Loth. Nein, weißt Du! ich hab' nicht gelebt! ... bisher nicht!
Helene. Denkst Du ich? ... Mir ist fast taumelig ..... taumelig bin ich
vor Glück. Gott! wie ist das -- nur so auf einmal .....
Loth. Ja, so auf _ein--mal_ ...
Helene. Hör' mal! so ist mir: die ganze Zeit meines Lebens -- ein Tag!
-- gestern und heut -- ein Jahr! gelt?
Loth. Erst gestern bin ich gekommen?
Helene. Ganz gewiß! -- eben! -- natürlich! .... Ach, ach! Du weißt es
nicht mal!
Loth. Es kommt mir wahrhaftig auch vor .......
Helene. Nicht --? Wie 'n ganzes, geschlagnes Jahr! -- Nicht --? (Halb
aufspringend.) Wart' ....! -- Kommt -- da nicht .... (Sie rücken aus
einander.) .... Ach! es ist mir auch -- egal. Ich bin jetzt -- so
muthig. (Sie bleibt sitzen und muntert Loth mit einem Blick auf näher zu
rücken, was dieser sogleich thut.)
Helene (in Loth's Armen). ... Du! -- Was thun wir denn nu zuerst?
Loth. Deine Stiefmutter würde mich wohl -- abweisen.
Helene. Ach, meine Stiefmutter .... das wird wohl gar nicht .... gar
nichts geht's die an! Ich mache, was ich will ..... Ich hab mein
mütterliches Erbtheil, mußt Du wissen.
Loth. Deshalb meinst Du .....
Helene. Ich bin majorenn. Vater muß mir's auszahlen.
Loth. Du stehst wohl nicht gut -- mit allen hier? -- Wohin ist denn Dein
Vater verreist?
Helene. Verr... Du hast ...? Ach, Du hast Vater noch nicht gesehen?
Loth. Nein! Hoffmann sagte mir ....
Helene. Doch! ... hast Du ihn schon einmal gesehen.
Loth. Ich wüßte nicht! ... Wo denn, Liebste?
Helene. Ich ... (Sie bricht in Thränen aus.) Nein, ich kann -- kann
Dir's noch nicht sagen .... zu furchtbar schrecklich ist das.
Loth. Furchtbar schrecklich? Aber Helene! ist denn Deinem Vater etwas
...
Helene. Ach! -- frag' mich nicht! Jetzt nicht! Später!
Loth. Was Du mir nicht freiwillig sagen willst, danach werde ich Dich
auch gewiß nicht mehr fragen ... Sieh mal, was das Geld anlangt ... im
schlimmsten Falle .... ich verdiene ja mit dem Artikelschreiben nicht
gerade überflüssig viel, aber ich denke, es müßte am Ende für uns beide
ganz leidlich hinreichen.
Helene. Und ich würde doch auch nicht müßig sein. Aber besser ist
besser. Das Erbtheil ist vollauf genug -- Und Du sollst Deine Aufgabe
.... nein, die sollst Du unter keiner Bedingung aufgeben, jetzt erst
recht ....! jetzt sollst Du erst recht die Hände frei bekommen.
Loth (sie innig küssend). Liebes, edles Geschöpf! ......
Helene. Hast Du mich wirklich lieb ...? ... Wirklich? ... wirklich?
Loth. Wirklich.
Helene. Sag hundert Mal wirklich?
Loth. Wirklich, wirklich und wahrhaftig.
Helene. Ach, weißt Du! Du schummelst!
Loth. Das wahrhaftig gilt hundert wirklich.
Helene. So!? wohl in Berlin?
Loth. Nein, eben in Witzdorf.
Helene. Ach, Du! ... Sieh meinen kleinen Finger und lache nicht.
Loth. Gern.
Helene. Hast Du au--ßer Dei--ner er--sten Braut noch andere ge....? Du!
Du lachst.
Loth. Ich will Dir was im Ernst sagen, Liebste, ich halte es für meine
Pflicht .... Ich habe mit einer großen Anzahl Frauen ...
Helene (schnell und heftig auffahrend, drückt ihm den Mund zu). Um Gott
...! sag' mir das einmal -- später -- wenn wir alt sind .... nach Jahren
-- wenn ich Dir sagen werde: jetzt -- hörst Du! nicht eher.
Loth. Gut! wie Du willst.
Helene. Lieber was Schönes jetzt! ... Paß auf: sprich mir mal das nach:
Loth. Was?