Lomellin kommt.
Lomellin (küßt der Julia die Hand). Verzeihung für meine
Dreistigkeit, gnädige Frau. (Zum Gianettino gekehrt.) Gewisse Dinge,
die sich nicht aufschieben lassen-Gianettino (nimmt ihn bei Seite.
Julia tritt zornig zu einem Flügel und spielt ein Allegro). Alles
angeordnet auf morgen?
Lomellin. Alles! Prinz. Aber der Kurier, der heute früh nach
Levanto flog, ist nicht wieder zurück. Auch Spinola ist nicht da.
Wenn er aufgefangen wäre!--Ich bin in höchster Verlegenheit.
Gianettino. Besorge nichts. Du hast doch die Liste bei der Hand?
Lomellin (betreten). Gnädiger Herr--die Liste--ich weiß nicht--ich
werde sie in meiner gestrigen Rocktasche liegen haben-Gianettino.
Auch gut. Wär' nur Spinola zurück. Fiesco wird morgen früh todt im
Bette gefunden. Ich hab' die Anstalt gemacht.
Lomellin. Aber fürchterlich Aufsehen wird's machen.
Gianettino. Das eben ist unsre Sicherheit, Bursche.
Alltagsverbrechen bringen das Blut des Beleidigten in Wallung, und
Alles kann der Mensch. Außerordentliche Frevel machen es vor
Schrecken gefrieren, und der Mensch ist nichts. Weißt du das Märchen
mit dem Medusakopf? Der Anblick macht Steine--Was ist nicht gethan,
Bursche, bis Steine erwarmen.
Lomellin. Haben Sie der gnädigen Frau einen Wink gegeben?
Gianettino. Pfui doch! die muß man des Fiesco wegen delicater
behandeln. Doch, wenn sie erst die Früchte verschmeckt, wird sie die
Unkosten verschmerzen. Komm! ich erwarte diesen Abend noch Truppen
von Mailand und muß an den Thoren die Ordre geben. (Zur Julia.) Nun,
Schwester, hast du deinen Zorn bald verklimpert?
Julia. Gehen Sie! Sie sind ein wilder Gast.
(Gianettino will hinaus und stößt auf Fiesco.)