Nicht berührt sei hier die Frage nach dem Eigentumsrecht übe

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter

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in Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter

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Buches.

Landesverein Sächsischer

Heimatschutz

Dresden

Mitteilungen

Heft

10 bis 12

Monatsschrift für Heimatschutz, Volkskunde und Denkmalpflege

Band XII

_Inhalt_: Erziehung zum heimatlichen Menschen – Der Eliasfriedhof

in Dresden – Volkstümliche Kinderpoesie in Oschatz – In der

Dorfschenke – Weihnachtsdörfer – In der Landesgemeinde –

Die Birkgutlinde – Die Jagd auf den Eisvogel – Eiszeitliche

Gletscherschrammen beim Teufelsstein (Pließkowitz, Oberlausitz) –

Weihnachten im Landesmuseum für Sächsische Volkskunst – Das

frühere Vorkommen von Auer- und Birkwild in Sachsen – Zur

Geschichte der Starmeste – Ein Heimatschützer im fernen Osten –

Luftbild und Heimatschutz

Einzelpreis dieses Heftes 2 Goldmark

Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24

Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835

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Bankkonto: Commerz- und Privatbank,

Abteilung Pirnaischer Platz, Dresden

Bassenge & Fritzsche, Dresden

Dresden 1923

Dresden, im März 1924

Unsre werten Mitglieder bitten wir, für dieses Schlußheft aus dem

Nullenjahre 1923 uns noch

_1 Rentenmark_

einsenden zu wollen. Zahlkarte liegt dem Hefte bei.

In diesem Jahre werden voraussichtlich 6 Hefte unsrer Mitteilungen in

der alten Friedensausstattung erscheinen.

Der monatliche Beitrag für 1924 beträgt 1 Mark und kann bei

Minderbemittelten und wirtschaftlich Schwachen bis auf 50 Pfennig

ermäßigt werden.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz

Die Ziehung unsrer 4. Geldlotterie findet endgültig

am 7. und 8. April

statt. Wir bitten alle unsre Mitglieder, noch die letzten Lose

abzunehmen und sich beiliegender Bestellkarte zu bedienen.

Band XII, Heft 10/12 1923

[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz

Dresden]

Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern

herausgegeben

Abgeschlossen am 31. Dezember 1923

Erziehung zum heimatlichen Menschen

Von _Friedrich Sieber_, Löbau

Naer Oostland willen wy ryden,

Naer Oostland willen wy mêe,

Al over die groene Heiden,

Frisch over die Heiden,

Daer isser een betere stêe.

Das war das Wanderlied der unbändigen Bauerngeschlechter, starkknochig

und mutgeschwellt, die ihre niederländische Heimat verließen, Saale und

Elbe, die alte Slawenlinie überschritten, um sich auf jungfräulichem

Kolonialgrunde niederzulassen. Die Ferne lockte: Daer isser een betere

stêe! Wie oft hat die gleißende Ferne Ahnengeschlechter betört!

Germanen überschritten den Rhein, stürzten wie Alpenströme ins

glühende Südland. Staufenkaiser träumten von Weltherrschaft unter den

Palmen Siziliens. Ritter pilgerten in langen Zügen zu Weihestätten.

Bauerngeschlechter aller Gaue erbrachen die Gründe des Ostens. Dann

tauchte das Wunderland auf aus den westlichen Meeren. Sein alles

verheißender Blick, Unermeßlichkeit und Reichtum der Gefilde schufen es

zu dem Lande, in dem alle Träume ihre Verwirklichung finden konnten.

Noch heute gleißt es für viele wie Zaubergold ... Und solange sich

Berge wölben, Ebenen im Glanze sich dehnen, Meere und Stürme brausen,

wird immer der Drang zur Ferne Menschen von der Scholle reißen, in

fremde Räume wehen.

Diese Wander- und Abenteuerlust, die in der Heimat nimmer befriedigt

wird, hat ein Gegenbild im Reiche des Geistes. Aber Geist ist

leichter als Stoff, breit und leicht fließen seine Ströme von Land

zu Land. Wie eine Senke für diese Geistesströme lag unser Vaterland

im Erdenrund. Jahrhundertelang strömte aus fast allen Richtungen der

Rose fremden Volkes Geist in die Gründe unsers Wesens. Herrisches

Rom, farbfrohes und klingendes Italien, griechische Größe, gallische

Glätte, englische Gefühlsseligkeit und Sinnenobjektivität, magisches

Leuchten des Orients: Ströme, Bäche und glucksendes Rinnsal. Aber

unsers Volkes Quellen am Grunde schwiegen nicht, sie schleuderten

ihre Kraft. Wir lachen der Forscher, die in der Geschichte deutschen

Wesens nur fremde Einflüsse erkennen, keinen Blick haben für die Fülle

des Köstlichen, das uns, nur uns eigen ist. Aber diese Überschätzung

des Fremdländischen ist von verheerenden Wirkungen gewesen in unserm

Erziehungswesen. Der Deutsche des sechzehnten Jahrhunderts wurde auf

unsern höheren Schulen zum Ciceronianer erzogen, der des siebzehnten

Jahrhunderts zum ~homme du monde~, zum ~galant homme~, der des

ausgehenden achtzehnten und beginnenden neunzehnten Jahrhunderts durch

griechisches Menschentum zum Menschen schlechthin. Ein Glück nur, daß

in der Auffassung all dieser fremden Werte mehr Eigenes lag als die

Urheber vermuteten. Das neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert brachten

immer neue Wertgruppen, die forderten, Erziehungsziel zu werden,

alle möglichen gegeneinander abgetönten Schularten wollten diese

mannigfachen Werte in ihre Zöglinge hineinbilden.

Und inmitten dieses Wertechaos, in dem wir noch stehen, Erziehung

zum heimatlichen Menschen? Klingt das nicht zu einfach, zu schlicht,

andern hochtrabenden Bildungszielen gegenüber? Spukt es nicht

noch in unserm Blute: Was nahe ist, »ist nicht weit her?« Sollten

klassische Antiquitäten nicht wertvoller sein? Und dann: Wird sich die

Geistesbewegung, die sich gegenwärtig der Heimat zuwendet und die durch

den verlorenen Krieg lebenskräftig wurde, nicht in kurzer Zeit zu Tode

gelaufen haben? Was dann, wenn alle noch erreichbaren Überlieferungen

registriert, die gefährdeten Denkmale geschützt und gesichert sind?

Weht in den Heimatzeitschriften nicht oft enge, stickige Luft, fast wie

in Großmütterchens Stübchen? Glaubt man, durch die frömmelnde Liebe

für das Allzukleine und frommes Augenaufschlagen beim Aussprechen des

Wortes Heimat einen besonders wertvollen Menschen zu erziehen? Und was

wird uns die Heimat sein, wenn wir die Ferne wieder haben?

Wir geben diesen Zweiflern in einem recht: Das Bild der Heimat als

Ziel einer bewußten Erziehung harrt noch in wesentlichen Punkten der

schöpferischen Ausformung. Es ist offenkundig, daß der Begriff der

Heimat in vielen Köpfen und Herzen nur ein unsicher zerfließender

Gefühlskomplex ist. Die Gefühle, die den Begriff umwuchern, bergen

mehr Altersschwingungen als blutvolle Jugend, grenzen mitunter

an Greisensentimentalität oder an gönnerhaftes amerikanisches

Heimgedenken. Erziehung zu diesen unbedeutenden Rührseligkeiten

ist nicht Erziehung zum heimatlichen Menschen. Wir weisen diese

Einstellungen zurück als Rückstände einer satten Vorkriegszeit. Heute

umlagern die Wälle gefallener Brüder den heiligen Boden. Ihre großen

Gestalten fordern tiefstes Erfassen der dunklen Kräfte, die in brauner

Erde drängen.

Die Heimat bringt dem Menschen zwei Urerlebnisse: die Urerlebnisse

Landschaft und Mensch. Beide Erlebnisse fordern, wenn sie wirksam sein

sollen, als Grundlage ein entwickeltes Ichbewußtsein. Diese innere

Voraussetzung ist in ausgeprägter Form erst im jugendlichen Menschen

vorhanden. Das Kind lebt vegetativ in ungelöster Einheit mit Dingen

und Wesen. Damit ist nicht gesagt, daß Erziehung zum heimatlichen

Menschen nicht bereits im Kindesalter einsetzen müßte. Sie kann

in außerordentlicher Weise den Seelengrund für spätere Erlebnisse

lockern. Wir meinen nur, daß die entscheidenden Erlebnisse Landschaft

und Mensch, die ein Leben lang wirksam sein können, erst im Alter des

Jugendlichen möglich sind.

Mit der Entwicklung zur Geschlechtsreife löst sich der junge Mensch

allmählich aus seinem vegetativen Zustande. Sein Selbstbewußtsein

erwacht. Er empfindet Dinge und Menschen bewußt als sich

gegenüberstehend. Das Abrücken des Ich vom Ding löst starke innere

Erregungen und Spannungen aus. Das Ich wird zum dunklen Born, aus dem

Stimmungen und übersteigerte Gefühlszustände hervorbrechen. In dieser

Erregtheit entdeckt der Jugendliche die Landschaft. Sie liegt wie eine

wuchtige, vorweltliche Bilderschrift vor ihm, zahlreicher Deutungen und

Umgestaltungen fähig. Gerade infolge dieser Vieldeutigkeit ist keine

andre gehaltschwere Objektivität so geeignet, jugendliches Seelenleben

aufzufangen, wie Landschaft. Unter den Kulturgebieten ist nur Musik

von ähnlicher Wirkung. Geben wir darum dem Jugendlichen reichste

Gelegenheit zum Landschaftserlebnis! Sein innerer Überschwang strömt

über die Erdgebilde hin, tönt sie mit seinen Farben, haucht dem Starren

Leben ein. Der jugendliche Mensch ist Schöpfer der Landschaft, darum

vergewaltigt er sie auch. Sie muß jeder Stimmungsbewegung wie ein

Schatten folgen. Aber trotz aller Jugendwillkür ist für Heimaterziehung

ein Wesentliches erreicht: die Landschaft ist ein Lebewesen geworden,

sie birgt Seele in sich. Nun steigen Berge und Wälder erlebnisbewimpelt

auf, nun furchen sich Täler wie Seelengründe.

In der Weiterentwicklung der Seele sinken die übersteigerten

Jugendspannungen meist in sich zusammen. Es waren künstlich

hochgetriebene Affekte, hervorgerufen durch das erstmalige Erleben

der Objektivität. Die Gegenstellung von Subjekt und Objekt wird zur

Alltagsgewohnheit. Die subjektivierende, umgestaltende Kraft des

Jugendlichen erlahmt. Aber die einmal von ihm beseelte Landschaft

wird für ihn unvergänglichen Reiz behalten. Sorgen wir nun dafür,

daß der junge Mensch nicht im harten Arbeitsrhythmus zermalmt, nicht

in endlosen Straßenzügen vermauert wird, daß er vielmehr in enger

Berührung mit der Erde bleibt, dann vermag sich in der Landschaft

wundervolles Eigenleben zu entwickeln. Denn Landschaft ist nicht nur

Schöpfung des Menschen, sie ist ein Eigenwesen. Drohende und lächelnde

Gesichter bedecken die Erde. In steil aufragenden Gebärden und im

anmutigen Hügeltanze wogt die Unerschöpfliche dahin. Und immer strahlt

uns das Gesicht der Heimat. Aber wie wir in den Zügen eines Bekannten

nur dann zu lesen verstehen, wenn wir uns in sein Wesen versenken, so

ist es mit dem Bilde der Heimat. Nur im liebenden Verstehen wird sie

sich uns offenbaren.

Heimat als kosmisches Gebilde ist allen kosmischen Einflüssen

unterworfen. Sie lächelt, lockt und schreckt wie die unfaßbaren

Kräfte, die uns umbrausen, wie die Welten, die über uns schwingen. Die

Seele, die so wandelbare Gebärden erfassen will, muß spannkräftig

sein, und wenn sie es nicht ist, muß sie Spannweite erwerben.

Wir berühren hier die schöpferische Linie, an der Landschaft zur

tiefen Bildungsmacht wird. Landschaft weckt noch schlummernde

Seelenkräfte, lockt sie, Objektives zu umarmen und in der Umarmung zu

gestalten. Landschafterfassung bedeutet darum auf subjektiver Seite

Wesensausprägung. Nur an der innern Schwungweite des Einzelmenschen

findet Landschafterfassung ihre Grenze. So kommt es, daß in

Landschaften, die schon oft künstlerisch gestaltet wurden, immer

neue Wesenszüge aufbrechen können, wenn sie in der Gegenpolarität

ursprünglicher Menschen stehen. So kommt es aber auch, daß innerlich

dürftige Menschen Landschaft nicht anders sehen als die Herde eine

Weide. So kommt es, daß vor jedem neuen Menschengeschlecht Landschaft

und Heimat keusch im Morgenlichte liegen wie am ersten Schöpfungstage.

Wir wollen Heimat und uns gewinnen!

Ist aber dadurch, daß Seelenentwicklung an Landschaft gebunden

wird, etwas Wesentliches und Notwendiges erreicht? Wir geben

dadurch der Seele ihr Blut wieder: die Sinnlichkeit. Betrachten

wir uns vorurteilslos den Seeleninhalt, den die sogenannte

»Bildung« heute überwiegend übermittelt. Es sind oft leichtfertig

nachgesprochene Buchurteile, buchstabenentsprungene Begriffsschatten

ohne Erdverankerung. Und ein so von aller Sinnlichkeit losgelöstes

Begriffssystem schwebt leicht wie Rauch in den Lüften, trägt nicht

das Korrektiv der Anschauung in sich, kann sich darum zu den

verschiedensten Gebilden zusammenziehen, und alle meinen, etwas Rechtes

zu bedeuten. Mit geschickt zusammengesetzten Begriffen läßt sich alles

beweisen und alles leugnen. Auf dieser Scheingrundlage des Begriffs

ruht ein wesentlicher Teil des Geisteslebens der Gegenwart. Darum

auch das verwirrende Bild, das sich uns darbietet. Erziehung durch

Landschaft wird uns aus diesem Schattenreich erlösen. Unsre Sprache

wird wieder dem Urborn der Sinnlichkeit entsteigen. Unsre Empfindungen

und Vorstellungen werden von starken körperhaften Gefühlen begleitet

sein. Denken und Phantasie wölben geformte Gebilde wie Bergketten.

Unsre Seelen durchbraust der Atemschlag von Sturm, Regen und Sonne. Wir

wachsen wieder aus der Erde. Die Mutter hat uns wieder, wir ruhen ihr

im Schoß. Und mit uns wiegen sich Steine, Bäume und Tiere: Geschöpfe

wie wir. Erziehung zum heimatlichen Menschen durch Landschaft bedeutet

uns Wiedergewinnung der Erde.

Als zweites grundlegendes Erlebnis, das die Heimat übermittelt, nannten

wir das Urerlebnis Mensch. Der Mensch stellt sich uns dar in einer

geschichtlichen Reihe, die in die Tiefen der Vergangenheit führt, und

in einer weitausgebreiteten Fläche, die in der Gegenwart liegt. Wie

die räumliche, so öffnet sich auch die zeitliche Ferne erst im Alter

des Jugendlichen. Wertvolle vorbereitende Übungen, Vergangenheit zu

erschließen, können und müssen bereits im Kindheitsalter vorgenommen

werden, aber wir betonen noch einmal, nachhaltende erziehliche

Wirkungen sind erst in einem späteren Alter möglich. Die Heimat bildet

den Ausgangspunkt für unsre Wandrung in die Vergangenheit. Aber die

Altertümer, die in den Häusern verstreut liegen, die Denkmale, die

ehrwürdig in Dorf und Stadt, in Wald, Feld und Heide aufragen, die

lustigen und weinenden Überlieferungen, die echt und verzerrt in der

Volkssprache strömen, sollen uns nicht zum blassen historischen Wissen

werden. Unser Streben muß es sein, den Blutschlag zu erfühlen, der in

ihnen pulst, die Seele fühlsam wieder zu gewinnen, aus der sie als

geformter Inhalt heraustraten. Die Seelenform unsrer Ahnen muß von uns

auf Grund der Äußerungen, die sie hinterließen, lebendig nachempfunden

werden. Nur eine so eindringende und einfühlende Betrachtung der

Denkmale kann in uns das Bewußtsein wecken, historisch verwurzelt

zu sein. Unsre Seele erkennt sich als schöpferische Kraft wieder

in denen, die vor uns waren. Gerade wir Menschen schnellebiger und

hochdifferenzierter Zeiten, in denen die Bande der Familie, der Sippe,

der Landsmannschaft, die Bande der primitiven Gemeinschaftsformen,

gelockert sind, leben eintägig, historisch unbelastet dahin, weil alle

unsre Energien vom gierigen Heute verschlungen werden. Historische

Bindung aber stößt nicht nur Perspektiven in die Vergangenheit auf,

sondern auch in die Zukunft. Wir fühlen uns eingeordnet in ungeheures

und unaufhaltsames Geschehen. Dieses Empfinden gibt allem unsern Tun

Weihe und Würde, es steigert unser Verantwortungsgefühl.

Doch wir werden uns nicht in knechtischer Ehrfurcht vor überlieferter

Vergangenheit beugen. In uns lodern andre Lebensgluten wie in unsern

Ahnen, unbändigere Stoffmassen wollen von uns gestaltend bezwungen

werden. Darum wird bewußtes Einordnen in die Ahnenreihe nicht unser

Selbst erlöschen, sondern zum höchsten Tun steigern. Erdgebunden durch

unsre Erziehung in der Landschaft, blutgebunden in unvergänglicher

Ahnenreihe, wenden wir uns zum Heute und zum Morgen. Da stehen die

Menschen neben uns nicht mehr als Verkörperungen feindlicher Mächte,

die uns durch Neid und Mißgunst schädigen, durch Stumpfheit zerreiben

wollen, wehmütig erkennen wir sie als Splitter eines zerschlagenen

Gemeinschaftsringes. Erziehung in der Heimat bringt uns das so

lebensnotwendige Gemeinschaftserlebnis, das wir alle nur einen kurzen

Augusttraum hindurch erleben durften. Der heimatliche Mensch wird,

und sei es durch große persönliche Opfer, den Weg zum Herzen seiner

Volksgenossen wiederfinden. Dann werden sich Hände spannen von

Landschaft zu Landschaft, von Heimat zu Heimat, und die Glutenmassen

können sich noch einmal ausformen zum schwingenden Gestirne Volk. Durch

Erd- und Blutbindung der Heimat zur tiefen Volksgemeinschaft, das ist

uns Erziehung zum heimatlichen Menschen.

Der Mensch, der im braunen Boden wurzelt und bewußt in das Schicksal

eines Volkes verflochten ist, vermag ohne Schaden in räumliche und

geistige Fernen einzudringen. Er ist der Feind alles ziellosen

Flatterns und naschenden Herumschweifens, er ist in sich ruhende

Einheit. Er trägt in sich einen Kraftpunkt, um den fremde Massen

sich lagern, er wird, wenn er die Geistigkeit dazu besitzt, die

höchsten Werte fremder Völker im langsamen Wachstum durchdringen wie

ein sich dehnender Baum, Ring an Ring seinem Wesen ansetzend. Dann

ist Geistigkeit kein schwerkraftloses Begriffssystem mehr, sondern

durchbluteter Wuchs. Verantwortungsbewußt steht der heimatliche Mensch

Volk und Erde gegenüber. In Ehrfurcht wird er den Leib des Volkes

und der Erde pflegen, ein Hochbild seiner Heimat und seines Volkes

liebend gestalten. Die Heimat ist dem heimatlichen Menschen Wurzel- und

Wipfelpunkt aller Werte.

Der Eliasfriedhof in Dresden

Wir müssen ihn schützen und schätzen

Von _Gertraud Enderlein_

Melancholisch heben verwitterte Akazien ihre Äste über die weißen

Mauern. Lebensbäume schieben sich, schmale schwarze Schatten,

dazwischen. Drinnen trug man sie zu Grabe, die sich in der engen alten

Stadt ihres tätigen Lebens gefreut hatten. Draußen lärmen, uneingedenk

des großen Vergangenen, die Menschen von heute.

Pestkirchhof war der Eliasfriedhof. Man legte ihn 1690 an, als,

nach furchtbaren Seuchejahren, die Totenacker der Stadt nicht mehr

ausreichten. Damals war er noch der »weite«: ganz außerhalb der Stadt

vor dem Ziegelschlage gelegen. Ein Vierteljahrhundert bettete man die

Toten der Armen hinein. Dann fingen auch die Begüterten an, sich Grüfte

hier draußen zu bauen. Die Ratsgruft entstand. Viele vornehme Dresdner

Geschlechter, Adelshäuser, Bürgerfamilien ließen ihre Angehörigen hier

unter prunkvollen Monumenten bestatten. Damals bekam der Eliasfriedhof

das künstlerische Gesicht.

Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts klang das Wort

des Geistlichen über bekränzten Särgen, klang Grabgesang. Dann war

seine letzte dunkle Kammer vergeben, und man bettete die Toten weiter

hinaus, in neue Gottesäcker. Die wachsende Stadt aber fraß die Idylle,

die um diesen Friedhof war, fraß Wiesen und Äcker. Straßen entstanden

mit festen Häuserreihen, häßliche Straßen mit Alltagsgesichtern rund

um das grüne Geviert. Damals wurde der Friedhof Historie. Seine Hügel,

die niemand mehr pflegte, sanken ein. Seine edlen Rosen verwilderten.

Roter Rost, wie edle Bronze zu schauen, legte sich über die barocken

Ornamente der eisernen Gruftgitter. Die neue Schönheit, die romantische

des Kirchhofs war da.

Vergessen schien er. Aber er hatte doch seine Freunde; eine kleine

Gemeinde. Wenn der Flieder sich in lila und weißen Flämmchen über den

trauernden Sandsteingenien entzündete und die Rosen dunkel in den

Büschen wurden, kamen die Maler. Manchmal gingen auch gelehrte Leute,

die sich etwa über die Grabstätte der Gustel von Blasewitz oder des

Hofkapellmeisters Naumann unterrichten wollten, durch das blumige Gras.

Und alte Frauen saßen dann und wann auf besonnten Steinen, horchten auf

das Flöten der Amseln, die im dichten Gezweig der Akazien wie in einem

Paradiese lebten, und beschauten die gelben Kresseglocken, die neben

geborstenen Sockeln zum Lichte drängten.

Offiziell, leider, wurde der Eliasfriedhof, als man – um den Zugang zur

Pestalozzistraße zu öffnen – einen Querweg durch seine Gräberreihen

zog. Entschleiert war nun seine Schönheit den Vielzuvielen. Menschen,

die innerlich sehr fern von solchen ernsten und tiefen Dingen waren,

sahen neugierig durch den Zaun. In Zeiten, da man glaubte, sich an

allem Erreichbaren ungestraft bereichern zu können, drangen die

Halbwüchsigen, die Kinder in Scharen in den stillen Garten, plünderten

den Flieder und die Rosen. Böser Unfug wurde von wilden Jungen auf

dieser einst geweihten Erde getrieben.

Die Kirchhofsaufsicht, die allein nicht mehr Herr wurde über die

Friedensstörer, hat Schilder anbringen lassen: »Einwohner, schützt

eure Anlagen!« Mittlerweile hat aber der geschändete Garten eine Art

Selbstschutz begonnen. Eine Hecke, riesengroß, wächst um die Gräber.

Brombeerranken wehren mit spitzen Dornen die Eindringlinge, Efeu und

hohe Farnkräuter bilden einen Vorhang vor den steinernen Engeln. Über

die Wege wuchern Kletten, lange Ruten der Holunderbüsche. Irrgarten

ist der Eliasfriedhof, vor allem in seinem östlichen Teil. Er macht es

jetzt selbst seinen Freunden schwer, sich mit ihm zu beschäftigen.

* * * * *

Wahrheit ist es: wir haben mitten in unsrer Stadt ein Stück Geschichte,

Kunstgeschichte, Romantik, wie nirgends sonst in Deutschland. Zwei

Jahrhunderte Dresden liegen eingesargt unter dem Efeu. Aller Zünfte

Vertreter, Leute aus allen Rats- und Gelehrtenstuben der Stadt wurden

hier begraben. Der bekannte Rechtskonsulent, der Sänger, der Soldat,

der Kapitän, der viele Meere befuhr und den letzten Hafen dann hier am

Ziegelschlage fand. Und jedem widmeten die Hinterbliebenen das ganz

persönliche Mal, die Inschrift, die, zart und herzlich, für keinen

anderen sonst Beziehung und Geltung hatte. Diese Menschen, denen alle

Kunst noch so nahe war, verwendeten gern große Summen darauf, die

letzte Stätte ihres Lieben würdig auszugestalten. Bei ersten Meistern

bestellten sie das kostbare Bildwerk und baten den berühmten Dichter

um ein gutes Wort auf den Sockel. So haben viele Permoserschüler den

Kirchhof ausgeschmückt, schuf Kirchner, der Realist, dessen Schlaf ein

mächtiger Saturn hier hütet, seine wuchtigen Male für dies Totenland.

Jene Menschen alter Tage wußten aber auch, wie schön der blühende

schattige Baum den Friedhof macht. Die Akazie pflanzten sie, die im Mai

die Gräber mit schwer duftenden Blüten beschneite, die Birke, die im

Herbst auf einen gebeugten Engel gelbseidige Blätter niederweht.

Wahrheit ist es zum andern: _Dies alles ist in mancherlei Gefahr._ Man

spricht und sprach so oft schon von Säkularisation, befand es seltsam

und rückständig, daß so ein kleiner nutzloser Gottesacker überhaupt

noch da wäre, auf kostbarem Grund und Boden inmitten der Stadt. Zu

befürchten steht, daß eines Tages der Friedhof mit Beil und Hacke

schnell und barsch beseitigt wird. Noch mehr: wird nicht die Natur

selbst das besorgen, womit die Menschen bis heute zögerten? Zoll um

Zoll versinken die Steine. Von Urnen und Säulen fällt Stück um Stück.

Wind und Wetter verwischen die Inschriften. Wird man in Kürze noch

lesen können, was Gottfried Körner seinem Freunde Naumann auf den

Denkstein dichtete? Da und dort brechen die Dächer der Grüfte ein,

nieder auf zerfallende Särge.

Nicht berührt sei hier die Frage nach dem Eigentumsrecht über den

Friedhof: wen die Schuld an seinem künftigen Schicksal treffe. Erwogen

nur sei, wie er, wie all sein unschätzbarer Wert für die Menschen

von heute – verständnisvolle Menschen – gerettet werden kann. Zu

fordern wäre einmal, daß der Eliasfriedhof offiziell unter den

Sehenswürdigkeiten der Stadt mit verzeichnet würde. Jedes Führerbuch

müßte von ihm wissen und seine Besonderheiten vermerken. Der Strom

der Fremden, nach so manchen schönen Zielen gelenkt, müßte auch

durch seine Gräberreihen geführt werden; wieviele würden, gefaßt vom

melancholischen Reiz dieser Stätte, stärkste Eindrücke mit heimnehmen!

Zu fördern wäre, daß ernste Veranstaltungen, häufiger noch als bisher,

den alten Friedhof sich zum Rahmen wählten. Man hat, mit viel Glück,

Johannisfestfeiern, gelegentliche Abendgottesdienste hier einzubürgern

versucht, und neulich hielt, feierlich zwischen den gesunkenen Malen,

ein Pfadfinderführer mit seinen Jungen eine Andacht. Vor soviel Reinem,

Gutem würde ganz von selbst dann alles laute Wesen, würden die bösen

Geister des brutal Zerstörenden weichen. Aufgerufen seien die Lehrer,

die jetzt schon manchmal mit ihren Kindern kamen, seien Heimat-,

Künstlervereine, sich des alten Friedhofs anzunehmen und wenigstens die

Erinnerung an ihn für spätere Zeiten zu retten. Noch gibt es so viele

merkwürdige und beziehungsreiche Inschriften berühmter Grabstätten,

leicht zu lesen und zu merken, die niemand bisher aufzeichnete, viele

Steine und Säulen, idyllisch zwischen den grünen Büschen, die bisher

keines Malers Stift und Pinsel, keine photographische Platte festhielt.

Vielleicht auch fände sich mancher Kunstfertige und Geschickte, der es

vermöchte, Sinkendes neu zu befestigen, verblichenen Glanz behutsam zu

erneuern!

Volkstümliche Kinderpoesie in Oschatz

Von Studienrat _Emil Zeißig_ in Oschatz

Die _Volkskunde_ erblickt im Kinderspiel ein Stück Volksleben, in der

Kinderpoesie ein Reis der Volkspoesie. Daher ging schon oftmals von den

in mehreren deutschen Ländern bestehenden »Vereinen für Volkskunde« die

Anregung aus, volkstümliche Kinderreime aller Art ausfindig zu machen,

die sich wie Volkslieder von Mund zu Mund, von Geschlecht zu Geschlecht

forterben. Die Verse stammen, wie _Hermann Dunger_ (Dresden), der

Sammler der »Kinderlieder und Kinderspiele aus dem Vogtlande« meint,

»zum Teil aus alter Zeit. Daher sind sie für die Kulturgeschichte von

hohem Werte. Sie sind eine Quelle für die Kenntnis des Götterglaubens

unsrer heimischen Vorfahren; uralte Gebräuche spiegeln sich darin

noch ab, wie in den Wundersagen, den Blumenorakeln, den Ringelreihen,

in denen wir Reste altheidnischer Tänze zu Ehren der Götter zu

erkennen haben«. In verschiedenen Gegenden Deutschlands hat man die

Kinderdichtungen zusammengesucht.

Zweitens schenkt die _deutsche Sprachwissenschaft_ den Kindersprüchen

Beachtung. Der Leipziger Sprachforscher _Rudolf Hildebrand_, der

im Volkstümlichen den gesunden Boden auch für alle höhere Bildung

fand, erkannte in den Kinderreimen einen köstlichen Schatz unsrer

deutschen Volkspoesie. Er hat solche Reime (z. B. in der »Zeitschrift

für deutschen Unterricht«) für seine Wissenschaft fruchtbar gemacht

und daraus geradezu die Grundlagen echt deutscher Metrik und

Rhythmik abgeleitet. Auch andren Vertretern des Deutschen wurde ein

unscheinbares Verslein oft der Ausgangspunkt zu einer weit über

Jahrhunderte hinreichenden sprachgeschichtlichen Untersuchung.

Endlich interessiert sich die _Schule_ für die Kinderdichtungen. Sie

strebt ja dahin, das kindliche Denken und Fühlen, Wollen und Handeln

günstig zu beeinflussen. Die Lehrer müssen deshalb die Kinder vielfach

beobachten, studieren. Das Innenleben des Menschen äußert sich nicht

zum geringsten Teil im Sprechen, dessen Ausbildung und Pflege ja

auch im Pflichtenkreise der Schule liegt. Das Kinderstudium[1] führt

also unmittelbar zur Erkundigung des Sprachlebens. Wer fleißig auf

die Kindersprache achtet, dem fällt unter anderm bald eine Menge

altüberkommenes und in allen deutschen Gauen verbreitetes Volksgut

in Form von Versen auf. Besonders seit 1910 haben mich (weniger

volkskundliche und sprachwissenschaftliche Gründe als) schulische

Zwecke veranlaßt, diejenigen Reime zu sammeln, die die Kinder der

Oschatzer Seminarschule im Munde führten. Nicht wenige Abcschützen

vermochten sechs und mehr solcher Verse vorzutragen. Vor allem bei dem

Spiel, dem eigentlichen Lebenselement der Kinder, ergab sich mit der

Zeit eine erkleckliche Zahl Reime. Manche Verse habe ich Kindern auf

der Straße und Wiese abgelauscht. Nicht jedes Jahr waren dieselben

»poetischen Gebilde« zu vernehmen. Auch hier gibts ein Kommen und Gehen.

Diejenigen Verse, die ich Jahr für Jahr seit 1910 in Oschatz vorfand,

sollen so, wie ich sie gehört habe, hier geboten werden. Rohes,

Anrüchiges bleibt unberücksichtigt. Die mundartlichen Ausdrücke sind

meist im Hochdeutsch gegeben. Es mögen sich auch die Oschatzer Kinder

und Erwachsenen im Reimschmieden ein wenig versucht haben, denn in

manchen Straßen und Stadtteilen waren gewisse Verse nach Wortlaut und

Länge verschieden, was die in Klammern eingefügten Worte zum Ausdruck

bringen.

Wie schon gesagt, sind viele der ermittelten Kinderreime auch

in anderen Gegenden unter der Jugend heimisch, wenn auch in

abweichender Ausdrucksweise. Schon die Mundart führt zu sprachlichen

Verschiedenheiten.

Nicht jeder Leser wird von der Kinderpoesie nach Inhalt und Form erbaut

sein. In vielen Fällen mag der Zwang nach den Regeln: »Reim dich, oder

ich freß dich« und »Reimt sichs nicht, so paßt es doch« maßgebend

gewesen sein. Die ungereimtesten Dinge müssen sich eben reimen. Jedoch

die Schuljugend allerorten findet größtes Wohlgefallen an bloßen Worten

und Reimspielereien, am Mischmasch zusammengewürfelter Personen und

Dinge, an tollen Gedankenverbindungen und logischen Flohsprüngen, nicht

zuletzt am Schelmischen und Derben. Die Verse sind für die Kinderwelt

weniger Gedanken- als Ohrenweide, ein unbewußter Genuß an Rhythmus und

Reim. Sie enthalten ja auch mitunter wunderliche Wortbildungen, lose

aneinandergereihte Laute, die sich überhaupt nicht erklären lassen, die

aber für die Knäblein und Mägdlein ein Hauptspaß sind.

Meine Zusammenstellung betrifft 1. _Abzählreime_, 2. _Liedertexte_,

hauptsächlich für Spiele, und 3. _Scherz-_ (Neck- und Spott-) _Verse_.

=I. Abzählreime=, die meistens zur Ermittlung des Haschers dienen.

1.

Jene, diene (titsche) tatschen,

Eine ins Gesichte (oder: auf die Backe) klatschen.

Eine noch dazu, und die kriegst du.

Kürzere Form:

Jene, diene, dinn,

Und du mußt (auch noch: ohne Widerrede) sinn.

2.

Auf einem See, See, See,

Da schwamm ein Reh, Reh, Reh,

Und auch ein Pferd, Pferd, Pferd,

Das schwamm verkehrt, kehrt, kehrt.

Jene, diene (sch)wapp, (sch)wapp, (sch)wapp,

Und du schiebst ab, ab, ab.

Einfache Weise:

Auf einem See, da schwamm ein Reh,

Jene, diene, wapp, und du bist ab.

3.

Eine kleine Kaffeebohne reiste nach Amerika.

Amerika war zugeschlossen,

Schlüssel, der war abgebrochen.

Wie heißt du?

Wen das Wort »du« trifft, der gibt seinen Knaben- oder Mädchennamen an,

und der Abzählreim heißt nun beispielsweise weiter:

Wilhelm (oder: Lotte) wollte Locken haben,

Mußt er (oder: sie) erst den Papa fragen,

Papa sagte: »Nein.« Fing er (sie) an zu wein (oder: schrein)

Mama sagte: »Ja.« War die Freude (wieder) da.

4.

Ich und du, Müllers Kuh

Bäckers Esel, der bist du.

5.

Eine kleine Piepmaus ging ums Rathaus,

Wollte sich was kaufen, hatte sich verlaufen.

I, a, u, raus bist du.

Du bist nicht raus, sondern du.

6.

Wir machen nicht (oder: keinen) großen Mist,

Und du bist –.

7.

Auf ein’ Klavier, da steht ein Glas Bier.

Wer das trinkt, der stinkt.

8.

1 2 3 4 5 6 7,

Meine Mutter kochte (oder: schnitt die) Rüben.

Meine Mutter schnitt den Speck,

Kam die Katz (oder: Maus), und fraß ihn weg.

Erste Nebenform:

1 2 3 4 5 6 7,

Eine alte Frau kocht Rüben,

Eine alte Frau schnitt Speck,

Und du bist weg.

Zweite Nebenform:

1 2 3 4 5 6 7,

Geht nur nicht in meine Rüben

Sucht nur nicht die besten (oder: größten) raus

Sonst komm ich mit der Knute (oder: Rute, Stock, Peitsche) raus.

9.

1 2 3 4 5,

Strick mir ein Paar Strümpf,

Nicht zu groß und nicht zu klein,

Sonst mußt du der Haschmann sein.

10.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13,

Wie hoch steht der Weizen?

So hoch wie ein Bauernhaus.

Zuckermännel, Zuckermännel (oder: Zuckernuttel), du bist raus.

Öfters heißt es von Zeile zwei ab:

Wie hoch steht das Taubenhaus?

Guckt die Mutter Maria raus.

I, a, u, raus bist du.

Andre sagen von Zeile zwei ab:

Wie hoch steht das Bauernhaus?

Da guckten drei schöne Mädchen raus.

Die erste spielt mit Kreide,

Die zweite spielt mit Seide,

Die dritte schließt den Himmel auf,

Da guckt Maria und Joseph raus.

11.

Eine kleine Dickmadam fuhr in einer Eisenbahn.

Eisenbahne krachte, Dickmadame lachte,

Lachte, bis der Schutzmann kam

Und sie mit zur Wache nahm.

Ix ax ennen, du kannst rennen.

12.

1 2 3 4 5 6 7,

In der Straße Nummer sieben

Wackelt das Haus, piept die Maus.

Hüpft der Frosch (oder: Floh) zum Fenster raus.

I, a, u, raus bist du.

Du bist nicht raus, sondern du.

Mitunter wurde von Zeile vier ab vorgebracht:

Hüpft der Frosch zum Fenster raus,

Hüpft er auf den Stein,

Bricht er das Bein.

Hüpft er auf die Brück,

Bricht er das Genick.

Hüpft er auf den Dreck,

Patsch, war er weg.

13.

In der Lonnewitzer Straße kam der Wurstelmann gesaust.

Warum kam er denn gesaust?

Weil er Würste hat gemaust.

Ix ax ennen, und du kannst rennen.

14.

6 mal 6 ist 36.

Ist der Mann auch noch so fleißig,

Ist die Frau sehr liederlich,

Geht die (ganze) Wirtschaft hinter sich.

I, a, u, raus bist du.

Du bist nicht raus, sondern du.

Mitunter wurde den Wörtern »hinter sich« noch angefügt:

Wollt die Mama den Kaffee kochen,

Hat die Frau den Topf zerbrochen.

Wollt der Mann den Zwieback holen,

Hat die Frau das Geld gestohlen.

15.

Schwarz, weiß, rot,

Und du bist tot.

16.

In einer Kanne Wasser,

In einer Kanne Rum,

Und du bist dumm.

17.

1 2 3, Butter auf das Brot,

Salz auf den Speck, und du bist weg.

18.

1 2 3, in der Ziegelei (oder: Ziegeldeckerei)

Wird ein kleines Kind geboren.

Wie soll es heißen?

Frieda Martha Rumpelkasten.

Wer will mir die Windeln waschen?

Ich oder du? Raus bist du.

19.

1 2 3 4 5 6 7,

Wo ist denn mein Schatz geblieben?

Ist nicht hier, ist nicht da,

Ist in weit Amerika.

I, a, u, raus bist du.

20.

1 2 3, Schieferdeckerei.

Schieferdeckerkompagnie, und du bist ein dummes Vieh.

Warum bist du fortgelaufen und schon wieder da?

Darum mußt du Strafe zahlen (oder: haben) 25 Jahr.

Um was woll’n wir wetten? Um drei (oder zwei) goldne Ketten

Um zwei Flaschen Wein. Wer soll der Haschmann sein?

Manchmal lauteten die letzten zwei Zeilen so:

Wir woll’n wetten um drei goldne Ketten,

Um ein Schöppchen Wein, und du mußt es sein.

21.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10,

Was willst du sehn?

Sand oder Blut? Du bist dem Herrn Jesus gut.

22.

Auf einem (hohen) Berg, da zankten sich zwei Zwerg

Um einen halben Kloß. Da ging der Geier (oder: Teufel) los.

Hopp drüber weg, hopp drüber naus,

Und du bist raus.

Nebenform:

Auf einem Berg, da kampeln sich zwei Zwerg.

Um eine Lerch; das ist ein Gewärg.

I, a, u, raus bist du.

Du bist nicht raus, sondern du.

23.

1 2 3 4 5 6 7,

Wo sind die Franzosen blieben?

Zu Moskau in dem tiefen Schnee,

Da riefen alle: O weh, o weh!

Wer hilft uns aus dem Schnee?

Ix ax ennen, und du kannst rennen.

24.

Mein Vater wollt ein Rad beschlagen.

Wieviel Nägel braucht er dazu?

Rate, rate du, und schließ die Augen zu.

Das Kind, auf das »zu« kommt, nennt eine beliebige Zahl, die abgezählt

wird, um den Hascher zu ermitteln.

25.

Ringel, Ringel, Rosen,

Was singen die Franzosen?

Guten Tag, Mama. Guten Tag, Papa.

Hippelda, huppelda, rassassa.

I, a, u, raus bist du.

26.

1 2 Polizei, 3 4 Osterei (Offizier).

5 6 alte Hex, 7 8 gute Nacht.

9 10 Wiedersehn, 11 12 Herr hilf.

13 14 blaue Schürzen, 15 16 weiß ich nicht.

17 18 kann ich nicht, 19 20 hatten die Soldaten einen Tanzig

I, a, u, raus bist du.

Ältere Kinder schoben nach »Tanzig« folgende Zeilen an:

Der Tanz fing an zu brennen,

Die Soldaten mußten rennen

Ohne Strumpf und ohne Schuh

Immer fest nach Frankreich zu.

In Frankreich war ein wildes Schwein,

Das biß dem Hauptmann sehr ins Bein.

Der Hauptmann schrie: O weh, o weh!

Mir tut das linke Bein so weh!

Da kam der dicke Hampelmann

Und klebt das Bein mit Spucke an.

Mehrere Male war zu hören:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20.

Die Franzosen zogen nach Danzig.

Danzig fing an zu brennen;

Da mußten die Franzosen rennen

Ohne Schuh und ohne Strümpf nach ihrer Heimat zu.

Dort war ein Schwein,

Das biß dem Hauptmann in das Bein.

Da schrie der Hauptmann: O weh, o weh!

Mein linkes Bein, das tut so weh!

Da kam der Doktor Hampelmann

Und klebt es ihm mit Spucke an.

27.

1 2 3 4 5 6 7 8,

Ein Jäger ging auf die Jagd.

Wieviel Hasen schießt er tot?

Das Kind, das das Wort »tot« trifft, gibt irgendeine Zahl an, die zur

Entdeckung des Haschers abgezählt wird.

28.

In einem Tintenfäßchen,

Da saß ein Herkuleschen.

Wie sah es aus?

Ein Kind nennt eine Farbe, z. B. grün. Das Weiterzählen folgt nach den

Lauten _grün_.

Ab und zu war noch eine andere Form mit folgendem Wortlaut zu hören:

In einem Tintenfaß,

Da saß ein kleiner Nikolas.

Wie sah er aus? Und du mußt raus.

29.

Ein Soldat will Urlaub haben.

Muß er erst den Hauptmann fragen.

Hauptmann sagte: Nein. Eine Flasche Wein.

Eine Flasche Rum, und du bist dumm.

30.

Auf dem Berge Sinai

Wohnt der Schneider Kikriki.

Klopft sich seine Hosen aus,

1 2 3 und du bist raus.

Dann und wann lautete die Schlußzeile:

1 2 3, hüpft ein kleiner Floh heraus.

31.

Morgens früh um sechs kommt die alte Hex.

Morgens früh um sieben schabt sie gelbe Rüb’n.

Morgens früh um acht wird der Kaffee gemacht.

Morgens früh um neun geht sie in die Scheun.

Morgens früh um zehn holt sie Holz und Spän.

Feuert an um elf, kocht dann bis um zwölf.

Fröschelein, Krebs und Fisch,

Hurtig, Kinder, kommt zu Tisch!

I, a, u, raus bist du.

Du bist nicht raus, sondern du.

Ix ax ennen, und du kannst rennen.

32.

1 2 3 4 5 6 7,

Peter, Paulus hab’n geschrieben.

Einen Brief nach Paris.

Er soll holen drei Pistolen.

Eins für mich, eins für dich,

Eins für’n Onkel Ludewig.

33.

1 2 3 4, der Knecht holt Bier.

Der Herr trinkt daraus, und du mußt raus.

34.

1 2 3 4 5 6 7,

Wo ist denn mein Mann geblieben?

Was hat er für Hosen an?

Blaue! Das ist mein Mann.

Jene, diene, wapp, wapp, wapp,

Und du bist ab.

35.

Jene, diene, danne,

Schwarze Kaffeekanne.

Einmal hin und einmal her,

Und du bist der (große) Zottelbär.

Kratz mir die Augen aus,

Und du bist raus.

36.

Ich ging einmal nach Enge(l)land,

Begegnet’ mir ein Elefant.

Elefant mir Gras gab,

Gras ich der Kuh (oder: Muh) gab,

Kuh mir Milch gab,

Milch ich der Mutter gab,

Mutter mir ein’ Dreier gab,

Dreier ich dem Bäcker gab,

Bäcker mir ein Brötchen gab,

Brötchen ich dem Fleischer gab,

Fleischer mir ein Würstchen gab,

Würstchen ich dem Hündchen gab,

Hündchen mir ein Pfötchen gab,

Pfötchen ich der Köchin (oder: Magd) gab,

Köchin mir eine Schelle gab,

Daß ich in der Ecke lag.

Von Zeile neun ab heißt es auch kürzer:

Brötchen ich dem Hündchen gab,

Hündchen mir ein Pfötchen gab,

Pfötchen ich der Köchin gab,

Köchin mir eine Schelle gab.

=II. Liedertexte=, die meist von Mädchen bei ihren Kreis- und

Reihenspielen gesungen werden.

1.

Ringel, Ringel, Reihe,

Sind der Kinder dreie,

Sitzen unterm Hol(un)derbusch (auch: Hollerbusch)

Und machen alle: Husch, husch, husch.

2.

Es fuhr ein Bauer ins Holz,

Es fuhr ein Bauer ins Holz,

Heisa, Viktoria! Es fuhr ein Bauer ins Holz.

Der Bauer nahm sich ein Weib,

Der Bauer nahm sich ein Weib,

Heisa, Viktoria! Der Bauer nahm sich ein Weib.

Der Fortsetzung liegen folgende Sätze zugrunde:

Das Weib nahm sich eine Magd.

Die Magd nahm sich ein Kind.

Das Kind nahm sich ein’n Hund.

Der Hund nahm sich eine Wurst.

Die Schlußzeile lautet:

Heisa, Viktoria! Die Wurst wird ausgelacht.

3.

Ich sollt’ meiner Mutter eine Nähnadel holen.

Das tat ich nicht, das tat ich nicht.

Da kam der Stock und prügelte mich.

Da hüpft (hoppt) ich in die Höh’, da hüpft (hoppt) ich in die Höh’,

Auf einmal fiel ich hin.

4.

Taler, Taler, du mußt wandern,

Von dem einen zu dem andern.

O wie schön, o wie schön

Läßt sich dieser Taler drehn!

5.

Im Keller, im Keller soll’s finster sein,

Da scheint weder Sonne noch Mond hinein,

Setzt nieder, setzt nieder!

Hat’s schön gemacht, hat’s schön gemacht,

Drum wird sie auch nicht ausgelacht.

Oder:

Hat’s schlecht gemacht, hat’s schlecht gemacht,

Drum wird sie auch recht ausgelacht.

6.

Wir woll’n die Meißner Brücke bau’n.

Wer hat sie denn zerbrochen?

Der Goldschmied, der Goldschmied mit seinen sieben Töchterlein.

Kriechet alle, alle durch!

Der letzte soll gefangen sein mit Spießen und mit Stangen.

7.

Häschen in der Grube

Sitzt da und schlief.

Armes Häschen, bist du krank,

Daß du nicht mehr hüpfen kannst?

Häschen hüpf, Häschen hüpf!

8.

Ringel, Ringel, Rosen,

Schöne Aprikosen,

Veilchen und Vergißmeinnicht.

Alle Kinder setzen sich. Kikeriki!

9.

Ringel, Ringel, Rosenkranz,

Wir treten auf die Kette.

Daß die Kette klingen (oder: klingeln) soll.

Fräulein Ilse (oder: Gretel ...) dreht sich um.

So klar wie ein Haar,

(Oder: Rein und klar wie ein Haar)

(Oder: So zart wie ein Haar)

Hat gesponnen sieben Jahr.

Sieben Jahre um und um,

Fräulein Ilse dreht sich um.

10.

Ringel, Ringel, Rosenkranz,

Der Töpfer macht den Ofen ganz.

Er gießt in Topf viel Wasser rein,

Da fällt der ganze Ofen ein.

11.

Ringel, Ringel, Rosenkranz,

Setz ein Töpfchen Wasser rein,

Morgen woll’n wir waschen,

Große Wäsche, kleine Wäsche,

Allerhand sehr schöne Wäsche. (Kikerikiki!)

12.

Ringel, Ringel, Rose,

Zucker in der Dose.

Eier in dem Kasten,

Morgen woll’n wir fasten.

Übermorgen Lämmchen schlachten,

Das soll rufen: Mäh.

13.

Ist die schwarze Köchin da? Ja, ja, ja!

Das eine Mal muß sie marschier’n,

Das zweite Mal den Topf verlier’n,

Das dritte Mal komm mit,

Du alter, böser Strick!

14.

Liebe Schwester, tanz mit mir.

Meine (Beide) Hände reich ich dir.

Einmal hin, einmal her,

Rund herum, das ist nicht schwer.

Ei, das hätt ich nicht gedacht,

Ei, das hast du schön gemacht.

Einmal hin, einmal her,

Rund herum, das ist nicht schwer.

Noch einmal das schöne Spiel,

Weil es mir so schön gefiel.

Einmal hin, einmal her,

Rund herum, das ist nicht schwer.

Kleinere Kinder singen oft nur die erste Strophe, größere fügten der

zweiten Zeile jeder Strophe noch folgendes an.

Mit den Füßen trapp, trapp, trapp,

Mit den Händen klapp, klapp, klapp.

Einmal hin, einmal her,

Rund herum, das ist nicht schwer,

Mit dem Köpfchen nick, nick, nick,

Mit den Fingern tick, tick, tick.

Einmal hin, einmal her,

Rund herum, das ist nicht schwer.

15.

Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh,

Sie trinken ihr Fläschchen (oder: ein Schnäpschen)

und machen’s dann so:

Erst dreht sich das Weibchen, dann dreht sich der Mann,

Sie fassen sich beide und tanzen zusamm’.

16.

Ri ra rutsch, wir fahren in der Kutsch.

Wir fahren nach Amerika.

Und wenn das große Wasser kommt,

Da kehr’n wir wieder um.

17.

Der Sandmann ist da.

Er hat so schönen weißen Sand

Und ist den Kindern wohlbekannt

Der Sandmann ist da.

18.

Auf der Altenburger marsch, marsch, marsch,

Bei Wind und Wetter. Herr Professor!

Still gestanden! Halt!

19.

Klinglingling (oder: Linglingling), die Post ist da!

Klinglingling, nach Afrika.

Klinglingling, noch einen Schritt,

Klinglingling, und du kommst mit.

20.

Auf der Eisenbahn wohnt ein schwarzer Mann,

Brennt ein Feuerlein an.

Kinderlein, Kinderlein, hängt euch dran!

Wer kein Geld hat, darf nicht mit.

21.

Blauer, blauer Fingerhut,

Steht der Ilse (oder: Hedwig ...) gar so gut.

Ilse, die soll tanzen

Auf dem grünen Rasen.

Ilse, die muß niederknie’n,

Und sich eine rüberziehn.

22.

Wir öffnen das Taubenhaus,

Die Täubchen, die fliegen so wonnig heraus.

Sie fliegen in die weite Welt,

Wo’s ihnen da draußen so wohl gefällt.

Und kehren sie heim zur süßen Ruh,

So schließen wir wieder das Taubenhaus zu.

23.

Der Zaun, der wird geflochten.

Meine allerbeste Freundin mein!

Willst du mir helfen flechten?

So komm und flecht’ mir mit.

24.

10 20 30 40 50 60 70 80 90 100.

Die Soldaten stehen still,

Wie’s der Hauptmann haben will.

25.

Alle meine Entchen schwimmen auf der See,

Schwimmen auf der See.

Kopf unter Wasser, die Beinchen in die Höh’.

Ältere Kinder setzen fort:

Alle meine Täubchen fliegen übers Dach,

Fliegen übers Dach.

Klippklapp, klippklapp! fliegen übers Dach.

Alle mein Püppchen haben Hungersnot,

Haben Hungersnot.

Bisch, bisch, bisch! Haben Hungersnot.

26.

Meine Mutter schickt mich her,

Ob der Kuchen fertig wär.

Ist der Kuchen noch nicht fertig,

Komm ich morgen wieder her.

Und ein schönes Kompliment,

Und die Kuchen sind verbrennt,

Und die ganze braune Butter

Ist im Ofen rumgerennt.

27.

Januar, Februar, März, April und Mai,

Da kühlet sich das Wetter ab und schlägt auch manchmal ei(n).

So ich doch ein Mädchen bin, das ist mir sehr fatal,

Wenn ich doch ein Knabe wär, würd ich General.

Links, rechts abmarschiert, schultert das Gewehr!

Und wenn ein schneid’ges Fräulein kommt,

So mach ich mein Honneur.

28.

Zeigt her eure Füßchen, zeigt her eure Schuh,

Und sehet den fleißigen Waschweibern zu!

Sie waschen, sie waschen den ganzen Tag.

Zeigt her eure Füßchen, zeigt her eure Schuh,

Und sehet den fleißigen Waschweibern zu.

Sie ringen, sie ringen den ganzen Tag.

Unter Wiederholung der ersten zwei Zeilen heißt es weiter:

Sie bleichen, sie bleichen den ganzen Tag.

Sie spülen, sie spülen den ganzen Tag.

Sie tanzen, sie tanzen den ganzen Tag.

Sie plätten, sie plätten den ganzen Tag.

Sie trinken, sie trinken den ganzen Tag.

Sie nähen, sie nähen den ganzen Tag.

29.

Mariechen saß auf einem Stein, einem Stein, einem Stein,

Mariechen saß auf einem Stein, einem Stein.

Sie kämmte sich ihr goldnes Haar, goldnes Haar, goldnes Haar

Und als sie damit fertig war, fertig war, fertig war,

Da fing sie an zu weinen, weinen, weinen

Da fing sie an zu weinen, weinen.

Da kam ihr Bruder Karl herein ...

»Mariechen, warum weinest du?«

»Ich weine, daß ich sterben muß.«

Da kam der Bruder Heinrich rein,

Der stach Mariechen in das Herz,

Mariechen ward ein Engelein,

Und Heinrich ward ein Bengelein.

30.

Lasset die Berge Feuerflammen schlagen

Und die Bummderassassassa

Unsere Lotte (oder Else ...), die soll leben

Und mit ihr das ganze Lott’sche Haus!

Schenket ein Bier und Wein!

Morgen soll die Hochzeit sein.

31.

Machet auf das Tor, machet auf das Tor!

Es kommt ein goldner Wagen.

Wer sitzt darin, wer sitzt darin?

Ein Mann mit langen Haaren.

Was will er denn, was will er denn?

Er will die Tochter haben.

Was hat sie denn gemacht, was hat sie denn gemacht?

Sie hat ein Kind gestohlen.

Zietsche, zietsche aus, zietsche, zietsche aus,

Du hast ein Kind gestohlen.

32.

Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen,

Wie’s die kleinen Mädchen machen?

Püppchen wiegen, Püppchen wiegen,

Alles dreht sich herum.

Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen,

Wie’s die kleinen Jungen machen?

Peitschen knallen, Peitschen knallen,

Alles dreht sich herum.

Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen,

Wie’s die feinen Damen machen?

Löckchen brennen, Löckchen brennen,

Alles dreht sich herum.

Wollt ihr wissen, wollt ihr wissen,

Wie’s die feinen Herren machen?

Schnurrbart drehen, Schnurrbart drehen,

Alles dreht sich herum.

33.

Es kommt ein Herr mit zwei Pantoffeln. Ade, ade, ade!

Was will der Herr mit zwei Pantoffeln? Ade, ade, ade!

Er will sich eine Braut aussuchen.

Wer soll denn die Braut sein?

Gretel (oder: Anna ...) soll die Braut sein.

Die geben wir nicht, die geben wir nicht.

Die hol’n wir uns, die hol’n wir uns.

Da schließen wir die Läden zu.

Da brennen wir das Haus an.

Da holen wir die Polizei.

Die Polizei hat gar nichts zu sagen.

34.

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald,

Es war so finster und auch so grimmig kalt.

Sie kommen an ein Häuschen

Von Pfefferkuchen fein.

O weh! Da schaut eine alte Hexe raus.

Sie lockte die Kinder ins Pfefferkuchenhaus.

Sie streichelte sie gar lieblich.

Ihr Kinder, welche Not!

Sie wollte sie braten und buk dazwischen Brot.

Als nun die Hexe zum Ofen hineingeschaut,

Ward sie geschoben von unserm Gretelein.

Nun ist das Märchen von Hänsel und Gretel aus.

35.

Wenn ich Sonntags früh aufsteh,

Einen Schornsteinfegermeister seh,

Schau ich hin, und schau ich her,

Ob noch was zu fegen wär.

Trallalala, trallalala!

Schau ich hin, und schau ich her,

Ob noch was zu fegen wär.

Schwarz ist mein Gesicht wie Kohle

Von dem Scheitel bis zur Sohle.

Aber’s Herz ist frisch und frei,

Wie’s beim Schornsteinfegermeister sei.

Trallalala, trallalala!

Aber’s Herz ist frisch und frei,

Wie’s beim Schornsteinfegermeister sei.

=III. Scherzverse= (Neck- und Spottreime), die bei passenden und

unpassenden Gelegenheiten mehr singend als sprechend vorgebracht werden.

Wie von vielen Orten mit der Endsilbe _witz_ im Namen (z. B.

Schmannewitz bei Dahlen, Sörnewitz bei Meißen, Bannewitz bei Freital

Bezirk Dresden, Leipzig-Connewitz), so heißt es von unserm nahen

Lonnewitz:

1.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XII, Heft 10-12 · 第 1 / 6 段