Calcagno kommt.
Calcagno. So erhitzt ging die Imperiali weg, und Sie in Wallung,
Madonna?
Leonore (mit durchdringendem Schmerz). Nein! das war nie erhört!
Calcagno. Himmel und Erde! Sie weinen doch wohl nicht?
Leonore. Ein Freund vom Unmenschlichen--Mir aus den Augen!
Calcagno. Welchem Unmenschlichen? Sie erschrecken mich.
Leonore. Von meinem Mann--Nicht so! von dem Fiesco.
Calcagno. Was muß ich hören?
Leonore. O, nur ein Bubenstück, das bei euch gangbar ist, Männer.
Calcagno (faßt ihre Hand mit Heftigkeit). Gnädige Frau, ich habe ein
Herz für die weinende Tugend.
Leonore (ernst). Sie sind ein Mann--es ist nicht für mich.
Calcagno. Ganz für Sie--voll von Ihnen--daß Sie wüßten, wie
sehr--wie unendlich sehr-Leonore. Mann, du lügst--du versicherst, eh
du handelst.
Calcagno. Ich schwöre Ihnen-Leonore. Einen Meineid. Hör' auf! Ihr
ermüdet den Griffel Gottes, der sie niederschreibt. Männer! Männer!
wenn eure Eide zu so viel Teufeln würden, sie könnten Sturm gegen den
Himmel laufen und die Engel des Lichts als Gefangene wegführen.
Calcagno. Sie schwärmen, Gräfin. Ihre Erbitterung macht Sie
ungerecht. Soll das Geschlecht für den Frevel des Einzelnen Rede
stehn?
Leonore (sieht ihn groß an). Mensch! ich betete das Geschlecht in
dem Einzelnen an, soll ich es nicht in ihm verabscheuen dürfen?
Calcagno. Versuchen Sie, Gräfin--Sie gaben Ihr Herz das erstemal
fehl--ich wüßte ihnen den Ort, wo es aufgehoben sein sollte.
Leonore. Ihr könntet den Schöpfer aus seiner Welt hinauslügen--Ich
will nichts von dir hören.
Calcagno. Diesen Verdammungsspruch sollten Sie noch heute in meinen
Armen zurückrufen.
Leonore (aufmerksam). Rede ganz aus. In deinen--?
Calcagno. In meinen Armen, die sich öffnen, eine Verlassene
aufzunehmen und für verlorene Liebe zu entschädigen.
Leonore (sieht ihn fein an). Liebe?
Calcagno (vor ihr nieder mit Feuer). Ja! es ist hingesagt. Liebe,
Madonna. Leben und Tod liegt auf Ihrer Zunge. Wenn meine
Leidenschaft Sünde ist, so mögen die Enden von Tugend und Laster in
einander fließen und Himmel und Hölle in eine Verdammniß gerinnen.
Leonore (tritt mit Unwillen und Hoheit zurück). Da hinaus zielte
deine Theilnehmung, Schleicher?--In einer Kniebeugung verräthst du
Freundschaft und Liebe? Ewig aus meinem Aug! Abscheuliches
Geschlecht! Bis jetzt glaubte ich, du betrügest nur Weiber; das hab'
ich nie gewußt! daß du auch an dir selbst zum Verräther wirst.
Calcagno (steht betroffen auf). Gnädige Frau-Leonore. Nicht genug,
daß er das heilige Siegel des Vertrauens erbrach, auch an den reinen
Spiegel der Tugend haucht dieser Heuchler die Pest und will meine
Unschuld im Eidbrechen unterweisen.
Calcagno (rasch). Das Eidbrechen ist nur Ihr Fall nicht, Madonna.
Leonore. Ich verstehe, und meine Empfindlichkeit sollte dir meine
Empfindung bestechen? Das wußtest du nicht, (sehr groß) daß schon
allein das erhabene Unglück, um den Fiesco zu brechen, ein Weiberherz
adelt. Geh! Fiescos Schande macht keinen Calcagno bei mir steigen,
aber--die Menschheit sinken. (Schnell ab.)
Calcagno (sieht ihr betäubt nach, dann ab, mit einem Schlag vor die
Stirne). Dummkopf!