Aus „~A New Digester~“. London, 1681.]

Es ist dies das Patent Nr. 212 vom 25. Juni 1681. Dasselbe ist an

_William Pawley_ und _Edward Dallow_ erteilt und betrifft einen neuen

Weg oder Kunst zum Entwässern von Bergwerken. Das zweite Patent ist am

19. August 1681 unter Nr. 215 an _John Joachim Becher_, _Henry Serle_,

_Henry Vincent_, _John Weale_ und _Samuel Weale_ erteilt und betrifft

eine Maschine, um Wasser zu heben und in den größten Mengen aus

Bergwerken und aus den größten Tiefen hinauszufördern mit großem Erfolg

und geringem Aufwand an Arbeit.

Im Jahre 1682 machte _Hautefeuille_ den bemerkenswerten Vorschlag, an

Stelle der Pulvergase Alkoholdämpfe als Treibmittel für den Kolben zu

benutzen. Der Alkohol sollte abwechselnd verdampft und kondensiert

werden[44].

Auch in diesem Jahre wurden mehrere hier zu erwähnende englische

Patente erteilt: Nr. 218 vom 12. Mai 1682 _John Tredenham_, _Charles

Vivian_, _John Threwren_, _William Harris_: Eine neue Maschine, um

Wasser auf leichtere und vorteilhaftere Weise zu heben als bisher, die

sich zum Gebrauch für die Entwässerung der Zinngruben von Cornwall und

anderer Bergwerke eignet; Nr. 219 vom 16. Juni 1682 _Robert Aldersey_:

eine Maschine, um schneller und leichter Wasser aus den größten Tiefen

zu heben.

Im Jahre 1683 verfaßte dann der bereits auf S. 57 erwähnte Sir Samuel

Morland eine Schrift[45] über das Heben von Wasser durch Maschinen

aller Art.

Diese Schrift wird im Manuskript in der Harleiansammlung des Britischen

Museums zu London aufbewahrt. Hier heißt es:

„_Die Prinzipien der neuen Kraft des Feuers, im Jahre 1682 von dem

Ritter Morland erfunden und im Jahre 1683 Seiner christlichen Majestät

unterbreitet_.

Wird Wasser mit Hilfe des Feuers verdampft, so nehmen diese Dämpfe

sofort einen größeren Raum ein (ungefähr das Zweitausendfache), als das

Wasser zuvor einnahm, und werden, wenn man ihnen keinen Ausweg bietet,

sogar ein Kanonenrohr zersprengen. Werden sie aber nach der Lehre vom

Gleichgewicht geleitet und nach den Regeln der Wissenschaft behandelt,

so werden sie friedlich (wie gute Lastpferde) ihre Bürde tragen und auf

diese Weise der Menschheit großen Nutzen stiften, insbesondere beim

Heben von Wasser gemäß der folgenden tabellarischen Zusammenstellung,

welche die Zahl von Pfunden angibt, die in einer Stunde 1800mal um 6

Zoll gehoben werden können mittels zur Hälfte mit Wasser gefüllter

Zylinder“.

==========================================================

Zylinder ¦Zu hebendes Gewicht

--------------------------------------¦in Pfunden

Durchmesser in Fußen ¦ Höhe in Fußen ¦

=====================¦====================================

1 ¦ 2 ¦ 15

2 ¦ 4 ¦ 120

3 ¦ 6 ¦ 405

4 ¦ 8 ¦ 960

5 ¦ 10 ¦ 1875

6 ¦ 12 ¦ 3240

--------------------------------------¦-------------------

Zahl der Zylinder 1 ¦ 3240

von 6 Fuß 2 ¦ 6480

Durchmesser und 3 ¦ 9740

12 Fuß Höhe 4 ¦ 12960

5 ¦ 16200

6 ¦ 19440

7 ¦ 22680

8 ¦ 25920

9 ¦ 29160

10 ¦ 32400

Aus dem Gesagten geht hervor, daß Morland ziemlich umfangreiche

Versuche angestellt hat. Wenngleich die Wirkungsweise des Dampfes in

den Zylindern nicht angegeben ist, so liegt doch die Auffassung nahe,

daß Morland sich an die Vorrichtung des Marquis of Worcester angelehnt

hat und daß das Wasser in die Zylinder hineingelassen und mittels des

Druckes des Dampfes aus diesen hinausgepreßt wurde.

Während seines Aufenthaltes in Frankreich verfaßte dann Morland noch

ein anderes größeres Buch über das Heben von Wasser. In diesem Buche

ist aber nichts von der Verwendung der Dampfkraft enthalten.

Morland starb im Jahre 1696.

In den Jahren 1684-1687 führte Papin als ~Curator of Experiments~ der

Londoner ~Royal Society~ zahlreiche Versuche aus, die sich zum Teil auf

die Verwertung des Luftdrucks bezogen. Auf Grund dieser Versuche schlug

er vor, in einem Zylinder einen Kolben auf- und abwärts verschiebbar

anzuordnen und die unterhalb des Kolbens befindliche Luft durch eine

Luftpumpe abzusaugen, infolgedessen dann der Kolben unter dem Überdruck

der Atmosphäre abwärts bewegt wurde[46].

Da die ~Royal Society~ diesen Vorschlag nicht annahm, leistete Papin

einem Ruf des Landgrafen Karl von Hessen als Professor der Mathematik

an der Universität Marburg Folge.

Hier setzte er seine Versuche, eine Luftdruckmaschine zu erbauen, fort.

Hierbei kam er bald auf den Plan, die von Huygens ausgenutzte Kraft der

Pulvergase durch die Expansivkraft des Wasserdampfes zu ersetzen.

Seine diesbezüglichen Arbeiten wurden unter dem Titel „~Nova methodus

ad vires validissimas levi pretio comparandas~“ (Neues Verfahren, um

die größten Kräfte auf billige Weise zu erzielen) im August 1690 in

den „~Actis Eruditorum~“ und in dem „~Fasciculus dissertationum de

novis quibusdam _Machinis_ atque aliis argumentis philosophicis quorum

seriem versa pagina exhibit authore Dionysio Papin~“ (Marburg 1695)

veröffentlicht.

Hier geht Papin von der Beobachtung aus, daß bei den Pulvermaschinen

unterhalb des Kolbens sich die zum Hinabdrücken des Kolbens

erforderliche Luftleere nicht erzielen läßt. Er fährt dann wörtlich wie

folgt fort:

„Ich habe daher versucht, denselben Erfolg auf einem anderen Wege zu

erreichen: Da das Wasser die Eigenschaft besitzt, nachdem es durch

Feuer in Dampf verwandelt ist, eine federnde (elastische) Kraft wie die

Luft zu besitzen und später unter der Einwirkung von Kälte sich wieder

so vollkommen in Wasser zu verwandeln, daß es keinerlei federnde

Kraft mehr besitzt, glaubte ich, daß sich mit Leichtigkeit Maschinen

bauen lassen, in denen das Wasser unter mäßigem Wärmeaufwand und mit

geringen Kosten jene völlige Luftleere hervorbringt, die sich mit

Hilfe des Schießpulvers niemals erzielen ließ. Unter allen denjenigen

Vorrichtungen, die zu diesem Zwecke ersonnen werden können, scheint mir

die nachstehend beschriebene am geeignetsten.

~_AA_~ (Abb. 21) ist ein Rohr, das überall denselben lichten

Durchmesser besitzt und an seinem unteren Ende dicht verschlossen

ist. ~_BB_~ ist ein dem Rohre angepaßter Kolben. ~_DD_~ ist eine an

dem Kolben befestigte Stange. ~E~ ist ein eiserner Stab, der um ~F~

drehbar ist. ~G~ ist ein elastisches Blättchen, das auf die Stange

~E~ derart drückt, daß diese in die Öffnung ~H~ der Kolbenstange

~_DD_~ hineingepreßt wird, sobald der Kolben und die Kolbenstange so

weit in dem Zylinder nach oben gelangt sind, daß die Öffnung ~H~ der

Kolbenstange oberhalb des Deckels ~_II_~ liegt. ~L~ ist ein im Kolben

befindliches Loch, durch welches die Luft aus dem unteren Teile des

Rohres ~_AA_~ entweichen kann, wenn der Kolben in dem Rohre nach unten

gedrückt wird.

[Illustration: Abbildung 21.

Papins erste Dampfmaschine. Aus: ~Fasciculus Dissertationum~. Marburg

1695.]

Die Benutzung der Maschine erfolgt nun in nachstehend beschriebener

Weise: In das Rohr ~_AA_~ wird eine kleine Menge Wasser, etwa 3 bis

4 Linien hoch, eingebracht und der Kolben so weit abwärts geführt,

daß eine Kleinigkeit des in den Hohlraum eingebrachten Wassers durch

das Loch ~L~ empordringt. Hierauf wird dieses Loch ~L~ durch den Stab

~_MM_~ verschlossen. Hierauf wird der mit den erforderlichen Öffnungen

versehene Deckel ~II~ aufgebracht, und nachdem man dann ein mächtiges

Feuer angefacht hat, erwärmt sich das aus dünnem Metall hergestellte

Rohr. Das in diesem enthaltene Wasser verwandelt sich in Dampf und übt

einen so starken Druck aus, daß es den Druck der Atmosphäre überwindet

und den Kolben ~BB~ so weit emporhebt, bis die Öffnung ~H~ der

Kolbenstange ~DD~ über den Deckel gelangt und der Stab ~E~ mit einigem

Geräusch von dem elastischen Blättchen ~G~ in die genannte Öffnung ~H~

hineingestoßen wird. Nun muß sofort das Feuer beseitigt werden. Die

Dämpfe, die in dem dünnwandigen Rohre enthalten sind, werden unter

dem Einfluß der Kälte in kurzer Zeit wieder in Wasser verwandelt. Der

Stab ~E~ wird nun aus der Öffnung ~H~ hinausgezogen und gestattet

also der Kolbenstange den Abstieg. Zugleich wird auch der Kolben ~BB~

unter dem vollen Druck der Atmosphäre nach unten gedrückt. Hierbei

erfolgt diese beabsichtigte Bewegung um so energischer, je größer der

lichte Durchmesser der Röhre ist. Es steht außer Zweifel, daß der

Atmosphärendruck seine ganze Kraft in derartig ausgestatteten Röhren zu

äußern vermag.“

_Papin ist also hier mit voller Absichtlichkeit dazu übergegangen, die

Verdichtung des Dampfes und die dadurch bewirkte Luftleere zum Antrieb

einer Kolbenmaschine zu benutzen._

Als Verwendungszweck seiner Maschine gibt Papin an: die _Förderung von

Wasser und Erz aus den Bergwerken, das Schleudern eiserner Kugeln auf

weiteste Entfernungen hin, den Antrieb von Schiffen gegen den Wind_.

Sonstige Möglichkeiten der Verwendung werden sich nach Papins Meinung

von Fall zu Fall von selbst ergeben.

Papin hatte vor allem die Verwendung seiner Maschine zum Antrieb von

Schiffen im Auge. Er hatte nämlich während seines Londoner Aufenthalts

ein dort auf Befehl des Pfalzgrafen Rupert erbautes Schiff gesehen, das

mit Schaufelrädern ausgestattet war, die mittels eines durch Pferde

bewegten Göpels angetrieben wurden. Dieses Schiff hatte die mit 16

Ruderern besetzte Barke des Königs an Schnelligkeit weit überholt.

Papin schlug vor, die gezahnten Kolbenstangen von drei oder vier der

von ihm erfundenen Zylinder in Zahnräder eingreifen zu lassen, die auf

der Welle der Schaufelräder angebracht waren. Dieser Eingriff sollte

abwechselnd geschehen, um ununterbrochen drehende Bewegung der Welle

zu erzielen. Die Triebräder sollten sich, wenn die Kolben aufwärts

gingen, auf der Achse lose drehen, um aber dann, wenn sie auf die Achse

einwirken sollten, mittels Sperrklinken anzugreifen.

Papin erblickte die größte der Verwertung seiner Erfindung

entgegenstehende Schwierigkeit in der Herstellung hinreichend großer

Zylinder, glaubte aber, daß sich die Überwindung dieser Schwierigkeit

bezahlt machen werde, da die Zylinder zu den verschiedensten Zwecken

dienen könnten.

Des allgemeinen Interesses halber möge hier eingeschoben werden,

daß sich Papin in der folgenden Zeit u. a. mit Erfolg dem Bau eines

Unterwasserbootes widmete, der ihn bis zum Mai 1692 in Anspruch nahm.

Um diese Zeit wendete sich Papin allmählich wieder der Dampfmaschine

zu, indem er zunächst bestrebt war, Verbrennungseinrichtungen zu

schaffen, die eine tunlichst weitgehende Ausnutzung der Brennstoffe

ermöglichten. Die Anregung hierzu erhielt er von dem Grafen von

Sayn-Wittgenstein.

Papin gelangte bei seinen Untersuchungen über das Wesen der Verbrennung

fast 100 Jahre vor der Entdeckung des Sauerstoffes zu Auffassungen, die

auch jetzt noch als für den Bau von Feuerungsanlagen maßgeblich gelten.

Die zur vollständigen Verbrennung erforderliche Luftmenge wollte Papin

mittels Zentrifugalventilators dem Brennstoff zuführen. Hierbei trug

er schon dem Umstand Rechnung, daß ein Übermaß von zugeführter Luft

schädlich wirken muß. Auch wärmte er die zugeführte Luft vor.

Weitere Anregungen erhielt Papin _in den Jahren 1692 und 1693_ durch

die Grafen Zinzendorf und Solms, deren Bergwerke außerordentlich unter

dem Andrange von Wasser zu leiden hatten. Dem erstgenannten empfahl er

die Aufstellung einer atmosphärischen Dampfmaschine.

Der Landgraf von Hessen beauftragte inzwischen Papin mit den

verschiedenartigsten Versuchen und mit der Beantwortung der

verschiedenartigsten Fragen. Eine im Jahre 1697 gestellte Frage bezog

sich auf die Ursachen des Salzgehaltes der salzigen Quellen. Diese

Frage konnte beantwortet werden, sofern es gelang, größere Mengen

Wasser auf große Höhen zu heben. Hierzu aber erschien am geeignetsten

die Gewalt des Feuers.

Inzwischen ließen die in England erteilten Patente erkennen, daß

man auch dort den Vorrichtungen zum Heben von Wasser andauernd

ein lebhaftes Interesse entgegenbrachte. Wenngleich aus den

veröffentlichten Patentschriften nicht unmittelbar zu ersehen ist,

daß sie die Verwendung der Dampfkraft betreffen, so ist doch die Art

und Weise, in welcher die betreffenden Vorrichtungen gekennzeichnet

werden, in hohem Maße geeignet, die Auffassung zu erwecken, daß es sich

um Wasserhebevorrichtungen handelt, die sich in den Bahnen, die der

Marquis of Worcester gewiesen hatte, bewegten.

Am 11. Januar 1692 erhielt _Thomas Gladwyn_ das Patent Nr. 287 auf

eine neue Maschine, um Wasser (besser als mittels Kettenpumpen) aus

Schiffen herauszupumpen, Feuer auf Schiffen und in Häusern zu löschen

und Bergwerke zu entwässern.

Des weiteren sind hier folgende Patente zu nennen: Nr. 312 vom

31. Januar 1693, erteilt an _Marmaduke Hudgeson_: ein Motor, Anlage

oder Maschine, um Wasser und andere Flüssigkeiten in den größten Mengen

zu heben und fortzuführen, und zwar aus den größten Tiefen zu den

höchsten Höhen, ohne die Kräfte von Menschen, Pferden, Wind, Strömung

zu benutzen. Nr. 321 vom 27. April 1693, erteilt an _John Bushnell_:

Verfahren, um Flüsse, Häfen, Kanäle usw., welche mit Sand und Schlamm

angefüllt sind, auszuspülen. Nr. 324 vom 19. September 1693, erteilt an

_Cornelius Losvelt_: eine neue Maschine zum Heben von Wasser, Waren und

anderen Dingen durch einen künstlichen Zufluß und Rückfluß (~flux and

reflux~) von Wasser.

Nr. 327 vom 24. November 1693, erteilt an _John Poyntz_: Verschiedene

Instrumente aus Holz, Eisen, Stahl und anderen Stoffen, um Wasser

sowohl aus stehenden wie fließenden Gewässern zu heben und ständig im

Lauf zu erhalten für Fabrikzwecke.

Nr. 338 vom 13. Dezember 1694, erteilt an _Nicholas Barbon_: Neue

Maschine und Verfahren, um Wasser aus der Themse oder anderen Flüssen,

die innerhalb der Ebbe und Flut liegen, zu heben ohne Hilfe von Pferden

oder anderen Tieren.

Nr. 348 vom 24. Januar 1696, erteilt an _Jones_: Eine Maschine, die

an Leichtigkeit und Schnelligkeit und Kraft ihrer Bewegung alle bisher

gebräuchlichen Maschinen zum Entwässern von Gruben, zum Betriebe von

Gebläsen der Metallhammerwerke und Metallschmelzwerke übertrifft und

verwendbar ist, um beim Fehlen von Windkraft und Wasserkraft die

Nachteile der Windstille und des Wassermangels von den Fabrikanlagen

fernzuhalten.

Nr. 349 vom 6. März 1696, erteilt an _Samuel Buttall_: Ein neues

Verfahren und Maschine, um Wasser aus Gruben, Schiffen usw. durch

Röhren zu entfernen.

Nr. 355 vom 19. Juli 1698, erteilt an _John Yarnald_: Maschine zum

Entwässern von Bergwerken, Morästen usw. und zur Wasserversorgung von

Städten, Dörfern und Häusern.

In demselben Jahre wurde ein Patent erteilt, das ausdrücklich angibt,

daß es sich um die Verwendung von Feuer handelt, und das _einen

Markstein in der Entwicklung der Dampfmaschine bildet_. Dasselbe

(Nr. 356) ist unter dem 25. Juli 1698 an _Thomas Savery_ erteilt

und betrifft „Eine neue Erfindung zum Heben von Wasser und zur

Hervorbringung von Bewegung (Antrieb) für alle Arten von Fabriken

durch die _Triebkraft des Feuers_, welche von großer Wichtigkeit sein

wird für die Trockenlegung von Bergwerken, zur Wasserversorgung von

Städten und für den Betrieb von Fabriken aller Art, welche sich keiner

Wasserkraft oder ständiger Kraft der Winde erfreuen“.

Savery führte am 14. Juni 1699 der ~Royal Society~ ein Modell seiner

Maschine vor. Die Verhandlungen der Gesellschaft (1699, Nr. 253,

Bd. 21) berichten hierüber kurz wie folgt: „Herr Savery unterhielt am

14. Juni 1699 die Gesellschaft, indem er eine Maschine vorzeigte, die

Wasser mit Hilfe der Kraft des Feuers hob. Er erhielt den Dank der

Gesellschaft für seine Vorführung, die den Erwartungen entsprach und

Beifall fand.“

Papin, der zu jener Zeit mit der Vervollkommnung seiner Dampfmaschine

beschäftigt war, erhielt, wie Gerland[47] berichtet, von Dr. Slare

aus London eine briefliche Mitteilung, welche sich offenbar auf die

Saverysche Maschine bezog und im Gegensatz zu dem soeben Gesagten

ausführte, daß in Gegenwart einer Parlamentskommission eine Maschine

versucht worden sei, die Wasser mit Hilfe von Feuer hob, jedoch mit

durchaus unzureichendem Erfolg.

Um nach Ablauf des auf 14 Jahre erteilten Patents nicht der Früchte

seiner Arbeit verlustig zu gehen, erhielt Savery auf Antrag im Jahre

1699 jenes Patent durch Parlamentsakte auf weitere 21 Jahre verlängert.

Bevor wir auf die Saverysche Maschine des näheren eingehen, müssen

wir noch einige Anwendungen der Dampfkraft für Zwecke der Bewegung

anführen, die in das letzte Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts fallen.

Diese sollen durch _Grimaldi_ und _Periera_ im Jahre 1694 zu Peking

vor dem Kaiser Chang Hi erfolgt sein[48], und zwar zum Antrieb eines

Wagens und eines Schiffes. Erstere geschah wie folgt: Auf einem

leichten hölzernen Wagengestelle wurde ein Kohlenfeuer unterhalten,

oberhalb dessen sich eine Äolipile befand, deren Dampfstrahl gegen ein

Schaufelrad prallte und dieses in Drehung versetzte. Von diesem Rade

führte eine Treibstange zu der einen Achse des Wagens, der hierdurch in

Bewegung gesetzt wurde. Da für den Vorwärtsgang des Wagens genügender

Raum nicht zur Verfügung stand, waren Einrichtungen getroffen, die den

Wagen im Kreise fahren ließen. Das Schiff trug zwei Äolipilen, durch

welche unter Vermittlung von Schaufelrädern, von denen je eins vor

jeder Äolipile angebracht war, vier Ruderräder angetrieben wurden.

Im Jahre 1699 schlug _Guillaume Amontons_ eine als „_Feuerrad_“

benannte Rotations-Dampfmaschine vor. Dieselbe ist in Abb. 22

dargestellt und war nach Leupolds ~Theatrum Machinarum Generale~

(Leipzig 1724) § 397 wie folgt gedacht:

„_Amontons Rad, durch Feuer, Wasser und Lufft eine große Krafft und

Vermögen zu schaffen_.

Der Inventor ist der sonst durch seine besondere Mechanische

Erfindungen und Schrifften genugsam bekannte _Amontons_, dessen bey

der Friction schon Meldung gethan worden. Er calculiret und gibt vor,

daß man mit dieser Machine so viel thun könne, als 39 Pferde oder 234

Menschen, und daß sie aller Orthen und allezeit einerley Effect behalte.

_Die Beschreibung ist diese_:

~_ABDEF_~ usf. sind metallene Kasten, welche aller Orten fest

verschlossen sind, bis auf eine Röhre, diese Kasten sind voll Lufft

~_ABCDE_~ etc. etc. ~K~ ist ein Feuer, welches die Lufft im Kasten

A erwärmt und expandiret, daß solche einen Ausgang suchen muß, und

durch die Röhre ~H~ hinaustritt in den Siphonem ~_JJ_~ und presset das

Wasser, treibt das Ventil in 18 zu, und stößet die Ventile 7, 8, 9 auf,

und treibet das Wasser gegen ~Y~, nachdem nun das Wasser von unten

hinaufgestiegen, und das Rad auf dieser Seite schwehrer gemacht, muß es

nothwendig von ~B~ nach ~A~ heruntergehen, und kommt der Kasten ~A~ ans

Feuer, ~_MN_~ aber ins Wasser, und also ferner mit allen Kasten.

[Illustration: Abbildung 22. Amontons Feuerrad.

Aus: Leupold, Theatrum Machinarum Generale. Tab. 53, Fig. 2. (Die

horizontale Schraffur deutet Wasser an.)]

Das Rad soll im Diametro von 20, 24 bis 30 Fuß seyn, und die Tiefe 12

Fuß. Wenn die Hitze in ~_AB_~ einem siedenden Wasser gleich, so würde

sie so viel als 39 Pferde thun. Eine weitläuftige Beschreibung hiervon

zu geben, erachte ich nicht nöthig, weil man schon ziemlichermasen

die Methode sehen kann, und ~ad praxin~ zu bringen, sich's keiner

unterstehen wird, selbe zu verfertigen; denn ich halte es vor

unmöglich, solche accurat nachzumachen, und wenn es auch wäre, würde

die Arbeit und Mühe noch grösser seyn, die Fehler zu finden und solche

zu repariren.

Inzwischen bin dadurch bewogen worden eine gantz leichte und simple

Art, die viel stärcker arbeiten muß, zu erdenken. Ich werde mir aber

ausbitten solche nicht eher zu communiciren, bis genugsame Proben

damit abgeleget; und habe ich nur wegen der Zeit noch eines oder das

andere zu untersuchen. Ich glaube zwar, daß Amontons Machine soviel

Kraft gehabt hat als 37 Pferde: ob die Pferde aber in einem Tage mehr

thun können als das Rad? ist eine andere Frage. Denn ich kan zwar ein

Heb-Zeug machen, da ich mehr heben kan als 100 Mann; alleine, wenn

die 100 Mann mit mir zugleich einen Tag arbeiten solten, würde es mit

mir übel aussehen; denn was sie einen Tag machten, müßte ich 100 Tage

dazu haben, und weil die Kasten 6 Fuß tieff seyn sollen, und 12 breit,

so gehöret viel Zeit dazu, ehe einer erwärmet wird, absonderlich weil

solche wegen der ungeheuren Größe und Gewalt des Feuers und Lufft auch

stark von Metall seyn müssen.“

Das von Leupold verbesserte Amontonssche Feuerrad ist in Abb. 23

dargestellt und war wie folgt geplant:[49]

„Nachdem ietzo bey dem Druck die fünffzigste Tafel noch beygebracht,

so habe nebst diesem resolviret, dennoch einen Entwurff von meinem

Feuer-Rad zu geben, doch nur in so weit, daß man die Art sehen kan, wie

es tractiret wird, und von des Amontons unterschieden ist. Die Figur

stehet in Profil, da a ein Umschweiff von Meßing oder Kupffer in die

8 bis 9 Zoll tieff und 12 Zoll breit ist, daß dieser Umschweif und

Kasten justement in 12 Theile oder besondere Kästen abgeteilet, und

jeder wohl verwahret, daß keine Lufft, ohne durch eine besondere Röhre,

die jeder Kasten hat, heraus, und in einen anderen daran befestigten

Kasten weichen kann, wie bey ~A~ die Röhre ~_bc_~ ist, und mit dem

Theil ~c~ in dem anderen Kasten stehet; dieser Kästen sind gleichfalls

zwölf, und auch verwahret, daß weder Wasser noch Lufft weichen kann,

ohne durch die Röhre die von dar durch's Centrum des Rades in einem

andern gegenüber stehenden Kasten gehet, und ist hier die Röhre aus

dem Kasten _cde_, die äußerlichen Kästen ~_Afghil_~ etc. etc. haben

nur blose Lufft in sich, von den inwendigen zwölffen sind aber derer

sechs mit Wasser gefüllet. Die zwei Umschweiffe oder 24 Kästen nebst

denen 12 Röhren sind wohl und genau mit einander verbunden, und in ein

Gehäuse und Welle gefasset, wie ein ordinair Wasser-Rad. Anstatt des

Wassers aber ist bei ~C~ ein Ofen also angerichtet, daß das Feuer die

drey Kästen von ~K~ bis ~n~ mit seiner Flamme bestreichet, und dadurch

die Lufft in denen gemeldeten Kästen erwärmet, verdünnt und ausbreitet,

daß solche durch die kleinen krummen Röhren in die Wasser-Kästen tritt,

und das Wasser in die gegenüber stehenden Kästen treibt; als das Wasser

aus ~o~ gehet durch die Röhre ~_pq_~ im Kasten ~m~, aus ~c~ durch

~_de_~ im Kasten ~r~, und so fort an. Und auf solche Art wird das Rad

bey dem Feuer allezeit leichter, und gegenüber schwehrer; also wenn

das Rad genugsam Grösse hat, und das Feuer vollkommene Stärke, sehr

große Gewalt kan damit effectuiret werden, ja wo alles wohl observiret

wird, es allen Machinen wo nicht zuvor, doch gleich thun kan. Und ist

nur das größte Impediment, daß solche Machine noch nicht in grossen

aufgerichtet, die grosse Consumtion des Holtzes, welches ohnedem

überall mangelt. Deswegen ich auch solche Invention bereits nun etliche

Jahre ruhen lassen.“

[Illustration: Abbildung 23.

Leupolds verbessertes Amontonssches Feuerrad. Aus: Leupold, ~Theatrum

Machinarum Generale~, Tab. 50, Fig. 11.]

In demselben Jahre, 1698, in welchem Savery ein Patent auf seine

Dampfmaschine erhielt, hatte Papin den Auftrag empfangen, bei Kassel

eine Pumpe aufzurichten, die mit Hilfe der Kraft des Feuers Wasser aus

der Fulda pumpen sollte. Bis Ende August 1698 hatte er festgestellt,

daß er durch die Ausdehnung des Dampfes das Wasser auf eine Höhe von 70

Fuß heben könne und daß bei geringer Vermehrung der Wärme dieser Betrag

sich noch erhöhen lasse. Diese Feststellung war aber um die Hälfte zu

hoch, wie Papin später selbst erkannte. Wie dieser am 13. März 1704 an

Leibniz schrieb, war die Maschine aus zwei Gefäßen zusammengesetzt, die

unter Zwischenschaltung eines Hahnes miteinander in Verbindung standen.

Das eine dieser Gefäße wurde mit Hilfe der Kondensation des Dampfes

evakuiert und dann durch den äußeren Luftdruck mit Wasser gefüllt,

während das in dem zweiten Gefäß befindliche Wasser durch Dampfdruck

emporgeschafft wurde. Leider riß der Eisgang der Fulda die Maschine

fort. Da außerdem andere Aufgaben seiner harrten, ließ Papin seine auf

die Ausnutzung der Dampfkraft abzielenden Arbeiten vorläufig ruhen.

Inzwischen war Savery eifrigst bestrebt, seine Maschine zu

vervollkommnen. Ihr wesentlichster Übelstand bestand darin, daß sie

keinen ständigen, ununterbrochenen Betrieb ermöglichte, da, wenn der

Dampfinhalt des Dampfkessels verbraucht war, gewartet werden mußte,

bis wieder eine hinreichende Menge Dampf zur Verfügung stand. Den

ununterbrochenen Betrieb erzielte Savery in der Weise, daß er neben dem

eigentlichen Betriebsdampfkessel einen kleineren Kessel aufstellte, aus

welchem in jenen warmes Wasser hinübergedrückt wurde.

Savery war nebenbei außerordentlich rührig und eifrigst bestrebt,

die Vorzüge seiner Maschine weitesten Kreisen näher zu bringen. Zu

diesem Zwecke veröffentlichte er im Jahre 1702 eine mit Abbildungen

ausgestattete Druckschrift: ~_The Miners Friend_~[50]. Als Motto setzte

er derselben das Wort Senecas vor: ~Pigri est ingenii contentum esse

his, quae ab aliis inventa sunt~: Ein träger Geist begnügt sich mit

dem, was andere erfanden.

Dieses Motto scheint absichtlich gewählt zu sein, weil von

verschiedenen Seiten gegen Savery der Vorwurf erhoben wurde, er sei

lediglich ein Nachahmer des Marquis of Worcester. Dem trat er sehr

entschieden entgegen, indem er behauptete, er habe seine Erfindung dem

Zufall zu verdanken. Einst habe er einen in einer Flasche enthaltenen

Weinrest erhitzt und die Flasche, nachdem der Wein vollkommen in Dampf

verwandelt war, mit ihrem Halse in kaltes Wasser getaucht. Hierbei sei

das Wasser in der Flasche emporgetrieben worden, eine Beobachtung, die

er dann in seiner Maschine praktisch verwertet habe.

Die Druckschrift „~The Miners Friend~“ ist dem König gewidmet, dem

Savery ein kleines Modell seiner Maschine in Hampton Court vorgeführt

hatte, ferner der ~Royal Society~ und den Bergwerksbesitzern Englands.

Die in derselben abgebildete und beschriebene Maschine weist die

in Abb. 24 dargestellte verbesserte Anordnung auf. In dem zweiten

Kapitel der Druckschrift sind die verschiedenen Verwendungsgebiete

der Maschine aufgeführt: Betrieb von Mühlen, Wasserversorgung von

Palästen und Edelsitzen von einem im Dachstuhl aufgestellten Behälter

aus; Wasserversorgung von Städten; Entwässerung von Sümpfen und

Mooren; Entwässerung der Bergwerke. Auch für Schiffe empfiehlt Savery

seine Maschine, ohne jedoch anzugeben, in welcher Weise. Er geht auf

diese Verwendungsart nicht näher ein, sondern überläßt dieselbe den

Fachleuten.

[Illustration: Abbildung 24.

Die Geschichte der Dampfmaschine bis James Watt · 第 46 / 109 题