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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1885 erschienenen
Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben.
Inkonsistente und altertümliche Ausdrucksweisen wurden unverändert
übernommen, hingegen wurden Zeichensetzung und typographische
Fehler stillschweigend korrigiert. Wie in vielen Frakturtexten
üblich, wurde in der Abkürzung für ‚et cetera‘ das Symbol für
die tironische Note ‚Et‘ verwendet. Da dieses aber in vielen
Schriftarten nicht unterstützt wird, wurde hier der Ausdruck ‚&c.‘
gewählt.
Gesperrt gedruckte Passagen werden mit _Unterstrichen_
gekennzeichnet, Fettdruck wird durch =Gleichheitszeichen=
hervorgehoben, Antiquaschrift wird von ~Tilden~ umgeben.
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Sagen und Bilder
aus
Muskau und dem Park.
Von
Georg Liebusch,
weiland Diaconus und Rector zu Muskau.
Zweite Auflage
unverändert herausgegeben von
E. Petzold,
königl. prinzl. Niederländischer Park- und Gartendirector a. D.
Dresden,
Verlag von v. Zahn & Jaensch.
1885.
Vorwort zur ersten Auflage.
Die vorliegenden _Sagen_ und _Bilder_ aus Muskau und dem Park sind
bei dem Studium der Geschichte der Standesherrschaft aufgezeichnet
worden. Sie wollen kein genau zusammenhängendes Ganze sein, sondern
nur einzelne Züge aus der Vergangenheit, aus welcher die Gegenwart
erwachsen ist. Wie es in dem herrlichen Park, der Schloß und Stadt
umfängt, manche seltner besuchte, einsame Partie giebt, welche dennoch
ihre eigenthümlichen Reize hat und eine reiche Fernsicht gewährt; so
auch in der Geschichte Muskaus. -- Und so ist es versucht worden,
Bilder zu zeichnen aus den Zeiten, an welche nur noch in der Sage eine
Erinnerung ist; aus den Zeiten, wo die frommen, edlen Burggrafen zu
Dohna, die Reichsgrafen von Callenberg, väterlich über der Herrschaft
walteten, bis zu den Tagen, wo der Genius des Fürsten Pückler-Muskau
die Fluren um Stadt und Schloß zur reinsten Vollendung verklärte, und
bis dahin, wo der Standesherrschaft das Glück wurde, einem milden,
Königlichen Prinzen, dem Prinzen Friedrich der Niederlande, zu gehören.
Mögen die Sagen und Bilder Blicke bringen durch den Schleier der
Vergangenheit! Mögen sie Liebe wecken zur freundlichen Heimath!
_Muskau_, den 8. Februar 1860.
=Der Verfasser.=
Vorwort zur zweiten Auflage.
Die vorliegende Schrift wurde seiner Zeit mehr zum eigenen Gebrauch und
für einen kleineren Kreis von Freunden des Muskauer Parks geschrieben,
sie wurde nur in wenigen Exemplaren gedruckt und ist durch den
Buchhandel gar nicht verbreitet worden.
Bei dem Weltruf den der Muskauer Park sich mit Recht erworben und bei
dem Interesse für denselben im größeren Publikum, ist der Wunsch laut
geworden, diese Aufzeichnungen der Vergessenheit zu entreißen und sie
auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen, was sie auch in hohem Maße
verdienen. Sie erscheinen unverändert.
Um so lieber habe ich dazu die Hand geboten, als mein eigenes Leben von
Jugend auf, als ein Schüler des verewigten Fürsten Pückler, vertraut
mit dessen Intentionen, und da ich später, lange Jahre hindurch dem
Park als Director vorzustehen die Ehre gehabt -- mit diesem und mit
Muskau vielfach verwachsen ist.
Vieles hat sich seit dem ersten Erscheinen dieser Schrift geändert. Der
durch die Bande der Verwandtschaft mir nahe stehende Verfasser, welcher
sich eines weitverbreitetem wohlverdienten Rufes als Forscher, in der
Gelehrtenwelt erfreute, starb im kräftigsten Mannesalter als Königl.
Seminardirector zu Schlüchtern den 14. April 1878; wenige Jahre später
wurde auch der hohe Besitzer der Standesherrschaft Seine Königliche
Hoheit Prinz Friedrich der Niederlande dessen hoher Aegide die volle
Entwickelung des Parks zu danken ist, zu Seinen Vätern versammelt.
Der Besitz von Muskau ist in andere Hände übergegangen! --
_Blasewitz-Dresden_, 1. August 1885.
=E. Petzold.=
Inhalt.
Seite
I. Des Parks Entstehen 1
II. Die erste Nachtigall 5
III. Die Weissagung der Eichen 7
IV. Die Wehklage 10
V. Das böse Ufer 13
VI. Die Ludki 15
VII. Die Bergkirche 17
VIII. Der Heerd des Herrn 20
IX. Die standesherrliche Gruft 22
X. Die Taube des Schlosses 26
XI. Die Thränenwiese 28
XII. Der Fremdling unter den Todten 31
XIII. Das Jagdschloß 33
XIV. Die Spiegelung 42
XV. Die Todte 44
XVI. Die Umarmung 46
XVII. Die Heimath 49
XVIII. Der Feuerschein 56
XIX. Das Bad 59
XX. Das Zapfenhäuschen 63
XXI. Sonst und Jetzt 67
XXII. Des Parks Erhaltung 79
I. Des Parks Entstehen.
Der liebliche Frühling nahte wiederum der heimathlichen Lausitz.
Feierliches Glockengeläute durchtönte die heilige Osternacht den
Morgen begrüßend, an welchem der Heiland auferstanden ist. Nach alter,
slavischer Sitte gingen die Mädchen des Dorfes schweigend zu dem
Bache, das heilbringende Osterwasser zu schöpfen, ritt der Knecht zu
dem Teiche, die Pferde zu waschen, damit sie in der Arbeit des Sommers
besser ausdauern sollten. Jung und Alt hatte schon das Lager verlassen,
um in Andacht und Freude die Sonne des Ostermorgens zu schauen, die da
in fröhlicherem Hüpfen dem Horizonte entsteigt. -- Die erwachende Natur
durchwehte mächtig des Lenzes Lebensodem. Frischer Duft ergoß sich vom
Walde durch die Flur. Voller schwoll die Knospe. Feuriger schlugen
in sich erneuender Daseinsfülle die Pulse der Schöpfung; es klopfte
ihr Herz; es war als wenn sie, die stumme, Rede und Sprache erhalten
sollte: -- doch ach! das Loos der Natur ist geheimnißvolles Schweigen,
und nur Wenigen ist es vergönnt, sie dennoch zu verstehen.
In jener herrlichen, heiligen Frühlingsnacht entstiegen die Geister
der Bäume, die in ihnen das grüne Leben schaffen, den Kronen, den
Gipfeln derselben. Sie eilten zu einer Wiese unweit der Neiße, in deren
Mitte sich ein Hügel gleich einer Rednerbühne erhob. Dichte Nebel
lagerten sich um die geheimnißvolle, feierliche Versammlung. Die Dryas
einer majestätischen Eiche hatte den Vorsitz. Sie begann also zu der
zahlreichen Versammlung zu reden.
„Mit reichem Grün schmücken wir Bäume und Sträucher die Lande, die
Gauen Deutschlands, die Fluren der Lausitz. Da umsäumet ihr, Erlen,
den grünen, blumendurchwirkten Teppich der Wiesen; da neigt ihr euch,
Weiden, zum Bache herab, zu grüßen seine entrauschenden Wellen; da
stehen wir Eichen in ungebeugter Kraft gleich alten Patriarchen, gleich
Helden des Epos; da breitest du, Linde, weithin deine Aeste aus in der
Mitte der Dorfaue, und unter deinem grünen Baldachin versammeln sich
die Bewohner des Ortes; da wechselt ihr, Buchen, Ulmen und Birken;
da habt ihr, Kiefern und Fichten, weite Strecken bedeckt und selbst
dem Sande der Gegend bringt ihr mitleidig das Immergrün, euer Dasein
an seine Oede kettend. In unserm Schatten erquickt sich der Müde;
in unserm unerschöpflichen Lebensmuthe werden Grambeladene wieder
froh auf Erden. In die Freiheit der Haine und Fluren flüchtet sich
so Mancher aus dem Regelzwange des Lebens; in der feierlichen Stille
des Waldes malet heller die Erinnerung ihre Bilder. Umfangen von dem
Grün der Bäume erschließt sich das Herz reicher in Gefühlen, und aus
dem mystischen Dunkel derselben bricht hervor die Quelle reinster
Freuden. -- Aber welche paradiesische Pracht müßte sich entfalten,
wenn wir zusammenträten zu lieblich wechselnden Gruppen. Welch’
herrliches Bild würde sich also zeichnen sonder Griffel und Pinsel!
Wie würde ihm der Jahreszeiten Wechsel, der Sonne verschiedener Stand
immer neue Schönheit bringen! Welche Reize vermöchten wir zu zeigen
auf heimathlicher Flur, über welcher so oft das Scepter gewechselt!
-- Jüngst der Asche entstiegen ist unweit der Neiße ein freundliches
Städtchen. Edle, fromme Grafen haben Jahrhunderte über demselben
väterlich gewaltet. Dort in dem Thale, welches sie liebten, lasset
uns schaffen ein freundliches, herrliches Revier! Wie von frischen,
grünen Kränzen sei Schloß und Stadt fortan umschlungen! Gleich dem
Eilande aus einförmiger Meeresfluth erhebe sich auf dieser Flur ein
herrlicher Garten, und schauet ihn einst der Wanderer, dann gehe ihm
das Herz auf für die Schönheit, Harmonie und stille, anspruchslose
Größe der Natur! -- Doch was einst werden soll, das zeige sich jetzt in
geisterentworfnem, zauberhaften Plane! Was entstehen soll, stelle sich
dar in meisterhafter Vollendung! Es entrolle sich in dieser heiligen
Stunde des schönen Gartens hehres Bild!“ --
Also sprach in majestätischer Würde die Dryas der Eiche. Alsbald aber
wogten emsig und geschäftig durcheinander die Geister der Bäume,
Sträucher und Blumen. Sie folgten dem Gesetze der Harmonie und
Schönheit, welchem die Natur allenthalben zu huldigen strebt, dem
Gesetze der stillen Würde und Erhabenheit. Das Verwandte suchte das
Verwandte. Wie Kinder an die Eltern lehnten sich in geistergleichen
Nebelgestalten liebevoll niedere Pflanzen an höhere zu eng
verschlungenen Gruppen. Freier und abgesonderter stand ein riesiger
Eichbaum, eine mächtige Linde, eine himmelanstrebende Fichte, sich
selbst genug in ihres Daseins Kraft und Fülle. Gleich der Insel im
Meere tauchte in reizender Fernsicht aus dem Wiesengrün eine liebliche
Baumgruppe empor. Buchen und Birken und anderes Gehölz reihte sich
an des Berges Lehne wie zu einem Chore zusammen, zu singen dem Thale
seines Pflanzenlebens harmonische Weise. An des Gartens Grenze
schlossen sich Bäume und Sträucher eng aneinander, dem Blicke die
prosareiche Wirklichkeit außerhalb desselben verhüllend. Eichen traten
zusammen zum Haine und reichten sich die knochigen, markigen Arme.
Durch der Pflanzen Mischung und Gruppirung schrieben sich seltene Epen,
hochbegeisterte Oden, Elegien und liebliche Idylle. Blumen entfalteten
ihre Farbenpracht an der Stätte, wo die weilen sollten, in deren
Auge sich alle jene Schönheit spiegeln würde. Es war ein wunderbares
Drängen, Ordnen und Anziehen. Immer reicher und harmonischer gestaltete
sich das Ganze; immer verklärter und vollendeter trat die Landschaft
hervor. Es war ein Weben, ein Schaffen, ein Werden, eine Schönheit,
Pracht und Herrlichkeit wie ein Wiederschein der auf Erden nie
geschauten; -- aber es enteilten die Stunden der Nacht, und der erste
Strahl der aufgehenden Sonne fiel in das wunderbare Gewebe, so daß es
zerriß und verschwand.
Auf weichem Pfühl schlummerte in jener Osternacht in dem Schlosse
seiner Ahnen ein edler, reichbegabter Jüngling. Der Traum öffnete sein
inneres Auge; es schaute hinein in die paradiesische Pracht. Wonne
um Wonne durchbebte ob des Anblickes sein Wesen, und in unnennbarer
Freude schlug sein Herz. Voller und voller saugte sich seine Seele
des erhabenen Bildes und ihrer selbst vergessend, war sie ganz in den
Reichthum des Erschauten versenkt; aber der erste Sonnenstrahl drang
weckend durch das Fenster, und das herrliche, liebliche Traumbild
verschwand. -- „Was du geschaut,“ so rief es mächtig in ihm, „das mußt
du suchen, das mußt du schaffen und bilden!“ Nimmer konnte er seitdem
des herrlichen Traumbildes vergessen. Bot ihm die Gegenwart wenig
Befriedigung, so hing seine Seele an dem, was sie einst geschaut.
Durchzog er, der oft an Fernweh gelitten, fremde Länder, dann fand er
wohl einzelne Partien des herrlichen, reichen Bildes, aber nicht das
liebliche Ganze. Er erhielt sein Erbe, er schritt zur Ausführung des
Bildes auf heimathlicher Flur. Es stand vor seiner Seele, da er Baum an
Baum fügte, da er See’n entstehen und Hügel sinken hieß, da düstere,
beengende Gebäude stürzten wie durch Erdbebens Gewalt; es stand
vor seiner Seele, wenn er mitten unter seinen gelehrigen Arbeitern
weilte, die des Meisters Pläne ahnten, wenn er in des Winters Tagen
den Trieben des kommenden Lenzes ihre Bahnen anwies; immer reicher
und vollkommener verwirklichte es sich, und des Parks Pracht und
Herrlichkeit hat geschaffen des Zauberbildes Macht. -- Einst kam ein
Tag, wo er seine Herrschaft, sein grünes Reich auf immer verließ. Es
folgte ihm das Bild, geschaut in heiliger Osternacht, und von Neuem
mußte er sie aufwühlen die sandige Erde der Lausitz, um sie umzuwandeln
zum Paradiese nach dem erhabenen Bilde.
Also ist der Park angelegt worden durch den Enkel der edlen Gräfin ~de
la Chaux Montauban de la Tour du Pin~, die einst bei ihrem Einzuge
in die neue Heimath von dem Landvolke gegrüßt wurde, indem es in
unübersehbarem Spalier grüne, frische Reiser in den Händen hielt.
_Anmerk._ Talent und Liebe zur Landschafts-Gärtnerei sind dem
Fürsten angeboren. Hinter dem Theater, unweit des Schlosses hat
er in frühster Jugend mit seinen Gespielen Gärtchen angelegt.
~Dr.~ Jäger, Leben des Fürsten, S. 28. -- Eine Geschichte der
Entstehung des Parks findet sich bei Petzold: der Park v. M.
S. 22 ff. Als der eigentliche Geburtstag des Parks möchte wohl
der 1. Mai 1815 anzusehen sein, wo der Standesherr, aus England
zurückgekehrt, um die nöthigen Grundstücke zu erwerben, die größten
Opfer brachte. -- Ueber die Beharrlichkeit des Fürsten bei allen
Schwierigkeiten seines Werks s. ~Dr.~ Jäger S. 334, 89. Von seiner
hohen Begeisterung für die Natur und dem tiefen Verständniß ihrer
Schönheit zeigt sein ganzes Leben und Schaffen. Von dem Gedanken
einer idealen Landschaft ist der Fürst nie losgekommen. Als er sich
1834 am Fuße der Pyrenäen niederlassen wollte, sollte sich ihm die
großartige Natur der Gegend zum Paradiese gestalten. ~Dr.~ Jäger,
S. 222. Auch in dem Thale Kyparissia, an einer Riesencypresse
desselben, wollte er den Wanderstab niederlegen. Schon war wegen
des Ankaufes der Gegend nach Athen berichtet worden. ~Dr.~ Jäger S.
276. -- Ueber die Empfangsfeierlichkeiten der Gräfin ~de la Tour
du Pin~, der Gemahlin Herrmanns v. Callenb., s. Laus. Mag. 2 Stck.
v. 31. Jan. 1770. Die Fichtenzweige in den Händen des Landsvolkes
waren eine sinnige Anspielung auf den Namen der Gräfin. --
II. Die erste Nachtigall.
Die laubholzarme Umgebung Muskaus war einst nicht eine Heimath des
Sängers der Sänger, der liederreichen Nachtigall. Nur bisweilen, auf
dem Durchzuge, hörte man eine derselben hier schlagen.
In dem großen Saale des Schlosses stand auf prächtigem Katafalk ein
Sarg. Bürger der Stadt hielten die Ehrenwache bei dem Todten. Die
Kerzen brannten nieder, jede ein Bild des vergehenden Lebens. Tiefes
Schweigen herrschte um den Erblaßten in des Schlosses Räumen; doch
außerhalb desselben arbeiteten in jener herrlichen Mainacht emsiger
die Kräfte des Lebens, und süßer Hauch ging aus von Blume, Strauch und
Baum. Freude hatte der wiederkehrende Lenz allenthalben gebracht, aber
auch tiefen Schmerz den Bewohnern dieser Gegend; denn der Todte auf
seinem Paradebette war der Herr der Herrschaft, der edle, fromme Graf
Herrmann von Callenberg; der sich durch väterliche Sorge und Liebe ein
bleibendes Denkmal in den Herzen errichtet. -- Muskau war 1766 in Asche
gesunken, -- durch ihn hatte es sich verjüngt erhoben; die wendische
Kirche war durch die Flammen zerstört worden, -- er hatte sie wieder
aufgebaut; die Theurung und anderes Ungemach war groß geworden, -- der
menschenfreundliche Graf hatte getröstet und geholfen, und selbst als
er seine Herrschaft frühzeitig an seine einzige Tochter abgegeben
hatte, war er geblieben Muskaus Freude und Beglücker. Der geliebte
Graf war -- eine Leiche. Muskau fühlte die Größe des Verlustes, manche
Thräne floß dem edlen, biedern Todten, und es war der Abend vor seiner
Beisetzung in der Gruft der wendischen Kirche, -- in dem Gotteshause,
das er gebaut, sollte seine Ruhestätte sein -- ein herrlicher Maiabend,
welcher die Gefühle der Wehmuth und der Trauer gleich Blüthen zu
Todtenkränzen so vielen Herzen brachte. Unauslöschliche Liebe zu dem
Entschlafenen führte Manchen, der ihm sein Glück dankte, in die Nähe
des Schlosses. Dankbare wollten den feierlichen Kerzenglanz schauen,
der sich über das edle Todtenantlitz ergoß, das einst in Wohlwollen
und Milde gestrahlt hatte. Und schweigend blickten sie in nächtlicher
Stunde nach den Fenstern des Saales, in welchem der Sarg stand. Bilder
der Vergangenheit zogen an ihrer Seele vorüber. Wie die schöne, volle
Blüthe, die der Abend geschlossen, war des Herzens stummer Schmerz, wie
der Thau, welcher an ihr perlt, so die unbemerkte Thräne der Wehmuth.
Es war eine feierliche, heilige Stunde. --
Unweit des Schlosses im ergrünenden Gebüsch erhob sich lieblicher
Gesang. Immer voller schwoll das süße, elegische Lied. Ihr selber
unbewußt hat die Nachtigall die Töne für alle Stimmungen des Herzens,
für Freud’ und Leid. Eine derselben hatte an jenem herrlichen,
feierlichen Frühlings-Abende die Klage um den edlen Todten angestimmt.
Und durch des Liedes Macht erschlossen sich Herzen in süßem Schmerze
zum Troste über das Loos der Vergänglichkeit, welches auch dem Hohen
und Edlen fällt und feierten also den letzten Abend, den der Graf in
dem Schlosse seiner Väter über der Erde weilte.
Wo die Nachtigall einmal reinen, tiefen Gefühlen der Menschenbrust ihre
Stimme geliehen hat, da, sagt man, wird ihr eine Heimath. Seit jenem
Abende, wo der Letzte aus dem ruhmreichen Geschlechte der Callenberge,
welchen die Standesherrschaft gehört hatte, vor seiner Beisetzung auf
dem Paradebette lag, von Vielen tief betrauert und beweint, giebt es
hier Nachtigallen. Die Gebüsche um das Schloß und die Stadt mehrten
sich, immer größer ward der Sänger Chor, und in des Lenzes Tagen
durchtönet der Nachtigallen Lied den ergrünenden Park. Lauschest du
aber an einem Maiabende ihren mannigfachen Melodien, dann vermagst du
auch wohl jene elegischen Töne zu vernehmen, in welchen einst der erste
Sänger in Muskaus Umgebung klagte um den frommen, edlen Grafen Herrmann
von Callenberg. --
_Anmerk._ G. A. H. Herrmann, Reichsgraf v. Callenberg, st. d. 4.
Mai 1795. D. 9. Mai paradirte seine Leiche im großen Saale des
Schlosses. Wolf: Merkw. Begebenh. in der gräfl. Callenb. und Pück.
Fam. referirt: „Als etwas Außerordentliches muß ich noch bemerken,
daß an jenem Abende eine Nachtigall herrlich schlug, da sich
doch keine vorher hier gehalten hat.“ Will man den Biedermann,
ausgezeichnet als Familienvater, als Standesherr, als Präsident der
oberl. Gesellsch. d. W. kennen lernen, so lese man u. A. nur seine
Rede bei der Grundstein-Legung zur wendischen Kirche. Langner:
Actenmäß. Bericht v. d. Grundleg., d. Bau u. d. Einweihg. der wend.
Kirche, Budissin 1788. Der nachmalige Generalsuperint. Brescius hat
ihm die Standrede am Sarge gehalten. Die Denkschrift für die oberl.
Gesellsch d. W. ist vom Hofrath Röhde. --
III. Die Weissagung der Eichen.
Es gab einst eine Zeit, wo der Zusammenhang des Menschen mit der Natur
ein weit innigerer war, denn jetzt. Da war sie der lebensvollste
Spiegel seiner eigenen Zustände; da wurde sie hineingezogen wie eine
Freundin in die Angelegenheiten seines Herzens und Lebens; da lauschte
man andächtig ihren bedeutungsvollen Stimmen, denn in ihr fühlte man
sich der Gottheit näher. --
Der Baum der Bäume ist der heilige Eichbaum. In stiller Majestät
überragt er den Wald. Unversiegbar ist des Riesen Mark. Er trotzet
den Stürmen und Wettern in seiner Kraft, und nur des Himmels Blitz
vermag ihn zu stürzen. Zu dem reinen, freien Aether hebt er sein Haupt
empor, und geheimnißvoll rauscht und flüstert es in seinen Zweigen. In
heiligen Eichenhainen verehrten die Germanen ihre Gottheiten. Dort
weissagten ihre Priester; dort war es prophetischen Seelen vergönnt,
der Zukunft Nahen zu vernehmen. Bekannt sind die Weissagungen der
Velleda, die sie, eine Jungfrau, in den brukterischen Eichenwäldern
empfangen, als sie die Seele des batavischen Freiheitskrieges wurde wie
Civilis der Arm desselben; bekannt sind die Worte, welche der Dichter
der Johanna d’Arc in den Mund legt: „Hätt’ es nie in deinen Zweigen,
heil’ge Eiche! mir gerauscht!“, und Vieles, was die Zukunft barg, trat
Seelen näher in dem mystischen Dunkel der heiligen Eichen Deutschlands.
Auch auf hiesiger Flur giebt es viele, alte Eichen. Der Fürst hat
diese Fürsten unter den Bäumen in Ehrfurcht geschützet. Sie stehen wie
uralte, grüne Monumente einer fernen Vergangenheit, in welcher die Töne
der deutschen Sprache hier noch selten gehört wurden. Den Sorbenwenden
hatten die Eichen besonders für das Familienleben eine weissagungsvolle
Bedeutung. --
Dort stehen zwei mächtige Eichen an des Hügels Rande. Freundlich grüßen
sie zwei andere, und also grüßet sich Paar um Paar auf der Flur. Aber
wer hat euch gepflanzt, Gefährten eines tausendjährigen Alters? -- „Die
Liebe hat uns gepflanzet, die einst wie jetzt Menschenherzen mächtig
vereinte und von der Zukunft ersehntes Glück hoffte!“ Dämmerte der
Morgen des Hochzeittages, dann in der heiligen, festlichen Frühe gingen
die Braut und der Bräutigam hinaus auf die Flur. Niemand begleitete
sie als der Genuß einer heiligen, wonnereichen Stunde. Und voll süßen
Grauens und freudiger Hoffnung pflanzten sie zwei junge Eichbäume neben
einander, ein Bild, eine Weissagung ihres eigenen, eng verketteten
Daseins zu sein. Sie übergaben sie den schützenden Mächten des Himmels.
-- Wuchsen sie fröhlich empor, so sollte des Bundes Glück gedeihen;
breiteten sich ihre Aeste und Zweige aus, so sollte des Hauses Segen
sich mehren; standen sie fest in Stürmen und Wettern, so sollte die
Treue und Liebe nicht wanken. Doch welkte die eine dahin, so war der
trennende Tod nicht fern. An der verwaist und einsam grünenden trauerte
dann oft der Zurückgebliebene, gedachte er des entschwundenen Glückes,
und der Erinnerung war das Genommene nicht fern. Wuchsen aber jene
bedeutungsvollen Eichen kräftig empor, dann in dem Sinken der Sonne,
wenn das Tagewerk auf der Flur vollbracht war, schlugen dort wie unter
dem Bogen eines Tempels Herzen im Danke gegen die Gottheit für das
Glück, das sie so reich gespendet, blühten dort gleich Frühlingsblumen
die seligen Gefühle auf, welche einst die Seele erfüllten, als die
Bäume gepflanzt wurden, und wie einst in der Hoffnung, war man
glücklich in der Erfüllung derselben an den weissagenden Eichen.
Längst sind diejenigen, welche jene Eichbäume hie und da paarweise
gepflanzet und sich ihrer gefreut haben, Staub und Asche geworden.
Geschlechter sind gekommen und gegangen; noch immer grünen in frischer
Pracht die uralten Doppeleichen der Gegend. Ihre Wurzeln sind in dem
Boden in einander verschlungen, ihre Aeste in einander gewachsen;
ihr Rauschen tönt zusammen wie Akkorde gleichgestimmter Seelen. Sie
sind, wie einst Weissagungen, so jetzt mächtige, erhabene Zeugen, daß
was einst in Liebe und Hoffnung begonnen ward, gekommen ist -- das
Glück derer, die sie pflanzten, und mit demselben ihr uraltes, Alles
überdauerndes, eigenes Daseinsglück. --
Und wiederum stehen dort im Park und auf der Flur mächtige Eichen
nebeneinander wie Brüder und Schwestern, nicht merklich verschieden
in ihrem Alter. Auch diese pflanzte die Sitte, der Glaube, in welchem
man von ihnen auf des Lebens Freuden und Leiden schloß. Begrüßte die
Mutter zum ersten Male das Neugeborene, war die Stunde gekommen, wo
sich sein Leben vor der Eltern Blicken zu entwickeln begann; dann ging
der Vater auf seine Flur, die bedeutungsvolle, weissagende Eiche zu
pflanzen. Das Leben des Baumes trat in Beziehung zu dem des Kindes;
zwischen beiden war Sympathie. Und um die Wette gediehen beide, die
Pflanze an der Brust der Natur, das Kind an dem Herzen der Mutter.
In erhöhter Hoffnung blickten die Eltern von dem Bäumchen auf ihren
Liebling, wenn es ergrünte, in Bangen, wenn sein Wachsthum gehemmt
ward. Doch die Kräfte des Lebens entwickelten beide. -- Und abermals an
einem Tage hoher Freude pflanzte der Vater einen jungen Eichbaum, ein
Bruder zu sein des neben ihm grünenden; denn wiederum war die Familie
um einen Sprößling reicher geworden. Fester war seine Hoffnung; denn
des Eichbaums grünende Weissagung erfüllte sich an dem Erstgeborenen.
Und also reihte sich schwesterlich und brüderlich Baum an Baum. --
Aber in jener Baumgruppe ist eine Lücke, und kaum erreichen die Aeste
einander! Der bedeutungsvolle Eichbaum ging ein, und der Tod entriß den
Bruder dem Kreise der Geschwister. Wehen die Abendwinde durch der Bäume
Zweige, dann ist ihr Rauschen wie die Todtenklage um den Gefallenen;
sinken in den Tagen des Herbstes die Blätter, dann sind sie wie
Todtenkränze, welche verwelken. Doch der Lenz bringt neue Eichenreiser,
und treu ehren die verschwisterten Pflanzen das Andenken der früh
gesunkenen.
Herrliche Eichengruppen der Gegend, tröstende Bilder erfüllter
Weissagungen, verwirklichter Hoffnungen! Wohl seid ihr ehrwürdig in
eurem hohen Alter, mehr noch aber deshalb, weil Menschenherzen an euch
in Dank und Freude geschlagen haben. -- Der Fürst hat viele dieser
Eichengruppen in den Bereich seines Parks gezogen. In ihrer Beziehung
zu einander liegt schon von selbst die reinste Harmonie und das
schönste Ebenmaß; denn sie pflanzte ja einst die Hoffnung und Liebe.
Jene Eichengruppen sind wie uralte, heilige Familienbilder der Vorzeit,
wie Patriarchen der Fluren.
_Anmerk._ Ueber Civilis und Velleda s. Wolfg. Menzel Gesch.
d. Deutschen. S. 60. Die Worte der Joh. d’Arc stehen Act. 4.
Auft. 1. -- Eine Blume oder einen Kranz zu tragen und sich
so in beständigem Rapport mit der Natur zu erhalten, ist die
Sitte vieler Nationen, besonders der slavischen. Den Bräutigam
schmückt bei den Wenden der Rosmarin, die Braut die Raute. In der
Eigenthümlichkeit der Pflanze, in ihrem Wachsen, Blühen und Welken
sah man eine Wiederspiegelung eigener Zustände. Diese Auffassung
der Vegetation hat bei den Slaven den Orakelzusammenhang mit den
Pflanzen vermittelt. Hierzu gehört die Weissagung der Eichen. Ueber
Aehnliches s. Bratranek, Aesthetik der Pflanzenwelt. S. 106. 86. f.
--
IV. Die Wehklage.
Die beiden Neißeufer im Park sind vor Kurzem da, wo der Eichbusch ist,
durch eine Brücke, welche sich kühn und leicht über den Fluß schlägt,
verbunden worden -- ein Werk des jetzigen Protectors und Mehrers des
grünen Reiches des Fürsten. Sonst war dort ein alter, hölzerner,
schwankender Steg. Mancher hat an demselben, wenn die Neiße voller
ging, seinen Tod in den Wellen gefunden; aber vor dem Unglücke warnte
die Wehklage, obwohl nur von Wenigen, Hellsehenden, bemerkt. Unterhalb
der Brücke bildet die Neiße eine kleine Insel. Dichter schlangen sich
da einst die Aeste alter Weiden und Erlen in einander, und üppiger
wucherte der Nachwuchs empor. Kaum vermochte der Sonnenstrahl das
geheimnißvolle, grüne Dunkel zu durchbrechen, und schaute man die
zusammengestürzten alten Bäume und Stämme der romantischen Wildniß,
so bekam man eine Ahnung, wie es einst in hiesiger Gegend, in dem
Neißethale, ausgesehen haben mochte. In jenem Gebüsche hat der Sage
nach die Wehklage oft ihre Stimme erhoben vor einem Unglücke. --
Die Sage von der Wehklage -- bože sedleško -- oder Gottesklage --
boža losč -- in beiden Lausitzen heimisch, ist ein Ueberrest alt
slavischer Religions-Vorstellungen. Die Wehklage ist ein Sendbote
guter Gottheiten, ein Schutzengel. Bald hat sie sich gezeigt als eine
weißgefiederte Henne, bald als liebliches Kind, bald als eine Frau von
Anmuth und Wehmuth in weißem Kleide; denn das Weiß ist bei den Wenden
nicht blos die Farbe der Unschuld, sondern auch der Trauer. -- War
ein Unglück im Anzuge, so ertönten die Klagelaute des Geistes; sollte
ein Familienglied sterben, dann setzte sich die Wehklage im Dunkel
des Abends vor das Gehöfte, den Todesfall vornweg zu betrauern und zu
beweinen. In dem Heulen des Sturmes, in dem Rauschen der Wellen, in dem
geheimnißvollen Weben des Nachtwindes vernahm man ihre Stimme, und gar
oft zeigte sich der mitleidige, warnende Schutzgeist denen, welchen es
vergönnt war, ihn zu schauen, am meisten aber in hiesiger Gegend.
Der Tag nahte heran, an welchem drei Menschen in den Fluthen der
Neiße bei der Mühle den Tod finden sollten. Mehrere Tage vorher bei
einbrechender Dämmerung hörte der Müller ein ängstliches Klagen und
Jammern aus dem Gesträuch am jenseitigen Ufer. „Es betrifft nicht
dich, sondern Andere!“ lautete ihre Antwort, und gleich einem Nebel
verschwand die Wehklage vor seinem Auge, nachdem sie die Opfer des
Todes theilnehmend zuvor beklagt hatte. -- Auch vor dem Brande 1766,
welcher die ganze Stadt in Asche legte, ließ sich die Wehklage oft
in dem Hause hören, in welchem die Flammen ausbrechen sollten.
Räthselhaftes Heulen durchtönten bald von hier, bald von dort aus
das Gebäude, unheimliches Klagen und Jammern wurde immer und immer
wieder vernommen, besonders da, wo um Mitternacht der scheidende Tag
dem kommenden die Herrschaft übergiebt. -- Endlich fragte man den
Geist. In heulenden, dumpfen Tönen antwortete er: „Es wird nicht nur
bei dir sein, sondern auf allen Gassen!“ Die Wehklage hat gewarnt und
geweissagt. Bald war Muskau ein Aschenhaufen. --
Noch immer warnt und weissagt die Wehklage; denn gar mütterlich besorgt
ist die Natur um den Menschen durch Anzeichen der Veränderungen und
unheilbringende Erscheinungen. Ist Thauwetter im Anzuge, soll das
Eis brechen und der Strom schwellen; so verkündet dies ein dumpfes
Brausen in den Bäumen. Kreuzen sich die Strömungen in der Luft, will
der Wind eine andere Bahn einschlagen, soll Sturm kommen; so zeigt
dies oft ein dumpfes Heulen in den Häusern vorher an, die Bewohner
derselben mahnend, Feuer und Licht wohl zu bewahren. Steigen die Nebel
auf, welche der Gesundheit schaden, so formen sie sich wohl oft der
Phantasie zu geistergleichen, weißen Gestalten, welche zu fliehen
sind. -- Noch immer warnt und weissagt die Wehklage. Denn wie die
Natur, welche uns umgiebt, mächtige Veränderungen vorher empfindet und
anzeigt, so geheimnißvoll unsre eigene Natur. Bei dem Sinken der Sonne,
in der Stille der Nacht hat sich unser oft schon ein Vorgefühl eines
nahen Leidens bemächtigt. Selbst ferne Verluste und Todesfälle bewegen
in wunderbarer Sympathie das Herz: es beginnt unwillkürlich zu trauern,
es stimmen sich wie durch eine unsichtbare Hand die Saiten der Seele
zur Klage, und die Natur um uns und in uns ist selbst die warnende,
weissagende Wehklage der alten, slavischen Religionen. --
Wie ein Heiligthum jenes Schutzgeistes war das wilde, dichte Gebüsch
der Neißinsel im Park. Es warnten des Windes Heulen und der Abendnebel
vor der Nacht und den Fluthen der Neiße. Die Stimmen und Gestalten der
Natur wurden schlichten Söhnen derselben zu einer göttlichen Macht.
_Anmerk._ Von der Wehklage erzählt das Volk in der Lausitz,
besonders in hiesiger Gegend. Vergl. Horcanski: Laus.
Provinzialblätter, Leipzig 1782 3. Stck. S. 260. Ueber den
fürchterlichen Brand am 2. April 1766 s. Langner.
V. Das böse Ufer.
Die gesunde Lage Muskaus im Neißthale ist oft gepriesen worden.
Gleich der Standesherrschaft ist aber auch die gesammte Lausitz mit
ihren vielen, immer grünen Wäldern, mit ihren wechselnden Hügeln und
Thälern selten von schweren Krankheiten heimgesucht worden. Ob das
Dorf Groß-Voygenz, einst zwischen Stadt und Gablenz gelegen, durch den
schwarzen Tod oder im dreißigjährigen Kriege eingegangen ist, läßt sich
nicht bestimmen. Warum aber die Pest diese Gegend gemieden hat, giebt
folgende Sage an, welche zwar auch anderwärts wiederklingt, hier aber
in dieser Form heimisch ist. --
Ein Mann aus einem der Stadt benachbarten Dorfe hatte den ganzen
Tag über Holz gefällt, um dem dichten Walde mehr Land zur Wiese
abzugewinnen. Es begann dunkel zu werden; er wollte nach Hause gehen.
Da durchzogen vom Walde her, gleich Geistern in langen, weißen
Gewändern, Nebelstreifen die Flur. Dem Landmann graute. Er beflügelte
seine Schritte. Doch länger als sein Fuß war ein langer Nebelstreifen.
Es war als hätte er Haupt und Hände. Schon hatte er den Armen erreicht.
Mit Centnerlast legte er sich auf seine Schultern, und eine Stimme
sprach: „Ich bin die Pest! Du trägst die Pest!“ Heiße Angst erfaßte den
Armen, sein Blut begann zu sieden; fieberhaft hämmerten die Pulse, und
zahllose Schweißtropfen rannen die Stirn und Wangen herab. Er wandte
sich hierhin und dorthin auf der Flur -- vergebens; die Pest folgte
ihm. Er schüttelte gewaltig, die Last abzuwerfen -- vergebens; immer
fester umklammerte ihn des Todes Macht. Er eilte vom Thale zum Hügel --
vergebens! Wie der heißhungrige Wolf, der seine Zähne in das Genick
des Hirsches geschlagen hat, war er zusammengekettet -- mit der Pest.
In wilder Verzweiflung war er also die Fluren durchjagt und auch die
Stunden des Abends. Schon verkündete der Glockenschlag Mitternacht. Da
stand er auf einem Hügel vor seinem Dorfe. Längst war das Feuer auf
den Kaminen erloschen. Auch seine Hütte umfing tiefer Frieden. Dort
schlummerte in der Gesundheit Fülle sein Weib mit den Kindern, die
den Vater bei Verwandten wähnten. Ein Tag war froh verlebt, und sein
Werk vollbracht. Die Nacht und der Schutz des Himmels walteten über
den Schläfern. -- Schon wollte sich der Unglückliche seiner Wohnung,
den Seinen nahen; doch er wußte, daß er ihnen den Tod brächte, daß
er mit ihm einzöge in das Dorf. Ehe dies geschehen sollte, wollte er
lieber verlassen sterben auf einsammer Flur. -- Und wiederum stürmte
er in wilder Verzweiflung von dem Dorfe weg in das Feld und die
Nacht hinein. Immer größer wurde seine Angst, immer heftiger sein
Schmerz; aber es trieb ihn nicht mehr die Pest allein, sondern auch
die Liebe. So hatte er die Neiße erreicht, da, wo jetzt im Park die
Hügel jäh zu dem Flusse herabfallen, wo sich der Strom je und je wieder
gefahrvolle Tiefen wühlt, wo „das böse Ufer“ ist. Er nahm Abschied
vom Leben und sandte den Seinen den letzten Segensgruß; denn er war
entschlossen, ein Opfer anstatt vieler zu fallen. Er wollte die Pest
mit sich begraben in der Neiße. -- Schon wollte er sich in den Strom
stürzen, schon schritt er zur That: -- da ließ es ihn los. Eine Stimme
sprach: „Solche treue, aufopfernde Liebe habe ich nirgends gefunden.
Hier darf meine Herrschaft nicht sein!“ Und im Grauen des Morgens zog
wiederum ein langer, weißer, geisterhafter Nebelstreifen von der Neiße
zu dem nahen Hügel. Der öffnete sich. Dort tauchte die Pest hinab.
Der Landmann eilte in den Strahlen der aufgehenden Sonne nach banger
Nacht hochbeglückt zu den Seinen. Seitdem hat aber die Pest weder die
Standesherrschaft, noch die Lausitz heimgesucht.
_Anmerk._ Ueber die gesunde Lage des Städtchens s. Peschek, L.
Wochenbl. 1790, 81-84. Das Dorf Groß-Voygenz soll noch auf der
Schreiberschen Specialkarte v. 1745 angegeben sein. So Past. Halke,
handschriftl. Chronik von Gablenz.
VI. Die Ludki.
In dem langen, blutigen Kampfe der Deutschen gegen die Slaven mochte
die dichten, unwegsamen Wälder der Standesherrschaft dem alten Glauben
und der Freiheit der Wenden lange Zeit ein Asyl sein. Auch hier findet
sich die Sage von den Ludken.
Die Ludki waren kleine, zwergartige Wesen. Sie lebten fern von den
Menschen in verborgenen Höhlen, in welchen sie ihre zierlichen
Haushaltungen hatten. Die Berge und Hügel sollen die Wohnung jener
Unterirdischen gewesen sein, in denen sich Urnen finden; doch werden
auch besonders die waldigen, sumpfigen, öden Gegenden als Stätten
ihres Weilens von der Sage bezeichnet. Dort leben sie von der Jagd
und dem Fischfange und den Früchten der Wildniß, ja wohl auch von
etwas Ackerbau und Viehzucht, wenn ihr Aufenthaltsort von Städten und
Dörfern weit entfernt war. Die Noth trieb sie bisweilen, die Bewohner
benachbarter Dörfer um Lebensmittel zu bitten. Auch borgten sie sich
von ihnen allerlei Geräthschaften, als Aexte, Sägen, Schüsseln, Teller
u. s. w., welche sie ehrlich, ja oft mit Geschenken wieder brachten.
Sie nahten sich meistens des Nachts, in Angst und Furcht. Mischten
sich bei Freudenfesten die Menschen bunt durch einander, dann mischten
sich auch oft die Ludki unter dieselben, um als Musikanten eine Art
Hackebret oder Cymbal mit Tangenten meisterhaft zu spielen, oder wohl
gar als Tänzer an dem Feste Antheil zu nehmen. Lange Zeit führten die
menschenscheuen und doch menschenfreundlichen Ludki ihr einsames,
kümmerliches Leben in den waldigen Verstecken der Gegend. Aber es
erhoben sich christliche Kirchen. Der Schall der Glocken drang in
die dichten Wälder. Die mächtigen Töne derselben konnten sie nicht
vertragen. Sie verschwanden seitdem.
Jene Ludki, welche in den Todtenhügeln wohnten, waren ohne Zweifel
die Abgeschiedenen. Sie setzten dort nach dem Glauben der Slaven das
irdische Leben in verjüngtem Maaßstabe fort. Bisweilen kamen sie
aus dem kümmerlichen Jenseits zu den Menschen in die Kreise ihres
früheren Lebens, um sie alsbald wieder zu verlassen. -- Aber die
ursprüngliche, religiöse Bedeutung der Sage wird von der politischen
überwogen. Sie weiset auf eine Zeit hin, in welcher die Freiheit der
Slaven durch das Schwert der Germanen den Todesstoß erhielt, an dem sie
sich langsam verblutete, und die Ludki in ihren waldigen Verstecken,
die dem Glockengeläute wichen, sind die Schemen, die Schatten, die
letzten Ueberreste der einst selbständigen, freien Slaven. Ein edler
Nationalstolz, Liebe zu den alten Göttern, der Freiheit und dem
Vaterlande war einst der Grundzug in dem Charakter der Sorben, der
sich in langer, heldenmüthiger Gegenwehr gegen die Deutschen gezeigt
hat. Sie unterlagen. Es erhoben sich Burgwarten, und an der Stelle der
slavischen Knesen traten deutsche Ritter, welche über die Besiegten
herrschten. Edlen Gemüthern, den Führern und Leitern des Volkes, den
Vaterlandsfreunden, war ein Leben ohne Freiheit nichts werth. Sie zogen
sich zurück in die Einsamkeit und Abgeschiedenheit in den Wäldern. Die
große, sinkende Nation hatte nur noch Ludki d. h. Völkchen, welche wohl
eine freiwillige Verbannung, nicht aber das Joch der Deutschen ertragen
wollten. --
Die dichten Wälder hiesiger Gegend wurden den die Freiheit liebenden
Ludken ein sicheres Asyl. Hier mochten sie fort und fort ihre Götter
verehren, die ihrem Volke einst Glück und Segen gespendet hatten und
von welchen sie die Wiederherstellung der verschwundenen Herrlichkeit
desselben erflehten. Hier mochten sie erzählen von Opfern, dem
Vaterlande vergeblich gebracht, und manchen Gefallenen beklagen.
Schüchtern und heimlich kamen sie zu ihren unterjochten Brüdern, war
es, um von ihnen zu empfangen, was ihr Loos erträglich machte, war
es, um ihnen zu bringen eine Gabe der Liebe, war es, um zu erfragen,
ob sich die Nacht der Knechtschaft nicht irgendwie lichte. Grimm und
Wehmuth in den Herzen spielten sie an den Festen, wo der Einzelne in
der Menge unbemerkt verschwindet, manch’ altes, heiliges Nationallied,
und die Macht der von Wenigen verstandenen Klänge riß nicht nur alte
Wunden auf, sondern brachte auch gesunkenen Hoffnungen noch einmal ein
kurzes entblühendes Leben. Die Deutschen befestigten ihre Herrschaft.
Kirchen um Kirchen wurden gebaut. Das Geläute der Glocken war das
Grabgeläute für den heidnischen Glauben und die Freiheit der Slaven.
Das Geläute der Glocken war aber auch ein Geläute, welches der Gegend
einen neuen Morgen verkündete. Seine Sonne war die Religion des
Welterlösers.
_Anmerk._ Ueber die Ludki s. Anhang zu den Volksliedern der
Wenden V. 22. und Chronik der Stadt und des Amts Senftenberg S. 15.
f. --
VII. Die Bergkirche.
Muskau mit seiner schönen, neuen, deutschen Kirche liegt an dem Fuße
an einer langen, von vielen Schluchten durchbrochenen Hügelkette. Da,
wo sich das goldene Kreuz des Thurmes, welches einst die selige Frau
Fürstin Pückler errichten ließ, bis zur Höhe des Berges erhebt, ist ihm
gegenüber ein herrlicher Punkt, von welchem aus der Blick frei über die
Stadt und den Park bis zu den Hügeln jenseit der Neiße schweift und den
Fluß aufwärts und abwärts, bis sich seine Kraft verliert in der Haiden
unübersehbarem, grünen Meere. Dort, nicht weit von des jähen Hügels
Rande stehet ein Kirchlein, fast Ruine, ehrwürdig in seinem hohen
Alter, eine Mutter der Töchter im Thale. --
Tritt man durch das Thor des Kirchhofes, dessen Bogen der zerstörenden
Macht der Zeit widerstand, so sieht man viele Gräber, eine dichte Saat.
Um dieselben zieht sich eine alte, starke Mauer aus Feldsteinen. Mitten
unter den Gräbern erhebt sich das Kirchlein. Der Thurm bei demselben
ist längst zerfallen. Ein schlechtes Breterdach vermag den Wettern
nicht zu wehren; doch halten sich noch immer die Bogen über dem Altare.
In den Wänden des Schiffes, nahe an dem Simse, sind drei Fenster,
durch welche ein spärliches Licht fiel; aber der Altar erglänzte in
hellern Strahlen, welche durch mehrere Fenster drangen, und zur Rechten
desselben ist die zerfallene Sakristei. Längst ist hier die katholische
wie die spätere evangelische Verkündigung des Christenthums verhallt.
In den öden Räumen wohnet das Schweigen; doch die rastlos schaffende
Natur arbeitet fort über den Trümmern. Um die Kirche und in derselben
wächst Moos, Fliedergesträuch und manche Blume zur Zierde der alten,
heiligen, verwaisten Stätte, und es ist, als wenn die ergrünende und
erblühende Pflanze über dem zerfallenen Gesteine triumphirend fragte:
„Vergänglichkeit, wo ist dein Sieg?“
Die Bergkirche wird für die älteste der Herrschaft gehalten. Zeugen
ihres hohen Alters waren die drei Glocken derselben. Die mittlere trug
eine alte, deutsche Inschrift, die nicht zu lesen war, die kleine die
Jahreszahl 1408. Auf den Thurm der neuen Kirche gebracht, schmolzen
jene Glocken erst in den Flammen des 2. Aprils 1766. Ein Zeuge ihres
hohen Alters ist ihr Bau aus Feldsteinen, ist wohl auch das zerfallende
Gewölbe über dem Altare. Ein Zeuge ihres hohen Alters ist sie selbst,
die Kapelle; denn nicht die schönen, geräumigen Kirchen, an welchen
die Lausitz jetzt so reich ist, waren die ersten gottesdienstlichen
Gebäude, sondern die Kapellen, in deren Nähe sich später wie hier
größere Kirchen erhoben. Jenes Kirchlein sah das Heidenthum sinken, es
überdauerte den Katholicismus hiesiger Gegend. In ihm wollte Lazarus
Welck, wenn sein Leben verwelkt wäre, bestattet sein. Dort schläft
auch Melchior Tilenus, der erste evangelische Diaconus, neben seinem
Collegen. Nachdem am 2. April 1766 die St. Andreas-Kirche abgebrannt,
die deutsche aber ausgebrannt war, wurde beinahe 20 Jahre lang der
wendische Gottesdienst in der Bergkirche gehalten. Der Gebrauch
derselben zu gottesdienstlichen Zwecken hörte auf. Durch des Fürsten
Sorge ist sie eine Ruine geworden.[A]
Weder von den Hügeln jenseit der Neiße, noch von einem andern,
entfernteren Punkte des Parkes aus gewährt die Kapelle zur Zeit einen
deutlichen, schönen Anblick. Ein desto reicherer erschließt sich aber
an jener Ruine dem Geiste, welcher an historischen Analogien in eine
ferne Vergangenheit dringt, deren Gestalten die Phantasie das Leben
bringt. Und es trägt uns jene das Jetzt und Einst verbindende Macht an
dem zerfallenden Gemäuer in die Tage, wo sich hier nach hartem Kampfe
die erste deutsche Burgwarte erhob, unter deren Schutze der Grund
zu der Kapelle gelegt wurde; in die Tage, wo muthige Glaubensboten
dem Hügel gegenüber, wo ein slavisches Götzenbild gestürzt worden
war, triumphirend das Kreuz aufpflanzten; in die Tage, wo die starke
Ummauerung des Friedhofes noch schützen mußte gegen die wiederholten
Ueberfälle der Sorben, bis sich ihre Glauben und Freiheit liebenden
Ludki vor dem Geläute der Glocken immer tiefer in die Wildniß der
Wälder zurückzogen; in die Tage, wo sich Herzen erschlossen dem Lichte
der ewigen Wahrheit, welches, wie die Kapelle auf dem Berge weit
hinausschaute in das Land, so von da hineinstrahlte in die Wälder der
Herrschaft; in die Tage, wo das Kirchlein die Menge der Beter nicht
mehr faßte und ihm Töchter erstanden zu seinen Füßen im Thale. --
Geht man von der Ruine bis zu dem nahen, steilen Rande des Berges, so
hat man, besonders an einem Frühlingstage, den herrlichsten, reichsten
Anblick. Da kann man die Schöpfungen des Fürsten überschauen; da liegen
Stadt und Schloß vom Park umfangen im Thale; da treten des schönen
Gartens Gruppen, eine lieblicher als die andere, hervor und zusammen
zum herrlichen Ganzen; da wechselt nach der Sonne verschiedenem
Stande die Beleuchtung; da treibt des Lenzes Kraft Blätter, Knospen
und Blüthen: -- aber du mußt hinter dich schauen zu der zerfallenden
Kapelle, soll sich dir die Freude des Anblicks erhöhen. Denn da wird
dir in den Sinn kommen, daß einst des Lenzes Pracht, des Lebens
Herrlichkeit wird, was sie ist, -- Ruine, Asche, und du wirst dich
ihrer freuen, so lange sie währet. -- Die Ruine der Bergkirche ist
ein herrlicher Punkt der Gegend sowohl durch ihre Lage als auch als
elegischer Gegensatz zu der Landschaftsverklärung, die als Park Schloß
und Stadt umgiebt.
_Anmerk._ Neue, eigens geschaffene Ruinen in einem Park haben
etwas Komisches; wirkliche Ruinen sind eine Zierde desselben. „Sie
erscheinen wie riesige, diesem Boden mit Nothwendigkeit entwachsene
Krystalle. Man muß den Instinkt bewundern, mit welchem die ersten
Ankömmlinge den Platz für ihre Städte, Dörfer, Burgen und Kirchen
wählten.“ Bratranek, Aesthet. d. Pfw. S. 434. Dies gilt auch von
der Bergkirche. -- Nachrichten über die Bergkirche finden sich in
der Muskauischen Kirchen-Zierde von J. C. Crusius, weiland Kantor
zu M. -- ein seltenes, für die Geschichte der Standesh. wichtiges
Werk -- in dem kurzen Entwurfe einer oberl. wend. Kirchenhistorie,
Budissin 1767 S. 38 -- ferner bei Langner, S. 22, 23. -- ~Dr.~
Jäger, Leben des Fürsten S. 337.
Fußnote:
[A] Diese Kirchenruine stand malerisch inmitten uralter prächtiger
Linden, sie war mit dieser Umgebung eine große Zierde der Landschaft.
Diese Linden wurden im Jahre 1848 von den Bauern des Dorfes Berg,
welche die Bäume als ihr Eigenthum beanspruchten, niedergehauen.
Durch diesen Vandalismus hat die Ruine ihr jetziges nüchternes und
unbedeutendes Ansehn erhalten. Anm. d. Herausgebers.
VIII. Der Heerd des Herrn.
Im Jahre 1597 hat Wilhelm, Burggraf zu Dohna, die Herrschaft Muskau
von dem Kaiser Rudolph II. erblich erkauft. Es war seine erste Sorge,
nicht sowohl sich selbst ein bequemes Schloß zu schaffen, als vielmehr
vorher dem Herrn zu Ehren eine neue, größere Kirche zu bauen; denn die
alte Pfarrkirche, die St. Andreas Kirche, war zu klein geworden für die
große Gemeinde. Der Bau mußte verschoben werden. Es fehlte an einer für
die Kirche passenden Stelle. Doch Gott, der Herr, wies selbst den Raum
zu derselben an.
Das neue Gotteshaus sollte in die Kirchgasse gebaut werden, an
die Stätte, wo einst Joachim Lutz, Freiherrlich Callenbergischer
Stallmeister, wohnte. Aber so wäre die Kirche dem Berge zu nahe
gekommen und deshalb zu dunkel geworden. Da erglühte der 30. Mai 1603,
als auch in dem Neißthale Tausende von purpurnen Blüthen prangten, ein
Theil der Stadt in hellen, vernichtenden Flammen. Durch unvorsichtiges
Fischesieden brach vor dem Schmelzthore, bei dem Kürschner Barthol
Buntzen, dessen Haus da stand, wo sonst das rohe Gitterthor unweit
des Röhrkastens auf den Kirchhof führte, Feuer aus, welches nicht nur
viele Bürgerhäuser, sondern auch die ganze Neustadt, die damals auch
den Platz, wo jetzt die Kirche steht, umfaßte, in Asche legte. Durch
Gottes Fügung war Raum für die Kirche gewonnen worden. Die Neustädter
erhielten Land, weiter hinaus zu bauen. Da, wo ihre Häuser von den
Flammen verzehret worden waren, sollte fortan dem Herrn „sein Feuer und
Heerd“ an- und aufgerichtet werden.