In der Jugend sind bekanntlich die Gelenkbänder weich, dehnbar und
elastisch, eine Eigenschaft, die sie mit zunehmendem Alter mehr und mehr
verlieren. Durch fortgesetzte Uebungen behalten sie jedoch in mehr oder
weniger hohem Grade ihre ~jugendlichen Eigenschaften~, ja ihre
Elastizität wächst, so daß sie eine große Widerstandskraft gegen Zug
erhalten. Die Produktionen der sogenannten ~Schlangenmenschen~ beweisen,
eine wie hohe Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit die Bandmassen bei einem
frühzeitig begonnenen Training bekommen können. Ein unbewegtes Gelenk
dagegen wird steif, die Gelenkkapsel schrumpft.
Aber auch die ~Architektur des Knochens~ selbst wird nicht unwesentlich
beeinflußt.
~Julius Wolf~ hat durch seine Untersuchungen nachgewiesen, daß die
Knochen ein ~Anpassungsvermögen~ gegenüber den Zug- und Druckkräften der
Muskeln besitzen, welches dem Gesetz unterworfen ist, ~mit möglichst
wenig Knochenmaterial eine möglichst große Festigkeit gegenüber den
einwirkenden Kräften zu erreichen~.
Daher werden die Knochen muskelstarker Menschen nicht nur dicker und
fester, sondern werden besser entwickelt an den Befestigungsorten der
Muskeln. Man vergleiche nur die glatten Knochen der Kinder und Frauen
mit den starken Rauhigkeiten und Knochenleisten kräftiger Männer.
Sehr deutlich ist der Einfluß vernünftiger Leibesübung auf das
~Rumpfskelett~.
Ich erinnere an den sogenannten ~flachen Rücken~, (Fig. 1), wie wir ihn
bei kleinen Kindern finden, die zu früh sitzen, bevor noch die
Wirbelsäule die nötige Festigkeit erreicht hat, oder an die flachen
Rücken der Schneider, als Berufsschädlichkeit, oder an diejenigen
flachen Rücken, welche nach ~Hoffa~ dadurch entstehen, daß die
Muskelenergie zu minimal ist, so daß das Becken in aufrechter Stellung
nicht aufgerichtet werden kann. Wie augenscheinlich ist hierbei die
Wirkung eines vernünftigen Trainings in Form der Hang-, Gleichgewichts-,
Geh- und Laufübungen.
Wie zauberhaft wirken ferner beim sogenannten ~hohlrunden Rücken~ (Fig.
2), bei welchem der etwas vorgewölbte Bauch und die starke
Lendeneinsattlung sofort ins Auge springen, die tiefen Rumpfbeugen nach
vorn!
Betrachten wir ferner ~den runden Rücken~ (Fig. 3) ~der Jugend~, wie er
sich ausbildet, nicht nur infolge von Muskelschwäche der
Rückenmuskulatur, sondern noch vielmehr durch Willensschwäche, wie er
weiter ausgebildet wird durch vieles Sitzen über den kleingedruckten
Schulbüchern, namentlich bei Kurzsichtigen.
[Abbildung: Fig. 1. Flacher Rücken (schematisch).
Fig. 2. Hohlrunder Rücken (schematisch).