Fiesco. Calcagno. Sacco. Zenturione. Zibo. Soldaten mit Musik
und Fahnen treten auf.
Fiesco (ihnen entgegen im Triumph). Genueser--der Wurf ist
geworfen--Hier liegt er, der Wurm meiner Seele--die gräßliche Kost
meines Hasses. Hebet die Schwerter hoch!--Gianettino!
Calcagno. Und ich komme, Ihnen zu sagen, daß zwei Drittheile von
Genua Ihre Partei ergreifen und zu Fieskischen Fahnen schwören-Zibo.
Und durch mich schickt Ihnen Verrina vom Admiralschiff seinen Gruß
und die Herrschaft über Hafen und Meer-Zenturione. Und durch mich
der Gouverneur der Stadt seinen Commandostab und die Schlüssel-Sacco.
Und in mir wirft sich (indem er niederfällt) der große und kleine
Rath der Republik knieend vor seinen Herrn und bittet fußfällig um
Gnade und Schonung-Calcagno. Mich laßt den Ersten sein, der den
großen Sieger in seinen Mauern willkommen heißt--Heil Ihnen--Senket
die Fahnen tief!--Herzog von Genua!
Alle (nehmen die Hüte ab). Heil, Heil dem Herzog von Genua!
(Fahnenmarsch.)
Fiesco (stand die ganze Zeit über, den Kopf auf die Brust gesunken,
in einer denkenden Stellung.)
Calcagno. Volk und Senat stehen wartend, ihren gnädigen Oberherrn im
Fürstenornat zu begrüßen--Erlauben Sie uns, durchlauchtigster Herzog,
Sie im Triumph nach der Signoria zu führen.
Fiesco. Erlaubt mir erst, daß ich mit meinem Herzen mich
abfinde--Ich mußte eine gewisse theure Person in banger Ahnung
zurücklassen, eine Person, die die Glorie dieser Nacht mit mir
theilen wird. (Gerührt zur Gesellschaft.) Habt die Güte und
begleitet mich zu eurer liebenswürdigen Herzogin! (Er will
aufbrechen.)
Calcagno. Soll der meuchelmörderische Bube hier liegen und seine
Schande in diesem Winkel verhehlen?
Zenturione. Steckt seinen Kopf auf eine Hellebarde!
Zibo. Laßt seinen zerrissenen Rumpf unser Pflaster kehren. (Man
leuchtet gegen den Leichnam.)
Calcagno (erschrocken und etwas leise). Schaut her, Genueser! Das
ist bei Gott kein Gianettinogesicht. (Alle sehen starr auf die
Leiche.)
Fiesco (hält still, wirft von der Seite einen forschenden Blick
darauf, den er starr und langsam unter Verzerrungen zurückzieht).
Nein, Teufel--Nein, das ist kein Gianettinogesicht, hämischer Teufel!
(Die Augen herumgerollt.) Genua mein, sagt ihr? Mein--(Hinauswüthend
in einem gräßlichen Schrei.) Spiegelfechterei der Hölle! Es ist mein
Weib! (Sinkt durchdonnert zu Boden. Verschworne stehen in todter Pause
und schauervollen Gruppen.)
Fiesco (matt aufgerichtet mit dumpfer Stimme). Hab' ich mein Weib
ermordet, Genueser?--Ich beschwöre euch, schielt nicht so
geisterbleich auf dieses Spiel der Natur--Gott sei gelobt! Es gibt
Schicksale, die der Mensch nicht zu fürchten hat, weil er nur Mensch
ist. Wem Götterwollust versagt ist, wird keine Teufelqual
zugemuthet--Diese Verirrung wäre etwas mehr. (Mit schrecklicher
Beruhigung.) Genueser, Gott sei Dank! Es kann nicht sein.