2. Ueber Manier.

Manier im Sinn von Malweise ist abhängig von unserer Auffassung der

Natur, dem Eindruck, welchen sie auf uns macht, sowie von der Art und

Weise, wie wir die uns zu Gebote stehenden Mittel der Darstellung

anwenden. Sie beruht somit einerseits auf Auffassung, andererseits

auf Ausführung. Letztere ist indessen lediglich der Ausdruck der

ersteren; allein hiervon abgesehen hat jeder Künstler gewisse theils

technische, theils coloristische Eigenthümlichkeiten, durch welche er

in seinen verschiedenen Bildern oft leicht zu erkennen ist, und diese

Unterschiede in Art und Weise der Darstellung sind es, welche ich hier

Manier nenne.

So ausgezeichnet und wirksam nun auch diese oder jene Manier irgend

eines Künstlers sein mag, so möchte ich doch alle Dilettanten warnen,

irgend welche ihnen besonders zusagende Manier eines ihnen imponirenden

Künstlers, welchen sie vielleicht gerade copiren, nachzuahmen, oder

etwa sich solche ganz anzueignen zu suchen, was bei Dilettanten leider

sehr gebräuchlich ist. Der Lernende lasse sich nicht darin gefallen,

für einen guten Copisten zu gelten, indem dieser Titel gerade kein

sehr beneidenswerther ist. Jeder denke für sich selbst und bringe die

Natur zum Ausdruck, wie er solche sieht oder auffaßt; dann wird sich

die +eigene+ Manier eines Jeden heraus bilden. Alles Frische und

Ursprüngliche besitzt einen eigenthümlichen Reiz, dessen Werth in

Nachahmung verloren geht. Möge daher Jeder nach Bildung seiner eigenen

Manier trachten, aber immerhin so bescheiden, daß die Natur stets die

Oberhand behält, denn Bilder, in welchen die Natur von der Manier

beherrscht wird, haben nur Anspruch auf künstlerische Sonderbarkeiten,

wie hoch sie immerhin in verschiedenen Beziehungen stehen mögen.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 64 / 150 题