich zunächst in der quantitativen Wirkung

zeigt, wo die größere Masse die kleinere herabdrückt oder umwandelt.

Liegen mehrere ungleich große Partien ähnlicher Töne unmittelbar neben

einander, so scheinen die kleineren Flächen sich im Ton den größeren

zu nähern, so daß der Unterschied in der Farbe häufig nur schwer

sichtbar bleibt. Trennt man aber die Töne mittelst schmaler hellerer

oder dunklerer weißer oder schwarzer Streifen etc., so erhält jeder Ton

sofort seine ursprüngliche Stärke wieder.

Praktischer Theil.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 72 / 150 题