Er verdrehte die Augen. »Ui jöises! Der raucht kein' guten.«

»Schau, da hab ich dir auch wieder glaubt. Und hab kein' Vater angeben

und hab gschwiegen bis zur heutigen Stund. Und wie unser Büberl da war,

und wie mir gsagt hast, du kannst mir nix geben fürs Kindl, weil dein

Vater jeden Kreuzer weiß, den d' hast --«

»Du, dös is einer! D' Hosensäck untersucht er mir alle Täg.«

»Da hab ich mich plagt und gschunden und hab verdient für uns alle.«

»Wahr is!« Er nickte anerkennend. »Da kann man nix sagen. Die Beste

bist! Von alle! Und dös wirst derleben, daß ich mich dankbar aufweisen

tu -- amal.«

»Dank? Für was denn an Dank? Aber schau, was d' jetzt wieder sagst --«

Nach kurzem Schweigen fragte sie in Qual: »Blasi? Tust denn dein Kindl

gar net a bißl mögen?«

»No freilich, Schatzl!« Er wurde zärtlicher als je. »Aber schau, du hast

halt für söllene Sachen den richtigen Verstand net. Wie leicht kunnt ich

mich da verraten. Was da für a Suppen aussikäm! Derschlagen tät mich der

Vater. Schau, da heißt's halt abwarten in Geduld, bis _unser_ Zeit

kommt. Stad sein! Mäuserlstad! Und allweil a bisserl schlau! Wie

schlaucher, so besser.« Hurtig zog er seine Joppe von der Herdstange

herunter. »Drum hab ich mir denkt, du kunntst a bißl mithelfen und

kunntst mir ebbes z'lieb tun. Magst?«

»Gern, Blasi!« sagte sie in Freude. »Fürs Kindl tu ich alles.«

»Gelt ja! Fürs Kindl!« Er lachte. »Und a bißl für mich -- daß ich mich

net allweil vor'm Vater fürchten muß.« Aus der Brusttasche seiner Joppe

zog er einen Bleistift hervor und ein zusammengefaltetes Blatt Papier.

»Da hab ich ebbes Schriftlichs mitbracht -- jesses, jetzt is dös

Luderspapierl auch ganz naß worden!« Er schlug das Blatt auseinander und

strich es auf seinen Knien glatt. »Macht nix, lesen kann man's schon

noch! Und gelt, Schatzl, dös tust mir z'lieb und tust dich da

unterschreiben. Ich hab dir an gspitzten Bleistift mitbracht.«

»Ja, komm, dös haben wir gleich.« Modei nahm das Blatt und begann zu

lesen: »Erklärung. Ich Endesunterzeichnete --«

Er lachte: »Geh weiter, dös brauchst dir gar net anschaun, bloß

unterschreiben mußt.« Dazu ein Kuß auf Modeis Wange.

Sie wehrte ihn lächelnd von sich ab. »Na, na, der Mensch muß allweil

wissen, was er unterschreibt.« Sie las mit halblauter Stimme: »Ich

Endesunterzeichnete erkläre, daß der Bauerssohn Blasius Huisen mit

meinem Kind, genannt Franzerl, gar nix zum schaffen hat, indem er der

Vater nicht ist und auch nix zum zahlen hat.« Die Hände, die das Blatt

hielten, fielen ihr wie gelähmt in den Schoß. Stumm, mit ratlosen Augen

sah sie ins Leere. Dann nickte sie vor sich hin. Wieder hob sie das

Blatt vor die Augen. Beim Flackerschein des Kienlichtes tanzten die

Buchstaben durch ihre Tränen. »Der Vater nicht ist -- und auch nix zum

zahlen hat.«

»Weißt, Herzerl, dös letzte, vom Zahlen, dös steht bloß a so da. Zum

bedeuten hat dös nix. Drum geh, sei gscheid und tu mir den Gfallen!«

Blasi schob ihr sanft den Bleistift zwischen die Finger. »Schau, ich tu

dir alles z'lieb, was d' willst. Aber gelt, dös Papierl unterschreibst

mir! Ja?« Er atmete schwül und fuhr sich mit den Händen durch die

schwarzkrausen Haare. So erwartungsvoll hing sein Blick an dem Gesicht

des Mädels, daß er übersah, wie der Fensterladen sich um einen

handbreiten Spalt öffnete, durch den ein funkelndes Aug in die Stube

spähte.

Modei hob das entstellte Gesicht. »Blasi? Du willst heireten? Gelt? An

andre!«

»Kreuz Teufel --« Das Blut schoß ihm in die Stirn, und wütend trommelte

er mit den Fingern auf die Knie. »No ja, meintwegen -- amal muß ich's

allweil sagen!« Er schlüpfte in seine Joppe. »A bißl nässelen tut s'

noch allweil. In Gottsnamen, muß ich's halt derleiden.«

Modei stand auf und wischte mit der Schürze über das Blatt, als wären

Tränen draufgefallen. Sie wollte zur Bank hinüber. Von einer Schwäche

befallen, klammerte sie sich an eine Kreistersäule.

»Was is denn?« fragte Blasi verdutzt.

»Nix! -- An mein Kind hab ich denkt.«

»Allweil kommst mit söllene Wörtln, die gar net herpassen.« Blasi trat

auf sie zu und legte ihr die Hand auf die Schulter. »Jetzt sei a bißl

gscheid und nimm's net gar a so schiech!« Modei, zusammenschauernd, zog

die Schulter von seiner Hand weg. »Es muß amal sein«, sprach Blasi

weiter, »mein Vater hat's ausgmacht. Ich kann net anders. Fürs Kind sorg

ich schon. Auf Ehr und Seligkeit! Wann mir der Vater amal übergeben hat,

bin ich der Herr. Da kann der Alte sagen, was er mag. Aber jetzt _hat_

er halt den Leitstrang noch allweil in der Hand. Und _ich_ muß ducken.

Dös kannst doch net verlangen, daß ich mich mit Vater und Mutter

verfeind.«

»Da hast recht, dös wär z'viel verlangt.« Sie ging zum Herd und stieß

ein paar Scheite ins Feuer. Die Flamme prasselte und wuchs.

»No also, schau! Da kannst mir jetzt grad amal dei' Lieb beweisen. Gelt,

bist gscheid und unterschreibst? Und tust mir noch den letzten Gfallen.«

»Den letzten, ja!« Das sagte sie ruhig. Dann legte sie das Blatt auf die

Randsteine des Herdes, netzte an den Lippen die Bleistiftspitze an und

setzte zum Schreiben an.

»Schwester! Tu's net!« klang durch das Fenster die Stimme ihres Bruders.

Der Jäger von Fall · 第 12 / 63 题