1. ein vollkommenes Gegengewicht für jede beliebige Menge von Wasser;

2. ein vollkommener Ausgleich (~countervail~) für jede Höhe, auf welche

das Wasser gefördert werden soll;

3. ein beweglicher Teil (~primum mobile~), der sowohl die Förderhöhe

als auch die Fördermenge beherrscht;

4. ein Ersatz oder Gegenwert, welcher die Stelle und Arbeit der vollen

Kraft eines Mannes, des Windes, eines Tieres oder eines Wasserrades

leistet;

5. eine Steuerungsvorrichtung mit Griffen, durch welche ein Kind die

ganze Arbeit der Maschine leiten, regulieren und kontrollieren kann;

6. ein besonderer Behälter für Wasser, entsprechend der gewünschten

Wassermenge oder Förderhöhe;

7. eine Wasserleitung, geeignet für die gewünschte Wassermenge und

Förderhöhe;

8. ein Raum für das Quell- oder Flußwasser, wohinein dieses läuft und

sich selbsttätig mit dem aufsteigenden Wasser vereinigt, und zwar am

unteren Ende der genannten Wasserleitung, mag diese auch noch so hoch

und weit sein;

„Dies ist“, so fügt der Marquis hinzu, „durch die göttliche Vorsehung

und durch himmlische Eingebung meine wunderbare Wasserhebemaschine, die

weder an eine gewisse Förderhöhe noch an eine bestimmte Fördermenge

gebunden ist.“

La Tour und Appel berichten in ihrer von uns bereits mehrfach zitierten

„Physik auf Grund ihrer geschichtlichen Entwicklung“, daß sich in den

hinterlassenen Papieren des Marquis of Worcester die Niederschrift

eines Dankgebetes gefunden hat, das er verfaßte, nachdem er seine

Maschine in Tätigkeit gesetzt hatte und sich mit eigenen Augen von dem

Erfolg überzeugen konnte. Dieses Gebet lautet:

„O unendlicher und allmächtiger Gott, Deine Barmherzigkeit hat keine

Grenzen. Deine Weisheit ist unermeßlich und unerschöpflich. Ich danke

Dir zuerst, daß Du mich erschaffen und mir Heil hast widerfahren

lassen. Dann aber sage ich Dir aus dem Innersten meines Herzens

demütigen Dank dafür, daß Du mir Einsicht in ein Geheimnis vergönnt

hast, welches so groß und für alle Menschen so wertvoll ist wie

meine Wasserhebemaschine. Bewahre mich nun davor, o Herr, daß meine

Kenntnis dieser und vieler seltenen und unvergleichlichen Erfindungen,

Einrichtungen und Versuche mich aufgeblasen mache, sondern züchtige

mein hochmütiges Herz, indem Du mich meine unwissende schwache und

unwürdige Natur erkennen lässest, die von allem Bösen versucht wird.“

Im Jahre 1663 hatte Worcester in seiner zu Vauxhall belegenen Werkstatt

ein Modell seiner Wasserhebemaschine angefertigt und König Karl II. zu

dessen Besichtigung eingeladen[40].

Sodann hatte er eine Maschine in größerem Maßstabe in Vauxhall für

die Wasserversorgung Londons aufgestellt. Am 3. April 1667 verstarb

Worcester in London und wurde in der Familiengruft zu Raglan feierlich

beigesetzt. Die Maschinenanlage zu Vauxhall war noch im Jahre 1669 im

Betriebe. In diesem Jahre wurde sie vom Prinzen Cosimo, dem Sohn des

Großherzogs Ferdinand II. von Toskana, besichtigt. In dem Tagebuche,

das Magalotti, der Begleiter des Prinzen, geführt hat, heißt es[41]:

„Damit Seine Hoheit den Tag nicht mit unnützen Dingen zubringe,

besuchten wir den anderen Teil der Stadt und sahen hier in einem

Garten in der Nähe des Palais des Erzbischofs von Canterbury eine

hydraulische Maschine, die vom Lord Somerset, Marquis of Worcester,

erfunden ist. Sie hebt Wasser 40 Fuß hoch und wird von einem einzigen

Mann bedient. In sehr kurzer Zeit füllt sie durch ein Rohr, welches

nur ½ Fuß Durchmesser hat, einen Behälter mit Wasser. Man sagt, sie

sei nützlicher als eine andere Maschine im Somersethause, die von zwei

Pferden in Bewegung gesetzt wird.“

Die Witwe des Marquis bemühte sich nach dem Tode ihres Gatten noch

eine Zeitlang um die Ausnutzung der Erfindung, gab jedoch alsbald aus

Rücksicht auf ihr Geschlecht und ihren Stand weitere Schritte auf.

_Boyle_ hatte bereits im Jahre 1660 die Beobachtung gemacht, daß

lauwarmes Wasser siedet, wenn die auf ihm lastende Luftsäule durch eine

Luftpumpe entfernt wird.

Auch _Huygens_ wendete sich der Untersuchung des Luftdrucks zu;

hierdurch wiederum wurde Dionysius Papin im Jahre 1674 veranlaßt,

eine Druckschrift über die von ihm angestellten Versuche und eine

von ihm verbesserte Luftpumpe zu veröffentlichen. In das Jahr 1674

fällt auch die Erteilung des englischen Patents Nr. 175 vom 14. März

genannten Jahres. Dasselbe läßt allerdings nicht erkennen, ob es sich

um eine Ausnutzung der Dampfkraft handelt. Es ist aber um deswillen

interessant, weil es dem _Sir Samuel Morland_ erteilt ist, der sich

später um die Ausgestaltung der Dampfmaschine nicht unwesentliche

Verdienste erworben hat. Als Gegenstand des Patents wird angegeben:

einige Maschinen, um große Wassermengen mit geringerem Kraftaufwand

zu heben, als es jetzt mit Hilfe von Ketten- und anderen Pumpen

möglich. Nach Farey ist Morland auch der Erfinder des Gangspills, des

Sprachrohres, der Plungerpumpe und einer Rechenmaschine.

Im Jahre 1678 machte der Abbé _Hautefeuille_ den Vorschlag, die bei

dem Verbrennen des Schießpulvers sich bildenden Gase als treibende

Mittel zu benutzen. Der erste Vorschlag ging dahin, die Pulvergase

zu kondensieren und durch das hierbei sich bildende Vakuum Wasser

anzusaugen; nach dem zweiten Vorschlage sollten die Pulvergase auf die

Oberfläche des in einem geschlossenen Gefäß enthaltenen Wassers drücken

und dieses Wasser in ein anderes Gefäß emporheben; nach dem dritten

Vorschlage sollten die Gase einen Kolben in eine hin und her gehende

Bewegung versetzen[42].

In demselben Jahre machte _Boyle_ eine Anzahl von Versuchen mit

Äolipilen, bei denen er zu dem Ergebnis kam, daß nur die im Dampf

enthaltenen Wasserteilchen kondensierbar seien, daß aber die Luft nicht

in Flüssigkeit verwandelt werden könne.

In das Jahr 1679 fällt wiederum ein auf das Heben von Wasser erteiltes

Patent. Dasselbe trägt die Nr. 208 und ist unter dem 23. Mai _George

Burton_, _Silvester Plott_ und _John Deighton_ auf ein Mittel oder ein

Verfahren erteilt, „um durch Wasserkraft („Hydragogie“) in Röhren,

Maschinen und Gefäßen Wasser höher zu heben, als es bis jetzt in den

Londoner Maschinenhäusern und in England möglich ist.“

Von Dionysius Papin bis James Watt.

Wir wenden uns nunmehr dem zweiten Abschnitt der vor James Watt

liegenden Entwicklung der Dampfmaschine zu. Derselbe steht durchaus

im Namen _Dionysius_ (_Denis_) _Papins_. Er unterscheidet sich von

dem ersten, Jahrtausende umfassenden Abschnitt dadurch, daß an die

Stelle des Tastens und unsicheren Suchens allmählich ein zielbewußtes,

auf das gewissenhaft ausgeführte und zutreffend beurteilte Experiment

gestütztes Streben tritt.

Wohl war das Ventil, der in dem Zylinder bewegliche Kolben, die

Expansions- und Druckkraft des Dampfes und die Kondensation des

Dampfes bekannt. Auch war bereits der Vorschlag gemacht worden, die

Expansionskraft des explodierenden Pulvers zur Bewegung eines Kolbens

zu benutzen. Allen diesen Tatsachen gegenüber, von denen übrigens

nicht feststeht, inwieweit sie Papin bekannt waren, besteht dessen

großartiges Verdienst darin, daß er den ersten erfolgreichen Schritt

auf dem Wege zur Herstellung der Dampfmaschine im Sinne der Jetztzeit

tat.

Nachdem Papin, wie wir auf S. 57 berichteten, sich mit der Erforschung

des Wesens des Luftdrucks beschäftigt hatte und das Ergebnis derselben

in einer Huygens gewidmeten Schrift im Jahre 1674 niedergelegt hatte,

ging er dazu über, auch die Natur des Wasserdampfes zu untersuchen. Die

Ergebnisse dieser Arbeiten sind niedergelegt in der im Jahre 1681 in

London erschienenen Schrift: „~A New Digester or Engine for softning

Bones, containing the Description of its Make and Use in Cookery,

Voyages at Sea, Confectionary, Making of Drinks, Chymistry and Dying

etc.~“

Der in dieser Schrift beschriebene Digester ist der bekannte in Abb. 20

dargestellte _Papinsche Topf_. Bis auf den heutigen Tag ist derselbe

als sparsame und zweckdienliche Kochvorrichtung im Gebrauch, aufgebaut

auf der Abhängigkeit des Siedepunktes vom Druck.

Für die Entwicklung der Dampfmaschine ist diese Schrift nicht nur wegen

der erweiterten Kenntnis des Wesens des Wasserdampfes von hohem Wert,

sondern auch um deswillen, weil hier, wie unsere Abbildung erkennen

läßt, das so überaus wichtige _Sicherheitsventil_ mit veränderlicher

Belastung zuerst in die Erscheinung tritt. In Abb. 20 ist dasselbe mit

~_LMN_~ bezeichnet. Im Jahre 1681 machte _Huygens_ den Vorschlag, die

Gase des explodierenden Pulvers zum Auftrieb eines in einem Zylinder

beweglichen Kolbens zu verwenden und alsdann die Gase zu kondensieren.

Die Abwärtsbewegung des Kolbens sollte durch den Überdruck der Luft

bewirkt werden[43].

Inzwischen ruhte auch in England die Erfindertätigkeit nicht. Das Jahr

1681 brachte die Gewährung zweier Patente, die, wenn auch nicht als

Dampfmaschinenpatente benannt, dennoch von uns erwähnt werden müssen.

[Illustration: Abbildung 20.

Papinscher Topf.

Die Geschichte der Dampfmaschine bis James Watt · 第 45 / 109 题