Aus: Leupold, ~Theatrum Machinarum hydraulicarum~. Band ~II.~ Tab. 44]

Eine wesentliche Verbesserung der Newcomenmaschine wird einem mit

der Bedienung der Hähne beauftragten Knaben, _Humphrey Potter_,

zugeschrieben. Dieser soll im Jahre 1712 die rechtzeitige Verstellung

der Hähne durch in geeigneter Weise angebrachte Schnüre selbsttätig

bewirkt haben, so daß deren Bedienung von Hand nicht mehr erforderlich

war. Diese Steuerung sowie die Einspritzkondensation sind nicht

Gegenstand des Patentschutzes gewesen.

Im Jahre 1712 wurde durch einen Zufall die dampf- und wasserdichte

Kolbenliderung erfunden. Man hatte auf dem Kolben ein Stück Leder

befestigt, das den Kolben überragte und sich in einer Höhe von 2 bis

3 Zoll an die Zylinderwandung legte. Allmählich verschliß dieses

Lederstück und lag schließlich nur noch mit seinem Querschnitt an

der Zylinderwandung an. Hierbei machte man die Beobachtung, daß die

Dichtung eine weit vollkommenere war als bisher, und man begnügte sich

hinfort mit einer in den Kolbenumfang gelegten Lederscheibe.

Auch die Einspritzkondensation soll ihr Dasein einem Zufall verdanken,

indem sie sich einst unbeabsichtigterweise durch ein im Kolben

entstandenes Loch vollzog und sich durch schnelleres Niederschlagen des

Dampfes vorteilhaft bemerkbar machte.

Im Jahre 1713 wurden zwei Newcomenmaschinen zu Newcastle in Betrieb

gesetzt, eine dritte wurde zu Austhorpe in Yorkshire erbaut.

Im Jahre 1718 ersetzte _Beighton_ die von Humphrey Potter angegebenen,

die Hähne betätigenden Schnüre durch Hebel.

Schon im Jahre 1721 wurde die erste Newcomen-Maschine nach dem

Kontinent, und zwar nach Königsberg in Ungarn, geliefert.

Diese Maschine ist in Abb. 26 dargestellt und wird von Leupold[51] wie

folgt beschrieben:

„_Von der Feuer-Machine des Herrn Potters, welche er zu Königsberg

in Ungarn gebauet, und allda mit gutem Succeß und Vergnügung der

Compagnie das ihrige praestiren soll_.

Die Figur zeiget sich meist im Profil, da ~A~ der große Kessel,

dessen Diameter 7 Fuß seyn soll, und 200 Eymer Wasser halten, muß

allezeit ¾ voll Wasser, und das übrige voll Dampf seyn. Dieser Kessel

ist gleichsam mit einem Ofen eingefasset, und mit Rost und Windfang

versehen, wie es die Kunst erfordert. _~BC~_ eine metallene Platte,

so mit Schrauben an dem Kessel ~A~ befestiget, und in solcher eine

dergleichen Röhre ~_DE_,~ so in ~D~ und ~E~ offen ist, bey ~E~ gekrümmt

und erhoben, daß das kalte Wasser nicht hineinfallen kann, bei ~D~

aber mit einer Klappe versehen, die, vermöge des Gewichts ~F~, die

Öffnung ~D~ zuschliesset. Von dem Hintertheil dieser Klappe gehet

ein starker Draht, der in der Platte ~_BC_~ wohl eingeschmergelt und

außenher an den Hebel _~CH~_ befestiget ist, damit wenn der Balcken

oder Arm sich in die Höhe hebet, solcher mit dem Ansatz an diesen Hebel

~_Gq_~ anstösset und die Klappe ~F~ zuschliesset, auch zugleich den

Hahn ~K~ eröffnet, durch den Arm ~L~, daß das kalte Wasser aus dem

Kasten ~M~ durch die Röhre ~_NN_~ und Öffnung ~O~ durch viel subtile

kleine Löcherlein als ein Regen herausspringet, den ganzen Zylinder ~P~

erkältet und den Dampf niederschläget und ein Vacuum machet. ~_PQ_~

ist der Zylinder, so in die 32 oder gar 36 Zoll in Diametro seyn soll,

8 Fuß hoch, und in die 30 Zentner wägen, ~R~ ein metallener Kolben,

so auf denen Seiten mit Schrauben versehen, daß man Leder oder Holz

dazwischen schrauben kan, damit der Kolben wohl anschliesset und kein

Wasser durchlässet, die Bewegung dieses Kolbens soll 7 Fuß seyn; oben

auf diesem Cylinder stehet noch ein Gefässe feste, in welchem allezeit

kaltes Wasser aus dem Kasten ~M~ durch die Röhre ~R~ lauffet, und den

Kolben mit dem Leder bedecket, und wenn der Kolben in die Höhe kommet,

das Wasser in die Röhre ~S~ lauffet, aus welcher es, vermittelst

eines Hahnes, so starck es nöthig ist, in die Röhre _T_ bey ~V~ in

den Kessel lauffet, und den Abgang des Wassers, so durch den Brodem

hinwegziehet, ersetzet. Das Wasser, so durch die Röhre ~_NO_~ in den

Cylinder ~_PQ_~ spritzet, und dasjenige, so sich durch den Brodem

sammlet, lauffet durch die Röhre ~_WW_~ wieder ab, welches in die 5

Zoll in den Cylinder beträget; derohalben oben ein sehr starker Zugang,

nämlich eine dreyzollige Röhre ~X~ voll Wasser von einer Höhe zufließen

soll, wo es aber die Natur nicht zuführet, muß Anstalt gemachet werden,

daß die Kunst selbst so viel Wasser hinauf hebet. Die Application zum

Rohr oder Pumpen-Werk geschiehet vermittelst eines sehr starken in

die 21 Fuß langen und 18 Zoll dicken Waag-Balcken ~_YZ_~, an beyden

Enden sind zwey Cirkel-Stücken ~_YZ_~, deren Centrum die Achse ~a~

ist, über den Bogen ~Z~ gehet eine sehr starke Kette ~_bcd_~, davon

ein jedes Glied 10 Pfund wägen soll, an eine drey Zoll dicke eiserne

Kolben-Stange ~_def_~, und auf dem Bogen ~Y~ ist eine dergleichen

starke Kette ~_gb_~ an die Stange ~_ik_~ befestigt, an diese aber

drey Kolben-Stangen ~_lmn_~ angehangen, also daß, wenn der Kolben in

der großen Röhre ~_PQ_~ niedergehet, er die Stange ~_ik_~ nebst denen

drey Kolben-Stangen nach sich ziehet und die Wasser hebet. Damit aber

die Schwehre der Kolben und Gestänge ins aequilibrium gebracht werde,

ist noch ein andrer kleiner Waag-Balcken ~_opq_~ angeordnet, dessen

Achse ~q~ über die beyden Bogen-Stücken aber gleichfalls zwey Ketten

~_rs_~ und ~_tu_~ gehn, davon die erste an das Kolben-Gestänge, die

andere aber an das Gewicht ~w~ von 30 Centnern befestiget ist. Alles

übrige Holtz- und Mauer-Werk oder Stellage ist weggelassen, damit man

die Haupt-Stücke desto deutlicher fassen und sehen kan, die dann wohl

ein jeder, wann es anders im Haupt-Werk richtig, noch eher anordnen

kan. ~W~ und ~X~ sind zwey Hähne, dadurch den Zufluß des Wassers zu

moderiren. Aus der Röhre ~_ss_~ fließet das Wasser in einen Trichter

~_yT_~ und von da in den Kessel. Was die Öffnung und Wiederzuschließung

der Röhren betrifft, sowohl den Dampf aus dem Kessel bei ~D~ zu lassen,

als frisches Wasser durch die Röhre ~O~ in Cylinder zu spritzen, kömmet

solches mit des Herrn Potters Invention nicht überein, denn weil ich

mir aus der Zeichnung kein rechtes Concept formiren können, so habe

lieber eine andere Art anweisen wollen, nicht daß ich solche besser

achte, sondern vielmehr dem Leser ein Concept hiervon zu machen, beydes

muß sich zugleich öffnen und schließen; denn so bald sich _~FD~_

schliesset, muß sich _~KO~_ öffnen, und also auch im Gegentheil.

Es geschiehet aber hier also: ~F~ ist der Deckel oder Klappe so in

1 ein Charnier hat und darhinder einen Lappen, auf welchem eyn nach

dem Cirkel gebohrtes und in die Platte wohl eingeschmergeltes Eisen

aufruhet, solches Eisen ist mit einem Charnier an dem Waag-Balcken 2,

3 befestigt, der Waag-Balcken oder Hebel hat bei 4 seine Achse und

bey 5 ist er wieder an einen Arm 5, 6 mit zwey Charnieren befestiget,

so bey 6 einen Hebel 6, 7 fasset, der bey 7 an dem Würbel des Hahnes

befestiget, und die Röhren ~_NO_~ auf- und zuschliesset, auf dem Hebel

2, 3 ruhet eyn Gewicht 8, so den Hebel bey 3 niederdrücket, und bey 2

erhebet, daß sich die Klappe ~F~ öffnen kan, das Gewicht 8 aber hanget

an einer kleinen Kette, die am Balcken 7 befestiget ist, und wenn

solche hoch genug erhoben, das Gewicht erhebet, daß es nicht mehr den

Hebel niederdrücket, sondern das Gewicht 9 die Oberhand behält, und den

Hebel in 2 und also auch die Klappe durchs Eisen 1 niederdrücket, und

die Röhre ~_DE_~ zuschliesset, hingegen vermittelst des Armes 5, 6 den

Hahn ~K~ eröffnet, daß das kalte Wasser in den Cylinder spritzet, und

sobald das große Gewicht bey eher abfallender Stange ~I~ wieder auf dem

Hebel ruhet, wieder die Klappe ~F~ öffnet und den Hahn ~K~ schliesset.

Welches, wie es accurat anzuordnen, einen jedern die Praxis selber

lehret; genug wenn so viel gewiesen habe, wie es geschehen soll oder

muß. Solche Machine soll in 24 Stunden 24000 Eymer heben.

_Wie und auf was Arth die Operation bey dieser Machine geschehe._

Selbige geschiehet nun nicht durch die Expansion, sondern durchs

Vacuum, und die Pressung der äußerlichen Luft, welche auf den Embolum

(Kolben) drücket, denn wenn die Klappe ~F~ eröffnet ist, so steiget

der heiße Brodem aus den Kessel ~A~ im Cylinder ~_PQ_~ und treibet

den Kolben ~f~ der mit dem Gestänge ~_hklm_~ meist in Aequilibrio

ist, in die Höhe, und wenn er hoch genug ist, so machet die Stange

~J~ vermittelst des Hebels und Gewichtes, wie zuvorhero ist erklähret

worden, die Klappe ~F~ zu, und den Hahn ~K~ auf, daß kaltes Wasser

in den mit heißem Dampf gefüllten Cylinder spritzet, im Augenblick

condensiret sich der Dampf im Wasser, fället zu Boden, und machet ein

Vacuum, welches so gleich die äußere Luft wieder ersetzen will, und den

Kolben mit solcher Gewalt hernieder treibet, daß es vermittelst des

Waag-Balckens auf der anderen Seite durch die Kette h eine grausame

Last Wasser auf einmahl hebet, welches viele Pferde zu thun nicht

vermögend seyn. Ist aber der Kolben hernieder, so öffnet sich in dem

Moment die Klappe wieder aufs neue, und treibet den Kolben wieder fort,

nachdem sich auch der Hahn ~K~ zugleich mit zugeschlossen.

Und auf solche Weise gehet die Machine Tag und Nacht, ohne Anlegung

einiges Menschen Hand, nur daß beständig ein Mann die Feuerung

unterhalten muß, und bin berichtet worden, daß man anfangs in 24

Stunden drey Klaffter Holtz nöthig gehabt, ob es sich aber auch jetzo

noch so befindet, oder ob mehr oder weniger gebrauchet wird, kan ich

mit Gewißheit nicht sagen, woran uns zwar eben auch nichts gelegen,

genug, daß man gezeiget: wie derselben Construktion und Fundament

beschaffen, und daß mit solcher Krafft und Schnelligkeit selbige so

viel arbeitet, daß hundert Pferde solches nicht praestiren können.“

Um die Ausbildung der Einzelteile der Newcomen-Cawleyschen

atmosphärischen Maschine machte sich _Smeaton_ besonders verdient.

Nicht ohne Interesse ist die Frage der Kosten für eine

Newcomenmaschine. Dieselben stellten sich für eine im Jahre 1725 für

Andrew Wauchope bei Edminstone, Midlothian, errichtete Maschine auf

1007 £ 11 sh 4 d.

In dem bereits zitierten zweiten Bande seines im Jahre 1725

erschienenen ~Theatrum Machinarum hydraulicarum~ gibt Leupold in §

200 nachstehende Beschreibung einer Dampfmaschine, bei welcher zwei

Kolben auf Balanciers einwirkten und eine ständige Arbeitsleistung

herbeiführten (Abb. 27):

„_Eine Feuer-Machine mit zwey Stiefeln und Kolben, durch die

Expansion die Krafft auszuüben_.

~A~ ist der Kessel, darüber ein Hahn, vermittelst dessen einmahl der

Dunst aus ~A~ in Cylinder ~C~, und die Lufft aus ~D~ durch die Öffnung

~_EF_~ kan gelassen werden. Also auch, wenn die Öffnung aus ~A~ nach

~E~ gewendet wird. Jeder Kolben hat an seiner Kolben-Stange einen

Waag-Balcken ~_GH_~, der auf der anderen Seite wieder eine Stange zum

Kolben eines Druck-Werkes hat, und das Wasser durch die Steigröhren

~_IK_~ in die Höhe treibet.

[Illustration: Abbildung 27.

Leupolds Zweikolben-Dampfmaschine.

Aus: Leupold, ~Theatrum machinarum hydraulicarum~, Band II, Tab. 43,

Fig. 2.]

Wasser aus einem Brunnen oder Fluß etliche 20 bis 30 Ellen, oder auf

ein Rad als Aufschlag-Wasser zu bringen, dürfte diese Machine ihre

Dienste noch thun. Es kann auch alles gar leichte also angeordnet

werden, daß sich die Epistomia (Hähne) selbst auf- und zuschließen,

welches ich aber alles, wie auch auf was Art das Wasser in Kessel

wieder zu ersetzen, mit Fleiß übergangen, weil es nur eine Anleitung

seyn soll, auch reifferer Überlegung und Experimenta nöthig hat. Wie

ich mir denn vorgenommen, künfftig eine etwas starke Probe zu machen,

und einen Versuch zu thun:

_Ob man eine Schneide-Mühle in einem Wald, da genug Holtz und

stehende Pfützen sind, auf solche Weise könte compendieus anlegen_?

Weil mir aber Zeit und Gelegenheit zu dieser Machine, oder auch andere

curieuse Proben und Versuche zu machen, itzo sogleich nicht vergönnet,

so habe Hoffnung, es werde vielleicht ein andrer Curiosus daher

Gelegenheit nehmen, ein und die andere Probe deßwegen anzustellen.“

Das letzte von uns bisher genannte auf Dampfmaschinen oder Verwandtes

erteilte englische Patent stammte aus dem Jahre 1698 und betraf die

Saverymaschine. Bis zum Jahre 1712 begegnen wir überhaupt keiner auf

Wasserförderungsvorrichtungen bezüglichen Patente. Vielleicht hat man

hierin eine Folge des großen Einflusses zu erkennen, dessen sich Savery

bei dem englischen Hofe erfreute.

Erst am 27. Juni 1712 wurde wiederum ein Patent auf „eine neue und

überraschende Maschine zum Heben von Wasser“ erteilt. Inhaber sind

_Lewis Mandell_ und _John Grey_. Sodann folgen weitere auf derartige

Vorrichtungen erteilte Patente, von denen allerdings nicht feststeht,

welcher Art sie waren: Nr. 397 vom 27. Mai 1714 (_J. u. J. Coster_),

Nr. 410 vom 28. November 1716 (_Holland_), Nr. 414 vom 22. Juli 1717

(_Shuttleworth_), Nr. 437 vom 26. September 1721 (_Oriebar_).

Die Verwendung des Dampfes zum _Beheizen_ verschiedener Vorrichtungen

bildet den Gegenstand des Patentes Nr. 430 vom 25. Juni 1720, erteilt

an _Desaguliers_, _Niblett_ und _Vreem_. _Triewalds_ Patent Nr. 449

vom 29. Juni 1722 ist bemerkenswert, weil der Gegenstand desselben

ausdrücklich als eine Maschine bezeichnet ist, die durch die Kraft der

Atmosphäre Wasser aus Bergwerken emporhebt. Das Patent Nr. 463 vom

26. Februar 1724 (_John Dickins_) bezieht sich auf das Heben von Wasser

sowie auf den Antrieb von Maschinen und Schiffen. Einen ausdrücklichen

Verzicht auf die Benutzung des Feuers bei der Wasserförderung enthält

die Urkunde des Patents Nr. 469 (Valentine Flower) vom 20. Mai 1724.

Das Patent Nr. 472 vom 4. November 1724 (Robert Bumpstead) betrifft den

Antrieb einer Mühle, wo fließendes Wasser oder Wind nicht zur Verfügung

steht.

Das im Jahre 1725 an _Nuttall_ und _Skyrin_ erteilte Patent Nr. 476

ist um deswillen von Interesse, weil hier angegeben wird, daß die

Dampfmaschinen sehr teuer in der Anschaffung und Unterhaltung seien,

„denn die Gewalt des Feuers zerbricht und zerstört sie oft ganz und

gar“.

Um die Verbreitung der Dampfmaschine zu fördern, bildete sich eine

„_Vereinigung der Besitzer der Erfindung, Wasser durch Feuer zu

heben_“. Die Namen der Mitglieder dieses „Dampfmaschinen-Ringes“ waren:

_John Meres_, London; _Thomas Beake_, Westminster; _Henry Robinson_,

London; _William Perkins_, Westminster; _Edwin Wallin_, London.

Bei dem Vergleich der Liste der englischen Patente mit den Namen

der die Dampfmaschine zu immer gedeihlicherer Entwicklung führenden

Männer begegnen wir der auffallenden Tatsache, daß gerade die

wichtigsten Verbesserungen des Patentschutzes entbehrten. Vielleicht

läßt sich dieses dadurch erklären, daß die obengenannte Vereinigung

der Patentinhaber auch die von Potter, Beighton usw. gemachten

Erfindungen auf gütlichem Wege erwarb und von einer Patentierung

derselben absehen zu können glaubte, weil sie durch den Besitz der

grundlegenden Arbeiten Saverys und Newcomens hinreichend gesichert

war. Daß jene Gesellschaft sich sehr gut auf ihr Geschäft verstand,

beweist das mit dem obengenannten Andrew Wauchope getroffene Abkommen.

Hiernach waren für die Lizenz zur Errichtung der Maschine jährlich

80 £ zu entrichten, und zwar in Vierteljahrsbeträgen während der

Dauer von acht Jahren, zu welchem Zeitpunkt das Patent ablief. Ließ

Wauchope, sei es nach erfolgter Mahnung, sei es ohne eine solche, 40

Tage nach dem Zahlungstage ohne Zahlung verstreichen, so stand der

Gesellschaft das Recht zu, die Maschine wieder an sich zu nehmen und zu

ihrer Schadloshaltung zu verkaufen; ein etwaiger Überschuß sollte dem

Lizenznehmer ausgezahlt werden.

Das unter dem 13. Juni 1726 an _Jakob Rowe_ erteilte Patent Nr. 486

betrifft eine Maschine, um Wasser sowohl nach Menge als nach Förderhöhe

erfolgreich zu heben, unter Anwendung entweder expandierter oder

gepreßter Luft, sowie ein Verfahren, um mit großer Brennstoffersparnis

alle Arten von Gefäßen, enthaltend Wasser oder andere Flüssigkeiten, zu

beheizen.

Das unter Nr. 496 am 6. Mai 1728 an _Case Billingsley_ erteilte Patent

betrifft eine zweckmäßige und starke Maschine zum Heben von Wasser.

Bemerkenswert ist auch das am 19. Dezember 1728 an ~John Payne~

erteilte Patent Nr. 505, das darauf abzielt, in Fabriken erzeugte

und zur Verfügung stehende Wärme zum Antrieb eines nach Art eines

Wasserrades eingerichteten Rades zu verwenden.

~Thomas Bewley~ und ~Thomas Holtham~ erhielten unter dem 10. März

1729 das Patent Nr. 507 auf eine Maschine, die unter abwechselndem

Aussaugen von Luft und Anwendung des Druckes der Atmosphäre Wasser zur

Entwässerung von Bergwerken und zur Wasserversorgung von Städten hebt.

Am 1. September 1729 erhielt ~John Allen~, „Doktor der Physik“, das

Patent Nr. 513. ~Dasselbe betrifft die Konstruktion von Dampfkesseln~;

einen Apparat zum Trocknen von Malz; eine Maschine zum Antrieb von

Schiffen, die Verwendung von Schießpulver zur Erzielung motorischer

Kraft. Dieses Patent ist bemerkenswert, weil es eine oberflächliche

Beschreibung der betreffenden Einrichtungen bietet. Der Kessel soll

dazu dienen, Dampf zu erzeugen, der Wasser fördern soll. Um die

Leistungsfähigkeit des Kessels tunlichst zu erhöhen, verlegte Allen

die Feuerung in den Wasserraum des Kessels hinein und fügte auch eine

Rohrschlange ein. Zum Anfachen des Feuers benutzte er Gebläse.

Den Antrieb der Schiffe bewirkte er mit Hilfe der Reaktionskraft von

Wasser, das er am Heck austreten ließ. Als Betriebskraft benutzte

er eine Pulverexplosionsmaschine. Diese schlug er auch für die

Entwässerung von Bergwerken vor. In dem Kessel soll Allen stündlich

zehn und einen halben Kubikfuß Wasser verdampft haben. Das unter dem

13. Januar 1736 an ~John Payne~ erteilte Patent Nr. 555 betrifft

einen ~Dampfkessel~ mit erhöhter Verdampfung. Diese wurde dadurch

erzielt, daß in den Wasserraum des Kessels ein Schaufelrad eingebaut

war, das in Drehung versetzt wurde und das Wasser gegen die beheizten

Kesselwandungen schleuderte.

Nunmehr folgt ein Patent, das um deswillen unser besonderes Interesse

in Anspruch nimmt, weil es einen bestimmt ausgesprochenen Vorschlag zur

Benutzung der Dampfkraft für den Antrieb von Dampfschiffen enthält.

Es ist unter Nr. 556 am 21. Dezember 1736 an _Jonathan Hull_ erteilt.

Dasselbe ist betitelt: „Eine Maschine, um Schiffe und Boote in oder

aus Häfen oder Flüssen zu befördern gegen Wind und Strömung sowie bei

Windstille“. Als Antriebsmaschine benutzte Hull eine atmosphärische

Dampfmaschine. In tiefen Gewässern trieb dieselbe zwei seitwärts am

Schiff angebrachte Schaufelräder. In seichten Gewässern benutzte Hull

Stangen, die bis auf den Grund des Gewässers reichten und durch Kurbeln

in der Weise bewegt wurden, daß sie sich gegen den Erdboden stemmten

und das Schiff vorwärts bewegten. Eine Darstellung des Hullschen

Dampfschiffes, das übrigens niemals tatsächlich ausgeführt sein soll,

gibt unsere Abb. 28 nach Finchams ~A History of naval Architecture~,

London 1851.

[Illustration: Abbildung 28.

Jonathan Hulls Dampfschiff. (Nach Fincham: ~A History of naval

Architecture~.)]

~P~ ist das vom Dampfkessel zum Dampfzylinder ~Q~ führende Dampfrohr.

~R~ ist der Dampfzuleitungshahn. ~S~ ist der Hahn für die Zuführung

des Kühlwassers. ~U~ ist ein Seil, an welchem der im Zylinder ~Q~ auf

und ab bewegliche Kolben aufgehängt ist. ~_Da_~, ~D~ und ~_Db_~ sind

drei Seilscheiben, die auf einer quer zum Schiff liegenden wagerechten

Welle befestigt sind. ~_Ha_~ und ~_Hb_~ sind zwei Seilscheiben, die

auf der Welle des Schaufelrades ~_III_~ ... mittels Sperräder und

Klinken derart lose angebracht sind, daß sie die Welle nur in einer

Richtung, im Sinne des Uhrzeigers, also im Sinne der Vorwärtsbewegung

des Schiffes, in Drehung versetzen.

Das Seil ~_Fb_~ führt von ~_Hb_~ nach ~_Db_~ derart, daß, wenn die

Räder ~_Da_~, ~D~ und ~_Db_~ sich nach vorwärts drehen, auch die

Schaufelradwelle sich nach vorwärts dreht. An dem Rade ~D~ ist das den

Kolben tragende Seil ~U~ aufgehängt. Das Seil ~_Fa_~ führt von dem Rade

~_Ha_~ zu dem Rade ~_Da_~ derart, daß, wenn die Räder ~_Da_~, ~D~ und

~_Db_~ sich nach vorwärts drehen, das Rad ~_Ha_~ und das Seil ~F~ ein

an letzteres angehängtes Gewicht heben, während die Seilscheibe ~_Hb_~

die Schaufelwelle vorwärts dreht. Ist nunmehr das Gewicht gehoben, und

drehen sich alsdann die Räder ~_Da_~, ~D~ und ~_Db_~ rückwärts, so wird

das Seil ~_Fa_~ freigegeben und das an ~F~ befestigte Gewicht dreht

die Seilscheibe ~_Ha_~ vorwärts. Auf diese Weise wird bewirkt, daß

die Schaufelradwelle sich stets nach vorwärts bewegt, mag der an der

Rolle ~D~ angreifende Kolben sich auf- oder abwärts bewegen, oder mögen

sich die Scheiben ~_Da_~, ~D~ und ~_Db_~ nach vorwärts oder rückwärts

bewegen.

In seinem im Jahre 1738 erschienenen Werke ~Hydrodynamica~

schlug _Daniel Bernouilli_ vor, für den Antrieb von Schiffen

die Reaktionskraft des am Heck unterhalb der Wasseroberfläche

ausgetriebenen Wassers zu benutzen.

_John Wise_ erhielt am 7. August 1740 das Patent Nr. 571 auf eine

besondere Verwendung der Feuermaschine. Diese letztere ist als solche

bekannter Art vorausgesetzt, aber, anstatt daß sie Wasser schöpft,

ist sie an dem Ende ihres Balanciers mit einer Kette, einem Seile

oder einer Stange versehen, welche senkrecht zu derjenigen Vorrichtung

führt, die die eigentliche Erfindung Wises bildet und unter einem

besonderen Dach steht. Diese Maschine besteht aus einer horizontalen

Welle, auf der sich ein Sprossenrad befindet, das durch ein von dem

Balancier der Dampfmaschine durch eine Kette oder dergl. betätigtes

Zahnrad in eine halbe Umdrehung versetzt wird. Nach Vollendung dieser

halben Umdrehung kommen das Sprossenrad und das Zahnrad außer Eingriff,

und die Umdrehung der das Sprossenrad tragenden Welle wird durch ein

auf dessen Welle angebrachtes Schwungrad vollendet. Ist der Eingriff

des Zahnrades und des Sprossenrades aufgehoben, so wird ersteres durch

ein Gewicht in seine Anfangslage gebracht und erhält nunmehr wiederum

durch die Kette des Balanciers eine halbe Umdrehung, welche es dann

wiederum auf das Sprossenrad überträgt. Die das Sprossenrad tragende

Welle erhält somit durch Beihilfe des Schwungrades eine stetige

Drehbewegung. -- Leider ist die Beschreibung dieser Maschine nicht

durch eine Zeichnung erläutert.

Unwillkürlich drängt sich uns hier die Frage auf, aus welchem Grunde

Wise nicht die bereits damals bekannte und gebräuchliche Kurbel benutzt

hat. Daß diese insbesondere auch bei Wasserhebemaschinen in Benutzung

war, geht aus einer in den ~Abridgements~ gemachten Mitteilung hervor,

derzufolge im Jahre 1740, also in dem Jahre der Erteilung des Wiseschen

Patents, auf den ~London Bridge Water Works~ gußeiserne Kurbeln benutzt

wurden.

Nebenbei möge hier bemerkt werden, daß die Zylinder der damaligen

Dampfmaschinen meist aus Rotguß hergestellt wurden. Allerdings

versuchte man auch, das billigere Gußeisen zu benutzen. Dieses

erforderte aber durchschnittlich eine Wandstärke von 1 Zoll, während

die Rotgußzylinder nur einer solchen von 1/4 Zoll bedurften. Diese

geringere Wandstärke hatte den großen Vorzug, daß der Wärmeaustausch,

insbesondere bei der die Kondensation des Dampfes bewirkenden

Abkühlung, ein erheblich beschleunigter war, die Leistung der mit

gußeisernen Zylindern arbeitenden Dampfmaschinen stand infolgedessen um

1/8 bis 1/10 hinter den mit Rotgußzylinder arbeitenden zurück.

Die _Dampfkessel_ hatte man bis zum Jahre 1740 meist aus Kupfer und

aus Blei hergestellt. In diesem Jahre erfand _Parrot_ eine bessere

Vernietung der Eisenplatten, infolgedessen das Eisen das teure Kupfer

und Blei verdrängte.

Im Jahre 1743 berichtete Gensanne, daß auf dem Kontinent drei

Dampfmaschinen aufgestellt wurden: eine zu Fresne bei Condé, die zweite

zu Sars bei Charleroy, die dritte bei Namur. Die beiden ersteren

dienten zum Entwässern von Kohlenminen, die letztere zur Wasserhaltung

einer Bleigrube. Von der zu Fresne aufgestellten Maschine gibt Belidor

in seiner ~Architecture Hydraulique~, Bd. 2, Zeichnungen.

Bei Newcastle benutzte man damals Feuermaschinen zum Antrieb von

Wasserrädern in der Weise, daß jene das Wasser diesen von oben

zuführten. Diese Räder waren mit Schaufelungen entgegengesetzter

Richtung versehen. Je nachdem man das Wasser der einen oder der anderen

Hälfte zuführte, drehte sich das Rad in der einen oder in der anderen

Richtung. Auf diese Weise wurden die Räder zur Auf- und Abwärtsbewegung

der Fördergefäße benutzt. Nach der Angabe anderer Schriftsteller

stammen derartig umgesteuerte Wasserräder bereits aus älterer Zeit.

Eine wesentliche Verbesserung des Dampfkessels ließen sich am 12. Juli

1748 _Thomas Stevens_ und _Moses Hadley_ unter Nr. 634 patentieren.

Dieselbe ging zielbewußt auf eine erhöhte Ausnutzung des Brennstoffes

aus. Der Kessel hatte eine halbkugelförmige Gestalt, besaß aber

Wassertaschen, die von dem wagerechten Boden nach unten hin in die

Feuerzüge hineinragten. Die Feuerung lag unter dem Mittelpunkte des

Kessels, und von ihr führten die Feuerzüge die Heizgase in Spiralwegen

zum Schornstein, hierbei die Wassertaschen in ausgiebigstem Maße

bespülend. Dieses Patent enthält eine Zeichnung des Dampfkessels.

Wie Smeaton im Jahre 1754 berichtet, brachte _De Moura_ an dem

Dampfgefäß der Saveryschen Maschine einen Schwimmer an, der die

Kondensation und den Dampfaustritt selbsttätig regelte.

Erst nach einer Pause von sieben Jahren begegnen wir dann wiederum

einem auf die Dampfmaschine bezüglichen Patent. Dasselbe ist unter

Nr. 703 am 8. August 1753 dem „Ingenieur“ _Georg John_ erteilt und

betrifft ein Verfahren, durch welches vermieden wird, daß beim

Tieferbringen von Schächten die gesamte Pumpenanlage abgebrochen und

tiefer gelegt werden muß.

Ein für die weitere Ausbildung des Dampfkessels wichtiges Patent wurde

unter dem 27. Mai 1756 dem Puddler _John Wright_ unter Nr. 709 erteilt.

Dieses Patent bezweckte gleich dem vorgenannten Patent Nr. 634 (Stevens

und Hadley) eine tunlichst weitgehende Ausnutzung der Heizkraft der

Feuerungsstoffe und steht in einem wohltuenden Gegensatz zu der damals

allgemein üblichen Kohlenvergeudung. John Wright beabsichtigte,

eine tunlichst große Berührungsfläche zwischen den Feuergasen und

den Kesselwandungen herbeizuführen. Da der damalige Stand des

Dampfkesselbaues den Einbau eines Innenrohres nicht ermöglichte,

führte Wright die Feuergase an die Außenseite des Kessels zurück.

Das Speisewasser wurde an derjenigen Stelle des Kessels eingeführt,

wo die Feuerung die größte Wärmewirkung hervorbrachte. Schließlich

schlug Wright auch noch vor, die von dem Kessel ausstrahlende Wärme zum

Rösten von Zinn-, Blei- und Eisenerzen u. a. m. zu verwenden, indem

er diese Stoffe in einen unterhalb des Kessels angeordneten Hohlraum

einbrachte. Im Jahre 1756 brachte dann noch Sampson Swain einen nicht

unter Patentschutz gestellten Dampfkessel in Vorschlag, bei welchem

eine Schlange die Feuergase durch den Wasserraum leitete.

In demselben Jahre wurden zwei aus England bezogene atmosphärische

Maschinen auf einer Kupfermine am Passaic in Nordamerika in Betrieb

gesetzt.

Unter dem 12. März 1757 erhielt _Isaac Wilkinson_ das Patent 713 auf

eine mittels einer Feuermaschine angetriebene _Gebläsemaschine_. Diese

letztere hatte folgende Einrichtung: viereckige, runde, längliche,

achteckige oder irgendwie anders gestaltete Gefäße aus Eisen, Holz,

Messing, Kupfer, Blei oder einem anderen Material oder aus einem

zusammengesetzten Material werden einzeln, zu zweien, dreien, vieren,

sechsen oder mehreren entweder nebeneinander oder übereinander

angeordnet, und zwar sind dieselben derartig eingerichtet, daß wenn

sie mit Luft gefüllt sind, diese Luft durch eine entsprechend hohe

Wassersäule gepreßt wird, die in die Gefäße eintritt und den von der

Luft bisher eingenommenen Raum einnimmt. Mit Hilfe von Ventilen,

Regelungseinrichtungen, Hähnen oder Hebern, die sich abwechselnd öffnen

oder schließen, wird das Wasser ein- und die Luft ausgelassen und

letztere durch ein Rohr auf eine beliebige Entfernung fortgeführt, so

daß ein Schmelzofen oder eine Schmiede oder ein anderes Werk von einem

Wasserfall oder von einer Feuermaschine aus mit Gebläseluft versorgt

werden kann.

Im Jahre 1757 suchte _Keane Fitzgerald_ die Verdampfung dadurch zu

beschleunigen, daß er in das im Dampfkessel enthaltene Wasser Luft

durch Gebläse einführte.

Im Juni 1757 veröffentlichte Professor _John Robison_ im „Universal

Magazine“ eine Dampfmaschine mit umgekehrt angeordnetem Zylinder.

Im Jahre 1758 versuchte _Fitzgerald_ die schwingende Bewegung des

Balanciers durch Zahnräder und Sperrwerke auf eine umlaufende Welle zu

übertragen.

Das nun zu nennende Patent _James Brindleys_ Nr. 730 vom 27. September

1758 ist unter den Fachleuten bekannter als die Mehrzahl der

vorgenannten Patente. Unter anderem erwähnt dasselbe auch Severin in

seiner Geschichte der Dampfmaschine[52].

Der Titel des Brindleyschen Patents lautet allgemein: „Eine

Fördermaschine zum Entwässern von Bergwerken und Ländereien, oder zur

Wasserversorgung von Städten und Gärten“. Brindley schlägt vor, den

Kessel aus Ziegelstein oder natürlichem Stein, zum Teil sogar aus

Holz herzustellen; die Stirnwand, wo die Feuerung angebracht wird,

besteht aus Gußeisen. Um der durch die Wärme bewirkten Ausdehnung sich

anschließen zu können, werden Dilatationsplatten angebracht. Der die

Feuerung umgebende Raum ist ganz aus Gußeisen hergestellt und liegt

vollständig im Wasser. Brindley glaubte, durch diese Anordnung eine

größere Sparsamkeit und Sicherheit zu erzielen, als dies bei den bisher

üblichen eisernen, leicht explodierenden Kesseln möglich war.

Des weiteren schlug Brindley vor, die großen an dem Balancier

angreifenden Triebketten nicht aus Eisen, sondern aus Holz mit eisernen

Gelenkzapfen herzustellen.

Die wichtigste der von Brindley angegebenen Neuerungen besteht aber

in der selbsttätigen, vom Kesselwärter durchaus unabhängig sich

vollziehenden Speisung des Kessels mit Wasser. Zu diesem Zweck schließt

er das Speiserohr nach dem Innenraum des Kessels hin mittels Schwimmer,

welche Ventile tragen, ab. Sinkt der Wasserstand, so öffnen sich diese

Ventile und lassen frisches Speisewasser in den Kessel treten.

Von besonderem Interesse ist auch das unter dem 25. Mai 1759 an

_Henry Wood_ erteilte Patent Nr. 739. Dasselbe ist bezeichnet als

das Betreiben einer Feuermaschine nach einem neuen Grundsatz, der

völlig abweicht von den bisher üblichen und weniger als die Hälfte

der bisher für Kohlen aufgewendeten Kosten verursacht. Das gegenüber

den bekannten Verfahren Neue bestand darin, daß die Feuermaschine

nicht mit Dampf, sondern mit erhitzter Luft betrieben wurde. Die

Erhitzung der Luft geschah in der Weise, daß Wood die Luft durch Feuer

oder durch auf Rotglut erhitzte Röhren oder durch kochendes Wasser

streichen ließ, oder daß sie auf irgendeine andere Weise erhitzt oder

verdünnt wurde. Die heiße Luft kann in den Zylinder der Maschine auf

verschiedene Art eingeführt werden, entweder mittels Blasebälgen oder

kleiner Luftpumpen mit besonderen Kolben und Ventilen, oder es kann

der Überdruck der Atmosphäre durch Heizkörper hindurch die Luft in den

Zylinder während des Emporsteigens des Maschinenkolbens hineindrücken

und auf diese Weise den Zylinder mit heißer Luft anfüllen, die dann zur

Erzielung eines Vakuums kondensiert werden und nach der Kondensation

aus dem Zylinder hinausbefördert werden muß. Diese Entfernung der

Luft aus dem Zylinder kann auf verschiedene Weise bewirkt werden;

wird die heiße Luft in den Zylinder durch eine den Atmosphärendruck

übersteigende Kraft hinausgetrieben, so wird diese Kraft die Luft durch

das sogenannte Blubberventil (~snifting pipe~) hinaustreiben; ist der

angewendete Druck dem der Atmosphäre gleich, so muß die kondensierte

Luft durch eine Pumpe hinausgepumpt werden, die entweder von der

Maschine oder sonstwie angetrieben wird. „Meine Erfindung besteht“,

so führt Wood aus, „also in dem Betrieb einer Feuermaschine durch eine

der genannten Methoden oder auf eine bisher nicht bekannte Weise, die

auf der Benutzung erhitzter oder verdünnter Luft beruht, oder auf der

Benutzung von heißer Luft in Verbindung mit Dampf, welch letzterer

dann unvermeidlich ist, wenn die Erhitzung der Luft in Röhren mittels

kochenden Wassers erfolgt.“ Trotzdem die Sprache der Patentschrift

erkennen läßt, daß es sich hier um eine zielbewußte Ausnutzung tiefer

physikalischer Kenntnisse handelt, ist über eine praktische Ausführung

der sachgemäß durchgeführten Maschine nichts festzustellen.

Nunmehr folgt das an _Jonathan Greenall_ unter dem 6. Februar

1761 erteilte Patent Nr. 761. Dasselbe weist allerdings eine

schwerverständliche Beschreibung und unklare Zeichnung auf, läßt jedoch

zweifellos folgende vier wesentliche Neuerungen erkennen:

Die Geschichte der Dampfmaschine bis James Watt · 第 49 / 109 题