Frau Krause. Na? lei'st uff a Uhr'n? (Sie schlägt das Fenster zu.)

Liese rennt in den Stall und dann mit einem Tüchelchen um den

Kopf zum Hofe hinaus. Frau Spiller erscheint in der Hausthür.

Frau Spiller (ruft). Fräulein Helene! ... Gnädiges Fräulein Helene!

Helene. Was nur da los sein mag?

Frau Spiller (sich der Laube nähernd). Fräulein Helene.

Helene. Ach! das wird's sein! -- die Schwester. Geh fort! da herum.

(Loth schnell links vorn ab. Helene tritt aus der Laube.)

Frau Spiller. Fräulein .....! Ach da sind Sie endlich.

Helene. Was is denn?

Frau Spiller. Aach -- m -- bei Frau Schwester (flüstert ihr etwas in's

Ohr) -- m -- m --

Helene. Mein Schwager hat anbefohlen, für den Fall sofort nach dem Arzt

zu schicken.

Frau Spiller. Gnädiges Fräulein -- m -- sie will doch aber -- m -- will

doch aber keinen Arzt -- m -- Die Aerzte, aach die -- m -- Aerzte! -- m

-- mit Gottes Beistand ...

Miele kommt aus dem Hause.

Helene. Miele! gehen Sie augenblicklich zum Dr. Schimmelpfennig.

Frau Spiller. Aber Fräulein ...

Frau Krause (aus dem Fenster, gebieterisch). Miele! Du kimmst ruff!

Helene (ebenso). Sie gehen zum Arzt, Miele. (Miele zieht sich in's Haus

zurück.) Nun, dann will ich selbst .... (Sie geht in's Haus und kommt,

den Strohhut am Arm, sogleich zurück.)

Frau Spiller. Dann -- m -- wird es schlimm. Wenn Sie den Arzt holen -- m

-- gnädiges Fräulein, dann -- m -- wird es gewiß schlimm.

Helene geht an ihr vorüber. _Frau Spiller_ zieht sich

kopfschüttelnd ins Haus zurück. Als Helene in die Hofeinfahrt

biegt steht Kahl am Grenzzaun.

Kahl (ruft Helenen zu). Woas iis denn bei Eich luus?

(Helene hält im Lauf nicht inne, noch würdigt sie Kahl eines Blickes

oder einer Antwort.)

Kahl (lachend). Ihr ha't wull Schweinschlachta?

Fünfter Akt.

Das Zimmer wie im ersten Akt. Zeit: gegen 2 Uhr Nachts. Im Zimmer

herrscht Dunkelheit. Durch die offene Mittelthür dringt Licht aus

dem erleuchteten Hausflur. Deutlich beleuchtet ist auch noch die

Holztreppe in dem ersten Stock. Alles in diesem Akt -- bis auf

wenige Ausnahmen -- wird in einem gedämpften Tone gesprochen.

Eduard mit Licht tritt durch die Mittelthür ein. Er entzündet die

Hängelampe über dem Ecktisch (Gasbeleuchtung). Als er damit

beschäftigt ist, kommt Loth ebenfalls durch die Mittelthür.

Eduard. Ja ja! -- bei _die_ Zucht ... 't muß reen unmenschen meglich

sint, een Oge zuzuthun.

Loth. Ich wollte nicht mal schlafen. Ich habe geschrieben.

Eduard. Ach wat! (Er steckt an.) So! -- na jewiß! -- et mag ja woll

schwer jenug sin .... Wünschen der Herr Doktor vielleicht Dinte und

Feder?

Loth. Am Ende ... wenn Sie so freundlich sein wollen, Herr Eduard.

Eduard, (indem er Dinte und Feder auf den Tisch setzt). Ick menn all

immer, was 'n ehrlicher Mann is, der muß Haut und Knochen dransetzen um

jeden lumpichten Jroschen. Nich mal det bisken Nachtruhe hat man. --

(Immer vertraulicher.) Aber _die_ Nation hier, die duht reen jar nischt;

so'n faules, nichtsnutziges Pack, so'n ... Der Herr Doktor mussen jewiß

ooch all dichtig in't Zeuch jehn, um det bisken Lebens_unterhalt_ wie

alle ehrlichen Leute.

Loth. Wünschte, ich brauchte es nicht!

Eduard. Na, wat meen' Se woll! ick ooch!

Loth. Fräulein Helene ist wohl bei ihrer Schwester?

Eduard. Allet wat wahr is: d' is 'n jutes Mä'chen! jeht ihr nich von der

Seite.

Loth (sieht auf die Uhr). Um 11 Uhr früh begannen die Wehen. Sie dauern

also ... fünfzehn Stunden dauern sie jetzt bereits. -- Fünfzehn lange

Stunden --!

Eduard. Weeß Jott! -- und det benimen se nu 't schwache Jeschlecht --

sie jappt aber ooch man nur noch so.

Loth. Herr Hoffmann ist auch oben!?

Eduard. Und ick sag Ihnen, 't reene Weib.

Loth. Das mit anzusehen ist wohl auch keine Kleinigkeit.

Eduard. I! nu! det will ick meenen! Na! eben is Doktor Schimmelpfennig

zujekommen. Det is 'n Mann, sag ick Ihnen: jrob wie 'ne Sackstrippe,

aber -- Zucker is 'n dummer Junge dajejen. Sagen Sie man bloß, wat it

aus det olle Berlin .... (Er unterbricht sich mit einem) Jott Strambach!

(da Hoffmann und der Doktor die Treppe herunter kommen).

_Hoffmann_ und _Doktor Schimmelpfennig_ treten ein.

Hoffmann. Jetzt -- bleiben Sie doch wohl bei uns.

Dr. Schimmelpfennig. Ja! jetzt werde ich hier bleiben.

Hoffmann. Das ist mir eine große, große Beruhigung. -- Ein Glas Wein

...? Sie trinken doch ein Glas Wein, Herr Doktor!?

Dr. Schimmelpfennig. Wenn Sie etwas thun wollen, dann lassen Sie mir

schon lieber eine Tasse Kaffee brauen.

Hoffmann. Mit Vergnügen. -- Eduard! Kaffee für Herrn Doktor! (Eduard

ab.) Sie sind .....? Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf?

Dr. Schimmelpfennig. So lange Ihre Frau Kraft behält, ist jedenfalls

directe Gefahr nicht vorhanden. Warum haben Sie übrigens die junge

Hebamme nicht zugezogen? Ich hatte Ihnen doch eine empfohlen, so viel

ich weiß.

Hoffmann. Meine Schwiegermama ... was soll man machen? Wenn ich ehrlich

sein soll: auch meine Frau hatte kein Vertrauen zu der jungen Person.

Dr. Schimmelpfennig. Und zu diesem fossilen Gespenst haben Ihre Damen

Vertrauen?! Wohl bekomms! -- Sie möchten gern wieder hinauf?

Hoffmann. Ehrlich gesagt: ich habe nicht viel Ruhe hier unten.

Dr. Schimmelpfennig. Besser wär's freilich, Sie gingen irgend wohin, aus

dem Hause.

Hoffmann. Beim besten Willen das .... ach, Loth! da bist Du ja auch

noch. (Loth erhebt sich von dem Sopha im dunklen Vordergrunde und geht

auf die beiden zu.)

Dr. Schimmelpfennig (aufs Aeußerste überrascht). Donnerwetter!

Loth. Ich hörte schon, daß Du hier seist. Morgen hätte ich Dich

unbedingt aufgesucht.

Beide schütteln sich tüchtig die Hände. Hoffmann benutzt den

Augenblick, am Buffet schnell ein Glas Cognac hinunterzuspülen,

darauf dann sich auf den Zehen hinaus und die Holztreppe hinauf

zu schleichen.

Das Gespräch der beiden Freunde steht am Anfang unverkennbar

unter dem Einfluß einer gewissen leisen Zurückhaltung.

Dr. Schimmelpfennig. Du hast also wohl ... hahaha die alte, dumme

Geschichte vergessen? (Er legt Hut und Stock bei Seite.)

Loth. Längst vergessen, Schimmel!

Dr. Schimmelpfennig. Na, ich auch! das kannst Du Dir denken. -- (Sie

schütteln sich nochmals die Hände.) Ich habe in dem Nest hier so wenig

freudige Ueberraschungen gehabt, daß mir die Sache ganz curios vorkommt.

Merkwürdig! Gerade hier treffen wir uns. -- Merkwürdig!

Loth. Rein verschollen bist Du ja, Schimmel! Hätte Dich sonst längst mal

umgestoßen.

Dr. Schimmelpfennig. Unter Wasser gegangen wie ein Seehund.

Tiefseeforschungen gemacht. In anderthalb Jahren etwa hoffe ich wieder

aufzutauchen. Man muß materiell unabhängig sein, wissen Sie ... weißt

Du! wenn man etwas Brauchbares leisten will.

Loth. Also Du machst _auch_ Geld hier?

Dr. Schimmelpfennig. Natürlicherweise und zwar so viel als möglich. Was

sollte man hier auch anderes thun?

Loth. Du hätt'st doch mal was von Dir hören lassen sollen.

Dr. Schimmelpfennig. Erlauben Sie ... erlaube, hätte ich von mir was

hören lassen, dann hätte ich von Euch was wieder gehört, und ich wollte

durchaus nichts hören. Nichts, -- gar nichts, das hätte mich höchstens

von meiner Goldwäscherei abhalten können.

Beide gehen langsamen Schritts auf und ab im Zimmer.

Loth. Na ja -- Du kannst Dich dann aber auch nicht wundern, daß sie ...

nämlich ich muß Dir sagen, sie haben Dich eigentlich alle, durch die

Bank, aufgegeben.

Dr. Schimmelpfennig. Sieht ihnen ähnlich. -- Bande! -- sollen schon was

merken.

Loth. Schimmel, genannt: das Rauhbein!

Dr. Schimmelpfennig. Du solltest nur sechs Jahre unter diesen Bauern

gelebt haben. Himmelhunde alle miteinander.

Loth. Das kann ich mir denken. -- Wie bist Du denn gerade nach Witzdorf

gekommen?

Dr. Schimmelpfennig. Wie's so geht. Damals mußte ich doch auskneifen,

von Jena weg.

Loth. War das vor meinem Reinfall?

Dr. Schimmelpfennig. Ja wohl. Kurze Zeit nachdem wir unser Zusammenleben

aufgesteckt hatten. In Zürich legte ich mich dann auf die Medicinerei,

zunächst um etwas für den Nothfall zu haben; dann fing aber die Sache an

mich zu interessiren, und jetzt bin ich mit Leib und Seele Medicus.

Loth. Und hierher ...? Wie kamst Du hier her?

Dr. Schimmelpfennig. Ach so! -- einfach! Als ich fertig war, da sagte

ich mir: nun vor allen Dingen einen hinreichenden Haufen Kies. Ich

dachte an Amerika, Süd- und Nord-Amerika, an Afrika, Australien, die

Sundainseln .... am Ende fiel mir ein, daß mein Knabenstreich ja

mittlerweile verjährt war; da habe ich mich denn entschlossen in die

Mausefalle zurückzukriechen.

Loth. Und Dein Schweizer-Examen?

Dr. Schimmelpfennig. Ich mußte eben die Geschichte hier noch mal über

mich ergehen lassen.

Loth. Du hast also das Staatsexamen zwei Mal gemacht, Kerl!?

Dr. Schimmelpfennig. Ja! -- Schließlich habe ich dann glücklicherweise

diese fette Weide hier ausfindig gemacht.

Loth. Du bist zähe, zum Beneiden.

Dr. Schimmelpfennig. Wenn man nur nicht plötzlich mal zusammenklappt. --

Na! schließlich ist's auch kein Unglück.

Loth. Hast Du denn 'ne große Praxis?

Dr. Schimmelpfennig. Ja! Mitunter komme ich erst um fünf Uhr früh zu

Bett. Um sieben Uhr fängt dann bereits wieder meine Sprechstunde an.

Eduard kommt und bringt Kaffee.

Dr. Schimmelpfennig, (indem er sich am Tisch niederläßt, zu Eduard).

Danke Eduard! -- (Zu Loth.) Kaffee saufe ich ... unheimlich.

Loth. Du solltest das lieber lassen mit dem Kaffee.

Dr. Schimmelpfennig. Was soll man machen?! (Er nimmt kleine Schlucke.)

Wie gesagt -- ein Jahr noch, dann -- hört's auf ... hoffentlich

wenigstens.

Loth. Willst Du dann gar nicht mehr practiciren?

Dr. Schimmelpfennig. Glaube nicht. Nein ... nicht mehr. (Er schiebt das

Tablette mit dem Kaffeegeschirr zurück, wischt sich den Mund.) Uebrigens

-- zeig' mal Deine Hand. (Loth hält ihm beide Hände hin.) Nein? -- keine

Dalekarlierin heimgeführt? -- Keine gefunden, wie? .... Wolltest doch

immer so 'n Ur- und Kernweib von wegen des gesunden Blutes. Hast

übrigens recht: wenn schon, denn schon ... oder nimmst Du's in dieser

Beziehung etwa nicht mehr so genau?

Loth. Na ob ...! und wie!

Dr. Schimmelpfennig. Ach, wenn die Bauern hier doch auch solche Ideen

hätten. Damit sieht's aber jämmerlich aus, sage ich Dir, Degeneration

auf der ganzen ... (Er hat seine Cigarrentasche halb aus der Brusttasche

gezogen, läßt sie aber wieder zurückgleiten und steht auf, als irgend

ein Laut durch die nur angelehnte Hausflurthür hereindringt.) Wart' mal!

(Er geht auf den Zehen bis zur Hausflurthür und horcht. Eine Thür geht

draußen, man hört einige Augenblicke deutlich das Wimmern der Wöchnerin.

Der Doktor sagt, zu Loth gewandt, leise:) Entschuldige! (und geht

hinaus).

Einige Augenblicke durchmißt Loth, während draußen Thüren

schlagen, Menschen die Treppe auf- und ablaufen, das Zimmer; dann

setzt er sich in den Lehnsessel rechts vorn. Helene huscht herein

und umschlingt Loth, der ihr Kommen nicht bemerkt hat, von

rückwärts.

Loth (sich umblickend, sie ebenfalls umfassend). Lenchen!! (Er zieht sie

zu sich herunter und trotz gelinden Sträubens auf sein Knie. Helene

weint unter den Küssen, die er ihr giebt.) Ach, weine doch nicht,

Lenchen! Warum weinst Du denn so sehr?

Helene. Warum? weiß ich's?! .... Ich denk immer, ich treff' Dich nicht

mehr. Vorhin habe ich mich so erschrocken ....

Loth. Weshalb denn?

Helene. Weil ich Dich aus Deinem Zimmer treten hörte -- Ach! ... und die

Schwester -- wir armen, armen Weiber! -- die muß zu sehr ausstehen.

Loth. Der Schmerz vergißt sich schnell und auf den Tod geht's ja nicht.

Helene. Ach, Du! sie wünscht sich ihn ja ... sie jammert nur immer so:

laß mich doch sterben ... Der Doktor! (Sie springt auf und huscht in den

Wintergarten.)

Dr. Schimmelpfennig (im Hereintreten). Nun wünschte ich wirklich, daß

sich das Frauchen da oben 'n bissel beeilte! (Er läßt sich am Tisch

nieder, zieht neuerdings die Cigarrentasche, entnimmt ihr eine Cigarre

und legt diese neben sich.) Du kommst mit zu mir dann, wie? -- hab'

draußen so 'n nothwendiges Uebel mit zwei Gäulen davor, da können wir

drin zu mir fahren. (Seine Cigarre an der Tischkante klopfend.) Der süße

Ehestand! ja, ja! (Ein Zündholz anstreichend.) Also noch frisch, frei,

fromm, froh?

Loth. Hättest noch gut ein Paar Tage warten können mit Deiner Frage.

Dr. Schimmelpfennig (bereits mit brennender Cigarre). Wie? ... ach ...

ach so! -- (lachend) -- also endlich doch auf meine Sprünge gekommen.

Loth. Bist Du wirklich noch so entsetzlich pessimistisch in Bezug auf

Weiber?

Dr. Schimmelpfennig. Ent--setzlich!! (Dem Rauch seiner Cigarre

nachblickend.) Früher war ich Pessimist -- so zu sagen ahnungsweise ...

Loth. Hast Du denn inzwischen so besondere Erfahrungen gemacht?

Dr. Schimmelpfennig. Ja, allerdings! -- Auf meinem Schilde steht

nämlich: Specialist für Frauenkrankheiten. -- Die medicinische Praxis

macht nämlich furchtbar klug ... furchtbar -- gesund, ... ist Specificum

gegen ... allerlei Staupen!

Loth (lacht). Na, da könnten wir ja gleich wieder in der alten Tonart

anfangen. Ich hab' nämlich ... ich bin nämlich keineswegs auf Deine

Sprünge gekommen. Jetzt weniger als je! ... Auf diese Weise hast Du wohl

auch Dein Steckenpferd vertauscht?

Dr. Schimmelpfennig. Steckenpferd?

Loth. Die Frauenfrage war doch zu damaliger Zeit gewissermaßen Dein

Steckenpferd!

Dr. Schimmelpfennig. Ach so! -- Warum sollte ich es vertauscht haben?

Loth. Wenn Du über die Weiber noch schlechter denkst, als ...

Dr. Schimmelpfennig (ein wenig in Harnisch, erhebt sich und geht hin und

her, dabei spricht er). Ich -- denke nicht schlecht von den Weibern. --

Kein Bein! -- Nur über das Heirathen denke ich schlecht ... über die Ehe

... über die Ehe, und dann höchstens noch über die Männer denke ich

schlecht ... Die Frauenfrage soll mich nicht mehr interessiren? Ja,

weshalb hätte ich denn sonst sechs lange Jahre hier wie 'n Lastpferd

gearbeitet? Doch nur um alle meine verfügbaren Kräfte endlich mal ganz

der Lösung dieser Frage zu widmen. Wußtest Du denn das nicht von Anfang

an?

Loth. Wo hätte ich's denn _her_ wissen sollen?

Dr. Schimmelpfennig. Na, wie gesagt ... ich hab auch schon ein ziemlich

ausgiebiges Material gesammelt, das mir gute Dienste leisten ... bsst!

ich hab' mir das Schreien so angewöhnt. (Er schweigt, horcht, geht zur

Thür und kommt zurück.) Was hat _Dich_ denn eigentlich unter die

Goldbauern geführt?

Loth. Ich möchte die hiesigen Verhältnisse studiren.

Dr. Schimmelpfennig (mit gedämpfter Stimme). Idee! (Noch leiser.) Da

kannst Du bei mir auch Material bekommen.

Loth. Freilich, Du mußt ja sehr unterrichtet sein über die Zustände

hier. Wie sieht es denn so in den Familien aus?

Dr. Schimmelpfennig. E--lend! ..... durchgängig ... Suff! Völlerei,

Inzucht und in Folge davon -- Degenerationen auf der ganzen Linie.

Loth. Mit Ausnahmen doch!?

Dr. Schimmelpfennig. Kaum!

Loth (unruhig). Bist Du denn nicht zuweilen in ... in Versuchung

gerathen eine ... eine Witzdorfer Goldtochter zu heirathen?

Dr. Schimmelpfennig. Pfui Teufel! Kerl, für was hältst Du mich? --

Ebenso könntest Du mich fragen, ob ich ...

Loth (sehr bleich). Wie... wieso?

Dr. Schimmelpfennig. Weil ... Ist Dir was? (Er fixirt ihn einige

Augenblicke.)

Loth. Gar nichts! Was soll mir denn sein?

Dr. Schimmelpfennig (ist plötzlich sehr nachdenklich, geht und steht jäh

und mit einem leisen Pfiff still, blickt Loth abermals flüchtig an und

sagt dann halblaut zu sich selbst). Schlimm!

Loth. Du bist ja so sonderbar plötzlich.

Dr. Schimmelpfennig. Still! (Er horcht auf und verläßt dann schnell das

Zimmer durch die Mittelthür.)

Helene (nach einigen Augenblicken durch die Mittelthür; sie ruft).

Alfred! -- Alfred! ... Ach da bist Du -- Gott sei Dank!

Vor Sonnenaufgang: Soziales Drama · 第 18 / 24 题