4. die inspiratorischen Hilfsmuskeln.

Bei der ~Ausatmung~ (Exspiration) sind im wesentlichen diejenigen

Spannkräfte wirksam, welche während der Einatmung aufgespeichert worden

sind. Erschlaffen die Einatmungsmuskeln, so wirken einerseits die

Elastizität und die Eigenschwere des Brustkorbes und die Elastizität

der Lungen, andererseits die aktive Zusammenziehung der

Luftröhrenmuskulatur, welche nach ~Duchenne~ allein imstande ist, die

sauerstoffverbrauchte Luft aus den Enden des Luftröhrenbaumes

herauszupressen. Vergegenwärtigt man sich ferner, daß der Leibinhalt

durch die Darmgase einerseits und durch den Druck des herabgestiegenen

zusammengezogenen Zwerchfells und der gespannten Bauchmuskeln

andrerseits komprimiert ist, dadurch elastische Spannkräfte während der

Einatmung auch in der Bauchhöhle aufgespeichert werden, so ist es klar,

daß diese Spannkräfte während der Ausatmung frei werden müssen, um die

Schwerkraft des Zwerchfells zu überwinden. Die Erschlaffung der

Einatmungsmuskeln ist aber ebenso wie ihre Inanspruchnahme nicht nur

eine automatische unwillkürliche, sondern auch eine willkürliche. Wir

können die Bewegung der Ein- und Ausatmung fördern und hemmen, wir

können mehr oder weniger Willens- und Nervenkräfte für sie aufwenden,

das Atmungstraining demnach sowohl als Schule für die Lungen, als auch

der Baucheingeweide, als auch für das Herz- und Gefäßsystem, als auch

schließlich für die Nerven gebrauchen.

Auch die Ausatmung hat wie die Einatmung Reservemuskeln zur Verfügung,

die sie bei lautem Sprechen, beim Singen oder bei Atemnot während der

Ausatmung gebraucht, und zwar sind dies wiederum die ~Bauchmuskeln~, die

bei ruhiger Atmung wenig zur Geltung kommen. Fehlen dieselben jedoch

oder sind dieselben verkümmert, so kann ein einziger Hustenstoß bereits

Gefahr bringen. Es ist also die Bauchpresse, welche sowohl bei der

Einatmung wie bei der Ausatmung die aktive Rolle der Hilfsaktion

übernimmt, und zwar nehmen ihre einzelnen Muskeln in der Weise teil, daß

der breite Muskelgurt des queren Bauchmuskels während der Einatmung nur

dann aktiv wird, wenn sämtliche inspiratorische Hilfsmuskeln in Arbeit

sind und das Zwerchfell aufs äußerste zusammengezogen ist, um den Ball

der Baucheingeweide gegen die an der Kuppe bereits abgeflachte Wölbung

des erstarrten Zwerchfells anzupressen und die Rippen gewaltsam nach

außen zu heben, während der Ausatmung dagegen nur, wenn das Zwerchfell

bereits völlig erschlafft ist. Während für die forcierte Einatmung die

übrigen Bauchmuskeln nicht in Frage kommen, helfen bei der angestrebten

Ausatmung noch der innere und äußere schräge Bauchmuskel mit, welche die

Rippen nach abwärts ziehen.

Die ~Armbewegungen~, soweit sie den Arm vom Rumpf entfernen, dienen im

wesentlichen der ~Inspiration~, doch muß man dabei Acht haben, daß das

Zwerchfell nicht durch Aktivität der Bauchpresse in seiner Tätigkeit

eingeschränkt wird.

Die ~Beinbewegungen~, sofern sie mit aktivem Eingreifen der Bauchpresse

geschehen, dienen der ~Expiration~.

Für die mechanische tiefste Erweiterung des ~oberen

Brustkorbabschnittes~ mit Hebung des Brustbeins, wie wir sie beim Wogen

des weiblichen Busens durch Unterdrückung der Atmung in den unteren

Abschnitten wegen Korsettgebrauches finden, ist es gut die ~Exkursionen

im unteren Abschnitt~ durch Aufpressen der Hände zu beschränken, durch

welche Stellung der Arme gleichzeitig der Schultergürtel gehoben wird.

Dies kann einseitig und doppelseitig geschehen. (Einseitiges und

doppelseitiges Tiefatmen siehe Uebungstafel). Empfindet Jemand beim

forcierten Tief-, Ein- und Ausatmen ~Schwindel~, so darf nicht zu stark

forciert werden.

~Passiverweiterungen~ der Brusthöhle erreicht man durch ~Heben des

Schultergürtels~ und durch ~kräftiges Rückwärtsführen der

horizontalgestreckten Arme~. Dies kann durch Beihülfe eines Gymnasten

oder aber durch Hängen in Ringen, am Reck, an der Leiter etc. oder durch

~Biegungen der Wirbelsäule~ resp. des Rumpfes nach ~hinten und nach den

Seiten~, schließlich auch nach vorn geschehen.

~Die Uebung der exspiratorischen Hilfsmuskeln~ muß während der Einatmung

geschehen. Denn eine energische Zusammenziehung der Ausatmungsmuskeln

ist unmöglich, wenn die Baucheingeweide nicht energischen Widerstand

leisten. Das Zwerchfell darf also nicht nachgeben, dies erreicht man

leicht durch ~Kehlkopfverschluß~. Dies gilt jedoch nur für die spezielle

Schulung der exspir. Hilfsmuskeln.

Bei anderen Uebungen jeder Art soll nur die unregelmäßige und

oberflächliche Atmung bekämpft werden.

Dies erreicht man am sichersten, wenn man die Atmung ~rhythmisch~ und

~tief gestaltet~, und man diesen Atemtypus durch ~Kommando~ einübt.

Läßt man Beugen und Strecken als ~Selbsthemmungsbewegung~ ausführen, so

läßt man während des ~Beugens~ sowohl tief ein-, als auch tief ausatmen,

ebenso während der Streckung.

Bei einer ~Widerstandsbewegung~ dagegen läßt man während der ~Beugung~

tief einatmen, während der ~Streckung ausatmen~.

Die Einatmung erfolgt im allgemeinen am besten dann, wenn der Muskel

positive Arbeit leistet.

Bei allen Bewegungen, welche mit ~Erweiterung des Brustkorbes~

einhergehen, läßt man gleichzeitig ~ein~- nicht ausatmen.

Will man allein und einseitig die Hilfsmuskeln der Ausatmung üben, so

muß man ebenfalls die ~Einatmungsphase~ benutzen.

So ergeben sich die Regeln für die Atemschule von selbst.

~Jeder einzelne Akt der Atmung muß für sich methodisch geübt werden~,

die Einatmung, das Atemhalten, das Ausatmen und das Stufenatmen.

Derjenige Teil der Atmung, der dem Uebenden am schwersten ausführbar

ist, muß am meisten geübt werden. Nur so kommt man zu einer

vollständigen Beherrschung der Atemmuskeln.

~Dieser Atemgymnastik müssen Muskelübungen folgen~, welche Hals-,

Brust-, Schulter-, Bauch- und Rückenmuskeln kräftigen und ausdauernd

machen und schließlich durch Kräftigung aller Muskeln das Atembedürfnis

steigern. Denn eine zeitlang je nach dem Grade der Herrschaft, die wir

über unsere Lungen erlangt haben, können wir zwar den Atmungsprozeß

durch unsern Willen regulieren, dann aber tritt die ~Selbstregulation~

durch das Sauerstoffbedürfnis in Kraft. Letzteres aber können wir durch

Muskeltätigkeit erhöhen. ~Empfehlenswertes Training der Atemgymnastik

sind die Dauer- und Schnelligkeitsübungen~.

Ball- und andere Bewegungsspiele, Gehen, Marschieren, Laufen,

Bergsteigen, mäßiges Radfahren, Schlittschuhlaufen, Schwimmen und

Rudern. Jedoch darf keine der genannten Uebungen zur Kraftübung werden,

die ja durch die notwendige Pressung das Atmungsgeschäft hemmt.

Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft · 第 24 / 72 题