Eilfter Auftritt

Concertsaal--Leonore. Arabella. Rosa. Alle beängstigt.

Leonore. In den Concertsaal versprach Fiesco zu kommen, und kommt

nicht. Eilf Uhr ist vorüber. Von Waffen und Menschen dröhnt

fürchterlich der Palast, und kommt kein Fiesco?

Rosa. Sie sollen sich hinter die Tapeten verstecken--Was der gnädige

Herr damit wollen mag?

Leonore. Er will's, Rosa, ich weiß also genug, um gehorsam zu sein.

Bella, genug, um ganz außer Furcht zu sein--Und doch! doch zittr' ich

so sehr, Bella, und mein Herz klopft so schrecklich bang. Mädchen,

um Gotteswillen! gehe keines von meiner Seite.

Bella. Fürchten Sie nichts. Unsre Angst bewacht unsern Fürwitz.

Leonore. Worauf mein Auge stößt, begegnen mir fremde Gesichter, wie

Gespenster hohl und verzerrt. Wen ich anrufe, zittert wie ein

Ergriffener und flüchtet sich in die dichteste Nacht, diese gräßliche

Herberge des bösen Gewissens. Was man antwortet, ist ein halber

heimlicher Laut, der auf bebender Zunge noch ängstlicher zweifelt, ob

er auch kecklich entwischen darf.--Fiesco?--Ich weiß nicht, was hier

Grauenvolles geschmiedet wird--Nur meinen Fiesco (mit Grazie ihre

Hände faltend) umflattert, ihr himmlischen Mächte!

Rosa (zusammengeschreckt). Jesus! Was rauscht in der Galerie?

Bella. Es ist der Soldat, der dort Wache steht. (Die Schildwache

ruft außen: »Wer da?« Man antwortet.)

Leonore. Leute kommen! Hinter die Tapete! Geschwind! (Sie

verstecken sich.)

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua: Ein republikanisches Trauerspiel · 第 81 / 105 题