»_Mein_ Kind?« Er zuckte die Achseln. »Protokolliert hab ich's noch
allweil net, daß _ich_ der Vater bin.«
Aus verstörten Augen rannen ihr langsame Tränen über die blassen Wangen.
Sie wandte sich ab, gegen die Hütte hin, und drehte das entfärbte
Gesicht über die Schulter. »Gstorben bist mir gwesen. Und begraben. Mir!
Schon lang. Von heut an is meim Kind der Vater verfault. Und wann's mich
fragt amal, nacher weiß ich nimmer, wie er gheißen hat.« Modei machte
einen müden Schritt. »Schlecht wird mir, wann ich dich anschau. Geh, sag
ich dir!«
Ein wunderliches Staunen in den Augen, spottete Blasi nach kurzem
Schweigen: »Ah na! Jetzt bleib ich erst recht. So gut wie heut hast mir
noch nie net gfallen. D' Weibsbilder sind allweil am feinsten, wann
ihnen 's Blut a bißl aufwurlt. Ja, jetzt hab ich wieder an Gusto auf
dich.« Er faßte mit eisernem Griff ihren Arm. »Und hätt's auch kein'
andern Verstand, als daß ich dem Jager die süße Schüssel versalz.«
Lachend riß er das Mädel an sich.
Ekel und Entsetzen lähmten ihre Zunge. Mit verzweifeltem Widerstand
suchte sie sich loszureißen. Ihre Kraft erlahmte unter dem Druck dieser
stählernen Arme. Kaum daß sie noch ihr Gesicht vor Blasis Lippen zu
schützen vermochte. Sie wollte schreien. Seine Hand erstickte ihren
ersten Laut. Und lachend zerrte er sie gegen die Stufen hin, während sie
den Haarpfeil aus den Zöpfen riß, die ihr über die Schultern fielen.
Da keuchte Lenzl über den Steig herauf, ohne Hut, mit dem klirrenden
Bergstock, das kleine Hirtenfernrohr am Gürtel. »Was is denn da?«
Den Kopf drehend, ließ Blasi das Mädel fahren.
Wie ein Besessener hetzte Lenzl auf den Burschen zu. »Du
Herrgottsakermenter! Rühr mir d' Schwester noch amal an mit deine
drecketen Pratzen -- und ich renn dir den Bergstecken durch und durch.«
Atemlos, das Haar ordnend, sagte Modei: »Da brauchst dich net plagen! In
d' Hütten hätt er mich net einibracht. Da hätt er schon ehnder mein'
Haarpfeil im Hals drin ghabt.«
Erheitert war Blasi ein paar Schritte zurückgetreten. »Ui jegerl! Da
kunnt's ja gar gfahrlich werden, da heroben. Und _da_ schau an! Der
Lenzl als Hulaner mit'm Spieß! Oder bist ebba gar der dümmste von die
sieben Schwaben?« Er lüftete auf nette Art das Hütl. »No also, pfüe Gott
für heut! An andersmal wieder.« Und gemütlich sagte er zu dem Alten:
»Wie, du, hol mir mein Büchsl aussi, dös ich beim letzten Bsuch
vergessen hab!«
»So?« knirschte Lenzl in bebender Wut. »Und sonst willst nix? Da kannst
abschieben! Dö Büchs, dö kriegt bloß a Jagdghilf oder der Förster.«
Blasi schoß einen funkelnden Blick auf den Alten. Dann verzog er den
Mund zu einem spöttischen Lächeln. »Is a teuflisch guts Gwehrl! Da kann
der Jager sei' Freud dran haben. Muß ich halt nachschauen, ob mei' alte
Büchs da drüben im Lahnwald unter die Steiner net rostig worden is
seit'm Hahnfalz. Ohne Gamsbock geh ich heut net heim.« Schmunzelnd sah
er die Sennerin an. »Wann einer fallt, so bring ich dir d' Nieren. Dö
kannst dir bachen im Schmalz.« Leis lachend sprang er in die Stauden.
»So ein' mußt anschaun!« Lenzl fieberte vor Zorn. »Und da sagt man,
unser Herrgott hat d' Leut derschaffen! So a Gottslästerung! Unser
Herrgott muß sich schön geärgert haben, wie der erste Haderlump
aussigwachsen is aus der Mistgruben.« Ruhiger werdend, stellte er den
Bergstock fort und legte den Arm um die Schwester. »Geh, komm! Tu dich a
bißl niederlassen! Zitterst ja an Händ und Füß.«
Sie ließ sich zu den Stufen führen. »Wegen _dem_ da, meinst? Ah na! Heut
plagt mich ebbes anders --« Da sah sie die müde Erschöpfung im erhitzten
Gesicht des Bruders. »Was hast denn? Wo bist denn gwesen den ganzen
Tag?«