»Mein Vater!« erzählte er dabei, »ging aus dem Wunsch aus Eu

Die

Probefahrt nach Amerika.

Roman

von

Leopold Schefer.

Bunzlau,

Appun's Buchhandlung.

1837.

Die

Probefahrt nach Amerika.

Motto: Lasset der Welt nur den Lauf,

und das Wasser dann findet ihn selbst schon!

»Schönen guten Abend, Herr Pastor! Hier bringe ich die sechs Dreier

Reisegeld nach Amerika von meinem Vater.«

So sprach eine junge Mädchenstimme in unser abenddunkles Zimmer herein,

darin ich gedankenvoll, ja kummervoll, auf- und abging. Ich hatte wohl

verstanden, was das liebe Kind wie mit Engelsstimme zu mir gesagt. Aber

desto mehr war ich von dem himmlischen Gruß überrascht und bewegt, und

stand, gewiß über und über roth geworden, im Düstern still, und hatte die

Hände gefaltet. Das arme Mädchen aber mochte glauben, wir hätten es nicht

gehört, und so sprach es mit leiser Stimme noch einmal: »Schönen guten

Abend! Ich bringe unsre sechs Dreier zur Probefahrt . . . .«

Mache doch Licht an! -- sagte ich zu meiner Frau, die in der Feierstunde am

Fenster saß, zu welchem die wie jung gewordenen ersten Frühlingssterne vom

dunkelblauen Himmel herein glänzten; -- mache doch Licht, liebe Frau! Es

ist Webers Gretchen!

Meine liebe Frau aber regte sich nicht; oder vielmehr, sie legte sich mit

dem Gesicht in ihre weißschimmernde Arbeit vor ihr auf ihr Tischchen. Ich

seufzete unhörbar, ging selbst, zündete einen Streifen Papier an meiner

Luftfeuermaschine an -- woraus die Flamme mir blitzschnell dienstfertig

herausfuhr und mich dadurch sehr erquickte; und als das Licht brannte,

sprach das liebe kleine Mädchen, wie nun erst getrost, recht freundlich:

»Schönen guten Abend!«

Guten Abend, mein Kind! sagte ich ihr mit dem Gefühl, das ihr, ihren armen

Ältern, und der ganzen armen gepeinigten Gegend recht gute Tage wünschte.

Sie gab mir die sechs Dreier Reisegeld nach Amerika, lauter Kupferdreier,

mit Grünspan belegt, also aus dem Salzgelde, denn der Weber verkaufte nur

Salz. Du bist die Erste, die mir bringt. Gieb mir Deine Hand und Deinen

Segen, mein Kind! sprach ich halblaut, meiner Frau wegen, und mit nassen

Augen, des übervollen Herzens wegen. Ich trug den Weber in das dazu bereite

Buch, gab ihr eine Quittung . . . . damit man den Amerikanischen Kaufleuten

nicht zur Schande nachsagen möge, daß sie über jede Kleinigkeit in ihrem

wohlgeordneten Lande ein Quittung geben, selbst über ein bezahltes

Halstuch; und das liebe Kind schied mit einer verlegenen »Guten Nacht!« an

die Frau Pastorin, und mit einer getrosten guten Nacht an mich.

Die Nacht möchte nicht gut werden! dachte ich. Ich trat zu meiner Frau,

legte meine Hand ihr auf den Kopf, den sie seitwärts wandte. Mein Kind!

Meine liebe Frau! sprach ich so mild als möglich. Sie regte sich nicht. Und

so fuhr ich fort in meinem Styl: Laß uns betrachten! Wie wäre es denn --

wenn ich ein Missionair wäre? Müßte ich dann nicht? . . . . Oder hättest Du

mich dann nicht geheirathet? . . . . Und bin ich nicht wirklich ein

Missionair, ein Abgesandter von dem, der uns sagte, uns, mir also auch, und

in der Noth erst recht laut: Gehet hin in alle Welt! Und unter _aller_ Welt

ist doch gewiß die neue Welt, und so Gott will, die beßre Welt, auch mit

begriffen! Ihm war Himmel und Erde bekannt, und gewiß auch Amerika, das in

der alten Welt ja auch bekannt war, den Tyriern und Sidoniern; und wenn sie

sich auch vor dem Wasser fürchten, doch auch den Juden, und dem weisesten

Juden, der so viel und gern am Meere wandelte und lehrte. Und soll ich

zeitlebens, oder um meine zwanzig Amtsjahre nur immer geredet haben? Soll

ein Geistlicher nicht auch _thun?_ Mit gutem Beispiel vorangehn? Mit Muth!

mit Erfahrung! Wer ist denn noch überall der stille Freund und Tröster des

Volkes, als die Geistlichen, die Weltgeistlichen? Bin ich's nicht auch?

Habe ich mich nicht um meine schöne laute Stimme gepredigt? Habe ich mich

nicht um allen meinen eigenen Trost getröstet, so daß ich selbst wie ein

Irrlicht schwebe, nicht wie ein mächtiges Licht, so stark, daß es selber

steht! Habe ich mir die gute redliche Brust nicht verdorben, daß nur eine

weite Seereise mich herstellen kann, aber gründlich herstellen wird, wie

der Doctor sagt. Gönnst Du mir das nicht? Soll das Volk verkommen,

verzweifeln, da in aller Welt doch Hülfe für alle Welt ist? Soll ich nicht

reisen und ihnen die Ruhestätte der Lebendigen helfen bereiten? Soll ich

sterben vor Leiden und Qual? Leide ich nicht? -- denn seh' ich nicht

leiden? Laß mich leben! Komm Du mit!

»Das ist mein Tod!« sprach meine liebe Frau, sich aufrichtend, und, sahe

von mir weg, hinaus, hinauf unter die Sterne. Aber sie hatte ihre rechte

Hand herabhangen lassen, und das hieß von ihr -- wie ich aus Erfahrung

wußte: -- sie hatte mir ihre Hand gegeben.

»Du gehst als ein Volksspion!« sprach sie jetzt, wie für mich sich

schämend, aus ihrem edlen liebevollen Herzen.

. . . . Volksspion? wiederholte ich ohne es zu wollen. Aber, mein Kind,

sprach ich mit ruhigem Selbstgefühl, haben die Hirten der Heerden nicht

ihre Gesandten, die ihnen alles berichten, was ihnen frommt? Sollen die

Völker nicht ihre Gesandten haben? Und willst Du den Apostel Paulus, den

Columbus, den Vasco da Gamma, den berühmten Reisenden schlechtweg, und den

Prinzen, einen Volksspion nennen, weil am Ende jede Reise, jede große

Entdeckung, jede kleinste Erfindung für das Volk ist! Halte mich lieber für

eine Taube Noäh, oder einen Raben! Und heiße ich nicht _Volkmar?_ Was

_Volk_ ist, weißt Du; und was _mar_ bedeutet, habe ich unsrem Gustav Adolph

erklärt. Also Volkmar will ich auch seyn!

»So oft er den Soldaten, _dem Volke_, wie man, nach Deinem Worte,

mißbräuchlich und unchristlich sagt, nachläuft, dann nennst Du den Jungen:

Volks-Narr! und Du, Du willst ihm vorlaufen! Verstanden?« sprach sie; stand

auf und ging hinaus, um das Abendbrot zu besorgen.

Ich aber schämte mich für Alle, die sich des Volkes anzunehmen schämen,

nach Kräften, kniete auf ein Knie nieder, beugte mein Haupt und betete: O

Volk, o deutsches Volk, Dein bin ich, so lange ein Athem in mir weht, der

Athem Gottes. Denn in dir, o Volk, lebt derselbe alte Vater heilig, aber

jetzt hier recht erbarmungswürdig, Gottes unwürdig! Denn Gott soll für alle

seine Gaben doch nicht hungern und dursten, nicht halbnackend frieren, und

so bekümmert aussehen, wie die theuren Menschengesichter hier alle weit und

breit um mich. Gott soll kein Schloß vor dem Munde haben, Gott soll man

nicht lebendig begraben, in seinem Sohne, seinen Kindern allen, dem Volke!

O Gott, gieb, daß Alle erkennen, Wer, welch heiliger Wer in dem Volke lebt.

Darum Dein bin ich, o Volk, so lange ich einen Tropfen Blut in den Adern

habe, eine Zunge im Munde; denn ich weiß, wer es ist, der _Es!_ -- _Es_

blitzt! _Es_ donnert! _Es_ regnet über die Saaten! _Es_ reißt mir am

Herzen. _Es_ führt mich fort! --

Ich stand auf, ich konnte nicht mehr. Aber ich war ruhig.

Da kam meine Tochter _Marie_, oder _Mirjam_, wie ich sie ihrer Ahnfrau zu

Ehren am liebsten nenne. Sie eilte auf mich zu, sie sank mir an die Brust,

und ich hielt sie umarmt an dem treuen Vaterherzen. Ich weiß nicht, eine

Tochter erscheint dem Vater immer so wunderbar eigen, wie seine Mutter und

sein Weib zugleich, und doch wie das zarte schöne Herzblatt des eigenen

Wesens selbst. Heut rührte sie mich doppelt. Sie war in ihren

Sonntagskleidern, weiß und sauber und lieblich angezogen; sie kam so

hastig, ihre ganze Gestalt wollte wie eine vollgedrängte Knospe brechen;

ihre Augen, ihre Lippen wollten tausend Dinge, die ganze Welt mir erzählen,

vertrauen, preisen! Sie schien eine Flamme, die nicht lodern will, eine

Lilie, die nicht gesehen sein will, so kam mir die Jungfrau verändert vor

-- aber wodurch? Wie so schnell? Denn am Nachmittage war sie auf das Schloß

gegangen, das auf einem Hügel mitten in der Stadt liegt, um ihre Freundin,

ihre Jugendgespielin zu besuchen, zu trösten. Denn der jungen _Baronesse

Freysingen_ war erst vor Kurzem die Mutter gestorben, eine musterhaft gute

Wittwe; denn alle Weiber werden als Wittwen gut, besonders aber diese, die

schon als Weib unvergleichlich gewesen. Denn um nur Eins zu sagen: sie

hatte alle Einwohner der zwanzig großen Dörfer ihrer Baronie frei gegeben

ohne Entschädigung. Die Mädchen waren beide siebzehn Jahr alt, also wahre

Jungfrauen, ich hatte sie beide zusammen unterrichtet, und aus voller Seele

mich bemüht, sie in allem Herrlichen redlich zu confirmiren. Was thut ein

Vater nicht! Auch mein ältester Sohn, mein _Marbod_, hatte Theil an meinen

ausländischen Worten, an dem Unterricht in der englischen und französischen

Sprache Theil genommen. Viel Augen können Ein Licht sehen, viel Ohren Einen

Mund hören, und Kindern gegenüber ist der Vater ein feuriger, reiner,

undurchdringlicher Lehrer. Die Kinder waren wie Geschwister. Meine Mirjam

hatte den Abend auf dem Schlosse bleiben wollen, und sie kam schon nach

Hause? Zu mir? Es war also etwas vorgegangen, geschehen, _ihr_ geschehen,

und ich frug sie, was sie mir bringe?

»Mich!« antwortete sie. »Dir . . . oder, wollte ich sagen, Ihnen, lieber,

lieber Vater!« Dabei drückte sie mich heftig.

Hat Dir die Mutter draußen gesagt? -- Ach die Mutter! Du weißt, daß sie

schon ein Jahr und länger her nie ein Wort dagegen gesagt, daß ich nach

Amerika will, auf Probe; aber um wirklich sagen und fühlen zu können, wie

Auswanderern um das Herz ist, wie ihnen also in Wahrheit geschieht, bin ich

mit Gott entschlossen, auf immer auszuwandern. In den zwanzig Dörfern

sammeln die Vorsteher . . . . das arme Reisegeld; hier aus der Stadt

brachte jetzt ein Kind an mich die ersten sechs Dreier. Nun also ist Ernst!

Das Reden ist aus, das Thun geht an, und nun spricht die Mutter: das ist

mein Tod! -- nicht meiner, mein Kind, sondern _ihrer_, meint sie -- und das

macht mir den schweren Gang nur schwerer, denn ich gehe -- und sie wird

bleiben! Nun, soll ich allein gehen? Oder -- kommst Du mit? Denn unser

Marbod bleibt hier in der Pfarre als mein Vicar, mein Substitut, cum spe

succedendi -- sag' ich Dir heut. Und bleibst Du auch bei der Mutter, so

reis' ich allein mit meinem Gustav Adolph und Gott! Und euch befehle ich

Gott!

Ich hielt inne. Du weinst? frug ich dann. Ja, Scheiden ist schwer. Scheiden

von Lebendigen schwerer, als von den Todten; denn da hat die Natur

geschieden, das Schicksal. Wer aber von Lebendigen, von Geliebten scheidet,

der kommt ihnen vor wie ein übermüthiger, leichtsinniger -- Narr! Denn so

hat mich die Mutter genannt -- Volksnarr!

»Ach, mein Vater!« sprach sie leise, »wie soll ich Ihnen nun gestehen --

sagen, wollte ich sprechen, daß ein Amerikaner hier ist! Im Schlosse! Den

zweiten Osterfeiertag reist er schon fort nach Bremen, sich wieder

einzuschiffen. Er will Sie mitnehmen. Sie sollen ihn heut besuchen. Ich

soll Sie holen! Ach! --«

Mir war ernst, mir war froh zu Muth. Und doch kam mir meine Tochter noch

räthselhaft vor. Ich war bewegter als sie. Denn Alles in meinem Hause, in

der Meinen Herzen hat mir immer das Wichtigste geschienen. Und scheinbar

gleichgültig frug ich meine Tochter nur: Ist er jung?

»Zehn Jahr gewiß jünger als Sie, mein Vater!«

Also dreißig! -- Ist er verständig?

»O wie es sich ihm zuhört! Und dann hat man doch nichts verstanden, nichts

gemerkt! Ich könnte kein Wort treu wiedererzählen!«

Also ist er schön? frug ich eben so gleichgültig.

»O Vater,« fuhr sie fort, meine Frage zur Seite lassend, »das Herz klopft

Einem vor Freude, endlich einmal einen Mann sprechen zu hören, männlich,

frei, stolz -- als wenn der blaue Himmel über ihm voll Heldengeister

schwebte, die ihn durch frohe Billigung stärkten und zur Feuerflamme

machten. Mein Gott! denk' ich mir selbst den General, den Vormund der

Baronesse, oder den Superintendenten dagegen, die mit eingezogenen Achseln

stehn, und mit schüchternen Blicken inne halten und lauschen, ob ja nicht

etwa ein Minister oder Prinz da oben schwebt, der ihre kriechenden Worte

noch nicht kriechend genug findet und sie von oben herab mit dem Finger

warnt, daß sie zusammenfahren . . . . . Was habe ich doch gesagt, mein

Vater, ja, ja, so kommt es mir vor, als wenn ich bis heut noch keinen Mann

reden gesehen hätte, verzeihen Sie, lieber Vater, als Sie auch. Sie können

auch reden! -- Aber Sie sind ja -- mein Vater. --«

Schon gut, schon gut! sprach ich, und wußte genug und seufzte: o Freiheit,

wie machst du den Menschen schön! Mein armes Mädchen, dachte ich, auch Dir

ist es geschehen! -- Ist er verheirathet? ist er reich? frug ich weiter.

». . . Würde er so weit reisen, wenn er eine Frau hätte . . . .«

-- meinst Du! Du Schelm! schaltete ich ein. --

». . . ich meine nur: er kommt aus Petersburg, über Constantinopel,

Alexandrien und Rom durch Österreich, Baiern. In Nürnberg hat er tausend

Dutzend Schachspiele bestellt und bezahlt. Gehn Sie hinauf auf das Schloß;

ich will noch bei der Mutter bleiben!«

Noch? Du gutes Kind! Du willst also mit mir! Das danke Dir Gott! Freilich.

Die neue Zeit ist wunderbar, oder die neuen Menschen, die den alten elenden

Menschen ausgezogen haben, den neuen anziehen wollen, und indeß schauernd

stehn wie Bettler. Decke den Tisch.

Die Mutter wollte das Essen noch nicht auftragen. Ich bestand auf Eile: und

sie folgte mir zwar, doch mit einer Miene, als wenn ich mich um eine Freude

brächte. Warum aber heut am Sonntag Abend ein gebratenes Huhn? -- Warum

heut Alles so besser als sonst, das erfuhr ich, als zwei Reiter in den Hof

gesprengt kamen, und bald darauf ein Husar in der Mutter Armen lag, und in

der Schwester Armen. Denn es war mein Sohn, mein Vicar! noch in der bunten

Soldatenraupe. Mein Ersatzmann! Die Ankunft des Sohnes bedeutete der Mutter

ganz sichtbar meine Abreise, meinen Verlust, und so hatte sie ihn ohne

lauten Ausruf, nur mit stillen Thränen empfangen. Darauf setzten wir uns zu

Tisch. Ihre Augen hingen immer an seinem -- schönen Gesicht; denn warum

soll ich als Vater blind und stumm seyn? Sie aß wenig und nichts, er allein

fast alles! Denn mein Gott, wie war überhaupt der junge Mensch verwandelt!

Einen fein gebildeten jungen Mann hatte ich vor Jahr und Tag fortgeschickt,

unter die Soldaten, einen Candidaten der frömmsten Wissenschaft, einen

Nachfolger der Jünger Christi, der nie zu laut sprach, wie ein Mädchen

erröthete, sich einfach kleidete, die Kartenkönige und Ober nur vom

Amtmannspiel her kannte, der nicht tanzte, nicht Pistolen schoß, nicht Wein

nicht Branntwein trank, nicht Tabak rauchte, nur von belebenden Dingen,

wenn auch froh und heiter, sprach -- und ach! was mußte ich jetzt von ihm

hören! Nichts wie von Pferden, Jagden und Hunden, von Spielgewinnst, von

vortrefflichem Tabak, und noch edlern Tabaks-Pfeifen; von Bällen, von

schönen Mädchen in den Quartieren bei der Musterung, Geschichten und

Abentheuer von seinen Cameraden, wie sie vielleicht heut an andern Orten

_seine_ Abend- oder Nachttheuer erzählten! Und seine Sprache -- wie

baßrauh, cantormäßig ausgetrunken seine Stimme, sein Auge so zu sagen

frech, sein Ansehn -- dem Ansehn nach gesund . . . . aber ich bin Kenner,

ich sah mit Vateraugen. Da muß ein Vater Freude haben! seufzete ich

herzinniglich. Da müssen tausend Väter jetzt Freude haben, denen ihre Söhne

so wiederkommen. Alle redliche Mühe der Mütter, alle Sorgfalt der Väter,

alle Zucht im Hause, aller heiliger Zorn über die kleinen Keime von Unarten

der Knaben, alle Lehren in den Schulen, alle Predigten in den Kirchen --

Alles umsonst! Von Unkraut erstickt alles ächte, rechte Menschenwesen und

Menschensinn. Predigt doch nicht, lehrt doch nicht! Lehrer und Prediger!

Lieben Eltern, laßt doch alle Knaben aufwachsen wie Wilde, ja eure Mädchen

auch -- denn auf _der_ Universität aller Rohheit und Laster bekommt ihr

doch Candidaten der Unreligion nach Hause, die euch Gott und Herz und Athem

und Lunge ersparen; die mit ausgerenktem und ausgerenkt verwachsenem Herzen

verdorben, sie euch doch verderben, euer Leben und ihres. Aber so verlangt

es die in Europa eiserne Zeit. -- Ich ward immer überzeugter von der

Wahrheit meiner innern Worte. Die Mutter hatte die letzte Flasche Wein ihm

zu Ehren herauf holen wollen -- denn er hatte bescheiden seine Schwester

blos um ein Weinglas gebeten -- die Mutter aber kam mit leerer Hand wieder,

denn ich hatte den Wein armen Kranken hingetragen, und ihr Auge gab mir

ihren Dank; der Sohn lächelte und sein Calfactor mußte die Feldflasche mit

Arrak bringen -- und ich mußte den vortrefflichen kosten! Ich trank den

Tropfen aber auf die Gesundheit der Mäßigkeitsvereine in Amerika, und bat

den Sohn um Verzeihung . . . . daß _ich_ den Wein, und heimlich,

fortgetragen in der Tasche, mit der ich im Finstern an das Geländer der

elenden Treppe der armen Leute angestoßen habe, und die guten Kinder

derselben hätten mir die Glasscherben aus der Tasche gezogen -- und mit

hohlen untergehaltenen Händchen den filtrirten Trank der Mutter hingetragen

-- und auch noch vergossen, weil sie auf die Mutter gesehen, und nicht auf

das Händchen.

Da lachte mein Sohn! Und wie Odysseus überlegte ich, ob ich das lachende

Gesicht aus väterlichem Zorne ganz einschlagen sollte, oder ihn nur so ein

wenig schlagen, daß ihm Kinnlade und Zähne ausfielen -- aber er hätte ja

vielleicht den Säbel gezogen, und ich hätte ihn dann selber todtstechen

müssen, und alles war aus! Meine Fahrt nach Amerika! Selbst meine Hülfe an

alle arme Ältern gegen _solche_ Freude an ihren Söhnen! Die

himmelschreiende Freude! Ich stand nur vom Tische auf, und meine

feinfühlige Tochter Maria hing sich mir an meinen Arm und flüsterte mir

beschwichtigend zu: »Vater, liebes Väterchen! Der Bruder wird in drei

Tagen, oder doch in drei Wochen ganz anders seyn, wieder wie zu Hause!

Vergeben Sie ihm!«

»Habe ich Sie beleidigt? Vater! Womit denn?« frug der Sohn, so unschuldig

unbewußt -- daß es einen Stein hätte erbarmen mögen. Das war das Ärgste: er

wußte nicht mehr, wo und wie er fehlte! Und ich sagte zur Antwort die

Wahrheit: _Du_ nicht, mein Sohn! Du hast mich nicht beleidigt, nicht

gekränkt. Du hast nur Ordre pariert. Du erfüllst nur das Gesetz. -- Und so

begriff ich einigermaßen die neue, wahrhaft edle Absicht: die Soldaten nun

fromm zu machen, ihnen Gebetbücher in die Hände und Tornister zu bringen,

und die Commerschlieder mit frommen Morgen- und Abendliedern zu ersetzen.

Nur so ist _ihnen_ zu helfen.

Desto heißer brannte ich auf das Schloß zu gehen. Da kamen sie schon! Meine

Augen waren, wie des alten Zacharias Augen, auf den Amerikaner gespannt.

Aber vor ihm trat ein junger schlanker Schwarzer ein, ein Afrikaner, der

fröhlich und wohlgemuth seinen Herrn meldete. Den Namen überhörte ich, weil

er selbst schon mit der Baronesse und ihrem Vormund, dem General, eintrat.

Die Weiber beknipten sich, die Männer -- nämlich ich mit -- krümmten sich

wie lange Haarwürmer, die lange in einem hölzernen Violinbogen gesteckt.

Der Amerikaner aber grüßte blos durch seine anständige Erscheinung, das

heitre gesunde Antlitz, den wohlwollenden Blick aus den blauen Augen, zu

welchen das braune Haar ihm so wohl stand. Nach und nach schied sich die

kleine Gesellschaft und vereinigte sich. Die Mutter klagte vermuthlich dem

General-Vormund die Noth, der Husarenoffizier theilte der jungen Baronesse

seine mit Freuden aufgenommene Freude mit, sie wieder zu sehen, wozu Maria

mit einer Hand auf dem leisen Harfenzuge des Pianoforte von Zeit zu Zeit

die Melodie von dem Volksliede hören ließ:

»Auf, auf, ihr Brüder, und seid stark!

Der Abschiedstag ist da.

Schwer liegt er auf der Seele, schwer,

Wir müssen über Land und Meer

In's heiße Afrika!«

Und so trugen die alten, im Volke unvergeßnen und jetzt neu lebendig

gewordenen Töne meine Seele in dem nun entsponnenen Gespräch mit dem

willkommenen Gaste, dem Amerikaner.

Ihre Kunde, sprach ich am Caminfeuer mit ihm sitzend, darf ich als

Wegweiser wohl benutzen, denn Wegweiser sollen etwas mehr wissen und eher

als die Weg_wandler_ -- Auswanderer.

»Also wirklich! Sie wollen auswandern? -- -- Auswandern?« sprach er ernst.

»Auswandern, sich selbst verbannen! Sich selbst ermorden! -- um der Kinder

willen. Seinen Leib, sein Herz, seine Seele aus dem Leibe reißen -- um der

Freiheit willen. O schwer, o bitter, das Bitterste auf der Welt. Sterben

wir, so ist hoffentlich Land und Erde vergessen. Meine ich. Aber! Wandern

wir aus, so geben wir Vaterland und Leben verloren -- es bleibt Alles,

Alles hinter uns, wie hinter einem Lebendigbegrabenen. Denn so eng, so

dumpf und schweigend und leblos, so jammervoll ist es um den

Ausgewanderten, sagte mein Vater uns Kindern bei jeder Gelegenheit, bis in

das Alter, noch oft; selbst auf dem Sterbebette -- bald leise, bald laut;

und im letzten Traume sprach er erst recht bewegt von der Heimath, hier

drüben von dem Berge! von dem Vaterhaus -- dem Schlosse hier drüben -- von

den alten Linden -- so daß uns in der Fremde geborenen Kindern zu Muthe

ward, als wäre ein weltfremder Mann, ein gutmüthiger Wilder -- ein Sohn der

Sonne unser Vater! Ich führe das nur an, so wie er auch sagte: Selber

Bäume, einen ganzen Wald würde man für desto rasender halten, wenn sich die

Bäume alle selber ausrissen, über Felder und Berge und das Weltmeer liefen,

und drüben mit den Wipfeln oder Köpfen sich in die Erde pflanzten, und die

Wurzeln hoch in die Höhe kehrten, daß sie grünten und blühten und Früchte

trügen! Doch wenn ich euch ansehe, Kinder, sprach er auch wohl, sehe ich

doch, in der Welt ist Alles möglich! . . . . wenn es nöthig ist! Das

Unglück ist das einzig wahre Saamenkorn des Glücks! Die Noth, die äußerste

Noth ist dem Menschen die Todtenerweckerin, die unbarmherzige Aufschreierin

seiner tiefsten, gewaltigsten Kräfte, die ihn über bloßes Menschenseyn mit

zwei Beinen und Armen erhebt, und ihm Flügel giebt über das Meer. Es giebt

ein kleines Insekt, der Vater wies es mir oft, das hat zwar Flügel unter

den Flügeldecken, aber es läßt sich von den Kindern jagen, martern,

stechen, brennen -- und erst, wenn man ihm die Flügel ansreißen will, dann

fliegt es fort, hoch in die Luft, und macht sich unsichtbar seinen

Marterhölzern von Menschenfleisch oder Menschenfleischern. Der Mensch ist

noch lebenszäher als ein Polyp, der sich umkehren läßt, das Innere heraus,

die Haut hinein, und fortlebt -- das vermag der Mensch bei Herz und Seele

im Leibe -- aber mein Vater kam mir doch vor wie . . . . wie eine nackte

Seele, so immer wund, so immer schauernd, daß mir erst wohl ward, als er

mir seinen Segen gab, der gewaltig klang und voll Verheißung triefte wie

Gottes Wort. Aber sein Schloß, seine Kinderstube, seine alten Linden hier

mußte ich doch sehen. Wahrlich, mich trieb nicht das Capital, welches noch

von ihm her auf diesen Gütern steht. Es mag stehen bleiben, wenn es sicher

ist. Sonst will ich sehen, was hier zu unternehmen und auszuführen ist --

nach _seinem Testament_.«

Ich denke, es steht sicher; sprach ich, nicht ganz überzeugt, meinte aber,

daß die Sequestration, die jetzt eingetreten war, das Capital desto

sicherer stellte. Der Amerikaner war also der Sohn des vorigen alten Herren

der Baronie, und der jüngere Herr _von_ Steinbach, und Herr von Steinbach

wollte ich ihn nennen, als er nicht unanständig, aber gnugsam lachte, und

sprach: »Ich heiße _Winhing_, mein Bruder _Johannes_, meine Schwester

_Sabina_, und auch meine Mutter heißt _Susa_, so daß alle Vornamen der

Straßburger Familie sich in uns einmal wiederholen. Aber dem a und de

Steinbach haben wir Ade gegeben und den Taufnamen _Erwin_ zu unserem

Familiennamen gemacht, da wir einen Mann haben, der den Geschlechtsnamen

erst durch Verstand und Fleiß und Kunst geadelt. Das ist nicht ganz zum

Lachen, und nicht ganz des Vergessens werth.« Er lachte aber. Und doch

freute er sich über mein Weib, auch eine geborne von Steinbach, also eine

Mitenkelin vom alten _Erwin_ von Steinbach, der den Straßburger Münster

erbaut, und blos als Andenken zeigte er mir das Wappen auf seinem Petschaft

--: das gekrönte Kind, das aus blauem Meer auftauchend eine weiße Rose in

der rechten Hand hält.

»Mein Vater!« erzählte er dabei, »ging aus dem Wunsch aus Europa: kein

_armer_ Adliger mit unglückseligen Sclaven oder sogenannten Unterthanen,

wie man sie hier nennt, zu seyn, sondern lieber ein reicher, freier, bloßer

Mensch; durch Landbesitz, den er für sein Geld erworben, also adliger, als

jene ersten Adligen in Deutschland, die mit gewaffneter Faust einwandernd

Leute und Land behielten. Mein Vater hat mir in seinem Testamente vermacht

und aufgegeben -- und Geld dazu: -- in meinen männlichen Jahren eine

Colonie verarmter Adliger und bauergutsloser Rittergutsbesitzer nach unsrer

Union überzusiedeln, und ich habe schon sechzig Familien, freilich kaum ein

Hunderttheil der ganzen Trauerliste. Aber entschließen sie sich? Sie hängen

wie Faulthiere am abgefressenen, eingegangenen Brotfruchtbaume, bis sie

verschmachtet herabfallen und dann kaum weiter schleichen können auf den

neuen Lebensbaum.«

Freilich, kann ich sagen, sprach ich, Frau und Mann müssen Beide gleich

entschlossen seyn, auszuwandern! _Das ist die erste Regel!_ Freilich muß

die neue Europäische Noth der alten Asiatischen Noth, gleichsam einer

ägyptischen Finsterniß gleich kommen, ehe die Deutschen ihr _Ruheland_

Deutschland verlassen, wie einst Asien, aus welchem sie noch verschiedene

Kasten voll und von Noth mitgebracht. Die Deutschen vor allen sind

Erdwanderer, vielleicht Erdumwanderer -- bis ihre Enkel klug und glücklich

durch Californien und das von den herrlichen Menschen volle Sibirien wieder

heimkommen! Aber was ist Noth? Wenigstens bei den Deutschen, also auch

Menschennoth? . . . . »Noth« heißt bei den alten Deutschen: Fessel, Gewalt

und Zwang. Dieses Kleeblatt von der Todes- oder Höllenwiese war ihr

tiefstes Unglück! Ihr einziges! Sonst ertrugen sie Alles! Was nicht Fessel,

Gewalt und Zwang war, war keine Noth -- und Noth bezeichnet, wie ihnen,

auch uns noch das tiefste Unglück; das letzte aber auch. Ein Volk von

Charakter hat Jahrtausende dasselbe Herz, denselben Sinn. Glauben Sie,

Master Erwin, daß der klügste Mann von Rom, Cäsar, ein Esel gewesen ist,

oder daß er Luchsaugen gehabt? Und dieser alte Luchs und Fuchs, Cäsar, sagt

von den Deutschen: »Ubi fons, campus, nemusve iis placuerit, ibi domos

figunt, _mox alio transituri_ cum conjugibus et liberis. _Nam diu eodem in

loco morari periculosum arbitrantur libertati._« Und schon haben es sich

die Deutschen über 2000 Jahre hier zu Lande gefallen lassen.

»Wir Amerikaner haben auch die lateinische Sprache abgethan! Was sagen Sie

also, Herr Volkmar?«

Und froh verwundert darüber sagt ich: »Wo ein Quell, Feld oder Hain den

Deutschen gefällt, da befestigen sie ein Haus, mit der Absicht bald vorüber

zu ziehen mit Weibern und Kindern. Denn lange an demselben Orte zu sitzen,

halten sie gefährlich für die Freiheit.« -- Wir Deutschen kennen unser

Vaterland nicht, blos unser Gasthaus und Wirthshaus. Und schändlich wäre es

von Einem Deutschen, Einen Deutschen zu beschuldigen, von Einem Übles zu

reden, denn es ist nur geschehn, was sie Alle hier gewollt und gesollt,

oder geduldet. Nur vom Übel redet ein Redlicher. Aber davon auch frei.

_Wohin_ aber nun unser Zug geht, der unwiderstehliche Zug, aus

unerklärlichem Drang und Zwang, wo nun das Zelt aufschlagen? Das ist die

Frage!

»Kleinasien, Rußland faßt viele Millionen,« bemerkte der Amerikaner.

»Ägypten!« --

Da giebt es nur Einen Stoffehändler. Freier Handel wäre uns lieb! versetzte

ich.

-- »Griechenland ist schön und öde.« --

Da fürchten wir den Religionskrieg, die Pest.

-- »Italien ist nah, und Wüste genug um Rom.« --

Von den Römischen Pfaffen ist den Deutschen alles Unglück gekommen, Beten

lehrt uns die Noth schon genug. Den Papst hat ein Nebenzweig von unserem

Stamme, die Trojaner und ihre Colonie die Römer, mit aus der Mongolei

gebracht. Er ist weit genug geschleppt.

-- »Also nach Spanien! Das Hesperien selbst der Hesperiden, der Italiäner.

Nicht? -- Südamerika? An der Grenze von Peru kauft man ein Königreich um

das Geld für ein englisches Pferd. --«

Lieber in die Wüste gebaut, als neben unruhige Nachbarn.

-- »Also nenne ich Mexico nicht, weil es Neu-Spanien ist. Aber Canada?«

Das soll erst werden und thun, was die vereinigten Staaten von Nordamerika

sind und gethan, hört man von dort. Aber warum wollen Sie uns nicht zu

sich?

-- »Wenn die Deutschen ihren Charakter behaupten können! Und den Charakter

verdirbt alles Nachmachen, Nachreden, die angenommene Sprache, Nachsitten,

Nacharten, Nachneigen, Nachgehorchen, selbst wenn Gesetze, Verfassung und

Regierung höchst menschlich und wünschenswerth wären.«

Wir geben klein zu! Dürfen wir bei Ihnen Wir seyn und Wir bleiben, wenn wir

kein Gesetz, keinen Menschen beleidigen?

-- »_Ja!_ Ich meine! --« schloß der Amerikaner.

Wir hatten Amerikanisch, also Englisch, und im Grunde dann Altsächsisch,

Altdeutsch gesprochen, und dieses uralte »I guess« ich meine, vergesse ich

nie. Ich stand auf. Wir waren fertig mit dem -- Friedensplan und

Friedenszug. Nur noch das Wort setzte mein neuer Freund hinzu: »Raum zu

leben und sich wohl zu befinden, haben noch Vierhundert Millionen Menschen,

so breit sie sich machen, so hoch sie wachsen wollen. Aber auf den

Einmalhunderttausend deutschen Quadratmeilen Land ist unterschiedliches

Klima, mit Seeen, mit Wald, mit Bergen, mit Strömen, mit Meeren nach Morgen

und Abend und Mittag, mit Pflanzen und Blumen und Kräutern und Bäumen, mit

Fischen und Vögeln, mit zahmen und wilden Thieren der Erde, daß Jeder das

Seine sich wählen kann. »_Brot und Freiheit_« steht mit Schweiß und Thränen

für unsere Gäste angeschrieben über dem Thor zu unserem Lande. Aber nicht

mit Blut! Wir haben _keine Schulden_ -- wenn Ihr das Wort versteht. Wir

haben _keine Feinde_, als solche, die wir verachten könnten -- wenn Ihr das

Wort versteht. Wir haben _Frieden_ auf lange Jahrhunderte -- wenn Ihr das

Wort versteht. Wir haben _keine Armen_ -- wenn Ihr das Wort versteht. Ja

wir haben selbst eine miserable Miliz, einen lächerlichen Landsturm, der

aber gradezu eine himmlische Heerschaar ist, weil er lächerlich seyn kann

-- wenn Ihr das Wort begreift. Ich meine.«

Ich meine auch; sagte ich. Heut zu Tage braucht man nichts mehr zu sagen.

Die ganze Welt meint blos, und die ganze Welt versteht. So weit haben wir

es durch Cultur gebracht! Wie stehen in Etwas erschrecklich hoch, und was

bei Ihnen fehlt, weil es noch nicht nöthig ist, die Humanität ist unser

Unglück. Denn ein Vernünftiger läßt sich am Ende Alles gefallen, selber ans

Kreuz schlagen, weil er meint, es thut Andern wohl, und so thut es ihm

nicht weh. Aber das lange Hängen macht Zappeln.

Der General-Vormund fühlte sich bedrückt, daß seine ganze schöne Armee in

Amerika mehr als überflüssig und ein Unding sein sollte! So viel Festungen

-- Undinge! So viel Kanonen -- Undinge! So viel Plage, Geschrei und müde

Gebeine -- Undinge! Aber er fühlte sich schuldig, verschuldet, und schwieg.

Mein Sohn Marbod saß in seiner Husaren-Uniform wie ein Gespenst da, und das

Gold darauf blitzte umsonst. Meine Tochter hatte endlich ein wenig lauter

auf dem Pianoforte, wenn auch nur mit einem Finger, die Melodie des

neugebornen Liedes: »Auf, auf, ihr Brüder, und seid stark!« gespielt, und

Master Erwin trat nun sehr bescheiden zu ihr und bemerkte blos, daß in der

ganzen Union Sonntags kein Laut Musik aus Schonung der vollständigen Ruhe

der Andern erklingen dürfe -- als sie feuerroth ward und das Instrument

verschloß. Der Gehorsam rührte mich schwer und bewegte mich tief zu

seufzen, denn meine Braut war mir einst auch so gehorsam gewesen. Kaum aber

hatte ich dies sichere Zeichen der Neigung gesehen, als sie erblaßte, sich

an die Freundin lehnte und bald darauf aus dem Zimmer ging, ja nicht mehr

wieder kam, so lange die Gäste dablieben, denn ihr bewunderter Freund hatte

im ferneren Gespräch gesagt: »_daß er hundert Sclaven habe_.« Hundert

Menschensclaven -- Er!

Es war schon spät. Abreden wurden getroffen, sie sagten gute Nacht, und

Erwin ließ gute Nacht dem armen Kinde sagen. Als sie fort waren, kam meine

Maria wieder und versicherte mich: daß sie nun getrost mit mir gehe. Ich

wünschte ihr gute Nacht. Da hob sich ihre Brust nur, und ihre Augen

blinkten vor dem Licht in ihrer Hand, und sie getraute sich nicht, die

Augen vor ihrem Vater aufzuschlagen.

Vom Morgen an war nun ein neuer Geist über mich gekommen. Die Zeit zur

Abreise war kurz. Ich verzeichnete mir alle Geschäfte, ich theilte sie in

die Tage ein. Durch meinen Entschluß zu reisen war mir die Heimath zur

Fremde geworden, das Volk selbst zu Gästen im Lande. Ich war wie ernstlich

krank geworden. Ich war mir und Andern unnütz, zu jeder Arbeit unwillig,

ungeschickt, verdrossen. Daß die Sonne zum Frühling höher und wärmer

schien, kam mir überflüßig vor. Aus jährlicher Gewohnheit deckte ich die

Weinlaube ab; aber ob die Reben Augen hatten -- die Kirschbäume Knospen --

ich sah nicht darnach! Daß die Primeln in reichem Flor standen, erregte mir

nur Bedauern; daß ich Kinder taufte, junge Paare traute, schien mir ganz

überflüßig. Jemanden zu begraben, that mir recht leid. Hier war es ja nicht

werth zu leben, nicht werth zu sterben, oder recht werth, und ich segnete

die Todten mit gewaltigen Worten ein -- mit Zornworten von der Erde, nicht

mit Vorbereitungsworten für ihre neue Welt, ihre beßre Welt. Dem Kaiser

Karl V. kann nicht so zu Muth gewesen seyn, als er sich lebendig begraben

ließ. Denn um mich sangen ganz andere Stimmen! Prophetenworte riefen mich.

Den kommenden Vögeln sagte ich: bleibt dort, liebe Kinder! Alle Papiere

suchte ich durch, um Jedem jeden Heller zu bezahlen. Ein langes Geschäft.

Ich hatte Geld einzufordern. Ein längeres, undankbareres Geschäft. Von

nahen und fernen Freunden hatte ich Abschied zu nehmen, und einen

lithographirten Brief schämte ich mich an Alle zu schicken. Da mußte Sohn

und Tochter schreiben, ich unterschrieb nur. Von den Andern hatte ich in

den Zeitungen Abschied genommen. Aber darauf erhielt ich nun Briefe,

dringende Bitten: Zehn, Zwanzig, Hundert, Tausend, Zweitausend Menschen

mitzunehmen oder nur zu führen! Diese Briefe voll Noth und Klage, schwerer

als sie zu ertragen schien, so lange zu ertragen unmöglich schien, ließ ich

in Quartbände heften, binden: die Briefe unglückseliger armer Geistlichen,

die auf Korn gesetzt, bei Korn fast verhungerten, weil es nicht galt; die

Briefe von -- bei ihren Gemeinden verhaßten Geistlichen, weil sie in ein

gewisses Horn geblasen; Briefe von examinirten oder gleichsam im Examen

entseelten -- durchgefallenen Candidaten; die Briefe von Rechtsconsulenten,

die nächstens zu verhungern versprachen, weil Bauer und Bürger aus Mangel

an Geld zu Prozessen lieber gleich alles Unrecht über sich ergehen ließen;

Briefe von Hammerwerksbesitzern, die nur noch den großen Hammer besaßen,

aber keine eisernen Gänse; Briefe von Gelehrten, Philologen,

Schriftstellern, Professoren, Juris-Doctoren, ja sogar die trübseligsten

Briefe von Censoren, Waschweibern, Kammerjungfern, von Studenten,

Gymnasiasten und Schuljungen sogar! Briefe von armen Bergleuten, die

Tagelöhner, Klafterschläger und Stöckeroder geworden, von ihren

Frau-Spitzenklöpplerinnen, den Nachkommen der Frau Barbara Uttmann, die für

sie nach Brabant gereiset, und für welche ich nach Amerika reisen sollte,

als ein Barbarus Uttmann; denn die armen Weiber versicherten, daß sie ihre

Männer und Kinder von dem Kleinhandel nicht ernähren könnten, sondern aus

Noth das Körbchen Obst, Gemüse, ja Nägel, Blechgeräthe, Schwefel und

Zündhölzchen angreifen und veressen müßten. Der Amerikaner, Master Erwin,

besuchte mich täglich, oder ich ihn; er war mein neuer Freund, denn die

Noth macht Freunde, oder zum Glück, sie hat auch noch Freunde. --Ich sollte

nun aller Welt Freund und Erlöser seyn, wie die Briefe sagten; ein

abgesetzter Professor der Geschichte titulirte mich den neuen Cadmus oder

Pelops; denn die Noth und der Druck in Ägypten möge wohl auch entsetzlich

gewesen seyn bis zum Aus-der-Haut-fahren; denn das Vaterland sei die weite

Haut des Menschen oder der Leib des Leibes. Das war auch Erwins Meinung; er

war nicht recht einverstanden mit meiner Reise, und sprach eines Tages:

»Denken Sie sich nur, wenn wir Amerikaner auswandern wollten; wenn wir

freien Amerikaner in Deutschland eine Niederlassung gründen wollten, als

saurer Sauerteig in das alte Backfaß . . . .«

Ich erschrak billig, wie Tausende oder Hundert doch, vor diesem furchtbaren

Gedanken. Aber es schien Ernst dahinter, er verzog keine Miene, gab mir

Plan und Ausführung an, und als sie ihm immer schöner und heilsamer, mir

immer grausenvoller erschien, frug er mich: Was Wir denn bei Ihnen zu Lande

wollten -- als abgebackenes Obst oder Mehl, nicht Korn!

Da brachte mir meine Frau zwei Briefe zusammen herein. Ich überflog sie.

Ich ließ sie ihn lesen. Und so laut vorgetragen rauschten und zündeten sie

ordentlich in der gemeinen Luft, und es kam fast Entsetzen über mich, daß

der heilige Äther auch dazu da seyn solle, solch Geistergift und Elend zu

tragen -- wie das heilige Meer Sclavenschiffe mit dumpfem Gestöhn. Und so

zitterte in der Luft der

_Brief des Executors_.

»Sie gar lieber Herr Pastor, Sie wissen, daß ich im Nachbarland

Justizamtmann gewesen, aber untergehen mußte, weil ich keine Arbeit mehr

hatte. So habe ich nunmehr hier die allerhöchste, wichtigste Stelle der

Justiz erstiegen, als Executor. Nur ein Executor kennt Recht und Unrecht,

von Gerechtigkeit will ich nicht reden. Er kennt Milde und Elend, Milde

derer, die auf alte Gerechtsame halten, wie mit Händen von Eisen, um nicht

um Schloß und -- Thür zu kommen, und das Elend derer, die alte Schuld der

Zeit und der Menschen, die sie sich im Schlafe der Dummheit und Feigheit

haben aufladen lassen, nun mit erwachten Herzen abzahlen sollen. Kurz, ich

bin müde, den Leuten die letzte Kuh aus dem Stalle zu nehmen, und die

dürren Thiere meilenweit an miserablen Stricken fortzuschleppen und für ein

Hundegeld, kein Kuhgeld, erstehen zu sehen von den abscheulichsten,

hartherzigsten Stöcken von armen Teufeln, welche aus Noth ein Auge

zudrücken müssen, und das Herz im Leibe todt. Ich heiße zwar kein Sclave,

aber ich bin ein _Seelensclave_, ich lebe in der Seelen- und

Herzens-Sclaverei, und ich bitte mit dem letzten Tropfen guten Blutes im

Herzen, daß Sie mich mitnehmen, und mich für die Kosten der Überfahrt

vermiethen, auf tausend Jahre meinetwegen, oder gradezu als _leiblichen_

Sclaven verkaufen, und mir soll wohl seyn. Die alten Deutschen verspielten

sich auch und verkauften sich selbst. Meine Seele verkauft meinen Leib.

Brot habe ich so nicht. Nehmen Sie mich mit, oder, ich versichre Sie,

lieber Herr Pastor, ich habe noch mehr als einen alten Strick, und so

morsch er ist -- schwer bin ich nicht. Ich stehe draußen vor Ihrer Thür und

warte auf Antwort.«

Ich sprang gleich hinaus, sahe den Mann mit seinem verwilderten Barte,

Thuiskon und alle alten Götter standen vor mir; ich führte ihn herein. Er

mußte sich setzen, und schwieg. Denn der Amerikaner war ins Feuer gekommen

und las nun laut den zweiten:

_Brief des Schulmeisters_.

»Ew. Hochwürden verzeihen, Sie als Christ von Ihrem großgünstigsten

Vorhaben abreden zu wollen. Ist gegen allen herkömmlichen Respekt. Aber wo

der Respekt in solcher Zeit hingekommen, weiß ich sub fide quasi pastorali

nicht anzugeben. Jetzt speculirt man gradezu auf Alles, die Menschheit

sogar zu vermindern, was doch stracks gegen das Einzige Gebot läuft,

welches der alte Vater im Paradiese gegeben hat: »Seid fruchtbar und mehret

euch!« Ein wahrhaft göttliches, ja paradiesisches Gebot! Wie ich denn

selber 9 Kinder habe, zwei Mädchen und sieben Söhne, welche für die Prämie

von 50 Rthlr. -- also 9 Rthlr. 3 Gr. 5 1/7 Pf. pro Sohn -- nun, Gott sei

Dank! alle bei den Soldaten auf Lebenszeit versorgt sein werden und müssen.

So habe ich als Speculant nun gelesen, daß in China Hungerschulen in Flor

sind. Erschrecken Sie nicht, Hungerschulen, worin und wodurch man nicht

verdächtig und strafbar die Noth sucht abzuwehren, sondern menschlich und

hochpreislich zu ertragen. Wer hungern kann, kann gradezu Alles auf Erden.

Und Wer hungern will, der will Alles, der ist zufrieden mit Allem, es heiße

wie es wolle, ja es sei, was man will. Ich lege Ew. Hochwürden, sub signo

solis, einen ausführlichen Plan bei, worin Alles landesmäßig ausgearbeitet

ist, aus dem chinesischen Reiche und Clima in unser deutsches Reich oder

Clima übersetzt. In China heißen diese respectablen Schulen gradezu

Hungerschulen oder Tsing-Long. Ich schlage für uns und die lieben Unsern

lieber den Titel vor: Friedensschulen, Geduldschulen, oder höchstens:

Magenschulen. Dort existiren sie zu tausenden. Die _Studenten_ darin tragen

eine Ehrenkleidung, die nur sie und auch der Kaiser trägt. Sehr gut und

exemplarisch. Denn daß bei uns die Armen wissen, daß Fürsten und

Fürstinnen, nebst Prinzen und Prinzeßchen, doch zu Zeiten auch Kartoffeln

essen und alle Tage Salz, das giebt den Armen einen gewissen Adelstolz,

auch wenn sie selber nichts andres haben. Über die Kleidung wollten wir uns

nicht streiten, denn das dort Wohlfeile ist hier theuer, und so habe ich

_Nanking_ etwas frei mit »roher Leinwand« übersetzt. Climatisch! Oder

Schaafpelz? (Der Kälte wegen. Denn hungern _und_ frieren ruinirte alle

unsere Schüler, Studenten oder _Akademiker_; denn dieser Ehrentitel

»Akademiker« würde die deutschen armen Schlucker sehr anlocken.) Beispiele

von Vornehmen, Adligen u. s. w. würden Wunder wirken, wie der Hof den Dänen

das Pferdefleisch zur Probe gegessen hat. Beilage sub signo lunae aber

enthält ein vorläufiges Verzeichniß der Studenten und -- hier fehlt mir das

Wort -- etwa der geistlichen Schwestern unserer Gegend. Die ganze Kunst der

Chinesen beruht nun auf dem (sonderbar!) deutschen Sprichwort: »Der Hunger

ist der beste Koch!« Die Chinesen in sothanen Schulen, Gymnasien oder

Akademieen _fasten_ also, geistlich gesprochen, blos so lange, als es nur

ein Araber oder Wilder aushalten kann. Der Schmachtriemen hilft nach;

Wasser thut Wunder und nährt lange allein, wie man an Pflanzen sieht. Wenn

aber keine Kunst, keine Geduld, kein Zureden der angestellten geistlichen

und weltlichen Beamten mehr hilft, und auf lange Schwäche endlich Ohnmacht

schon eingetreten, dann wird das Zimmer mit Gänsebraten geräuchert, nämlich

mit ungebratenem, mit den Federn, die ein prächtiges Gastmahl vermuthen

lassen; oder Kinder schreien im Hofe der Anstalt wie ein Kalb und bellen

dazu wie ein Hund, als führe ein Fleischer eins heim, oder schlachte es

schon; oder es ertönt quickendes und erquickendes Schweinegeschrei, als

werde sogar schon ein Schwein geschlachtet. Andere Knaben klopfen mit zwei

stumpfen Beilen auf ein Bret, als mache man Wurst. Kurz nach allen

Kunststücken der Politik und der Seelenlehre, wenn der Studiosus wirklich

zu sterben drohte vor Appetit -- dann wird ihm ein wenig -- aber was? --

Pferdefleisch gebracht, und die gute ehrliche Seele bleibt wieder in ihrem

Leibe oder in ihrem irdischen Vaterlande, und läßt sich wieder täuschen. So

lernt er, so kann er, wird sanft, mildthätig, lehrfähig, und stiftet dann

selbst wieder eine Magenschule in andern eßbegierigen Gegenden, und alle

Unzufriedenen, durch Steuern oder Prozesse, oder gar Arbeitslosigkeit zu

Grunde Gerichteten gehen in diese dem Lande räthlichen Schulen. Aber erst

in unsern Kleinkinderschulen diese wahre Koch- und Eßkunst einzuführen,

wäre eine Verbesserung, welche die Sache an der Wurzel angriffe, und bleibt

wie die Erfindung derselben uns Abendländern vorbehalten . . . . Ihnen, ich

erspare Ihnen und der seelensguten Frau Pastorin Ihre Auswanderung, und

30,000 unwissenden, armen, deutschen, jährlich blos darum Auswandernden,

weit sie eine Erfindung der Chinesen nicht ahnen, die ihnen doch Allen so

nahe liegt, sich so aufdrängt Tag für Tag. Aber vergebens. Denn die Welt

ist blind. . . . .«

So weit hatte der Amerikaner gelesen, laut, und wir sahen uns billig an,

und zuckten die Achseln, als der Verfasser, mein braver Schulmeister in

Hammersdorf, hereintrat, weil ihn das Vorlesen wie ein Strom in seine

eigenen Worte gezogen. Er hatte seinen besten Staat an, ein abgeschabtes,

gewandtes, schwarzes Kleid, aber das blasse, redliche, wohlmeinende,

kummervolle lange Gesicht, die mild und treu uns anblickenden Augen

benahmen uns jeden Gedanken, als den des redlichen frommen Willens in

diesem Manne.

»Daß die Natur so weit herabsinken kann bis in eine solche Gestalt, bis in

solche Gedanken!« sprach der Amerikaner leise zu mir. »Er scheint seinen --

Schulplan schon selbst erprobt, ja probat gefunden zu haben; so

himmlisch-chinesisch sieht er aus. Aber das nennen wir in Amerika:

Phantasmen! Schlimme Zeichen schlimmer Krankheit! Sogar in unsern

Irrenhäusern spuken doch andere Pläne. Solche nicht. Der redliche Mann ist

mir wie ein Verwesungszeichen an einem noch Unbegrabenen -- den man nun

begraben kann! Man begräbt sicher nur einen Todten. Jetzt rathe ich Ihnen

mit mir zu reisen! Noch ein anderes Zeichen habe ich unterweges bemerkt.

Die Leute, besonders die Männer bei Ihnen und weithin, scheinen nämlich

taub. Man muß schreien, ehe sie hören, zweimal es sagen, ehe sie antworten.

Das bedeutet Geistesabwesenheit, Versunkenheit. Kurz, wir reisen! --«

Ich sagte ihm, daß der Schulmeister Tolera, als Repräsentant aller

möglichen Toleranz, von den armen Schulkindern kein Schulgeld nehme -- und

der Executor bestätigte, daß er nie Leute für ihn habe auspfänden sollen --

daß derselbe mit Kühen handle, Capitale von 3 bis 20 Thalern den Armen

negozire, und der Amerikaner rieth mir, diesen Speculanten mitzunehmen;

Fracht und Spesen wolle er für ihn tragen. Ich sagte das laut. _Tolera_

nahm es an, und versprach in seinem Eifer die Magenschule in der

vereinigten Republik anzulegen, worauf ihm bemerkt ward, daß dort nur die

Faulen hungerten, nicht die Fleißigen »und Fleiß ist die Tugend der freien

Amerikaner.« Der Schneider brachte mir eben meine Reisesachen, und so

konnte ich dem armen Tolera sogleich meinen respectablen Rock schenken,

welchen er draußen anzog und sich dann uns präsentirte. Er ging ihm bis auf

die Knöchel, aber das gab ihm Würde. Der Executor hätte den Rock gern

gehabt, aber er schlug die Augen nieder und weinte fast, denn für ihn

schien der Amerikaner nicht Fracht und Spesen tragen zu wollen. -- »Das

Glück ist selten doppelt,« sprach er, »das Unglück aber oft. Ich mußte oft

wegen zwei Schuldposten auspfänden -- und ich will es ferner mit Gottes

Hülfe.«

Mit _Gottes Hülfe!_ Das verzweifelte Wort entsetzte und rührte mich. Soll

Gott zu Druck und Rache helfen? Ich getraute mich, beim General-Vormund ihm

die vacante Stelle des glücklichen Meisters Tolera zu verschaffen, damit er

lieber ein Executor des göttlichen Willens werde. Das war er zufrieden und

fühlte sich glücklich. Master Erwin nahm dagegen mit feinem Lächeln den

Schulmeister in Pflicht, zum Heil Amerika's dort die Hungerschulen

einzuführen. Das war er zufrieden und fühlte sich glücklich.

Die Probefahrt nach Amerika · 第 1 / 10 段