WER HIER EINGEHT,
DESS’ NAM’ UND SEIN IST AUSGELÖSCHT.
ER IST VERWEHT
VON IHM IST NICHT EIN HAUCH ERHALTEN
IN DER WEITEN, WEITEN WELT.
ER KANN ZURÜCK NICHT GEHN,
NICHT VORWÄRTSSCHREITEN,
DA, WO ER STEHT, IST ER GEBANNT.
IHN KENNT NICHT GOTT UND KEINE HÖLLE.
ER IST NICHT TAG, ER IST NICHT NACHT.
ER IST DAS NICHTS, DAS NIE, DAS NIMMER.
ER IST ZU GROSS FÜR DIE UNENDLICHKEIT
UND IST ZU WINZIG FÜR DAS SANDKÖRNLEIN,
DAS SEINE ZIELE HAT IM WELTENALL.
ER IST DAS NIEGEWESEN
UND DAS NIEGEDACHT!
23
Nun betrachtete ich mir die Haifischjäger in der Nähe. Der Eindruck, den
ich von draußen gewonnen hatte, wurde keineswegs besser. Er wurde nicht
einmal schlimmer, sondern er wurde einfach vernichtend. Ich hatte
ursprünglich geglaubt, daß einige der Leute Neger und einige Araber
wären. Aber jetzt erkannte ich, daß sie nur unter Kohlenstaub und Dreck
so aussahen. Der Deckarbeiter steht ja nun auf keinem Schiff, die
russischen Bolschewistenschiffe vielleicht ausgenommen, in der gleichen
menschlichen Rangstufe mit dem Skipper. Wo sollte das aber auch
hinführen? Man könnte die beiden ja eines schönen Tages miteinander
verwechseln und herausfinden, daß der Deckarbeiter ein ebenso
intelligenter Mensch ist wie der Skipper. Zuweilen wäre das sogar noch
nicht einmal ein Beweis, daß der Deckarbeiter überhaupt Intelligenz
besitzt.
Hier gab es zweifellos sogar noch unter den Deckarbeitern Rangstufen. Da
waren Deckarbeiter ersten Grades, Deckarbeiter zweiter, dritter und
vierter Ordnung. Jene beiden Taschendiebe, die da standen, schienen
Deckarbeiter fünften Grades zu sein. Ich weiß nicht, welches
augenblicklich die unzivilisierteste Menschenrasse ist. Das wechselt ja
mit jedem Jahre, je nachdem, wie wertvoll oder wie wertlos, für andre,
das Land ist, wo diese Menschenrasse lebt. Aber diese beiden
Deckarbeiter würden bei jener unzivilisierten Rasse wohl noch nicht
einmal gebraucht werden können, um Kokosnüsse aufzuschlagen. So viele
Deckarbeiter, daß jeder Grad seinen rechtmäßigen Vertreter hier haben
konnte, hatte man für die Yorikke nicht auftreiben können. Infolgedessen
waren die Deckarbeiter des ersten, des zweiten, des dritten und des
vierten Grades nicht vertreten, nur zwei des fünften und drei des
sechsten Grades. Die Vertreter des fünften Grades habe ich geschildert,
die des sechsten kann ich nicht beschreiben, da ich sie mit nichts
vergleichen kann, was sich sonst auf Erden findet. Sie waren durchaus
Original, und ich muß mich damit begnügen, zu sagen, sie waren würdig
vertreten, und man glaubte es ihnen ohne Legitimation, daß sie der
sechsten Ordnung angehörten.
„Gauten Tahk!“ Der Anführer der Taschendiebe und der Jahrmarktsbetrüger
– halt, ich wollte sagen: der Anführer der Taschendiebe und der
Roßtäuscher kam auf mich zu. „Ich bing da zwiehte Inkscheneer. Disser
hier, was miehn Nachtbur ist, disser iehst da Dunkymänn.“ Das war ein
Englisch! – Ich muß es wohl zukünftig mehr in eine besser lesbare
Sprache übersetzen, um es verständlich zu machen. Er wollte mir
mitteilen, daß er der Zweite Ingenieur und damit mein direkter
Vorgesetzter sei, seit ich zur Schwarzen Bande gehörte, und daß sein
Nachbar, der an seiner Seite stand, der Donkeyman sei, also mein
Unteroffizier.
„Und ich,“ stellte ich mich nun selbst vor, „ich bin der Generaldirektor
der Kompanie, die diesen Eimer besitzt, und ich bin an Bord gekommen, um
euch Burschen ordentlich Beine zu machen.“
Denn wenn die beiden glaubten, sie könnten mich aufziehen, dann müssen
sie sich schon einen andern suchen, nicht gerade einen, der schon als
Küchenjunge fuhr, als seine Altersgenossen noch das Abc lernten. Mit
solcher Vanille müßt ihr mir nun nicht kommen, dann haben wir den
rechten Ton gleich von der ersten Wache an und werden nicht viel
gewürzte Schokolade miteinander trinken.
Aber er hatte nicht begriffen, was ich gesagt hatte; denn er sprach
weiter: „Gehen Sie zum Quartier und suchen Sie sich Ihre Bunk.“
Ja, da fallen mir aber doch die Holzschindeln vom Dach, der wird doch
nicht etwa im Ernst geredet haben und ist tatsächlich der Zweite
Ingenieur und mein Vorgesetzter, dieser ausgebrochene Galeerensträfling?
Als hätte mich jemand mit einer Keule über den Schädel gehauen, so
torkelte ich nun zum Forecastle, zum Quartier.
Ein paar Mann lagen faul in ihrer Bunk. Als ich hereinkam, sahen sie
mich schläfrig an, ohne irgendein Interesse oder irgendein Erstaunen zu
zeigen. Solche unerwarteten Auffrischungen der Mannschaft schienen zu
oft vorzukommen, als daß sie wert gewesen wären, sie zu beachten. Ich
habe später einmal gehört, daß in einem Dutzend Häfen, die Yorikke
gelegentlich anzulaufen pflegte, immer zwei oder drei Mann am Ufer
lagen, die aus diesem oder jenem Grunde kein andres Schiff kriegen
konnten oder unbedingt fort mußten, weil die Kaie zu heiß wurden, und
nun täglich beteten: „O Herr der Schiffe und Heerscharen, laß’ die gute
alte Yorikke hereinkommen!“ Denn auf der Yorikke fehlten immer zwei oder
drei Mann, und ich bin sicher, daß die Yorikke noch nie in ihrem
urlangen Leben jemals mit voller Mannschaft gefahren ist. Man sagte der
Yorikke auch sonst noch etwas Häßliches nach. Es wurde behauptet, ihr
Skipper sei schon viele, viele Male zu den Galgen gegangen und habe die
Gehenkten untersucht, ob nicht noch ein Fünkchen Leben in ihnen
zurückgeblieben sei und sie noch so viel Atem hätten, um ein Ja zu
flüstern und angemustert zu werden für die Yorikke. Diese Nachrede ist
häßlich, das weiß ich, aber sie ist nicht aus der Luft gegriffen und
keiner Katze aus dem Ohrläppchen gesaugt. Ich fragte nach einer leeren
Bunk. Einer der Leute deutete mit dem Kopfe nach einer oberen Schachtel.
Ich fragte, ob auch niemand drin verreckt sei. Der Mann nickte und sagte
dann: „Die untere Kommode ist auch frei.“
So nahm ich die untere. Der Mann verlor jegliches Interesse an mir und
meinem Tun.
In der Bunk war keine Matratze, kein Strohsack, kein Kissen, keine
Decke, kein Bettuch. Nichts. Nur das nackte wurmstichige Holz. Und sogar
an dem Holze hatte man jeden Millimeter gespart, der nur gerade noch
abzusparen war, damit man den Koffer für menschliche Gebeine noch Bunk
nennen könne und nicht etwa einen Schirmkoffer. In jedem der beiden
Bunks, die meinem gegenüber lagen, der eine oben der andre unten, lagen
Lumpen und zerrissene alte Säcke. Das waren die Matratzen für die
Mannschaften, die jetzt auf Wache waren oder auf dem Deck
herumlungerten. Als Kissen hatten sie altes Tauwerk. Daß man auf altem
Tauwerk schlafen könnte, mußte also doch keine Sage aus fernen Zeiten
sein. In der Bunk, die über der meinen lag, in der also einer kürzlich
verreckt war, vielleicht gestern erst, lagen keine Lumpen. Wenn ich auf
meiner Bunk saß, so konnte ich die gegenüberliegende Bunk erreichen,
ohne daß ich die Beine hätte lang ausstrecken brauchen. Ich stieß
bereits mit den Knien an, während ich hier saß. Der Schiffsbauer war ein
guter Rechner gewesen. Er hatte ausgerechnet, daß auf einem Schiff immer
ein Drittel oder manchmal gar die Hälfte der Mannschaft auf Wache ist in
der Zeit, wo die Bunks im Gebrauch sind. Aber es traf sich, daß wir drei
Mann, die wir in diesem Abteil wohnten, alle dieselbe Wache hatten, so
daß wir alle zu gleicher Zeit uns hier in diesem Raum, der zwischen den
Bunks kaum einen halben Meter breit war, aus- und ankleiden mußten.
Dieses Gewimmel von sich bewegenden Armen, Beinen, Köpfen und Schultern
wurde noch unübersichtlicher, als in einem Nachbarquartier ein Mann mit
seiner Bunk herunterbrach und die gebrauchen mußte, wo der eine verreckt
war. Wie sich das ja immer so fügt, so war es auch hier; der neue
Quartierbewohner gehörte mit zu unsrer Wache, und nun waren die
Einzelheiten des Gewimmels beim An- und Auskleiden überhaupt nicht mehr
zu unterscheiden. Wenn es gar zu arg durcheinanderging, so daß die
Schiffsglocke schon die Wache ausrief, dann schrie der eine oder der
andre plötzlich ein brüllendes Halt! aus, bei dem nach stillem
Übereinkommen jeder von uns still hielt für die Dauer einer Sekunde.
Dieses Halt! durfte nicht unnützlich geführt werden, sondern nur dann,
wenn einer in höchster Not war, daß er seinen linken Arm verloren hatte
oder sein rechtes Bein sich mit dem linken Bein eines der andern
Insassen so vertauscht hatte, daß man ohne dieses Halt! nie
herausgefunden hätte, daß der Martin mit dem rechten Bein des Bertrand
auf Wache ging, während Bertrand erst bei Tagesanbruch merkte, daß er
die ganze Wache hindurch mit der rechten Hand des Martin und mit der
linken des Henrik das Ruderrad gequirlt hatte, während ich die Hände
Bertrands verdreckte und überhaupt nicht wußte, wer meine abnutzt.
Ernstere Folgen hatte es schon, wenn im trüben Halbschlummer der
rußenden Quartierlampe Bertrand mit seinem rechten Bein in das linke
Bein seiner eignen Hose stieg, während er mit seinem linken Bein voll
angezogen im rechten Bein der Hose Henriks steckte. Manchmal kostete es
zwei halbe Hosen, manchmal kostete es nach allen Seiten herumfliegende
Püffe, manchmal eine eingebrochene Bunk oder eine durchstoßene Tür.
Immer aber kostete es eine ganze Freiwache Streitens und Zankens, um
festzustellen, wer zuerst in das falsche Hosenbein gestiegen sei,
wodurch der Unschuldige gezwungen wurde, sich rasch nach einem freien
Hosenbein umzusehen, damit er nicht etwa mit einem unbekleideten Beine
auf die Wache zu gehen gezwungen war. Es ist in der Tat zweimal
vorgekommen, daß ein Hosenbein im Quartier zurückblieb, das beidemal von
seinem rechtmäßigen Besitzer erst vermißt wurde als der Morgen aufkam.
Es wäre ja vielleicht gegangen, wenn man sich geeinigt hätte. Aber wer
sollte denn der Ausgestoßene sein, der eine Minute früher aufzustehen
verdammt wurde? Beim Aufstehen begann ja gleich der wütende Streit
darüber, daß eine halbe Stunde zu früh geweckt worden sei, wodurch
gleich alle in die nötige Stimmung versetzt wurden, um jede
Einigungsverhandlung auszuschließen und im Keime zu ersticken. Dieses
Streiten und Wüten und Androhen, daß man der Wache das Zufrühwecken
schon anstreichen wolle, erreichte seinen Höhepunkt gerade immer dann,
wenn die Schiffsglocke die Wache aufrief. Dann paarte sich die Wut mit
Nervosität, daß man nicht fertig würde, und gleich mit einem Anranzer
die Wache beginnen müsse, weil der Hund wieder einmal zu spät geweckt
habe, was er aus reinem Schabernack täte, wenn man an und für sich schon
mit dem Zweiten nicht gut steht.
24
Elektrisches Licht hatte die Yorikke nicht; sie wußte offenbar in ihrer
Unschuld auch gar nicht einmal, daß es so etwas gäbe. Das Quartier war
erleuchtet von einer Petroleumlampe. Man muß diesen Leuchtapparat schon
so nennen. Es war ein verbeulter Blechbehälter mit einer
Kranzverschraubung, die aus Eisenblech war, die man aber durch
betrügerische Mittel so behandelt hatte, daß man glauben sollte, sie sei
aus reinem Messing. Vielleicht hat es eine Zeit gegeben, wo dieser
Betrug aufrechterhalten werden konnte. Aber weil jedes Kind weiß, daß
Messing nicht rostet und von jenem Messingkranz nur noch Rost
übriggeblieben war, der durch eine lange Gewohnheit in der Form eines
Zylinderkranzes zusammenhielt, so war der Betrug herausgekommen,
freilich zu einer Zeit, als die Lampe nicht mehr umgetauscht werden
konnte, weil die Garantie abgelaufen war. Die Lampe hatte auch einmal
einen Zylinder gehabt. Der winzige Rest dieses Zylinders konnte allein
nur dadurch als Überbleibsel eines brauchbaren Lampenzylinders
zweifelsfrei festgestellt werden, weil zuweilen die Frage durch das
Quartier schwirrte: „Wer ist denn heute dran, den Zylinder zu putzen?“
Es war nie jemand dran, und es ging auch nie jemand dran. Diese Frage
wurde auch nur aus alter Gewohnheit gestellt, um uns in dem Glauben zu
lassen, wir besäßen einen Lampenzylinder. Ich habe nie jemand gesehen,
der so viel Mut besessen hätte, „dran“ zu gehen. Er wäre nicht mehr
davongekommen. Eine leise direkte Berührung des Zylinders hätte ihn in
Staub zerfallen lassen, der Missetäter wäre dafür verantwortlich
gewesen, man hätte ihm den Zylinder von der Heuer abgezogen, und auf
diesem Wege hätte die Kompanie einen neuen Zylinder bekommen. Das Schiff
noch lange nicht. Irgendwo hätte sich schon ein Glasscherben gefunden,
der durch die Frage: „Wer ist denn heute dran?“ die Form eines Zylinders
bekommen hätte. Die Lampe selbst war eine der Lampen, die jene sieben
Jungfrauen getragen hatten, als sie auf der Hut waren. Unter solchen
Umständen durfte man nicht gut erwarten, daß sie ein Seemannsquartier
auch nur notdürftig erleuchten konnte. Der Docht war auch noch derselbe,
den eine Jungfrau aus ihrem wollenen Unterrock geschnitten hatte. Das
Öl, das wir für die Lampe faßten, und das aus betrügerischen Gründen
Petroleum, manchmal sogar Diamantöl genannt wurde, war schon ranzig, als
die Jungfrauen Öl auf ihre Lampen gossen. In der Zwischenzeit war es
nicht besser geworden. Bei dem traulichen, zu traulichen Schein dieser
Lampe, die laut Vorschrift die ganze Nacht hindurch im Quartier zu
brennen hatte und die erstickend schlechte Luft noch mehr verdickte,
weil sie nie brannte, sondern stets nur schmökte, sich an- und
auszukleiden, entweder müde zum Zusammenbrechen oder völlig
schlaftrunken durch ein handfestes Aufgerissenwerden, hätte in diesem
engen Raum zu größeren Katastrophen geführt als ich zu erzählen für gut
befunden habe, wenn nicht in den meisten Fällen abschwächende Umstände
vorhanden gewesen wären. Es werden ja selten Dinge auf die äußerste
Spitze getrieben. Um die Wahrheit zu gestehen, in den meisten Fällen
wurde weder ausgekleidet, noch angekleidet. Nicht etwa, daß wir nichts
zum An- und Auskleiden gehabt hätten. Das war es nicht. Etwas war schon
immer noch vorhanden, daß wir wenigstens den guten Willen zeigen
konnten. Aber was dann, wenn man weder eine Matratze, noch eine Decke,
noch sonst etwa etwas Ähnliches hat?
Als ich ankam, hatte ich in der Erinnerung an normale Boote gefragt:
„Wo ist denn die Matratze für meine Bunk?“
„Wird hier nicht geliefert.“
„Kissen?“
„Wird hier nicht geliefert.“
„Decke?“
„Wird hier nicht geliefert.“
Mich wunderte nur, daß die Kompanie überhaupt das Schiff lieferte, das
wir zu fahren hatten; und ich wäre nicht erstaunt gewesen, wenn man mir
gesagt hätte, das Schiff muß jeder selber mitbringen. Ich war an Bord
gekommen mit einem Hut, einer Jacke, einer Hose, einem Hemd und einem
Paar – als sie noch neu waren, hatten sie Stiefel geheißen. Heute konnte
man sie nicht gut so nennen, man würde es mir nicht geglaubt haben. Da
waren aber andre an Bord, die nicht so reich waren. Einer hatte
überhaupt keine Jacke, ein andrer überhaupt kein Hemd und ein Dritter
hatte keine Schuhe, sondern eine Art Mokassins, die er sich aus alten
Säcken, Kistendeckeln und Tauwerk gemacht hatte. Später erfuhr ich, daß
die, die am wenigsten hatten, beim Skipper am höchsten angesehen wurden.
Sonst ist es gewöhnlich andersherum. Aber hier, je weniger jemand hatte,
desto weniger unternahm er das Wagnis, auszusteigen und die gute Yorikke
ihrem Schicksal zu überlassen.
Meine Bunk war an der Korridorwand befestigt. Die gegenüberliegenden
Bunks waren an einer Holzwand befestigt, die das Quartier in zwei
Kammern teilte. An der andern Seite dieser Holzwand waren gleichfalls
zwei Bunks und diesen beiden Bunks gegenüber an der äußeren Bordwand
waren abermals zwei Bunks. Dadurch war es möglich gemacht worden, daß
dieses Quartier, das für vier ausgewachsene Menschen schon reichlich
knapp war, nun acht Leuten zum ständigen Wohnaufenthalt zu dienen hatte.
Jene Holzwand, die das Quartier in zwei Kammern teilte, war aber nicht
durch das ganze Quartier gezogen, weil sonst die Leute, die in der
äußeren, der Bordwandkammer lagen, zur Seitenluke hätten herauskriechen
müssen, die aber auch nicht groß genug war, daß sich jemand hätte
hindurchzwängen können. Diese Wand war also nur in zwei Drittel Länge
mitten durch den Raum gezogen, und da, wo diese Wand aufhörte, begann
der Meßraum, der Speisesalon. Laut Vorschrift muß der Meßraum von den
Schlafkammern getrennt sein. Das war hier vollkommen geglückt. Alle drei
Räume waren derselbe Raum, durch die Wand aber war dieser Raum in drei
Räume geteilt, wo eben nur die Türen immer offen waren. So hatte man
sich das zu denken, denn die Kammern hatten keine besondere Tür, das
Quartier hatte eine gemeinschaftliche Tür, die in den Korridor führte.
In jenem Meßraum stand der rohe Eßtisch, und an jeder Längsseite des
Tisches war eine rohe Bank. In einer Ecke, neben dem Eßtisch, stand ein
alter verbeulter Blecheimer, der immer leckte. Er war Wascheimer,
Badewanne, Scheuereimer alles in einer Gestalt. Außerdem diente er noch
andern Zwecken, darunter auch solchen, um schwerbesoffene Seeleute um
einige Kilo zu erleichtern, in den Fällen, wo der Eimer rechtzeitig
erreicht wurde. Wurde er zu spät erreicht, wachte gewöhnlich ein
Unbeteiligter in seiner Bunk auf, weil er von einem Wolkenbruch
heimgesucht worden war, der alles mögliche in die Bunk gebracht hatte,
das auf und unter der Erde erzeugt wird, mit der einzigen Ausnahme:
Wasser. Wasser war nicht dabei, bei diesem Wolkenbruch, no, Sir.
Da waren vier Kleiderspinde in diesem Quartier. Wäre es nicht der
verrotteten Lumpen und alten Säcke wegen gewesen, die darin hingen, so
hätte man die Spinde leer nennen können. Acht Mann lagen in diesem
Quartier, aber es waren nur vier Spinde drin. Vier Spinde zuviel, denn
wenn man nichts zum Reinhängen hat, braucht man auch kein Spind. Das war
ja auch der Grund, weshalb nur vier vorhanden waren. Es war von
vornherein ausgemacht, daß fünfzig Prozent der Mannschaft, die auf der
Yorikke fahren, nichts haben, das sich lohnen möchte, in einem Spinde
aufbewahrt zu werden. Türen hatten die vier Spinde nicht mehr, woraus zu
schließen war, daß hundert Prozent der Mannschaft keine Spinde
benötigten.
Die Bullaugen waren auffallend klein und trübe. Die Frage, wer sie zu
putzen hatte, tauchte zuweilen auf, aber niemand beantwortete sie mit
„ich“, und wenn sie einer mit „Sie“ oder mit „du“ beantwortete, so wurde
das unter Wutausbrüchen bestritten, bis man sich auf „er“ einigte. Wer
immer auch dieser Er sein mochte: wenn er genannt wurde, war er auf
Wache, konnte also an der Abstimmung dieser Frage nicht teilnehmen und
hätte jetzt übrigens auch gar keine Zeit gehabt, sich um ungeputzte
Bullaugen zu kümmern. Das Putzen des einen kam ja sowieso nicht in
Frage, weil das Glas ausgebrochen und die leere Stelle mit
Zeitungspapier verklebt worden war.
Das war der Grund, weshalb selbst bei hellem Sonnenschein das Quartier
in mysteriöse Dämmerung gehüllt war. Die beiden Bullaugen, die zum Deck
hinausführten, durften bei Nacht nicht geöffnet werden, weil das
Lampenlicht des Quartiers die Wache auf der Brücke störte. Deshalb stand
in dem Quartier die Luft still wie festgerammt, weil kein Durchzug war.
Jeden Tag wurde das Quartier gefegt von einem, der im Dreck stecken
blieb und seine Füße nicht mehr herausziehen konnte oder eine Nähnadel
oder einen Knopf verloren hatte. Einmal in der Woche wurde das Quartier
mit Salzwasser überflutet, was wir scheuern und schrubben nannten. Es
gab weder Seife, noch Soda, noch Bürsten. Wer sollte sie liefern? Die
Kompanie nicht. Und die Mannschaft hatte nicht einmal Seife, um sich ein
Hemd zu waschen. Man war schon selig, wenn man eine Krume Seife in der
Tasche trug, um sich das Gesicht zuweilen waschen zu können. Liegen
lassen durfte man die Krume nicht. Wenn sie wie ein Stecknadelknopf groß
gewesen wäre, irgend jemand hätte sie gefunden, behalten und nie
zurückgegeben.
Der Dreck war so dick und so hübsch festgetrocknet, daß man eine Axt
gebraucht hätte, ihn loszukriegen. Hätte ich je die Kraft gefunden, das
zu tun, ich würde mich darüber hergemacht haben. Nicht aus übertriebenen
Reinlichkeitsgefühlen, die gingen auf der Yorikke bald verloren, sondern
aus wissenschaftlichen Gründen. Ich trug in mir die feste Überzeugung,
und diese Überzeugung habe ich heute noch, daß, wenn ich nicht zu müde
gewesen wäre und den Dreck schichtweise abgemeißelt hätte, dann hätte
ich in den tieferen Schichten Geldmünzen der Phönizier gefunden. Was für
Schätze ich gefunden hätte, wenn ich noch einige Schichten tiefer
gedrungen wäre, wage ich gar nicht auszudenken. Vielleicht lagen da die
abgeschnittenen Fingernägel des Urgroßvaters des Neandertalmenschen, die
solange schon und so vergebens gesucht werden, und die so ungemein
wichtig sind, um festzustellen, ob der Höhlenmensch schon etwas von Mr.
Henry Ford aus Detroit gehört hätte, oder ob er imstande gewesen wäre,
auszurechnen, wieviel Dollar Mr. Rockefeller jede Sekunde verdient, wenn
er seine blaue Brille putzt, denn die Universitäten können nur dann auf
einen Privatzuschuß rechnen, wenn sie einen Teil der Reklame zu
übernehmen gewillt sind. Wenn man das Quartier verlassen wollte, so
hatte man einen dunklen lächerlich schmalen Korridor zu durchwandern. An
der gegenüberliegenden Seite unsers Quartiers lag ein ähnliches
Quartier, nicht genau so, nur ähnlich, weil es noch verdreckter, noch
muffiger und noch dunkler war als unsres. Das eine Ende des Korridors
führte auf das Deck, das andre zu einer Fallgrube. Ehe man diese
Fallgrube erreichte, waren zu beiden Seiten noch je eine winzig kleine
Kammer, die für den Zimmermann, den Bootsmann, den Donkeyman und noch
einen -mann bestimmt waren, die alle im Unteroffiziersrange standen, und
die deshalb ihre eignen Quartiere hatten, damit sie nicht dieselbe Luft
wie die gewöhnliche Mannschaft zu atmen verpflichtet waren, was der
Autorität hätte schaden können.
Die Fallgrube führte zu zwei Kammern, die eine war die Ketten- und
Rüstkammer, während die andre die Schreckenskammer genannt wurde. Es war
niemand auf der Yorikke, der behaupten konnte, er sei je in der
Schreckenskammer gewesen oder habe je einen Blick hineingeworfen. Sie
war immer fest verschlossen. Als einmal aus irgendeinem Grunde, ich weiß
nicht mehr zu sagen, welches dieser unerhörte Grund war, nach dem
Schlüssel für die Schreckenskammer gefragt wurde, stellte es sich
heraus, daß niemand wußte, wo der Schlüssel sei, und daß die Offiziere
behaupteten, der Skipper habe den Schlüssel. Der Skipper aber verschwor
seine Seele und seine noch ungeborenen Kinder, daß er den Schlüssel
nicht habe, und daß er strengstens verbiete, daß jemand die Kammer öffne
oder gar hineingehe. Jeder Skipper hat seine Schrullen. Er hatte viele,
unter andern jene, nie die Quartiere der Mannschaft zu inspizieren, was
er jede Woche einmal zu tun, laut Vorschrift, verpflichtet war. Er
begründete die Schrulle damit, daß er es nächste Woche ja tun könne, daß
er sich gerade heute nicht den Appetit verderben wolle und auch das
Besteck noch nicht gesetzt habe, was er jetzt zuerst einmal tun müsse.
25
Es waren aber doch einmal Leute in jener Schreckenskammer gewesen und
hatten sich alles angesehen, was drin war. Diese Leute waren jetzt nicht
mehr auf der Yorikke, sie waren sofort runtergefeuert worden, als es
herauskam, daß sie es gewagt hatten, in jene Kammer einzudringen. Aber
ihre Erzählung hatte sich doch auf der Yorikke erhalten. Solche
Erzählungen erhalten sich immer, auch wenn die gesamte Mannschaft
entlassen wird auf einen Ruck, besonders in jenen Fällen, wenn der Eimer
auf einige Monate ins Trockendock muß.
Die Mannschaft mag das Schiff verlassen. Die Erzählungen verlassen ein
Schiff nie. Wenn das Schiff die Erzählung gehört hat, bleibt die
Erzählung auch drauf. Sie dringt in das Eisen, in das Holz, in die
Bunks, in die Ladeschächte, in die Kohlenbunker, in den Kesselraum. Und
dort erzählt das Schiff in den Nachtstunden seinen Kameraden, den
Mannschaften, die Geschichten wieder, Wort für Wort, genauer als wenn
die Geschichten gedruckt wären.
Auch diese Geschichten über die Schreckenskammer waren erhalten
geblieben. In der Kammer hatten die beiden Eindringlinge mehrere
menschliche Skelette gesehen. Wieviele es waren, hatten sie in ihrem
grausigen Schreck nicht zählen können. Es wäre auch nur schwer
möglich gewesen, weil die Skelette auseinandergefallen und
durcheinandergeschüttelt worden waren. Es war aber eine ganze Anzahl. Es
wurde auch bald festgestellt, wer die Skelette waren, oder richtiger,
wem sie ursprünglich gehörten. Die Skelette waren die Überreste
ehemaliger Mitglieder der Yorikke-Mannschaft, die von Ratten
aufgefressen worden waren, die die Größe sehr großer Katzen hatten.
Diese überlebensgroßen Ratten waren wiederholt gesehen worden, wenn sie
aus irgendwelchen Löchern der Schreckenskammer herauswischten.
Warum diese bedauernswerten Opfer den Ratten zum Fraße vorgeworfen
worden waren, stand zuerst nicht zweifelsfrei fest. Es kamen Gerüchte in
Umlauf, die sich schließlich aber auf eines kristallisierten. Diese
armen Männer waren geopfert worden, um die Fahrtkosten für die Yorikke
niedrigzuhalten und die Dividenden der Kompanie oder des Einzelbesitzers
der Yorikke hochzuhalten. Wenn nämlich in einem Hafen ein Mann
abmusterte und er wagte es, die Bezahlung der Überstunden zu verlangen,
wie es laut Vereinbarung getan werden soll, so wurde er kurzerhand in
die Schreckenskammer gebracht.
Dem Skipper blieb ja kein andrer Ausweg. Die Bezahlung der Heuer und die
Abmusterung wurden im Hafen vorgenommen. Dort konnte der Skipper den
Mann, der seine Überstunden bezahlt haben wollte, nicht gut über Bord
werfen; denn das hätten die Hafenbehörden sehen können und den Skipper
wegen Hafenverunreinigung mit Geldstrafe belegt. Was er mit seinem Manne
tat, darum hatten sich die Behörden nicht zu kümmern, nur was er mit dem
Hafen und dem Hafenwasser tat. Hätte der Skipper nun den Mann einfach
vom Boot gehen lassen, so wäre der Mann zur Polizei gegangen oder zum
Konsul oder zu einer Seemannsgewerkschaft, und der Skipper hätte die
Überstunden bezahlen müssen. Um das zu vermeiden, wurde der Mann kurz
entschlossen in die Schreckenskammer eingeschlossen.
Wenn das Schiff nun auf hoher See war, so ging der Skipper runter, um
den Mann wieder rauszulassen, denn nun war er ja nicht mehr gefährlich.
Aber die Ratten wollten den Mann jetzt nicht mehr hergeben, sie hatten
schon angefangen, an ihm zu essen, und eine Anzahl von Paaren wartete
bereits mit Heiratslizenzen, weil die Gelegenheit so günstig war, ein
ganz ausgezeichnetes Hochzeitsessen geben zu können. Der Skipper
brauchte den Mann bitter notwendig zum Arbeiten, und er mußte sich in
einen Kampf mit den Ratten einlassen. Bei diesem Kampfe aber zog der
Skipper jedesmal den Kürzeren und mußte endlich, um sein eignes Leben zu
retten, die Kammer verlassen, ohne den Mann mitzukriegen. Hilfe konnte
der Skipper ja nicht herbeirufen, dann wäre das alles herausgekommen,
und er hätte von nun an die Überstunden bezahlen müssen.
Seitdem ich auf der Yorikke gewesen bin und sie gefahren habe, glaube
ich nicht mehr an die herzzerreißenden Geschichten der Sklaven und der
Sklavenschiffe. So dicht, wie wir gepackt waren, sind Sklaven nie
gepackt worden. So hart, wie wir arbeiten mußten, haben Sklaven nie
arbeiten brauchen. So müde und so hungrig, wie wir immer waren, sind
Sklaven nie gewesen. Sklaven waren Handelsware, für die bezahlt worden
war, und für die man hohe Bezahlung erwartete. Diese Ware mußte
sorgfältig behandelt werden. Für abgerackerte, ausgehungerte und
übermüdete Sklaven bezahlte niemand auch nur die Transportkosten,
geschweige denn einen Preis, daß der Händler noch tüchtig daran
verdienen konnte.
Aber Seeleute sind keine Sklaven, für die bezahlt worden ist, und die
als kostbare Handelsware hoch versichert sind. Seeleute sind freie
Menschen. Sie sind frei, verhungert, verlumpt, übermüdet, arbeitslos und
darum gezwungen zu tun, was von ihnen verlangt wird, und zu arbeiten,
bis sie zusammenfallen. Dann werden sie über Bord geworfen, weil sie das
Futter nicht mehr wert sind. Da gibt es zu dieser Stunde noch Schiffe
zivilisierter Völker, auf denen die Seeleute gepeitscht werden dürfen,
wenn sie sich weigern, die Arbeit von zwei Wachen dauernd zu übernehmen
und von der dritten Wache noch die Hälfte, weil der Schiffsbesitzer so
schlechte Löhne zahlt, daß die Mannschaft immer um ein Drittel zu kurz
ist.
Und der Seemann hat zu essen, was ihm vorgesetzt wird, ob der Koch
gestern noch Schneider war, weil ein richtiger Koch für die Heuer nicht
zu haben war, oder ob der Skipper an der Mannschaftskost so viel zu
ersparen trachtet, daß die Mannschaft nie satt wird.
Die Seegeschichten erzählen viel über Schiffe und über Matrosen. Wenn
man diese Schiffe aber ein wenig aufmerksam betrachtet, dann sieht man,
daß es Sonntag-Nachmittags-Schiffe sind, und die Matrosen in jenen
Seegeschichten sind immer lustige Operettensänger, die sich die Hände
maniküren und ihren Liebeskummer hätscheln.
26
Mit den schläfrigen Leuten im Quartier hatte ich alles in allem kaum
zehn Worte gewechselt. Als ich meine Bunk hatte und mir gesagt war, daß
es hier weder Decken noch Matratzen gäbe, war der Gesprächsstoff
erschöpft.
Über mir hörte ich das übliche Rattern und Knattern der Ketten, das
dröhnende Hämmern des Ankers, der gegen die Bordwand schlug, ehe er zur
Ruhe kam, das Rasseln der Wintschen, das Herumlaufen, Herumtrampeln, das
Kommandieren, das Fluchen, das alles notwendig ist, damit ein Schiff
rausgehen kann. Dasselbe Geräusch hört man, wenn das Schiff reinkommt.
Mich ärgert dieses Geräusch immer und macht mich mißmutig. Ich fühle
mich nur wohl, wenn der Eimer draußen auf hoher See schwimmt. Ganz
gleich, ob er heim geht oder raus. Aber ich will draußen sein mit dem
Schiff. Ein Schiff im Hafen ist kein Schiff, sondern eine Kiste, die
gepackt wird, in die eingepackt oder aus der ausgepackt wird. Im Hafen
ist man auch gar kein Seemann auf dem Schiff; man ist eben gerade
Tagelöhner. Die dreckigste Arbeit wird im Hafen gemacht, und man
arbeitet, als ob man in einer Fabrik wäre, aber nicht auf einem Schiff.
Solange ich das Rasseln und Kommandieren hörte, verließ ich das Quartier
nicht. Wo gearbeitet wird, da soll man nicht nahe gehen. Denn steht man
erst einmal in der Nähe, dann kann leicht etwas für einen dabei
abfallen: „He, langen Sie doch da rasch mal zu.“ Ich denke ja gar nicht
daran. Wozu denn? Ich kriege es ja nicht bezahlt. Da hängen sie in jedes
Bureau und in jeden Fabriksaal ein Plakat mit der Aufforderung: „Do
more!“ oder „Tu mehr!“ Die Erklärung wird einem kostenfrei gegeben auf
einem Handzettel, der einem auf den Arbeitsplatz gelegt wird: „Tu mehr!
Denn wenn du heute mehr tust, als man von dir fordert, wenn du heute
mehr arbeitest, als wofür du bezahlt wirst, dann wird man dir auch eines
Tages das bezahlen, was du mehr tust.“
Mich hat noch nie jemand damit fangen können, darum bin ich ja auch
nicht Generaldirektor der Pacific Railway and Steamship Co. Inc.
geworden. Man kann es immer wieder in den Sonntagsblättern lesen und in
den Zeitschriften und in den Bekenntnissen erfolgreicher Männer, daß
allein durch dieses freiwillige Mehrarbeiten, das Ehrgeiz, Strebsamkeit
und den Wunsch, kommandieren zu dürfen, verrät, schon manch einfacher
schlichter Arbeitsmann Generaldirektor oder Milliardär geworden sei, und
daß jedem, der diesen Spruch gewissenhaft befolgt, der gleiche Weg zum
Generaldirektorposten offenstehe. Aber soviel Generaldirektorstellen und
soviel Milliardärposten sind in ganz Amerika nicht frei. Da kann ich
erst mal dreißig Jahre lang immer mehr und immer noch mehr arbeiten,
ohne mehr bezahlt zu bekommen, weil ich ja doch Generaldirektor werden
soll. Wenn ich dann gelegentlich einmal nachfrage: „Na, wie ist es denn
nun mit dem Generaldirektorposten, ist noch nichts frei?“ so wird mir
gesagt: „Bedaure sehr, momentan noch nicht, wir haben Sie aber
vorgemerkt, arbeiten Sie noch eine Weile tüchtig so weiter, wir werden
Sie nicht aus dem Auge verlieren.“ Früher hieß es: „Jeder meiner
Soldaten trägt den Marschallstab in seinem Tornister“, heute heißt es:
„Jeder unsrer Arbeiter und Angestellten kann Generaldirektor werden.“
Ich habe als Junge ja auch Zeitungen ausgeschrien und Stiefel geputzt
und mir mit elf Jahren schon meinen Lebensunterhalt verdienen müssen,
aber ich bin bis heute weder Generaldirektor noch Milliardär geworden.
Die Zeitungen, die jene Milliardäre als Jungen ausgerufen haben, und die
Stiefel, die sie geputzt haben, müssen ganz andre Zeitungen und Stiefel
gewesen sein, als die, mit denen ich in Berührung gekommen bin.
Wenn man des Nachts so auf dem Ausguck steht, und es ist alles ruhig,
kommen einem allerlei schnurrige Gedanken. So habe ich mir schon
ausgemalt, was geschehen wäre, wenn die Soldaten Napoleons plötzlich
alle ihren Marschallstab aus ihren Tornistern genommen hätten. Wer macht
denn dann die Nieten warm in der Kesselschmiede? Die frischgeadelten
Generaldirektoren natürlich. Wer sonst? Es ist ja niemand sonst
übriggeblieben, der es machen könnte, und der Kessel soll doch fertig
werden, und die Schlacht soll geschlagen werden, weil man sonst weder
Generaldirektoren noch Marschälle braucht. Der Glaube füllt leere Säcke
mit Gold, macht Zimmermannssöhne zu Göttern und Artillerieleutnants zu
Kaisern, deren Namen Jahrtausende überstrahlt. Mach’ die Menschen
gläubig, und sie prügeln ihren lieben Gott zum Himmel hinaus und setzen
dich auf seinen Thron. Der Glaube versetzt Berge, aber der Unglaube
zerbricht alle Sklavenketten.
Als das Gerassel endlich einschlief und ich bereits Deckarbeiter müßig
herumstehen sah, verließ ich das Quartier und ging hinaus aufs Deck.
Gleich hoppte der Taschendieb, der sich mir als Zweiten Ingenieur
vorgestellt hatte, auf mich zu und sagte in seinem unsagbar komischen
Englisch zu mir: „Der Skipper will mit Ihnen sprechen, kommen Sie mit.“
Die Redewendung „Kommen Sie mit“ bereitet in neunzehn von zwanzig Fällen
nur den Satz vor: „Wir werden Sie für eine gute Weile hierbehalten.“
Auch wenn in diesem Ausnahmefalle der zweite Satz nicht gesprochen
worden wäre, so war seine Folge doch schon entschieden. Yorikke lief
bereits wie das leibhaftige Donnerwetter auf hoher See. Der Lotse hatte
das Boot verlassen, und der Erste Offizier hatte die Wache übernommen.
Der Skipper war ein noch junger Mann, sehr gut genährt, mit einem
gesunden, roten und glattrasierten Gesicht. Er hatte wässerig blaue
Augen, und in seinem gelbbraunen Haar waren brandrote Farbtöne. Er war
außerordentlich gut gekleidet, beinahe überelegant. Die Zusammenstellung
der Farben des Anzuges, der Krawatte, der Strümpfe und der eleganten
Halbschuhe waren gut gewählt. Nach seinem Aussehen würde man ihn nicht
für den Kapitän eines kleinen Frachtdampfers, nicht einmal für den eines
großen Passagierschiffes gehalten haben. Er sah nicht aus, als ob er
einen Eimer auch nur von einer offnen Reede zu einer andern offnen Reede
bringen könnte, ohne dabei auf der andern Seite der Erdoberfläche zu
landen. Er sprach ein gutes reines Englisch, wie man es in einer sehr
guten Schule in einem nicht englisch sprechenden Lande lernen mag. Die
Worte wählte er sehr sorgfältig aus, es machte den Eindruck, als ob er
sehr geschickt, aber sehr rasch während des Sprechens nur solche Worte
auswählte, die er fehlerfrei aussprechen konnte. Um dies mit Erfolg tun
zu können, machte er im Sprechen Pausen, wodurch er die Vorstellung
erweckte, daß er ein Denker sei. Der Kontrast zwischen dem Skipper und
dem Zweiten Ingenieur, der ja ebenfalls Offizier war, hatte nichts
Komisches an sich, sondern war so erschütternd, daß, wenn ich je im
Zweifel gewesen wäre, wo ich war, ich es aus diesem Kontrast sofort
gewußt hätte.
„So, Sie sind der neue Kohlenzieher?“ grüßte er mich, als ich in seine
Kabine trat.
„Ich? Kohlenzieher? No, Sir, I am fireman, ich bin Heizer.“ Mir kam
schon der Leuchtturm in Sicht.
„Von Heizer habe ich nichts gesagt“, mischte sich jetzt der Taschendieb
ein. „Ich habe gefragt Heizpersonal, nicht wahr, das habe ich doch
gefragt?“
„Das ist richtig,“ erwiderte ich, „das haben Sie gefragt, und das habe
ich mit ja beantwortet. Aber nie in meinem Leben habe ich dabei an
Kohlenzieher gedacht.“
Der Skipper machte ein gelangweiltes Gesicht und sagte zu dem
Roßtäuscher: „Das ist nun Ihre Sache, Mr. Dils. Ich habe geglaubt, das
sei in Ordnung.“
„Ich will sofort das Boot verlassen, Skipper. Ich denke mit keiner Idee
daran, als Kohlenzieher zu zeichnen. Sofort ausbooten. Ich protestiere,
und ich werde mich beim Hafenamt beschweren wegen versuchten
Shanghaiing.“
„Wer hat Sie shanghaied?“ fuhr jetzt der Roßtäuscher auf. „Ich? Das ist
eine unverschämte Lüge.“
„Dils,“ sagte der Kapitän jetzt sehr ernst, „damit will ich nichts zu
tun haben. Dafür bin ich nicht verantwortlich. Das haben Sie auszubaden,
das erkläre ich gleich hier. Machen Sie das draußen miteinander ab.“
Der Taschendieb ließ sich aber nicht verwirren. „Was habe ich gefragt?
Habe ich nicht gefragt: Kesselgang?“
„Richtig, das haben Sie gefragt, aber Sie haben nicht gesagt –“
„Gehört der Kohlenzieher zur Schwarzen Bande oder nicht?“ fragte der
Ingenieur nun lauernd.
„Allerdings gehört der Kohlenzieher dazu,“ bestätigte ich der Wahrheit
gemäß, „aber ich habe –“
„Dann ist es ganz in Ordnung“, sagte nun der Skipper. „Wenn Sie Heizer
meinten, so hätten Sie das ausdrücklich sagen müssen, dann hätte Mr.
Dils Ihnen schon gesagt, daß wir keinen Heizer zu kurz sind. Also gut,
dann können wir ja nun schreiben.“
Er nahm die Mannschaftslisten und fragte nach meinem Namen.
Unter meinem guten Seemannsnamen auf einem Totenschiff? Niemals. So tief
bin ich noch nicht gesunken. Ich kriege ja nie wieder in meinem Leben
einen ehrenhaften Eimer. Lieber das Entlassungszeugnis aus einem
anständigen Gefängnis, das ist besser als das Quittungsbuch eines
Totenschiffes.
So gab ich meinen guten Namen auf und sagte mich von meinen
Familienbanden los. Ich hatte keinen Namen mehr.
„Geboren in und wann?“
Der Name war weg, aber ich hatte meine Heimat noch.
„Geboren in und wann?“
„In – in –“
„In wo?“
„Alexandria.“
„In U. S.?“
„Nein in Ägypten.“
Nun war auch die Heimat weg; denn von nun hatte ich das Quittungsbuch
der Yorikke als einzigen Ausweis für den Rest meines Lebens.
„Nationalität? Britisch?“
„No. Ohne Nationalität.“
Ich sollte meinen Namen und meine Nationalität in den Listen der Yorikke
für ewige Zeiten registriert wissen? Ein gutgewaschener Amerikaner,
zivilisiert, ausgerüstet mit dem Evangelium der Zahnbürste und der
Wissenschaft des täglichen Füßewaschens, sollte je eine Yorikke
gefahren, je eine Yorikke bedient, gescheuert, angestrichen haben? Meine
Heimat, nein, nicht meine Heimat, aber die Vertreter meiner Heimat
hatten mich zwar ausgestoßen und verleugnet. Aber kann ich die Erde
verleugnen, deren Hauch ich mit meinem ersten Atemzuge trank? Nicht der
Vertreter wegen und nicht seiner Flagge wegen, aber der Liebe zur Heimat
wegen, ihr zuliebe, ihr zu Ehren, habe ich sie abzuschwören. Auf der
Yorikke fährt kein ehrlicher amerikanischer Junge, selbst wenn er dem
Henker entlaufen sein sollte.
„No, Sir, keine Nationalität.“
Nach Seemannskarte, Heuerbuch, Paß oder sonst etwas Ähnlichem fragte er
nicht. Er wußte, daß Leute, die zur Yorikke kommen, nicht nach solchen
Dingen gefragt werden dürfen. Sie könnten ja sagen: „Ich habe keine
Papiere.“ Was dann? Dann dürfte er sie nicht zeichnen lassen, und
Yorikke würde keine Mannschaft haben. Beim nächsten Konsul mußte die
Liste ja amtlich bestätigt werden. Aber dann war nichts mehr zu ändern,
der Mann war bereits angemustert, hatte bereits gefahren, da war es
nicht mehr möglich, ihm die konsulare Bestätigung zu verweigern. Der
Konsul kennt amtlich keine Totenschiffe und nichtamtlich glaubt er nicht
daran. Konsul zu sein, erfordert Talente. Die Konsuln glauben auch nicht
an das Geborensein von Menschen, wenn der Geburtsschein das Geborensein
nicht schwarz auf weiß beurkundet.
Was blieb von mir noch übrig, nachdem Name und Heimat verspielt waren?
Die Arbeitskraft. Das allein war es, das zählte. Das allein wurde
bezahlt. Nicht zum vollen Werte. Aber etwas, damit nicht die
Erschlaffung den Spaß verdirbt.
„Die Heuer für die Kohlenzieher ist siebzig Peseta“, sagte der Skipper
so wie nebenbei, während er in die Liste schreibt.
„Wa–a–a–s?“ schreie ich. „Siebzig Peseta?“
„Ja, haben Sie das nicht gewußt?“ fragt er mit einer müden Geste.
„Ich habe angemustert für englische Heuer“, verteidige ich nun meinen
Lohn.
„Mr. Dils?“ fragt der Skipper. „Was ist das, Mr. Dils?“
„Habe ich Ihnen englische Heuer versprochen?“ sagt der Roßtäuscher
grinsend zu mir.
Ich könnte diesem Hund gleich so eine in die Fresse hauen, aber hier
will ich doch nicht in Eisen liegen. Nicht auf der Yorikke, wo mich die
Ratten lebendig anfressen würden, wenn man sich nicht wehren kann.
„Jawohl, Sie haben mir englische Heuer versprochen“, schrie ich nun in
Wut auf den Gauner ein. Es ist ja das Letzte, was ich zu verteidigen
habe, meinen Arbeitslohn. Den Hundelohn. Je schwerer die Arbeit, desto
geringer der Lohn. Der Kohlenzieher hat die schwerste und teuflischste
Arbeit auf dem Eimer und meist den schäbigsten Lohn. Englische Heuer ist
ja auch nicht berühmt, aber wo in der Welt bekommt denn der Arbeiter
seinen vollen Lohn? Wer den Arbeiter seinen Lohn nicht zahlt, ist ein
Bluthund. Aber man braucht den Lohn mit dem Arbeiter, der die Arbeit so
bitter benötigt, nur vorher ausmachen, dann ist es sein Lohn. Sein Lohn,
und man ist kein Bluthund mehr. Gäbe es keine Gesetze, dann würde es
auch keine Milliardäre geben. Worte kann man kneten, darum werden
Gesetze in Worten niedergeschrieben. Dem Hungernden ist das Kneten bei
Todesstrafe verboten; bei etwa mildernden Umständen ist Freiheitsstrafe
vorgesehen, um Gnade üben zu können und die Menschlichkeit der Gesetze
zu beweisen.
„Jawohl, das haben Sie, Sie haben mir englische Heuer zugesagt“, schreie
ich noch einmal.
„Schreien Sie nicht so“, sagt der Kapitän und sieht von der Liste auf.
„Wie ist das nun, Dils? Ich bin das endlich leid. Wenn Sie Leute
annehmen, will ich doch, daß alles in Ordnung ist.“
Der Skipper spielt fein. Yorikke darf stolz sein auf ihren Meister.
„Von englischer Heuer habe ich gar nicht gesprochen“, sagt der
Roßtäuscher.
„Doch haben Sie das. Das kann ich beschwören.“ Das winzige Eckchen
Recht, das mir noch geblieben ist, will ich verteidigen bis zum
Äußersten.
„Beschwören? Begehen Sie nur ja keinen Meineid, Mann. Ich weiß genau,
was ich alles zu Ihnen gesagt habe, und ich weiß ganz genau, was Sie
geantwortet haben. Ich habe hier genug Zeugen an Bord, die bei mir
standen, als ich Sie anmusterte. Ich habe gesagt ‚englisches Geld‘, aber
von englischer Heuer habe ich kein Wort gesagt.“
Der Hund hat recht. Er hat in der Tat englisches Geld gesagt und das
Wort Heuer gar nicht erwähnt. Ich hatte natürlich darunter englische
Heuer verstanden.
„Dann ist das ja wohl nun auch in Ordnung“, sagte der Skipper ruhig.
„Sie bekommen natürlich ihre Heuer in englischen Pfunden und Schillings
ausgezahlt. Für Überstunden werden fünf Pence bezahlt. Und wo wollen Sie
abmustern?“
„Im nächsten Hafen, den wir anlaufen.“
„Das können Sie nicht“, sagt der Roßtäuscher grienend.
„Jawohl, das kann ich.“
„Können Sie nicht“, wiederholte er. „Sie haben gemustert für Liverpool.“
„Das meine ich ja auch“, sage ich. „Liverpool ist ja der nächste Hafen,
den wir anlaufen.“
„Nein,“ antwortet der Skipper, „wir haben deklariert Griechenland, aber
ich habe meine Absichten geändert und mache Nordafrika.“
Deklariert und während der Fahrt Kurswechsel. Ei, lieber Freund, du bist
deutlich. Marokko und Syrien bezahlen gute Preise für – –. Und wenn du
das Geld noch schnell glücklich drin hast, dann wird angemustert auf
große lange Fahrt. He? Einen Salzwasserfisch, der in so vielen Meeren
geschwommen ist, dem kannst du nichts verstecken. Das wäre nicht der
erste Blender, den ich fahre.
„Sie haben mir gesagt Liverpool, und Sie haben ausdrücklich erwähnt, daß
ich in Liverpool abmustern darf“, rufe ich erregt dem Taschendieb zu.
„Kein Wort wahr, Skipper“, sagt der gerissene Bursche. „Ich habe gesagt,
wir haben Stückgut für Liverpool, und er könne dort abmustern, wenn wir
Liverpool machen.“
„Das ist ja dann alles in Ordnung“, bestätigt nun der Kapitän. „Wir
haben acht Kisten Ölsardinen für Liverpool, Stückgut, weit unter
Frachtsatz. Lieferungsgrenze achtzehn Monate. Ich werde doch nicht
dieser acht Kisten wegen, die als Nebengut gehen, Liverpool machen. Die
sind Gelegenheitsgut, die keine Fracht kosten sollen. Wenn ich mehr
aufnehme, daß es sich lohnt, gehe ich natürlich schon innerhalb der
nächsten sechs Monate rauf.“
„Das konnten Sie doch aber gleich sagen, daß es nicht Stückgut sei,
sondern Schnappgut, das Sie für Liverpool haben.“
„Das haben Sie ja nicht gefragt“, widerspricht der Roßtäuscher.
Eine feine Gesellschaft. Schmuggeln, Deklarierungen fälschen, Häfen
täuschen, Kurse schwindeln und Totenschiffe fahren. Denen gegenüber ist
ein zünftiger Seeräuber ein Edelmann. Einen Seeräuber fahren, ist keine
Schande, da würde ich weder Namen noch Nationalität abschwören.
Seeräuber fahren, ist Ehrensache. Diesen Eimer fahren, ist eine Schmach,
an der ich lange zu würgen haben werde, bis sie geschluckt und verdaut
sein wird.
„Wollen Sie hier Ihren Namen untersetzen.“
Der Skipper reicht mir einen Federhalter.
„Darunter? Nie! nie!“ Ich rufe es in Empörung.
„Wie Sie wollen. Mr. Dils, bitte, schreiben Sie hier als Zeuge hin.“
Dieser Taschendieb, dieser Roßtäuscher, dieser Gauner, dieser Betrüger,
dieser Shanghaier, dieser Mann, für den der Strick, mit dem zwei Dutzend
Raubmörder gehenkt worden sind, zu anständig und zu ehrenhaft wäre, soll
da für mich unterschreiben. Dieses Aas soll nicht einmal unter meinem
ausgedachten Namen seine aussätzige Hand hinlegen dürfen.
„Geben Sie her, Skipper, ich unterschreibe selbst, es ist ja nun doch
alles schon Schiet mit Rotz.“
„Helmont Rigbay, Alexandria (Ägypten).“
Da steht es. Fest und sicher. Nun, Yorikke, hoiho! Geh’ zur Hölle
meinetwegen. Jetzt ist alles, alles egal. Ausgelöscht aus den Lebenden.
Verweht. Kein Hauch von mir ist mehr in der Welt.
Holla–he! Holla–he! Hoiho!
Ich liege nicht an einem Riff,
Ich fahre auf dem Totenschiff
So fern vom sonn’gen New Orleans,
So fern vom lieben Louisiana.
Holla–he! Morituri salutant! Die modernen Gladiatoren grüßen dich, o
Cäsar Augustus Capitalismus. Morituri salutant! Die Totgeweihten grüßen
dich, o Cäsar Augustus Imperator, wir sind bereit zu sterben für dich,
für die heilige und glorreiche Versicherung.
O Zeiten, o Sitten! Die Gladiatoren zogen in glänzenden Rüstungen in die
Arena. Fanfaren schmetterten und Zimbeln klangen. Schöne Frauen winkten
ihnen zu von den Brüstungen und ließen ihre goldgestickten Tüchelchen
fallen; die Gladiatoren hoben sie auf, preßten sie an ihre Lippen,
atmeten den berückenden Hauch, und ein süßes Lächeln dankte ihnen und
grüßte sie. Unter dem begeisterten Beifallsgeschrei einer erregten
Menge, unter den Klängen rauschender Kriegsmusik, hauchten sie ihren
letzten Atem aus.
Wir aber, die Gladiatoren von heute, wir verkommen im Dreck. Wir sind zu
müde, um uns zu waschen. Wozu auch waschen? Wir verhungern, weil wir vor
der Schüssel einschlafen. Wir verhungern, weil die Kompanie sparen muß,
um die Konkurrenz auszuhalten. Wir sterben in Lumpen, schweigend, auf
einem gesuchten Riff, tief im Kesselraum. Wir sehen das Wasser kommen,
und wir können nicht mehr rauf. Wir hoffen, daß der Kessel explodiert,
um es kurz zu machen, weil die Hände eingeklemmt sind, die Feuertüren
aufgerissen sind und die glühende Kohle an unsern Füßen und Schenkeln
langsam frißt. Der Kesselbums? Der ist dran gewöhnt. Dem macht das
Verbrennen und Verbrühen nichts aus.
Wir sterben ohne Fanfarenmusik, ohne das Lächeln schöner Frauen, ohne
das Beifallsrauschen einer erregten, festlich gestimmten Menge. Wir
sterben schweigend und in Lumpen, für dich, o Cäsar Augustus! Heil dir,
Imperator, wir haben keinen Namen, wir haben keine Nationalität. Wir
sind niemand, wir sind nichts.
Heil dir, Cäsar Augustus Imperator, du hast keinen Witwen und Waisen
Pension zu zahlen. Wir, o Cäsar, sind die getreuesten deiner Diener. Die
Totgeweihten grüßen dich!
27
Es war halb sechs, als ein Neger das Abendbrot in das Quartier brachte.
Das Abendbrot war in zwei verbeulten und fettigen Blechkumpen. Eine
dünne Erbsensuppe, Pellkartoffeln und heißes braunes Wasser in einer
zerhämmerten Emaillekanne. Das braune Wasser hieß: Der Tee.
„Wo ist denn das Fleisch?“ fragte ich den Neger.
„Nichts von Fleisch heute“, sagte er.
Ich sah ihn an und bemerkte, daß er kein Nigger war, sondern ein Weißer.
Er war der Kohlenzieher einer andern Wache.
„Abendessen holen ist deine Sache“, wandte sich der Mann mir zu.
„Ich bin hier nicht als Meßboy, als Moses, damit du das nur gleich
weißt“, sagte ich darauf.
„Hier gibt es keine Meßboy.“
„Na?“
„Das müssen hier die Kohlenzieher machen.“
Die Hiebe setzen schon. Das kann ja nett werden. Ich sehe schon, warum
und wozu. Das Schicksal will seinen Lauf haben.
„Abendessen holt der Kohlenzieher der Rattenwache.“
Der zweite Hieb. Jetzt zähle ich nicht mehr die Hiebe. Laß sie kommen
und fallen. Mach das Fell dick.
Also Rattenwache. Das war ja vorauszusehen. Wache von zwölf bis vier,
die niederträchtigste Wache, die erfunden wurde, um Seeleute zu martern.
Um vier kommt man von Wache. Man wäscht sich. Dann holt man Abendessen
für die ganze Bande. Dann wäscht man das Geschirr für die ganze Bande,
weil ja kein Meßboy da ist und die Kohlenzieher alles mitzumachen haben.
Dann legt man sich in die Bunk. Da es bis zum nächsten Morgen um acht
nichts mehr zu essen gibt, man aber in der Nacht auf Wache zu gehen hat
und nicht nur zu gehen, sondern zu arbeiten und wie, so muß man tüchtig
Abendbrot reinhauen, weil man sonst in der Nacht klappt. Mit dem vollen
Magen kann man aber nicht schlafen. Bis um zehn manchmal sitzen auch
noch die Freiwachen auf und spielen Karten oder erzählen sich etwas. Da
sie keinen andern Raum haben, wo sie hingehen können, so sitzen sie
hier. Man kann ihnen das Geplauder doch nicht verbieten, sie verlernen
ja sonst die Sprache, und sie reden doch schon leise, um den schlafenden
Mitarbeiter nicht zu stören. Aber das leise Reden stört noch mehr als
das laute. Um elf fängt man an, einzuschlafen. Zwanzig vor zwölf kommt
die Wecke. Raus und runter. Um vier kommt man von Wache. Wäscht sich.
Vielleicht. Man fällt in die Bunk. Um halb sechs geht der Tageslärm auf
dem Boot schon los. Um acht wird man aus dem Schlaf gerissen: „Frühstück
ist da!“ Den ganzen Vormittag wird auf dem Boot gehämmert, genagelt,
gesägt, kommandiert. Um zwanzig vor zwölf kommt keine Wecke, weil ja
nicht angenommen wird, daß jemand um diese Zeit schlafen könne. Man ist
schon auf und fällt in seine Wache. Und so fort, um vier – ja und immer
so weiter.
„Wer wäscht denn das Geschirr, wenn kein Meßboy da ist?“
„Die Kohlenzieher.“
„Wer scheuert denn die Aborte?“
„Der Kohlenzieher.“
Das ist ja eine durchaus ehrenwerte Beschäftigung, wenn man sonst nichts
weiter zu tun hat. In diesem Falle ist es Schweinerei. Und wer die
Aborte gesehen hätte, der würde gesagt haben: „Das ist die größte
Schweinerei, die ich je in meinem Leben oder in einem Schützengraben
gesehen habe.“ Aber ich habe erfahren gelernt, daß die Schweine saubere
Tiere sind, die dem Pferde an Sauberkeit nichts nachgeben. Wenn ich den
Bauer oder den Schweinezüchter in einen finstern Stall stecke, der zwei
Schritte lang und zwei Schritte breit ist, ihn überfüttere, nie
hinauslasse, nur ab und zu ein paar Hälmchen Stroh hinwerfe und die
alten vermanschten nicht oder nur selten herausnehme, weil er sich ja in
dem Mist so wohl fühlt, dann möchte ich einmal sehen, wie der Bauer in
diesem Stall nach zwei Wochen aussieht, und wer das größere Dreckschwein
ist, der Bauer oder sein Dickerchen. Unbesorgt, alles wird an den
Menschen heimgezahlt werden, alles, was er Pferden, Hunden, Schweinen,
Fröschen und Vögeln angetan hat. Dafür wird er einmal mehr büßen müssen,
als was er seinen eignen Mitmenschen tat. Man kann keinen Abort
scheuern, wenn man zu müde ist, um den Löffel mit Reis in den Mund zu
bringen, no, Sir.
Sonniges Spanien, das ist die Strafe, weil ich dich, du freundliche
Wirtin, verließ!
Auf einem guten Schifflein ist ein Nauke; ein Tagarbeiter, der so als
Knochenbeilage mitgenommen wird, sich nie überarbeitet, immer überall da
sein soll, um zuzufassen, seinen Deckarbeiterlohn bekommt und im großen
und ganzen ein ganz angenehmes Leben führt. Nauke ist der Mann für
alles. Und alles, was verkehrt geht, wird stets auf Nauke zurückgeführt.
Er ist an allem schuld. Wenn in den Bunkern Feuer ausbricht, Nauke ist
schuld, obgleich er nie in die Bunker darf, aber er hat die Luken nicht
regelmäßig gehoben. Wenn dem Koch das Essen anbrennt, Nauke kriegt den
Krach, obgleich er nie in die Küche darf, aber er hat an den
Wasserkränen geschraubt, als er sie putzte. Wenn das Schiff untergeht,
Nauke ist schuld, weil er, weil er – nun ja, weil er Nauke ist.
Auf der Yorikke waren die Kohlenzieher die Nauken, und der Nauke der
Nauken war – richtig geraten: der Kohlenzieher der Rattenwache. Wenn
irgend etwas Dreckiges, Unangenehmes, Lebensgefährliches zu tun war,
sagte es der Erste Ingenieur dem Zweiten, daß er es tun solle. Der sagte
es dem Donkeyman, der dem Putzer und Öler, der dem Heizer und der Heizer
sagte: „Das ist keine Heizerarbeit, das ist Kohlenziehers Sache.“ Und
der Kohlenzieher der Rattenwache tat es, weil er es tun mußte.
Kam der Kohlenzieher dann heraus mit blutenden und aufgeschlagenen und
zerschrammten Knochen und mit zwanzig Brandwunden bedeckt, und hatte er
an den Beinen hervorgezogen werden müssen, weil er sonst verbrüht worden
wäre, dann ging der Heizer zum Öler und sagte: „Ich habe es getan.“ Der
Öler zum Donkeyman: „Ich.“ Der Donkeyman zum Zweiten Ingenieur: „Ich.“
Und der Zweite zum Ersten, und der Erste Ingenieur ging zum Alten und
sagte: „Ich möchte das im Journal rapportiert haben: ‚Der Erste
Ingenieur hat, während die Kessel über vollen Feuern lagen, um die Fahrt
nicht nachzubüßen, unter Lebensgefahr einen Rohrbruch ersten Grades
ausgeheilt. Schiff konnte ungeschwächte Fahrt beibehalten‘.“ Die
Kompanie liest das Journal, und der Direktor sagt: „Wir müssen dem
Ersten Ingenieur der Yorikke ein größeres Schiff geben, der Mann ist
Besseres wert.“ Der Kohlenzieher hat die Narben, die er nie wieder los
wird, und ist gekrüppelt. Aber warum mußte es denn der Kohlenzieher tun?
Er konnte doch auch sagen wie die andern: „Das tu ich nicht, da komme
ich nicht mehr lebendig heraus.“ Aber das konnte er eben nicht sagen. Er
mußte, mußte es tun. „Ja, Mann, wollen Sie denn das ganze Schiff
untergehen lassen und alle Ihre Kameraden dabei ertrinken lassen? Können
Sie das vor Ihrem Gewissen verantworten?“ Die Deckarbeiter konnten es ja
nicht tun, die verstanden ja nichts von Kesseln. Der Kohlenzieher
verstand auch nichts von Kesseln, er verstand nur Kohle zu schleppen.
Der Ingenieur verstand etwas von den Kesseln, er wurde dafür ja als
Erster Ingenieur bezahlt, weil er etwas von Kesseln verstand und bei
seinen Prüfungen solche Dinge machen mußte. Aber der Kohlenzieher
arbeitete vor den Kesseln und neben den Kesseln und hinter den Kesseln,
und er war der Kohlenzieher, und er war der Mann, der die Verantwortung
für den Tod so vieler Menschen nicht tragen wollte, auch wenn sein Leben
dabei in die Kehrichttonne ging. Das Leben eines dreckigen Kohlenziehers
ist kein Leben, niemand zählt es. Es ist weg und Schluß, reden wir nicht
mehr davon. Eine Fliege kann man ja schließlich aus der Milch fischen
und ihr das kleine Leben schenken, aber ein Kohlenzieher ist nicht einer
Fliege gleich. Der Kohlenzieher ist Dreck, Staub, Scheuerlappen; er ist
eben gerade gut genug, die Kohle zu ziehen.
„Kohlenzieher, he!“ ruft der Erste Ingenieur, „wollen Sie einen Rum
trinken?“
„Ja, Chef.“
Aber das Schnapsglas fällt ihm aus der Hand, der Rum ist weg. Die Hand
ist verbrüht, yes, Sir.
Das Abendessen stand auf dem Tisch. Hungrig war ich inzwischen auch
geworden, und ich dachte, daß ich ganz gut etwas essen könnte. Das war
meine Absicht. Aber die Absicht haben und die Absicht ausführen, sind
zwei Dinge. Ich sah mich nach einem Teller und nach einem Löffel um.
„Laß den Teller stehen, das ist meiner.“
„Ja, wo kriege ich denn da einen Teller her?“
„Wenn du dir keinen mitgebracht hast, dann wirst du wohl ohne Teller
hier leben müssen.“
„Wird denn hier kein Geschirr geliefert?“
„Nur was du selber hast, das kannst du dir liefern.“
„Wie soll ich denn da essen, ohne Teller, ohne Gabel und Löffel?“
„Deine Sache.“
„Höre, du Neuer,“ rief einer aus seiner Bunk heraus, „du kannst meinen
Teller, meine Tasse und mein Geschirr haben. Hast es aber immer zu
putzen dafür.“
Da war einer, der hatte nur einen zerbrochenen Teller, aber keine Tasse;
ein andrer eine Gabel, aber keinen Löffel. Wenn nun das Essen ins
Quartier kam, entstand zuerst immer ein Streit darüber, wer zuerst den
Löffel oder die Tasse oder den Teller gebrauchen dürfe; denn wer zuerst
in den Besitz des Tellers oder des Löffels gelangte, fischte sich
natürlich das Beste heraus. Niemand kann es ihm übelnehmen.
Das, was Tee genannt wurde, war heißes braunes Wasser. Oft war es nicht
heiß, sondern lauwarm. Das, was Kaffee genannt wurde, gab es zum
Frühstück und um drei Uhr. Diesen Drei-Uhr-Kaffee habe ich nie gesehen.
Grund: Rattenwache. Von zwölf bis vier war ich auf Wache. Um drei gab es
den Kaffee. Um vier, wenn ich abgelöst wurde, war auch nicht ein Tropfen
mehr von diesem Kaffee vorhanden. Manchmal war noch heißes Wasser in der
Galley, aber wenn man keine eignen Kaffeebohnen hatte, so konnte man
sich keinen Kaffee bereiten.
Je weiter Kaffee oder Tee von wahrem Kaffee oder Tee entfernt sind,
desto mehr hat man das Bedürfnis, ihn mit Zucker und Milch zu
verschönern, um die Phantasie anzuregen. Alle drei Wochen erhielt jeder
Mann eine kleine Büchse kondensierte und gezuckerte Milch und jede Woche
ein halbes Kilo Zucker; denn Kaffee und Tee wurden von der Galley
schlicht geliefert, also ohne Milch und Zucker.
Hatte man die Milch gefaßt, so öffnete man die Büchse und nahm als
sparsamer Mensch ein Löffelchen voll heraus, um dem Tee ein Wölkchen zu
geben. Dann stellte man seine Büchse sorgfältig fort, um sie erst wieder
beim nächsten Kaffee zu gebrauchen. Aber während man sich auf Wache
befand, wurde die Büchse nicht gestohlen, aber von andern aufgebraucht
bis auf den letzten Rest. Da die sichersten Verstecke am leichtesten
gefunden werden, passierte mir das nur beim erstenmal, daß meine Milch
verschwand. Als ich das zweitemal Milch faßte, löffelte ich sie auf
einem Sitz völlig aus, das einzige Mittel, meine Ration zu retten, ein
Mittel, das alle anwandten.
Mit dem halben Kilo Zucker machte man es genau ebenso, er wurde sofort
nach dem Fassen auf einen Ruck aufgegessen. Wir kamen einmal zu einer
Einigung. Der Zucker des ganzen Quartiers wurde in eine gemeinsame
Büchse geschüttet, und jeder sollte sich einen Löffel herausnehmen, wenn
der Kaffee oder Tee kam. Die Folge dieser Einigung war, daß der ganze
Zucker am zweiten Tage verschwunden war und mich nur die leere Büchse
angähnte.
Frisches Brot gab es jeden Tag. Und jede Woche bekam das Quartier eine
Büchse Margarine, die gut reichen konnte. Aber niemand konnte sie essen,
weil Schmierseife besser schmeckte.
An Tagen, wo wir das Maul zu halten und die Augen zuzumachen hatten, gab
es für jeden Mann zwei Glas Rum und eine halbe Tasse Marmelade. Das
waren die Tage, an denen geblendet wurde.
Zum Frühstück gab es Graupen mit Pflaumen oder Reis mit Blutwurst oder
Kartoffeln und Hering oder schwarze Bohnen und Salzfisch. Alle vier Tage
fing das wieder mit Graupen und Pflaumen an.
Sonntag gab es zum Mittag Rindfleisch mit Mostrichsoße oder Cornedbeef
mit Wasserbrühe, Montag Salzfleisch, das nie jemand aß, weil es nur Salz
und Schwarte war, Dienstag getrockneten Salzfisch, Mittwoch
Trockengemüse und Backpflaumen in einer blauwäßrigen Schleimerei aus
Kartoffelstärke. Die Schleimerei hieß: Der Pudding. Donnerstag begann es
wieder mit Salzfleisch, das nie jemand aß.
Das Abendessen war eines der genannten Frühstücke oder Mittagessen. Zu
jeder Mahlzeit gab es Pellkartoffeln, von denen nur die Hälfte gebraucht
werden konnten. Der Skipper kaufte nie Kartoffeln. Sie wurden aus der
Ladung genommen, wenn wir Südkartoffeln fuhren. Solange sie neu und jung
waren, machten diese Kartoffeln einem Spaß und waren Leckerbissen, aber
wenn wir lange keine Kartoffeln gefahren hatten, dann kamen die an die
Reihe, von denen ich sprach.
Als Blendladung fuhren wir manchmal nicht nur Kartoffeln, sondern auch
Tomaten, Bananen, Ananas, Datteln, Kokosnüsse. Diese Ladungen allein
machten es möglich, daß wir bei dem Essen bestehen konnten und nicht an
Eßekel verreckten. Wer einen Weltkrieg mitgemacht hat, der hat
vielleicht gelernt, was ein Mensch ertragen kann, ohne zu krepieren, wer
aber auf einem echten Totenschiff oder auf einer echten Blendlaterne
gefahren ist, der weiß es ganz sicher, wieviel ein Mensch aushalten
kann. Das Ekeln gewöhnt man sich bald ganz ab.
Das Geschirr, das mir so opferwillig zum Gebrauch angeboten wurde, war
nicht ganz komplett, es bestand nur aus einem Teller. Als ich das
notwendige Geschirr beisammen hatte, gebrauchte ich die Gabel von
Stanislaw, die Tasse von Fernando, das Messer von Ruben, und den Löffel
hätte ich von Hermann haben können, aber einen Löffel besaß ich selbst.
Für diese Opferwilligkeit hatte ich das Geschirr aller hübsch sauber zu
putzen, zweimal für jede Mahlzeit. Zuerst, wenn ich es übernahm, und
dann, nachdem ich es gebraucht hatte.
Als das Abendessen vorüber war, hatte ich die Kumpen zu waschen, also
die verbeulten Blechwaschbecken, in denen das Essen aus der Galley
geholt wurde. Zu diesem Waschen brauchte weder ich noch sonst jemand
Seife, Soda oder Bürste, weil solche Dinge nicht vorhanden waren. Wie
die Kumpen dann aussahen, wenn wieder das frische Essen hineingeschüttet
wurde, braucht nicht erzählt zu werden.
In diesem Dreck konnte ich nicht leben. Ich ging daran, das Quartier zu
scheuern. Die Burschen waren nach dem Essen sofort in ihre Bunks
gefallen wie tot. Während des Essens war kaum gesprochen worden. Es ging
zu, als ob Schweine an einem Trog stehen. Drei Tage später erkannte ich
diesen Vergleich nicht mehr. Die Fähigkeit, Vergleiche zu ziehen oder
deutliche Erinnerungen aus einem früheren Leben zu erwecken, war
erloschen.
„Seife wird nicht geliefert“, wurde mir brummend aus einer Bunk
zugerufen. „Schrubber oder Bürsten auch nicht. Und nun halte Ruhe mit
deinem Herumwirtschaften, wir wollen schlafen.“
Ich sofort mittschiffs und zur Ingenieurskabine, wo ich anklopfte.
„Ich will das Quartier scheuern und verlange Seife und eine kräftige
Schrubberbürste.“
„Was denken Sie denn von mir? Sie wollen doch nicht damit sagen, daß ich
Ihnen Seife oder Bürsten zu kaufen habe? Nichts zu machen.“
„Ja, aber nun ich selbst. Ich habe keine Seife für mich selbst. Und ich
soll doch vor den Kesseln arbeiten.“ Das wollte ich doch sehen, ob ich
keine Seife bekäme.
„Das ist Ihre eigne Sache, wenn Sie sich waschen wollen, müssen Sie auch
Seife haben. Seife gehört zu einer anständigen Seemannsausrüstung.“
„Kann sein, mir ist das neu. Toiletteseife ja, aber nicht Arbeitsseife,
und für Kesselbande hat der Ingenieur die Seife zu stellen oder der
Skipper oder die Kompanie. Das ist mir gleichgültig, wer die Seife zu
stellen hat. Ich will aber Seife haben. Was ist das überhaupt für eine
Sauerei? Auf jedem anständigen Eimer wird alles gestellt, Matratze,
Kissen, Bettuch, Decke, Handtuch, Arbeitsseife und vor allem Eßgeschirr.
Das gehört zur Ausrüstung des Schiffes und nicht zur Ausrüstung des
Mannes.“
„Nicht bei uns. Wenn es Ihnen hier nicht gefällt, können Sie ja gehen.“
„Sie unverschämter Patron, Sie.“
„Raus aus meiner Kabine oder ich rapportiere zum Skipper und laß Sie
festlegen.“
„Das wäre mir ganz recht.“
„Nicht wie Sie denken, Mann. So besoffen sind wir nicht. Ich brauche den
Kohlenschlepper. Nein, ich lasse Sie festlegen mit einer vollen
Monatsheuer, wenn Sie mir noch mal so kommen.“
„Feine Leute, das muß ich sagen. Auch noch die paar Groschen abtricken.“
Der Gauner saß da und grinste. Bei Klopperei kommt nie etwas heraus, und
er trickt mir zwei Monatsheuern ab.
„Erzählen Sie doch das alles Ihrer Urgroßmutter“, sagte er. „Sie wird
sich das ruhig mit anhören. Aber ich nicht. Raus jetzt, aber flott.
Vorwärts ins Bett, um elf haben Sie auf Wache zu gehen.“
„Meine Wache fängt um zwölf an. Zwölf bis vier.“
„Nicht bei uns und nicht mit den Kohlschleppern. Die Kohlschlepper
fangen um elf an und ziehen von elf bis zwölf Asche, und um zwölf fängt
die Arbeitswache an.“
„So. Von elf bis zwölf ist wohl keine Arbeitswache?“
„Asche ziehen, das haben die Kohlschlepper bei uns nebenbei zu machen.“
„Aber Überstunden werden angeschrieben.“
„Nicht bei uns. Und nicht für Ascheheben.“
In welchem Jahrhundert lebte ich denn? Unter welche Menschenrasse war
ich geraten? Halb im Dusel torkelte ich zum Quartier.
Da war das Meer, das blaue herrliche Meer, das ich so sehr liebte, und
in dem als anständiger Seemann zu versinken ich nie mit Grauen angesehen
hatte. War es doch die große festliche Vermählung mit dem Weibe, das so
launenhaft war, das so wütend rasen konnte, so viel herrliches
Temperament hatte, das so berückend lächeln, so bezaubernde Schlaflieder
singen konnte und so wunderschön, ach, so über alle Maßen schön war.
Es war dasselbe Meer, auf dem tausende und tausende ehrlicher, gesunder
Schiffe fuhren. Und nun hatte mich das Schicksal ausersehen, mich ein
Schiff fahren zu lassen, das an Lepra erkrankt war, und das nur noch
fuhr mit der Hoffnung, daß das Meer Erbarmen mit ihm haben möge. Aber es
sah ganz so aus, ich hatte es im Gefühl, daß die See das mit Lepra
behaftete Schiff nicht aufnehmen wollte, um sich nicht verpesten zu
lassen. Noch nicht. Seine Zeit war noch nicht gekommen. Noch wartete das
Meer, noch hoffte es, daß es diese Pest nicht zu erdulden haben werde,
das dieses Meeresgeschwür irgendwo auf dem Lande oder in einem
verschmierten Winkelhafen zerplatzen und vergehen würde. Noch war
Yorikkes Zeit nicht gekommen. Ich hatte noch kein Todesahnen, an meine
Bunk hatte der Gast noch nicht geklopft. Denn als ich jetzt an der
Reeling stand, über mir den sternenblinkenden Himmel und vor mir das
grünlich flickernde Meer, an mein verlorenes New Orleans und an mein
sonniges Spanien dachte, da überkam es mich: Hopp drüber Junge, schiet
sie an mit dem Kohlschlepper und mach ein flottes sauberes Ende, damit
du nicht deinen Rest verlierst. Aber dann war ja nur ein andrer armer
müder, verlumpter, verhungerter, verdreckter und gehetzter
Kohlschlepper, der Doppelwache bekam und mir die letzte Reise so schwer
machte und ich immer wieder hoch kommen mußte.
Ei zum Teufel nochmal, beiß zu und schiet. Die Yorikke kann dich, mein
Junge, nicht unterkriegen. Nicht die Konsuln. Nicht die Yorikke. Nicht
der Taschendieb. Bist ja von New Orleans, Junge. Rin in die Schiet und
durchgeschwommen. Es gibt auch wieder mal Wasser und Seife. Der Gestank
ist nur äußerlich. Patsch rin, daß es spritzt. Weg von der Reeling, und
dem Biest, das dich unterkriegen will, eins in die Zähne gehauen! Spuck
noch mal runter und nun weg in die Bunk!
Als ich weg war von der Reeling, wußte ich, daß ich zwar auf einem
Totenschiff und auf einer Blendkaroline war, aber daß es nicht mehr mein
Totenschiff war. Mit der Yorikke half ich keine Versicherung fahren. Auf
ihr wurde ich kein Gladiator. Ich spucke dir ins Gesicht, Cäsar Augustus
Imperator. Spare deine Seife und fresse sie, ich brauche sie nicht mehr.
Aber du sollst mich nicht mehr winseln sehen. Ich spucke dir ins
Angesicht, dir und deinem Gezücht.
28
Einschlafen konnte ich nicht. Ich lag auf den blanken Brettern meiner
Bunk wie ein eingelieferter Spitzbube auf der nackten Pritsche in einer
Polizeiwache. Die schmökende Petroleumlampe füllte den Raum mit einem
Dunst, daß Atmen eine Qual wurde. Da ich ja keine Decke hatte, fröstelte
ich, denn die Nächte auf dem Meere können ganz verteufelt kalt werden.
Gerade war ich in einen dämmernden Halbschlaf gefallen, als ich
plötzlich mit kräftigen und ungeduldigen Händen so gerüttelt und
gestoßen wurde, als sollte ich durch die Wand geworfen werden.
„Raus du. Ist halb elf.“
„Halb erst? Warum kommst du nicht um dreiviertel?“
„Ich bin gerade oben, weil ich für den Heizer Trinkwasser hole. Ich kann
nicht nochmal raufkommen. Mußt raus. Zehn vor zwölf weckst du deinen
Heizer und holst ihm Kaffee.“
„Kenn ihn nicht. Weiß seine Bunk nicht.“
„Komm raus. Ich zeig dir.“
Ich stand auf, und mir wurde die Bunk des Heizers gezeigt, der zu meiner
Wache gehörte.
„Mach voran. Rasch. Geh gleich zu der Aschenwintsche. Wir haben
verflucht viel Asche.“ Der Mann verschwand wie ein Geist.
Es war fast finster in dem Quartier, weil die Lampe kein Licht gab.
Beim Licht einer zerbrochenen kleinen verräucherten Laterne zeigte mir
der Kohlenzieher der Vorwache, es war Stanislaw, wie die Wintsche
gehandhabt werden muß.
„Höre mal, Stanislaw, das verstehe ich nicht“, sagte ich. „Ich kenne
doch nun auch etwas von Salzkrusten, aber das habe ich noch nicht
erlebt, daß die Kohlschlepper Wache aufzubüßen haben. Warum?“
„Weiß ich gut. Ich bin auch nicht gerade aus den Windeln gerutscht.
Woanders hat der Heizer beim Aschehieven zu helfen. Aber hier wird ja
der Heizer allein nicht fertig, und wenn ihm der Schlepp nicht manchmal
hilft, fällt er runter auf hundertzwanzig, daß es nur so rasselt, und
der Eimer sackt und steht wie eine Böckchenpinne. Auf andern Eierkisten,
auch wenn es Särge sind, hat die Wache zwei Heizer oder wenigstens
einundeinenhalben. Aber ich denke doch, du weißt jetzt schon, wo du
bist, mein Seemannsengelchen.“
„Ich engele nicht. Da kannst du Zinnober drauf schlucken.“
„Willst du achtern kanten? Glückt nicht. Wirst du schon noch lernen.
Setz dich nur lieber gleich richtig in die Wolle und such dir das Boot
aus, mit dem du klippen willst. Der Koch hier ist der Großvater. Der
erzählt dir was, wenn du mit ihm angewärmt bist. Der Hund hat zwei
Westen in seiner Bunk liegen.“
„Haben wir denn keine Westen?“ fragte ich erstaunt.
„Nicht mal ein Ring ist da. Vier Dekorationsringe mit Goldbronze. Aber
ich rate dir, nimm keinen davon. Wenn du da den Kopf durchsteckst, nimm
lieber einen Mühlstein. Mit dem Mühlstein hast du vielleicht noch
Hoffnung, mit den Dekorationswürsten nicht.“
„Wie kann der Hund denn das machen? Da muß doch in jeder Bunk eine Weste
sein. Ich bin das so gewöhnt, daß ich das gar nicht beachtet habe, daß
keine da ist.“
Stanislaw lachte und sagte: „Du hast so eine Kanne noch nicht gefahren.
Darum. Yorikke ist meine vierte Leichenkanne. Die sind ja jetzt zum
Aussuchen.“
„He–ho, Lawski!“ schrie sein Heizer den Aschenschacht hinauf.
„Was ist los, Heizer?“ fragte Stanislaw runter.
„Zieht ihr denn heute keine Asche, oder was ist los?“ blökte der Heizer
rauf. Es war Martin.
„Natürlich ziehen wir. Aber ich muß doch den Neuen anlernen. Der kennt
doch die Wintsche nicht.“
„Dann mach zu und komm runter. Mir ist ein Rost raus.“ Der Heizer schrie
es rauf.
„Erst muß die Asche gezogen werden. Der Rost hat Zeit. Ich muß den Neuen
anlernen“, schrie Stanislaw wieder runter.
„Nein, was Leichenkannen anbetrifft – wie heißt du denn eigentlich,
Neuer?“
„Ich? Pippip.“
„Hübscher Name. Bist du Türke?“
„Ägypter.“
„Das ist gut. Ägypter hat gefehlt. Wir haben hier alle Nationen auf der
Kanne.“
„Alle? Auch Yanks?“
„Ich glaube, du schläfst noch. Die beiden einzigen, die nie auf einer
Leichenkanne fahren, das sind Yanks und Kommse.“
„Kommse?“
„Ach tu doch nicht so unschuldig, du Schaf. Bolsches. Kommunisten. Yanks
kommen nicht, weil die in dem Dreck den ersten Tag verrecken würden, und
weil denen auch immer von ihren Konsuln geholfen wird. Der winkt ihnen
schon die Weisheit über die Eimer.“
„Und die Komms?“
„Die sind zu schlau, die riechen, was los ist, wenn sie nur den
Mastknopf sehen. Kannst dich drauf verlassen. Die sind gekocht. Wo ein
richtiger Komms drauf ist, kann keine Versicherung fahren. Die beerdigen
dir jede Versicherungspolice, und wenn sie noch so fein gezuckert ist.
Die haben dir Riecher, da können wir alle nicht mit. Und die haben auch
immer gleich die schönste Sauerei mit der Inspektion. Aber nun kann ich
dir auch erzählen, wenn da ein gesunder Eimer ist, wo nicht nur Yanks
drauf sind, sondern Yanks, die Komms sind, Mann, das ist Honig. Das ist
–. Ich kann es dir ja sagen, ich fahre überhaupt nur, um mal auf einen
solchen Eimer zu kommen. Da gehe ich nie wieder runter. Da mache ich
sogar den Nauke. Mir ganz egal. Wenn du mal einen Eimer sehen solltest,
der von New Orleans ist oder da herum. Das ist eine Sache.“
„So ein Schiff habe ich noch nicht gesehen“, sagte ich.
„Kommst du auch nicht drauf, und wenn du hundert Jahre alt wirst und
alles ausgestiegen ist. Du nicht. Ein Ägypter überhaupt nicht, und wenn
er einen Paß hat wie Zucker. Jetzt ist es für mich auch vorbei. Wer die
Yorikke gefahren hat, kommt nie wieder auf einen gesunden Eimer. Jetzt
wollen wir mal dran gehen.“
„Hängt er drin?“ schrie Stanislaw in den Schacht.
„Hiev up!“
Stanislaw schaltete den Hebel ein, und die Aschkanne rasselte rauf. Als
sie in Reichhöhe war, warf er den Hebel wieder herum. Die Kanne ruckte
noch mal rauf und noch mal runter und hing dann in der Schachtluke.
„Nun hängst du die Kanne aus und trägst sie zur Schanze und schüttest
sie aus. Da gib aber gut Achtung, daß dir die Kanne nicht mit über Stag
geht. Dann sitzt du da. Dann können wir mit einer arbeiten, und wir
können zwei Stunden früher aufstehen. Daß du’s weißt.“
Die Kanne war glühend heiß, und obenauf lagen die rotglühenden
Schlacken. Ich konnte sie kaum anfassen, aber es mußte sein. Und schwer
war die Kanne. Sicher ihre fünfzig Kilo. Nun hatte ich die Kanne vor der
Brust quer über das vier Meter breite Gangdeck zu schleppen und in den
Holzschacht zu schütten, durch den die Asche ins Meer fiel und dort
zischend verschwand. Dann trug ich die Kanne zurück, und ich hängte sie
wieder in die Hievketten.
„Das ist doch ganz klar, warum die Westen gegangen sind. Ich bin sicher,
der Skipper hat sie verkauft, um nebenbei was zu machen“, sagte
Stanislaw. „Aber des Verkaufens wegen war es nicht. Siehst du, wenn
keine Westen da sind, kommen auch keine Zeugen vor das Seemannsgericht.
Verstehst du jetzt den Zimt? Auf Zeugen kann man sich schlecht
verlassen. Manchmal haben sie doch was gesehen oder gemerkt, und die
Versicherung ist ja auch immer gleich dahinterher und schnappt sich die
Leute. Die Boote mußt du dir mal bei Tage betrachten – wie war doch
gleich dein Name? Ja, also die Boote mußt du dir mal bei Tage
betrachten, Pippip. Da kannst du deine Stiefel durchschmeißen. Aber
glatt. Noch weniger Zeugen.“
„Na rede keinen Seetang, hä?“ sagte ich zur Antwort. „Der Skipper will
doch auch runter.“
„Sorge dich nur nicht um den Skipper. Denk zuerst an deine Haut. Der
Skipper kommt schon runter. Wenn du alles so gut weißt, wie das, dann
fehlt dir nichts mehr.“
„Du bist doch aber auch schon von drei Leichenkannen runtergekommen oder
etwa nicht?“
„Auf zweien bin ich richtig ausgestiegen und habe den letzten Hafen
nicht im Stich gelassen. Und beim dritten – aber du Esel, Glück mußt du
eben auch haben. Wenn du kein Glück hast, dann bleibe nur überhaupt vom
Wasser weg, sonst fällst du in die Waschschüssel und kommst nicht mehr
hoch.“
„Lawski! Mensch! Was ist denn los da oben?“ schrie nun wieder der Heizer
rauf.
„Die Ketten haben sich ausgehakt, verflucht nochmal“, blökte Stanislaw
runter.
„Das gibt heute eine lange Asche, wenn ihr so weiter macht“, kam wieder
die Stimme aus der Tiefe.
„So, nun probiere mal die Wintsche, aber sei vorsichtig, die haut wie
das Donnerwetter. Die haut dir glatt den Schädel ab, wenn du nicht alle
Gedanken beieinander hast.“
Die schwere Kanne kam rauf und sauste oben gegen den Deckel, daß ich
glaubte, sie würde den ganzen Schacht in Trümmer schlagen, aber ehe ich
den Hebel herum hatte, setzte die Wintsche von selbst mit der
Konterwirkung ein, und der Eimer raste wieder den Schacht hinunter. Er
schlug unten mit einem fürchterlichen Getöse auf, die Schlacken
spritzten herum, der Heizer schrie wie verrückt, und im selben
Augenblick setzte abermals die Konterwirkung ein, und die Kanne, jetzt
halb leer, raste wie wahnsinnig ein zweitesmal gegen die Deckung des
Schachtes, schlug herum mit donnerndem Krachen, und mit einem
entsetzlichen Geprassel fielen die Schlacken den Schacht hinunter, beim
Fallen gegen die Eisenwände des Schachtes schlagend und das Getöse und
Geratter so vermehrend, daß man glauben konnte, das ganze Schiff
splittert auseinander. Die Kanne war schon wieder am Heruntersausen, als
Stanislaw jetzt eingriff und den Hebel packte. Sofort stand die Kanne so
brav da, als ob sie ein totes Geschöpf sei.
„Ja,“ sagte Stanislaw, „so einfach ist das nicht. Das muß gelernt sein.
Da brauchst du zwei Wochen, bis du den Dreh heraus hast. Geh besser
runter und schippe ein, dann werde ich die Wintsche bedienen. Ich zeige
es dir morgen mittag, bei Tage, da kriegst du das dann schon besser.
Wenn die Wintsche in die Wicken gehauen wird, dann können wir die Asche
mit der Hand hieven. Und das wünsche ich dir nicht und uns nicht. Dann
laufen wir nicht mehr, dann kriechen wir nicht mehr, dann rollen wir nur
noch von einem Platz zum andern.“
„Laß es mich noch mal versuchen, Lawski. Ich will mal gnädige Frau zu
ihr sagen. Vielleicht tut sie es dann.“