Manier im Sinn von Malweise ist abhängig von unserer Auffassung der
Natur, dem Eindruck, welchen sie auf uns macht, sowie von der Art und
Weise, wie wir die uns zu Gebote stehenden Mittel der Darstellung
anwenden. Sie beruht somit einerseits auf Auffassung, andererseits
auf Ausführung. Letztere ist indessen lediglich der Ausdruck der
ersteren; allein hiervon abgesehen hat jeder Künstler gewisse theils
technische, theils coloristische Eigenthümlichkeiten, durch welche er
in seinen verschiedenen Bildern oft leicht zu erkennen ist, und diese
Unterschiede in Art und Weise der Darstellung sind es, welche ich hier
Manier nenne.
So ausgezeichnet und wirksam nun auch diese oder jene Manier irgend
eines Künstlers sein mag, so möchte ich doch alle Dilettanten warnen,
irgend welche ihnen besonders zusagende Manier eines ihnen imponirenden
Künstlers, welchen sie vielleicht gerade copiren, nachzuahmen, oder
etwa sich solche ganz anzueignen zu suchen, was bei Dilettanten leider
sehr gebräuchlich ist. Der Lernende lasse sich nicht darin gefallen,
für einen guten Copisten zu gelten, indem dieser Titel gerade kein
sehr beneidenswerther ist. Jeder denke für sich selbst und bringe die
Natur zum Ausdruck, wie er solche sieht oder auffaßt; dann wird sich
die +eigene+ Manier eines Jeden heraus bilden. Alles Frische und
Ursprüngliche besitzt einen eigenthümlichen Reiz, dessen Werth in
Nachahmung verloren geht. Möge daher Jeder nach Bildung seiner eigenen
Manier trachten, aber immerhin so bescheiden, daß die Natur stets die
Oberhand behält, denn Bilder, in welchen die Natur von der Manier
beherrscht wird, haben nur Anspruch auf künstlerische Sonderbarkeiten,
wie hoch sie immerhin in verschiedenen Beziehungen stehen mögen.