Anderl guckte verdutzt an ihm hinauf. »Bub, was hast denn auf amal?«

Schweigend ließ sich Friedl auf die Herdbank nieder und hob den Hund zu

sich herauf, der aufmerksam die beiden Töpfe beäugt hatte, aus denen der

Dampf sich emporkräuselte zur Hüttendecke. Friedl streichelte dem Hund

die glänzende Stirn, und als Bürschl unter dem Behagen dieser Liebkosung

sich an ihm hinaufreckte, drückte der Jäger sein Gesicht an den Kopf des

Tieres.

Anderl lachte. »Du wirst den Hund bald verzogen haben! Aber über den

Huisenblasi, scheint's, is net gut reden mit dir? Hast schon recht! Wenn

man auch in der letzten Zeit nix mehr ghört hat -- lassen hat er 's

Wildern deswegen doch net. Da könnts ös in Fall enk gratalieren zu

seiner Hochzeit. D' Margaretl is a Scharfe. Dö hat Haar auf die Zähn und

wird ihm 's Wildern schon austreiben.«

Friedl nickte, ließ den Hund zu Boden springen und rief Benno zur

Mahlzeit in die Hütte.

Während die drei den bescheidenen Jägerschmaus hielten, erging sich

Benno in lustigen Vermutungen, ob der bedauernswerte Gemsbock sich am

Morgen wohl gedacht hätte, daß er noch vor dem Abend mit Leber und

Nieren den Heißhunger seiner Mörder stillen müßte.

Bei Friedl war es freilich nicht weit her mit dem Heißhunger. Dafür

ließen es sich Benno und Anderl um so besser schmecken.

Sie kamen dann überein, daß Anderl Benno auf dem Heimweg begleiten und

den erlegten Bock nach Fall hinuntertragen sollte, weil Friedl, wie er

vorgab, seinen Aufsichtsposten nicht verlassen durfte. Für Anderl machte

es keinen Unterschied, ob er über die Berge oder durch das Tal nach

Hause wanderte. Er ging um so lieber auf den Vorschlag ein, als dabei

ein gutes Trinkgeld für ihn herausschaute und er sich überdies wegen der

vierzig Mark für den Hund nicht auf ein späteres Zusammentreffen mit

Benno vertrösten mußte. Vergnügt lud er den schweren Bock auf seinen

Rücken. Friedl sperrte die Hüttentür ab und folgte den beiden. Wo vom

talwärts führenden Pfad der Steig zu Modeis Hütte abzweigte, bot er

ihnen die Hand zum Abschied. Dann schritten Anderl und Benno weiter.

Friedl blieb zurück und lockte mit schmeichelnden Worten den Hund.

Bürschl drehte den Kopf, schüttelte die Ohren und surrte, als Anderl an

einer Biegung des Weges verschwand, in langen Sätzen den Steig hinunter.

»Bürschl! Bürschl! Da komm her!« lockte Friedl. Der Hund wollte nicht

hören. Anderl scheuchte ihn mit Steinwürfen zurück. Bürschl war nicht

zur Umkehr zu bewegen. Auch als ihm Anderl unter einem zornigen Fluch

mit dem Bergstock einen derben Hieb versetzte, sprang er winselnd nur

ein bißchen auf die Seite und wäre seinem groben Herrn wieder

nachgelaufen, wenn ihn Friedl nicht gefangen und an die Leine gelegt

hätte, um den Zerrenden mit sich fortzuführen.

»Hundsviecher und Weiberleut, da kehr ich d' Hand net um.« So hörte

Friedl noch die Stimme Anderls von einer Serpentine des Steiges

heraufklingen. »Schmeichelst ihnen und tust ihnen alles z'lieb, da haben

s' den Kopf voller Mucken und sind allweil dabei beim Ausgrasen. Dem,

der s' plagt und schlagt, dem hängen s' an wie Kletten, und grad Arbeit

hast, wann so ebbes Unkommods abschütteln willst.«

Beim Klang dieser Worte regte sich in Friedl ein Gefühl der Bitterkeit.

»Da muß man net grad a Weiberleut oder a Hundsviech sein. Was Treu

heißt, scheint mir, is allweil ebbes Unkommods für die andern.« Er

beugte sich zu dem winselnden Hund hinunter und streichelte ihm den

Rücken, auf dem die gesträubten Haare noch die Stelle des empfangenen

Schlages kennzeichneten. Tief atmend richtete er sich auf und stieg, die

sinkende Sonne hinter dem Rücken, mit raschen Schritten der Richtung von

Modeis Heustadel zu, wo ihn Lenzl schon seit Stunden ungeduldig

erwartete.

Als die Sterne funkelten und der Nachtwind rauschend von den Felswänden

hinunterfuhr ins finstere Tal, suchte Friedl mit kochendem Blut den

Heimweg zur Jägerhütte. Schlaflos warf er sich die ganze Nacht auf

seinem Heubett herum, tobenden Zorn in jedem Gedanken. Daß Blasi der von

allen Jägern gehaßte und gesuchte Neunnägel wäre, daran hatte er nie im

Traum gedacht. Nun er es wußte, und alles andre dazu, vermeinte er kaum

den Morgen erwarten zu können, um hinauszuziehen in den Bergwald und

jeden frischen Fußtritt auf der Erde zu prüfen. Keiner ehrlichen

Jägerkugel hielt er diesen Menschen wert! Fangen wollte er ihn, greifen

und fesseln, wie man den Dieb fesselt, der zur Nacht in die Stille der

Häuser bricht. Stoß für Stoß wollte er ihn vor sich hertreiben, den

ganzen Weg bis zur Schwelle des Landgerichtes zu Tölz, auf offener

Straße mitten durch Lenggries hindurch, um ihn der verdienten Schande

preiszugeben.

Es dauerte lang, bis in Kopf und Seele des Jägers der erste Wutsturm

sich ausgetobt hatte. Als er ruhiger wurde, kam gleich der Gedanke: Da

muß man helfen! Modeis Bild, ihr Kummer, ihr zerbrochenes Leben stieg

vor seinen Augen auf. Und wie er sich auch wehrte dagegen, er konnte es

nicht hindern, daß neben dem Willen zur Hilfe auch Träume von kommendem

Glück sich rührten in seinem Herzen. Wohl sprach er sich in der

finsteren Nacht mit lauten Worten vor, wie grundschlecht das wäre: bei

allem Gram des armen Mädels an seine eigene Liebe, an sein eigenes Herz

zu denken. Aber die heißen Wünsche, die er seit Jahren mit Gewalt in

sich unterdrückt hatte -- nur seiner Mutter gegenüber war ihm in einer

schwachen, dürstenden Stunde das verschlossene Herz aufgesprungen --

flammten nun gegen seinen Willen auf, wie ein von der Luft abgesperrtes

Feuer im leisesten Windhauch auflodert, nachdem es mit halberstickter

Glut die Pfosten und Balken dörrte. Da sah er sich schon zu Hause

sitzen, in der kleinen, gemütlichen Stube, an der Seite des geliebten

Weibes, erfreut und erheitert durch das drollige Lachen des Kindes. --

Das Kind! -- Da fiel dem Jäger seine Mutter ein, die nach einem

schweren, an Sorge und Mühsal reichen Leben streng über solche Dinge

urteilte -- und die Worte kamen ihm in den Sinn, die ihm die alte Frau

zum Abschied auf der Türbrücke ins Ohr gesprochen hatte.

Und war es denn nicht das Kind des Verhaßten? Nein, nein! _Ihr_ Kind war

es, ihr Kind allein! Das waren die gleichen dunklen, tiefen Augen, das

war die Farbe ihres Haars, das war das gleiche Grübchen im Kinn, und aus

dem Lallen des Kindes hörte er immer die linde Stimme der Mutter. Nur

ein paarmal hatte er das kleine liebe Ding gesehen und trug es schon in

seinem Herzen wie sein eigen Fleisch und Blut. Nur die Leute, die Leute

-- und --

Aber war er selbst denn ohne Sünde, frei von jeder Schuld gegen Gott und

Menschen? Er dachte an die Kirche und sah sich im Beichtstuhl auf den

Knien liegen. Immer und alles hatte ihm der Pfarrer verziehen, dieser

unfreundliche Herr, der die Jäger nicht leiden konnte, weil sie ihm kein

Wildbret zum Präsent machten, wie es die Raubschützen taten. Und er, er

sollte nicht vergessen und nicht verzeihen können, nicht einmal dieser

Einzigen, an der sein Leben hing?

Dann wieder überlief ihn kalt der Gedanke, wozu er das alles dachte und

hoffte? Wie sollte denn _sie_ ihm gut werden können, da sie ihn schon

verworfen hatte durch die Wahl eines anderen, freilich ohne zu wissen,

was er in seinem Herzen für sie empfand. Und _jetzt_ sollte sie ihm gut

werden, jetzt, wo die Tränen um den andern noch auf ihren Wangen

brannten? Gerade jetzt sollte sie Liebe empfinden können, da Liebe sie

so grausam getäuscht und verraten hatte?

Es hielt ihn nicht länger auf dem schwülen Heubett. Er sprang auf und

trat ins Freie. Die Kühle der Nacht tat ihm wohl, und er setzte sich

draußen auf die Holzbank, um so den Morgen heranzuwachen. Über ihm

blinkten die Sterne, in der schwarzen Runde rauschten die Bäume, und

drunten auf dem Jagdsteig sang das Geplätscher des kleinen Wasserfalles.

Ruhelos stritten in der Seele des Jägers die springenden Gedanken. Aber

hell und laut in aller kämpfenden Qual sprach immer wieder die Stimme

seiner Hoffnung.

Als nach Stunden die Sterne erloschen waren und über den Felshang die

ersten falben Lichter niederflossen, erhob sich Friedl. Eine bleierne

Müdigkeit lag in seinen Gliedern. So matt und zerbrochen hatte er sich

noch nie gefühlt, wenn er von der ersten Dämmerung bis in die sinkende

Nacht umhergeklettert war in den unwegsamsten Steinwänden, oder wenn er

den schwersten Hirsch auf dem Rücken hinuntergetragen hatte nach Fall,

um das Liefergeld zu verdienen. Langsam ging er den Steig hinunter bis

zum Bach; dort legte er die Kleider ab und stellte sich unter den

klatschenden Wasserfall, dessen Kälte ihn erfrischte und die Kraft

seiner Knochen wieder aufrüttelte.

In die Jagdhütte zurückgekehrt, brachte er Schlafstube und Küche in

Ordnung; dann zog er aus, mit dem Hund an der Leine. Als er bei hellem

Morgen die Lärchkoglalm erreichte, trat er in eine der Hütten und ließ

sich eine Schüssel mit frischer Milch reichen. Halb trank er sie leer

und stellte den Rest für Bürschl auf die Erde. Und weiter!

Still war es im Bergwald. Unter den Bäumen lag noch der Frühschatten,

der Tau noch auf den moosigen Steinen.

Wie Balsam auf brennende Wunden, so legte sich die Bergwaldstille auf

Friedls heiß erregtes Gemüt. Und als er nach diesem langen, einsamen Tag

unter Modeis Türe trat und dem blassen Mädel zum Grüßgott die Hand

reichte, waren die Bangnisse der verflossenen Nacht von seiner Stirn

gewischt. Sein Auge blickte freundlich, sein Mund konnte lächeln.

Tag um Tag verging. Und Abend um Abend kam Friedl zur Grottenhütte und

brachte entweder einen Strauß frischer Blumen oder einen absonderlichen

Wurzelauswuchs zum Schmuck der Hüttenwand, oder sonst ein Ding, wie es

die Aufmerksamkeit ihn suchen, der Zufall des Weges ihn finden ließ.

Immer war er der gleiche, der gleich Freundliche. Nie kam ein Wort über

seine Lippen, das Modei nur leis an die Vergangenheit erinnern oder in

ihr die Ahnung hätte wecken können, daß Friedl um alles wußte. Heiter

plauschend saß er am Herd und guckte zu, wie Modei still und ruhig ihre

Arbeit tat, oder er lauschte den verworrenen Geschichten ihres Bruders,

für den der Tag immer erst begann, wenn Friedl des Abends in die Hütte

trat. War alles getan, was das Tagwerk der Sennerin erfordert, so saßen

die drei oft stundenlang noch beisammen vor der Hüttentür. Da nahm dann

Friedl Modeis Zither auf die Knie und sang von seinen kleinen Liedern

eines, oder Modei spielte selbst einen Ländler, und Friedl plauderte

dazu von der Zeit, da sie als Kinder auf den Straßen und Wiesen von

Lenggries noch »Blindekuh« und »Fangemanndl« gespielt hatten. Er dachte

auch daran, wie Modei in die Schule kam, während er schon in der letzten

Klasse saß, und wie er sie oft vor den groben Späßen der anderen

Schulbuben in Schutz genommen hatte. Davon aber schwatzte er nicht, er

lächelte nur still vor sich hin, wenn ihm das einfiel.

Diese wandellose Freundlichkeit des Jägers blieb auf Modei nicht ohne

Wirkung. Stille Ruhe legte sich auf ihr Herz und Denken; von Tag zu Tag

milderte sich die strenge Falte zwischen ihren Brauen; und gerne

lächelte sie zu einer von Friedls lustigen Geschichten. Stark,

entschlossen und besonnen, wie ihr Schicksal sie gebildet hatte, war sie

in einem einzigen Schmerz mit allem Vergangenen und mit allen Klagen

fertig geworden und dachte jetzt nur noch an eine Zukunft notwendiger,

unermüdlicher Arbeit. Freilich lag das Gefühl der Einsamkeit wie ein

drückender Stein auf ihrem Leben. Lenzl war über seine Jahre gealtert,

zuzeiten recht griesgrämlich und für die Schwester mehr ein Gegenstand

der Sorge als ein stützender Kamerad. Und das Kind, dem nun ihr

ungeteiltes Herz gehörte und für das ihre Hände rastlos arbeiteten, war

weit von ihr, war fern ihrer Zärtlichkeit und ihrem Liebesbedürfnis.

Da empfand sie die freundliche Art und Weise Friedls wie einen starken

und warmen Trost. Wenn er sich bei Anbruch der Nacht von der Bank erhob

und dem Lenzl für den nächsten Abend das Wiederkommen versprach, hörte

sie das gerne mit an. Und wenn er ging, und sie sah ihm nach, dann

schlichen ihr unwillkürlich vergleichende Gedanken durch den Kopf. Aber

das erregte in ihr auch wieder den Ekel über das Vergangene und den

Unmut über alles in ihr selbst, was solch ein Vergangenes erlaubt und

ermöglicht hatte. Und wenn sie zur Ruhe ging, lag sie oft lange Stunden

noch schlaflos in ihrem Kreister und dachte zurück an alles Geschehene:

wie sie als junges Mädel, fast noch als Kind, auf die Alm heraufgezogen,

wie sie sich so unglücklich, so von Gott und Menschen verlassen gefühlt

hatte, und wie Blasi eines Abends, nach einem schweren Unwetter, zum

erstenmal in ihre Hütte getreten war und bei ihrem Anblick gestutzt und

gelächelt hatte. Nicht der schmucke Bursch mit den blitzenden Augen,

nicht seine zärtliche Werbung, nicht seine kosenden Liebesworte hatten

sie zu der unseligen Neigung beredet. Ihre Verführer waren die

Einsamkeit und die Liebessehnsucht ihres jungen Herzens gewesen. Und

lange schon, bevor sie Blasis wahre Natur in ihrer üblen Häßlichkeit

erkannte, hatte sie in Schmerz die Torheit des eigenen Herzens erkennen

müssen. Hätte nur Friedl mit seinem wohlmeinenden Rat ihr in jener

einsamen Zeit zur Seite gestanden! Dann wär' es nicht so gekommen, alles

wäre anders -- und besser! Es war Modei seltsam zumut, als sie sich über

diesem Gedanken ertappte; aber auch bei klarem Bewußtsein konnte sie ihm

nicht unrecht geben. War Friedl nicht auch jetzt ihr guter Berater, wenn

auch nur bei den kleinen Sorgen ihres Almhaushaltes? Und das wußte sie:

wenn sie jemals in ernster Sorge was zu fragen hätte, dann würde Friedl

nur raten zu ihrem Besten.

So zehrte sie von seinem freundlichen Entgegenkommen, auch wenn er ihr

ferne war. Und wenn sie selbst nicht an ihn dachte, plauderte Lenzl von

ihm, immer wieder, mit einer Wärme und Anhänglichkeit, die Modei oft

lächeln machte.

Kam der Abend und jammerte Lenzl, daß Friedl heute »so endslang«

ausbliebe, dann stellte sich Modei wohl unter die Hüttentür und blickte

wartend hinunter nach dem Steig.

Wieder einmal ging es auf den Abend zu. Modei hatte ihre Arbeit früher

als gewöhnlich beendet, und eben trug sie, vom Brunnen kommend, eine

Butte mit Trinkwasser zur Hüttentür, als drunten auf dem Almsteig

langsame, schwere Tritte klangen. Sie hielt inne und horchte. Friedl war

das nicht, sie kannte seinen Schritt.

Aus der Tiefe tauchte die Gestalt eines älteren Mannes herauf; sein

Gewand zeigte eine seltsame Mischung städtischer und bäurischer Tracht:

eine lange, blau und grün karierte Hose, die Lodenjoppe und die schweren

Bergschuhe, auf dem Kopf eine alte Ulanenmütze mit großem Lederschild,

hinter dem Rücken der Bergsack, in der rechten Hand ein Hakenstock von

spanischem Rohr, und eine große blaue Brille auf der gebogenen Nase, die

über struppigem Bartgewuschel glänzte wie ein nackter, im Abendschein

erglühender Fels über dunklem Latschengestrüpp.

»Grüß dich Gott, Modei!«

»Jeh, der Doktermartl! Was suchst denn du heut noch bei mir daheroben?«

»Laß mich nur grad a bißl verschnaufen, nacher wird sich alles finden!«

Mit blauem Taschentuch den Schweiß von der Glatze trocknend, kam der

Doktermartl auf die Hütte zu und trat hinter Modei in die Stube.

Doktermartl? Vor langen Jahren, als er zu Dillingen bei den Ulanen

gedient hatte, war er Gehilfe des Regimentsveterinärs gewesen. In die

Heimat zurückgekehrt, versuchte er das in solcher Stellung errungene

Wissen an den Pferden und Hunden von Lenggries und an den Kühen der

umliegenden Almen. Er »dokterte«. Und diesen, frei von ihm, ohne Wissen

und Zustimmung der Behörde gewählten und ausgeübten Beruf vereinigte der

Volksmund mit seinem Vornamen zu dem Ehrentitel: Doktermartl.

Auf allen Almen zwischen Lenggries und Hinterriß war er bekannt und wenn

auch kein ungern gesehener, doch ein ungern gerufener Gast. Auch auf der

Grottenalm hatte er in den letzten vierzehn Tagen des öfteren

vorgesprochen, um nach Modeis kranker Kuh zu sehen. Deshalb konnte er

heut nicht kommen; die Patientin war schon wieder gesund, und eben klang

der Ton ihrer Halsglocke von der Höhe her, während Lenzl die kleine

Herde der Milchkühe einsammelte in den Stall.

Martl erzählte der Sennerin, er käme von der Lärchkoglalm herüber, wo es

mit ein paar Kühen wieder recht schlecht stünde, und da möchte er im

Vorbeispringen nur ein paar Minuten in Modeis Hütte rasten.

Dem Mädel erschien es wunderlich, daß man, um ein paar Minuten zu ruhen,

einen Umweg von einer Stunde macht. Dazu kam noch, daß der Doktermartl

ein bißchen konfus von fernliegenden Dingen zu schwatzen begann, das

Gespräch wieder stocken ließ, verlegen wurde und von was anderem zu

reden anhub. Modei trat vor den Alten hin und fragte kurzweg: »Martl, du

willst was? Plag dich net lang mit Ausreden und sag's grad aussi!«

»No also, ja, der Blasi schickt mich.«

Der Jäger von Fall · 第 16 / 63 题